Oberembrach

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Oberembrach

Blick auf Oberembrach und die umliegende Hügellandschaft

Blick auf Oberembrach und die umliegende Hügellandschaft

Wappen von Oberembrach

Wappen

Lage von Oberembrach

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Zürcher Unterland

Bezirk

Bülach

BFS-Nummer

0065

Postleitzahl

8425

Koordinaten

47.487772° N, 8.618338° E

Höhe

459 m ü. M.

Fläche

10,20 km²

Einwohner

1'088
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.oberembrach.ch

Oberembrach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Bülach des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt im östlichen Zürcher Unterland im oberen Teil des Embrachertals. Zur Gemeinde gehören neben dem Dorf Oberembrach zahlreiche Weiler, Hofgruppen und Einzelhöfe.

Die Gemeinde ist stark landwirtschaftlich geprägt. Wiesen, Äcker, Wälder, Feuchtgebiete und sanfte Höhenzüge bestimmen das Landschaftsbild. Die vergleichsweise lockere Besiedlung unterscheidet Oberembrach von den dichter bebauten Gemeinden rund um den Flughafen Zürich und im unteren Glattal.

Oberembrach wurde 1809 von Embrach abgetrennt und zu einer selbstständigen politischen Gemeinde. Kirchlich ist der Ort bis heute eng mit Embrach verbunden. Ende 2025 lebten 1'088 Einwohnerinnen und Einwohner in der Gemeinde.[1]

Geografie

Lage

Oberembrach liegt zwischen den Städten Winterthur, Bülach und Kloten. Das Dorfzentrum befindet sich auf rund 459 Metern über Meer. Die Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 1'020 Hektaren beziehungsweise 10,20 Quadratkilometern.

Das Gemeindegebiet umfasst das obere Tal des Wildbachs sowie mehrere Seitentäler. Dazu gehören insbesondere die Täler des Moosbachs und des Tüfbachs sowie das Dürstental. Wälder und bewaldete Höhenzüge begrenzen die offenen Landwirtschaftsflächen.

Oberembrach grenzt an folgende Gemeinden:

Die Lage zwischen dem Zürcher Unterland und dem Raum Winterthur machte das Gemeindegebiet schon früh zu einem Durchgangsraum. Dennoch blieb Oberembrach abseits der grossen Siedlungs- und Industrieachsen.

Siedlungen und Weiler

Die politische Gemeinde besteht aus dem Dorf Oberembrach sowie zahlreichen Weilern, Hofgruppen und Einzelhöfen. Dazu gehören unter anderem:

  • Büelhof;
  • Hausen;
  • Madlikon;
  • Mühlberg;
  • Obermettmenstetten;
  • Untermettmenstetten;
  • Oberwagenburg;
  • Unterwagenburg;
  • Rotenfluh;
  • Stiegen;
  • Stürzikon;
  • Sonnenbüel.

Die Gemeinde besitzt dadurch keine kompakte, ausschliesslich auf einen Dorfkern konzentrierte Siedlungsstruktur. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt in kleineren Siedlungen und auf Höfen ausserhalb des Hauptdorfs.

Die Weiler Augwil und Vordermarchlen gehörten bis 1871 zu Oberembrach und wurden danach der Gemeinde Lufingen zugeteilt. Eigental, Hinterbänikon und Vorderbänikon blieben bis 1927 Teil von Oberembrach und gelangten anschliessend zur Stadt Kloten.[2]

Landschaft

Oberembrach liegt in einer von eiszeitlichen Gletschern geformten Landschaft. Sanfte Hügel, Mulden, Moränen und Findlinge erinnern an die letzte Eiszeit.

Der bekannteste Findling ist der Rötelstein. Er wurde durch den Walensee-Linth-Rheingletscher in das Gebiet transportiert. Die Gemeinde bezeichnet ihn als ältesten sichtbaren Zeugen der Oberembracher Landschaftsgeschichte.[3]

Die offene Kulturlandschaft wird von Wiesen, Äckern, Obstbäumen, Hecken und kleineren Waldstücken gegliedert. In feuchten Mulden und an Waldrändern befinden sich ökologisch wertvolle Standorte.

In Oberembrach wachsen mehrere einheimische Orchideenarten. Sie kommen insbesondere an trockenen Böschungen, in Sumpfwiesen und an geeigneten Waldstandorten vor. Die Pflanzen reagieren empfindlich auf Veränderungen ihrer Lebensräume.[4]

Gewässer

Der wichtigste Wasserlauf ist der Wildbach. Er durchquert das Gemeindegebiet und fliesst weiter in Richtung Embrach. Zu seinem Einzugsgebiet gehören mehrere kleinere Bäche und Gräben.

Der Wildbach und seine Zuflüsse wurden früher für Mühlen, Bewässerung und Entwässerung genutzt. Heute erfüllen die Gewässer auch wichtige Funktionen für Hochwasserschutz, Naturvernetzung und Landschaftspflege.

Bodennutzung

Oberembrach gehört zu den am stärksten landwirtschaftlich geprägten Gemeinden des Kantons Zürich. Rund 59 Prozent der Gemeindefläche dienen der Landwirtschaft. Etwa ein Drittel ist bewaldet.[1]

Bodennutzung in Oberembrach
Nutzungsart Anteil
Landwirtschaftsflächen 59 %
Wald 34 %
Siedlungsflächen 4 %
Verkehrsflächen 4 %

Die Prozentangaben sind gerundet. Die Siedlungsfläche verteilt sich auf das Hauptdorf, die Weiler und zahlreiche Einzelhöfe.

Ortsname

Oberembrach wurde um 1274 als Obern-Emmerach erwähnt. Der Name bezeichnete den oberhalb des heutigen Embrach gelegenen Teil des Siedlungs- und Wirtschaftsraums im Wildbachtal.[2]

Der Zusatz «Ober-» unterscheidet die höher gelegene Gemeinde von Embrach im unteren Talabschnitt. In älteren Quellen erscheinen verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens.

Im lokalen Dialekt wird Oberembrach als Oberämbri bezeichnet.

Geschichte

Früheste Besiedlung

Der Flurname Steinmüri und ein im Jahr 1597 dokumentierter Fund römischer Münzen weisen auf eine frühe Nutzung des Gemeindegebiets hin. Ob während der Römerzeit eine dauerhafte grössere Siedlung bestand, ist nicht geklärt.

Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft siedelten sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region an. Mehrere Ortsnamen, darunter Madlikon und Stürzikon, gehen auf die alemannische Siedlungsperiode zurück.[3]

Die Menschen lebten hauptsächlich von Landwirtschaft, Viehzucht, Jagd und Waldnutzung. Die einzelnen Höfe lagen auf trockenen Geländestellen in der Nähe von Wasserläufen und fruchtbaren Böden.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter gehörte das Gebiet zum Einflussbereich der Grafen von Kyburg. Diese verfügten über umfangreiche Besitzungen und Herrschaftsrechte im Raum Winterthur und im Zürcher Unterland.

Eine besondere Bedeutung besass die Wagenburg bei Unterwagenburg. Die dort ansässigen Herren von Wagenberg wurden 1263 erstmals urkundlich erwähnt. Sie standen zunächst im Dienst der Kyburger und später der Habsburger.[5]

Die Familie besass Güter und Rechte im Embrachertal, in Dättnau und in weiteren Teilen der Region. Angehörige des Geschlechts traten als Zeugen und Amtsträger im Umfeld der habsburgischen Herrschaft auf.

Wagenburg

Die Wagenburg war eine mittelalterliche Spornburg auf einer bewaldeten Anhöhe bei Unterwagenburg. Von der Anlage sind nur noch einzelne Mauerreste und Geländespuren erhalten.

Durch die Heirat Adelheids von Wagenberg mit Hartmann von Heidegg gelangte die Burg in den Besitz der Herren von Heidegg. Diese waren mit der gleichnamigen Burg am Baldeggersee verbunden.

Im 14. und 15. Jahrhundert veräusserten die Heidegger Teile ihrer Besitzungen. Ein grosser Teil der Güter im Raum Oberembrach gelangte an den Zürcher Bürgermeister Rudolf von Meiss und weitere Zürcher Familien.

Die Burg wurde 1556 durch einen Brand zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Ein späteres Gemälde des Landschaftsmalers Johann Balthasar Bullinger zeigt eine idealisierte Darstellung der damaligen Ruine.

Burg Untersal

Bei Obermettmenstetten befand sich eine weitere kleine Burganlage. Die Burg Untersal ist zwischen 1393 und 1524 in schriftlichen Quellen erwähnt.

Von ihr blieben nur wenige Mauer- und Geländespuren erhalten. Über ihre genaue Gestalt und die dort lebenden Personen ist wenig bekannt.

Zürcher Herrschaft

Nach dem Niedergang der regionalen Adelsgeschlechter gelangten Oberembrach und die umliegenden Besitzungen zunehmend unter die Herrschaft der Stadt Zürich.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Oberembrach Teil der Gemeinde Embrach «zu Berg und Thal». Die bäuerliche Bevölkerung bewirtschaftete ihre Felder innerhalb einer gemeinschaftlich geregelten Dreifelderwirtschaft.

Die Dorfgenossen nutzten Wälder, Weiden, Wege und Wasserläufe gemeinsam. Die Zürcher Obrigkeit übte die hohe und niedere Gerichtsbarkeit aus und erhob Steuern, Zehnten und weitere Abgaben.

Reformation

Mit der Einführung der Zürcher Reformation in den 1520er-Jahren wurde auch die Bevölkerung Oberembrachs reformiert.

Oberembrach besass keine eigene Pfarrkirche. Der Ort gehörte seit dem Mittelalter zur Kirchgemeinde Embrach. Diese kirchliche Verbindung blieb auch nach der politischen Trennung von 1809 bestehen.

Die Kirche war nicht nur für Gottesdienste zuständig, sondern spielte auch bei Armenfürsorge, Schule und gesellschaftlicher Ordnung eine wichtige Rolle.

Landwirtschaft und Hofgemeinschaften

Die Bevölkerung lebte während Jahrhunderten fast ausschliesslich von der Landwirtschaft. Neben Ackerbau und Viehhaltung waren Obstbau, Waldwirtschaft und kleinere handwerkliche Tätigkeiten verbreitet.

Das Dorf und die Aussenhöfe entwickelten teilweise unterschiedliche Interessen. Die Bewohner des Hauptdorfs besassen andere gemeinschaftliche Güter und Rechte als die Bauern in den weit verstreuten Hofsiedlungen.

Diese Unterschiede führten im 19. Jahrhundert zur Bildung getrennter Zivilgemeinden.

Rothuus

Im Jahr 1797 liess Jakob Bänninger, Landrichter und Seckelmeister, am Rand des Dorfs ein grosses Fachwerkbauernhaus errichten.

Das als Rothuus oder Rothaus bekannte Gebäude besitzt reich bemalte Fassaden und gehört zu den bedeutendsten historischen Bauernhäusern der Gemeinde. Es dokumentiert den wirtschaftlichen Wohlstand einzelner bäuerlicher Familien am Ende des 18. Jahrhunderts.[6]

Helvetik und politische Selbstständigkeit

Der Einmarsch französischer Truppen im Jahr 1798 beendete die alte Zürcher Herrschaftsordnung. Die Helvetische Republik schaffte die bisherigen Untertanenverhältnisse ab und führte moderne Einwohnergemeinden ein.

Oberembrach und Embrach gehörten zunächst weiterhin zu einer gemeinsamen politischen Einheit. Unterschiedliche Interessen zwischen dem unteren und dem oberen Teil des Tals führten jedoch zur Trennung.

Im Jahr 1809 wurde Oberembrach als selbstständige politische Gemeinde von Embrach abgetrennt. Dieses Jahr gilt als Gründungsjahr der heutigen Gemeinde.[3]

Die politische Gemeinde umfasste zunächst zwei besondere Körperschaften:

  • die Zivilgemeinde Oberembrach mit dem Hauptdorf und mehreren angrenzenden Siedlungen;
  • die Hofzivilgemeinde Oberembrach mit den ausserhalb gelegenen Weilern und Einzelhöfen.

Zivilgemeinden

Die Zivilgemeinden verwalteten gemeinschaftliche Güter, Wege, Brunnen, Wälder und weitere örtliche Einrichtungen.

Die Hofzivilgemeinde wurde 1928 aufgehoben. Ihre Aufgaben und Vermögenswerte gingen auf die politische Gemeinde über.

Die Zivilgemeinde des Hauptdorfs bestand bis 1971. Seit ihrer Auflösung besitzt Oberembrach nur noch eine einheitliche politische Gemeindeverwaltung.[2]

Schule

Eine Schule bestand in Oberembrach seit ungefähr 1750. Der Unterricht fand zunächst in privaten Räumen oder in einfachen Schulstuben statt.

Im Jahr 1835 erhielt das Dorf ein eigenes Schulhaus. Für die Kinder der abgelegenen Höfe waren die Schulwege teilweise sehr lang.

Unterwagenburg besass von 1848 bis 1978 eine eigene Schule. Nach deren Schliessung wurden die Kinder in der zentralen Primarschule unterrichtet.

Die Schulanlage Zweigärten wurde 1970 eröffnet und später mehrfach erweitert und modernisiert.[2]

Grenzveränderungen

Das Gemeindegebiet veränderte sich im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach.

Im Jahr 1871 wurden Augwil und Vordermarchlen von Oberembrach abgetrennt und der Gemeinde Lufingen zugeteilt. Die Änderung vereinfachte die örtlichen Verkehrs-, Schul- und Verwaltungsverhältnisse.

1927 wurden Eigental, Hinterbänikon und Vorderbänikon der Stadt Kloten zugewiesen. Dadurch verlor Oberembrach Gebiete im Süden und Südwesten.

20. Jahrhundert

Oberembrach blieb auch im 20. Jahrhundert stark landwirtschaftlich geprägt. Während umliegende Orte durch Industrie, Flughafen und Verkehr stark wuchsen, entwickelte sich die Gemeinde vergleichsweise langsam.

Mechanisierung, Meliorationen und neue landwirtschaftliche Produktionsmethoden veränderten die Arbeit auf den Höfen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe ab.

Viele Bewohnerinnen und Bewohner fanden Arbeitsplätze in Embrach, Bülach, Winterthur, Kloten und Zürich. Mit dem Ausbau des Strassennetzes wurde Oberembrach zunehmend zur Wohngemeinde.

Trotzdem besass der primäre Wirtschaftssektor zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiterhin eine ungewöhnlich grosse Bedeutung. Im Jahr 2005 entfielen gemäss dem Historischen Lexikon der Schweiz 46 Prozent der Arbeitsplätze innerhalb der Gemeinde auf die Landwirtschaft.[2]

Entwicklung seit 1950

Die Einwohnerzahl lag 1950 bei lediglich 571 Personen. Seit den 1960er-Jahren wurden im Hauptdorf neue Wohnhäuser gebaut, während gleichzeitig viele ältere Bauernhäuser umgenutzt wurden.

Das Wachstum blieb im Vergleich zu den Gemeinden im Glattal und rund um den Flughafen moderat. Dadurch konnten der ländliche Charakter und die lockere Siedlungsstruktur weitgehend erhalten werden.

Im Jahr 1990 überschritt die Einwohnerzahl erstmals die Marke von 1'000 Personen. Seither schwankt sie ungefähr zwischen 960 und 1'110 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Wappen

Die Blasonierung lautet:

In Schwarz ein halber goldener, rot gezungter Löwe.

Das Gemeindewappen geht auf das mittelalterliche Geschlecht der Herren von Wagenberg zurück. Dieses führte einen halben schwarzen Löwen auf goldenem Grund.

Oberembrach übernahm das Motiv in umgekehrten Farben. Der goldene Löwe auf schwarzem Grund erinnert damit an die Wagenburg und an die mittelalterliche Herrschaftsgeschichte der Gemeinde.[3]

Bevölkerung

Oberembrach besass im Jahr 1850 mehr als 840 Einwohnerinnen und Einwohner. Während der Industrialisierung wanderten zahlreiche Menschen in grössere Orte und Städte ab. Bis 1950 sank die Einwohnerzahl auf 571.

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte wieder ein deutliches Wachstum ein.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 843
1900 617
1950 571
1990 1'001
2000 990
2010 966
2015 1'066
2020 1'097
2021 1'075
2022 1'083
2023 1'079
2024 1'110
2025 1'088

Die niedrige Bevölkerungsdichte erklärt sich durch die grosse Landwirtschafts- und Waldfläche. Viele Einwohnerinnen und Einwohner leben im Hauptdorf, ein bedeutender Anteil jedoch in den Weilern und Hofsiedlungen.

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine Form des Zürichdeutschen gesprochen.

Politik und Verwaltung

Oberembrach ist als Versammlungsgemeinde organisiert. Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Alle stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner können an ihr teilnehmen.

Die Gemeindeversammlung entscheidet unter anderem über:

  • Budget und Jahresrechnung;
  • kommunalen Steuerfuss;
  • Gemeindeordnung und weitere Erlasse;
  • grössere Ausgaben;
  • Bau- und Infrastrukturprojekte;
  • Erwerb und Verkauf bedeutender Grundstücke.

Der Gemeinderat bildet die Exekutive. Er führt die politische Gemeinde, bereitet die Geschäfte der Gemeindeversammlung vor und vollzieht die kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Vorschriften.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Pfungenerstrasse 11 im Dorfzentrum.[7]

Aufgrund der geringen Einwohnerzahl arbeitet Oberembrach in zahlreichen Bereichen mit anderen Gemeinden zusammen. Regionale Lösungen bestehen insbesondere bei Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Gesundheit, Sozialwesen, Abwasserentsorgung und weiterführenden Schulen.

Wirtschaft

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist der prägende Wirtschaftszweig Oberembrachs. Die Betriebe bewirtschaften Wiesen, Äcker und Obstgärten und halten Rinder, Milchkühe, Schweine, Geflügel und Pferde.

Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Tätigkeiten gehören:

  • Milchwirtschaft;
  • Viehzucht;
  • Futterbau;
  • Getreide- und Ackerbau;
  • Obstbau;
  • Direktvermarktung;
  • Wald- und Landschaftspflege.

Mehrere Betriebe bieten Produkte direkt ab Hof an. Landwirtschaftliche Familien erschliessen zusätzliche Einkommen durch Pferdehaltung, Maschinenarbeiten, Forstwirtschaft oder agrotouristische Angebote.

Gewerbe und Dienstleistungen

Im Dorf und in den Weilern bestehen kleinere Handwerks-, Bau-, Transport- und Dienstleistungsbetriebe. Grössere Industriegebiete besitzt die Gemeinde nicht.

Ein grosser Teil der Erwerbstätigen pendelt zu Arbeitsplätzen in:

  • Embrach;
  • Bülach;
  • Kloten;
  • Winterthur;
  • Zürich;
  • der Flughafenregion.

Die Postfiliale wird als Agentur innerhalb des örtlichen Detailhandels geführt.

Verkehr

Strassenverkehr

Oberembrach liegt an regionalen Strassenverbindungen zwischen Embrach, Lufingen, Nürensdorf, Brütten, Winterthur und Pfungen.

Die wichtigsten Ortsverbindungen führen:

  • westwärts nach Embrach;
  • südwestwärts nach Lufingen und zum Flughafen Zürich;
  • ostwärts nach Nürensdorf und Brütten;
  • nordwärts nach Pfungen;
  • nordöstlich in Richtung Winterthur.

Eine wichtige Verbindung ist die Eigentalstrasse, die durch das ländliche Gebiet zwischen Oberembrach und Kloten führt.

Auf dem Gemeindegebiet verläuft keine Autobahn. Die nächsten Anschlüsse an das schweizerische Autobahnnetz befinden sich bei Kloten, Bülach und Winterthur. Dort bestehen Verbindungen zur A1 und zur A51.

Öffentlicher Verkehr

Oberembrach besitzt keinen eigenen Bahnhof. Die Gemeinde wird durch Postautolinien des Zürcher Verkehrsverbunds erschlossen.

Die Linie 524 verbindet die Haltestelle Oberembrach, Dorf über Lufingen und Kloten direkt mit dem Bahnhof Zürich Flughafen.[8]

In Lufingen bestehen Anschlüsse an die Linie 520 in Richtung Bahnhof Embrach-Rorbas und Flughafen Zürich. Am Bahnhof Embrach-Rorbas besteht Anschluss an die Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz.

Die Nachtlinie N52 verbindet die Region an Wochenenden mit dem Zürcher Nachtnetz.

Bildung

Oberembrach besitzt einen eigenen Kindergarten und eine Primarschule. Die Schulanlage Zweigärten umfasst Unterrichtsräume, Turnhalle, Mehrzweckräume und Aussenanlagen.

Die Primarschule beschreibt sich als kleine, überschaubare Dorfschule. Zur Schule gehören auch schulergänzende Betreuungsangebote und eine Schul- und Gemeindebibliothek.[9]

Die Jugendlichen besuchen die Sekundarschule ausserhalb der Gemeinde. Weiterführende Schulen befinden sich insbesondere in Bülach, Winterthur und Zürich.

Religion

Oberembrach besitzt keine eigene historische Pfarrkirche. Die reformierte Bevölkerung gehört seit dem Mittelalter zur Kirchgemeinde Embrach.

Die römisch-katholischen Einwohnerinnen und Einwohner sind in die katholischen Strukturen des Embrachertals eingebunden.

Wie in zahlreichen Zürcher Gemeinden nahm der Anteil der Personen ohne Zugehörigkeit zu einer Landeskirche seit dem späten 20. Jahrhundert zu.

Kultur und Dorfleben

Oberembrach besitzt ein aktives Vereins- und Gemeinschaftsleben. Vereine bestehen unter anderem in den Bereichen Musik, Gesang, Schiesssport, Turnen, Landwirtschaft und gesellschaftliche Aktivitäten.

Zu den örtlichen Bräuchen gehören:

  • Funkensamstag;
  • Chränzli mit Theateraufführung;
  • Bannumgang;
  • Bundesfeier;
  • Räbeliechtli-Umzug;
  • Adventsfenster.

Beim Funkensamstag werden auf dem Gelände der Primarschule die eingesammelten Weihnachtsbäume verbrannt. Die Schulkinder fertigen zusätzlich einen Böögg an.

Der Bannumgang ist eine gemeinsame Wanderung durch Teile des Gemeindegebiets. Er dient dazu, die Landschaft und die Gemeindegrenzen kennenzulernen und Kontakte innerhalb der Bevölkerung zu pflegen.

Das letzte grosse Dorffest fand 2009 anlässlich des 200-jährigen Bestehens der selbstständigen politischen Gemeinde statt.[10]

Sehenswürdigkeiten

Rothuus

Das Rothuus ist ein reich bemaltes Fachwerkbauernhaus aus dem Jahr 1797. Es wurde von Jakob Bänninger errichtet und gehört zu den bekanntesten historischen Gebäuden Oberembrachs.

Seine Grösse und Gestaltung dokumentieren die bäuerliche Baukultur und die wirtschaftliche Stellung wohlhabender Familien am Ende der Alten Eidgenossenschaft.

Mühle

Die historische Mühle liegt am Wildbach. Sie erinnert an die frühere Nutzung der Wasserkraft für die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte.

Das Gebäude wird heute gastronomisch genutzt und gehört zu den markanten Bauten der Gemeinde.

Haus zur Rose

Das Haus zur Rose ist ein traditionelles Gebäude im Dorf. Es wird als Restaurant genutzt und trägt zum historischen Erscheinungsbild des Ortskerns bei.

Rötelstein

Der Rötelstein ist ein grosser eiszeitlicher Findling. Er wurde durch einen Gletscher aus dem Alpenraum in das heutige Gemeindegebiet transportiert.

Der Stein gilt als geologisches Naturdenkmal und als sichtbares Zeugnis der eiszeitlichen Landschaftsbildung.

Ruine Wagenburg

Die Ruine Wagenburg liegt auf einer bewaldeten Anhöhe bei Unterwagenburg. Von der mittelalterlichen Burg sind Mauerreste und Geländespuren erhalten.

Die Anlage war der Stammsitz der Herren von Wagenberg. Sie wurde 1556 durch einen Brand zerstört.

Untersal

Bei Obermettmenstetten befinden sich Überreste der mittelalterlichen Burg Untersal. Die Anlage ist nur noch anhand geringer Mauer- und Geländespuren erkennbar.

Stürzikon

Der Weiler Stürzikon ist als Geburtsort des Schriftstellers Jakob Bosshart bekannt. Historische Bauernhäuser und Speicher prägen die Siedlung.

Das Geburtshaus und weitere Gebäude erinnern an die ländliche Umgebung, die Bossharts literarisches Werk beeinflusste.

Natur und Freizeit

Oberembrach besitzt ein ausgedehntes Netz von Feld-, Wald- und Wanderwegen. Sie verbinden das Dorf mit den Weilern und den Nachbargemeinden.

Wanderungen führen unter anderem:

  • zur Wagenburg;
  • durch das Eigental;
  • nach Brütten und Winterthur;
  • über die Höhenzüge nach Nürensdorf;
  • entlang des Wildbachs in Richtung Embrach;
  • zu den Weilern Stürzikon und Oberwagenburg.

Die Waldhütte Oberwagenburg und das Schützenhaus Mettlen können für gesellschaftliche Anlässe genutzt werden.

Die abwechslungsreiche Landschaft eignet sich auch zum Velofahren, Reiten, Langlaufen und Beobachten von Tieren und Pflanzen.

Persönlichkeiten

Jakob Bosshart

Jakob Bosshart (1862–1924) wurde im Weiler Stürzikon geboren. Er war Schriftsteller, Lehrer und von 1899 bis 1916 Rektor des Kantonalen Gymnasiums Zürich.

Bosshart veröffentlichte Romane, Erzählungen und Novellen. In Werken wie Das Bergdorf, Die Barettlitochter, Erdschollen und Neben der Heerstrasse verarbeitete er Motive aus dem ländlichen Leben, verband diese jedoch mit sozialer und psychologischer Kritik.

1922 erhielt er als erster Preisträger den Gottfried-Keller-Preis sowie den Grossen Schillerpreis.[11]

Johann Jakob Bänninger

Johann Jakob Bänninger (1821–1880) war Lehrer und Mundartdichter. Er stammte aus Oberembrach und wirkte unter anderem in Horgen.

Seine Gedichte und Texte gehören zur Zürcher Mundartliteratur des 19. Jahrhunderts.

Siehe auch

Literatur

  • Willy Arber: Die Zürcher Landgemeinde Oberembrach. Oberembrach 1977.
  • Willy Arber: Die Gemeinde Oberembrach. Oberembrach 1989.
  • Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1943, S. 68–69.
  • Geschichte der Gemeinde Embrach. 2 Bände, Embrach 1994–1999.
  • Isabell Hermann: «Zürcher Weinland, Unterland und Limmattal». In: Die Bauernhäuser des Kantons Zürich. Band 3, Basel 1997, S. 313–316 und 413.
  • Peter Ziegler: Die Gemeindewappen des Kantons Zürich. Antiquarische Gesellschaft in Zürich, Zürich 1977.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gemeinde Oberembrach: Zahlen und Fakten, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Hans Baer: Oberembrach. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 12. August 2009, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 Gemeinde Oberembrach: Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Gemeinde Oberembrach: Freizeit und Natur, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Martin Leonhard: Von Wagenberg. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 16. Juli 2012, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. Gemeinde Oberembrach: Sehenswürdigkeiten, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Gemeinde Oberembrach: Kontakte, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Zürcher Verkehrsverbund: Linie 524, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Primarschule Oberembrach, abgerufen am 24. Juli 2026.
  10. Gemeinde Oberembrach: Brauchtum, abgerufen am 24. Juli 2026.
  11. Charles Linsmayer: Jakob Bosshart. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 13. April 2012, abgerufen am 24. Juli 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Oberembrach