Killwangen
| Killwangen | |
|---|---|
| Kanton | Aargau |
| Bezirk | Baden |
| BFS-Nr. | 4030 |
| Postleitzahl | 8956 |
| Koordinaten | 47,432° N, 8,350° E |
| Höhe | 393 m ü. M. |
| Fläche | 2.43 km² |
| Einwohner | 2287 |
| Website | killwangen.ch |
Killwangen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Baden des Kantons Aargau. Sie liegt im östlichen Teil des Kantons im Limmattal, zwischen der Limmat und dem bewaldeten Nordosthang des Heitersbergs. Ende 2025 zählte die Gemeinde 2287 Einwohner.[1]
Killwangen ist flächenmässig eine der kleineren Gemeinden des Kantons Aargau. Trotz seiner geringen Fläche besitzt der Ort eine grosse verkehrliche Bedeutung. Auf Gemeindegebiet befindet sich der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach, an dem sich wichtige Bahnstrecken verzweigen und der seit 2022 zugleich westliche Endstation der Limmattalbahn ist.
Geographie
Killwangen liegt am südwestlichen Rand des dicht besiedelten Limmattals, rund sechs Kilometer südöstlich von Baden und etwa 15 Kilometer westlich des Zentrums von Zürich.
Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom linken Ufer der Limmat über die schmale Talebene bis an den bewaldeten Nordosthang des Heitersbergs. Der alte Dorfkern liegt am Fuss des Hangs. Zwischen dem historischen Ortskern und dem Bahnhof entstanden im 20. und 21. Jahrhundert neue Wohnquartiere.[2]
Auf einer Waldlichtung am Heitersberg liegt auf rund 660 Metern Höhe der kleine Weiler Sennenberg. Der höchste Punkt des Gemeindegebiets befindet sich oberhalb des Sennenbergs auf 702 Metern, der tiefste Punkt auf 385 Metern an der Limmat.[2]
Die Gemeindefläche beträgt 243 Hektaren beziehungsweise 2,43 km². Davon sind 118 Hektaren bewaldet und 58 Hektaren überbaut.[2][3]
Nachbargemeinden sind Würenlos im Norden, Spreitenbach im Osten, Oberrohrdorf im Südwesten und Neuenhof im Nordwesten.[2]
Geschichte
Mittelalter
Killwangen ist erstmals in einem vor 1227 angelegten Zinsverzeichnis der Propstei Zürich nachweisbar. Der Ort wurde darin als Chulliwanch beziehungsweise in späteren Quellen als Culliwanch erwähnt.[4]
Der Ortsname ist alemannischen Ursprungs. Er wird vom althochdeutschen Ausdruck ze Chullinwangun abgeleitet, der ungefähr «bei den Abhängen des Chullo» bedeutet.[4]
Um 1234 verkaufte ein Adliger namens Ruom zusammen mit seinen Töchtern ein Gut in Killwangen an das kurz zuvor gegründete Kloster Wettingen. Der Besitz des Klosters vergrösserte sich in den folgenden Jahrzehnten erheblich. In einem Güterverzeichnis von 1254 werden unter anderem ein Herrenhof, eine Mühle, Gebäude und Waldungen erwähnt.[4]
Die Habsburger besassen die hohe Gerichtsbarkeit. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Killwangen wurde daraufhin Teil des Amtes Wettingen innerhalb der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft der Alten Eidgenossenschaft.
Herrschaft des Klosters Wettingen
Während rund sechs Jahrhunderten war die wirtschaftliche und rechtliche Entwicklung Killwangens eng mit dem Kloster Wettingen verbunden. Das Kloster besass einen grossen Teil des Bodens und übte die niedere Gerichtsbarkeit aus.
Ein Güterverzeichnis von 1653 hielt fest, dass die Höfe und Güter in Killwangen Eigentum des Klosters waren und den Bewohnern als Erblehen überlassen wurden. Die Bauern mussten dem Kloster unter anderem den Zehnten entrichten.[5]
Zum klösterlichen Besitz gehörte auch der Sennenberg. Um 1680 liess Abt Nikolaus Göldlin von Tiefenau dort ein Erholungsheim für die Mönche des Klosters errichten. Nach der Aufhebung des Klosters Wettingen im Jahr 1841 gelangte der Sennenberg in Privatbesitz.[5]
Helvetik und Kanton Aargau
Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 endete die alte Herrschaftsordnung. Killwangen gehörte zunächst zum neu geschaffenen Kanton Baden.
Mit der Mediationsakte von 1803 wurde der Kanton Baden mit weiteren Gebieten zum heutigen Kanton Aargau vereinigt. Killwangen gehört seither zum Bezirk Baden.
Die Landwirtschaft blieb während des 19. Jahrhunderts der wichtigste Erwerbszweig. Die Einwohner verkauften ihre Produkte insbesondere auf dem Markt in Baden.
Eisenbahn und Industrialisierung
Eine grundlegende Veränderung brachte der Eisenbahnbau im Limmattal. Am 7. August 1847 wurde zwischen Zürich und Baden die erste vollständig auf Schweizer Gebiet gelegene Eisenbahnstrecke eröffnet, die sogenannte Spanisch-Brötli-Bahn. Sie führte unmittelbar nördlich des Dorfes an Killwangen vorbei.
Der spätere Bahnhof Killwangen-Spreitenbach entwickelte sich zu einem bedeutenden Bahnknoten. Die gute Verkehrslage förderte im 20. Jahrhundert die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie im Limmattal und führte gleichzeitig zu einem starken Bevölkerungswachstum.
Mit dem Bau des Rangierbahnhofs Limmattal in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden unmittelbar östlich des Bahnhofs umfangreiche Güterverkehrsanlagen.
Am 1. Juni 1975 wurde die Heitersberglinie eröffnet. Sie zweigt bei Killwangen von der Strecke Richtung Baden ab und führt durch den rund 4,9 Kilometer langen Heitersbergtunnel in Richtung Mellingen, Lenzburg und weiter nach Aarau. Seitdem verläuft ein grosser Teil des Fernverkehrs zwischen Zürich und dem schweizerischen Mittelland über Killwangen.
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Im 21. Jahrhundert setzte sich das Wachstum der Gemeinde fort. Neue Wohnüberbauungen entstanden insbesondere zwischen dem historischen Dorfkern und dem Bahnhof.
Eine weitere bedeutende Veränderung brachte die Limmattalbahn. Seit dem 11. Dezember 2022 verkehrt deren Linie 20 vom Bahnhof Zürich Altstetten über Schlieren, Dietikon und Spreitenbach bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach.[6]
Killwangen wurde dadurch zu einem wichtigen Umsteigepunkt zwischen S-Bahn, Stadtbahn und regionalem Busverkehr.
Bevölkerung
Killwangen entwickelte sich insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von einem kleinen Bauerndorf zu einer Wohngemeinde im Limmattal.
Ende 2025 lebten 2287 Personen in der Gemeinde. Davon waren 1614 Schweizer Staatsangehörige und 673 ausländische Staatsangehörige. Der Ausländeranteil betrug 29,43 Prozent.[1]
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 2020 | 2058 |
| 2021 | 2070 |
| 2022 | 2107 |
| 2023 | 2271 |
| 2024 | 2321 |
| 2025 | 2287 |
Die starke Zunahme zwischen 2022 und 2024 steht unter anderem im Zusammenhang mit neuen Wohnüberbauungen und der wachsenden Attraktivität des Limmattals als Wohnregion zwischen Baden und Zürich.
Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot weisser Sparren, im Schildfuss sechsstrahliger weisser Stern.»[7]
Auf einer Karte von Hans Conrad Gyger aus dem 17. Jahrhundert war für Killwangen noch ein anderes Wappen dargestellt. Dieses bestand aus einem rot-gelb geteilten Schild mit einer Raute und einem Stern.
Das heutige Wappen geht auf einen Vorschlag des Heraldikers Walther Merz aus dem Jahr 1915 zurück und wurde ab etwa 1926 verwendet. Während die Bedeutung des Sparrens nicht eindeutig bekannt ist, erinnert der sechsstrahlige Stern an die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Kloster Wettingen.[7]
Politik und Verwaltung
Die Exekutive der Gemeinde ist der Gemeinderat. Die Einwohnergemeinde entscheidet über wichtige kommunale Angelegenheiten an der Gemeindeversammlung.
Die Gemeindeverwaltung befindet sich am Schürweg 2 im Dorfzentrum.
Killwangen gehört politisch zum Bezirk Baden und zum Kanton Aargau. Die Gemeinde trägt die BFS-Nummer 4030.[8]
Wirtschaft
Killwangen ist heute vor allem eine Wohngemeinde innerhalb der Wirtschaftsregion Baden–Zürich. Ein grosser Teil der Erwerbstätigen pendelt in die umliegenden Zentren und Arbeitsplatzgebiete.
Die Landwirtschaft besitzt im Vergleich zu früher nur noch eine geringe wirtschaftliche Bedeutung. Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe konzentrieren sich insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen und in Bahnhofsnähe.
Die unmittelbare Nähe zu Spreitenbach mit seinen grossen Einkaufs- und Gewerbegebieten sowie die gute Erreichbarkeit von Baden, Dietikon und Zürich prägen die wirtschaftliche Lage der Gemeinde.
Verkehr
Strassenverkehr
Killwangen liegt an der Hauptstrasse 3 zwischen Baden und Zürich. Rund drei Kilometer nordöstlich befindet sich der Autobahnanschluss Wettingen an der A1.[2]
Die Hauptstrasse bildet eine der wichtigsten lokalen Verkehrsachsen und verbindet Killwangen mit Neuenhof, Spreitenbach und Dietikon.
Eisenbahn
Der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach liegt vollständig auf dem Gemeindegebiet von Killwangen, erschliesst aufgrund seiner Lage unmittelbar an der Gemeindegrenze jedoch auch Spreitenbach.
Er befindet sich an der Bahnstrecke Zürich–Baden. Westlich des Bahnhofs verzweigen sich die Bahnlinien in Richtung Baden sowie über die Heitersberglinie in Richtung Lenzburg.
Der Bahnhof wird von Linien der S-Bahn Zürich bedient. Dadurch bestehen direkte Verbindungen unter anderem nach Zürich, Baden und in weitere Teile des Zürcher und Aargauer Bahnnetzes.
Fernverkehrszüge zwischen Zürich und Basel, Bern oder der Westschweiz benutzen die Heitersberglinie und durchfahren Killwangen in der Regel ohne Halt.
Unmittelbar östlich des Personenbahnhofs beginnt der Rangierbahnhof Limmattal, einer der wichtigsten Güterbahnhöfe der Schweiz.
Limmattalbahn
Seit Dezember 2022 ist Killwangen-Spreitenbach die westliche Endstation der Limmattalbahn. Die meterspurige Linie 20 verbindet den Bahnhof im Viertelstundentakt mit Spreitenbach, Dietikon, Urdorf, Schlieren und Zürich Altstetten.[6]
Die Inbetriebnahme der Limmattalbahn verbesserte insbesondere die Feinerschliessung des stark besiedelten Limmattals und schuf zusätzliche direkte Verbindungen zwischen Killwangen und den Gemeinden östlich davon.
Busverkehr
Mehrere regionale Buslinien erschliessen das Dorf und verbinden es mit Spreitenbach, Neuenhof, Baden und weiteren Gemeinden der Umgebung. Einen Teil des Angebots betreiben die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW).[2]
Bildung
Die Gemeinde verfügt über die Schule Killwangen in der Schulanlage Zelgli. Dort werden Kindergarten und Primarschule geführt.
Rund 190 Schülerinnen und Schüler besuchen den zweijährigen Kindergarten und die sechsjährige Primarschule. Die Schule arbeitet teilweise mit altersdurchmischten Klassen, in denen jeweils zwei Jahrgänge gemeinsam unterrichtet werden.[9]
Zur Schulanlage gehören das Primarschulhaus Zelgli, ein Doppelkindergarten, eine Turn- und Mehrzweckhalle, Musikräume und eine Aula.[10]
Für die weiterführenden Schulen besuchen die Jugendlichen Einrichtungen in umliegenden Gemeinden und regionalen Schulzentren.
Religion
Die römisch-katholische Bevölkerung gehört zur Pfarrei Killwangen innerhalb des Pastoralraums Aargauer Limmattal. Im Dorf steht die katholische Kirche Bruder Klaus.
Die reformierte Bevölkerung ist kirchlich mit den umliegenden Gemeinden des Limmattals verbunden.
Ortsbild und Sehenswürdigkeiten
Der historische Dorfkern am Fuss des Heitersbergs hat teilweise seinen ländlichen Charakter bewahrt. Ältere Wohn- und Bauernhäuser erinnern an die frühere landwirtschaftliche Prägung Killwangens.
Zu den markanten Orten und Anlagen gehören:
- die Kirche Bruder Klaus;
- der historische Dorfkern;
- der Weiler Sennenberg;
- die Waldgebiete am Heitersberg;
- der Bahnhof Killwangen-Spreitenbach als bedeutender Verkehrsknoten;
- die Endstation der Limmattalbahn.
Der Heitersberg und die Wälder südlich des Dorfes bilden ein wichtiges Naherholungsgebiet. Wander- und Waldwege verbinden Killwangen mit Spreitenbach, Oberrohrdorf und weiteren Orten auf und jenseits des Höhenzuges.
Sennenberg
Der Sennenberg ist ein kleiner Weiler in einer Waldlichtung oberhalb von Killwangen auf rund 660 Metern Höhe.
Das Gebiet gehörte bereits im Mittelalter dem Kloster Wettingen. Um 1680 liess Abt Nikolaus Göldlin von Tiefenau dort ein Erholungsheim für die Mitglieder des Klosterkonvents errichten.[5]
Nach der Aufhebung des Klosters im Jahr 1841 ging der Besitz in private Hände über. Der Sennenberg ist heute über Wald- und Nebenstrassen mit dem Dorf verbunden und bildet einen vom dicht besiedelten Limmattal deutlich abgesetzten Teil des Gemeindegebiets.
Bedeutung als Verkehrsknoten
Gemessen an seiner Einwohnerzahl besitzt Killwangen eine aussergewöhnlich bedeutende Stellung im schweizerischen Eisenbahnnetz.
Im Bereich des Bahnhofs treffen beziehungsweise verzweigen sich mehrere wichtige Verkehrsanlagen:
- die historische Bahnstrecke Zürich–Baden;
- die Heitersberglinie in Richtung Lenzburg;
- die Zufahrten zum Rangierbahnhof Limmattal;
- die S-Bahn Zürich;
- die Limmattalbahn;
- mehrere regionale Buslinien.
Dadurch passieren täglich zahlreiche Personen- und Güterzüge das Gemeindegebiet, obwohl nur ein Teil davon am Bahnhof hält.
Die Lage am westlichen Ende des dicht besiedelten Zürcher Limmattals macht Killwangen zugleich zu einem Übergang zwischen dem Grossraum Zürich und der Region Baden.
Siehe auch
- Bezirk Baden
- Bahnhof Killwangen-Spreitenbach
- Bahnstrecke Zürich–Baden
- Heitersberglinie
- Heitersbergtunnel
- Rangierbahnhof Limmattal
- Limmattalbahn
- S-Bahn Zürich
- Spreitenbach
- Neuenhof
- Würenlos
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Bevölkerung. Hrsg.: Gemeinde Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Geographie. Hrsg.: Gemeinde Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Geographische Kennzahlen der Gemeinden. Hrsg.: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Von Culliwanch bis Killwangen. Hrsg.: Gemeinde Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Unter Klosterherrschaft. Hrsg.: Gemeinde Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 6,0 6,1 Limmattalbahn. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ 7,0 7,1 Killwangener Wappen. Hrsg.: Gemeinde Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Geographische Kennzahlen der Schweizer Gemeinden. Hrsg.: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Schule Killwangen. Hrsg.: Schule Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
- ↑ Schulanlage. Hrsg.: Schule Killwangen. Abgerufen am 2026-08-25.
Wikimedia Commons: Medien zu Killwangen