Bahnhof Bülach

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Bahnhof Bülach
Ort Bülach
Bezirk Bülach
Kanton Zürich
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Keilbahnhof
Eröffnung 1. Mai 1865
Bahnhof am heutigen Standort seit 1. August 1876
Bahnsteiggleise 6
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Höhe 428 m ü. M.
Abkürzung BUE
IBNR 8503400
Bahnstrecken Zürich Oerlikon–Bülach
Bülach–Eglisau–Neuhausen
Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 112
Eigentümerin SBB
Zugbetreiber SBB und Thurbo
Personenverkehr RE48
S3, S9, S36 und S41
Anschlussverkehr Regional- und Ortsbuslinien
Adresse Bahnhofstrasse 35
8180 Bülach
Website sbb.ch

Der Bahnhof Bülach ist ein bedeutender regionaler Eisenbahnknoten in der Stadt Bülach im Zürcher Unterland. Er liegt an der Hauptverbindung von Zürich nach Schaffhausen sowie an der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz. Aufgrund der keilförmig auseinanderlaufenden Strecken und der Lage des Aufnahmegebäudes zwischen den Gleisgruppen ist die Anlage als Keilbahnhof ausgeführt.

Der Bahnhof wird vom RegioExpress RE48 und von vier Linien der S-Bahn Zürich bedient. Direkte Zugverbindungen bestehen unter anderem nach Zürich, Schaffhausen, Winterthur, Uster, Wetzikon, Bad Zurzach und Waldshut. Mehrere Orts- und Regionalbuslinien machen den Bahnhof zudem zu einem der wichtigsten Umsteigepunkte des öffentlichen Verkehrs im Zürcher Unterland.[1]

Der erste Bahnhof wurde 1865 als Endstation der Bülach-Regensberg-Bahn eröffnet. Er lag südlich der heutigen Anlage. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz entstand 1876 am heutigen Standort ein neuer Keilbahnhof. Das gegenwärtige Aufnahmegebäude wurde im Jahr 1900 bezogen.

Lage

Der Bahnhof liegt westlich der Altstadt von Bülach zwischen dem Bahnhofring, der Bahnhofstrasse, der Schaffhauserstrasse und der Nordstrasse. Das historische Stadtzentrum ist vom Bahnhofplatz in wenigen Gehminuten erreichbar.

Die Gleisanlagen erstrecken sich ungefähr in Nord-Süd-Richtung. Am südlichen Ende vereinigen sich die beiden Gleisgruppen in Richtung Niederglatt und Zürich. Nördlich des Bahnhofs trennen sich die Strecken:

  • Die westliche beziehungsweise nordwestliche Strecke führt über Eglisau nach Schaffhausen sowie über Koblenz nach Waldshut.
  • Die östliche Strecke verläuft über Embrach-Rorbas und Pfungen nach Winterthur.

Die keilförmige Anordnung der Gleise prägt das gesamte Bahnhofareal. Das Aufnahmegebäude befindet sich zwischen den beiden Streckenästen. Auf seiner westlichen Seite liegen die Gleise der Verbindung Zürich–Schaffhausen beziehungsweise Bülach–Waldshut, auf der östlichen Seite die Gleise in Richtung Winterthur.

Nördlich des Bahnhofs entstanden seit den 2010er-Jahren die neuen Stadtteile Glasi und Guss. Durch das starke Bevölkerungswachstum hat sich die Station von einem am Rand der historischen Stadt gelegenen Bahnhof zu einem zentralen Bindeglied zwischen den älteren und neueren Stadtgebieten entwickelt.[2]

Bahnhofanlage

Keilbahnhof

Bülach ist einer der ausgeprägtesten Keilbahnhöfe im schweizerischen Eisenbahnnetz. Die beiden Streckenäste liegen auf unterschiedlichen Seiten des Aufnahmegebäudes und vereinigen sich südlich der Station.

Die Personenanlage besitzt sechs Bahnsteiggleise:

  • Gleise 1 bis 3 auf der Seite der Verbindungen nach Zürich, Eglisau, Schaffhausen, Bad Zurzach und Waldshut;
  • Gleise 4 bis 6 auf der Seite der Verbindung nach Winterthur.

Das Aufnahmegebäude liegt zwischen den Gleisen 3 und 4. Die Bahnsteige werden durch zwei Unterführungen erschlossen. Die südliche Unterführung verbindet den Bahnhofplatz mit der Schaffhauserstrasse und dem östlichen Bahnhofsgebiet. Eine zweite Verbindung führt im nördlichen Teil der Anlage in Richtung Spital und Nordstrasse.[3]

Die Bahnsteige sind in die Sektoren A bis D unterteilt. Die längsten Perronkanten können auch längere S-Bahn- und RegioExpress-Kompositionen aufnehmen.

Gleisnutzung

Die konkrete Gleisbelegung kann je nach Fahrplan, Bauarbeiten und betrieblicher Situation wechseln. Grundsätzlich werden die Gleise 1 bis 3 von den Zügen auf der Achse Zürich–Schaffhausen und der Linie nach Waldshut genutzt.

Die Züge der S41 nach Winterthur verkehren über die östliche Gleisgruppe. Die keilförmige Anlage ermöglicht es, die beiden Verkehrsachsen weitgehend unabhängig voneinander zu betreiben.

Mehrere Nebengleise dienen dem Güterverkehr, dem Baudienst, der Abstellung von Fahrzeugen und betrieblichen Rangierfahrten. Nördlich und südlich der Personenanlage befinden sich zusätzliche Weichenverbindungen und Abstellmöglichkeiten.

Unterführungen und Zugänge

Die Personenunterführungen verbinden die Bahnsteige mit mehreren Stadtgebieten. Ausgänge bestehen in Richtung:

  • Bahnhofplatz und Stadtzentrum;
  • Schaffhauserstrasse;
  • Spital;
  • Nordstrasse;
  • östliches Bahnhofsgebiet.

Ein Teil der Zugänge ist über Rampen erreichbar. Die SBB planen zusätzliche Rampen und Aufzüge, um die Verbindungen zwischen den Unterführungen und sämtlichen Bahnsteigen vollständig hindernisfrei zu gestalten. Die Umsetzung ist nach dem im Dezember 2025 veröffentlichten Planungsstand ab 2030 vorgesehen.[4]

Aufnahmegebäude

Das heutige Aufnahmegebäude wurde 1900 nach einem Entwurf von Th. Weiss eröffnet. Es steht im Keil zwischen den beiden Streckenästen und besitzt Fassaden aus hellem Naturstein beziehungsweise Sichtmauerwerk.

Der langgestreckte Bau wird durch Mittel- und Seitenrisalite, grosse Rundbogenfenster und ein stark gegliedertes Dach geprägt. Seine Gestaltung entspricht den repräsentativen Bahnhofsbauten, welche die Schweizerische Nordostbahn gegen Ende des 19. Jahrhunderts an wichtigen Verkehrsknoten errichten liess.

Im Gebäude befinden beziehungsweise befanden sich:

  • das SBB-Reisezentrum;
  • Wartemöglichkeiten;
  • Gepäck- und Fundservice;
  • Verkaufsgeschäfte;
  • Gastronomie- und Take-away-Angebote;
  • Toiletten;
  • Dienst- und Büroräume.

Das SBB-Reisezentrum verkauft nationale und internationale Billette, Abonnemente und Freizeitangebote. Zusätzlich werden Gepäckdienstleistungen, Geldwechsel und ein Fundservice angeboten.[5]

Zu den im Jahr 2026 aufgeführten Geschäften und Dienstleistungen gehörten unter anderem Avec, Brezelkönig, K Kiosk, ein Coiffeurbetrieb und weitere Dienstleistungsunternehmen.

Ehemaliges Stationsgebäude von 1876

Das erste Gebäude am heutigen Bahnhofstandort wurde 1876 für die Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz errichtet. Es handelte sich um eine hölzerne Schuppenstation nach einem Standardentwurf der Schweizerischen Nordostbahn.

Das Gebäude enthielt zwei Wartesäle, einen Billettschalter, Diensträume und im Obergeschoss eine Wohnung. Nach der Fertigstellung des heutigen Aufnahmegebäudes wurde der Holzbau nicht abgebrochen, sondern 1900 über die Gleise auf die Ostseite des Bahnhofs verschoben.

Dort wurde er als Güterschuppen weitergenutzt. Das Bauwerk dokumentierte dadurch sowohl die frühe Bahnhofarchitektur als auch die Entwicklung des Güterverkehrs in Bülach.

Ausstattung

Der Bahnhof verfügt über ein für einen regionalen Verkehrsknoten umfangreiches Angebot. Dazu gehören:

  • bedientes Reisezentrum;
  • Billettautomaten;
  • digitale Abfahrtsanzeigen;
  • Lautsprecheranlagen;
  • Wartemöglichkeiten;
  • öffentliche Toilette;
  • Schliessfächer;
  • kostenloses SBB-WLAN;
  • Geschäfte und Verpflegungsangebote;
  • Gepäck- und Fundservice;
  • Veloabstellanlagen;
  • P+Rail-Plätze;
  • Carsharing-Angebote.

Die Velostation Bahnhof Süd besitzt 150 Plätze, die Velostation Bahnhof Nord 80 Plätze. Zusätzlich stehen nach Angaben der SBB 347 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung.[6]

Die P+Rail-Anlage umfasst 157 reguläre Parkplätze, vier Parkplätze für Menschen mit Behinderung und mehrere reservierbare Plätze. Ein Teil der Anlage liegt an der Nordstrasse.

Carsharing-Fahrzeuge befinden sich am Bahnhof und an weiteren Standorten in den angrenzenden Stadtgebieten.

Bahnverkehr

RegioExpress

Der Bahnhof wird von der Linie RE48 bedient:

RE48: Zürich Hauptbahnhof – Zürich Oerlikon – Bülach – Schaffhausen.

Der RegioExpress verkehrt grundsätzlich stündlich. Er ergänzt die S9 und stellt die schnellste direkte Bahnverbindung zwischen Bülach und Zürich beziehungsweise Schaffhausen dar.[7]

Zwischen Zürich Hauptbahnhof und Bülach hält der Zug nur in Zürich Oerlikon. In nördlicher Richtung fährt er ohne Bedienung aller S-Bahn-Stationen weiter nach Schaffhausen.

S-Bahn Zürich

Im Jahresfahrplan 2026 wird der Bahnhof von vier Linien der S-Bahn Zürich bedient:[1]

Linie Streckenführung über Bülach Grundangebot
S3 Bülach – Zürich Hardbrücke – Zürich HB – Effretikon – Wetzikon einzelne Verbindungen, insbesondere zu Hauptverkehrszeiten
S9 Schaffhausen beziehungsweise Rafz – Bülach – Zürich HB – Stettbach – Uster Halbstundentakt
S36 Bülach – Eglisau – Bad Zurzach – Koblenz – Waldshut Stundentakt
S41 Bülach – Embrach-Rorbas – Pfungen – Winterthur Halbstundentakt

Die S9 ist die wichtigste Verbindung zwischen Bülach und Zürich. Sie bedient südlich von Bülach unter anderem Niederglatt, Oberglatt, Rümlang, Glattbrugg und Zürich Oerlikon.

Die S3 ergänzt das Angebot während bestimmter Tageszeiten und stellt zusätzliche direkte Verbindungen über Zürich nach Effretikon und Wetzikon her.

Die von Thurbo betriebene S36 erschliesst das untere Glatttal, das Rafzerfeld, den Bezirk Zurzach und die deutsche Grenzstadt Waldshut.

Die ebenfalls von Thurbo geführte S41 verbindet Bülach mit Embrach, Pfungen und Winterthur. Sie bildet eine wichtige Tangentialverbindung, bei der keine Fahrt über Zürich erforderlich ist.

Fahrzeiten

Die ungefähren Fahrzeiten betragen:

Ziel Ungefähre Fahrzeit
Zürich Oerlikon 15 bis 20 Minuten
Zürich Hauptbahnhof 20 bis 30 Minuten
Flughafen Zürich rund 25 Minuten mit Bus beziehungsweise Umsteigeverbindung
Winterthur rund 25 Minuten
Schaffhausen rund 25 bis 35 Minuten
Bad Zurzach rund 35 Minuten
Waldshut rund 45 Minuten

Die tatsächliche Fahrzeit hängt von der gewählten Linie und der Zahl der Zwischenhalte ab.

Nachtverkehr

In den Nächten vor Samstagen und Sonntagen verkehren Nachtzüge zwischen Bülach, Zürich, Uster, Winterthur und Schaffhausen.

Zu den im Jahresfahrplan 2026 aufgeführten Angeboten gehören die SN9 und die SN41 sowie weitere Nachtverbindungen in Richtung Schaffhausen und Winterthur.[1]

Der Nachtverkehr wird durch regionale Nachtbusse ergänzt.

Busverkehr

Der Bushof liegt auf der Westseite der Gleise unmittelbar beim Bahnhofplatz. Die Haltekanten sind mit den Buchstaben A bis E bezeichnet.

Im Jahresfahrplan 2026 halten folgende Linien am Bahnhof:[1]

Linie Streckenführung beziehungsweise Hauptfunktion
501 Bachenbülach, Bramenländli – Bülach Bahnhof – Bülach Kantonsschule
504 Bülach – Bachenbülach – Oberglatt ZH
515 Bülach – Hochfelden – Stadel – Weiach – Kaiserstuhl AG
525 Bülach – Kaserne – Höri – Oberglatt ZH
530 Bülach – Bachenbülach – Winkel – Kloten – Zürich Flughafen
531 Bülach – Winkel – Zürich Flughafen
535 Bülach – Stadel – Bachs – Steinmaur – Oberglatt ZH
E Bülach Bahnhof – Bülach Kantonsschule, nur während der Schulzeit
N53 Bülach – Hochfelden – Glattfelden – Wil ZH – Wasterkingen

Die Linien 501 und 504 übernehmen einen wesentlichen Teil des Ortsbusverkehrs. Die Linien 530 und 531 verbinden Bülach direkt mit dem Flughafen Zürich.

Mit den Linien 515 und 535 bestehen Verbindungen in ländlichere Gebiete des Zürcher Unterlands und über die Kantonsgrenze in den Kanton Aargau.

Neben der zentralen Haltestelle «Bülach, Bahnhof» werden die nahe gelegenen Haltestellen «Bülach, Güterbahnhof» und «Bülach, Bahnhof Ost» bedient.

Geschichte

Erster Bahnhof von 1865

Bülach erhielt am 1. Mai 1865 seinen ersten Eisenbahnanschluss. Die Bülach-Regensberg-Bahn eröffnete die Strecke von Zürich Oerlikon über Glattbrugg, Rümlang, Oberglatt und Niederglatt nach Bülach. Gleichzeitig wurde in Oberglatt eine Zweigstrecke nach Dielsdorf eröffnet.[8]

Der erste Bahnhof war ein Kopfbahnhof und lag südlich der heutigen Anlage auf dem Gelände des späteren Schulhauses Lindenhof. Das Stationsgebäude bestand aus Holz und war als vorläufige Anlage konzipiert.

Täglich verkehrten zunächst drei Zugpaare zwischen Bülach und Zürich beziehungsweise Dielsdorf. Für den Betrieb verwendete die Gesellschaft unter anderem Fahrzeuge, die zuvor auf der Schweizerischen Nordbahn eingesetzt worden waren.

Die neue Eisenbahn erleichterte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse, von Holz, Baumaterialien und gewerblichen Waren. Gleichzeitig verkürzte sie die Reisezeit nach Zürich erheblich.

Neuer Keilbahnhof von 1876

Die Schweizerische Nordostbahn baute in den 1870er-Jahren die Verbindung Winterthur–Koblenz. Da diese Strecke Bülach in einer anderen Richtung durchquerte, war der bestehende Kopfbahnhof für eine Verknüpfung ungeeignet.

Am 1. August 1876 wurde deshalb am heutigen Standort ein neuer Bahnhof eröffnet. Die Anlage erhielt wegen der auseinanderlaufenden Strecken die Form eines Keilbahnhofs.

Die alte Strecke der Bülach-Regensberg-Bahn wurde in den neuen Bahnhof eingeführt. Dadurch konnten Züge zwischen Zürich, Winterthur, Eglisau und Koblenz miteinander verknüpft werden.

Das erste Stationsgebäude am neuen Standort war ein einfacher Holzbau. Es war bereits als Provisorium vorgesehen, blieb jedoch bis zur Jahrhundertwende das zentrale Empfangsgebäude.

Übernahme durch die Nordostbahn

Die Bülach-Regensberg-Bahn verfügte nur über ein kleines Netz und blieb betrieblich eng mit der Nordostbahn verbunden.

Am 1. Januar 1877 übernahm die Schweizerische Nordostbahn die Gesellschaft vollständig. Der Bahnhof Bülach wurde dadurch Bestandteil eines der grössten privaten Eisenbahnnetze der damaligen Schweiz.

Unter der Nordostbahn wurden die Gleisanlagen erweitert, der Güterverkehr ausgebaut und die Verbindungen nach Zürich und Winterthur verbessert.

Strecke nach Schaffhausen

Am 1. Juni 1897 nahm die Nordostbahn die Strecke von Bülach über Eglisau und Neuhausen am Rheinfall nach Schaffhausen in Betrieb.

Die neue Verbindung verkürzte den Weg zwischen Zürich und Schaffhausen. Sie löste die Route über Winterthur und Andelfingen als wichtigste Bahnverbindung zwischen den beiden Städten ab.

Gleichzeitig wurde die Strecke zwischen Bülach und Eglisau doppelspurig ausgebaut. Bülach gewann dadurch an Bedeutung als Verkehrsknoten und Zwischenstation der Hauptlinie Zürich–Schaffhausen.

Aufnahmegebäude von 1900

Die Stadt Bülach setzte sich seit den 1890er-Jahren für ein repräsentativeres und leistungsfähigeres Bahnhofsgebäude ein.

Nach mehreren Entwürfen beschloss die Direktion der Nordostbahn 1899 die Ausführung eines Projekts von Th. Weiss. Das neue Gebäude konnte 1900 bezogen werden.[9]

Der frühere Holzbau wurde über die Gleise auf die Ostseite verschoben und fortan als Güterschuppen verwendet.

Verstaatlichung

1902 wurde die Schweizerische Nordostbahn verstaatlicht und in die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen eingegliedert.

Der Bahnhof Bülach ging damit in das Eigentum der SBB über. Diese bauten die Gleis-, Sicherungs- und Güteranlagen in den folgenden Jahrzehnten weiter aus.

Bülach entwickelte sich zu einem wichtigen Standort für den regionalen Personenverkehr, die Güterabfertigung und den Bahndienst.

Elektrifizierung

Der elektrische Betrieb auf der Strecke Zürich–Bülach–Schaffhausen wurde am 15. Dezember 1928 aufgenommen.

Die Strecke nach Winterthur folgte 1945. Seither werden sämtliche regelmässig befahrenen Strecken des Bahnhofs mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16⅔ beziehungsweise heute 16,7 Hertz betrieben.

Die Elektrifizierung ermöglichte kürzere Fahrzeiten, leistungsfähigere Züge und einen wirtschaftlicheren Betrieb.

Doppelspurausbau

Die wachsenden Pendlerströme und der zunehmende Güterverkehr führten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu weiteren Ausbauten.

Am 1. Juni 1980 wurde das zweite Gleis zwischen Niederglatt und Bülach in Betrieb genommen.[10]

Im Zusammenhang mit diesem Ausbau erhielt der Bahnhof gedeckte Aussenperrons und verbesserte Personenunterführungen. Die Gleis- und Sicherungsanlagen wurden für einen dichteren Fahrplan angepasst.

Seit 1982 verkehren die Züge nach dem schweizerischen Taktfahrplan.

S-Bahn Zürich

Am 27. Mai 1990 wurde der Bahnhof in das Netz der neu eröffneten S-Bahn Zürich integriert.

Die Einführung des S-Bahn-Systems brachte regelmässigere Verbindungen, einheitliche Linienbezeichnungen und bessere Anschlüsse zwischen Bahn und Bus.

Das Angebot wurde seither mehrfach erweitert. Die S9 entwickelte sich zur wichtigsten Verbindung nach Zürich, während die S41 den Halbstundentakt nach Winterthur herstellt. Die S36 übernahm die regionale Verbindung nach Waldshut.

Güterverkehr

Der Bahnhof besass seit dem 19. Jahrhundert umfangreiche Güteranlagen. Bülach war ein regionales Zentrum für Landwirtschaft, Gewerbe und später Industrie.

Über die Bahn wurden unter anderem transportiert:

  • Getreide und landwirtschaftliche Erzeugnisse;
  • Holz;
  • Baustoffe;
  • Kohle und Brennstoffe;
  • Maschinen und industrielle Produkte;
  • Fahrzeuge;
  • Stückgut;
  • Recycling- und Entsorgungsgüter.

Mit der Verlagerung des Stückgutverkehrs auf die Strasse verloren Teile des Güterbahnhofs ihre frühere Funktion. Der Freiverlad blieb jedoch in Betrieb.

Freiverlad Bülach

Die SBB betrachten den Freiverlad Bülach als wichtigen Umschlagstandort für den Norden des Kantons Zürich. Er liegt nördlich der Personenanlage zwischen dem Bahnhof und dem neuen Glasi-Quartier.

Der Kanton Zürich bezeichnete den Standort 2024 als verkehrlich gut erschlossen und für eine Weiterentwicklung geeignet. Die SBB planen eine Modernisierung und Erweiterung der Anlage.[11]

Nach Angaben der Stadt reichten die SBB das Ausbauprojekt beim Bundesamt für Verkehr ein. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 vorgesehen.[4]

Die Planungen führten zu Diskussionen über Lastwagenverkehr, Lärm und die Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem neuen Stadtteil. Die Stadt, der Kanton und die SBB wollen den Güterverkehr mit der städtebaulichen Entwicklung und den neuen Fuss- und Veloverbindungen koordinieren.

Passerelle Bülach

Nördlich des bestehenden Bahnhofs entsteht eine neue Passerelle für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende.

Das Bauwerk verbindet die neuen Stadtteile Glasi und Guss mit den Bahnsteigen, dem Stadtzentrum, dem Spital und den westlich gelegenen Quartieren. Es überquert sämtliche Gleise und erhält Zugänge zu den Perrons.

Die Passerelle ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Bülach und der Grundeigentümerschaften im Entwicklungsgebiet. Die SBB begleiten das Bauvorhaben. Das Bundesamt für Verkehr bewilligte das Projekt als nationale Eisenbahninfrastruktur.[12]

Die Bauarbeiten begannen Ende Juni 2025. Bis Ende August 2026 wurden beziehungsweise werden Stützen und Treppenkonstruktionen im Bereich der Perrons erstellt. Die Eröffnung ist für den Sommer 2027 vorgesehen.

Das Bauwerk soll:

  • die Wege zwischen Bülach Nord und dem Stadtzentrum verkürzen;
  • einen zusätzlichen Zugang zu den Bahnsteigen schaffen;
  • den Fuss- und Veloverkehr fördern;
  • die bestehenden Unterführungen entlasten;
  • das Bahnhofareal besser mit den neuen Stadtquartieren verbinden.

Die Montage der Brückenteile und Arbeiten über den Gleisen müssen teilweise nachts oder an Wochenenden ausgeführt werden, damit der Bahnverkehr möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Entwicklung des Bahnhofgebiets

Das Gebiet rund um den Bahnhof gehört zu den wichtigsten Entwicklungsräumen der Stadt Bülach.

Nördlich der Gleise entstanden auf ehemaligen Industrieflächen die Überbauung Guss und das Glasi-Quartier mit mehr als tausend Einwohnerinnen und Einwohnern. Südlich und westlich des Bahnhofs befinden sich weitere Entwicklungsgebiete.

Zu den Planungen gehören:

  • die Passerelle;
  • ein neuer Bushof;
  • die Arealentwicklung Herti;
  • die Arealentwicklung Sonnenhof;
  • die Entwicklung Bahnhofring/Hertiweg;
  • zusätzliche Fuss- und Veloverbindungen;
  • neue Rampen und Aufzüge zu den Bahnsteigen;
  • die Umgestaltung der Schützenmattstrasse;
  • die Weiterentwicklung des Freiverlads.

Für den Neubau des Bushofs befand sich die Planung 2026 in einem fortgeschrittenen Stadium. Ziel ist eine übersichtlichere Anordnung der Haltekanten, eine bessere Hindernisfreiheit und eine Aufwertung des Bahnhofplatzes.[4]

Die Entwicklung soll das Bahnhofgebiet zu einem zusammenhängenden städtischen Zentrum auf beiden Seiten der Gleise machen.

Bedeutung

Der Bahnhof Bülach ist einer der wichtigsten Verkehrsknoten des Zürcher Unterlands.

Seine Bedeutung ergibt sich aus:

  • der Lage an der Hauptstrecke Zürich–Schaffhausen;
  • der Verbindung nach Winterthur;
  • der grenzüberschreitenden Regionalverbindung nach Waldshut;
  • dem dichten Netz regionaler Buslinien;
  • der Nähe zum Flughafen Zürich;
  • der Funktion als Zentrum des Bezirks Bülach;
  • der starken Bevölkerungsentwicklung in Bülach und den umliegenden Gemeinden;
  • dem Güterumschlag für Zürich Nord.

Der Bahnhof ermöglicht direkte Bahnfahrten in drei verschiedene Richtungen und stellt damit eine wichtige Alternative zu Verbindungen über Zürich Oerlikon oder Winterthur dar.

Für die Stadtentwicklung übernimmt er zugleich eine trennende und verbindende Funktion. Die umfangreichen Gleisanlagen teilen das Stadtgebiet, während Unterführungen und die neue Passerelle die Quartiere miteinander verbinden.

Freizeitverkehr

Bülach ist Ausgangspunkt für Wanderungen und Velotouren im Zürcher Unterland, im unteren Glatttal und am Rhein.

Vom Bahnhof sind unter anderem erreichbar:

  • die Altstadt von Bülach;
  • der Eschenmosen;
  • der Hardwald;
  • die Tössegg;
  • das Naturschutzgebiet Neeracherried;
  • das Rafzerfeld;
  • die Festung Ebersberg;
  • die Rheinuferwege bei Eglisau und Glattfelden;
  • die Flughafenregion.

Die S36, S41 und die regionalen Buslinien erschliessen zahlreiche Ausgangspunkte für Wanderungen, bei denen Hin- und Rückreise an unterschiedlichen Orten erfolgen können.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Hildebrandt: Bülach. Geschichte einer kleinen Stadt. Bülach 1967.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Schweizerische Bundesbahnen, Fachstelle für Denkmalpflege: Schuppenstationen der Schweizerischen Nordostbahn. Kurzinventar. Bern.
  • Stadt Bülach: Zielbild Stadt Bülach. Bülach 2023.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Haltestellenfahrplan Bülach, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Raum Bahnhof, Stadt Bülach, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Bahnhofplan Bülach, Schweizerische Bundesbahnen, Stand Oktober 2024, abgerufen am 3. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 Fortschritte bei Projekten von Stadt und SBB am Bahnhof Bülach, Stadt Bülach, 4. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Bahnhof Bülach – Geschäfte und Services, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Bahnhof Bülach – Ausstattung und Mobilität, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Direktverbindungen der Linie RE48, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen, Schienenverkehr Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983, S. 221.
  10. Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz und Bahnprofil Schweiz CH+. AS Verlag, Zürich 2010, S. 51.
  11. Freiverlad Bülach und Entwicklung des Schienengüterverkehrs, Regierungsrat des Kantons Zürich, Beschluss Nr. 1245 vom 4. Dezember 2024, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Passerelle Bülach, Stadt Bülach, abgerufen am 3. August 2026.

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