Saane

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Saane
Französischer Name Sarine
Gewässertyp Alpen- und Mittellandfluss
Flusssystem Rhein
Abflussweg Saane → AareRheinNordsee
Länge rund 126 km
Einzugsgebiet rund 1900 km²
Quellgebiet beim Sanetschpass im Kanton Wallis
Quellhöhe rund 2300 m ü. M.
Mündung bei Wileroltigen in die Aare
Mündungshöhe rund 463 m ü. M.
Kantone Wallis, Bern, Waadt und Freiburg
Bedeutende Orte Gsteig bei Gstaad, Gstaad, Saanen, Château-d’Oex, Gruyères, Freiburg, Laupen und Gümmenen
Bedeutende Zuflüsse Hongrin, Jogne, Glâne, Ärgera und Sense
Stauseen Sanetschsee, Lac de Lessoc, Greyerzersee, Lac de Pérolles und Schiffenensee

Die Saane, französisch Sarine, ist ein rund 126 Kilometer langer Fluss in der westlichen Schweiz. Sie entspringt nahe dem Sanetschpass im Kanton Wallis, durchfliesst Teile der Kantone Bern, Waadt und Freiburg und mündet bei Wileroltigen als linker Nebenfluss in die Aare. Ihr Wasser gelangt über Aare und Rhein in die Nordsee.

Die Saane verbindet sehr unterschiedliche Landschaftsräume. Ihr Oberlauf liegt im alpinen Gebiet des Sanetschpasses und im Saanenland. Anschliessend durchquert sie das waadtländische Pays-d’Enhaut, die voralpine Landschaft des Greyerzbezirks, die Stadt Freiburg und das westliche Schweizer Mittelland. Mehrere Staudämme unterbrechen den natürlichen Flusslauf und dienen vor allem der Stromproduktion.

Der Fluss ist eng mit der Geschichte, Wirtschaft und sprachlichen Gliederung der Westschweiz verbunden. Er gab der Gemeinde Saanen, dem Saanenland und dem Freiburger Saanebezirk ihre Namen. Die Saane wird zudem häufig als Sinnbild der schweizerischen Sprachgrenze bezeichnet. Die tatsächliche Grenze zwischen dem deutschen und dem französischen Sprachgebiet folgt ihrem Lauf jedoch nur abschnittsweise.

Name

Die ältesten bekannten Namensformen sind Sanona aus dem Jahr 1039, Seroye von 1259, Serona von 1271, Sane von 1360 und Sarina von 1425.[1]

Die Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Er dürfte auf eine ältere, möglicherweise keltische oder gallorömische Gewässerbezeichnung zurückgehen. Der französische Name Sarine und der deutsche Name Saane entwickelten sich aus mittelalterlichen Namensformen.

Im französischsprachigen Oberlauf wird der Fluss ausschliesslich als Sarine bezeichnet. Im deutschsprachigen Saanenland und am Unterlauf ist die Form Saane gebräuchlich. Amtliche Karten und hydrologische Messstationen verwenden abhängig von der jeweiligen Sprachregion beide Namen.

Die französische Bezeichnung lebt ausserdem im Namen des Saanebezirks fort, der auf Französisch District de la Sarine heisst.

Geografie

Quelle

Die Saane entspringt im Hochgebirge nördlich des Rhonetals. Ihr Quellgebiet liegt an der Südseite des Sanetschhorns und westlich des Sanetschpasses auf einer Höhe von ungefähr 2300 Metern über Meer.

Mehrere kleine Quellbäche sammeln Schmelz- und Niederschlagswasser aus Geröllhalden, alpinen Rasen, Schneefeldern und Karstgebieten. Das Quellgebiet gehört politisch zum Kanton Wallis, liegt hydrologisch jedoch nördlich der europäischen Hauptwasserscheide.

Nur wenige Kilometer südlich der Saanequelle fliessen Gewässer zur Rhone und damit zum Mittelmeer. Die Saane entwässert dagegen über Aare und Rhein zur Nordsee.

Der junge Fluss wird bereits im Hochgebirge im Sanetschsee aufgestaut. Von dort fliesst er nach Norden durch eine steile Gebirgslandschaft in Richtung Gsteig. Der Wanderweg zum Sanetschpass folgt über längere Strecken dem oberen Flusslauf.[2]

Saanenland

Unterhalb des Sanetschgebiets tritt die Saane in den Kanton Bern ein und erreicht bei Gsteig das Saanenland. Das Tal wird breiter, bleibt jedoch von hohen Bergen und steilen Seitenhängen umgeben.

Der Fluss durchquert oder berührt die Orte:

  • Gsteig;
  • Feutersoey;
  • Gstaad;
  • Saanen.

Zwischen Gsteig und Saanen nimmt die Saane zahlreiche Gebirgsbäche auf. Diese können nach starken Niederschlägen oder während der Schneeschmelze rasch anschwellen und grosse Mengen an Kies und Geröll mitführen.

Im Talboden wurde der Fluss über längere Abschnitte begradigt und durch Dämme gesichert. Dadurch konnten Siedlungen, Verkehrswege und landwirtschaftliche Flächen besser vor Überschwemmungen geschützt werden.

Bei Gstaad und Saanen liegt die Saane in einem touristisch und landwirtschaftlich intensiv genutzten Talraum. Die Grünlandwirtschaft und Milchwirtschaft besitzen dort eine lange Tradition.

Pays-d’Enhaut

Unterhalb von Saanen überschreitet die Saane die Grenze zum Kanton Waadt. Sie fliesst durch das französischsprachige Pays-d’Enhaut mit den Hauptorten Rougemont, Château-d’Oex und Rossinière.

Dieser Abschnitt ist von einer breiten voralpinen Tallandschaft geprägt. Traditionelle Landwirtschaft, Alpwirtschaft, Käseproduktion und Holzbauten bestimmen das Landschaftsbild.

Bei Château-d’Oex mündet die Torneresse in die Saane. Unterhalb von Rossinière wird der Fluss im Lac du Vernex beziehungsweise Lac de Rossinière aufgestaut.

Die Saane verlässt das waadtländische Gebiet durch die enge Schlucht von La Tine. Strasse und Eisenbahn mussten dort auf engem Raum zwischen Felswänden und Fluss angelegt werden.

Eintritt in den Kanton Freiburg

Bei Montbovon erreicht die Saane den Kanton Freiburg. Dort nimmt sie den Hongrin auf, dessen natürlicher Wasserhaushalt durch den Stausee Lac de l’Hongrin und umfangreiche Wasserkraftanlagen beeinflusst wird.

Anschliessend fliesst die Saane durch das obere Intyamontal. Zu den Ortschaften im Tal gehören Lessoc, Albeuve, Neirivue, Villars-sous-Mont und Enney.

Bei Lessoc wird der Fluss zu einem kleinen See aufgestaut. Die umliegende Landschaft wird von steilen Waldhängen, Alpweiden und den Bergen der Freiburger Voralpen geprägt.

Das obere Saanetal gehört zu den traditionellen Produktionsgebieten des Greyerzer Käses. Viehzucht und Milchwirtschaft waren über Jahrhunderte die wichtigsten wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Greyerzerland

Unterhalb von Enney öffnet sich das Tal zum Greyerzerland. Die Saane fliesst westlich des mittelalterlichen Städtchens Gruyères vorbei.

Bei Broc mündet die Jogne, deutsch Jaunbach, von rechts in die Saane. Die Jogne entwässert das Jauntal und fliesst vor ihrer Mündung durch den Lac de Montsalvens.

In diesem Gebiet entstanden bereits im Mittelalter Burgen, Klöster und befestigte Siedlungen. Sie kontrollierten Furten, Brücken, Verkehrswege und landwirtschaftlich nutzbare Talflächen.

Zu den historischen Anlagen in der Nähe des Flusses gehören:

  • das Schloss Gruyères;
  • die Burgruine Montsalvens;
  • die Burgen von Corbières;
  • die Ruinen von Ogoz;
  • die Burgruine Illens;
  • das ehemalige Städtchen Arconciel.

Greyerzersee

Bei Morlon und Broc geht die Saane in den Greyerzersee über. Der französisch Lac de la Gruyère genannte Stausee entstand durch den Bau der Rossens-Staumauer.

Der See erstreckt sich über eine Länge von ungefähr 13 Kilometern und gehört zu den grössten künstlichen Seen der Schweiz. Bei tiefem Wasserstand treten Teile der früheren Flusslandschaft und Überreste überfluteter Siedlungen hervor.

Besonders bekannt ist die Île d’Ogoz. Auf der zeitweise über einen Damm erreichbaren Insel befinden sich zwei mittelalterliche Burgtürme und eine Kapelle. Vor dem Aufstau lagen diese Bauwerke auf einem Felssporn über der Saane.

Die Rossens-Staumauer wurde in den 1940er-Jahren errichtet. Der Greyerzersee dient der Stromerzeugung, der Regulierung des Wasserabflusses und teilweise der Naherholung.

Kleine Saane

Der Abschnitt zwischen der Rossens-Staumauer und der Stadt Freiburg wird auf Französisch als Petite Sarine, auf Deutsch als Kleine Saane, bezeichnet.

Da ein grosser Teil des Wassers zur Stromproduktion abgeleitet wird, führte dieser Abschnitt während langer Zeit nur eine verhältnismässig geringe Restwassermenge. Dies veränderte die natürliche Flussdynamik, den Geschiebetransport und die Lebensräume von Fischen und wirbellosen Wassertieren.

Die Kleine Saane fliesst in einem stark eingeschnittenen Tal mit Felswänden, Waldhängen, Kiesbänken und Mäandern. In dieser Landschaft liegen das Kloster Hauterive sowie die Ruinen von Illens und Arconciel.

Seit dem frühen 21. Jahrhundert werden künstliche Hochwasser ausgelöst, um das Flussbett ökologisch aufzuwerten. Die zusätzlichen Wassermengen lösen abgelagerte Sedimente, reinigen Kiesflächen und schaffen neue Lebensräume.[3]

Stadt Freiburg

Südlich von Freiburg nimmt die Saane die Glâne und die Ärgera auf. Die Glâne mündet von Westen, die Ärgera aus dem voralpinen Gebiet südöstlich der Stadt.

Freiburg wurde im 12. Jahrhundert auf einem Felssporn in einer engen Flussschleife gegründet. Die Saane bot natürlichen Schutz und bestimmte die Entwicklung der mittelalterlichen Stadt.

Die Altstadt liegt teilweise mehr als 40 Meter unter den neueren Stadtquartieren. Historische Brücken verbinden die verschiedenen Teile der tief eingeschnittenen Flusslandschaft.

Innerhalb der Stadt wird die Saane erneut aufgestaut. Die Maigrauge-Staumauer bildet den Lac de Pérolles. Sie gehört zu den ältesten Betonstaumauern Europas und steht in engem Zusammenhang mit der frühen industriellen Nutzung der Wasserkraft in Freiburg.

Unterhalb der Staumauer fliesst die Saane durch die Freiburger Unterstadt. Dort befinden sich zahlreiche historische Gebäude, ehemalige Mühlen, Gewerbebetriebe und Brücken.

Der Fluss beeinflusste die Entwicklung Freiburgs über Jahrhunderte. Er lieferte Wasser und Energie, ermöglichte Transporte und diente gleichzeitig als Abwasserkanal. Heute besitzt er vor allem landschaftliche, ökologische und kulturelle Bedeutung.[4]

Schiffenensee

Nördlich von Freiburg wird die Saane zum Schiffenensee aufgestaut. Der See entstand Anfang der 1960er-Jahre durch den Bau der Schiffenen-Staumauer.

Der langgestreckte Stausee reicht von der Umgebung Freiburgs bis nach Kleinbösingen. Er liegt in einem tief eingeschnittenen Tal mit bewaldeten Hängen und steilen Sandsteinfelsen.

Die Eisenbahnlinie Freiburg–Bern überquert den See auf dem Grandfey-Viadukt. Das im 19. Jahrhundert errichtete und später umgebaute Bauwerk gehört zu den bekanntesten Eisenbahnbrücken der Westschweiz.

Der Schiffenensee dient hauptsächlich der Stromproduktion. Daneben wird er zum Baden, Angeln, Rudern und für weitere Freizeitaktivitäten genutzt.

Unterlauf

Unterhalb der Schiffenen-Staumauer fliesst die Saane wieder in einem natürlichen, teilweise stark mäandrierenden Tal.

Über mehrere Kilometer bildet der Fluss die Grenze zwischen dem deutschsprachigen Sensebezirk und dem überwiegend französischsprachigen Seebezirk. Dadurch besitzt dieser Abschnitt auch eine sprachgeografische Bedeutung.

Bei Laupen mündet die Sense von rechts in die Saane. Die Sense ist neben der Glâne einer der wichtigsten natürlichen Zuflüsse des Flusses.

Laupen entstand an einem strategisch bedeutenden Übergang über die Saane. Das oberhalb des Flusses gelegene Schloss Laupen kontrollierte im Mittelalter Verkehrswege und Herrschaftsgrenzen.

Unterhalb von Laupen durchquert die Saane das Gebiet von Gümmenen. Dort wird sie von Strassen- und Eisenbahnbrücken überspannt.

Mündung

Die Saane mündet bei Wileroltigen im Kanton Bern in die Aare. Das Mündungsgebiet liegt nur wenige Kilometer unterhalb von Gümmenen.

Der Zusammenfluss befindet sich in einer landwirtschaftlich genutzten Auenlandschaft. Die Saane ist dort ein wasserreicher Mittellandfluss und vergrössert die Wasserführung der Aare deutlich.

Von der Mündung fliesst das Wasser über den Wohlensee, Bern, den Bielersee und das untere Aaretal zum Rhein.

Verlauf nach Kantonen

Verlauf der Saane
Kanton Bedeutende Gebiete und Orte Charakter des Flusses
Wallis Sanetschhorn, Sanetschpass und Sanetschsee Alpiner Quellfluss in hochgelegener Gebirgslandschaft
Bern Gsteig, Gstaad und Saanen Gebirgsfluss im Saanenland
Waadt Rougemont, Château-d’Oex und Rossinière Voralpiner Talfluss im Pays-d’Enhaut
Freiburg Montbovon, Intyamon, Greyerzerland, Greyerzersee, Freiburg und Schiffenensee Durch Stauseen und Wasserkraft stark beeinflusster Hauptabschnitt
Bern Laupen, Gümmenen und Wileroltigen Mäandrierender Unterlauf und Mündung in die Aare

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet der Saane umfasst rund 1900 Quadratkilometer.[1] Es reicht von den vergletscherten und schneereichen Hochlagen der westlichen Berner Alpen bis zum Mittelland.

Der höchste Teil des Einzugsgebiets liegt im Massiv der Diablerets, am Sanetschpass und in den Bergen des Saanenlands. Weitere grosse Teile umfassen das Pays-d’Enhaut, die Freiburger Voralpen, das Greyerzerland und den Sensebezirk.

Das Einzugsgebiet besitzt eine ausgeprägte sprachliche und politische Vielfalt. Es umfasst deutsch-, französisch- und traditionell frankoprovenzalischsprachige Regionen sowie Gebiete von vier Kantonen.

Die wichtigsten Landschaftsräume sind:

  • hochalpine Quellgebiete;
  • voralpine Täler;
  • landwirtschaftlich genutzte Talebenen;
  • bewaldete Schluchten;
  • Stauseen;
  • städtische Gebiete;
  • Flussauen des Mittellands.

Zuflüsse

Die Saane nimmt zahlreiche Gebirgsbäche und Mittellandflüsse auf. Zu den wichtigsten Zuflüssen gehören:

Bedeutende Zuflüsse
Zufluss Mündungsgebiet Seite Herkunft
Turbachbach bei Gstaad rechts Turbachtal
Torneresse bei Château-d’Oex links Gebiet von L’Étivaz
Hongrin bei Montbovon links Waadtländer und Freiburger Voralpen
Neirivue bei Neirivue rechts Freiburger Voralpen
Jogne bei Broc rechts Jauntal und Lac de Montsalvens
Sionge Greyerzersee rechts Gebiet von Bulle und Sâles
Glâne südlich von Freiburg links Freiburger Mittelland
Ärgera bei Marly rechts Freiburger Voralpen
Sonnaz nördlich von Freiburg links Freiburger Mittelland
Sense bei Laupen rechts Gantrischgebiet und Freiburger Voralpen

Glâne und Sense gehören zu den wasserreichsten Zuflüssen. Die Sense entwässert ein ausgedehntes Gebiet zwischen dem Kanton Bern und dem Kanton Freiburg und besitzt auf langen Abschnitten ein weitgehend natürliches Flussbett.

Hydrologie

Die natürliche Wasserführung der Saane wird durch Niederschläge, Schneeschmelze und die Höhenlage des Einzugsgebiets bestimmt.

Im alpinen Oberlauf treten gewöhnlich im Frühjahr und Frühsommer hohe Abflüsse infolge der Schneeschmelze auf. Starke sommerliche Gewitter und länger anhaltende Niederschläge können ebenfalls zu raschen Hochwassern führen.

Am Unterlauf wird das Abflussverhalten durch mehrere Stauseen stark verändert. Die Seen halten Wasser zurück, dämpfen kleinere Hochwasser und geben Wasser entsprechend dem Energiebedarf der Kraftwerke wieder ab.

An der Messstation Laupen beträgt der langjährige mittlere Abfluss ungefähr 53 Kubikmeter pro Sekunde. Das dort erfasste Einzugsgebiet umfasst rund 1860 Quadratkilometer.[5]

Die Wasserführung kann innerhalb kurzer Zeit stark schwanken. Unterhalb von Wasserkraftwerken entstehen durch das Anfahren und Abstellen der Turbinen künstliche Abflussschwankungen, die als Schwall und Sunk bezeichnet werden.

Hochwasser

Hochwasser gehören zur natürlichen Dynamik der Saane. Vor den modernen Flusskorrektionen verlagerte der Fluss in breiteren Talabschnitten regelmässig sein Bett und überschwemmte landwirtschaftliche Flächen.

Besonders gefährdet waren:

  • das Saanenland;
  • die Talebenen des Pays-d’Enhaut;
  • das Intyamontal;
  • die Umgebung von Freiburg;
  • der Unterlauf bei Laupen und Gümmenen.

Flussverbauungen, Schutzdämme und Stauseen verringerten in vielen Gebieten die Gefahr häufiger Überschwemmungen. Vollständig beseitigt werden kann das Risiko jedoch nicht.

Die Regulierung der Stauseen berücksichtigt neben der Stromproduktion auch Hochwasserschutz, Mindestabfluss und Sicherheit der Anlagen.

Stauseen und Wasserkraft

Die Saane gehört zu den am stärksten für die Wasserkraft genutzten Flüssen der Westschweiz. Mehrere Kraftwerke nutzen den grossen Höhenunterschied zwischen dem Quellgebiet und der Aaremündung.

Stauseen und Wasserkraftanlagen am Flusssystem
Anlage Gewässer Inbetriebnahme Bedeutung
Sanetschsee Saane 20. Jahrhundert Speicherung von Wasser aus dem alpinen Quellgebiet
Lac de Rossinière Saane 20. Jahrhundert Stromproduktion im Pays-d’Enhaut
Lac de Lessoc Saane 20. Jahrhundert Wasserkraftnutzung im Intyamontal
Lac de Montsalvens Jogne 1920 Frühe Bogenstaumauer und Stromversorgung des Greyerzerlands
Greyerzersee Saane 1948 Grosser Speichersee hinter der Rossens-Staumauer
Lac de Pérolles Saane 1872 beziehungsweise 1891 Frühe mechanische und elektrische Energienutzung in Freiburg
Schiffenensee Saane 1963/1964 Stromproduktion am unteren Freiburger Flussabschnitt
Lac de l’Hongrin Hongrin 1969 Speicher- und Pumpspeichernutzung im Zuflusssystem

Die ersten Anlagen versorgten Mühlen, Sägereien, Schmieden und Textilbetriebe mit mechanischer Energie. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stromproduktion zur wichtigsten industriellen Nutzung.

Zu den historischen Kraftwerken gehören Maigrauge, Montbovon, Oelberg, Rossens, Schiffenen, Sanetsch und Rossinière-Lessoc.[1]

Die Wasserkraftanlagen liefern erneuerbare Energie, verändern jedoch den natürlichen Fluss. Zu den Folgen gehören:

  • verringerte Restwassermengen;
  • unterbrochener Geschiebetransport;
  • Hindernisse für wandernde Fische;
  • künstliche Schwankungen der Wasserführung;
  • Veränderungen der Wassertemperatur;
  • Überflutung früherer Siedlungs- und Kulturlandschaften.

Landschaft und Geologie

Die Saane durchquert eine geologisch vielfältige Landschaft.

Im Quellgebiet dominieren Kalkstein, Geröll und alpine Karstformen. Im Saanenland und Pays-d’Enhaut durchschneidet der Fluss Gesteine der Voralpen und Flyschzonen.

Im Greyerzerland wechseln breite Talbecken mit engen Felsschluchten. Unterhalb von Rossens hat sich der Fluss tief in Sandstein- und Molasseschichten eingeschnitten.

Bei Freiburg entstanden besonders ausgeprägte Mäander. Die mittelalterliche Stadt wurde auf einem von der Saane umflossenen Felssporn gegründet.

Am Unterlauf durchquert der Fluss weichere Molasse- und Schotterlandschaften. Dort bildete er früher zahlreiche Kiesbänke, Nebenarme und Auenflächen.

Pflanzen- und Tierwelt

Die unterschiedlichen Höhenstufen schaffen eine grosse Vielfalt an Lebensräumen.

Im alpinen Oberlauf leben Arten, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser benötigen. Typisch sind Bachforellen und verschiedene wirbellose Wassertiere.

In den voralpinen und tieferen Abschnitten treten unter anderem Äschen, Barben, Groppen, Elritzen und weitere Fischarten auf.

Naturnahe Uferabschnitte bieten Lebensraum für:

  • Eisvögel;
  • Wasseramseln;
  • Graureiher;
  • Biber;
  • Fledermäuse;
  • Amphibien;
  • Libellen;
  • spezialisierte Kiesbankpflanzen.

Auenwälder bestehen vor allem aus Weiden, Erlen, Eschen und Pappeln. Regelmässige Überschwemmungen und Umlagerungen von Kies sind für ihre natürliche Erneuerung wichtig.

Staumauern und Kraftwerke unterbrechen die Wanderwege der Fische. Fischaufstiegsanlagen, Umgehungsgewässer und technische Verbesserungen sollen die ökologische Vernetzung wiederherstellen.

Wasserqualität

Die Wasserqualität ist im alpinen und voralpinen Oberlauf überwiegend gut. Belastungen entstehen örtlich durch Siedlungsabwässer, Landwirtschaft, Strassenverkehr und Wasserkraftnutzung.

Untersuchungen des Kantons Freiburg bewerteten die obere Saane und ihre Zuflüsse insgesamt als ökologisch wertvoll, stellten jedoch an einzelnen Stellen Überschreitungen gesetzlicher Anforderungen fest.[6]

Eine langfristige Belastung entstand durch die ehemalige Deponie La Pila bei Hauterive. Von dort gelangten polychlorierte Biphenyle in die Saane und ihre Sedimente. Die Stoffe reichern sich in der Nahrungskette an und können Fische und andere Wassertiere belasten.

Die Sanierung der Deponie und die Behandlung belasteter Sedimente gehören zu den bedeutenden Umweltschutzprojekten des Kantons Freiburg.

Im unteren Freiburger Einzugsgebiet wurde zwischen 2013 und 2019 eine leichte Verbesserung der biologischen Wasserqualität festgestellt.[7]

Revitalisierung

Moderne Gewässerpolitik versucht, Hochwasserschutz, Energieproduktion und Naturschutz miteinander zu verbinden.

Revitalisierungsprojekte verfolgen unter anderem folgende Ziele:

  • Aufweitung eingeengter Flussabschnitte;
  • Wiederherstellung von Kiesbänken;
  • Verbesserung des Geschiebetransports;
  • Schaffung von Seitenarmen;
  • Vernetzung von Lebensräumen;
  • Wiederherstellung der Fischwanderung;
  • Verminderung künstlicher Abflussschwankungen.

Unterhalb der Rossens-Staumauer wurden mehrmals künstliche Hochwasser ausgelöst. Dabei wird während kurzer Zeit eine deutlich grössere Wassermenge abgegeben. Sie soll Kies umlagern, Algenbewuchs entfernen und verstopfte Zwischenräume im Flussbett öffnen.

Im Oktober 2023 wurde eine künstliche Hochwasserwelle von Rossens bis unterhalb des Schiffenensees erprobt. Weitere Abgaben folgten im Rahmen des langfristigen Geschiebe- und Restwassermanagements.[8]

Besiedlungsgeschichte

Das Saanetal war seit vorgeschichtlicher Zeit ein Verkehrs- und Siedlungsraum. Archäologische Funde belegen menschliche Tätigkeit in verschiedenen Abschnitten des Einzugsgebiets.

In römischer Zeit bestanden Gutshöfe, Strassenverbindungen und kleinere Siedlungen. Im Mittelalter entstanden entlang der Saane zahlreiche geistliche und weltliche Zentren.

Zu den Klöstern und Prioraten gehörten:

  • das Priorat Rougemont;
  • das Priorat Broc;
  • die Abtei Hauterive;
  • das Kloster Maigrauge.

Burgen sicherten Furten, Brücken, Verkehrswege und Herrschaftsgebiete. Bedeutende Anlagen befanden sich unter anderem in Gruyères, Montsalvens, Ogoz, Corbières, Illens, Arconciel, Laupen und Oltigen.[1]

Die Städte Freiburg, Gruyères und Laupen entwickelten sich seit dem 12. Jahrhundert zu regionalen Zentren. Kleinere mittelalterliche Städtchen wie Corbières und Arconciel verloren dagegen später ihre Bedeutung oder wurden aufgegeben.

Politische Geschichte

Das Saanetal lag über Jahrhunderte im Spannungsfeld verschiedener Herrschaften.

Der obere Flussabschnitt gehörte grösstenteils zur Grafschaft Greyerz. Diese stand seit dem 13. Jahrhundert unter dem Einfluss des Hauses Savoyen.

Am Unterlauf konkurrierten die Städte Bern und Freiburg um Verkehrswege, Burgen und Herrschaftsrechte. Die Saane und die Sense bildeten eine strategische Linie zwischen savoyischen, freiburgischen und bernischen Gebieten.

Freiburg brachte seine unmittelbare Umgebung und später einen grossen Teil des Greyerzerlands unter seine Herrschaft. Nach dem Konkurs der Grafen von Greyerz im Jahr 1555 wurde die Grafschaft zwischen Bern und Freiburg aufgeteilt.

Bern erhielt das Saanenland und das Pays-d’Enhaut, während Freiburg den zentralen und unteren Teil des Greyerzerlands übernahm. Diese Aufteilung prägte die heutigen Kantons- und Sprachgrenzen.

Sprachgrenze

Die Saane wird häufig mit dem Röstigraben, der bildhaften Grenze zwischen deutscher und französischer Schweiz, gleichgesetzt.

Diese Vorstellung ist jedoch geografisch ungenau. Der Fluss fliesst sowohl durch deutschsprachige als auch durch französischsprachige Gebiete und überschreitet die Sprachgrenze mehrfach.

Das Saanenland ist deutschsprachig, obwohl es oberhalb des französischsprachigen Pays-d’Enhaut liegt. Der grösste Teil des Freiburger Flussabschnitts liegt im französischen Sprachgebiet.

Nördlich von Freiburg bildet die Saane abschnittsweise die Grenze zwischen dem deutschsprachigen Sensebezirk und dem überwiegend französischsprachigen Seebezirk. Bei Laupen erreicht sie erneut ein deutschsprachiges Gebiet.

Die Landschaft entlang der Saane gehört historisch überwiegend zum frankoprovenzalischen Kulturraum. Die Germanisierung des Saanenlands, des Sensetals und der Region Laupen führte im Mittelalter zur heutigen sprachlichen Gliederung.[1]

Verkehr und Flussschifffahrt

Die Saane diente bereits im Mittelalter als Transportweg. Ab dem 14. Jahrhundert ist die Schifffahrt von Freiburg flussabwärts belegt.

Unter anderem wurden Tücher und Leder aus Freiburg in Richtung Aare und zu den Messen von Zurzach transportiert. Der Freiburger Rat regelte die Schifffahrt und die Nutzung der Anlegestellen.

Die zahlreichen Stromschnellen, Schluchten und wechselnden Wasserstände erschwerten jedoch einen regelmässigen Verkehr. Die Schifffahrt blieb deshalb auf geeignete Abschnitte und bestimmte Wasserstände beschränkt.

Von grosser Bedeutung war die Flösserei. Holz aus den voralpinen Wäldern wurde über die Saane in das Mittelland transportiert. Diese Nutzung bestand bis gegen 1900.[1]

Mit dem Bau von Eisenbahnen und modernen Strassen verlor der Fluss seine Bedeutung als Verkehrsweg.

Brücken

Aufgrund der tief eingeschnittenen Täler und zahlreichen Mäander entstanden entlang der Saane besonders vielfältige Brückenbauwerke.

Zu den bekannten Brücken gehören:

  • der Pont de la Tine zwischen Pays-d’Enhaut und Montbovon;
  • die Brücken der Freiburger Unterstadt;
  • der Pont du Milieu;
  • die Bernerbrücke in Freiburg;
  • die Zähringerbrücke;
  • die Poyabrücke;
  • der Grandfey-Viadukt;
  • die Strassen- und Eisenbahnbrücken von Gümmenen;
  • die Brücken bei Laupen.

Die gedeckten Holzbrücken der Freiburger Unterstadt gehören zu den wichtigsten historischen Verkehrsdenkmälern am Fluss.

Der Grandfey-Viadukt wurde ursprünglich zwischen 1858 und 1862 als eiserne Eisenbahnbrücke errichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er durch eine massive Bogenkonstruktion ersetzt. Seit der Aufstauung des Schiffenensees überspannt er nicht mehr nur das Flusstal, sondern den Stausee.

Wirtschaftliche Nutzung

Die Saane beeinflusste die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Täler wesentlich.

Im Oberlauf waren Viehzucht, Alpwirtschaft und Milchwirtschaft besonders bedeutend. Käse und Vieh wurden über regionale und internationale Handelswege verkauft.

In den tiefer gelegenen Gebieten spielten Getreideanbau, Obstbau und gemischte Landwirtschaft eine grössere Rolle.

Das Wasser der Saane trieb:

  • Getreidemühlen;
  • Sägewerke;
  • Walkmühlen;
  • Schmiedehämmer;
  • Gerbereien;
  • mechanische Werkstätten.

Mit der Elektrifizierung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stromproduktion zur wichtigsten direkten wirtschaftlichen Nutzung.

Heute dient der Fluss ausserdem der Trink- und Brauchwasserversorgung, der Fischerei, der Erholung und dem Tourismus.

Fischerei

Die Saane ist ein traditionelles Fischereigewässer. Die vorkommenden Arten unterscheiden sich nach Höhenlage, Wassertemperatur und Strömung.

Im Oberlauf dominiert die Bachforelle. In tieferen Abschnitten leben unter anderem Äschen, Barben, Alet, Nasen und verschiedene Kleinfischarten.

Stauseen besitzen eigene Fischgemeinschaften. Dort kommen zusätzlich Hechte, Egli und weitere Seearten vor.

Die Fischerei unterliegt den Vorschriften der jeweiligen Kantone. Im Kanton Freiburg ist für die meisten Abschnitte ein kantonales Fischereipatent erforderlich.

Wasserkraftanlagen, Restwasserstrecken, künstliche Abflussschwankungen und belastete Sedimente beeinträchtigen einzelne Fischbestände.

Freizeit und Tourismus

Die Saane und ihre Stauseen werden intensiv für Freizeit und Tourismus genutzt.

Zu den verbreiteten Aktivitäten gehören:

  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Kanufahren;
  • Rafting;
  • Angeln;
  • Baden;
  • Rudern;
  • Naturbeobachtung.

Im Saanenland und Pays-d’Enhaut führen Wanderwege durch die Flusslandschaft. Besonders bekannt sind die Schlucht von La Tine, die Uferwege am Greyerzersee und die Wanderwege der Kleinen Saane.

In Freiburg erschliessen Wege und Treppen die Altstadt, die Flussufer und die umliegenden Felslandschaften.

Das Baden kann unterhalb von Kraftwerken gefährlich sein. Durch den Betrieb der Turbinen kann der Wasserstand auch bei gutem Wetter plötzlich steigen. Warnschilder und Informationskampagnen weisen auf dieses Risiko hin.[9]

Bedeutung für den Kanton Freiburg

Die Saane ist der wichtigste Fluss des Kantons Freiburg. Sie durchquert den Kanton von Süden nach Norden und verbindet das Greyerzerland mit der Hauptstadt und dem unteren Kantonsgebiet.

Der Fluss gab dem Saanebezirk seinen Namen. Er prägt ausserdem die Landschaft, Energieversorgung, Siedlungsgeschichte und kulturelle Identität des Kantons.

Freiburg entstand an einem besonders markanten Mäander der Saane. Viele der bekanntesten Ansichten der Stadt zeigen den Fluss, die Altstadt, die Brücken und die steilen Molassefelsen.

Auch die politische und sprachliche Zweiteilung des Kantons wird häufig mit dem Fluss verbunden.

Zeittafel

Wichtige Ereignisse
Zeitraum oder Jahr Ereignis
1039 Erste bekannte schriftliche Erwähnung als Sanona.
ab dem 11. Jahrhundert Gründung von Klöstern, Burgen und Siedlungen entlang des Flusses.
12. Jahrhundert Entstehung der Städte Freiburg, Gruyères und Laupen.
ab dem 14. Jahrhundert Belegte Schifffahrt und geregelter Warenverkehr von Freiburg flussabwärts.
1555 Aufteilung der Grafschaft Greyerz zwischen Bern und Freiburg.
1872 Beginn der mechanischen Energienutzung an der Maigrauge-Staumauer.
1891 Elektrische Stromproduktion am Lac de Pérolles.
1896 Inbetriebnahme des Kraftwerks Montbovon.
1910 Inbetriebnahme des Kraftwerks Oelberg.
1920 Fertigstellung der Montsalvens-Staumauer an der Jogne.
1948 Inbetriebnahme der Rossens-Staumauer und Entstehung des Greyerzersees.
1963/1964 Inbetriebnahme der Schiffenen-Staumauer und Entstehung des Schiffenensees.
1968 Inbetriebnahme der Wasserkraftanlage Sanetsch.
1973 Inbetriebnahme der Anlage Rossinière-Lessoc.
nach 2000 Feststellung einer starken PCB-Belastung durch die ehemalige Deponie La Pila.
2020 Künstliches Hochwasser zur ökologischen Aufwertung der Kleinen Saane.
2023 Durchführung einer grossen künstlichen Hochwasserwelle zwischen Rossens und dem unteren Freiburger Flussgebiet.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Sarine (rivière), in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Sanetsch-Muveran-Weg, Etappe Gsteig–Sanetsch, SchweizMobil, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. Le lâcher d’eau a permis de nettoyer la Petite Sarine, Staat Freiburg, 4. Dezember 2020, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. La Sarine à Fribourg – 400 ans d’histoire, Staat Freiburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Saane – Laupen, Bundesamt für Umwelt, abgerufen am 23. Juli 2026.
  6. Qualité des eaux de la Haute Sarine, de la Sionge, de la Jogne et de la Serbache, Staat Freiburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Qualité des eaux de la Basse Sarine, de la Sonnaz et de la Gérine, Staat Freiburg, abgerufen am 23. Juli 2026.
  8. Une crue artificielle pour redynamiser la Sarine, Groupe E, abgerufen am 23. Juli 2026.
  9. Profitons des cours d’eau en toute sécurité, Groupe E, abgerufen am 23. Juli 2026.