Bezirk Zurzach

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Bezirk Zurzach
Karte des Bezirks Zurzach
Kanton Aargau
Hauptort Zurzach, Ortschaft Bad Zurzach
BFS-Nummer 1911
Fläche 130,01 km²
Einwohner 38'196
Einwohnerstand 31. Dezember 2025
Bevölkerungsdichte rund 294 Einwohner pro km²
Gemeinden 15
Kreis Kreis XVII

Der Bezirk Zurzach ist einer der elf Bezirke des Kantons Aargau in der Schweiz. Er liegt im äussersten Nordosten des Kantons an der Grenze zu Deutschland. Bezirkshauptort ist die Gemeinde Zurzach mit der Ortschaft Bad Zurzach.

Der Bezirk umfasst 15 politische Gemeinden und erstreckt sich vom Zusammenfluss von Aare und Rhein bei Koblenz über das untere Aaretal, den Aargauer Hochrhein, das Surbtal und das Studenland bis an die Grenze zum Kanton Zürich. Die Region wird auch als Zurzibiet bezeichnet.

Neben ländlichen Dörfern gehören die historischen Städtchen Klingnau und Kaiserstuhl sowie die regionalen Zentren Zurzach und Döttingen zum Bezirk. Wirtschaftlich bedeutend sind die Energieproduktion, das Gesundheitswesen, Industrie und Gewerbe, der Weinbau und der grenzüberschreitende Verkehr. In Endingen und Lengnau befinden sich bedeutende Zeugnisse der jüdischen Geschichte der Schweiz.

Geographie

Lage

Der Bezirk Zurzach bildet den nordöstlichsten Teil des Kantons Aargau. Im Norden begrenzt ihn der Rhein, der zugleich die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland bildet. Auf der deutschen Seite liegt der baden-württembergische Landkreis Waldshut.

Im Osten und Südosten grenzt der Bezirk an den Kanton Zürich. Südlich schliesst der Bezirk Baden an, im Südwesten der Bezirk Brugg und im Westen der Bezirk Laufenburg.

Die Bezirksfläche beträgt 130,01 Quadratkilometer. Sie umfasst dicht besiedelte Talräume an Aare und Rhein, landwirtschaftlich genutzte Ebenen, Rebberge, bewaldete Hügel und die Ausläufer des Juras.[1]

Landschaftsräume

Der Bezirk lässt sich in mehrere Landschaftsräume gliedern. Der nördliche Teil folgt dem Hochrhein von Full-Reuenthal über Koblenz und Zurzach bis nach Fisibach. Die Gemeinden und Ortschaften liegen teilweise unmittelbar am Fluss, teilweise auf erhöhten Terrassen und an den angrenzenden Hängen.

Im Westen prägen die Aare und das untere Aaretal die Landschaft. Zwischen Döttingen und Klingnau befindet sich der Klingnauer Stausee, der durch den Bau eines Wasserkraftwerks entstand und heute zu den bedeutendsten Vogel- und Feuchtgebieten der Schweiz gehört.

Das Surbtal zieht sich von Döttingen und Tegerfelden in südöstlicher Richtung über Endingen und Lengnau bis zur Zürcher Kantonsgrenze. Es wird von der Surb durchflossen und ist von bewaldeten Höhenzügen umgeben.

Als Studenland wird die hügelige Landschaft zwischen Aare, Rhein und Surbtal bezeichnet. Dazu zählen insbesondere Gebiete der Gemeinden Böttstein, Leuggern, Leibstadt, Full-Reuenthal und Zurzach. Die Landschaft ist durch Ackerbau, Wald, kleinere Bäche und kompakte Dorfkerne geprägt.

Gewässer

Die wichtigsten Gewässer des Bezirks sind Rhein, Aare und Surb. Bei Koblenz mündet die Aare in den Rhein. Wegen der grossen Wassermenge der Aare ist der Flussabschnitt unterhalb des Zusammenflusses hydrologisch wesentlich durch die Aare geprägt.

Weitere Gewässer sind der Klingnauer Stausee, der Binnenkanal entlang des Rheins und zahlreiche kleinere Bäche. Die Flusslandschaften weisen Auen, Kiesbänke, Altarme und Feuchtgebiete auf.

Die Aue «Chly Rhy» bei Rietheim wurde im Rahmen eines grossen Renaturierungsprojekts wiederhergestellt. Sie umfasst Flachwasserbereiche, Auenwald und zeitweise überflutete Flächen und bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Klima

Das Klima ist gegenüber den höher gelegenen Teilen des Kantons vergleichsweise mild. Die geschützten Hänge des unteren Aare- und Surbtals eignen sich für den Weinbau. Reben werden insbesondere in Klingnau, Döttingen, Tegerfelden, Endingen und weiteren Gemeinden kultiviert.

Die Niederschläge sind über das Jahr verteilt. In den Flusstälern treten häufig Nebellagen auf, während die höher gelegenen Hänge und Terrassen mehr Sonnenschein erhalten.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Das Gebiet des heutigen Bezirks war bereits in der Jungsteinzeit und Bronzezeit besiedelt. Archäologische Funde stammen unter anderem aus dem Aaretal, dem Surbtal und der Umgebung von Zurzach.

Aus der Eisenzeit sind Siedlungsspuren, Gräber und einzelne Fundgegenstände bekannt. Die Flüsse ermöglichten den Austausch mit benachbarten Gebieten, bildeten zugleich aber natürliche Hindernisse, die nur an geeigneten Furten und Übergängen überwunden werden konnten.

Römerzeit

Während der Römerzeit führte eine bedeutende Verkehrsverbindung von Vindonissa bei Windisch über das Gebiet von Zurzach nach Norden. Beim heutigen Bad Zurzach lag die römische Siedlung Tenedo. Sie kontrollierte einen wichtigen Rheinübergang und entwickelte sich zu einem militärischen und wirtschaftlichen Stützpunkt.

In der Spätantike wurden die Grenzanlagen entlang des Rheins verstärkt. Reste römischer Kastelle, Strassen, Gutshöfe und Siedlungen wurden an mehreren Orten des Bezirks nachgewiesen. Auch bei Koblenz, Klingnau, Leuggern und im Surbtal sind römische Funde bekannt.

Der Rhein bildete zeitweise einen Abschnitt der Nordgrenze des Römischen Reiches. Der Übergang bei Tenedo war Bestandteil der Verbindungen zwischen dem schweizerischen Mittelland und dem süddeutschen Raum.

Mittelalter

Nach dem Ende der römischen Herrschaft siedelten sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region an. Zahlreiche Ortsnamen auf «-ingen», darunter Endingen, Rekingen und Tegerfelden, gehen auf die frühmittelalterliche Siedlungsentwicklung zurück.

Im Hochmittelalter war das Gebiet politisch stark zersplittert. Rechte und Besitzungen lagen unter anderem bei den Habsburgern, dem Bischof von Konstanz, dem Kloster St. Blasien, dem Stift Zurzach und der Johanniterkommende Leuggern. Daneben bestanden Herrschaften lokaler Adelsfamilien.

Zurzach entwickelte sich um das Grab der heiligen Verena zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Die Zurzacher Messen gehörten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu den wichtigsten Handelsmessen im Gebiet der heutigen Schweiz. Händler aus weiten Teilen Europas brachten Textilien, Leder, Metalle, Gewürze und andere Waren an den Rhein.

Klingnau wurde im 13. Jahrhundert durch die Freiherren von Klingen gegründet. Die Stadt gelangte später an das Hochstift Konstanz. Kaiserstuhl entstand ebenfalls als befestigte Kleinstadt an einem Rheinübergang und gehörte über Jahrhunderte zum weltlichen Herrschaftsgebiet des Bischofs von Konstanz.

Die Johanniterkommende Leuggern besass umfangreiche Güter und Niedergerichtsrechte. Sie prägte die kirchliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Kirchspiels Leuggern.

Grafschaft Baden

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 gelangten grosse Teile des heutigen Bezirks zur Grafschaft Baden. Diese wurde bis 1798 als gemeine Herrschaft mehrerer eidgenössischer Orte verwaltet.

Zur Grafschaft gehörten unter anderem das Amt Leuggern, Teile des Surbtals und verschiedene Dörfer am Rhein. Andere Gebiete, insbesondere Kaiserstuhl und Klingnau, blieben mit dem Hochstift Konstanz verbunden oder besassen besondere Herrschaftsverhältnisse.

Die Grafschaft Baden wurde von einem eidgenössischen Landvogt regiert. Die niedere Gerichtsbarkeit und lokale Verwaltung lagen jedoch häufig bei Klöstern, Stiften, geistlichen Kommenden oder lokalen Herrschaftsträgern.

Die Bevölkerung lebte überwiegend von Landwirtschaft, Viehzucht, Weinbau, Fischerei und Handwerk. Zurzach nahm wegen seiner Messen und der Verena-Wallfahrt eine wirtschaftliche Sonderstellung ein.

Jüdische Gemeinden im Surbtal

Endingen und Lengnau besitzen eine herausragende Bedeutung für die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz. Nach 1776 waren sie die einzigen Orte der damaligen Eidgenossenschaft, in denen sich jüdische Familien dauerhaft niederlassen durften.[2]

Die jüdische Bevölkerung durfte zunächst kein Land besitzen und war von zahlreichen Berufen ausgeschlossen. Viele Familien waren deshalb im Vieh-, Textil- und Kleinhandel tätig. Christen und Juden lebten in denselben Dörfern, gehörten jedoch unterschiedlichen rechtlichen und religiösen Gemeinschaften an.

Die Synagoge von Lengnau wurde 1750 errichtet und im 19. Jahrhundert erneuert. In Endingen entstand 1764 eine Synagoge, die 1852 durch den heutigen repräsentativen Bau ersetzt wurde.[3]

Zwischen Endingen und Lengnau liegt der jüdische Friedhof, der seit dem 18. Jahrhundert genutzt wird. Zuvor mussten Verstorbene auf einer Rheininsel bei Koblenz bestattet werden.

Mit der rechtlichen Gleichstellung der Schweizer Juden im 19. Jahrhundert zogen viele Familien in grössere Städte. Synagogen, Wohnhäuser mit getrennten Eingängen, der Friedhof und weitere Gebäude erinnern weiterhin an die gemeinsame christlich-jüdische Geschichte des Surbtals.

Helvetische Republik und Kantonsgründung

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der alten Eidgenossenschaft endeten 1798 die gemeinen Herrschaften. Das Gebiet des heutigen Bezirks wurde Teil des Kantons Baden der Helvetischen Republik.

Die Mediationsakte von 1803 vereinigte den Kanton Baden, den Kanton Aargau und das Fricktal zum heutigen Kanton Aargau. Gleichzeitig wurde der Bezirk Zurzach als einer der kantonalen Bezirke geschaffen.

Zurzach wurde Bezirkshauptort und Sitz der regionalen Gerichts- und Verwaltungsbehörden. Die Bezirksgrenzen folgten nicht vollständig den älteren Herrschaftsgebieten, sondern verbanden Gemeinden aus unterschiedlichen historischen Territorien.

19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden die Verkehrswege ausgebaut. Neue Strassen und Eisenbahnlinien verbesserten die Verbindungen nach Baden, Brugg, Winterthur, Basel und Waldshut.

Die Zurzacher Messen verloren mit dem Wandel der Handelsstrukturen an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelten sich Industrie und Gewerbe in den Gemeinden an Aare und Rhein. In Klingnau, Döttingen, Koblenz und Zurzach entstanden Betriebe aus den Bereichen Textilherstellung, Metallverarbeitung, Baustoffe und Lebensmittelproduktion.

1866 wurden Oberleibstadt und Unterleibstadt zur Gemeinde Leibstadt vereinigt. Da Unterleibstadt zuvor zum Bezirk Laufenburg gehört hatte, veränderte sich dabei auch die Bezirksgrenze.[4]

Die Erschliessung der Thermalquelle in Zurzach führte im 20. Jahrhundert zur Entwicklung eines bedeutenden Bade-, Gesundheits- und Rehabilitationsstandorts. Seit 2006 trug die damalige Gemeinde offiziell den Namen Bad Zurzach.

Der Ausbau der Wasserkraft und später der Kernenergie machte den Bezirk zu einer der bedeutendsten Energieproduktionsregionen der Schweiz. Das Kernkraftwerk Beznau nahm 1969 beziehungsweise 1971 seine beiden Reaktorblöcke in Betrieb. Das Kernkraftwerk Leibstadt folgte 1984.

Gemeindefusionen

Die Zahl der politischen Gemeinden im Bezirk verringerte sich durch mehrere Zusammenschlüsse. Am 1. Januar 2014 fusionierte Unterendingen mit Endingen.

Am 1. Januar 2022 schlossen sich die acht Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen zur neuen Gemeinde Zurzach zusammen.[5]

Die bisherigen Gemeinden bestehen als Ortschaften innerhalb der neuen Gemeinde fort. Bad Zurzach blieb das administrative und wirtschaftliche Zentrum der Gesamtgemeinde sowie Hauptort des Bezirks.

Administrative Gliederung

Der Bezirk umfasst seit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Zurzach 15 politische Gemeinden. Nach dem geltenden Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung bilden sämtliche Gemeinden gemeinsam den Kreis XVII.[6]

Gemeinde BFS-Nummer Einwohner
Böttstein 4303 4'423
Döttingen 4304 4'535
Endingen 4305 2'757
Fisibach 4306 597
Full-Reuenthal 4307 1'020
Klingnau 4309 3'709
Koblenz 4310 1'836
Leibstadt 4311 1'650
Lengnau 4312 2'945
Leuggern 4313 2'431
Mellikon 4314 227
Schneisingen 4318 1'552
Siglistorf 4319 882
Tegerfelden 4320 1'325
Zurzach 4324 8'307
Bezirk Zurzach 1911 38'196

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2025.[7]

Bevölkerung

Ende 2025 lebten im Bezirk 38'196 Personen. Davon besassen 25'517 das Schweizer Bürgerrecht, während 12'679 Personen zur ausländischen Wohnbevölkerung gehörten.[7]

Die bevölkerungsreichste Gemeinde ist Zurzach, gefolgt von Döttingen, Böttstein und Klingnau. Mellikon ist die kleinste Gemeinde des Bezirks und zugleich eine der kleinsten Gemeinden des Kantons Aargau.

Die Bevölkerungsverteilung ist ungleichmässig. In den Zentren Zurzach, Döttingen und Klingnau sowie entlang der Hauptverkehrsachsen entstanden grössere Wohn- und Gewerbegebiete. Die Gemeinden im Studenland, im oberen Surbtal und an den bewaldeten Höhen besitzen dagegen einen stärker ländlichen Charakter.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich viele Gemeinden zu Wohnorten für Pendlerinnen und Pendler. Arbeitsplätze befinden sich neben dem Bezirk selbst vor allem in Baden, Brugg, im Zürcher Unterland und im deutschen Landkreis Waldshut.

Die Umgangssprache ist eine hochalemannische Mundart. Neben Deutsch werden aufgrund der Zuwanderung und der Grenzlage zahlreiche weitere Sprachen gesprochen.

Die konfessionelle Landschaft wurde historisch durch römisch-katholische, reformierte und jüdische Gemeinschaften geprägt. Seit dem späten 20. Jahrhundert nahm der Anteil konfessionsloser Einwohnerinnen und Einwohner sowie Angehöriger weiterer Religionen zu.

Politik, Verwaltung und Justiz

Der Bezirk ist keine selbstständige politische Körperschaft und besitzt weder ein eigenes Parlament noch eine Bezirksregierung. Die staatlichen Aufgaben werden durch den Kanton und die Gemeinden wahrgenommen.

Die Bezirke dienen im Kanton Aargau als Wahlkreise für den Grossen Rat. Die Zahl der Sitze eines Bezirks richtet sich nach seiner Bevölkerungszahl.

In jedem Bezirk besteht ein Bezirksgericht. Das Bezirksgericht Zurzach beurteilt erstinstanzlich Zivil- und Strafsachen, soweit diese nicht einer anderen kantonalen Instanz zugewiesen sind. Es nimmt zudem Aufgaben als Arbeits-, Jugend- und Familiengericht wahr.

Die Mitglieder des Bezirksgerichts und bestimmte weitere Bezirks- und Kreisbehörden werden von den Stimmberechtigten gewählt. Für friedensrichterliche Aufgaben bilden die Gemeinden des Bezirks den Kreis XVII.

Der Bezirk dient ausserdem als statistische und administrative Gebietseinheit. Verschiedene kantonale Stellen, Parteien, Verbände und regionale Organisationen gliedern ihre Tätigkeit nach den Bezirksgrenzen.

Wirtschaft

Energieproduktion

Die Energieproduktion besitzt im Bezirk eine aussergewöhnlich grosse Bedeutung. In Döttingen befindet sich auf der Aareinsel Beznau das Kernkraftwerk Beznau. Es verfügt über zwei Druckwasserreaktoren und gilt als eines der ältesten noch betriebenen Kernkraftwerke der Welt.

Auf derselben Insel steht das Wasserkraftwerk Beznau. Ein weiteres Wasserkraftwerk befindet sich am Klingnauer Stausee.

In Leibstadt liegt das Kernkraftwerk Leibstadt, das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz. Die Anlage nahm 1984 den kommerziellen Betrieb auf und ist für die Wirtschaft der Gemeinde und der gesamten Region von grosser Bedeutung.

Die Kraftwerksstandorte bieten direkte Arbeitsplätze und Aufträge für zahlreiche Zuliefer-, Bau-, Wartungs- und Dienstleistungsunternehmen. Gleichzeitig sind sie Gegenstand energiepolitischer und sicherheitstechnischer Diskussionen.

Industrie und Gewerbe

Industrie- und Gewerbezonen konzentrieren sich vor allem entlang der Aare, des Rheins und der Bahnlinien. Bedeutende Standorte befinden sich in Döttingen, Klingnau, Böttstein, Koblenz, Leibstadt und Zurzach.

Vertreten sind unter anderem Maschinenbau, Metallverarbeitung, Kunststofftechnik, Baugewerbe, Logistik, Lebensmittelproduktion und technische Dienstleistungen. Zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen sind auf den regionalen Markt oder auf grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen ausgerichtet.

Die Nähe zu Baden, Brugg, Zürich und dem süddeutschen Raum macht den Bezirk auch zu einem Wohnstandort für Pendler. Der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt spielt insbesondere in den Rheingemeinden eine wichtige Rolle.

Gesundheit und Tourismus

Zurzach ist ein bedeutender Gesundheits- und Rehabilitationsstandort. Grundlage dafür ist eine Thermalquelle, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts erschlossen wurde. Rund um die Therme entstanden Kliniken, Hotels, medizinische Einrichtungen und Freizeitangebote.

Die historische Ortschaft Bad Zurzach zieht Gäste wegen ihrer Thermalbäder, des Kurparks, des Verenamünsters und des alten Fleckens an. Weitere touristische Ziele sind der Klingnauer Stausee, die Auen am Rhein, die historischen Städtchen Klingnau und Kaiserstuhl sowie der jüdische Kulturweg Endingen–Lengnau.

Velorouten entlang von Rhein und Aare verbinden den Bezirk mit Basel, dem Bodensee, Brugg und dem süddeutschen Raum.

Landwirtschaft und Weinbau

Trotz der industriellen Entwicklung ist die Landwirtschaft ein sichtbarer Bestandteil des Landschaftsbildes. Angebaut werden Getreide, Mais, Zuckerrüben, Raps, Gemüse und Futterpflanzen. Hinzu kommen Milch- und Viehwirtschaft.

Der Weinbau konzentriert sich auf sonnige Hänge des Aare- und Surbtals. Döttingen, Klingnau, Tegerfelden und Endingen gehören zu den bekannten Aargauer Weinbaugemeinden. Angebaut werden unter anderem Blauburgunder, Riesling-Silvaner und weitere weisse und rote Rebsorten.

Das Döttinger Winzerfest gehört zu den bekanntesten regionalen Veranstaltungen und erinnert an die lange Weinbautradition des unteren Aaretals.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bezirk wird durch mehrere Eisenbahnlinien erschlossen. Die Strecke Turgi–Koblenz führt durch das untere Aaretal und bedient unter anderem Döttingen, Klingnau und Koblenz. In Turgi bestehen Anschlüsse in Richtung Baden, Brugg, Aarau und Zürich.

Die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz verläuft entlang des Rheins über Kaiserstuhl, Rümikon, Mellikon, Rekingen, Bad Zurzach und Rietheim. Sie verbindet den Bezirk mit dem Zürcher Unterland und Winterthur.

Von Koblenz führt eine grenzüberschreitende Eisenbahnbrücke nach Waldshut. Dort bestehen Anschlüsse an das deutsche Bahnnetz und an die Hochrheinbahn.

Teile der früheren Bahnverbindung von Koblenz in Richtung Laufenburg und Stein-Säckingen werden weiterhin für den Güterverkehr und die Erschliessung von Industrieanlagen genutzt.

Strassenverkehr

Koblenz ist ein bedeutender regionaler Strassenknoten. Hier treffen die Verbindungen aus dem Aaretal, dem Fricktal, dem Zürcher Unterland und Deutschland zusammen.

Eine Hauptstrasse folgt dem Rhein von Basel über Laufenburg, Koblenz und Zurzach in Richtung Eglisau und Winterthur. Weitere wichtige Strassen führen durch das Aaretal nach Brugg und Baden sowie durch das Surbtal in Richtung Zürich.

Strassenbrücken über den Rhein bestehen bei Koblenz, Bad Zurzach und Kaiserstuhl. Sie verbinden den Bezirk mit Waldshut-Tiengen und Hohentengen am Hochrhein. Der Grenzverkehr besitzt für Einkauf, Arbeit und Freizeit eine grosse Bedeutung.

Regionale Buslinien erschliessen die Gemeinden ohne Bahnanschluss und verbinden das Studenland, das Surbtal und die höher gelegenen Dörfer mit Döttingen, Klingnau, Bad Zurzach, Baden und Niederweningen.

Langsamverkehr

Nationale und regionale Velorouten verlaufen entlang von Rhein und Aare. Der Rheinradweg verbindet das Gebiet mit dem Bodensee und Basel. Wanderwege führen durch die Rebberge, die Auenlandschaften, das Surbtal und die bewaldeten Höhen des Studenlands.

Natur und Landschaftsschutz

Klingnauer Stausee

Der Klingnauer Stausee entstand in den 1930er-Jahren durch den Bau des Kraftwerks Klingnau. Das flache Gewässer entwickelte sich zu einem international bedeutenden Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel.

Mehr als 300 Vogelarten wurden im Gebiet beobachtet. Schilfzonen, Schlammflächen, Inseln und Flachwasserbereiche bieten Lebensräume für Enten, Limikolen, Reiher und zahlreiche Zugvögel.

Das BirdLife-Naturzentrum Klingnauer Stausee informiert mit einer Ausstellung, einem Erlebnispfad und Beobachtungseinrichtungen über die Tier- und Pflanzenwelt.[8]

Auen am Rhein und an der Aare

Entlang von Rhein und Aare befinden sich mehrere geschützte Auenlandschaften. Die Aue «Chly Rhy» bei Rietheim gilt als eines der grössten Renaturierungsprojekte des Kantons.

Durch die Wiederanbindung ehemaliger Flussarme entstanden dynamische Lebensräume, die bei unterschiedlichen Wasserständen überflutet oder trockengelegt werden. Davon profitieren Amphibien, Fische, Insekten und zahlreiche Vogelarten.

Weitere wertvolle Lebensräume befinden sich an der Aaremündung, bei Full-Reuenthal und entlang kleinerer Bäche. Die Uferbereiche dienen zugleich der Naherholung.

Wald und Kulturlandschaft

Die Wälder des Bezirks erfüllen Funktionen für die Holzproduktion, die Erholung, den Natur- und Grundwasserschutz. In den hügeligen Gebieten wechseln sich Laubmischwälder mit Ackerflächen, Wiesen, Rebbergen und Obstgärten ab.

Trockenstandorte, Hecken und traditionelle Hochstammobstgärten tragen zur biologischen Vielfalt bei. Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung und Naturschutz stehen dabei teilweise in Konkurrenz um die verfügbaren Flächen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bad Zurzach

Der historische Flecken Bad Zurzach besitzt ein geschlossenes Ortsbild mit Bürgerhäusern, Gasthöfen und ehemaligen Messegebäuden. Bedeutendstes Bauwerk ist das Verenamünster, das über dem Grab der heiligen Verena errichtet wurde.

Zur Anlage gehören die Verenagruft, die ehemalige Stiftskirche und weitere kirchliche Gebäude. Die Verenaverehrung und die Zurzacher Messen beeinflussten die Entwicklung des Ortes über Jahrhunderte.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Bezirksmuseum «Höfli», das Schloss Zurzach, der reformierte Kirchenbezirk und die historischen Häuser rund um den alten Marktflecken.

Klingnau

Klingnau besitzt einen mittelalterlich geprägten Stadtkern. Das Schloss Klingnau wurde im 13. Jahrhundert durch die Freiherren von Klingen errichtet und später mehrfach umgebaut.

Die Propsteikirche, das ehemalige Kloster Sion und historische Bürgerhäuser erinnern an die kirchliche und städtische Geschichte. Die Rebberge oberhalb des Städtchens bieten einen weiten Blick über das Aaretal und den Klingnauer Stausee.

Kaiserstuhl

Kaiserstuhl ist heute eine Ortschaft der Gemeinde Zurzach. Das kleine mittelalterliche Städtchen liegt am Rhein gegenüber von Hohentengen. Teile der Stadtmauer, der Obere Turm und historische Wohnhäuser sind erhalten.

Die kompakte Siedlungsstruktur und die Lage am Fluss machen Kaiserstuhl zu einem Ortsbild von nationaler Bedeutung.

Jüdisches Kulturerbe

Die Synagogen von Endingen und Lengnau gehören zu den bedeutendsten jüdischen Sakralbauten der Schweiz. Beide Dörfer weisen Häuser mit zwei nebeneinanderliegenden Eingängen auf, die traditionell mit dem Zusammenleben christlicher und jüdischer Familien verbunden werden.

Der jüdische Friedhof zwischen den beiden Gemeinden enthält mehrere tausend Grabsteine. Der jüdische Kulturweg verbindet Synagogen, Wohnhäuser, Schulen und weitere historische Orte.

Leuggern und Böttstein

In Leuggern erinnern die ehemalige Johanniterkommende und die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul an die historische Bedeutung des Ortes. Die Kirche wird wegen ihrer Grösse häufig als «Dom des Aaretals» bezeichnet.

Das Schloss Böttstein entstand aus einer mittelalterlichen Burganlage und wurde im 17. Jahrhundert zu einer repräsentativen Schlossanlage umgebaut. Zur Anlage gehört die barocke Schlosskapelle.

Militär- und Technikgeschichte

In Full-Reuenthal befindet sich das Militärmuseum Full. Es zeigt Fahrzeuge, Geschütze, Uniformen und weitere Objekte zur schweizerischen und europäischen Militärgeschichte.

Das Ebianum in Fisibach widmet sich der Geschichte von Baumaschinen und Baggern. Die Ausstellung entstand aus einer privaten Sammlung und umfasst zahlreiche historische Maschinen.

Regionale Zusammenarbeit

Die Gemeinden arbeiten in verschiedenen Zweckverbänden und regionalen Organisationen zusammen. Gemeinsame Aufgaben bestehen unter anderem in den Bereichen Raumplanung, Abfallentsorgung, Wasserversorgung, Abwasserreinigung, Feuerwehr, Altersbetreuung, Gesundheitsversorgung und öffentlicher Verkehr.

Der Planungsverband ZurzibietRegio vertritt regionale Interessen und koordiniert die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung. Ein wichtiges Ziel ist die Stärkung der Region zwischen den Wirtschaftsräumen Zürich, Baden–Brugg, Basel und Süddeutschland.

Zu den Herausforderungen gehören die Sicherung von Arbeitsplätzen, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, der Schutz der Fluss- und Kulturlandschaften sowie die Abstimmung der Siedlungsentwicklung über die Gemeindegrenzen hinweg.

Siehe auch

Literatur

  • Hermann Ammann, August Senti: Die Bezirke Brugg, Rheinfelden, Laufenburg und Zurzach. Aarau 1948.
  • Sarah Brian Scherer et al.: Das Kirchspiel Leuggern. Geschichte von Böttstein, Full-Reuenthal, Leibstadt und Leuggern. Baden 2001.
  • Edward Attenhofer: Das Zurzacher Messewesen im Mittelalter und in der Neuzeit. Zurzach.
  • Florence Guggenheim-Grünberg: Juden im Surbtal. Zürich.
  • Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Der Bezirk Zurzach. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel.

Einzelnachweise

  1. Geographische Kennzahlen der Bezirke, Stand 1. Januar 2026, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Judentum. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Endingen. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Leibstadt. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Zusammenschluss zur Gemeinde Zurzach, Regierungsrat des Kantons Aargau, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung, Systematische Sammlung des Aargauischen Rechts, Stand 1. Januar 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  7. 7,0 7,1 Bevölkerungsbestand nach Gemeinde per 31. Dezember 2025, Statistik Aargau, veröffentlicht am 23. März 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Region Zurzach, Aargau Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.