Rote Fabrik

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Rote Fabrik
Art Kulturzentrum
Ort Zürich
Quartier Wollishofen
Adresse Seestrasse 395, 8038 Zürich
Ursprüngliche Nutzung Seidenweberei
Bauzeit 1892–1895
Architekten Carl Arnold Séquin-Bronner, Emil Schmid-Kerez
Eigentümer Stadt Zürich
Kulturbetrieb seit 1980
Definitiver Kulturbetrieb seit 1987
Denkmalschutz Inventar der kantonalen Denkmalpflege seit 1981
Koordinaten 47,34333° N, 8,53667° E
Website rotefabrik.ch

Rote Fabrik ist ein Kulturzentrum in Wollishofen im Kreis 2 der Stadt Zürich. Der direkt am Zürichsee gelegene ehemalige Industriekomplex wurde zwischen 1892 und 1895 als mechanische Seidenweberei errichtet. Seit 1980 wird das Areal für einen weitgehend selbstverwalteten Kultur- und Veranstaltungsbetrieb genutzt; 1987 stimmten die Zürcher Stimmberechtigten der dauerhaften Nutzung als Kulturzentrum zu.[1]

Die Rote Fabrik entwickelte sich zu einem der bekanntesten alternativen Kulturzentren der Schweiz. Das Programm umfasst Konzerte, Theater, Tanz, Film, Ausstellungen, politische und gesellschaftliche Veranstaltungen sowie verschiedene Produktions- und Atelierangebote. Auf dem Areal befinden sich unter anderem die Aktionshalle, das Fabriktheater, der Clubraum, die Shedhalle und das Restaurant Ziegel oh Lac.

Die Geschichte des Kulturzentrums ist eng mit den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Kulturpolitik und Freiräume in Zürich verbunden. Insbesondere während der Zürcher Jugendunruhen von 1980 wurde die Forderung nach selbstbestimmten Kulturorten zu einem wichtigen politischen Thema.

Lage

Die Rote Fabrik befindet sich an der Seestrasse 395 im südlichen Teil von Wollishofen unmittelbar am linken Ufer des Zürichsees.

Das Areal liegt zwischen der Seestrasse und dem See. Nördlich befindet sich der Bahnhof Zürich Wollishofen, südlich führt der Uferweg weiter in Richtung Stadtgrenze und Kilchberg.

Die Lage direkt am Wasser gehört zu den charakteristischen Merkmalen des Kulturzentrums. Mehrere Aussenbereiche öffnen sich zum See, und das Areal ist in den öffentlichen Seeuferweg eingebunden.

47,34333° N, 8,53667° E

Industriegeschichte

Seidenindustrie in Zürich

Die Entstehung der Roten Fabrik steht im Zusammenhang mit der grossen Bedeutung der Textilindustrie für Zürich im 19. Jahrhundert.

Die Stadt und der Kanton Zürich gehörten zu den wichtigsten Zentren der schweizerischen Baumwoll- und Seidenindustrie. Neben zahlreichen Betrieben im Zürcher Oberland entstanden auch innerhalb und am Rand der Stadt Fabriken.

Wollishofen war zwar weniger stark industrialisiert als Zürich-West oder Oerlikon, doch siedelten sich entlang des Zürichsees mehrere Gewerbe- und Industriebetriebe an.[2]

Mechanische Seidenweberei Henneberg

Der heutige Fabrikkomplex entstand in den 1890er-Jahren als Mechanische Seidenstoffweberei Henneberg.

Die Gebäude wurden zwischen 1892 und 1895 errichtet.[3]

An der Planung waren insbesondere die Architekten Carl Arnold Séquin-Bronner und Emil Schmid-Kerez beteiligt.[4]

Carl Arnold Séquin-Bronner war einer der bedeutenden Schweizer Industriearchitekten seiner Zeit und entwarf zahlreiche Fabrikbauten.

Die Fabrik in Wollishofen war eines der ersten repräsentativen Industriegebäude dieses damals noch ländlich geprägten Stadtteils.[3]

Architektur

Die Rote Fabrik verdankt ihren heutigen Namen den charakteristischen Fassaden aus rotem Sichtbackstein.

Das Ensemble besteht hauptsächlich aus den drei historischen Gebäudetrakten A, B und C.[3]

Die Bauten wurden als moderne Stahl-Skelettkonstruktionen ausgeführt und mit Backsteinfassaden verkleidet.

Diese Bauweise ermöglichte vergleichsweise grosse und flexibel nutzbare Produktionsräume.

Historistische Gestaltung

Obwohl es sich um Industriebauten handelte, wurden die Fassaden aufwendig gestaltet.

Zu den charakteristischen architektonischen Elementen gehören:

  • rote Sichtbacksteinfassaden;
  • Rund- und Flachbogenfenster;
  • Schlusssteine über den Fensteröffnungen;
  • vertikale Lisenen;
  • horizontale Gurtgesimse;
  • langgestreckte Blendfelder;
  • ornamentierte Dachgesimse.

[3]

Die Architektur ist ein typisches Beispiel für den späthistoristischen Industriebau des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Die technischen Konstruktionen wurden dabei bewusst mit dekorativen Elementen verbunden, um den Fabrikgebäuden einen repräsentativen Charakter zu geben.

Produktionshallen

Die ehemaligen Produktionshallen erhielten grosse Fenster und Oberlichter, um die Arbeitsplätze möglichst gut mit Tageslicht zu versorgen.

Charakteristisch sind die satteldachförmigen Oberlichtkonstruktionen über Teilen der Hallen.[4]

Durch die Skelettbauweise blieben die Innenräume weitgehend frei von massiven Zwischenwänden. Diese ursprünglich für industrielle Produktion geschaffene Flexibilität erwies sich später als besonders geeignet für Theater-, Konzert- und Veranstaltungsräume.

Entwicklung nach der Seidenweberei

Die Produktion von Seidenstoffen wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts eingestellt.

1940 übernahm die Standard Telephon und Radio AG den Fabrikkomplex.[2]

Das Unternehmen nutzte die Gebäude für die Herstellung beziehungsweise Entwicklung von Geräten der Fernmelde- und Elektrotechnik.

Später verloren die Industriebauten ihre ursprüngliche Bedeutung. Teile des Areals wurden nur noch eingeschränkt genutzt oder dienten als Lagerflächen.

Kauf durch die Stadt Zürich

1972 erwarb die Stadt Zürich die ehemalige Fabrikanlage.[3]

Ursprünglich war vorgesehen, den Gebäudekomplex abzubrechen.

Die Seestrasse sollte verbreitert und gleichzeitig die Situation entlang des Seeufers neu gestaltet werden.[1]

Damit schien der Fortbestand der historischen Fabrik zunächst nicht gesichert.

Initiative für ein Kulturzentrum

1973 wurde eine Volksinitiative lanciert, die den Erhalt der Fabrik und ihre Umwandlung in ein Kultur- und Begegnungszentrum verlangte.[1]

Die Initiative entstand vor dem Hintergrund einer breiteren Diskussion über fehlende Räume für:

  • alternative Kultur;
  • experimentelles Theater;
  • Musik;
  • Jugendliche;
  • nicht etablierte Kunstformen.

Auch der Schweizerische Werkbund beschäftigte sich in dieser Zeit mit der Idee einer flexibel nutzbaren Aktionshalle für Zürich.

Die grossen, frei bespielbaren Räume der ehemaligen Fabrik erschienen dafür besonders geeignet.[5]

Volksabstimmung von 1977

Am 25. September 1977 stimmte die Zürcher Bevölkerung über die zukünftige Nutzung der Roten Fabrik ab.[6]

Die Stimmberechtigten sprachen sich für die Erhaltung und kulturelle Nutzung des Areals aus.

Trotz des Abstimmungsergebnisses wurde das Kulturzentrum jedoch nicht unmittelbar in der vorgesehenen Form realisiert.

In den folgenden Jahren blieb die Frage der konkreten Nutzung umstritten.

Zürcher Jugendbewegung

Ende der 1970er-Jahre wuchs insbesondere unter jungen Menschen die Kritik an der offiziellen Zürcher Kulturpolitik.

Ein zentraler Streitpunkt war das Fehlen selbstverwalteter Räume für:

  • Rock- und Popmusik;
  • unabhängiges Theater;
  • alternative Kunst;
  • politische Veranstaltungen;
  • Treffpunkte der Jugendkultur.

Gleichzeitig investierte die Stadt grosse Summen in etablierte Kulturinstitutionen.

Die Auseinandersetzung eskalierte 1980 in den Zürcher Jugendunruhen.

Opernhauskrawalle

Am 30. Mai 1980 kam es vor dem Opernhaus Zürich zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Polizei.

Auslöser war unter anderem die städtische Kulturpolitik. Die Stadt stellte erhebliche finanzielle Mittel für den Umbau des Opernhauses bereit, während Forderungen nach einem autonomen Jugendzentrum über längere Zeit nicht erfüllt worden waren.

Die Ereignisse wurden zum Ausgangspunkt einer breiten Jugendbewegung.

Zu ihren bekanntesten Forderungen gehörten autonome und selbstverwaltete Kultur- und Jugendräume.

Die Rote Fabrik erhielt in diesem Zusammenhang zusätzliche politische Bedeutung.

Interessengemeinschaft Rote Fabrik

1980 wurde die Interessengemeinschaft Rote Fabrik (IG Rote Fabrik) gegründet.[7]

Die Organisation übernahm wesentliche Aufgaben bei Aufbau und Betrieb des Kulturzentrums.

Ein wichtiges Prinzip war und ist eine möglichst kollektive und selbstbestimmte Organisation des Kulturbetriebs.

Die Interessengemeinschaft besteht aus verschiedenen Bereichen und Arbeitsgruppen, die Veranstaltungen, Infrastruktur und kulturelle Projekte organisieren.

Eröffnung des Kulturbetriebs 1980

1980 wurde der Kulturbetrieb in der Roten Fabrik provisorisch aufgenommen.[1]

Zunächst war ein siebenjähriger Versuchsbetrieb vorgesehen.

Musik und Theater bildeten von Beginn an wichtige Programmschwerpunkte.

Die Rote Fabrik entwickelte sich rasch zu einem Treffpunkt der alternativen Zürcher Kultur- und Jugendbewegung.

Neben klassischen Kulturveranstaltungen entstanden zahlreiche weitere Angebote und Projekte.

Volksabstimmung von 1987

Nach sieben Jahren provisorischen Betriebs entschieden die Zürcher Stimmberechtigten am 6. Dezember 1987 erneut über die Rote Fabrik.

Die Bevölkerung sprach sich für die definitive Nutzung des Areals als Kulturzentrum und die dafür erforderlichen städtischen Mittel aus.[8]

Damit wurde aus dem zunächst provisorischen Experiment eine dauerhaft etablierte Kulturinstitution.

Seit 1987 wird das Fabrikareal offiziell als Kultur- und Freizeitbetrieb geführt.[3]

Denkmalschutz

Die historischen Gebäudetrakte A, B und C wurden 1981 in das Inventar der kantonalen Denkmalpflege aufgenommen.[3]

Die Anlage gilt als bedeutendes Beispiel der Zürcher Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts.

Neben ihrem architektonischen Wert besitzt sie auch industrie-, sozial- und kulturgeschichtliche Bedeutung.

Die Rote Fabrik ist als Kulturgut von regionaler Bedeutung eingestuft.

Kulturbetrieb

Das Programm der Roten Fabrik ist bewusst breit angelegt.

Zu den regelmässigen Angeboten gehören:

  • Konzerte;
  • Theater;
  • Tanz;
  • Performance;
  • Film;
  • Lesungen;
  • Diskussionen;
  • politische Veranstaltungen;
  • Workshops;
  • Festivals;
  • Ausstellungen;
  • Projekte für Kinder und Jugendliche.

Der Schwerpunkt liegt traditionell auf unabhängigen und experimentellen Kulturformen.

Musik

Konzerte gehören seit Beginn des Kulturbetriebs zu den wichtigsten Aktivitäten.

In der Roten Fabrik traten sowohl lokale Künstlerinnen und Künstler als auch international bekannte Bands auf.

Zu den Musikern und Gruppen, die im Lauf der Geschichte dort spielten, gehören unter anderem:

  • Nirvana;
  • Red Hot Chili Peppers;
  • Bad Religion;
  • Manu Chao.

[9]

Mehrere später international erfolgreiche Bands traten bereits in der Roten Fabrik auf, bevor sie einem breiten europäischen Publikum bekannt wurden.

Aktionshalle

Die Aktionshalle ist einer der grössten Veranstaltungsräume des Kulturzentrums.

Sie befindet sich in Trakt B und wird vor allem für:

  • Konzerte;
  • grössere Theaterproduktionen;
  • Performances;
  • Festivals;
  • Tanzveranstaltungen

genutzt.

Nach der jüngsten Instandsetzung bietet die Halle bei Veranstaltungen Platz für bis zu 1300 Besucherinnen und Besucher.[10]

Fabriktheater

Das Fabriktheater ist ein kleinerer Theater- und Aufführungsraum innerhalb der Roten Fabrik.

Es wird insbesondere für:

  • zeitgenössisches Theater;
  • Tanz;
  • Performance;
  • experimentelle Produktionen;
  • Gastspiele

genutzt.

Der Raum besitzt eine flexible Bühne und Tribüne und kann je nach Produktion unterschiedlich eingerichtet werden.

Clubraum

Der Clubraum wird hauptsächlich für kleinere Konzerte, Clubveranstaltungen und weitere kulturelle Formate verwendet.

Aufgrund seiner geringeren Grösse bietet er einen deutlich intimeren Rahmen als die Aktionshalle.

Shedhalle

Hauptartikel: Shedhalle

Die Shedhalle ist eine Institution für zeitgenössische Kunst auf dem Areal der Roten Fabrik.

Sie wurde 1985 als dauerhafter Ausstellungsort eröffnet.

Das Programm entwickelte sich zunehmend in Richtung experimenteller und gesellschaftskritischer Kunst.

Die Shedhalle beschäftigt sich unter anderem mit:

  • zeitgenössischer Kunst;
  • gesellschaftspolitischen Themen;
  • feministischen Positionen;
  • postkolonialen Fragestellungen;
  • Performance;
  • transdisziplinären Projekten.

Sie ist organisatorisch eigenständig, gehört aber räumlich und kulturgeschichtlich eng zum Gesamtareal der Roten Fabrik.

Ziegel oh Lac

Das Restaurant Ziegel oh Lac befindet sich unmittelbar am Zürichsee auf dem Areal der Roten Fabrik.

Es wurde 1985 eröffnet.

Der Name ist ein Wortspiel mit dem französischen Ausdruck au lac und dem für die Fabrik charakteristischen Backstein beziehungsweise Ziegel.

Das Restaurant entwickelte sich zu einem wichtigen sozialen Treffpunkt des Kulturzentrums.

Insbesondere im Sommer wird der Aussenbereich direkt am See stark genutzt.

Fabrikzeitung

Ein bekanntes publizistisches Projekt der Roten Fabrik ist die Fabrikzeitung.

Sie behandelt kulturelle, politische und gesellschaftliche Themen.

Die Zeitung entwickelte sich zu einem eigenständigen Medium, das nicht nur über Veranstaltungen der Roten Fabrik berichtet, sondern Raum für:

  • Essays;
  • politische Debatten;
  • Kunst;
  • Literatur;
  • Gesellschaftskritik

bietet.

Ateliers

Ein bedeutender Teil der Roten Fabrik dient nicht dem öffentlichen Veranstaltungsbetrieb, sondern der kulturellen Produktion.

Auf dem Areal befinden sich zahlreiche Ateliers für professionelle Kulturschaffende.

Nach Abschluss der Instandsetzung von 2025 vermietet die Kulturabteilung der Stadt Zürich insgesamt 49 Ateliers in der Roten Fabrik.[10]

Sie werden unter anderem von Kulturschaffenden aus den Bereichen:

  • bildende Kunst;
  • Film;
  • Literatur

genutzt.

21 dieser Ateliers wurden 2025 neu geschaffen beziehungsweise durch Umnutzungen zusätzlich verfügbar gemacht.[10]

Artists in Residence

Seit 2008 betreibt die IG Rote Fabrik ein Artists-in-Residence-Programm.[11]

Es richtet sich an professionelle Kunst- und Kulturschaffende aus dem Ausland.

Zu den vertretenen Bereichen gehören:

  • bildende Kunst;
  • Tanz;
  • Theater;
  • Musik;
  • Fotografie;
  • Film.

Die Teilnehmenden erhalten für einen begrenzten Zeitraum ein Atelier sowie Zugang zur Infrastruktur und zum kulturellen Umfeld der Roten Fabrik.

Das Programm wird unter anderem von Pro Helvetia unterstützt.[11]

Selbstverwaltung

Die Organisationsform der Roten Fabrik unterscheidet sich von vielen klassischen Kulturinstitutionen.

Ein grosser Teil der Entscheidungen wird gemeinschaftlich und in verschiedenen Arbeitsbereichen getroffen.

Diese Struktur geht unmittelbar auf die Entstehungsgeschichte des Kulturzentrums zurück.

Selbstverwaltung bedeutet dabei nicht, dass das Kulturzentrum vollständig unabhängig von der Stadt Zürich arbeitet. Die Stadt ist Eigentümerin des Areals und unterstützt den Kulturbetrieb finanziell.

Gleichzeitig besitzt die IG Rote Fabrik erhebliche Eigenständigkeit bei der inhaltlichen Gestaltung und Organisation.

Politische Bedeutung

Die Rote Fabrik ist nicht nur ein Veranstaltungsort, sondern besitzt auch symbolische Bedeutung für die neuere Zürcher Stadtgeschichte.

Sie steht insbesondere für:

  • die Jugendbewegung der frühen 1980er-Jahre;
  • alternative Kulturpolitik;
  • Forderungen nach selbstverwalteten Freiräumen;
  • gesellschaftliche Gegenkultur;
  • die institutionelle Anerkennung nicht etablierter Kulturformen.

Viele Forderungen, die in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren als radikal galten, wurden später Bestandteil der regulären städtischen Kulturpolitik.

Brand von 2012

Im Juni 2012 kam es in Trakt B zu einem schweren Brand.

Besonders betroffen war der Atelierbereich.

Vierzehn Ateliers konnten danach nicht mehr genutzt werden.[10]

Durch den Brand wurde zudem die Gebäudestatik geschwächt und die darunterliegende Aktionshalle stark beschädigt.[10]

Bereits geplante Instandsetzungsarbeiten mussten in der Folge neu beurteilt und erweitert werden.

Verzögerung der Sanierung

Die Planungen für die Sanierung des Trakts B verzögerten sich über mehrere Jahre.

Unter anderem führten Rechtsmittelverfahren dazu, dass bereits vorgesehene Baumassnahmen nicht unmittelbar umgesetzt werden konnten.[10]

Schliesslich wurde ein Projekt entwickelt, das Denkmalschutz, zusätzliche Ateliers sowie moderne Anforderungen des Veranstaltungsbetriebs miteinander verbinden sollte.

Instandsetzung 2023–2025

Von 2023 bis 2025 wurde der Kopfteil von Trakt B umfassend instand gesetzt und erweitert.[3]

Die Arbeiten erfolgten nach Plänen von Kaufmann Widrig Architekten in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Bosshard und Partner.

Der Ausführungskredit betrug 30,6 Millionen Franken.[10]

Das Projekt umfasste insbesondere:

  • Wiederaufbau des zerstörten Ateliertrakts;
  • Bau eines zweigeschossigen neuen Aufbaus;
  • Sanierung der Aktionshalle;
  • Verbesserung des Brandschutzes;
  • Verbesserung des Schallschutzes;
  • Erneuerung von Oberlichtern;
  • Verstärkung historischer Fachwerkträger;
  • energetische Verbesserungen;
  • neue Ateliers.

Neuer Atelieraufbau

Der neue zweigeschossige Aufbau wurde bewusst als zeitgenössische Ergänzung des historischen Industriegebäudes gestaltet.

Seine Form orientiert sich am bestehenden Kopfbau und an den Proportionen des historischen Ensembles.

Die Fassaden wurden ebenfalls mit Backstein gestaltet, ohne den historischen Bestand unmittelbar zu kopieren.[10]

Die durch den Brand zerstörte Geschossdecke wurde durch eine Stahlbetondecke ersetzt.

Der darüberliegende Aufbau wurde als leichte Holzkonstruktion mit Sichtmauerwerk ausgeführt.[10]

Sanierung der Aktionshalle

Im Rahmen der Arbeiten wurde die Aktionshalle technisch umfassend modernisiert.

Sie erfüllt seit der Wiedereröffnung aktuelle Anforderungen an:

  • Brandschutz;
  • Schallschutz;
  • Fluchtwege;
  • Veranstaltungstechnik.

[10]

Damit kann die Halle wieder für Konzerte und Veranstaltungen mit bis zu 1300 Personen genutzt werden.

Photovoltaikanlage

Auf den nordwestlichen und südwestlichen Dachflächen wurde im Rahmen der Sanierung eine Photovoltaikanlage installiert.

Sie besitzt eine Leistung von rund 100 kWp und kann jährlich bis zu ungefähr 110'000 kWh elektrische Energie produzieren.[10]

Graffiti und Street Art

Graffiti und Wandmalereien gehören seit Jahrzehnten zum Erscheinungsbild der Roten Fabrik.

Viele Fassaden, Mauern und Nebengebäude sind mit wechselnden:

  • Graffiti;
  • politischen Botschaften;
  • Plakaten;
  • Wandbildern;
  • künstlerischen Interventionen

versehen.

Diese Gestaltung bildet einen bewussten Kontrast zur denkmalgeschützten historischen Backsteinarchitektur.

Die Oberflächen verändern sich ständig und spiegeln die lebendige Nutzung des Areals wider.

Seeufer

Die Lage unmittelbar am Zürichsee macht die Rote Fabrik auch ausserhalb des eigentlichen Kulturbetriebs zu einem beliebten Aufenthaltsort.

Das Gelände ist Teil des öffentlichen Seeuferraums.

Seit der Fertigstellung des Cassiopeiastegs im Jahr 2015 besteht in diesem Abschnitt eine durchgehende Fussverbindung entlang des Seeufers.[1]

Besonders im Sommer werden die Uferbereiche rund um die Fabrik stark genutzt.

Verkehr

Die Rote Fabrik ist mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar.

Unmittelbar an der Seestrasse befindet sich die Haltestelle Zürich, Rote Fabrik.

Sie wird von Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich bedient.

Der Bahnhof Zürich Wollishofen liegt rund einen halben Kilometer nördlich und bietet Anschluss an die S-Bahn Zürich.

Auch der Zürichsee und die umliegenden Velowege spielen für die Erreichbarkeit eine Rolle.

Bedeutung für Wollishofen

Die Rote Fabrik gehört zu den bekanntesten Bauwerken und Kulturinstitutionen von Wollishofen.

Während ein grosser Teil der früheren Industrieareale im Quartier zu Wohn- und Gewerbezwecken umgenutzt wurde, blieb die Fabrikanlage als weitgehend zusammenhängendes Industrieensemble erhalten.[2]

Damit erinnert sie an eine Phase der Quartiergeschichte, in der entlang des Seeufers auch industrielle Produktion eine wichtige Rolle spielte.

Internationale Wahrnehmung

Die Rote Fabrik besitzt über Zürich hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad.

Dazu tragen insbesondere internationale Konzertprogramme, Theaterproduktionen und Kunstprojekte bei.

Gleichzeitig wird sie häufig als Beispiel dafür genannt, wie aus einer politischen Forderung nach alternativer Kultur eine langfristig etablierte, öffentlich unterstützte Institution entstehen kann.

Chronologie

Jahr Ereignis
1892–1895 Bau des Fabrikensembles für die Mechanische Seidenstoffweberei Henneberg
1940 Übernahme durch die Standard Telephon und Radio AG
1972 Stadt Zürich kauft das Fabrikareal
1973 Lancierung einer Volksinitiative für den Erhalt als Kultur- und Begegnungszentrum
25. September 1977 Zürcher Stimmberechtigte sprechen sich für den Erhalt und die kulturelle Nutzung aus
1980 Gründung der Interessengemeinschaft Rote Fabrik
1980 Aufnahme des provisorischen Kulturbetriebs
1981 Aufnahme der Gebäudetrakte A, B und C in das Inventar der kantonalen Denkmalpflege
1985 Eröffnung der Shedhalle und des Restaurants Ziegel oh Lac
6. Dezember 1987 Zustimmung zur definitiven Nutzung als Kulturzentrum
1990er-Jahre Umfangreiche Sanierungen des Fabrikareals
2008 Beginn des Artists-in-Residence-Programms
Juni 2012 Schwerer Brand im Atelierbereich von Trakt B
2023 Beginn der umfassenden Instandsetzung von Trakt B
Juli 2025 Abschluss der Instandsetzung und Wiederaufbau des Ateliertrakts
2025 Wiederaufnahme des Veranstaltungsbetriebs in der sanierten Aktionshalle

Siehe auch

Literatur

  • Heinz Nigg (Hrsg.): Wir wollen alles, und zwar subito! Die Achtziger Jugendunruhen in der Schweiz und ihre Folgen. Limmat Verlag, Zürich 2001.
  • Verena Huber: Die Rote Fabrik – Geschichte eines alternativen Kulturzentrums. Zürich.
  • IG Rote Fabrik: Fabrikzeitung. Zürich, seit 1980er-Jahren.
  • Stadt Zürich: Quartierspiegel Wollishofen. Zürich.
  • Stadt Zürich: Dokumentation zur Instandsetzung der Roten Fabrik, Trakt B. Zürich 2025.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Stadt Zürich: Rund ums Seebecken – Rote Fabrik, abgerufen am 26. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Stadt Zürich, Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Wollishofen 2025, abgerufen am 26. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Stadt Zürich: Instandsetzung Rote Fabrik Kopfteil Trakt B, abgerufen am 26. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Stadt Zürich: Testplanung Seeufer Wollishofen, Angaben zur Roten Fabrik, abgerufen am 26. August 2026.
  5. IG Rote Fabrik: Fabrikzeitung, Nr. 362, «Lasst uns die Rote Fabrik», historische Beiträge zur Entstehung des Kulturzentrums.
  6. Stadtarchiv Zürich: Volksinitiative für ein Kultur- und Freizeitzentrum Rote Fabrik und Gemeindeabstimmung 25. Sept. 1977, Archivbestand Präsidialabteilung.
  7. Stadtarchiv Zürich: Verein Interessengemeinschaft Rote Fabrik – Statuten und Unterlagen 1980.
  8. Stadtarchiv Zürich: Unterlagen zur Gemeindeabstimmung vom 6. Dezember 1987, Rote Fabrik.
  9. Zürich Tourismus: Rote Fabrik, abgerufen am 26. August 2026.
  10. 10,00 10,01 10,02 10,03 10,04 10,05 10,06 10,07 10,08 10,09 10,10 Stadt Zürich: Rote Fabrik: Historische Bausubstanz mit neuem Aufbau vereint, 8. Juli 2025.
  11. 11,0 11,1 IG Rote Fabrik: Jahresbericht 2022, Abschnitt Artists in Residence.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Rote Fabrik