École polytechnique fédérale de Lausanne
École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL; deutsch Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne, italienisch Politecnico federale di Losanna, rätoromanisch Scola politecnica federala Losanna) ist eine technisch-naturwissenschaftliche Hochschule des Bundes mit Hauptcampus in Lausanne beziehungsweise in der westlich angrenzenden Gemeinde Ecublens im Kanton Waadt. Sie ist neben der ETH Zürich eine der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen der Schweiz.
Die EPFL gehört zum ETH-Bereich, der dem Bund untersteht und neben den beiden Hochschulen vier Forschungsanstalten umfasst. Ihre drei Kernaufgaben sind Lehre, Forschung und Innovation. Die Hochschule ist stark international ausgerichtet und gehört zu den bedeutenden europäischen Ausbildungs- und Forschungszentren in Technik, Naturwissenschaften, Informatik, Architektur und Lebenswissenschaften.[1]
Name
Der offizielle französische Name lautet École polytechnique fédérale de Lausanne. Die Kurzform EPFL wird in allen Sprachregionen der Schweiz und auch international als Markenname verwendet.
Die deutsche Bezeichnung Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne kommt vor allem in amtlichen deutschsprachigen Texten vor. Anders als bei der ETH Zürich wird die ausgeschriebene deutsche Form im öffentlichen Auftritt der Hochschule nur selten verwendet.
Die Bezeichnung fédérale verweist darauf, dass die Hochschule vom Bund getragen wird. Sie ist keine Einrichtung des Kantons Waadt und nicht mit der ebenfalls in Lausanne und Ecublens ansässigen Universität Lausanne gleichzusetzen.
Geschichte
Die Ursprünge der EPFL reichen in das Jahr 1853 zurück. Damals gründeten Louis Rivier, Jean Gay, Pierre-Joseph Marguet und Jules Marguet in Lausanne die private École spéciale de Lausanne. Die Schule sollte Ingenieure nach dem Vorbild der Pariser École centrale ausbilden. Zu Beginn besuchten nur wenige Studierende die neue Einrichtung.[2]
1869 wurde die Schule in die Académie de Lausanne aufgenommen. Aus dieser Akademie entstand 1890 die Universität Lausanne. Die technische Schule wurde in École d’ingénieurs de l’Université de Lausanne umbenannt und war fortan Teil der kantonalen Universität.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Ausbildungsangebot erweitert. Neben dem Bauingenieurwesen gewannen Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und später weitere technische und naturwissenschaftliche Gebiete an Bedeutung. 1946 erhielt die Einrichtung den Namen École polytechnique de l’Université de Lausanne, abgekürzt EPUL.
In den 1950er- und 1960er-Jahren nahm die Zahl der Studierenden deutlich zu. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an Forschungseinrichtungen, Labore und technische Infrastruktur. Der Kanton Waadt und der Bund prüften deshalb eine grundlegende Neuordnung der Hochschule.
Am 1. Januar 1969 wurde die EPUL vom Bund übernommen und als École polytechnique fédérale de Lausanne in den ETH-Bereich eingegliedert. Damit erhielt die französischsprachige Schweiz eine eidgenössische technische Hochschule, die institutionell der ETH Zürich gleichgestellt war.[3]
Unter dem ersten EPFL-Präsidenten Maurice Cosandey begann der Aufbau eines neuen Campus in Ecublens. Der Umzug aus den über die Stadt Lausanne verteilten Gebäuden erfolgte schrittweise. 1978 wurden auch die Zentralbibliothek und grosse Teile der Sammlungen auf das neue Gelände verlegt.[4]
Seit den 1990er-Jahren wurde die Hochschule stark ausgebaut. Neue Fakultäten, interdisziplinäre Forschungszentren und internationale Kooperationen kamen hinzu. Unter Präsident Patrick Aebischer, der die EPFL von 2000 bis 2016 leitete, wurden insbesondere die Lebenswissenschaften, die Neurowissenschaften, die Zusammenarbeit mit der Industrie und die Gründung von Start-up-Unternehmen gefördert.
Von 2017 bis 2024 stand Martin Vetterli an der Spitze der EPFL. Während seiner Amtszeit beschäftigte sich die Hochschule verstärkt mit Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Datenwissenschaften, Klimaforschung und nachhaltiger Entwicklung.
Seit dem 1. Januar 2025 ist die Materialwissenschaftlerin Anna Fontcuberta i Morral Präsidentin der EPFL. Sie wurde vom Bundesrat für eine vierjährige Amtszeit gewählt und ist die erste Frau an der Spitze der Hochschule.[5]
Rechtliche Stellung
Die EPFL ist eine autonome öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes mit eigener Rechtspersönlichkeit. Ihre rechtliche Grundlage bildet hauptsächlich das Bundesgesetz über die Eidgenössischen Technischen Hochschulen vom 4. Oktober 1991, das sogenannte ETH-Gesetz.[6]
Der ETH-Bereich umfasst:
- die ETH Zürich;
- die École polytechnique fédérale de Lausanne;
- das Paul Scherrer Institut;
- die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft;
- die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt;
- die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz.
Strategisches Führungs- und Aufsichtsorgan des ETH-Bereichs ist der ETH-Rat. Er setzt die strategischen Ziele des Bundesrats um, schliesst Leistungsvereinbarungen mit den Institutionen ab und verteilt die vom Bund bewilligten finanziellen Mittel.[7]
Die EPFL besitzt innerhalb dieses Rahmens weitgehende Autonomie in Lehre, Forschung, Organisation und Personalpolitik. Die Präsidentin oder der Präsident wird vom Bundesrat gewählt. Professorinnen und Professoren werden auf Antrag der Hochschulleitung durch den ETH-Rat ernannt.
Organisation
Die EPFL wird von einer Direktion geleitet. Diese besteht aus der Präsidentin beziehungsweise dem Präsidenten, den Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten sowie den zuständigen zentralen Diensten. Die Direktion ist für die strategische und operative Führung der Hochschule verantwortlich.
Seit der organisatorischen Neuordnung von 2026 besteht die EPFL aus fünf Fakultäten und einem College.[8]
Die fünf Fakultäten sind:
- Fakultät für Architektur, Bau- und Umweltingenieurwesen;
- Fakultät für Informatik und Kommunikationssysteme;
- Fakultät für Grundlagenwissenschaften;
- Fakultät für Ingenieurwissenschaften;
- Fakultät für Lebenswissenschaften.
Hinzu kommt das College für Management der Technologie. Es verbindet technische und naturwissenschaftliche Fragestellungen mit Wirtschaft, Finanzwesen, Unternehmensführung und Innovationspolitik.
Die Fakultäten gliedern sich in Institute, Sektionen, Labore, Lehrstühle und Forschungsgruppen. Ergänzt werden sie durch interdisziplinäre Zentren, Technologieplattformen und zentrale Einrichtungen.
An der inneren Mitwirkung beteiligt sind unter anderem die EPFL-Versammlung, die Konferenz des Lehrkörpers sowie Vertretungen der Studierenden, des wissenschaftlichen Nachwuchses und des administrativen beziehungsweise technischen Personals.
Fakultät für Architektur, Bau- und Umweltingenieurwesen
Die School of Architecture, Civil and Environmental Engineering trägt die Abkürzung ENAC. Sie verbindet Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften.
Zu ihren Forschungsgebieten gehören Städtebau, Gebäudetechnik, Tragwerksplanung, Verkehrsplanung, Geomatik, Hydrologie, Wasserbau, Umwelttechnik, Klimaanpassung und nachhaltige Raumplanung.
Die Zusammenfassung der drei Bereiche in einer Fakultät soll eine gemeinsame Betrachtung der gebauten und natürlichen Umwelt ermöglichen. Untersucht werden beispielsweise die Folgen des Klimawandels für Städte, Infrastrukturen, Wasserressourcen und alpine Landschaften.
Fakultät für Informatik und Kommunikationssysteme
Die School of Computer and Communication Sciences wird mit IC abgekürzt. Sie befasst sich mit Informatik, Informationssystemen, Telekommunikation, Datenwissenschaften und digitalen Technologien.
Zu den Forschungsgebieten gehören künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Algorithmen, Computersicherheit, Kryptografie, Computergrafik, Robotik, verteilte Systeme und Mensch-Computer-Interaktion.
Die Fakultät ist an zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten beteiligt. Ihre Labore arbeiten sowohl an theoretischen Grundlagen als auch an Anwendungen für Medizin, Industrie, Kommunikation, Verkehr und öffentliche Verwaltung.
Fakultät für Grundlagenwissenschaften
Die School of Basic Sciences trägt die Abkürzung SB. Sie umfasst insbesondere Mathematik, Physik und Chemie.
Die Fakultät betreibt Grundlagenforschung und stellt zugleich die naturwissenschaftliche Ausbildung für zahlreiche technische Studiengänge bereit. Zu ihren Forschungsthemen gehören Teilchenphysik, Astrophysik, Quantenwissenschaften, Plasmaphysik, Materialchemie, statistische Physik sowie reine und angewandte Mathematik.
Ein Teil der Forschung erfolgt in Zusammenarbeit mit internationalen Grossanlagen und Organisationen wie der Europäischen Organisation für Kernforschung in Genf.
Fakultät für Ingenieurwissenschaften
Die School of Engineering wird mit STI abgekürzt. Sie umfasst unter anderem Elektrotechnik, Maschinenbau, Materialwissenschaften, Mikro- und Nanotechnik sowie Bioingenieurwesen.
Die Forschungsaktivitäten reichen von Halbleitern, Sensoren und elektronischen Schaltungen über Energiesysteme und industrielle Produktion bis zu medizinischen Geräten, Werkstoffen, Robotik und Raumfahrttechnik.
Die Fakultät arbeitet eng mit Unternehmen zusammen und ist an der Entwicklung neuer Produkte, Herstellungsverfahren und technologischer Plattformen beteiligt.
Fakultät für Lebenswissenschaften
Die School of Life Sciences trägt die Abkürzung SV. Sie wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgebaut und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der Hochschule.
Zu ihren Gebieten gehören Molekularbiologie, Genetik, Neurowissenschaften, Bioinformatik, biomedizinische Technik und Krebsforschung. Die Fakultät arbeitet mit Spitälern, medizinischen Fakultäten und Forschungsinstituten in der Schweiz und im Ausland zusammen.
Obwohl die EPFL keine vollständige medizinische Fakultät besitzt, spielt sie durch ihre technische und naturwissenschaftliche Forschung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung medizinischer Diagnoseverfahren, Implantate, bildgebender Systeme und digitaler Gesundheitstechnologien.
College für Management der Technologie
Das College of Management of Technology wird mit CDM abgekürzt. Es untersucht die wirtschaftlichen, organisatorischen und gesellschaftlichen Bedingungen technologischer Entwicklung.
Das College bietet Studien- und Weiterbildungsprogramme in Bereichen wie Finanzingenieurwesen, Management, Technologiepolitik, Unternehmertum und Innovationsmanagement an.
Seine Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der Finanzierung von Innovationen, digitalen Märkten, Energiepolitik, Unternehmensgründungen und dem Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft.
Studium
Die EPFL bietet Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme sowie wissenschaftliche Weiterbildungen an. Das Studium orientiert sich am europäischen Bologna-System.
Ein Bachelorstudium dauert in der Regel drei Jahre und umfasst 180 ECTS-Punkte. Das anschliessende Masterstudium dauert je nach Studiengang drei oder vier Semester. Danach kann ein Doktoratsstudium aufgenommen werden.
Die Bachelorprogramme werden überwiegend auf Französisch durchgeführt. In höheren Studienjahren und besonders auf Master- und Doktoratsstufe wird häufig Englisch verwendet. Einzelne Lehrveranstaltungen werden auch auf Deutsch oder in mehreren Sprachen angeboten.
Zu den Studiengebieten gehören unter anderem:
- Architektur;
- Bauingenieurwesen;
- Umweltingenieurwesen;
- Maschinenbau;
- Elektrotechnik;
- Materialwissenschaften;
- Mikrotechnik;
- Informatik;
- Kommunikationssysteme;
- Mathematik;
- Physik;
- Chemieingenieurwesen;
- Lebenswissenschaften;
- Robotik;
- Datenwissenschaften;
- Finanzingenieurwesen.
Für Studierende, deren Vorbildung noch nicht unmittelbar für ein Bachelorstudium ausreicht, besteht ein vorbereitender Mathematikkurs, der Cours de mathématiques spéciales. Die Zulassungsbedingungen unterscheiden sich je nach Herkunft und Art des Schulabschlusses.
Seit 2025 ist die Zahl der neu aufgenommenen Studierenden im ersten Bachelorjahr zeitlich begrenzt. Die Massnahme soll angesichts stark gestiegener Bewerbungs- und Studierendenzahlen die Qualität der Ausbildung sowie die Kapazität von Hörsälen, Übungen und Laboren sichern.[9]
Studierende und Personal
Im Jahr 2025 waren 14'072 Studierende an der EPFL eingeschrieben. Die gesamte Hochschulgemeinschaft umfasste zusammen mit Mitarbeitenden rund 18'000 Personen.[10]
Die Hochschule ist stark international geprägt. Angehörige aus mehr als 120 Staaten studieren oder arbeiten an der EPFL. Besonders hoch ist der internationale Anteil unter Doktorierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Professorinnen und Professoren.[1]
Die Studierenden werden durch die Association générale des étudiants de l’EPFL vertreten. Daneben bestehen zahlreiche Fachvereine, Kulturgruppen, Sportvereine und studentische Organisationen.
Forschung
Die Forschung an der EPFL reicht von theoretischen Grundlagen bis zur Entwicklung industriell nutzbarer Technologien. Die Hochschule verfügt über mehr als 500 Labore, Lehrstühle und Forschungsgruppen.[11]
Zu den wichtigen Forschungsfeldern gehören:
- künstliche Intelligenz und Datenwissenschaften;
- Quantenwissenschaften;
- Robotik und autonome Systeme;
- Mikroelektronik und Nanotechnologie;
- Energieerzeugung und Energiespeicherung;
- Klima- und Umweltforschung;
- Materialwissenschaften;
- Biotechnologie und Neurowissenschaften;
- Architektur und nachhaltiges Bauen;
- digitale Kommunikation;
- Raumfahrttechnik.
Die Forschung wird durch Bundesmittel, den Schweizerischen Nationalfonds, europäische Programme, internationale Organisationen, Stiftungen und Unternehmen finanziert.
Viele Projekte werden gemeinsam mit der ETH Zürich, den Forschungsanstalten des ETH-Bereichs, kantonalen Universitäten, Fachhochschulen, Spitälern und ausländischen Hochschulen durchgeführt.
Innovation und Wissenstransfer
Der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in Wirtschaft und Gesellschaft gehört zu den Kernaufgaben der EPFL. Die Hochschule unterstützt Forschende bei Patenten, Lizenzverträgen, Unternehmensgründungen und Kooperationen mit bestehenden Unternehmen.
Auf und um den Campus haben sich zahlreiche Start-up-Unternehmen angesiedelt. Ein wichtiger Standort ist der Innovationspark EPFL Innovation Park, in dem junge Unternehmen, Forschungsabteilungen internationaler Konzerne und Technologietransferstellen tätig sind.
Viele Ausgründungen entstanden in Bereichen wie Medizintechnik, Software, Robotik, Energie, Mikroelektronik, Biotechnologie und künstliche Intelligenz. Im Jahr 2025 wurden im Zusammenhang mit der EPFL 165 Patente, Lizenzen und Erfindungsmeldungen verzeichnet.[10]
Hauptcampus
Der Hauptcampus liegt in Ecublens und teilweise auf dem Gebiet von Lausanne am Ufer des Genfersees. Er bildet zusammen mit dem unmittelbar benachbarten Campus der Universität Lausanne eines der grössten Hochschulgebiete der Schweiz.
Der Campus ist mit der Linie M1 der Métro Lausanne erschlossen. Die Stationen EPFL, UNIL-Sorge und Bassenges verbinden das Gelände mit dem Stadtzentrum von Lausanne und dem Bahnhof Renens.
Die ersten Gebäude wurden nach einem modularen Konzept errichtet. Mit dem Wachstum der Hochschule kamen zahlreiche Labor-, Büro-, Unterrichts- und Gemeinschaftsbauten hinzu. Der Campus entwickelte sich dadurch zu einem architektonisch vielfältigen Gebiet.
Zu den bekannten Gebäuden zählen das Rolex Learning Center, das SwissTech Convention Center, das ArtLab und das Gebäude des Vortex-Wohnheims im benachbarten Chavannes-près-Renens.
Rolex Learning Center
Das Rolex Learning Center wurde 2010 eröffnet. Es wurde vom japanischen Architekturbüro SANAA entworfen, dessen Gründer Kazuyo Sejima und Ryūe Nishizawa im selben Jahr mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurden.
Das Gebäude besitzt eine wellenförmige Boden- und Dachlandschaft mit offenen Innenräumen, Höfen und sanften Neigungen. Es beherbergt die Hauptbibliothek der EPFL, Arbeitsplätze, Veranstaltungsräume, Restaurants und Beratungsangebote.
Das Rolex Learning Center ist öffentlich zugänglich und entwickelte sich zu einem architektonischen Wahrzeichen der Hochschule.
SwissTech Convention Center
Das SwissTech Convention Center wurde 2014 eröffnet. Es dient Kongressen, wissenschaftlichen Tagungen, Lehrveranstaltungen und öffentlichen Anlässen.
Der grosse Saal kann durch bewegliche Elemente an unterschiedliche Veranstaltungsformen angepasst werden. Teile der Fassade verwenden farbstoffsensibilisierte Solarzellen, die gleichzeitig Strom erzeugen und als gestalterisches Element dienen.
ArtLab
Das 2016 eröffnete ArtLab verbindet Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Der langgestreckte Bau wurde vom japanischen Architekten Kengo Kuma entworfen.
ArtLab beherbergt Ausstellungen, Archive und Projekte an der Schnittstelle von Technologie, Kunst, Musik und Geisteswissenschaften. Dazu gehören Präsentationen wissenschaftlicher Sammlungen sowie digitale Formen der Kulturvermittlung.
Verbundene Standorte
Neben dem Hauptcampus ist die EPFL an mehreren Standorten in der Westschweiz vertreten. Nach dem Stand von 2026 unterhält sie Aktivitäten in den Kantonen Waadt, Genf, Wallis, Freiburg und Neuenburg.[10]
In Sitten betreibt sie den Standort EPFL Valais Wallis. Dort liegen Schwerpunkte unter anderem auf Energie, Chemie, Umwelt, Biotechnologie und nachhaltigen Städten.
In Genf ist die EPFL insbesondere im Bereich Neurowissenschaften und Neurotechnik präsent. Ein wichtiger Partner ist das Forschungszentrum Campus Biotech.
Im Kanton Neuenburg bestehen Forschungsaktivitäten in Mikro- und Nanotechnik, Sensorik, Photovoltaik und industrieller Produktion. Sie stehen teilweise in enger Verbindung zum Schweizerischen Zentrum für Elektronik und Mikrotechnik.
Im Kanton Freiburg arbeitet die EPFL unter anderem in den Bereichen Architektur, nachhaltiges Bauen und intelligente Lebensräume.
Bibliothek und wissenschaftliche Information
Die EPFL-Bibliothek befindet sich hauptsächlich im Rolex Learning Center. Sie ist auf Technik, Naturwissenschaften, Architektur und verwandte Gebiete spezialisiert.
Ihre Bestände umfassen gedruckte und elektronische Bücher, Fachzeitschriften, Forschungsdaten, Karten, Normen, Patente und historische Dokumente. Ein wachsender Teil des Angebots ist digital verfügbar.
Mit Infoscience betreibt die Hochschule ein institutionelles Repositorium für wissenschaftliche Publikationen und Forschungsresultate. Die EPFL fördert zudem den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Forschungsdaten.
Kernfusionsforschung
Die EPFL ist ein bedeutender Standort der schweizerischen Forschung zur kontrollierten Kernfusion. Das Swiss Plasma Center betreibt den Tokamak TCV, eine Versuchsanlage zur Untersuchung von Hochtemperaturplasma.
TCV steht für Tokamak à Configuration Variable. Die Anlage ermöglicht die Erzeugung und Untersuchung unterschiedlich geformter Plasmen. Dadurch können physikalische Bedingungen erforscht werden, die für künftige Fusionsreaktoren von Bedeutung sind.
Das Swiss Plasma Center beteiligt sich an europäischen Forschungsprogrammen und arbeitet mit dem internationalen Fusionsprojekt ITER zusammen.
Blue Brain Project
Das 2005 begonnene Blue Brain Project war ein Forschungsprojekt zur computergestützten Modellierung von Strukturen und Funktionen des Gehirns. Es wurde vom Neurowissenschaftler Henry Markram initiiert.
Das Projekt verband Neurowissenschaften, Informatik, Mathematik und Hochleistungsrechnen. Ziel war es, biologische Daten in digitale Modelle von Nervenzellen und neuronalen Netzwerken zu überführen.
Blue Brain erlangte internationale Bekanntheit und beeinflusste weitere europäische Forschungsinitiativen. Zugleich waren Zielsetzung, Kosten und wissenschaftliche Prioritäten wiederholt Gegenstand fachlicher Diskussionen. Das EPFL-Projekt endete 2024; Teile der Daten, Methoden und Infrastruktur werden in anderen Forschungszusammenhängen weiterverwendet.
Human Brain Project
Die EPFL war eine zentrale Institution des von der Europäischen Union geförderten Human Brain Project. Das Grossprojekt begann 2013 und endete 2023.
Es vereinte Forschungseinrichtungen aus zahlreichen europäischen Staaten. Im Mittelpunkt standen digitale Neurowissenschaften, Gehirnsimulationen, medizinische Informatik, Robotik und neue Rechentechnologien.
Aus dem Projekt ging unter anderem die europäische Forschungsinfrastruktur EBRAINS hervor, die Daten, digitale Werkzeuge und Rechenressourcen für die Neurowissenschaften bereitstellt.
Weltraumforschung
Das EPFL Space Center, auch eSpace genannt, bündelt Aktivitäten im Bereich der Raumfahrt. Es arbeitet an Kleinsatelliten, Weltraumrobotik, Erdbeobachtung und nachhaltiger Nutzung des erdnahen Weltraums.
2009 wurde der an der EPFL entwickelte Kleinsatellit SwissCube gestartet. Er war der erste vollständig in der Schweiz entwickelte Satellit und diente sowohl der Forschung als auch der Ausbildung von Studierenden.
Weitere Projekte beschäftigen sich mit der Beobachtung und möglichen Beseitigung von Weltraumschrott sowie mit neuen Technologien für kleine Satelliten.
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
Die EPFL arbeitet mit schweizerischen und internationalen Unternehmen zusammen. Die Kooperationen umfassen gemeinsame Forschungsprojekte, industrielle Lehrstühle, Technologielizenzen, Praktika und die Nutzung spezialisierter Infrastruktur.
Diese Zusammenarbeit ermöglicht eine rasche Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Gleichzeitig bestehen Regeln zur Sicherung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit, zur Veröffentlichung von Ergebnissen und zum Umgang mit Interessenkonflikten.
Die starke industrielle Vernetzung ist besonders in den Bereichen Pharmazie, Medizintechnik, Energie, Informations- und Kommunikationstechnologie, Uhrenindustrie und Präzisionsmechanik sichtbar.
Internationale Beziehungen
Die EPFL unterhält Partnerschaften mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf allen Kontinenten. Studierende können einen Teil ihres Studiums an einer Partneruniversität absolvieren, während ausländische Studierende und Forschende nach Lausanne kommen.
Die internationale Ausrichtung zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Personals und der Studierendenschaft. Englisch ist insbesondere in Forschung, Doktoratsausbildung und Masterprogrammen weit verbreitet.
Die Hochschule beteiligt sich an europäischen Forschungsnetzwerken und internationalen Wissenschaftsorganisationen. Aufgrund der Lage nahe Frankreich und Genf bestehen enge Beziehungen zu Forschungseinrichtungen im französischsprachigen Europa und zu internationalen Organisationen in der Genferseeregion.
Nachhaltigkeit
Die EPFL untersucht Fragen der nachhaltigen Energieversorgung, des Klimawandels, der Mobilität, der Kreislaufwirtschaft und der ressourcenschonenden Architektur. Gleichzeitig verfolgt sie Ziele zur Verringerung der Umweltbelastung des eigenen Betriebs.
Massnahmen betreffen die Energieversorgung von Gebäuden, erneuerbare Energien, nachhaltige Beschaffung, Abfallvermeidung, Biodiversität und klimafreundliche Mobilität. Der gut ausgebaute öffentliche Verkehr und das dichte Fuss- und Velowegnetz sollen den motorisierten Individualverkehr auf dem Campus begrenzen.
Mit einer Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 will die Hochschule ihre Tätigkeiten in Lehre, Forschung, Innovation und Campusbetrieb stärker auf ökologische und gesellschaftliche Ziele ausrichten.
Kultur und Campusleben
Das Campusleben umfasst kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, öffentliche Vorträge und wissenschaftliche Festivals. Zahlreiche Aktivitäten werden gemeinsam mit der Universität Lausanne organisiert.
Studierende können sich in technischen Projekten, politischen Gruppen, Musikensembles, Theatervereinen und internationalen Vereinigungen engagieren. Besonders bekannt sind studentische Projekte in Robotik, Motorsport, Raumfahrt und nachhaltiger Technik.
Der Hochschulsport wird gemeinsam von EPFL und Universität Lausanne angeboten. Das Programm umfasst Breiten- und Leistungssport sowie Sportanlagen am Ufer des Genfersees.
Bedeutung für die Schweiz
Die EPFL ist eine zentrale Institution der schweizerischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik. Sie bildet Fachkräfte für Wissenschaft, Industrie, Verwaltung und Unternehmertum aus und trägt zur internationalen Vernetzung des Forschungsstandorts Schweiz bei.
Als französischsprachige eidgenössische Hochschule ergänzt sie die deutschsprachige ETH Zürich. Dadurch ist der ETH-Bereich in zwei grossen Sprachregionen des Landes verankert.
Die Hochschule spielt eine wichtige Rolle beim Transfer von Forschungsergebnissen in neue Unternehmen und industrielle Anwendungen. Ihre Labore, Absolventinnen und Absolventen sowie Ausgründungen prägen insbesondere die Technologie- und Innovationsregion rund um den Genfersee.
Siehe auch
- ETH Zürich
- ETH-Bereich
- ETH-Rat
- Universität Lausanne
- Hochschulen in der Schweiz
- Bildungssystem in der Schweiz
- Forschung in der Schweiz
- Rolex Learning Center
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 EPFL: About, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL: Organization and identity, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation: Der ETH-Bereich, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL Library: History of EPFL Library, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL: Presidency, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Bundesgesetz über die Eidgenössischen Technischen Hochschulen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ ETH-Rat: Portrait des ETH-Bereichs, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL: Governance, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL: Admissions to Bachelor programs will be limited starting in 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 EPFL: Annual Report 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ EPFL: École polytechnique fédérale de Lausanne, abgerufen am 27. Juli 2026.