Türlersee
| Lage | Knonaueramt, Kanton Zürich, Schweiz |
|---|---|
| Gemeinden | Aeugst am Albis und Hausen am Albis |
| Koordinaten | 47° 16′ 06″ N, 8° 30′ 10″ E |
| Höhe | 643 m ü. M. |
| Fläche | 0,497 km² |
| Länge | rund 1,4 km |
| Breite | bis etwa 500 m |
| Volumen | 6,485 Mio. m³ |
| Maximale Tiefe | 22 m |
| Mittlere Tiefe | 13 m |
| Einzugsgebiet | 5,2 km² |
| Mittlere Aufenthaltszeit | rund 730 Tage |
| Zuflüsse | Chrebsbach, Fellibach, Habersaaterbach und weitere Bäche |
| Abfluss | Reppisch |
Der Türlersee ist ein natürlicher Bergsturzsee im Knonaueramt, das auch als Säuliamt bezeichnet wird, im Südwesten des Kantons Zürich. Er liegt auf 643 m ü. M. zwischen den Gemeinden Aeugst am Albis und Hausen am Albis in einer von Wald, Riedflächen, Wiesen und landwirtschaftlich genutztem Kulturland geprägten Hügellandschaft.
Mit einer Oberfläche von knapp 0,5 km² gehört der Türlersee zu den kleineren Seen des Kantons. Sein Abfluss ist die Reppisch, die den See am nördlichen Ende verlässt und später bei Dietikon in die Limmat mündet. Der See und seine Umgebung sind sowohl ein bedeutender Naturraum als auch ein stark besuchtes Naherholungsgebiet der Regionen Zürich, Zug und Luzern.
Lage und Landschaft
Der Türlersee erstreckt sich annähernd in süd-nördlicher Richtung. Er ist rund 1,4 Kilometer lang und bis etwa 500 Meter breit. Die maximale Tiefe beträgt 22 Meter, die mittlere Tiefe ungefähr 13 Meter. Bei einem Volumen von rund 6,485 Millionen Kubikmetern verbleibt das Wasser durchschnittlich etwa 730 Tage im See.[1]
Der See liegt in einer geschlossenen Geländekammer zwischen dem Aeugsterberg im Westen und den bewaldeten Ausläufern der Albiskette im Osten. Während an Teilen des Ufers ausgedehnte Schilf- und Riedbestände vorkommen, grenzen an anderen Stellen Wälder, Feuchtwiesen oder offenes Landwirtschaftsland unmittelbar an den See. Am südöstlichen Ufer liegt der Weiler Türlen mit einem Strandbad, einem Campingplatz und einem Restaurant. Nördlich des Sees befindet sich die Ortschaft Aeugstertal.
Das 5,2 km² grosse Einzugsgebiet besteht gemäss kantonaler Erhebung zu ungefähr 47 Prozent aus Landwirtschaftsflächen und zu 33 Prozent aus Wald. Etwa zehn Prozent entfallen auf Gewässer, sieben Prozent auf Siedlungsflächen und drei Prozent auf unproduktive Flächen.[1]
Entstehung
Der Türlersee entstand vor rund 10'000 Jahren, gegen Ende der letzten Eiszeit. Nach dem Rückzug der Gletscher lösten sich am Aeugsterberg grosse Fels- und Erdmassen. Der Bergsturz verschüttete einen Teil des Reppischtals und bildete einen natürlichen Damm, hinter dem sich das Wasser zum heutigen See aufstaute.[2]
Die geologische Umgebung besteht überwiegend aus Gesteinen der Oberen Süsswassermolasse. Der Bergsturzsee gilt als charakteristisches Element der geologisch vielfältigen Albiskette und des Reppischtals. Das Gebiet wird im schweizerischen Geotopinventar als Objekt von nationaler Bedeutung geführt.[3]
Nach seiner Entstehung entwässerte sich der See zunächst wahrscheinlich gegen Westen durch den sogenannten Hexengraben. Später verlagerte sich der Abfluss nach Norden. Seither verlässt das Wasser den See über die Reppisch.[2]
Hydrologie
Der Türlersee wird vom Chrebsbach, vom Fellibach, vom Habersaaterbach und von mehreren kleineren Bächen gespeist. Der mittlere Abfluss beträgt rund 105 Liter pro Sekunde. Da der See von bewaldeten Hügeln umgeben und dadurch vergleichsweise windgeschützt ist, werden seine Wasserschichten im Winter nicht in jedem Jahr vollständig durchmischt.
Unter natürlichen Bedingungen wäre der Türlersee ein nährstoffarmer See mit geringem Algenwachstum. Im 20. Jahrhundert nahm die Nährstoffbelastung jedoch deutlich zu. Zu den Ursachen gehörten häusliche Abwässer sowie Einträge aus der Landwirtschaft. Ein Forellensterben im Jahr 1942 wurde mit defekten Jaucheleitungen in Verbindung gebracht.[1]
Zwischen etwa 1980 und 1987 wurde die Abwasserentsorgung im Einzugsgebiet umfassend saniert. Seither wird der grösste Teil der häuslichen Abwässer in den Abwasserreinigungsanlagen von Birmensdorf und Hausen am Albis behandelt. Im November 1987 nahm der Kanton zudem eine Anlage in Betrieb, welche die winterliche Zirkulation des Seewassers unterstützte und dadurch Sauerstoff in tiefere Wasserschichten brachte.
Die Zirkulationsunterstützungsanlage wurde 2020 vorläufig ausser Betrieb genommen und 2024 vollständig entfernt. Die Phosphorkonzentration und die Algenmenge werden inzwischen als gut beurteilt. Trotzdem kann der Sauerstoffgehalt im Sommer je nach Witterung bereits unterhalb einer Tiefe von sechs bis neun Metern stark abnehmen. Ohne technische Unterstützung reicht die winterliche Durchmischung heute gewöhnlich bis in eine Tiefe von ungefähr 15 Metern.[1]
Zur langfristigen Sicherung des Gewässerzustands sollen die Massnahmen zur Begrenzung von Nährstoffeinträgen aus Landwirtschaft und Siedlungsentwässerung beibehalten werden.
Natur- und Landschaftsschutz
Der Türlersee bildet zusammen mit seinen natürlichen Ufern, Flachmooren, Hangrieden, Magerwiesen und Wäldern einen ökologisch wertvollen Lebensraum. Bereits 1934 wurde der Türlerseeschutzverband gegründet. Im Jahr 1944 erliess der Kanton Zürich ein Bauverbot rund um den See und stellte das Gebiet unter Schutz. Damit sollte insbesondere eine zunehmende Überbauung der weitgehend unversehrten Landschaft verhindert werden.[2]
Die heute massgebende Schutzverordnung wurde 2001 erlassen. Sie umfasst neben dem See und den Uferbereichen auch Riedwiesen, Wälder, landwirtschaftlich geprägte Landschaftsteile und das Bergsturzgebiet am Aeugsterberg. Auf dem See wurden mehrere Schutzzonen als Brut-, Nahrungs- und Rückzugsgebiete für Wasservögel und Amphibien ausgeschieden.[4]
Der Türlersee liegt innerhalb des Objekts Nr. 1306 «Albiskette–Reppischtal» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Das Objekt wurde 1983 in das Bundesinventar aufgenommen.[5]
Die Pflege der Ried- und Magerwiesen ist für die Erhaltung des Schutzgebiets von grosser Bedeutung. Ohne regelmässige Streumahd würden Büsche und Bäume die offenen Flächen zunehmend überwachsen und lichtbedürftige Pflanzenarten verdrängen. Stark verbuschte Bereiche werden deshalb ausgelichtet, während Bäche, Gräben und Hochstammobstgärten nach naturschutzfachlichen Grundsätzen gepflegt werden.
Flora und Fauna
Im Türlerseegebiet kommen mehr als 20 Orchideenarten sowie mehrere Enzianarten vor. Zu den charakteristischen Pflanzen der Feucht- und Riedwiesen gehören das Gefleckte Knabenkraut, der Lungenenzian, der Schwalbenwurz-Enzian, verschiedene Wollgräser, die Sibirische Schwertlilie, Prachtnelken und Zittergras.[2]
Die abwechslungsreiche Vegetation bietet zahlreichen Insektenarten Lebensraum. Besonders bedeutend sind die Hangriede und lichten Waldbereiche für seltene Schmetterlinge wie den stark bedrohten Gelbringfalter und den Violetten Silberfalter, der auch Mädesüss-Perlmutterfalter genannt wird.
Der Türlersee ist zudem ein wichtiges Laichgewässer für Amphibien. Im Frühling wandern zahlreiche Erdkröten, Grasfrösche und Molche aus den umliegenden Wäldern und Wiesen zum See. Entlang der Reppischtalstrasse wurden Amphibienzäune und Durchlässe eingerichtet, damit die Tiere die Strasse möglichst sicher überqueren können. In den Uferbereichen lebt auch die ungiftige Ringelnatter, die gut schwimmt und gelegentlich im See beobachtet werden kann.[2]
Schilfgürtel, Verlandungszonen und ungestörte Uferabschnitte dienen Wasservögeln als Brut- und Rückzugsgebiete. Zum Schutz dieser Lebensräume müssen Boote, Stand-up-Paddelboards und Schwimmende auf dem gesamten See einen ausreichenden Abstand zu den Schilfbeständen einhalten.
Erholung und Freizeit
Der Türlersee ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänge, Wanderungen, Baden, Rudern und Naturbeobachtungen. Ein weitgehend ufernaher Rundweg führt durch Wälder, Riedlandschaften und offene Wiesen rund um den See. Einzelne Abschnitte verlaufen auf Holzstegen oder in der Nähe empfindlicher Schutzflächen.
Am südöstlichen Ufer befinden sich das Strandbad Türlersee, eine Liegewiese, ein Spielplatz, ein Campingplatz und ein gastronomischer Betrieb. Ausserdem werden zeitweise Ruder- und Pedalboote vermietet. Die Fischerei ist unter Beachtung der kantonalen Vorschriften und mit einer entsprechenden Berechtigung möglich.[6]
Ein Strandbad und ein Campingplatz wurden am Türlersee bereits 1945 privat betrieben. Seit 1986 befinden sich der Campingplatz, das Restaurant und das Strandbad im Eigentum der politischen Gemeinde Hausen am Albis.[7]
Die Erholungsnutzung ist räumlich geregelt. In besonders empfindlichen Natur- und Seeschutzzonen sind das Betreten, Baden oder Befahren untersagt. Auf dem gesamten See ist zu Schilfbeständen ein Abstand von mindestens 25 Metern einzuhalten. Feuerstellen und Picknickplätze dürfen nur dort genutzt werden, wo dies ausdrücklich gestattet ist.[2]
Sagen
Um die Entstehung des Türlersees ranken sich verschiedene Sagen. Einer Überlieferung zufolge befand sich an der Stelle des heutigen Sees einst ein wohlhabender Bauernhof. Die Tochter des Bauern wurde von einem Schlossherrn der nahe gelegenen Schnabelburg verfolgt. Nachdem ihr Vater sie unter einem Vorwand zum Schloss gebracht hatte, verfluchte sie ihn wegen seines Verrats. Daraufhin soll ein Blitz den elterlichen Hof getroffen haben. Das Gebäude und die Felder versanken, und am nächsten Morgen habe sich an ihrer Stelle der Türlersee ausgebreitet.[8]
Weitere Erzählungen beziehen sich auf den Hexengraben, über den der junge See nach seiner Entstehung zunächst entwässert worden sein soll.
Siehe auch
- Reppisch
- Albis
- Knonaueramt
- Liste der Seen in der Schweiz
- Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
Weblinks
- Naturschutzgebiet Türlersee – Informationsbroschüre des Kantons Zürich
- Beurteilung des Seezustands durch das AWEL
- Informationen der Gemeinde Hausen am Albis
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 «Türlersee: Beurteilung des Seezustands», Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich, Stand 12. Januar 2026, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 «Naturschutzgebiet Türlersee», Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich, Juli 2021, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ «Molasse Albiskette, Reppischtal (ZH)», Schweizer Geotopinventar, Objekt Nr. 165, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ «Neue Schutzverordnung für das Türlerseegebiet», Kanton Zürich, 8. März 2002, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ Verordnung über das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler, Objekt Nr. 1306 «Albiskette–Reppischtal», Fedlex, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ «Türlersee», Zürich Tourismus, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ «Campingrestaurant Türlersee vor dem Umbau 2021», Historisches Archiv Hausen am Albis, abgerufen am 24. Juli 2026.
- ↑ «Türlersee», Gemeinde Hausen am Albis, nach Karl Werner Glättli: Zürcher Sagen, Zürich 1959, abgerufen am 24. Juli 2026.