Wangen-Brüttisellen

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Wangen-Brüttisellen
Staat Schweiz
Kanton Zürich
Bezirk Uster
BFS-Nummer 0200
Postleitzahlen 8306 Brüttisellen
8602 Wangen bei Dübendorf
Koordinaten 47° 25′ N, 8° 39′ O
Höhe 465 m ü. M.
Fläche 7,92 km²
Ortsteile Wangen und Brüttisellen
Einwohnerbezeichnung Wangen-Brüttisellerin, Wangen-Brüttiseller
Website www.wangen-bruettisellen.ch

Wangen-Brüttisellen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Uster des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im mittleren Glatttal zwischen der Stadt Dübendorf, Wallisellen, Dietlikon und dem Zürcher Oberland. Die Gemeinde besteht aus den beiden Ortsteilen Wangen und Brüttisellen, die sich hinsichtlich ihres Siedlungsbilds deutlich voneinander unterscheiden.

Wangen hat seinen historischen, von Landwirtschaft und traditionellen Riegelhäusern geprägten Dorfcharakter zu einem grossen Teil bewahrt. Brüttisellen entwickelte sich dagegen aufgrund seiner günstigen Verkehrslage zu einem dicht bebauten Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsstandort. Die Gemeinde zählt rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohner.[1]

Bis 1976 trug die politische Gemeinde offiziell den Namen Wangen. Der heutige Doppelname verdeutlicht die Bedeutung beider Ortsteile und insbesondere das starke Wachstum Brüttisellens im 20. Jahrhundert.

Geographie

Wangen-Brüttisellen liegt am nordöstlichen Rand der Glattalebene. Das Gemeindegebiet bildet einen Übergang zwischen dem dicht besiedelten Raum im Norden der Agglomeration Zürich und der offeneren Landschaft des Zürcher Oberlands.

Die Gemeindefläche beträgt rund 7,92 Quadratkilometer. Ein grosser Teil wird landwirtschaftlich genutzt oder ist bewaldet. Die Siedlungsflächen konzentrieren sich auf Wangen im östlichen und Brüttisellen im westlichen Teil der Gemeinde.

Wangen liegt erhöht auf einer durch eiszeitliche Ablagerungen geformten Geländeterrasse. Die Umgebung ist durch Ackerflächen, Wiesen, Obstgärten und Waldstücke geprägt. Der historische Dorfkern erstreckt sich entlang der alten Strassenverbindungen nach Dübendorf, Volketswil und Brüttisellen.

Brüttisellen liegt tiefer am Rand der Glattalebene. Das Gelände ist dort flacher und eignete sich besonders für den Bau grösserer Wohnsiedlungen, Gewerbebetriebe und Verkehrsanlagen. Der Ortsteil ist heute weitgehend mit Dietlikon und den angrenzenden Siedlungsgebieten zusammengewachsen.

Nachbargemeinden sind Dietlikon im Norden, Bassersdorf im Nordosten, Lindau im Osten, Volketswil im Südosten, Dübendorf im Süden und Wallisellen im Westen.

Ein Teil des Flugplatzes Dübendorf liegt auf dem Gemeindegebiet von Wangen-Brüttisellen. Das westliche Gemeindegebiet wird ausserdem von bedeutenden Strassen- und Autobahnverbindungen durchquert.

Ortsteile

Wangen

Wangen ist der ältere und stärker ländlich geprägte Ortsteil. Der Dorfkern besitzt zahlreiche historische Bauern- und Wohnhäuser, darunter mehrere gut erhaltene Riegelbauten. Das Ortsbild steht teilweise unter regionalem Schutz.

Die reformierte Kirche bildet zusammen mit dem Pfarrhaus und den umliegenden historischen Gebäuden den traditionellen Mittelpunkt des Dorfs. Rund um den alten Kern entstanden im Verlauf des 20. und frühen 21. Jahrhunderts neue Wohnquartiere.

Trotz der baulichen Entwicklung wird die Umgebung Wangens weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Mehrere Familien leben noch von der Landwirtschaft.[1] Die erhöhten und sonnigen Wohnlagen machen den Ortsteil zugleich zu einem gefragten Wohngebiet.

Auf dem Gebiet von Wangen befindet sich der geografische Mittelpunkt des Kantons Zürich. Er liegt in der Nähe des Weilers Lätten und wird durch eine Markierung im Gelände bezeichnet.

Brüttisellen

Brüttisellen war ursprünglich eine kleinere bäuerliche Siedlung. Im 19. und 20. Jahrhundert veränderte sich der Ort aufgrund der Industrialisierung und der verbesserten Verkehrsverbindungen grundlegend.

Heute ist Brüttisellen deutlich bevölkerungsreicher als Wangen. Der Ortsteil weist einen vorstädtischen Charakter mit Wohnsiedlungen, Gewerbebauten, Einkaufsangeboten und Verkehrsanlagen auf. Die Siedlungsgebiete gehen nahezu ohne erkennbare Grenze in jene von Dietlikon über.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich seit 1959 in Brüttisellen. Ihr Standort an der Stationsstrasse liegt in der Nähe des Bahnhofs Dietlikon und der wichtigsten Busverbindungen.

Brüttisellen ist vor allem durch den nahe gelegenen Autobahnknoten bekannt. Hier treffen die Autobahn A1 und die Autobahn A53, die sogenannte Oberlandautobahn, aufeinander.

Name

Brüttisellen wurde erstmals im Jahr 1207 als «Britisseldon» urkundlich erwähnt. Wangen erscheint 1242 als «Wangen apud Glatto», was sinngemäss «Wangen an der Glatt» bedeutet.[2]

Der Ortsname Wangen geht auf das althochdeutsche Wort wang zurück. Es bezeichnete eine geneigte Wiese, einen Hang oder ein offenes Gelände. Der Name passt zur erhöhten Lage des Dorfs über der Glattalebene.

Die Herkunft des Namens Brüttisellen ist weniger eindeutig. Der erste Bestandteil wird wahrscheinlich von einem Personennamen abgeleitet. Der zweite Bestandteil könnte mit einer Bezeichnung für eine Behausung oder einen Hof zusammenhängen.

Zur Unterscheidung von anderen Orten namens Wangen wird der Ortsteil postalisch als «Wangen bei Dübendorf» bezeichnet. Brüttisellen besitzt die Postleitzahl 8306.

Geschichte

Frühgeschichte und Römerzeit

Das Gebiet von Wangen-Brüttisellen war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Im Bereich Wieslistein bei Wangen wurde ein Grabhügel aus der Hallstattzeit nachgewiesen. Er deutet auf eine Besiedlung oder Nutzung des Gebiets während der frühen Eisenzeit hin.

Im Gebiet Lindenbuck bei Brüttisellen wurden römische Funde entdeckt. Die Glattalregion lag während der Römerzeit in einem landwirtschaftlich genutzten und verkehrstechnisch gut erschlossenen Gebiet zwischen den damaligen Siedlungszentren.

Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung siedelten sich alemannische Bevölkerungsgruppen an. Aus ihren Höfen und kleineren Siedlungen entwickelten sich im Mittelalter die Dörfer Wangen und Brüttisellen.

Mittelalter

Zwischen 1194 und 1198 erhielt die Johanniterkommende Bubikon von den Freiherren von Neu-Rapperswil Grundbesitz in Wangen. Die Kommende entwickelte sich zu einer bedeutenden Grund- und Gerichtsherrin.

Vor 1326 erwarb die Johanniterkommende von den Habsburgern die niedere Gerichtsbarkeit über Wangen und Hermikon, das heute zur Stadt Dübendorf gehört. Die hohe Gerichtsbarkeit blieb zunächst mit der Grafschaft Kyburg verbunden.[2]

Brüttisellen war in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Sitz eines freiherrlichen Geschlechts. Über die Familie und ihren Sitz sind nur wenige Einzelheiten überliefert. Später wurde Brüttisellen dem Unteramt der Grafschaft Kyburg zugeordnet.

Nach dem Aussterben der älteren Grafen von Kyburg im Jahr 1264 gingen ihre Rechte an die Habsburger über. Die Stadt Zürich erwarb 1424 und 1452 schrittweise die Herrschaftsrechte über grosse Teile der Grafschaft Kyburg. Damit kamen auch Wangen und Brüttisellen unter Zürcher Herrschaft.

Zürcher Herrschaft

Die Johanniterkommende Bubikon verkaufte ihre niedergerichtlichen Rechte in Wangen im Jahr 1618 an die Stadt Zürich. Diese richtete 1631 innerhalb der Landvogtei Kyburg ein eigenes Niedergericht Wangen ein.

Brüttisellen blieb dem Unteramt der Landvogtei Kyburg zugeordnet. Obwohl die beiden Dörfer unterschiedlichen lokalen Verwaltungsstrukturen angehörten, waren sie kirchlich und wirtschaftlich eng miteinander verbunden.

Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die höher gelegenen Moränenböden wurden für Ackerbau, Wiesen und Obstgärten genutzt. In der feuchten Glattalebene befanden sich gemeinschaftlich genutzte Weiden, Riedflächen und Torfgebiete.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde in den sumpfigen Gebieten Torf abgebaut. Er diente der Bevölkerung als Brennmaterial. Erst durch Entwässerung und Melioration konnten grössere Teile der Ebene intensiver genutzt und später überbaut werden.

Reformation und Kirche

Eine Kirche in Wangen wurde vermutlich um 1100 errichtet und 1326 erstmals urkundlich erwähnt. Sie war wahrscheinlich der Gottesmutter Maria oder der heiligen Verena geweiht.

Das Patronatsrecht lag im Mittelalter bei der Johanniterkommende Bubikon. Mit dem Verkauf der Herrschaftsrechte ging es 1618 an die Stadt Zürich über.

Während der Zürcher Reformation wurde die Kirchgemeinde in den 1520er-Jahren reformiert. Brüttisellen gehörte bereits seit dem Hochmittelalter zur Kirchgemeinde Wangen.

Die mittelalterliche Kirche wurde im 19. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt. Die heutige reformierte Kirche entstand von 1874 bis 1876. Sie prägt mit ihrem Turm und ihrer erhöhten Lage das Ortsbild von Wangen.

Heimarbeit und frühe Industrie

Im 18. Jahrhundert gewann die Baumwollverarbeitung als Heimarbeit an Bedeutung. Für das Jahr 1787 sind in Wangen etwa 90 Spinnerinnen und Spinner sowie 47 Weberinnen und Weber überliefert.[2]

Die Heimarbeit ermöglichte bäuerlichen Familien ein zusätzliches Einkommen. Produziert wurde im Auftrag städtischer Kaufleute, welche die Rohstoffe lieferten und die fertigen Textilien vermarkteten.

Um 1830 entstanden in Wangen zwei kleine Spinnereien. Sie gehörten zu den ersten gewerblichen Produktionsstätten der Gemeinde. Die Industrialisierung blieb in Wangen jedoch zunächst begrenzt.

Caspar Appenzeller übernahm die Anlagen und wandelte sie 1856 und 1857 in eine Seidenzwirnerei sowie eine Erziehungsanstalt für Mädchen um. Im Jahr 1874 gründete er in Brüttisellen zusätzlich ein Heim für Knaben. Die Einrichtungen verbanden soziale Fürsorge, Erziehung und gewerbliche Arbeit.

Entstehung der politischen Gemeinde

Nach dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik wurden 1798 die alten Herrschafts- und Untertanenverhältnisse aufgehoben.

Die neue politische Gemeinde entstand auf dem Gebiet der bisherigen Kirchgemeinde. Sie wurde zunächst dem Distrikt Bassersdorf zugeteilt. Nach der Mediationsakte von 1803 gehörte sie zum Bezirk Bülach.

Im Jahr 1814 kam die Gemeinde zum Oberamt Greifensee. Seit der Einführung der heutigen Bezirksorganisation im Jahr 1831 gehört sie zum Bezirk Uster.

Aus den früheren Dorfgemeinschaften gingen die Zivilgemeinden Wangen und Brüttisellen hervor. Sie verwalteten bestimmte lokale Güter, Strassen, Wasserversorgungen und weitere gemeinschaftliche Aufgaben. Die Zivilgemeinde Wangen wurde 1970 aufgehoben, die Zivilgemeinde Brüttisellen bestand bis 2009.[2]

Aufstieg Brüttisellens

Der Ausbau der Hauptstrasse zwischen Zürich und Winterthur im Jahr 1841 verbesserte die Verkehrslage Brüttisellens. Einen weiteren wichtigen Impuls gab die Eröffnung der Bahnstation Dietlikon durch die Schweizerische Nordostbahn im Jahr 1865.

Obwohl der Bahnhof auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Dietlikon liegt, befindet er sich nahe bei Brüttisellen. Er erleichterte den Transport von Arbeitskräften und Gütern und förderte die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie.

In den 1890er-Jahren eröffnete die Schuhfabrik Walder in Brüttisellen. Sie entwickelte sich zum grössten Arbeitgeber der Region. Das ehemalige Bauerndorf wandelte sich dadurch zu einem Arbeiter- und Industriedorf.

1930 waren 64 Prozent der in der Gemeinde wohnhaften Erwerbstätigen im zweiten Wirtschaftssektor beschäftigt.[2] Neben der Schuhindustrie entstanden weitere Gewerbe- und Industriebetriebe.

Die Industrialisierung führte zu einem starken Wachstum Brüttisellens. Neue Wohnhäuser, Arbeiterwohnungen, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen wurden gebaut.

Flugplatz Dübendorf

Im Jahr 1910 wurde das Flugfeld Dübendorf angelegt. Ein Teil des Areals befand sich auf Wangener Gemeindegebiet. Der Flugplatz entwickelte sich zunächst zu einem wichtigen Standort der schweizerischen Zivilluftfahrt und später zum bedeutendsten Militärflugplatz des Landes.

Anders als in Brüttisellen löste die Nähe zum Flugplatz in Wangen zunächst keinen grossen Bauboom aus. Einschränkungen durch den Flugbetrieb und die ländliche Struktur verhinderten eine stärkere Siedlungsentwicklung.

Der Flugplatz und seine zukünftige Nutzung sind bis heute wichtige Themen der kommunalen und regionalen Politik. Die Gemeinde befasst sich insbesondere mit Fragen der Raumplanung, der Erschliessung und des Fluglärms.

Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach 1950 setzte ein besonders starkes Bevölkerungs- und Siedlungswachstum ein. Brüttisellen wurde in die sich ausdehnende Agglomeration Zürich-Nord einbezogen. Auf dem flachen Gelände entstanden grössere Wohnüberbauungen, Gewerbezonen und Einkaufsangebote.

Wangen entwickelte sich ebenfalls, jedoch vorwiegend durch den Bau von Einfamilienhäusern und kleineren Wohnanlagen. Der historische Dorfkern und die offenen Landwirtschaftsflächen blieben weitgehend erhalten.

Aufgrund der wachsenden Bedeutung Brüttisellens wurde die Gemeindeverwaltung 1959 von Wangen nach Brüttisellen verlegt.

Im Jahr 1976 änderte die politische Gemeinde ihren offiziellen Namen von «Wangen» in «Wangen-Brüttisellen». Damit wurde die tatsächliche Bedeutung des inzwischen grösseren Ortsteils Brüttisellen auch im Gemeindenamen sichtbar.[2]

Wappen

Das Gemeindewappen zeigt in Gold einen schwarzen Adler mit roter Bewehrung. Auf seiner Brust befindet sich ein silberner Halbmond.

Das Wappen geht auf historische Darstellungen zurück und wurde im 20. Jahrhundert in seiner heutigen Form festgelegt. Es wurde am 14. Dezember 1934 als offizielles Wappen der damaligen Gemeinde Wangen anerkannt.

Nach der Umbenennung der Gemeinde im Jahr 1976 blieb das Wappen unverändert. Es wird heute von der politischen Gemeinde Wangen-Brüttisellen verwendet.

Bevölkerung

Wangen-Brüttisellen wuchs seit dem 19. Jahrhundert zunächst durch die Industrialisierung Brüttisellens und später durch die Ausdehnung der Agglomeration Zürich.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1467 ungefähr 105
1634 217
1762 538
1836 812
1850 780
1900 1188
1910 1460
1950 1780
1970 3692
2000 5978
2024 über 8200

Der erste deutliche Wachstumsschub erfolgte mit der Ansiedlung von Industriebetrieben in Brüttisellen. Ein noch stärkeres Wachstum setzte in den 1960er-Jahren ein, als neue Wohnquartiere und Verkehrsverbindungen entstanden.

Die Bevölkerung ist überwiegend deutschsprachig. Im Alltag wird hauptsächlich Zürichdeutsch gesprochen. Aufgrund der Lage in der Agglomeration und der Zuwanderung aus dem Ausland sind zahlreiche weitere Sprachen vertreten.

Ein Teil der Bevölkerung gehört der evangelisch-reformierten oder der römisch-katholischen Kirche an. Daneben bestehen weitere Religionsgemeinschaften sowie ein wachsender Anteil konfessionsloser Einwohnerinnen und Einwohner.

Politik

Wangen-Brüttisellen ist als politische Gemeinde nach dem Recht des Kantons Zürich organisiert. Die Stimmberechtigten bilden das oberste Gemeindeorgan und entscheiden an Gemeindeversammlungen über grundlegende kommunale Geschäfte.

Zu den Aufgaben der Gemeindeversammlung gehören die Genehmigung des Budgets und der Jahresrechnung, der Erlass kommunaler Vorschriften sowie Entscheide über grössere Bau- und Investitionsvorhaben.

Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Er leitet die Gemeindeverwaltung und ist unter anderem für Finanzen, Raumplanung, Hoch- und Tiefbau, Sicherheit, Soziales, Gesundheit, Kultur und öffentliche Liegenschaften verantwortlich.

Die Mitglieder des Gemeinderats und weiterer kommunaler Behörden werden an der Urne gewählt. Politische Parteien und lokale Gruppierungen beteiligen sich am öffentlichen Leben und an den kommunalen Wahlen.

Bei regionalen Aufgaben arbeitet Wangen-Brüttisellen mit Dübendorf, Dietlikon, Wallisellen und weiteren Gemeinden zusammen.

Verwaltung

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Stationsstrasse 10 in Brüttisellen. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem Einwohnerdienste, Steuerwesen, Bauverwaltung, Finanzen, Sozialberatung, Sicherheit und die Organisation von Wahlen und Abstimmungen.

Die Verlegung der Verwaltung nach Brüttisellen im Jahr 1959 spiegelte die veränderten Bevölkerungsverhältnisse innerhalb der Gemeinde wider.

Öffentliche Dienstleistungen werden zunehmend auch über einen Online-Schalter angeboten. Amtliche Mitteilungen, Vorlagen zu Gemeindeversammlungen und kommunale Erlasse sind auf der Website der Gemeinde verfügbar.

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Struktur unterscheidet sich in den beiden Ortsteilen deutlich. Wangen ist weiterhin durch Landwirtschaft, kleinere Gewerbebetriebe und Wohngebiete geprägt. Brüttisellen besitzt dagegen zahlreiche Arbeitsplätze in Gewerbe, Handel, Logistik und Dienstleistungen.

Die Schuhfabrik Walder war während eines grossen Teils des 20. Jahrhunderts ein bedeutender Arbeitgeber. Nach dem Rückgang der traditionellen Industrie gewannen andere Branchen an Bedeutung.

Die gute Erreichbarkeit über Strasse und öffentlichen Verkehr machte Brüttisellen zu einem attraktiven Unternehmensstandort. In den Gewerbegebieten befinden sich Betriebe aus den Bereichen Bau, Fahrzeughandel, Logistik, Informatik, Grosshandel und Unternehmensdienstleistungen.

In der Umgebung liegen mehrere grosse Einkaufs- und Fachmarktzentren. Ein Teil befindet sich auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Dietlikon, bildet jedoch gemeinsam mit den Gewerbegebieten Brüttisellens einen zusammenhängenden Wirtschaftsraum.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln zur Arbeit nach Zürich, Dübendorf, Wallisellen, Kloten oder in andere Gemeinden der Region. Gleichzeitig pendeln zahlreiche Beschäftigte zu den Unternehmen in Brüttisellen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft konzentriert sich hauptsächlich auf Wangen und die östlichen Teile des Gemeindegebiets. Angebaut werden unter anderem Getreide, Mais, Raps, Gemüse und Futterpflanzen.

Viehwirtschaft, Milchwirtschaft und Obstbau gehören ebenfalls zu den traditionellen landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Mehrere Bauernbetriebe werden weiterhin im Haupterwerb geführt.[1]

Die offenen Landwirtschaftsflächen erfüllen neben ihrer wirtschaftlichen Funktion eine wichtige Bedeutung für das Landschaftsbild, die Naherholung und die ökologische Vernetzung.

Der Siedlungsdruck in der Agglomeration stellt die Gemeinde vor die Aufgabe, landwirtschaftliche Flächen und wertvolle Landschaftsräume zu schützen.

Verkehr

Wangen-Brüttisellen besitzt eine aussergewöhnlich günstige, zugleich jedoch stark belastete Verkehrslage. Brüttisellen befindet sich an einem der wichtigsten Strassenknoten im Osten der Agglomeration Zürich.

Strassenverkehr

Am Autobahnknoten Brüttisellen zweigt die A53 von der A1 ab. Die A1 führt in Richtung Zürich, Winterthur, St. Gallen und Bern. Die A53 verbindet das Glattal mit Uster, Wetzikon und dem Zürcher Oberland.

Der Autobahnanschluss Brüttisellen wurde 1974 eröffnet.[2] Er förderte die wirtschaftliche Entwicklung, führte aber auch zu erheblichen Verkehrs- und Lärmbelastungen.

Durch Brüttisellen verlaufen wichtige Kantonsstrassen nach Dietlikon, Wallisellen, Bassersdorf und Wangen. Wangen ist über Strassen mit Dübendorf, Volketswil und Lindau verbunden.

Öffentlicher Verkehr

Brüttisellen wird durch den nahe gelegenen Bahnhof Dietlikon erschlossen. Dieser liegt an den Bahnstrecken Zürich–Winterthur und Zürich–Effretikon und wird von mehreren Linien der S-Bahn Zürich bedient.

Buslinien des Zürcher Verkehrsverbunds verbinden Brüttisellen und Wangen mit Dietlikon, Dübendorf, Wallisellen, Bassersdorf und weiteren Orten der Region.

Die Busverbindungen stellen auch die interne Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen sicher. Aufgrund der auseinanderliegenden Siedlungsgebiete ist der öffentliche Verkehr für die Gemeinde von besonderer Bedeutung.

Für den Fuss- und Veloverkehr bestehen lokale Wege sowie regionale Verbindungen in Richtung Dübendorf, Dietlikon, Volketswil und Bassersdorf.

Bildung

Wangen-Brüttisellen verfügt über mehrere Kindergärten und Primarschulanlagen. Schulstandorte befinden sich in beiden Ortsteilen.

Die Schule umfasst den Kindergarten, die Primarstufe und Angebote der schulergänzenden Betreuung. Aufgrund des Bevölkerungswachstums mussten die Schulanlagen wiederholt erweitert und modernisiert werden.

Für die Sekundarstufe bestehen regionale Schulstrukturen. Weiterführende Schulen, Berufsfachschulen und Gymnasien befinden sich vor allem in Dübendorf, Uster, Winterthur und Zürich.

Neben dem öffentlichen Schulangebot bestehen Musikunterricht, Freizeitkurse, Bibliotheken sowie Angebote für Kinder und Jugendliche.

Seit Mai 2024 trägt Wangen-Brüttisellen das UNICEF-Label «Kinderfreundliche Gemeinde». Damit wird das kommunale Engagement für die Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen ausgezeichnet.[3]

Kirchen und Religion

Die reformierte Kirche in Wangen ist das bedeutendste historische Sakralgebäude der Gemeinde. Der heutige Bau entstand zwischen 1874 und 1876 an der Stelle einer älteren Kirche.

Die reformierte Kirchgemeinde umfasst Wangen, Brüttisellen und teilweise weitere umliegende Gebiete. Sie organisiert Gottesdienste, kirchlichen Unterricht, soziale Angebote und kulturelle Veranstaltungen.

Für die römisch-katholische Bevölkerung bestehen Kirchen und Gemeindezentren in der näheren Umgebung. Die katholische Pfarreiorganisation ist regional ausgerichtet.

In Brüttisellen und den benachbarten Gemeinden sind ausserdem weitere christliche Gemeinschaften sowie Angehörige anderer Religionen vertreten.

Ortsbild und Baukultur

Das Ortsbild von Wangen wird von historischen Bauernhäusern, Riegelbauten, der Kirche und dem Pfarrhaus geprägt. Mehrere Gebäude stammen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert.

Die traditionellen Bauernhäuser verbinden Wohn- und Wirtschaftsräume unter einem gemeinsamen Dach. Sichtbares Fachwerk, grosse Dächer und ehemalige Scheunenteile sind charakteristische Merkmale.

Der alte Dorfkern hat trotz neuer Wohnbauten seine geschlossene Wirkung weitgehend bewahrt. Die Gemeinde berücksichtigt seinen Schutz bei der Orts- und Bauplanung.

Brüttisellen besitzt nur noch wenige zusammenhängende Bereiche des ursprünglichen Bauerndorfs. Wohnsiedlungen, Gewerbebauten und Verkehrsanlagen prägen heute den grössten Teil des Ortsbilds.

Einzelne ältere Gebäude erinnern jedoch weiterhin an die Zeit vor der Industrialisierung. Die unterschiedlichen Siedlungsformen der beiden Ortsteile gehören zu den auffälligsten Merkmalen der Gemeinde.

Natur und Landschaft

Die Landschaft bei Wangen besteht aus Feldern, Wiesen, Obstgärten, Hecken und Waldflächen. Sie bildet einen wichtigen Naherholungsraum innerhalb der dicht besiedelten Region.

Im Gemeindegebiet liegen verschiedene ökologisch wertvolle Flächen. Dazu gehören Waldränder, Feuchtgebiete, Bachläufe und extensiv bewirtschaftete Wiesen.

Ein Teil der ehemaligen Riedlandschaft wurde im 19. und 20. Jahrhundert entwässert oder überbaut. Verbliebene Naturflächen besitzen deshalb eine besondere Bedeutung für den Schutz von Pflanzen und Tieren.

Die Wege rund um Wangen werden zum Spazieren, Wandern, Joggen und Velofahren genutzt. Von den erhöhten Lagen reicht der Blick über das Glattal und bei guter Sicht bis zu den Alpen.

Die Nähe zum Flugplatz Dübendorf und zu den grossen Verkehrsanlagen führt zugleich zu Lärm- und Umweltbelastungen. Fragen des Landschaftsschutzes, der Siedlungsentwicklung und der zukünftigen Nutzung des Flugplatzareals sind wichtige Bestandteile der kommunalen Planung.

Kultur und Gesellschaft

Das kulturelle und gesellschaftliche Leben wird von Vereinen, Schulen, Kirchen, politischen Organisationen und freiwillig tätigen Einwohnerinnen und Einwohnern getragen.

In der Gemeinde bestehen Vereine aus den Bereichen Sport, Musik, Natur, Kultur, Jugendförderung, Politik und Gemeinnützigkeit. Gemeindesäle, Turnhallen, Sportanlagen und weitere Räume stehen für Veranstaltungen zur Verfügung.

Dorffeste, Konzerte, Vereinsanlässe und Märkte fördern den Austausch zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern der beiden Ortsteile.

Aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung von Wangen und Brüttisellen besteht die kommunale Identität sowohl aus ländlich-dörflichen als auch aus städtisch geprägten Elementen.

Sport und Freizeit

Die Gemeinde verfügt über Sporthallen, Sportplätze, Spielplätze und weitere Freizeitanlagen. Vereine bieten unter anderem Turnen, Fussball, Tennis, Schiessen und verschiedene Mannschaftssportarten an.

Die offene Landschaft bei Wangen eignet sich für Wanderungen, Velotouren und andere Freizeitaktivitäten. Regionale Routen verbinden die Gemeinde mit Dübendorf, Volketswil, Bassersdorf und dem Zürcher Oberland.

Für Kinder und Jugendliche bestehen Jugendangebote, Ferienprogramme und Möglichkeiten zur Mitwirkung an kommunalen Projekten.

Feuerwehr und Sicherheit

Die Feuerwehr wird gemeinsam mit der Stadt Dübendorf organisiert. Die Feuerwehr Dübendorf–Wangen-Brüttisellen ist für Brandbekämpfung, Rettungseinsätze, technische Hilfeleistungen und die Bewältigung von Elementarereignissen zuständig.

Aufgrund der Autobahnen, Gewerbegebiete und des Flugplatzes muss die Feuerwehr auf unterschiedliche Einsatzarten vorbereitet sein. Dazu gehören Verkehrsunfälle, Industrieereignisse und Einsätze auf grossen Verkehrsflächen.

Polizeiliche Aufgaben werden von der Kantonspolizei Zürich und regionalen Polizeiorganisationen wahrgenommen. Für medizinische Notfälle stehen die Rettungsdienste der Region zur Verfügung.

Infrastruktur

Die Gemeinde betreibt und unterhält Schulhäuser, Sportanlagen, Verwaltungsgebäude, Strassen, Wasserversorgung und Abwasseranlagen.

Die Trinkwasserversorgung ist in regionale Netze eingebunden. Das Abwasser wird über die Kanalisation zu einer regionalen Abwasserreinigungsanlage geleitet.

Für die Abfallentsorgung bestehen kommunale Sammelstellen und regionale Angebote. Wiederverwertbare Stoffe werden getrennt gesammelt.

Brüttisellen verfügt über zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Dienstleistungen. In Wangen ist das lokale Angebot kleiner und stärker auf die Grundversorgung ausgerichtet.

Charakter der Gemeinde

Wangen-Brüttisellen vereint zwei sehr unterschiedliche Siedlungsräume. Wangen steht mit seinem geschützten Dorfkern, seinen Bauernbetrieben und der offenen Landschaft für die ländliche Vergangenheit des Glatttals.

Brüttisellen verkörpert dagegen die industrielle, verkehrstechnische und vorstädtische Entwicklung der Region. Der Ortsteil ist eng mit den Siedlungs- und Wirtschaftsräumen von Dietlikon, Wallisellen und Dübendorf verbunden.

Diese Gegensätze prägen die Identität der Gemeinde. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, das weitere Wachstum, den Verkehr, die wirtschaftliche Entwicklung und den Schutz der verbliebenen Landschaftsräume miteinander zu vereinbaren.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Birkhäuser, Basel 1978.
  • Ueli Müller: Wangen-Brüttisellen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Gemeinde Wangen-Brüttisellen: Ihre Gemeinde von A bis Z. Wangen-Brüttisellen.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Gemeinde Wangen-Brüttisellen: Portrait, abgerufen am 26. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Ueli Müller: Wangen-Brüttisellen, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 21. August 2013, abgerufen am 26. Juli 2026.
  3. Gemeinde Wangen-Brüttisellen: Kinderfreundliche Gemeinde, abgerufen am 26. Juli 2026.

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