Geschichte des Kantons Jura
| Geschichte des Kantons Jura | |
|---|---|
| Historischer Raum | Fürstbistum Basel, Berner Jura, Kanton Jura |
| Schenkung von Moutier-Grandval | 999 |
| Raurakische Republik | 1792–1793 |
| Französische Herrschaft | 1793–1814 |
| Anschluss an den Kanton Bern | 1815 |
| Beginn der modernen Jurafrage | 1947 |
| Juraplebiszit | 23. Juni 1974 |
| Annahme der Kantonsverfassung | 20. März 1977 |
| Eidgenössische Zustimmung | 24. September 1978 |
| Eintritt in die Souveränität | 1. Januar 1979 |
| Übertritt von Vellerat | 1. Juli 1996 |
| Übertritt von Moutier | 1. Januar 2026 |
Die Geschichte des Kantons Jura umfasst sowohl die Entwicklung des heutigen Kantonsgebiets als auch die Geschichte des grösseren historischen Juras. Das Gebiet gehörte während Jahrhunderten überwiegend zum Fürstbistum Basel, wurde in der Zeit der Französischen Revolution Teil Frankreichs und kam 1815 durch einen Entscheid des Wiener Kongresses zum Kanton Bern. Aus politischen, sprachlichen, konfessionellen und kulturellen Spannungen entstand im 20. Jahrhundert die Jurafrage, die 1979 zur Gründung der Republik und Kanton Jura als 23. Kanton der Schweiz führte.
Der neue Kanton bestand zunächst aus den drei Bezirken Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes. Die französischsprachigen, aber mehrheitlich reformierten Bezirke des südlichen Juras blieben beim Kanton Bern. Der ebenfalls katholische, aber deutschsprachige Bezirk Laufen trat 1994 zum Kanton Basel-Landschaft über.
Die territoriale Entwicklung war mit der Kantonsgründung nicht vollständig abgeschlossen. Die Gemeinde Vellerat wechselte 1996 vom Kanton Bern zum Kanton Jura. Nach jahrzehntelangen politischen Auseinandersetzungen entschied sich auch Moutier für einen Kantonswechsel. Dieser wurde am 1. Januar 2026 vollzogen. Seither gliedert sich der Kanton Jura in die vier Bezirke Delémont, Porrentruy, Franches-Montagnes und Moutier.[1]
Begriff und räumliche Abgrenzung
Der Begriff «Jura» besitzt mehrere Bedeutungen. Er bezeichnet das Juragebirge, eine geografische Grossregion, den heutigen Kanton Jura sowie den historischen Jura, der im Wesentlichen aus den Gebieten des ehemaligen Fürstbistums Basel hervorging.
Zum historischen Jura gehörten neben dem heutigen Kantonsgebiet auch der Berner Jura, das Laufental und weitere Gebiete, die seit 1815 unterschiedlichen Kantonen angehören. Die historische Region war sprachlich, konfessionell, wirtschaftlich und politisch nie vollständig einheitlich.
Der heutige Kanton Jura umfasst vor allem die katholisch und französisch geprägten nördlichen Teile des früheren Berner Juras. Seine drei ursprünglichen Bezirke sind:
- der Bezirk Delémont mit dem Delsberger Becken
- der Bezirk Porrentruy mit der Ajoie
- der Bezirk Franches-Montagnes mit den jurassischen Hochflächen
Seit 2026 gehört ausserdem die Stadt Moutier als eigener vierter Bezirk zum Kanton. Diese Einteilung ist das Ergebnis einer langen Reihe politischer Grenzentscheidungen und Volksabstimmungen.
Ur- und Frühgeschichte
Das Gebiet des heutigen Kantons wurde bereits in der Altsteinzeit von Menschen aufgesucht. Höhlen, Felsschutzdächer und offene Fundstellen belegen die Anwesenheit von Jägern und Sammlern. Das Juragebirge bot Wild, Feuerstein, Wasser und natürliche Verbindungen zwischen dem Oberrhein, dem Schweizer Mittelland und dem Becken von Montbéliard.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit breiteten sich Wälder aus. Während der Mittelsteinzeit nutzten kleinere Gruppen die Flusstäler, Hochflächen und Übergänge weiterhin als Jagd- und Aufenthaltsgebiete.
In der Jungsteinzeit wurden Landwirtschaft und Viehzucht eingeführt. Dauerhaftere Siedlungen entstanden vor allem in der Ajoie und im Delsberger Becken. Funde von Steinbeilen, Keramik und Grabstätten zeigen, dass die Region in weitreichende Austauschbeziehungen eingebunden war.
Während der Bronzezeit nahmen Metallverarbeitung, Handel und soziale Differenzierung zu. Höhenlagen und befestigte Plätze konnten der Kontrolle von Wegen und Siedlungsräumen dienen.
Aus der Eisenzeit sind keltische Siedlungen, Gräber und Münzfunde bekannt. Die Region lag zwischen verschiedenen kulturellen und wirtschaftlichen Räumen. Eine einheitliche politische Gemeinschaft, die dem späteren Jura entsprochen hätte, bestand jedoch nicht.[2]
Römische Herrschaft
Nach der römischen Eroberung Galliens wurde das Gebiet in das Römische Reich eingegliedert. Der heutige Jura lag im Umfeld der Kolonie Augusta Raurica und an Verbindungen zwischen dem Rhein, dem Schweizer Mittelland und dem Raum Besançon.
Römische Gutshöfe, kleinere Siedlungen, Strassen und Heiligtümer sind an verschiedenen Orten archäologisch nachgewiesen. Landwirtschaftlich günstige Gebiete wie die Ajoie und das Delsberger Becken wurden intensiv genutzt.
Zu den wichtigen Fundorten gehört Vicques, wo die Überreste einer römischen Villa und weiterer Anlagen entdeckt wurden. Auch in Alle, Courroux, Delémont, Porrentruy und anderen Gemeinden kamen römische Spuren zum Vorschein.
Die Bevölkerung übernahm schrittweise Elemente der römischen Sprache, Rechtsordnung, Religion und materiellen Kultur. Aus dem gesprochenen Latein entwickelte sich langfristig die französische beziehungsweise frankoprovenzalische Sprachlandschaft der Region.
Seit der Spätantike verbreitete sich das Christentum. Nach dem Zerfall der weströmischen Herrschaft blieben einzelne Verkehrswege und Siedlungsplätze in Gebrauch.
Frühmittelalter und Christianisierung
Im Frühmittelalter geriet die Region zunächst unter burgundischen und später unter fränkischen Einfluss. Die politische Herrschaft war wechselhaft und wurde durch lokale Grundherren, Grafen, Kirchen und Klöster ausgeübt.
Für die Christianisierung und die kulturelle Entwicklung waren mehrere religiöse Zentren von besonderer Bedeutung. Der Überlieferung zufolge lebte der Einsiedler Ursicinus, auf Deutsch Ursicin oder Ursanne, im 7. Jahrhundert am Doubs. Aus der mit ihm verbundenen Niederlassung entwickelte sich Saint-Ursanne.
Das Kloster Moutier-Grandval wurde im 7. Jahrhundert gegründet. Als erster Abt gilt Germanus, der zusammen mit seinem Gefährten Randoald um 675 getötet wurde. Das Kloster besass ausgedehnte Güter und Rechte und wurde zu einem wichtigen religiösen und politischen Zentrum des Juras.[3]
Weitere kirchliche Einrichtungen entstanden später in Bellelay, Lucelle und anderen Orten. Klöster förderten Landwirtschaft, Schriftkultur, Seelsorge und die Erschliessung von Siedlungsgebieten.
Die frühmittelalterlichen Klosterherrschaften bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere territoriale Entwicklung des Fürstbistums Basel.
Entstehung des Fürstbistums Basel
Im Jahr 999 schenkte König Rudolf III. von Burgund dem Basler Bischof Adalbero II. die Abtei Moutier-Grandval mit ihren Besitzungen und Rechten. Diese Schenkung gilt als eine der wichtigsten Grundlagen für die Entstehung des weltlichen Herrschaftsgebiets der Basler Bischöfe.[4]
In den folgenden Jahrhunderten erweiterten die Bischöfe ihren Besitz durch Schenkungen, Käufe, Lehensverhältnisse und politische Verträge. Das Fürstbistum Basel war vom kirchlichen Bistum Basel zu unterscheiden. Das Bistum umfasste ein weit grösseres geistliches Gebiet, während das Fürstbistum die weltlichen Herrschaften bezeichnete, in denen der Bischof als Landesherr auftrat.
Zum Fürstbistum gehörten zeitweise unter anderem:
- die Ajoie mit Porrentruy
- die Herrschaft Delémont
- die Propstei Saint-Ursanne
- die Freiberge
- Moutier-Grandval
- das Erguël
- das Laufental
- das Birseck
- kleinere Herrschaften am Oberrhein
Die Gebiete bildeten keinen geschlossenen und zentralistisch verwalteten Staat. Sie besassen unterschiedliche Rechte, Gerichte, Ständeversammlungen und Beziehungen zu benachbarten Mächten.
Einige südliche Gebiete des Fürstbistums waren mit eidgenössischen Orten verbündet. Moutier-Grandval unterhielt besonders enge Beziehungen zu Bern, während das Erguël unter dem Einfluss von Biel stand. Diese Verbindungen sollten später für die konfessionelle und politische Teilung des Juras wichtig werden.
Burgen, Städte und lokale Herrschaften
Im Hoch- und Spätmittelalter entstanden zahlreiche Burgen und befestigte Herrschaftssitze. Zu den bedeutenden Anlagen gehörten die Schlösser von Porrentruy, Delémont, Soyhières, Vorbourg, Asuel und Miécourt.
Porrentruy erhielt im 13. Jahrhundert städtische Rechte und entwickelte sich zum wirtschaftlichen Zentrum der Ajoie. Delémont wurde zum Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft. Saint-Ursanne profitierte von seiner Lage an einer Brücke über den Doubs und von seinem Kollegiatstift.
Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft und lokalem Handwerk. In den Tälern bestanden Mühlen, Schmieden und kleinere Gewerbebetriebe.
Die Gemeinden gewannen im Verlauf des Mittelalters eigene Rechte. Dorfgemeinschaften regelten die Nutzung von Wäldern, Weiden und Gewässern und vertraten ihre Interessen gegenüber geistlichen und weltlichen Herren.
Die politische Ordnung blieb dennoch ständisch. Adel, Geistlichkeit, Städte, Herrschaftsbeamte und ländliche Gemeinden verfügten über unterschiedliche Rechte und Pflichten.
Die Freiberge
Die Freiberge, französisch Franches-Montagnes, erhielten ihren Namen von besonderen Freiheitsrechten, mit denen die Besiedlung der jurassischen Hochflächen gefördert wurde.
Fürstbischof Imier de Ramstein erliess 1384 einen Freibrief, der Neusiedlern Befreiungen von bestimmten Abgaben und persönlichen Verpflichtungen gewährte. Die Bewohner blieben dem Fürstbischof unterstellt, verfügten aber über vergleichsweise günstige Rechtsbedingungen.
Die Hochflächen wurden durch Einzelhöfe, Weiler und kleinere Dörfer besiedelt. Viehzucht, Pferdehaltung, Milchwirtschaft und Forstwirtschaft bildeten die wichtigsten Erwerbszweige.
Aus der regionalen Pferdezucht entwickelte sich später der Freiberger, die einzige heute noch bestehende schweizerische Pferderasse. Die Landschaft und ihre wirtschaftliche Nutzung prägten eine ausgeprägte regionale Identität.
Reformation und konfessionelle Teilung
Die Reformation erreichte das Fürstbistum Basel im frühen 16. Jahrhundert. Die Stadt Basel führte 1529 die reformierte Lehre ein. Der Fürstbischof verlor seinen Sitz in der Stadt und machte Porrentruy dauerhaft zu seiner Residenz.
Im südlichen Jura setzte sich die Reformation unter dem Einfluss Berns und Biels durch. Besonders das Erguël, Moutier-Grandval und die Gegend von La Neuveville wurden reformiert.
Die nördlichen Herrschaften Porrentruy, Delémont, Saint-Ursanne und die Freiberge blieben dagegen überwiegend katholisch. Damit entstand eine konfessionelle Grenze, die ungefähr der späteren Trennung zwischen dem Kanton Jura und dem Berner Jura entsprach.
Die Reformation beeinflusste nicht nur das religiöse Leben, sondern auch Schule, Armenwesen, Ehe, Verwaltung und politische Bündnisse. In den reformierten Gebieten verstärkte sich die Verbindung mit Bern und Biel, während die katholischen Gebiete enger an den Fürstbischof und katholische Nachbarregionen gebunden blieben.
Diese konfessionelle Teilung überdauerte die Auflösung des Fürstbistums und spielte im 20. Jahrhundert bei den Juraplebisziten eine entscheidende Rolle.
Porrentruy als fürstbischöfliche Residenz
Nach dem Verlust der Stadt Basel wurde Porrentruy zum politischen und kulturellen Zentrum des Fürstbistums. Die Fürstbischöfe liessen das Schloss erweitern und bauten Verwaltung, Hofhaltung und Bildungseinrichtungen aus.
Besondere Bedeutung erlangte das 1591 gegründete Jesuitenkolleg. Es entwickelte sich zu einem wichtigen Bildungszentrum der katholischen Region und zog Schüler aus einem grösseren Einzugsgebiet an.
Porrentruy erhielt repräsentative Gebäude, Befestigungen und kirchliche Einrichtungen. Hofbeamte, Geistliche, Handwerker und Kaufleute profitierten von der Residenzfunktion.
Auch Delémont wurde ausgebaut. Das heutige Schloss Delémont entstand im frühen 18. Jahrhundert als Sommerresidenz der Fürstbischöfe.
Die Hofhaltung belastete die Untertanen zugleich mit Steuern, Abgaben und Frondiensten. Versuche der Landesherren, Verwaltung und Finanzen stärker zu zentralisieren, führten wiederholt zu Widerstand.
Dreissigjähriger Krieg
Obwohl das Fürstbistum Basel nicht zu den wichtigsten Kriegsschauplätzen des Dreissigjährigen Kriegs gehörte, wurde es durch Truppendurchzüge, Einquartierungen und Plünderungen schwer belastet.
Die Nähe zum Elsass, zur Freigrafschaft Burgund und zum Oberrhein machte die Region strategisch bedeutend. Schwedische, französische, kaiserliche und verbündete Truppen operierten zeitweise in der Umgebung.
Dörfer und landwirtschaftliche Betriebe mussten Lebensmittel, Tiere und Unterkünfte bereitstellen. Seuchen und wirtschaftliche Not verschärften die Folgen des Kriegs.
Die fürstbischöfliche Regierung suchte Schutz durch wechselnde diplomatische Beziehungen. Die Eidgenossenschaft konnte keinen dauerhaften militärischen Schutz des gesamten Fürstbistums gewährleisten, da dieses kein vollberechtigtes Mitglied der Eidgenossenschaft war.
Nach dem Krieg dauerte die wirtschaftliche und demografische Erholung mehrere Jahrzehnte.
Die Jurassischen Wirren des 18. Jahrhunderts
In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es zu schweren Konflikten zwischen der fürstbischöflichen Regierung und Teilen der Bevölkerung. Diese Auseinandersetzungen werden als Jurassische Wirren oder französisch Troubles de l'Évêché de Bâle bezeichnet.
Auslöser waren unter anderem neue Steuern, die Zentralisierung der Verwaltung, Streitigkeiten über lokale Rechte und der Widerstand gegen fürstbischöfliche Beamte. Besonders stark war die Bewegung in der Ajoie und in der Herrschaft Delémont.
Die ländlichen Gemeinden beriefen sich auf alte Freiheiten und Gewohnheitsrechte. Die Regierung versuchte dagegen, einen stärker organisierten frühmodernen Staat aufzubauen.
Der Bauernführer Pierre Péquignat wurde zu einer Symbolfigur des Widerstands. Nach der militärischen Niederschlagung der Bewegung wurde er 1740 in Porrentruy hingerichtet.
In der späteren jurassischen Erinnerungskultur wurde Péquignat als Verteidiger der Volksrechte dargestellt. Die Ereignisse des 18. Jahrhunderts wurden von der separatistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts als Beleg für eine lange Tradition jurassischer Freiheitsbestrebungen interpretiert.
Aufklärung und Reformen
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts führten die Fürstbischöfe verschiedene Verwaltungs-, Bildungs- und Wirtschaftsreformen durch. Strassen wurden verbessert, Schulen gefördert und die staatliche Verwaltung vereinheitlicht.
Porrentruy blieb ein bedeutendes Bildungszentrum. Das Kolleg und die dort tätigen Gelehrten vermittelten religiöse, naturwissenschaftliche und humanistische Bildung.
Landwirtschaftliche Gesellschaften und aufgeklärte Beamte bemühten sich um eine produktivere Nutzung des Bodens, neue Anbaumethoden und eine bessere Viehzucht.
Die Reformen stärkten teilweise die Verwaltung, konnten die sozialen und politischen Gegensätze jedoch nicht beseitigen. Die Französische Revolution stellte die gesamte fürstbischöfliche Ordnung grundlegend infrage.
Französische Revolution und Raurakische Republik
Seit 1789 wirkten die Ideen der Französischen Revolution auch auf das Fürstbistum Basel. Politische Flüchtlinge, lokale Oppositionelle und französische Truppen beschleunigten den Zusammenbruch der alten Herrschaft.
Der Fürstbischof verliess 1792 seine Residenz in Porrentruy. Im Dezember desselben Jahres wurde in den nördlichen Gebieten die Raurakische Republik ausgerufen. Sie gilt als erste der von der revolutionären französischen Republik abhängigen Schwesterrepubliken auf dem Gebiet der späteren Schweiz.
Die Raurakische Republik bestand nur wenige Monate. 1793 wurde ihr Gebiet von Frankreich annektiert und bildete das Département Mont-Terrible mit Porrentruy als Hauptort.[5]
Die südlichen Gebiete des ehemaligen Fürstbistums blieben zunächst ausserhalb des Départements. 1797 und 1798 wurden auch sie von Frankreich besetzt und eingegliedert.
Im Jahr 1800 wurde das Département Mont-Terrible aufgelöst und grösstenteils dem Département Haut-Rhin zugeteilt.
Der Jura unter französischer Herrschaft
Die französische Verwaltung beseitigte die feudalen Rechte, die ständischen Privilegien und die weltliche Herrschaft des Fürstbischofs. Alle männlichen Bürger sollten grundsätzlich vor dem Gesetz gleich sein.
Das Gebiet erhielt französische Gemeinden, Bezirke, Gerichte und Verwaltungsbehörden. Der Code civil und weitere französische Rechtsnormen wurden eingeführt.
Kirchengüter wurden verstaatlicht und religiöse Gemeinschaften aufgehoben oder eingeschränkt. Die staatliche Kontrolle der Kirche führte besonders in den katholischen Gebieten zu Widerstand.
Die Bevölkerung war von Wehrpflicht, Steuern und militärischen Einquartierungen betroffen. Jurassische Männer dienten in den Armeen der Französischen Republik und Napoleons.
Gleichzeitig modernisierten die französischen Behörden Verwaltung, Grundbücher, Strassenwesen und Rechtsordnung. Mehrere dieser Neuerungen blieben auch nach dem Ende der französischen Herrschaft wirksam.
Die napoleonischen Kriege belasteten die Region wirtschaftlich. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs wurde die politische Zukunft des ehemaligen Fürstbistums auf dem Wiener Kongress neu geregelt.
Anschluss an den Kanton Bern
Der Wiener Kongress beschloss 1815, den grössten Teil des früheren Fürstbistums Basel dem Kanton Bern zuzuteilen. Bern sollte damit teilweise für den endgültigen Verlust der Waadt und des Aargaus entschädigt werden.
Das Birseck wurde dem Kanton Basel zugewiesen. Der übrige historische Jura, einschliesslich des heutigen Kantonsgebiets, des Berner Juras und des Laufentals, kam zu Bern.
Die Vereinigungsurkunde garantierte der Bevölkerung bestimmte Rechte, darunter den Schutz der katholischen Religion und die Beibehaltung einzelner Rechts- und Besitzverhältnisse. Die französische Gesetzgebung wurde schrittweise durch bernisches Recht ersetzt.
Das ehemalige Fürstbistum wurde in mehrere bernische Amtsbezirke aufgeteilt:
- Delémont
- Porrentruy
- Franches-Montagnes
- Moutier
- Courtelary
- La Neuveville
- Laufen
Der Anschluss wurde zunächst von grossen Teilen der Bevölkerung ohne offenen Widerstand akzeptiert. Die Region erhielt Zugang zu den politischen und wirtschaftlichen Strukturen eines grossen Schweizer Kantons.
Gleichzeitig entstand eine französischsprachige Minderheit in einem überwiegend deutschsprachigen Kanton. In den folgenden Jahrzehnten entwickelten sich Spannungen um Sprache, Konfession, politische Repräsentation und regionale Selbstbestimmung.[6]
Restauration und liberale Revolution
Nach 1815 war die bernische Politik zunächst konservativ geprägt. Die Regierung stützte sich auf die städtischen Eliten Berns und gewährte den Regionen nur begrenzten Einfluss.
Die liberale Revolution von 1831 führte zu einer neuen bernischen Verfassung. Die politische Gleichheit der Landesteile wurde ausgebaut, und die Bevölkerung erhielt grössere Mitwirkungsrechte.
Jurassische Politiker wurden in den Grossen Rat, den Regierungsrat und die Bundesbehörden gewählt. Die französische Sprache wurde in Verwaltung, Schule und Politik teilweise besser berücksichtigt.
Dennoch blieb das Gefühl bestehen, dass wichtige Entscheidungen in Bern getroffen wurden und regionale Interessen zu wenig Gewicht besassen. Unterschiede in Religion, Sprache und Wirtschaftsstruktur erschwerten die Integration.
Die katholischen Gebiete des Nordjuras standen der radikalen Politik Berns häufig skeptischer gegenüber als die reformierten südlichen Bezirke.
Kulturkampf
In den 1870er Jahren führte der schweizerische Kulturkampf zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen dem liberalen Staat und der katholischen Kirche.
Der Konflikt verschärfte sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil und der Verkündung der päpstlichen Unfehlbarkeit. Die bernische Regierung verlangte von den katholischen Geistlichen die Anerkennung staatlicher Vorschriften.
Bischof Eugène Lachat von Basel wurde 1873 von mehreren Diözesankantonen abgesetzt. Geistliche, die sich der staatlichen Kirchenpolitik widersetzten, verloren ihre Ämter oder wurden ausgewiesen.
Im katholischen Nordjura stiessen diese Massnahmen auf starken Widerstand. Viele Gläubige betrachteten sie als Verletzung der 1815 zugesicherten Religionsfreiheit.
Der Kulturkampf verstärkte das Misstrauen gegenüber dem Kanton Bern. Obwohl der Konflikt später beigelegt wurde, blieb er in der regionalen Erinnerung als Beispiel einer als fremd empfundenen staatlichen Einmischung präsent.
Industrialisierung
Im 19. Jahrhundert veränderte die Industrialisierung die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Juras. Die Entwicklung verlief regional unterschiedlich.
In den Freibergen und angrenzenden Gebieten verbreitete sich die Uhrenherstellung. Ein Teil der Produktion erfolgte zunächst in Heimarbeit, später in Werkstätten und Fabriken.
Im Delsberger Becken entstanden metallverarbeitende Betriebe, Maschinenbau und weitere Industrien. Die vorhandenen Eisenerzvorkommen waren bereits früher genutzt worden, verloren aber mit der modernen Grossindustrie an Bedeutung.
Porrentruy entwickelte sich zu einem Verwaltungs-, Bildungs- und Gewerbezentrum. Die Landwirtschaft blieb vor allem in der Ajoie und auf den Hochflächen wichtig.
Der Eisenbahnbau verband die Region seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stärker mit Basel, Biel, Belfort und dem Schweizer Mittelland. Die Jurabahnen förderten den Güter- und Personenverkehr und erleichterten die industrielle Entwicklung.
Industrialisierung und Eisenbahn führten zu Bevölkerungswachstum, neuen Arbeitersiedlungen und sozialen Bewegungen. Gewerkschaften, Arbeitervereine und politische Parteien gewannen an Bedeutung.
Ausbildung einer jurassischen Identität
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden Organisationen, die sich mit Geschichte, Kultur und wirtschaftlicher Entwicklung des Juras beschäftigten.
Die 1847 gegründete Société jurassienne d'émulation förderte historische Forschung, Literatur, Wissenschaft und den Erhalt des kulturellen Erbes. Ihre Veröffentlichungen trugen zur Vorstellung einer gemeinsamen jurassischen Geschichte bei.
Später kamen Vereinigungen wie Pro Jura hinzu. Sie setzten sich für regionale Interessen, Tourismus, Infrastruktur und kulturelle Zusammenarbeit ein.
Die jurassische Identität stützte sich auf die französische Sprache, die Geschichte des Fürstbistums Basel, regionale Traditionen und das Gefühl einer geografischen Randlage innerhalb des Kantons Bern.
Diese Identität umfasste jedoch nicht alle Bewohner in gleicher Weise. Der reformierte Südjura war wirtschaftlich und politisch stärker mit Bern und Biel verbunden, während der katholische Nordjura grössere kulturelle Nähe zum französischsprachigen und katholischen Raum empfand.
Jura im Ersten Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs lag der Jura nahe der französischen und deutschen Frontgebiete. Die Schweizer Armee sicherte die Grenze und wichtige Verkehrswege.
Die Mobilmachung belastete Landwirtschaft, Industrie und Familien. Lebensmittelknappheit, Teuerung und Arbeitskonflikte nahmen zu.
Die Uhrenindustrie war von schwankender Nachfrage und unterbrochenen Handelsbeziehungen betroffen. Andere Betriebe profitierten zeitweise von militärischen Aufträgen.
Am Ende des Kriegs wurden erstmals deutlichere Forderungen nach einem selbständigen Kanton Jura erhoben. Ein 1917 gegründetes separatistisches Komitee blieb jedoch politisch schwach und löste sich bald wieder auf.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zwischenkriegszeit verstärkten später das Gefühl, dass die Interessen des Juras in Bern nicht ausreichend berücksichtigt würden.
Zwischenkriegszeit
Zwischen den Weltkriegen waren zahlreiche jurassische Gemeinden von Arbeitslosigkeit, Abwanderung und wirtschaftlichen Strukturproblemen betroffen.
Die Uhrenindustrie erlebte starke Krisen. Landwirtschaftliche Regionen litten unter tiefen Preisen und begrenzten Entwicklungsmöglichkeiten.
Regionale Organisationen verlangten Investitionen in Verkehrswege, Bildung und Wirtschaftsförderung. Die Vorstellung eines vom Kanton Bern vernachlässigten Juras gewann an Verbreitung.
Gleichzeitig blieben separatistische Forderungen eine Minderheitenposition. Viele jurassische Politiker arbeiteten innerhalb des bernischen Systems und lehnten eine territoriale Trennung ab.
Die konfessionellen und regionalen Unterschiede verhinderten die Entstehung einer einheitlichen politischen Bewegung für den gesamten historischen Jura.
Zweiter Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs war der Jura erneut ein strategisch wichtiger Grenzraum. Die Armee errichtete Befestigungen und überwachte Strassen, Bahnlinien und Grenzübergänge.
Nach der deutschen Besetzung Frankreichs verlief die Grenze zu einem von den Achsenmächten kontrollierten Gebiet. Flüchtlinge, entkommene Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer versuchten, die Schweiz über den Jura zu erreichen.
Die schweizerische Flüchtlingspolitik war wechselhaft und teilweise sehr restriktiv. Einzelne Grenzwächter, Einwohner und Hilfsorganisationen unterstützten Verfolgte, während andere Personen zurückgewiesen wurden.
Schmuggel und illegaler Grenzverkehr nahmen zu. Die Bevölkerung lebte unter Rationierung, Mobilmachung und wirtschaftlicher Unsicherheit.
Nach dem Krieg rückten Fragen der regionalen Vertretung, der französischen Sprache und der politischen Gleichberechtigung erneut in den Vordergrund.
Affäre Moeckli und Beginn der modernen Jurafrage
Als Beginn der modernen Jurafrage gilt häufig die Affäre Moeckli von 1947. Der französischsprachige jurassische Regierungsrat Georges Moeckli sollte die bernische Bau- und Eisenbahndirektion übernehmen.
Der Grosse Rat lehnte die Übertragung des Departements mit dem Argument ab, für diese Aufgabe seien besonders gute Deutschkenntnisse erforderlich. Viele Jurassier empfanden den Entscheid als sprachliche Diskriminierung.
Die Proteste führten zur Gründung des Comité de Moutier. Dieses verlangte zunächst eine weitreichende Autonomie des Juras innerhalb des Kantons Bern.
Im November 1947 entstand ausserdem das Mouvement séparatiste jurassien. Es forderte die Gründung eines eigenen Kantons und wurde 1951 in Rassemblement jurassien umbenannt. Zu seinen wichtigsten Persönlichkeiten gehörten Roland Béguelin und Roger Schaffter.
Der Kanton Bern reagierte unter anderem mit der verfassungsrechtlichen Anerkennung des «jurassischen Volkes» im Jahr 1950. Den Separatisten gingen diese Zugeständnisse jedoch nicht weit genug.[7]
Separatisten und Antiseparatisten
Das Rassemblement jurassien entwickelte sich zur wichtigsten Organisation der Unabhängigkeitsbewegung. Es veranstaltete politische Kundgebungen, Volksfeste und Kampagnen und verbreitete die Vorstellung eines seit 1815 fremdbestimmten jurassischen Volkes.
Die Gegner einer Kantonstrennung gründeten 1952 die Union des patriotes jurassiens. Sie betonten die wirtschaftlichen Verbindungen mit Bern, die innere Verschiedenheit des Juras und die Vorteile des bestehenden Kantons.
Der Konflikt verlief nicht einfach zwischen französisch- und deutschsprachigen Gebieten. Entscheidender war häufig die Kombination aus Konfession, regionaler Wirtschaftsorientierung und politischer Tradition.
Die katholischen Bezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes unterstützten mehrheitlich die separatistische Bewegung. In den reformierten Bezirken Courtelary, Moutier und La Neuveville überwog die Treue zu Bern. Das katholische, aber deutschsprachige Laufental nahm eine besondere Stellung ein.
1957 reichte das Rassemblement jurassien eine kantonale Initiative zur Schaffung eines Kantons Jura ein. Die Vorlage wurde 1959 im gesamten Kanton Bern und auch im historischen Jura abgelehnt. In den drei nördlichen Bezirken fand sie jedoch Mehrheiten.
Damit wurde die territoriale Spaltung des Juras erstmals in einer Abstimmung deutlich sichtbar.
Radikalisierung in den 1960er Jahren
In den 1960er Jahren verschärfte sich der Konflikt. Jüngere Aktivisten warfen den traditionellen Parteien und Behörden vor, die Jurafrage zu verschleppen.
Das 1963 gegründete Groupe Bélier organisierte spektakuläre Protestaktionen. Dazu gehörten Besetzungen, Störungen offizieller Anlässe und symbolische Aktionen in Bern.
Auf antiseparatistischer Seite entstand das Groupe Sanglier. Auch diese Jugendorganisation mobilisierte Anhänger und verteidigte den Verbleib beim Kanton Bern.
Das Front de libération jurassien verübte Brandanschläge und andere Sachbeschädigungen. Menschen wurden dabei nach allgemeiner Darstellung nicht gezielt angegriffen, doch die Aktionen erhöhten die politische Spannung erheblich.
Die bernische Regierung setzte verschiedene Kommissionen ein. Eine von Max Petitpierre geleitete Kommission untersuchte die Ursachen des Konflikts und empfahl ein Verfahren der demokratischen Selbstbestimmung.
1970 stimmte die bernische Bevölkerung einem Verfassungszusatz zu, der eine Reihe von Plebisziten über die politische Zukunft des Juras ermöglichte.[8]
Juraplebiszit von 1974
Am 23. Juni 1974 stimmte die Bevölkerung der sieben jurassischen Amtsbezirke über die Schaffung eines neuen Kantons ab.
Insgesamt sprachen sich 36'802 Stimmberechtigte für und 34'057 gegen einen neuen Kanton aus. Der Ja-Anteil betrug knapp 52 Prozent.
Das Gesamtergebnis verdeckte erhebliche regionale Unterschiede. Die Bezirke Delémont, Porrentruy und Franches-Montagnes stimmten deutlich für die Kantonsgründung.
Die Bezirke Courtelary, Moutier, La Neuveville und Laufen lehnten die Trennung von Bern mehrheitlich ab. Im Bezirk Moutier war das Ergebnis besonders umkämpft und unterschied sich stark von Gemeinde zu Gemeinde.
Der 23. Juni wurde später zum jurassischen Gedenk- und Feiertag. Das Abstimmungsergebnis leitete jedoch nicht unmittelbar die Gründung eines Kantons mit allen sieben Bezirken ein, da weitere Abstimmungen vorgesehen waren.[9]
Plebiszite von 1975
Am 16. März 1975 stimmten die vier südlichen beziehungsweise ablehnenden Bezirke darüber ab, ob sie beim Kanton Bern bleiben wollten.
Courtelary, Moutier, La Neuveville und Laufen entschieden sich für den Verbleib bei Bern. Damit war klar, dass der neue Kanton zunächst nur aus den drei nördlichen Bezirken bestehen würde.
In einer dritten Abstimmungsstufe konnten Gemeinden an der entstehenden Kantonsgrenze ihre Zugehörigkeit nochmals bestimmen. Einige Gemeinden wechselten dadurch zwischen den vorgesehenen Gebieten.
Die Plebiszite führten zu einer Grenze, die weder vollständig der Sprach- noch der Konfessionsgrenze folgte. Besonders im Bezirk Moutier blieben jurafreundliche Gemeinden beim Kanton Bern, während andere Gemeinden den Anschluss an den neuen Kanton unterstützten.
Die Abstimmungen wurden von heftigen politischen Auseinandersetzungen, Demonstrationen und gegenseitigen Vorwürfen begleitet. Dennoch erfolgte die territoriale Trennung letztlich durch demokratische Abstimmungen und rechtsstaatliche Verfahren.
Ausarbeitung der Kantonsverfassung
Am 20. März 1976 wählten die drei künftigen Bezirke eine Verfassungsgebende Versammlung mit 50 Mitgliedern. Sie nahm ihre Arbeit am 12. April 1976 auf.
Die Versammlung erarbeitete die staatlichen Grundlagen des neuen Kantons, darunter die Organisation von Parlament, Regierung, Gerichten und Verwaltung.
Am 3. Februar 1977 verabschiedete sie die Verfassung in der Stiftskirche von Saint-Ursanne einstimmig. Das jurassische Volk nahm sie am 20. März 1977 mit 27'061 gegen 5'749 Stimmen an.[10]
Die Verfassung bezeichnete die Republik Jura als demokratischen und sozialen Staat. Französisch wurde als Landes- und Amtssprache festgelegt.
Der Verfassungstext enthielt einen umfassenden Grundrechtskatalog und bezog sich ausdrücklich auf die Menschenrechtserklärungen von 1789 und 1948 sowie auf die Europäische Menschenrechtskonvention.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Artikel, der das Ziel einer Wiedervereinigung mit dem Berner Jura ausdrückte. Die Bundesversammlung verweigerte diesem Artikel die Garantie, weil er die territoriale Integrität des Kantons Bern infrage stellte.
Eidgenössische Abstimmung von 1978
Für die Aufnahme eines neuen Kantons musste die Bundesverfassung geändert werden. Am 24. September 1978 stimmten das Schweizer Volk und die Kantone über die Gründung des Kantons Jura ab.
Die Vorlage wurde mit 1'309'841 Ja- gegen 281'873 Nein-Stimmen angenommen. Der Ja-Anteil betrug 82,3 Prozent. Sämtliche Kantone stimmten der Aufnahme zu.[11]
Die Abstimmung erhöhte die Zahl der Vollkantone von 22 auf 23 und die Zahl der Mitglieder des Ständerats von 44 auf 46.
Die breite Zustimmung wurde als Anerkennung des jurassischen Selbstbestimmungsprozesses verstanden. Zugleich blieb der südliche Jura Bestandteil des Kantons Bern.
Nach der eidgenössischen Abstimmung wurden die ersten kantonalen Behörden gewählt und die Übergabe von Verwaltung, Vermögen und Aufgaben zwischen Bern und dem neuen Kanton vorbereitet.
Eintritt in die Souveränität
Am 1. Januar 1979 trat die Republik und Kanton Jura in die Souveränität ein. Delémont wurde Kantonshauptort und Sitz von Parlament, Regierung und Kantonsgericht.
Der neue Kanton übernahm zunächst zahlreiche bernische Gesetze. Diese galten weiter, bis sie durch jurassische Erlasse ersetzt wurden.
Die kantonale Verwaltung musste innerhalb kurzer Zeit aufgebaut werden. Neue Ämter entstanden für Bildung, Finanzen, Justiz, Polizei, Strassen, Gesundheit und Wirtschaft.
Der Kanton setzte auf eine teilweise dezentrale Verwaltung. Verschiedene Einrichtungen wurden auf Delémont, Porrentruy und Saignelégier verteilt, um die drei Bezirke einzubeziehen.
Mit der Kantonsgründung entstand auch das erste kantonale Büro für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Schweiz. Die Gleichstellung war ausdrücklich in der Kantonsverfassung verankert.[12]
Staat und Gesellschaft des jungen Kantons
Die ersten Jahrzehnte waren vom Aufbau staatlicher Institutionen und von der Suche nach einer eigenständigen kantonalen Politik geprägt.
Der Kanton übernahm Schulen, Spitäler, Strassen und Verwaltungsgebäude, die zuvor dem Kanton Bern gehört hatten. Teilweise mussten neue Einrichtungen gebaut oder erweitert werden.
Wirtschaftlich blieb Jura stark von Präzisionsindustrie, Uhrenherstellung, Metallverarbeitung, Landwirtschaft und kleinen sowie mittleren Unternehmen abhängig.
Die Rezessionen der 1970er und 1980er Jahre trafen die Uhrenindustrie schwer. Der Kanton förderte deshalb die wirtschaftliche Diversifizierung und die Ansiedlung neuer Betriebe.
Die politische Kultur blieb von der Entstehungsgeschichte geprägt. Christlichdemokratische, sozialdemokratische und freisinnige Kräfte spielten wichtige Rollen. Separatistische Organisationen wandelten sich teilweise in reguläre politische Parteien und Verbände um.
Die Frage einer Wiedervereinigung mit dem Berner Jura blieb weiterhin Bestandteil der kantonalen Politik.
Das Laufental
Der deutschsprachige und katholische Bezirk Laufen hatte 1974 gegen einen Kanton Jura gestimmt. Da er nach der Abtrennung des Nordjuras räumlich vom übrigen Kanton Bern getrennt war, erhielt er das Recht, über einen Wechsel zu einem Nachbarkanton zu entscheiden.
Zur Auswahl standen Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn. In einem mehrstufigen Verfahren entschied sich eine Mehrheit für Basel-Landschaft.
Eine erste Abstimmung über den Kantonswechsel wurde wegen unzulässiger finanzieller Einflussnahme durch bernische Behörden aufgehoben. In einer Wiederholungsabstimmung stimmte das Laufental für den Übertritt.
Nach der Zustimmung der beteiligten Kantone und der Schweizer Bevölkerung wechselte der Bezirk Laufen am 1. Januar 1994 vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft.[13]
Damit verliess ein weiterer Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel den Kanton Bern, trat aber nicht dem Kanton Jura bei.
Übertritt von Vellerat
Die kleine französischsprachige Gemeinde Vellerat gehörte nach den Plebisziten zum bernischen Bezirk Moutier, obwohl ihre Bevölkerung fast geschlossen den Anschluss an den Kanton Jura befürwortete.
Die Gemeinde verweigerte zeitweise die Teilnahme an bernischen Wahlen und Abstimmungen und forderte über Jahre einen Kantonswechsel.
Da Änderungen von Kantonsgrenzen die Zustimmung der beteiligten Kantone und des Bundes erfordern, war ein besonderes Verfahren notwendig.
Am 10. März 1996 stimmten 91,7 Prozent der Schweizer Stimmberechtigten und sämtliche Kantone dem Übertritt Vellerats zu.[14]
Am 1. Juli 1996 wurde der Kantonswechsel vollzogen. Vellerat kam zum Bezirk Delémont und gehört heute infolge einer Gemeindefusion zur Gemeinde Courrendlin.
Interjurassische Zusammenarbeit
Zur Entschärfung der Jurafrage vereinbarten Bund, Bern und Jura in den 1990er Jahren neue Formen des Dialogs.
1994 wurde die Assemblée interjurassienne gegründet. Sie bestand aus Vertretern des Kantons Jura und des Berner Juras und sollte Vorschläge für die gemeinsame Zukunft der Region entwickeln.
Die Versammlung beschäftigte sich mit institutionellen Fragen, Kultur, Bildung, Verkehr und wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Sie prüfte auch Modelle für eine Wiedervereinigung oder eine verstärkte interkantonale Kooperation.
Das Gremium besass keine eigene staatliche Entscheidungsgewalt. Seine Bedeutung lag vor allem darin, einen geregelten politischen Dialog zwischen zuvor stark verfeindeten Lagern zu ermöglichen.
Nach den Abstimmungen von 2013 und der Einleitung neuer kommunaler Verfahren wurde die Assemblée interjurassienne 2017 aufgelöst.
Abstimmungen von 2013
Am 24. November 2013 fanden gleichzeitig Abstimmungen im Kanton Jura und im Berner Jura statt.
Die Bevölkerung des Kantons Jura stimmte dafür, einen Prozess zur Gründung eines neuen, aus Jura und Berner Jura bestehenden Kantons einzuleiten.
Im Berner Jura lehnten dagegen rund 72 Prozent der Abstimmenden die Aufnahme eines solchen Verfahrens ab.
Damit kam es nicht zu einer umfassenden Wiedervereinigung. Einzelne Gemeinden des Berner Juras erhielten jedoch die Möglichkeit, über ihre Kantonszugehörigkeit abzustimmen.
Moutier wurde zum wichtigsten Schauplatz dieser neuen Phase der Jurafrage.
Der Fall Moutier
Moutier gehörte historisch zum Fürstbistum Basel und seit 1815 zum Kanton Bern. Bei den Plebisziten der 1970er Jahre entschied sich der Bezirk Moutier für Bern, während die Stadt selbst politisch nahezu gleich stark in separatistische und probernische Lager gespalten blieb.
Am 18. Juni 2017 stimmte Moutier mit 2'067 gegen 1'930 Stimmen für einen Wechsel zum Kanton Jura. Wegen Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit der Führung des Stimmregisters und der Abstimmungskampagne wurde das Ergebnis 2018 aufgehoben.
Eine neue Abstimmung fand am 28. März 2021 unter besonderer Aufsicht von Bund und Kantonen statt. Dieses Mal sprachen sich 54,9 Prozent der Abstimmenden für den Anschluss an den Kanton Jura aus.[15]
Die Regierungen von Bern und Jura erarbeiteten anschliessend ein Konkordat. Es regelte unter anderem Verwaltung, Schulen, Gerichte, Steuern, Spitalversorgung, Personal, Vermögen und finanzielle Verpflichtungen.
Am 22. September 2024 nahmen die Stimmberechtigten der Kantone Bern und Jura das Konkordat an. Auch die Bevölkerung Moutiers bestätigte nochmals ihre Zustimmung.
Nach der Genehmigung durch die Bundesversammlung und dem Abschluss der Ausführungsvereinbarungen wechselte Moutier am 1. Januar 2026 zum Kanton Jura.[16]
Vierter Bezirk Moutier
Mit dem Kantonswechsel wurde Moutier als eigener vierter Bezirk in die territoriale Ordnung des Kantons Jura aufgenommen.
Der Bezirk besteht gegenwärtig nur aus der politischen Gemeinde Moutier. Seine Schaffung ermöglichte eine Vertretung der Stadt in kantonalen Strukturen, ohne sie unmittelbar einem der drei bestehenden Bezirke zuzuweisen.
Die Stadt übernahm am 1. Januar 2026 das jurassische Recht. Frühere Steuerperioden und bestimmte hängige Verfahren blieben übergangsweise in der Zuständigkeit bernischer Behörden.
Einzelne kantonale Verwaltungsstellen wurden nach Moutier verlegt oder dort neu eingerichtet. Der Kanton verband damit das Ziel, die Stadt institutionell und wirtschaftlich in den neuen Staatsverband einzugliedern.
Mit dem Übertritt erhöhte sich die Zahl der jurassischen Bezirke von drei auf vier. Der Kanton umfasst seither 51 politische Gemeinden.[1]
Institutioneller Abschluss der Jurafrage
Die Regierungen von Bern und Jura sowie der Bund betrachten den vollzogenen Kantonswechsel Moutiers als institutionellen Abschluss der Jurafrage.
Bereits 2024 stimmte das jurassische Volk der Aufhebung von Artikel 139 der Kantonsverfassung zu. Dieser Artikel hatte die Möglichkeit eines Verfahrens zur Vereinigung des Kantons Jura mit dem Berner Jura vorgesehen.
Die Aufhebung trat am 1. Januar 2025 in Kraft. Sie war eine Voraussetzung für das Konkordat über den Kantonswechsel Moutiers.
Der institutionelle Abschluss bedeutet nicht, dass alle historischen und emotionalen Gegensätze verschwunden sind. Die Erinnerung an den Konflikt bleibt Teil der Identität sowohl des Kantons Jura als auch des Berner Juras.
Kulturelle und wirtschaftliche Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg bleibt wichtig. Viele regionale Einrichtungen, Verkehrsnetze, Medien und Vereine umfassen weiterhin Gebiete beider Kantone.
Wirtschaftlicher Wandel seit 1979
Die Wirtschaft des Kantons Jura ist traditionell durch Landwirtschaft, Uhrenindustrie, Präzisionsmechanik, Metallverarbeitung und kleinere Industriebetriebe geprägt.
Die Uhrenkrise der 1970er und frühen 1980er Jahre führte zu Arbeitsplatzverlusten. Der junge Kanton förderte deshalb neue Unternehmen und Industriegebiete.
Später profitierten jurassische Betriebe vom Wiederaufschwung der Schweizer Uhrenindustrie sowie von der Nachfrage nach Präzisionsteilen, Maschinen, Medizintechnik und Mikrotechnik.
Die Landwirtschaft blieb flächenmässig bedeutend. In der Ajoie überwiegen Ackerbau und Viehzucht, während die Freiberge besonders durch Milchwirtschaft und Pferdezucht geprägt sind.
Der Tourismus entwickelte sich entlang des Doubs, in Saint-Ursanne, auf den Freibergen und rund um historische Städte und Landschaften. Er blieb im Vergleich zu den grossen Alpenkantonen ein kleinerer Wirtschaftszweig.
Verkehr und A16
Die Randlage und die begrenzten Verkehrsverbindungen gehörten zu den zentralen politischen Themen des jungen Kantons.
Die Bahnlinien verbinden Delémont und Porrentruy mit Basel, Biel und Frankreich. Die topografischen Verhältnisse erschwerten jedoch schnelle Strassenverbindungen.
Der Bau der Nationalstrasse A16, der sogenannten Transjurane, sollte den Kanton besser an das schweizerische Autobahnnetz anbinden.
Das Projekt erforderte zahlreiche Tunnel, Brücken und archäologische Untersuchungen. Beim Bau wurden bedeutende Spuren aus der Urgeschichte, der Römerzeit und dem Mittelalter entdeckt.
2017 wurde die durchgehende Verbindung zwischen Biel und der französischen Grenze eröffnet. Die A16 verbesserte die Erreichbarkeit des Kantons, löste aber auch Diskussionen über Verkehr, Landschaftsschutz und wirtschaftliche Entwicklung aus.
Kultur und Erinnerung
Die Entstehung des Kantons wird in Denkmälern, Museen, Archiven, Festen und politischen Symbolen erinnert.
Der 23. Juni ist der offizielle kantonale Feiertag. Er erinnert an das Juraplebiszit von 1974.
Die Kantonsflagge zeigt auf weissem Grund einen roten Bischofsstab und drei rote Balken. Der Bischofsstab verweist auf das Fürstbistum Basel, während die Balken die historischen Bezirke symbolisierten.
Das Musée jurassien d'art et d'histoire in Delémont, das Musée de l'Hôtel-Dieu in Porrentruy und weitere Einrichtungen dokumentieren die regionale Geschichte.
Die kantonalen Archive bewahren Unterlagen seit der Staatsgründung. Die älteren Bestände des Fürstbistums Basel befinden sich überwiegend im Archiv des ehemaligen Fürstbistums in Porrentruy.
Die Erinnerung an die Jurafrage ist politisch nicht neutral. Separatisten und Antiseparatisten entwickelten unterschiedliche Erzählungen über die Geschichte, die Zugehörigkeit zu Bern und das Recht auf Selbstbestimmung.
Sprache und Konfession
Französisch ist die Landes- und Amtssprache des Kantons Jura. In der Gemeinde Ederswiler wird traditionell überwiegend Deutsch gesprochen.
Historisch wurden in der Region verschiedene romanische Dialekte gesprochen. Die jurassischen Mundarten gehören überwiegend zum frankoprovenzalischen und im Norden teilweise zum französischsprachigen Dialektraum.
Die drei Gründungsbezirke des Kantons waren traditionell katholisch geprägt. Seit dem 20. Jahrhundert nahm die konfessionelle Vielfalt durch Zuwanderung und Säkularisierung zu.
Reformierte Kirchgemeinden, Freikirchen, orthodoxe Gemeinschaften, muslimische Gemeinden und Menschen ohne Religionszugehörigkeit gehören heute ebenfalls zur Bevölkerung.
Die historische Verbindung von französischer Sprache und katholischer Konfession war für die Kantonsgründung bedeutend, bestimmt die gesellschaftliche Wirklichkeit des Kantons aber nicht mehr allein.
Frauen in der Geschichte des Kantons
Frauen beteiligten sich auf beiden Seiten an der Jurafrage, obwohl viele ältere Darstellungen vor allem männliche Politiker und Aktivisten hervorhoben.
Die Association féminine pour la défense du Jura unterstützte die separatistische Bewegung und setzte sich gleichzeitig für politische und gesellschaftliche Rechte von Frauen ein.
Bei den entscheidenden Plebisziten der 1970er Jahre verfügten Frauen bereits über das Stimm- und Wahlrecht. Ihre Beteiligung beeinflusste die territoriale Neuordnung unmittelbar.
Die Kantonsverfassung von 1977 verankerte die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern.
Mit der Staatsgründung 1979 schuf Jura als erster Schweizer Kanton eine besondere staatliche Stelle für Frauen- und Gleichstellungsfragen.
Der Anteil von Frauen in Parlament, Regierung, Gemeinden und Verwaltung nahm seither zu, blieb aber über längere Zeit hinter ihrem Bevölkerungsanteil zurück.
Geschichte im 21. Jahrhundert
Zu den wichtigsten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts gehören die Modernisierung der kantonalen Verwaltung, Gemeindefusionen, der Ausbau der A16 und der Kantonswechsel Moutiers.
Zahlreiche kleinere Gemeinden schlossen sich zusammen, um ihre Verwaltung und öffentlichen Dienstleistungen langfristig zu sichern.
Der Kanton arbeitet eng mit Basel, Bern, Neuenburg, dem französischen Département Territoire de Belfort und weiteren Nachbarregionen zusammen.
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit betrifft Wirtschaft, Verkehr, Bildung, Gesundheit, Kultur und Naturschutz.
Demografische Alterung, Fachkräftemangel und die Abwanderung junger Menschen stellen den Kanton vor Herausforderungen. Gleichzeitig profitieren einzelne Gemeinden von vergleichsweise günstigem Wohnraum und ihrer Nähe zu Basel und dem französischen Grenzraum.
Mit dem Übertritt Moutiers im Jahr 2026 begann eine neue Phase. Der Kanton muss die Stadt administrativ integrieren und gleichzeitig seine föderale Balance zwischen vier Bezirken neu gestalten.
Chronologie
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Altsteinzeit | Früheste nachgewiesene Aufenthalte von Menschen im Gebiet des heutigen Kantons |
| 7. Jahrhundert | Entstehung der religiösen Zentren Saint-Ursanne und Moutier-Grandval |
| 999 | König Rudolf III. schenkt Moutier-Grandval dem Bischof von Basel |
| 13. Jahrhundert | Entwicklung von Porrentruy und Delémont zu städtischen Zentren |
| 1384 | Freibrief für die Freiberge |
| 1529 | Reformation in Basel; Porrentruy wird zur dauerhaften fürstbischöflichen Residenz |
| 16. Jahrhundert | Konfessionelle Teilung zwischen katholischem Nord- und reformiertem Südjura |
| 1726–1740 | Jurassische Wirren gegen die fürstbischöfliche Regierung |
| 1740 | Hinrichtung Pierre Péquignats in Porrentruy |
| Dezember 1792 | Ausrufung der Raurakischen Republik |
| 1793 | Annexion durch Frankreich und Bildung des Départements Mont-Terrible |
| 1800 | Eingliederung des Départements Mont-Terrible in das Département Haut-Rhin |
| 1815 | Der grösste Teil des ehemaligen Fürstbistums Basel kommt zum Kanton Bern |
| 1831 | Liberale Neuordnung des Kantons Bern |
| 1847 | Gründung der Société jurassienne d'émulation |
| 1870er Jahre | Kulturkampf im katholischen Nordjura |
| 1917 | Kurzlebige separatistische Bewegung für einen Kanton Jura |
| 1947 | Affäre Moeckli und Entstehung der modernen Jurafrage |
| 1951 | Das Mouvement séparatiste jurassien wird zum Rassemblement jurassien |
| 1952 | Gründung der antiseparatistischen Union des patriotes jurassiens |
| 1959 | Ablehnung der Initiative zur Gründung eines Kantons Jura |
| 1963 | Gründung des Groupe Bélier |
| 1970 | Annahme des bernischen Verfassungszusatzes über die jurassische Selbstbestimmung |
| 23. Juni 1974 | Mehrheit der sieben jurassischen Bezirke stimmt für einen neuen Kanton |
| 16. März 1975 | Courtelary, Moutier, La Neuveville und Laufen entscheiden sich für den Verbleib bei Bern |
| 20. März 1976 | Wahl der jurassischen Verfassungsgebenden Versammlung |
| 20. März 1977 | Annahme der Verfassung des neuen Kantons |
| 24. September 1978 | Schweizer Volk und Kantone stimmen der Gründung des Kantons Jura zu |
| 1. Januar 1979 | Eintritt der Republik und Kanton Jura in die Souveränität |
| 1. Januar 1994 | Das Laufental wechselt vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft |
| 1. Juli 1996 | Vellerat wechselt vom Kanton Bern zum Kanton Jura |
| 24. November 2013 | Der Berner Jura lehnt einen Prozess zur Bildung eines gemeinsamen neuen Kantons ab |
| 18. Juni 2017 | Erste Abstimmung Moutiers für einen Kantonswechsel; später aufgehoben |
| 28. März 2021 | Moutier stimmt erneut für den Anschluss an den Kanton Jura |
| 22. September 2024 | Bern und Jura genehmigen das Konkordat über den Wechsel Moutiers |
| 1. Januar 2025 | Aufhebung des Wiedervereinigungsartikels der jurassischen Kantonsverfassung |
| 1. Januar 2026 | Moutier tritt dem Kanton Jura bei und bildet dessen vierten Bezirk |
Siehe auch
- Jura
- Kanton Jura
- Fürstbistum Basel
- Berner Jura
- Jurafrage
- Juraplebiszite
- Raurakische Republik
- Moutier
- Vellerat
- Geschichte des Kantons Bern
- Geschichte des Kantons Basel-Landschaft
- Geschichte der Schweiz
Literatur
- François Kohler: Jura. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Gilbert Ganguillet: Le conflit jurassien. Genèse et trajectoire d'un conflit ethno-régional. Zürich 1998.
- Claude Hauser: L'aventure du Jura. Cultures politiques et identité régionale au XXe siècle. Lausanne 2004.
- Alain Pichard: La Question jurassienne. Avant et après la naissance du 23e canton suisse. Lausanne 2004.
- Marcel Brêchet: Les années de braise. Histoire du Rassemblement jurassien de 1947 à 1975. Delémont 1996.
- Emma Chatelain: Nous sommes des hommes libres sur une terre libre. Le mouvement antiséparatiste jurassien, 1947–1975. Neuenburg 2007.
- Christian Moser: Der Jurakonflikt. Eine offene Wunde der Schweizer Geschichte. NZZ Libro, Basel 2020, ISBN 978-3-907291-09-3.
- Société jurassienne d'émulation: Nouvelle histoire du Jura. Porrentruy 1984.
- André Bandelier: L'Évêché de Bâle à l'époque moderne. Verschiedene Publikationen.
- Jean-Claude Rebetez: La donation de 999 et l'histoire médiévale de l'ancien Évêché de Bâle. Porrentruy 2002.
Weblinks
- Offizielle Website der Republik und Kanton Jura
- Schlüsseldaten zur Entstehung des Kantons Jura
- Kanton Jura im Historischen Lexikon der Schweiz
- Fürstbistum Basel im Historischen Lexikon der Schweiz
- Archives cantonales jurassiennes
- Archiv des ehemaligen Fürstbistums Basel
- Musée jurassien d'art et d'histoire
- Dossier des Bundes zur Jurafrage
- Lösung der Jurafrage beim Bundesamt für Justiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Les communes jurassiennes, Republik und Kanton Jura, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Archéologie cantonale, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Moutier-Grandval im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Basel (Fürstbistum) im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Jura (Region) im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Jura (Kanton) im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Berner Jura im Historischen Lexikon der Schweiz, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Die Jurafrage: 50 Jahre seit der historischen Abstimmung, Bibliothek am Guisanplatz, Schweizerische Eidgenossenschaft, 21. November 2024, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Les dates-clés de la République et Canton du Jura, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Constitution de la République et Canton du Jura du 20 mars 1977, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Bundesbeschluss über die Gründung des Kantons Jura: Volksabstimmung vom 24. September 1978, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Déléguée à l'égalité entre femmes et hommes, Republik und Kanton Jura, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Identitätsfragen und Laufental, Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Bundesbeschluss über den Übertritt der bernischen Gemeinde Vellerat zum Kanton Jura, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Moutier sera bel et bien jurassienne, Republik und Kanton Jura, 28. März 2021, abgerufen am 30. Juli 2026.
- ↑ Lösung der Jurafrage, Bundesamt für Justiz, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 30. Juli 2026.
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