Lindt & Sprüngli

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Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG
Kurzname Lindt & Sprüngli
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1845
Entstehung der heutigen Gesellschaft 1899
Sitz Kilchberg ZH
Branche Nahrungsmittelindustrie
Produkte Schokolade und Süsswaren
Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner
Konzernleiter Adalbert Lechner
Mitarbeitende 15'351 Vollzeitstellen (2025)
Umsatz 5,92 Milliarden Franken (2025)
Börsenkotierung SIX Swiss Exchange
Marken Lindt, Ghirardelli, Russell Stover, Whitman’s, Caffarel, Hofbauer und Küfferle
Website www.lindt-spruengli.com

Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG, gewöhnlich Lindt & Sprüngli genannt, ist ein international tätiger Schweizer Hersteller von Schokolade und anderen Süsswaren mit Sitz in Kilchberg ZH am Zürichsee. Das Unternehmen entstand aus einer 1845 in Zürich begonnenen Schokoladenproduktion und erhielt seine heutige Grundlage 1899 durch die Übernahme der Berner Schokoladenfabrik von Rodolphe Lindt.

Lindt & Sprüngli konzentriert sich auf das Marktsegment der Premiumschokolade. Zum Konzern gehören neben der weltweit vertriebenen Hauptmarke Lindt mehrere traditionsreiche europäische und nordamerikanische Marken, darunter Ghirardelli, Russell Stover, Whitman’s, Caffarel, Hofbauer und Küfferle. Die Produkte werden in über 120 Ländern verkauft.[1]

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 5,92 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern betrug 971 Millionen Franken. Ende 2025 beschäftigte die Gruppe umgerechnet 15'351 Vollzeitmitarbeitende.[2]

Geschichte

Anfänge in Zürich

Die Geschichte des Unternehmens begann 1836, als der Konditor David Sprüngli-Schwarz und sein Sohn Rudolf Sprüngli-Ammann eine kleine Konditorei in der Zürcher Altstadt übernahmen. Der Betrieb trat unter der Bezeichnung Sprüngli & Sohn auf.

Im Jahr 1845 begannen Vater und Sohn mit der Herstellung fester Schokolade. Nach Angaben des Unternehmens produzierten sie damit eine der ersten festen Schokoladentafeln im deutschsprachigen Teil der Schweiz. Die zunächst in der kleinen Konditorei hergestellten Produkte fanden besonders bei der wohlhabenden Zürcher Bevölkerung Anklang.[3]

Wegen der steigenden Nachfrage wurde die Produktion bald vergrössert. 1847 richtete die Familie Sprüngli im Schleifetobel in Horgen eine mechanisierte Schokoladenfabrik ein. Später wurde die Herstellung in die Werdmühle in Zürich verlegt.

1859 eröffnete Rudolf Sprüngli-Ammann am Paradeplatz in Zürich eine Konditorei. Aus diesem Verkaufsgeschäft entwickelte sich später die Confiserie Sprüngli, die rechtlich nicht zum heutigen Lindt-&-Sprüngli-Konzern gehört.

Teilung des Familienunternehmens

Nach dem Tod Rudolf Sprüngli-Ammanns wurde das Unternehmen 1892 unter seinen Söhnen aufgeteilt. David Robert Sprüngli erhielt das Konditorei- und Verkaufsgeschäft am Paradeplatz. Daraus entstand die heutige Confiserie Sprüngli AG.

Johann Rudolf Sprüngli-Schifferli übernahm die Schokoladenfabrikation. Um die industrielle Produktion weiter auszubauen, erwarb er in Kilchberg am Zürichsee ein Grundstück für den Bau einer neuen Fabrik.

Die beiden Unternehmen besitzen gemeinsame historische Wurzeln und verwenden den Namen Sprüngli, sind jedoch seit der Aufteilung rechtlich und wirtschaftlich voneinander unabhängig. Die Confiserie Sprüngli betreibt Konditoreien und Verkaufsgeschäfte, während Lindt & Sprüngli als internationaler Schokoladenkonzern tätig ist.

Rodolphe Lindt und das Conchieren

Unabhängig von der Familie Sprüngli gründete der Apothekersohn Rodolphe Lindt 1879 in Bern die Schokoladenfabrik Rod. Lindt & Söhne. Im selben Jahr entwickelte er ein Verfahren, das als Conchieren bekannt wurde.

Bei diesem Prozess wird die Schokoladenmasse während längerer Zeit erwärmt, bewegt und belüftet. Dadurch werden Feuchtigkeit und unerwünschte Geschmacksstoffe reduziert, während Fett und feste Bestandteile gleichmässiger verteilt werden. Das Verfahren führte zu einer wesentlich feineren, glatteren und leichter schmelzenden Schokolade als die damals üblichen körnigen Produkte.

Die genaue Entstehung des Verfahrens wurde später mit verschiedenen Erzählungen ausgeschmückt. Nach einer verbreiteten Darstellung soll eine Mischmaschine versehentlich über ein Wochenende weitergelaufen sein. Historisch gesichert ist vor allem, dass Rodolphe Lindt das Conchieren technisch weiterentwickelte und damit die Herstellung von Schokolade entscheidend beeinflusste.[4]

Zusammenschluss von Lindt und Sprüngli

1899 erwarb Johann Rudolf Sprüngli-Schifferli die Berner Schokoladenfabrik von Rodolphe Lindt samt Markenrechten und Herstellungsverfahren. Die neu gebildete Gesellschaft erhielt den Namen Aktiengesellschaft Vereinigte Berner und Zürcher Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli.

Die Übernahme verband die Produktionskapazitäten und kaufmännische Erfahrung des Zürcher Unternehmens mit dem Namen Lindt und dem besonderen Herstellungsverfahren der Berner Fabrik. Die Produktion wurde schrittweise in der neuen Fabrik in Kilchberg konzentriert.

Rodolphe Lindt blieb vorübergehend mit dem Unternehmen verbunden. Später kam es jedoch zu Streitigkeiten über die Nutzung seines Namens und die Herstellung von Schokolade. Die daraus entstandenen Rechtsverfahren beschäftigten die Beteiligten während mehrerer Jahre.

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts exportierte Lindt & Sprüngli seine Schokolade in zahlreiche europäische Länder. Die beiden Weltkriege, Handelsbeschränkungen und Rohstoffknappheit erschwerten jedoch die internationale Expansion.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Nachfrage nach Schokolade stark an. Das Unternehmen baute seine Produktionsanlagen aus, entwickelte neue Produkte und vergab Lizenzen für die Herstellung und den Vertrieb in verschiedenen Ländern.

1949 führten die Chocolatiers des Unternehmens die Produktlinie Lindor ein. Die zunächst als feste Schokoladentafel angebotene Marke wurde später vor allem durch kugelförmige Pralinen mit einer weichen Füllung bekannt. Lindor entwickelte sich zu einer der wichtigsten Produktfamilien des Konzerns.

1952 erschien erstmals der in Goldfolie verpackte Schokoladenhase, der später unter dem Namen Goldhase international vermarktet wurde. Das Produkt wurde zu einem bekannten saisonalen Artikel des Unternehmens.

Im Jahr 1986 wurden die Namenaktien von Lindt & Sprüngli erstmals an der Schweizer Börse gehandelt. Damit begann eine neue Phase der internationalen Expansion.[3]

Internationale Expansion

Seit den 1980er-Jahren übernahm Lindt & Sprüngli frühere Lizenznehmer und andere Schokoladenunternehmen. Damit erhielt der Konzern eine unmittelbare Kontrolle über Produktion und Vertrieb in wichtigen Märkten.

1993 wurde der langjährige italienische Lizenznehmer Bulgheroni SpA in Induno Olona vollständig übernommen und in Lindt & Sprüngli SpA umbenannt. 1997 erwarb der Konzern den traditionsreichen italienischen Hersteller Caffarel aus dem Piemont.

Im Januar 1998 folgte die Übernahme der Ghirardelli Chocolate Company in San Francisco. Das 1852 gegründete Unternehmen gehört zu den ältesten Schokoladenherstellern der Vereinigten Staaten.[5]

Ebenfalls 1998 wurde Caffarel vollständig in den Konzern integriert. Die Marke ist besonders für Gianduiotto-Pralinen aus Schokolade und Haselnüssen bekannt.

2014 übernahm Lindt & Sprüngli den US-amerikanischen Hersteller Russell Stover Candies. Zur Übernahme gehörten die Marken Russell Stover, Whitman’s und Pangburn’s. Es handelte sich um die bis dahin grösste Akquisition der Unternehmensgeschichte. Durch sie baute der Konzern seine Stellung auf dem nordamerikanischen Schokoladenmarkt deutlich aus.[6]

Unternehmen

Konzernstruktur

Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG ist die börsenkotierte Holdinggesellschaft der Gruppe. Ihr Hauptsitz befindet sich in Kilchberg ZH. Die Namenaktien und Partizipationsscheine werden an der SIX Swiss Exchange gehandelt.

Der Konzern entwickelt, produziert und vertreibt Schokolade im gehobenen Qualitäts- und Preissegment. Die operative Tätigkeit wird über nationale Tochtergesellschaften und regionale Geschäftseinheiten organisiert.

Die Gruppe verfügt über eigene Gesellschaften und Niederlassungen in zahlreichen Ländern. Zusätzlich werden die Produkte in Märkten ohne eigene Tochtergesellschaft über unabhängige Vertriebspartner angeboten.

Der Verwaltungsrat legt die übergeordnete Strategie fest und überwacht die Geschäftsführung. Die operative Leitung liegt beim Konzernleiter und der Gruppenleitung. Verwaltungsratspräsident ist Ernst Tanner. Adalbert Lechner übernahm im Oktober 2022 die Funktion des Konzernleiters.[7]

Produktionsstandorte

Lindt & Sprüngli stellt seine Produkte in zwölf eigenen Produktionsstätten in Europa und den Vereinigten Staaten her. Standorte befinden sich in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und den USA.[8]

Zu den bedeutenden Produktionsstandorten gehören:

Standort Land Unternehmen beziehungsweise Hauptaufgabe
Kilchberg ZH Schweiz Hauptsitz und Herstellung von Lindt-Produkten
Olten Schweiz Verarbeitung von Kakaobohnen und Herstellung von Kakaomasse
Aachen Deutschland Lindt & Sprüngli Deutschland
Oloron-Sainte-Marie Frankreich Lindt & Sprüngli Frankreich
Induno Olona Italien Lindt & Sprüngli Italien
Luserna San Giovanni Italien Caffarel
Gloggnitz Österreich Lindt & Sprüngli Österreich, Hofbauer und Küfferle
Stratham, New Hampshire Vereinigte Staaten Lindt USA
San Leandro, Kalifornien Vereinigte Staaten Ghirardelli
Kansas City, Missouri Vereinigte Staaten Russell Stover
Corsicana, Texas Vereinigte Staaten Russell Stover
Abilene, Kansas Vereinigte Staaten Russell Stover

Im Werk Olten werden Kakaobohnen geröstet, gebrochen und zu Kakaomasse verarbeitet. Diese dient als Ausgangsstoff für mehrere europäische Produktionsstätten. 2024 nahm das Unternehmen dort nach einer Investition von rund 100 Millionen Franken eine erweiterte Anlage in Betrieb.[9]

Absatzmärkte

Die wichtigsten Absatzregionen sind Europa und Nordamerika. Daneben ist das Unternehmen in Asien, Australien, Lateinamerika, im Nahen Osten und in weiteren Märkten vertreten.

Der Vertrieb erfolgt über Supermärkte, Warenhäuser, Fachgeschäfte, Gastronomiebetriebe, Onlineshops und ein wachsendes Netz eigener Verkaufsstellen. Ende 2025 unterhielt die Gruppe mehrere hundert eigene Geschäfte, Boutiquen und Fabrikläden.

Die eigenen Geschäfte erfüllen sowohl eine Verkaufs- als auch eine Marketingfunktion. In ihnen werden neben dem regulären Sortiment teilweise Produkte angeboten, die auf bestimmte Länder, Jahreszeiten oder Verkaufsstellen zugeschnitten sind.

Marken

Lindt

Lindt ist die Hauptmarke und wirtschaftlich bedeutendste Marke des Konzerns. Das Sortiment umfasst Tafelschokolade, Pralinen, Trüffel, saisonale Figuren, Brotaufstriche, Backprodukte und weitere Schokoladenwaren.

Zu den bekanntesten Produktlinien gehören:

  • Lindor;
  • Excellence;
  • Creation;
  • Les Grandes;
  • Nuxor;
  • Hello;
  • Goldhase;
  • Weihnachtsmann und weitere Saisonfiguren.

Die Produkte der Marke Lindt werden in mehr als 120 Ländern verkauft.[1]

Ghirardelli

Ghirardelli ist eine US-amerikanische Schokoladenmarke mit Ursprung in San Francisco. Das Unternehmen wurde 1852 vom italienischstämmigen Chocolatier Domingo Ghirardelli gegründet und 1998 von Lindt & Sprüngli übernommen.

Die Marke ist besonders in Nordamerika verbreitet. Zum Sortiment gehören Schokoladentafeln, einzeln verpackte Quadrate, Backschokolade, Kakao, Saucen und Produkte für Gastronomie und Haushalt.

Russell Stover und Whitman’s

Russell Stover ist ein US-amerikanischer Hersteller von Pralinen und Geschenkpackungen. Die Marke wurde 2014 Teil des Lindt-&-Sprüngli-Konzerns.

Zur Tochtergesellschaft gehört auch Whitman’s, eine 1842 gegründete US-amerikanische Schokoladenmarke. Besonders bekannt ist die Geschenkpackung Whitman’s Sampler. Russell Stover hatte Whitman’s bereits 1993 übernommen.[10]

Caffarel

Caffarel wurde 1826 in Turin gegründet und gehört seit 1997 beziehungsweise 1998 zum Konzern. Die Marke ist eng mit der piemontesischen Schokoladentradition verbunden und gilt als einer der frühen Hersteller des Gianduiotto.

Für Gianduiotto wird Schokolade mit fein gemahlenen Haselnüssen vermischt und in die charakteristische Form eines umgedrehten Bootes gebracht.

Hofbauer und Küfferle

Hofbauer und Küfferle sind österreichische Traditionsmarken. Hofbauer ist unter anderem für Pralinen und dekorative Geschenkpackungen bekannt. Küfferle produziert unter anderem die Katzenzungen genannten länglichen Schokoladenstücke sowie saisonale Hohlfiguren.

Herstellung

Die Herstellung von Schokolade beginnt mit Kakaobohnen, die vorwiegend aus tropischen Anbaugebieten in Westafrika, Lateinamerika und weiteren Regionen stammen. Nach der Ernte werden die Bohnen fermentiert und getrocknet.

In den Verarbeitungswerken werden sie gereinigt, geröstet und gebrochen. Die von den Schalen getrennten Kakaostücke werden zu Kakaomasse vermahlen. Je nach Rezeptur werden Kakaobutter, Zucker, Milchpulver, Haselnüsse und weitere Zutaten zugesetzt.

Die Masse wird anschliessend fein gewalzt und conchiert. Beim Conchieren werden Konsistenz, Aroma und Schmelzverhalten der Schokolade beeinflusst. Danach wird die Schokolade temperiert, geformt, gekühlt und verpackt.

Lindt & Sprüngli betont, wesentliche Schritte von der Auswahl der Kakaobohnen bis zur Herstellung des Endprodukts selbst zu kontrollieren. Die genaue Zusammensetzung und Verarbeitung unterscheidet sich je nach Marke, Produkt und Produktionsstandort.

Lindt Home of Chocolate

Das Lindt Home of Chocolate ist ein Besucher- und Kompetenzzentrum auf dem Fabrikareal in Kilchberg. Es wurde am 13. September 2020 eröffnet.[11]

Das Gebäude wurde vom Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein entworfen. Es gehört der Lindt Chocolate Competence Foundation und ist organisatorisch nicht mit der regulären Fabrikbesichtigung gleichzusetzen.

Das Zentrum umfasst:

  • ein interaktives Schokoladenmuseum;
  • eine Versuchsanlage für die Schokoladenherstellung;
  • Räume für Kurse und Führungen;
  • ein Café;
  • einen rund 500 Quadratmeter grossen Lindt-Shop;
  • Forschungs- und Ausbildungsräume.

Ein auffälliges Element im Eingangsbereich ist ein über neun Meter hoher Schokoladenbrunnen. Flüssig wirkende Schokolade fliesst dort über einen grossen goldenen Schneebesen in eine darunterliegende Kugel. Die Installation zählt zu den bekanntesten Motiven des Museums.[12]

Das Museum entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer stark besuchten touristischen Einrichtung der Region Zürich. 2023 wurden mehr als 750'000 Besucherinnen und Besucher gezählt.[13]

Geschäftsentwicklung

Lindt & Sprüngli wuchs über mehrere Jahrzehnte durch die Ausweitung des internationalen Vertriebs, neue Produkte, eigene Verkaufsgeschäfte und Unternehmensübernahmen.

Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz in Schweizer Franken gegenüber dem Vorjahr um 8,2 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken. Das organische Wachstum betrug 12,4 Prozent. Es wurde vor allem durch deutliche Preiserhöhungen beeinflusst, mit denen das Unternehmen die stark gestiegenen Kakaopreise auszugleichen versuchte. Gleichzeitig ging die verkaufte Menge beziehungsweise der Produktmix zurück.[14]

Kennzahl 2025 Wert
Konzernumsatz 5,92 Milliarden Franken
Organisches Umsatzwachstum 12,4 Prozent
Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern 971,0 Millionen Franken
Freier Geldfluss 446,3 Millionen Franken
Mitarbeitende in Vollzeitstellen 15'351

Die hohen Preise für Kakao entwickelten sich seit 2023 zu einer wesentlichen Herausforderung für die gesamte Schokoladenindustrie. Ursachen waren unter anderem schlechte Ernten, Pflanzenkrankheiten, Wetterextreme und strukturelle Probleme in den wichtigsten westafrikanischen Anbaugebieten.

Nachhaltigkeit

Kakaobeschaffung

Kakao wird überwiegend von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in tropischen Ländern angebaut. Der Sektor ist mit Problemen wie niedrigen Einkommen, Kinderarbeit, Entwaldung, schwankenden Weltmarktpreisen und den Folgen des Klimawandels verbunden.

Lindt & Sprüngli führte 2008 das Lindt & Sprüngli Farming Program ein. Das Programm soll die Rückverfolgbarkeit der Kakaobohnen verbessern, landwirtschaftliche Schulungen anbieten und soziale sowie ökologische Projekte in Anbaugebieten unterstützen.[15]

Das Unternehmen arbeitet dabei mit Lieferanten und lokalen Partnerorganisationen zusammen. Zu den Massnahmen gehören Schulungen zu Anbaumethoden, die Verteilung von Setzlingen, die Kartierung von Farmen, der Aufbau von Dorfinfrastruktur und Massnahmen gegen Kinderarbeit.

Für die Jahre 2026 bis 2030 kündigte Lindt & Sprüngli Investitionen von insgesamt 300 Millionen Franken in das Kakaoprogramm an.[16]

Klima und Verpackung

Der Konzern verfolgt Ziele zur Verringerung der Treibhausgasemissionen, zur effizienteren Nutzung von Energie und Wasser sowie zur Vermeidung von Abfällen. Dazu gehören Investitionen in erneuerbare Energien, energieeffizientere Produktionsanlagen und veränderte Verpackungen.

Bei Schokoladenprodukten erfüllen Verpackungen mehrere Aufgaben. Sie schützen die Ware vor Licht, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Gerüchen. Eine vollständige Vermeidung von Kunststoff oder Aluminium ist deshalb technisch nicht bei allen Produkten gleich einfach.

Lindt & Sprüngli erklärt, den Anteil wiederverwertbarer Verpackungen erhöhen und den Materialverbrauch reduzieren zu wollen. Die tatsächliche Recyclingfähigkeit hängt jedoch auch von den Sammel- und Verwertungssystemen der jeweiligen Absatzländer ab.

Stiftungen

Die 2013 gegründete Lindt Cocoa Foundation unterstützt Projekte zur sozialen und ökologischen Verbesserung des Kakao- und Rohstoffanbaus. Sie ergänzt Aktivitäten des Konzerns und finanziert ausgewählte Projekte in den Herkunftsländern.[17]

Die Lindt Chocolate Competence Foundation verfolgt das Ziel, die Stellung der Schweiz als Schokoladenstandort zu sichern, Wissen über Schokolade zu vermitteln und Forschung sowie Ausbildung zu fördern. Sie ist Trägerin des Lindt Home of Chocolate.

Kritik und Kontroversen

Arbeitsbedingungen im Kakaoanbau

Wie andere Schokoladenhersteller wird Lindt & Sprüngli mit den sozialen Problemen des Kakaoanbaus konfrontiert. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren Armut, gefährliche Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in Teilen der westafrikanischen Kakaolieferketten.

Die Rückverfolgung von Kakaobohnen bis zu einzelnen Landwirtschaftsbetrieben ist wegen der komplexen Lieferketten schwierig. Zertifizierungs- und Firmenprogramme können die Risiken verringern, schliessen Verstösse jedoch nicht vollständig aus.

Das Unternehmen verweist auf sein Farming Program, Kontrollen und langfristige Beziehungen zu Lieferanten. Kritische Organisationen fordern darüber hinaus existenzsichernde Einkommen, höhere Abnahmepreise und verbindlichere menschenrechtliche Vorgaben.

Entwaldung und Umweltbelastung

Die Ausweitung von Kakaoplantagen kann zur Rodung tropischer Wälder und zum Verlust von Lebensräumen beitragen. Lindt & Sprüngli hat sich verpflichtet, die Herkunft seiner Kakaoprodukte besser nachzuverfolgen und Entwaldungsrisiken zu verringern.

Umweltbelastungen entstehen zudem durch Milchproduktion, Zuckeranbau, Haselnüsse, Palmöl, Energieverbrauch, Transport und Verpackungen. Die Gesamtwirkung eines Schokoladenprodukts hängt deshalb nicht nur vom Kakao ab.

Marketing und Ernährung

Schokolade enthält je nach Produkt erhebliche Mengen Zucker und Fett. Verbraucherschutz- und Gesundheitsorganisationen kritisieren teilweise die Vermarktung von Süsswaren, insbesondere wenn sie sich an Kinder richtet oder einen regelmässigen Konsum fördert.

Lindt & Sprüngli positioniert seine Produkte überwiegend als Genuss- und Geschenkartikel. Das Unternehmen veröffentlicht Nährwertangaben und bietet Produkte in unterschiedlichen Portionsgrössen an.

Unternehmenspartnerschaften und Preisgestaltung

Aufgrund seiner starken Markenposition kann Lindt & Sprüngli höhere Preise als viele Massenmarktanbieter verlangen. Mit dem starken Anstieg der Kakaopreise erhöhte das Unternehmen seine Verkaufspreise deutlich.

Aus Sicht des Unternehmens waren diese Schritte notwendig, um die gestiegenen Rohstoffkosten auszugleichen. Für Konsumentinnen und Konsumenten führten sie jedoch zu spürbar höheren Ladenpreisen und teilweise kleineren Absatzmengen.

Bedeutung für die Schweiz

Lindt & Sprüngli gehört zu den international bekanntesten Schweizer Nahrungsmittelunternehmen. Die Marke Lindt wird stark mit dem Ruf der Schweiz als Herkunftsland hochwertiger Schokolade verbunden.

Der Standort Kilchberg ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eng mit dem Unternehmen verbunden. Fabrik, Hauptsitz und Lindt Home of Chocolate bilden ein auffälliges Industrie- und Besucherensemble am Zürichsee.

Die historische Entwicklung von Lindt & Sprüngli steht zugleich für die Industrialisierung der schweizerischen Schokoladenproduktion. Technische Neuerungen wie das Conchieren sowie die Entwicklung von Milchschokolade durch andere Schweizer Hersteller trugen im späten 19. Jahrhundert zum internationalen Ansehen der Schweizer Schokolade bei.

Abgrenzung zur Confiserie Sprüngli

Lindt & Sprüngli wird häufig mit der Confiserie Sprüngli verwechselt. Beide Unternehmen gehen auf David Sprüngli-Schwarz und Rudolf Sprüngli-Ammann zurück, wurden jedoch 1892 voneinander getrennt.

Die Confiserie Sprüngli AG betreibt Konditoreien, Cafés und Verkaufsgeschäfte und ist besonders für Luxemburgerli, Pralinen, Torten und Patisserie bekannt. Ihr bekanntestes Geschäft befindet sich am Paradeplatz in Zürich.

Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG stellt dagegen industriell Schokolade her und ist als internationaler Konzern an der Börse kotiert. Zwischen den beiden Unternehmen besteht keine gemeinsame Konzernstruktur.

Siehe auch

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Lindt & Sprüngli