Bezirk Muri

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Bezirk Muri
Staat Schweiz
Kanton Aargau
Hauptort Muri
BFS-Nummer 1908
Fläche 138,95 km²
Einwohner 40'404
Einwohnerstand 31. Dezember 2025
Bevölkerungsdichte 291 Einwohner pro km²
Gemeinden 19
Region Freiamt
Grossratsmandate 8

Der Bezirk Muri ist einer der elf Bezirke des Kantons Aargau in der Schweiz. Er liegt im Südosten des Kantons und umfasst 19 politische Gemeinden. Hauptort und grösste Gemeinde ist Muri. Der Bezirk wird überwiegend dem Oberen Freiamt zugerechnet und erstreckt sich vom Lindenberg im Westen bis zur Reuss und zur Kantonsgrenze mit Zug im Osten.

Ende 2025 lebten im Bezirk 40'404 Einwohnerinnen und Einwohner. Seine Fläche beträgt 138,95 Quadratkilometer. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 291 Personen pro Quadratkilometer.[1][2]

Der Bezirk ist keine selbstständige politische Körperschaft und verfügt weder über ein eigenes Parlament noch über eine Bezirksregierung. Er dient als Wahlkreis, Gerichtsbezirk sowie als räumliche Einheit für kantonale Verwaltungsaufgaben und statistische Auswertungen. In Muri befinden sich unter anderem das Bezirksgericht und das Familiengericht.

Geographie

Lage und Grenzen

Der Bezirk Muri bildet den südöstlichsten Teil des Kantons Aargau. Im Norden grenzt er vorwiegend an den Bezirk Bremgarten. Im Nordwesten und Westen schliesst der Bezirk Lenzburg an. Weitere Grenzen bestehen zu den Kantonen Luzern und Zug.

Die östliche Bezirksgrenze folgt über längere Abschnitte der Reuss. Jenseits des Flusses liegen Zuger Gemeinden wie Hünenberg, Cham und Risch. Im Süden grenzen die Gemeinden Dietwil und Oberrüti an den Kanton Luzern und an den Raum um Rotkreuz.

Der Bezirk besitzt keine grösseren Städte. Das Siedlungsnetz besteht aus dem Regionalzentrum Muri sowie zahlreichen Dörfern, Weilern und Einzelhöfen. Weitere bedeutende Siedlungsschwerpunkte sind Sins, Merenschwand, Boswil und Waltenschwil.

Landschaft

Die Landschaft wird durch drei Haupträume geprägt: den Lindenberg, das Bünztal und das Reusstal. Der Lindenberg bildet einen langgestreckten, teilweise bewaldeten Höhenzug an der Grenze zu den Kantonen Luzern und Aargau. An seinen Hängen liegen unter anderem Bettwil, Buttwil, Geltwil, Kallern und Beinwil im Freiamt.

Durch den mittleren Teil des Bezirks fliesst die Bünz. Sie durchquert oder berührt die Gemeinden Muri, Boswil, Bünzen und Besenbüren und setzt ihren Lauf in Richtung Wohlen und Othmarsingen fort. Das Bünztal ist dicht besiedelt und bildet zusammen mit der Bahnlinie eine der wichtigsten Verkehrs- und Entwicklungsachsen des Bezirks.

Die Reussebene erstreckt sich entlang der östlichen Bezirksgrenze. Zu ihr gehören Gebiete der Gemeinden Aristau, Merenschwand, Mühlau, Sins, Dietwil, Oberrüti und Rottenschwil. Die flache Landschaft wird landwirtschaftlich genutzt und umfasst zugleich Auen, Feuchtgebiete und Schutzgebiete.

Gewässer

Die Reuss ist das grösste Fliessgewässer des Bezirks. Sie fliesst von Süden nach Norden und bildet über weite Strecken die Grenze zum Kanton Zug. Bei Rottenschwil liegt der Flachsee, ein im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Zufikon entstandener, ökologisch bedeutender Staubereich.

Die Bünz entspringt in der Umgebung von Winterschwil und durchquert das zentrale Freiamt. Durch Hochwasserschutz- und Renaturierungsmassnahmen wurden verschiedene Abschnitte des früher stark begradigten Flusses ökologisch aufgewertet.

Weitere Gewässer sind der Wissenbach, der Sembach, der Jonenbach sowie zahlreiche kleinere Bäche, die vom Lindenberg in das Bünz- oder Reusstal fliessen.

Gemeinden

Der Bezirk Muri umfasst 19 politische Gemeinden. Seit der Vereinigung von Benzenschwil und Merenschwand am 1. Januar 2012 blieb der Gemeindebestand unverändert.[3]

Politische Gemeinden des Bezirks Muri
Gemeinde BFS-Nummer Einwohner
Abtwil 4221 1'107
Aristau 4222 1'667
Auw 4223 2'325
Beinwil (Freiamt) 4224 1'320
Besenbüren 4226 674
Bettwil 4227 729
Boswil 4228 3'223
Bünzen 4229 1'247
Buttwil 4230 1'305
Dietwil 4231 1'478
Geltwil 4232 242
Kallern 4233 419
Merenschwand 4234 3'947
Mühlau 4235 1'379
Muri 4236 8'848
Oberrüti 4237 1'631
Rottenschwil 4238 1'018
Sins 4239 4'557
Waltenschwil 4240 3'288
Bezirk Muri 40'404

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2025.[1] Muri ist mit deutlichem Abstand die grösste Gemeinde und erfüllt für den gesamten Bezirk wichtige Funktionen in den Bereichen Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Einkauf und Kultur.

Geltwil ist die kleinste Gemeinde des Bezirks und eine der kleinsten Gemeinden des Kantons Aargau. Sins besitzt flächenmässig eines der grössten Gemeindegebiete und umfasst neben dem Hauptort mehrere Dörfer und Weiler, darunter Meienberg, Alikon, Aettenschwil, Fenkrieden und Reussegg.

Geschichte

Mittelalter

Das Gebiet des heutigen Bezirks gehörte im Mittelalter zum Einflussbereich der Habsburger. Eine besondere Bedeutung besass das um 1027 gegründete Kloster Muri. Die Benediktinerabtei wurde von Ita von Lothringen und ihrem Ehemann Radbot von Habsburg gestiftet und entwickelte sich zu einem religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum.[4]

Das Kloster verfügte über umfangreichen Grundbesitz und zahlreiche Herrschaftsrechte. Seine Güter lagen nicht nur im heutigen Bezirk, sondern auch in weiteren Teilen der Schweiz, im Elsass und in Süddeutschland. Die Verbindung mit dem Haus Habsburg prägte die Geschichte der Abtei über Jahrhunderte.

Neben dem Kloster bestanden zahlreiche lokale Herrschaften. Adelsfamilien, geistliche Institutionen und habsburgische Dienstleute übten die niedere Gerichtsbarkeit und wirtschaftliche Rechte über einzelne Dörfer aus. Im Gebiet von Sins lag die kleine mittelalterliche Stadt Meienberg, die im 13. Jahrhundert von den Habsburgern gegründet wurde.

Freie Ämter

1415 eroberten eidgenössische Orte den bis dahin habsburgischen Aargau. Der grösste Teil des heutigen Bezirks wurde Bestandteil der Freien Ämter, einer gemeinsam verwalteten Untertanenlandschaft der Alten Eidgenossenschaft.[5]

Die Freien Ämter waren in mehrere Ämter gegliedert. Das Amt Muri umfasste das Klosterdorf und zahlreiche umliegende Ortschaften. Die eidgenössischen Orte entsandten in regelmässigem Wechsel einen Landvogt, der die hohe Gerichtsbarkeit und weitere Herrschaftsrechte ausübte.

Das Gebiet von Merenschwand nahm eine Sonderstellung ein. Die damalige Landvogtei Merenschwand hatte sich 1394 unter den Schutz der Stadt Luzern gestellt und blieb bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft eng mit Luzern verbunden. Erst mit der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 wurde sie dauerhaft dem Aargau zugeteilt.

Nach der konfessionellen Spaltung der Eidgenossenschaft blieb das Freiamt überwiegend katholisch. Im Zweiten Kappelerkrieg von 1531 sowie in den Villmergerkriegen des 17. und 18. Jahrhunderts war die Region wiederholt von militärischen Auseinandersetzungen und konfessionellen Spannungen betroffen.

Helvetik und Kantonsgründung

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft endete 1798 die gemeine Herrschaft über die Freien Ämter. Das Gebiet wurde zunächst dem neu geschaffenen Kanton Baden der Helvetischen Republik zugeteilt.

Durch die Mediationsakte entstand 1803 der heutige Kanton Aargau. Gleichzeitig wurde der Bezirk Muri als einer von elf aargauischen Bezirken eingerichtet. Bei der Grenzziehung berücksichtigte man historische, geografische und konfessionelle Verhältnisse. Die aargauische Bezirkseinteilung blieb seither weitgehend unverändert.[6]

Muri wurde Hauptort des neuen Bezirks. Dort entstanden das Bezirksamt, das Bezirksgericht und weitere staatliche Einrichtungen. Der Bezirk umfasste zunächst die gleichen grundlegenden Landschaftsräume wie heute.

Klosteraufhebung

Das Kloster Muri spielte auch nach der Kantonsgründung eine wichtige Rolle. Im Zuge des Aargauer Klosterstreits hob der Grosse Rat 1841 sämtliche Klöster des Kantons auf. Die Aufhebung von Muri führte zu heftigen politischen und konfessionellen Auseinandersetzungen, die über den Kanton hinaus wirkten.

Ein Teil des Konvents übersiedelte später nach Südtirol und führte die klösterliche Tradition in Muri-Gries bei Bozen fort. Die Gebäude in Muri wurden anschliessend für soziale, schulische, kirchliche und kulturelle Zwecke genutzt.

Verkehr und Industrialisierung

Die Landwirtschaft blieb bis weit ins 19. Jahrhundert die wichtigste Erwerbsgrundlage. Zusätzliche Beschäftigung boten Heimarbeit und kleingewerbliche Tätigkeiten, insbesondere die Strohflechterei, Textilverarbeitung und Holzverarbeitung.

1881 wurde die Aargauische Südbahn durch den Bezirk eröffnet. Bahnhöfe entstanden unter anderem in Boswil, Muri, Benzenschwil, Mühlau, Sins und Oberrüti. Die Bahn verbesserte die Verbindung nach Wohlen und Brugg sowie in Richtung Rotkreuz und Gotthardbahn.

Der Eisenbahnanschluss förderte die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben. Dennoch blieb der Bezirk lange ländlich geprägt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte ein stärkeres Bevölkerungs- und Siedlungswachstum ein.

Entwicklung seit dem 20. Jahrhundert

Die Nähe zu den Wirtschaftsräumen Zürich, Zug und Luzern führte seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer wachsenden Zahl von Berufspendlerinnen und Berufspendlern. Besonders stark entwickelten sich gut erschlossene Gemeinden im Bünz- und Reusstal.

Am 1. Januar 2012 vereinigten sich die bisherigen Gemeinden Benzenschwil und Merenschwand. Benzenschwil bildet seither eine Ortschaft innerhalb der politischen Gemeinde Merenschwand. Dadurch sank die Zahl der Gemeinden im Bezirk von 20 auf 19.[3]

Die früheren Bezirksämter wurden im Rahmen einer Neuordnung der Strafverfolgung aufgehoben. Ihre Aufgaben gingen unter anderem an die Staatsanwaltschaften und andere kantonale Behörden über. Das Bezirksamt Muri bestand bis Ende 2012.[6]

Bevölkerung

Der Bezirk Muri gehört zu den wachsenden ländlichen Regionen des Kantons Aargau. Die Wohnbevölkerung stieg von 39'668 Personen Ende 2024 auf 40'404 Personen Ende 2025. Dies entspricht einem Wachstum von 736 Personen beziehungsweise rund 1,9 Prozent. Damit verzeichnete der Bezirk 2025 relativ betrachtet das stärkste Bevölkerungswachstum aller aargauischen Bezirke.[1]

Das Wachstum konzentriert sich vor allem auf Muri, Sins, Merenschwand, Boswil und weitere verkehrsgünstig gelegene Gemeinden. Auch kleinere Orte profitierten von der Nachfrage nach Wohnraum ausserhalb der grossen Agglomerationen.

Die Bevölkerung ist mehrheitlich deutschsprachig. Im Alltag werden hauptsächlich hochalemannische Dialekte des Schweizerdeutschen gesprochen. Die traditionelle katholische Prägung ist weiterhin in zahlreichen Kirchen, Kapellen, Wallfahrtsorten und Bräuchen sichtbar. Durch Zuwanderung und gesellschaftlichen Wandel ist die religiöse und sprachliche Zusammensetzung jedoch vielfältiger geworden.

Verwaltung und Gerichte

Der Bezirk besitzt keine eigene politische Rechtspersönlichkeit. Die politischen Aufgaben werden vom Kanton und den 19 Gemeinden wahrgenommen. Die Gemeinden verfügen jeweils über einen Gemeinderat und eine Gemeindeversammlung; Muri besitzt ebenfalls die Organisationsform einer Einwohnergemeinde mit Gemeindeversammlung.

In Muri befindet sich das Bezirksgericht Muri. Es behandelt als erstinstanzliches Gericht Zivil- und Strafsachen aus dem gesamten Bezirk. Das in das Bezirksgericht integrierte Familiengericht nimmt die Aufgaben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wahr.

Für die Amtsperiode 2025 bis 2028 werden am Bezirksgericht ein Gerichtspräsidium und sechs Bezirksrichterinnen und Bezirksrichter eingesetzt. Die Mitglieder der Bezirks- und Kreisbehörden werden durch die Stimmberechtigten gewählt.[7]

Der gesamte Bezirk bildet den Friedensrichterkreis XIII. Die Friedensrichter führen Schlichtungsverfahren bei zivilrechtlichen Streitigkeiten durch, bevor eine Klage vor dem Bezirksgericht erhoben werden kann.[8]

Politik

Die Bezirke des Kantons Aargau bilden die Wahlkreise für die Wahl des Grossen Rats. Für die Amtsperiode 2025 bis 2028 stehen dem Bezirk Muri acht der insgesamt 140 Grossratsmandate zu. Gegenüber der vorangegangenen Amtsperiode erhielt der Bezirk aufgrund seines Bevölkerungswachstums einen zusätzlichen Sitz, der zuvor dem Bezirk Baden zugeteilt gewesen war.[9]

Die Grossratsmandate werden nach dem Verhältniswahlrecht vergeben. Innerhalb des Bezirks bestehen Bezirksparteien der wichtigsten kantonalen und nationalen Parteien.

Die politischen Verhältnisse sind traditionell bürgerlich geprägt. Die Mitte und die Schweizerische Volkspartei verfügen im katholisch und ländlich geprägten Freiamt über eine starke Stellung. Daneben sind FDP, SP, Grünliberale und weitere Parteien vertreten. In den grösseren Gemeinden ist das politische Spektrum breiter als in vielen kleineren Landgemeinden.

Wirtschaft

Die Landwirtschaft prägt weiterhin grosse Teile des Bezirks. Im Bünz- und Reusstal dominieren Ackerbau, Futterbau und Milchwirtschaft. An den Hängen des Lindenbergs befinden sich zahlreiche Vieh- und Milchwirtschaftsbetriebe sowie Waldflächen. Obstbau und Direktvermarktung ergänzen die landwirtschaftliche Produktion.

Muri ist das wichtigste regionale Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum. Dort befinden sich das Spital Muri, Detailhandelsbetriebe, Banken, Versicherungen, Schulen, soziale Einrichtungen sowie zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen.

Industrie- und Gewerbezonen bestehen unter anderem in Muri, Boswil, Merenschwand, Sins und Waltenschwil. Bedeutende Branchen sind das Baugewerbe, die Metall- und Maschinenverarbeitung, Elektrotechnik, Holzverarbeitung, Logistik, Lebensmittelproduktion sowie medizinische und soziale Dienstleistungen.

Viele Erwerbstätige pendeln in die benachbarten Wirtschaftsräume Zug, Zürich, Luzern, Wohlen und Baden. Besonders die Gemeinden im Reusstal sind eng mit dem Zuger Wirtschaftsraum verbunden.

Eine besondere Institution ist das Murimoos, ein sozialer Landwirtschafts- und Gewerbebetrieb in der Gemeinde Muri. Die Anlage entstand aus einer 1933 gegründeten Arbeitskolonie und bietet heute Wohn-, Arbeits- und Integrationsangebote.

Verkehr

Eisenbahn

Die wichtigste Eisenbahnverbindung ist die Aargauische Südbahn. Sie führt von Wohlen über Boswil und Muri nach Rotkreuz und weiter in Richtung Arth-Goldau. Bahnhöfe oder Haltestellen bestehen in folgenden Orten:

Gemäss dem Liniennetz 2026 wird die Strecke von den Linien S25, S26 und zeitweise S42 bedient. Die S25 verbindet Muri unter anderem mit Wohlen und Brugg, die S26 führt über Wohlen und Lenzburg nach Aarau und Olten sowie in der Gegenrichtung nach Rotkreuz. Die S42 stellt zu bestimmten Zeiten eine direkte Verbindung zwischen Muri und Zürich Hauptbahnhof her.[10]

Muri ist der bedeutendste Bahnhof des Bezirks und ein regionaler Umsteigepunkt. Von den Bahnhöfen führen Buslinien in die umliegenden Gemeinden und nach Bremgarten, Wohlen, Affoltern am Albis, Hochdorf und weitere regionale Zentren.

Strassenverkehr

Mehrere Kantons- und Hauptstrassen erschliessen den Bezirk. Die wichtigste Nord-Süd-Achse folgt dem Bünztal von Wohlen über Boswil und Muri nach Sins und Rotkreuz. Weitere Strassen verbinden Muri mit Bremgarten, Affoltern am Albis, Hochdorf und Lenzburg.

Die Autobahn A4 ist über Anschlüsse im Kanton Zug erreichbar. Im Südwesten bestehen Verbindungen zur Autobahn A14 und zum Raum Luzern. Da die Autobahnen grösstenteils ausserhalb des Bezirks verlaufen, tragen die Ortsdurchfahrten und Kantonsstrassen einen erheblichen Teil des regionalen Verkehrs.

Ein dichtes Postauto- und Regionalbusnetz verbindet die kleineren Gemeinden mit den Bahnhöfen Muri, Sins, Boswil-Bünzen und Wohlen. Der öffentliche Verkehr ist in den Tarifverbund A-Welle integriert.

Langsamverkehr

Durch den Bezirk führen zahlreiche Velo- und Wanderwege. Besonders beliebt sind die Routen entlang der Reuss, durch das Murimoos, über den Lindenberg und zwischen den historischen Orten des Freiamts.

Der Freiämterweg verbindet kulturhistorische Sehenswürdigkeiten, Klosteranlagen, Kirchen, Schlösser und Landschaftsräume. Die flachen Wege in der Reussebene eignen sich besonders für den Veloverkehr, während der Lindenberg ein ausgedehntes Netz von Wanderwegen bietet.

Bildung und Gesundheit

Die Gemeinden führen eigene oder gemeinsam organisierte Primar- und Oberstufenschulen. Muri ist der wichtigste Schulstandort des Bezirks und verfügt über verschiedene Angebote der Sekundarstufe sowie Berufs- und Weiterbildungseinrichtungen.

Für gymnasiale Ausbildungen besuchen Jugendliche meist Kantonsschulen ausserhalb des Bezirks, insbesondere in Wohlen, Zug, Baden oder Aarau. Berufsschulen befinden sich ebenfalls vorwiegend in regionalen Zentren ausserhalb des Bezirks.

Das Spital Muri gewährleistet die regionale medizinische Grundversorgung. Ergänzt wird das Gesundheitsangebot durch Arztpraxen, Pflegezentren, Spitexorganisationen, Therapieangebote und soziale Einrichtungen in mehreren Gemeinden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kloster Muri

Das ehemalige Benediktinerkloster Muri ist das bedeutendste Kulturdenkmal des Bezirks. Die Klosterkirche besitzt eine romanische Krypta, einen barocken Zentralbau, reich ausgestattete Kapellen und historische Glasmalereien.

Im Klosterareal befinden sich das Museum Kloster Muri, das Museum Caspar Wolf, das Singisen Forum, eine Bibliothek sowie Räume für Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen. Die Anlage ist eng mit der Geschichte des Hauses Habsburg verbunden. In der Klosterkirche befinden sich Grablegen und Erinnerungsstätten der Dynastie.

Weitere Sehenswürdigkeiten

In Beinwil im Freiamt steht die Wallfahrtskirche St. Burkard. Sie erinnert an den im 12. Jahrhundert verstorbenen Dorfpfarrer Burkard, dessen Grab zu einem regionalen Wallfahrtsziel wurde.

Meienberg in der Gemeinde Sins besitzt Überreste einer mittelalterlichen Kleinstadtanlage. Erhalten sind historische Häuser, Teile der Befestigung und die Umgebung des früheren Amtshauses.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehören Schloss Horben auf dem Lindenberg, die Pfarrkirchen und Kapellen der Freiämter Dörfer, historische Bauernhäuser sowie die Kulturlandschaft entlang der Reuss.

Traditionelle Veranstaltungen, kirchliche Feste, Fasnachtsbräuche, Musikvereine und lokale Theatergruppen prägen das kulturelle Leben. Muri besitzt mit dem Kloster und seinen Konzertsälen ein Kulturangebot von überregionaler Bedeutung.

Natur und Freizeit

Der Flachsee bei Rottenschwil ist eines der wichtigsten Vogelschutz- und Naherholungsgebiete des Kantons Aargau. Seine Flachwasserzonen, Schilfbestände und Auen bieten Lebensraum für zahlreiche Wasser- und Zugvögel.

Die Reusslandschaft ist in weiten Teilen geschützt. Wanderwege führen entlang des Flusses und durch die angrenzenden Auen. Renaturierungs- und Hochwasserschutzprojekte sollen die natürliche Dynamik des Flusses fördern.

Das Murimoos umfasst landwirtschaftlich genutzte Flächen, Feuchtgebiete, Wälder und Tiergehege. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien sowie Ausgangspunkt für Spaziergänge und Velotouren.

Der Lindenberg bietet Aussichtspunkte mit Blick über das Freiamt, den Hallwilersee, die Zentralschweizer Alpen und das Reusstal. Im Winter werden bei geeigneten Schneeverhältnissen Langlaufloipen eingerichtet.

Bedeutung innerhalb des Kantons

Der Bezirk Muri verbindet den Kanton Aargau mit der Zentralschweiz. Seine Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen sind gleichzeitig nach Wohlen und Lenzburg, nach Zug und Zürich sowie nach Luzern ausgerichtet.

Trotz des Bevölkerungswachstums hat der Bezirk seinen ländlichen Charakter in weiten Teilen bewahrt. Muri und Sins übernehmen regionale Zentrumsfunktionen, während zahlreiche kleinere Gemeinden durch Landwirtschaft, dörfliche Siedlungen und naturnahe Landschaften geprägt sind.

Die historische Zugehörigkeit zu den Freien Ämtern, die katholische Tradition und das Kloster Muri bilden wichtige Bestandteile der regionalen Identität. Im heutigen Sprachgebrauch werden die Bezeichnungen Bezirk Muri und Oberes Freiamt häufig für ähnliche, aber nicht vollständig deckungsgleiche Räume verwendet.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Der Bezirk Muri. Birkhäuser, Basel 1967.
  • Anne-Marie Dubler: Die Klosterherrschaft Muri im Mittelalter. Staatsarchiv Aargau, Aarau.
  • Jean-Jacques Siegrist: Die Freien Ämter im Mittelalter. Sauerländer, Aarau.
  • Hugo Müller: Das Freiamt und seine Geschichte. Muri.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Kantonale Bevölkerungsstatistik 2025. Hrsg.: Statistik Aargau. 2026-03. Abgerufen am 2026-08-05.
  2. Geographische Kennzahlen der Schweizer Bezirke. In: Applikation der Schweizer Gemeinden. Hrsg.: Bundesamt für Statistik. Abgerufen am 2026-08-05.
  3. 3,0 3,1 Anton Wohler: Benzenschwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
  4. Jean-Jacques Siegrist: Muri (Kloster). In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
  5. Jean-Jacques Siegrist: Freie Ämter. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).
  6. 6,0 6,1 Bezirksamt und Bezirksverwaltung Muri, 1800–2007. In: Online-Inventar des Staatsarchivs Aargau. Hrsg.: Staatsarchiv Aargau. Abgerufen am 2026-08-05.
  7. Wahlprotokoll Bezirk Muri vom 22. September 2024. Hrsg.: Kantonales Wahlbüro Aargau. Abgerufen am 2026-08-05.
  8. Friedensrichterkreise. Hrsg.: Gerichte Kanton Aargau. Abgerufen am 2026-08-05.
  9. Gesamterneuerungswahlen des Grossen Rats vom 20. Oktober 2024. Hrsg.: Kanton Aargau. Abgerufen am 2026-08-05.
  10. Liniennetzplan S-Bahnen Aargau 2026. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-05.