Wila
| Wila | |
|---|---|
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Pfäffikon |
| Region | Tösstal, Zürcher Oberland |
| Amtssprache | Deutsch |
| Gemeindepräsident | Michael Hutzli |
| Fläche | 9,21 km² |
| Höhenlage | 551 bis 831 m ü. M. |
| Höhe des Dorfzentrums | rund 566 m ü. M. |
| Einwohner | 2'201 |
| Stand | 31. Dezember 2025 |
| Ausländeranteil | 15,7 % |
| Postleitzahl | 8492 |
| BFS-Nummer | 0181 |
| Gewässer | Töss, Steinenbach, Huebbach, Rodbach und weitere Seitenbäche |
| Ortsteile und Weiler | Wila, Au, Aegetswil, Manzenhub, Ottenhub, Schuppis und weitere Höfe |
| Website | wila.ch |
Wila ist eine politische Gemeinde im Bezirk Pfäffikon des Kantons Zürich. Sie liegt im mittleren Tösstal zwischen Turbenthal und Bauma und gehört zum Zürcher Oberland. Der Siedlungsschwerpunkt befindet sich im Talboden beidseits der Töss, während zahlreiche Weiler und Einzelhöfe auf den Hängen sowie im Steinenbachtal liegen.
Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 9,21 Quadratkilometern. Mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets ist bewaldet, während rund 38 Prozent landwirtschaftlich genutzt werden. Die Höhenlage reicht von 551 bis 831 Metern über Meer.[1]
Am 31. Dezember 2025 lebten 2'201 Einwohnerinnen und Einwohner in Wila. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Bevölkerung um mehr als vier Prozent zu. Der Ausländeranteil betrug 15,7 Prozent.[2]
Wila war während Jahrhunderten eine von Landwirtschaft, textilem Heimgewerbe und kleineren Handwerksbetrieben geprägte Gemeinde. Im 19. Jahrhundert kamen Webereien und andere Fabriken hinzu. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich Wila zunehmend zu einer Wohn- und Pendlergemeinde. Die historische Dorfstruktur mit Kirche, Fachwerkhäusern, Flarzbauten und ehemaligen Gewerbeanlagen ist dennoch an verschiedenen Stellen erhalten geblieben.
Besondere Bedeutung besitzen die Burgstelle Hohenlandenberg, die reformierte Kirche, das Ortsmuseum, die historische Wasserkraftanlage Rosenberg sowie die Natur- und Erholungsräume entlang der Töss. Der Bahnhof Wila verbindet die Gemeinde mit Winterthur, Bauma, Rüti und Zürich.
Name
Der Ort wurde 1275 in einem Steuerverzeichnis des Bistums Konstanz als Wiler erstmals schriftlich erwähnt.[3]
Der Name gehört zur weit verbreiteten Gruppe der Ortsnamen, die auf das althochdeutsche beziehungsweise mittelhochdeutsche Wort wīlāri zurückgehen. Dieses bezeichnete einen Weiler, Hof oder eine kleinere Siedlung und stammt seinerseits vom lateinischen Wort villare ab.
Im örtlichen Zürichdeutsch wird Wila ungefähr als Wiile ausgesprochen.
Der Name ist nicht mit Wil im Kanton St. Gallen, Wil im Zürcher Unterland oder anderen gleichnamigen beziehungsweise ähnlich bezeichneten Orten zu verwechseln.
Wappen
Das Gemeindewappen zeigt in rotem Feld drei silberne Ringe in der Anordnung zwei über einem.
Es entspricht dem historischen Wappen der Herren von Breitenlandenberg. Dieses Adelsgeschlecht besass in Wila das Recht, den Pfarrer einzusetzen, und war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an der niederen Gerichtsbarkeit beteiligt.
Die Gemeinde übernahm das Landenberger Wappen im 20. Jahrhundert als offizielles Gemeindewappen.[2]
Geografie
Lage
Wila liegt zwischen Winterthur und dem oberen Zürcher Oberland am oberen Ende des mittleren Tösstals. Das Hauptdorf erstreckt sich im Talgrund entlang der Töss, der Tösstalstrasse und der Eisenbahnlinie.
Das Gemeindegebiet reicht von der Töss über bewaldete Hänge und kleinere Seitentäler bis zu den Ausläufern der Hörnlikette. Im Osten stösst Wila an die Grenze zum Kanton Thurgau.
Nachbargemeinden sind:
- Turbenthal im Norden;
- Wildberg im Westen;
- Bauma im Süden;
- Fischingen im Osten.
Der historische Siedlungskern liegt auf einer leicht erhöhten Terrasse nahe der Töss. Die Kirche steht auf einem markanten Hügel und ist aus weiten Teilen des Talbodens sichtbar.
Fläche und Nutzung
Das Gemeindegebiet umfasst 921 Hektaren.
| Flächennutzung | Anteil |
|---|---|
| Wald | 51,0 % |
| Landwirtschaft | 38,3 % |
| Siedlungsfläche | 6,4 % |
| Verkehrsfläche | 2,9 % |
| Gewässer | 0,9 % |
Der hohe Waldanteil ist für die hügelige Landschaft des Tössberglands charakteristisch. Die landwirtschaftlichen Flächen liegen vorwiegend auf Terrassen, weniger steilen Hängen und gerodeten Hochflächen.
Die Siedlungsflächen konzentrieren sich auf den Talboden, das Dorfzentrum und kleinere Wohngebiete in den Seitentälern.
Ortsteile und Weiler
Neben dem Dorf Wila gehören mehrere Weiler, Häusergruppen und Einzelhöfe zur Gemeinde.
Zu den wichtigsten gehören:
- Au südlich des Dorfes an der Tösstalstrasse;
- Aegetswil auf einer Terrasse östlich des Talbodens;
- Manzenhub;
- Ottenhub;
- Schuppis;
- weitere Höfe im Steinenbachtal und an den Ausläufern der Hörnlikette.
Manzenhub, Ottenhub und Schuppis werden zusammen mit weiteren kleineren Siedlungen traditionell als die Huben bezeichnet.
Die Bevölkerung lebte früher mehrheitlich in den Weilern und auf Einzelhöfen an den Hängen. Heute wohnt der überwiegende Teil im Talboden und im zusammenhängenden Siedlungsgebiet des Hauptorts.[4]
Töss
Die Töss durchquert das Gemeindegebiet von Südosten nach Nordwesten. Sie ist das wichtigste Landschaftselement und prägte die Siedlungs-, Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte Wilas.
Der Fluss besitzt eine stark wechselnde Wasserführung. Nach längeren Trockenperioden versickert ein grosser Teil des Wassers im mächtigen Schotterkörper des Tals. Das Flussbett kann deshalb im Sommer stellenweise fast oder vollständig trockenfallen.
Nach starken Niederschlägen im Tössbergland steigt der Abfluss dagegen rasch an. Die Töss kann dann grosse Mengen Wasser, Kies und Schwemmholz transportieren.
Die Flusslandschaft wird heute für:
- Hochwasserschutz;
- Grundwasserneubildung;
- Naturschutz;
- Fischerei;
- Wandern;
- Velofahren;
- Reiten;
- Baden und Spielen
genutzt.
Seitenbäche
Mehrere Bäche entwässern die Hänge und Seitentäler der Gemeinde.
Zu den bedeutendsten gehören der Steinenbach und der Huebbach. Weitere kleinere Gewässer sind der Rodbach, der Mülibach und der Arsbach.
Die Seitenbäche wurden früher zur Gewinnung mechanischer Energie genutzt. Da die Töss in Wila wegen ihrer wechselnden Wasserführung nur eingeschränkt für industrielle Wasserfassungen geeignet war, sammelten Betriebe Wasser in Kanälen und Stauweihern an den Talhängen.
Einige dieser Weiher und Kanäle sind erhalten geblieben und besitzen heute kulturgeschichtliche und ökologische Bedeutung.
Naturräume
Die Gemeinde verfügt über zahlreiche kleinere Naturschutzgebiete und Landschaftsobjekte.
Dazu gehören:
- die Riedlandschaft Rodweid;
- das Gebiet Schneggenwald;
- die Stauweiher beim Rosenberg;
- der Mülibachweiher;
- der Bodenweiher;
- Grundwasseraufstösse im Talboden;
- der Giessen am Arsbach;
- der Auenwald Würbel an der Töss.
Die Riedflächen und Weiher bieten Lebensräume für Amphibien, Libellen, Wasserinsekten, Vögel und spezialisierte Pflanzenarten.
Geologie
Wila liegt in einer durch Molassegesteine und eiszeitliche Ablagerungen geprägten Landschaft.
Die Hügel bestehen überwiegend aus Nagelfluh, Sandstein und Mergel. Bäche und Quellen schnitten in diese Gesteinsschichten kleine Täler, Tobel und Geländestufen ein.
Während der Eiszeiten wurde das Tösstal durch Gletscher und Schmelzwasser verändert. Nach dem Rückzug des Eises lagerte die Töss grosse Mengen Kies und Sand ab.
Der wasserdurchlässige Schotterkörper im Talgrund erklärt, weshalb die Töss während trockener Perioden teilweise versickert. Unter dem sichtbaren Flussbett fliesst ein bedeutender Grundwasserstrom weiter.
Dieser Grundwasserstrom ist für die Trinkwasserversorgung des Tösstals und der Stadt Winterthur von grosser Bedeutung.
Klima
Wila besitzt ein gemässigtes, im Vergleich zum Zürcher Unterland eher kühles und niederschlagsreiches Klima.
Die Höhenlage und die Nähe zum Tössbergland führen zu:
- häufigeren Niederschlägen;
- kühleren Nächten;
- Schnee im Winter;
- Nebel im Talboden;
- raschen Wetterwechseln;
- kräftigen Gewittern im Sommer.
Die nach Norden und Osten ansteigenden Höhenzüge können Niederschläge verstärken.
Der Klimawandel führt auch in Wila zu höheren Durchschnittstemperaturen, längeren Trockenperioden und einer zunehmenden Gefahr intensiver Starkniederschläge.
Bevölkerung
Ende 2025 zählte Wila 2'201 Einwohnerinnen und Einwohner.[2]
Die Bevölkerungsentwicklung verlief nicht gleichmässig. Zeiten starken Wachstums wechselten mit Abwanderung und stagnierenden Einwohnerzahlen.
| Jahr | Einwohner | Entwicklung |
|---|---|---|
| 1467 | rund 190 | Spätmittelalterliche Dorf- und Hofsiedlung |
| 1634 | 313 | Landwirtschaftlich geprägte Gemeinde |
| 1771 | 812 | Wachstum durch textile Heimarbeit |
| 1836 | 1'161 | Hoher Bevölkerungsstand vor der industriellen Krise |
| 1850 | 1'131 | Beginn der modernen Wirtschafts- und Verkehrsveränderungen |
| 1900 | 887 | Rückgang durch Abwanderung und wirtschaftlichen Strukturwandel |
| 1930 | 920 | Weitgehend stabile ländliche Bevölkerung |
| 1950 | 913 | Beginn des Wachstums der Nachkriegszeit |
| 1970 | 1'070 | Zunehmende Bedeutung als Wohngemeinde |
| 1980 | 1'250 | Ausbau neuer Wohngebiete |
| 1990 | 1'640 | Starkes Bevölkerungswachstum |
| 2000 | 1'818 | Weitere Siedlungsentwicklung |
| 2010 | 1'934 | Fortgesetztes Wachstum |
| 2020 | 1'996 | Einwohnerzahl nähert sich 2'000 |
| 2024 | 2'115 | Erneute Wachstumsphase |
| 2025 | 2'201 | Zunahme um rund 4,1 Prozent innerhalb eines Jahres |
Die Bevölkerungszunahme seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht vor allem mit dem Wohnungsbau, dem Eisenbahnangebot und der wachsenden Mobilität der Erwerbstätigen in Zusammenhang.
Viele Einwohnerinnen und Einwohner arbeiten in Winterthur, Zürich oder anderen Gemeinden des Zürcher Oberlands. Gleichzeitig bleibt Wila durch Vereine, politische Mitwirkung und lokale Veranstaltungen stark dörflich geprägt.
Sprache und Religion
Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird eine Form des Zürichdeutschen gesprochen, die Einflüsse aus dem Tösstal und den angrenzenden Gebieten des Kantons Thurgau aufweist.
Wila wurde während der Reformation evangelisch-reformiert. Die reformierte Kirchgemeinde prägte über Jahrhunderte Schule, Armenfürsorge, Eheordnung und lokales Zusammenleben.
Heute leben in der Gemeinde Angehörige verschiedener christlicher Konfessionen, anderer Religionen sowie konfessionslose Personen.
Geschichte
Frühmittelalter
Archäologische Untersuchungen weisen auf eine hölzerne Kirche aus der Zeit um 700 hin. Sie gehört zu den frühesten bekannten Kirchenbauten im Tösstal.
Die Christianisierung erfolgte wahrscheinlich unter dem Einfluss von Geistlichen und Mönchen aus dem Umfeld des Klosters St. Gallen.
Die frühmittelalterliche Siedlung entwickelte sich rund um den Kirchenhügel. Im Talboden und auf den umliegenden Höhen entstanden Höfe, aus denen sich später Weiler und kleinere Siedlungen bildeten.
Erste Erwähnung
Wila wurde 1275 in einem Steuerrodel des Bistums Konstanz als Wiler genannt.
Eine Wallfahrtskapelle in Wila wurde 1288 in einer in Rom ausgestellten Pergamenturkunde erwähnt.[4]
Die Kirche besass damit bereits im 13. Jahrhundert eine über das unmittelbare Dorf hinausgehende religiöse Bedeutung.
Kirchlicher Streit mit Turbenthal
Im 14. Jahrhundert stritten Wila und Turbenthal darüber, welche der beiden Kirchen als ältere Mutterkirche gelten sollte.
Eine fast 21 Meter lange Pergamentrolle enthält Zeugenaussagen aus einem kirchenrechtlichen Prozess von 1383.
Das zuständige bischöfliche Gericht entschied zugunsten der Galluskirche in Turbenthal. Wila blieb zunächst kirchlich von Turbenthal abhängig.
1466 löste sich die Kirchgemeinde Wila wieder von Turbenthal und erhielt eine selbstständige Pfarrkirche.
Bis 1706 gehörte auch ein grosser Teil des späteren Gemeindegebiets von Sternenberg zur Kirchgemeinde Wila.
Landenberger
Im Hoch- und Spätmittelalter übten verschiedene Linien der Herren von Landenberg bedeutende Herrschaftsrechte im Tösstal aus.
Die Familie besass die Burgen:
- Altlandenberg;
- Breitenlandenberg;
- Hohenlandenberg.
Die Burg Hohenlandenberg lag auf dem heutigen Gemeindegebiet von Wila. Sie wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Lehen des Klosters St. Gallen errichtet.
1331 war mit der Burg die Vogtei über Wila und umliegende Höfe verbunden.
Beringer II. von Hohenlandenberg wurde Raubrittertum, Gewalttätigkeit und Falschmünzerei vorgeworfen. Österreichische Truppen zerstörten die Burg deshalb 1344.[3]
Die Burg wurde nicht dauerhaft wiederaufgebaut. Heute sind auf dem bewaldeten Hügel Geländespuren und geringe Mauerreste erhalten.
Zürcher Herrschaft
Die hohe Gerichtsbarkeit gelangte 1424 beziehungsweise 1452 zusammen mit der Grafschaft Kyburg an die Stadt Zürich.
Das Niedergericht über das Dorf Wila gehörte von 1444 bis 1798 zur Herrschaft Turbenthal-Breitenlandenberg. Mehrere Aussenhöfe wurden dagegen 1549 mit der Herrschaft Altlandenberg von Zürich übernommen.
Die unterschiedlichen Gerichts- und Besitzverhältnisse führten zu einer komplizierten lokalen Verwaltungsstruktur.
Reformation
Die Stadt Zürich führte im 16. Jahrhundert die Reformation ein.
Pfarrer aus der Stadt Zürich wirkten nicht nur als Geistliche, sondern auch als Vertreter der Obrigkeit. Sie kontrollierten Gottesdienstbesuch, Ehe, Moral, Schule und Armenfürsorge.
Die lokale Behörde wurde als Stillstand bezeichnet. Ihre Mitglieder blieben nach dem Gottesdienst in der Kirche zurück, um über kirchliche und zivile Angelegenheiten zu beraten.
Der Stillstand behandelte:
- Armenpflege;
- kleinere Rechtsstreitigkeiten;
- sittliches Verhalten;
- Ehefragen;
- Schulwesen;
- Hebammenwesen;
- Unterstützung bedürftiger Familien.
Er verlor seine politischen Aufgaben im 19. Jahrhundert und entwickelte sich zur heutigen Kirchenpflege.
Landwirtschaft und Heimarbeit
Die Bevölkerung lebte lange von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Viehhaltung, Waldarbeit und Handwerk.
Wegen des rauen Klimas, der steilen Hänge und der kleinen Grundstücke waren viele Familien auf Nebeneinkünfte angewiesen.
Besondere Bedeutung besass die textile Heimarbeit. Bauernfamilien spannen Garn oder webten Stoffe für Zürcher Kaufleute.
1787 wurden in Wila ungefähr 540 Spinnerinnen und Spinner sowie 35 Weber gezählt.[3]
Daneben war das Korbmachergewerbe verbreitet. Korbflechter arbeiteten häufig zu Hause und lieferten ihre Waren an Händler oder Fabriken.
Wandernde Händler verkauften Holzbesteck, Kellen und andere Gebrauchsgegenstände. Wila gehörte damit zur ländlichen Gewerberegion, die gelegentlich als Kellenland bezeichnet wurde.
Helvetik und moderne Gemeinde
Die französische Besetzung und die Gründung der Helvetischen Republik beendeten 1798 die alten Herrschafts- und Gerichtsverhältnisse.
Die politische Gemeinde Wila entstand im Gebiet der bisherigen Kirchgemeinde und wurde dem Distrikt Fehraltorf zugeteilt.
1803 kam Wila zum Bezirk Uster, 1815 zum Oberamt Kyburg und 1831 zum Bezirk Pfäffikon.
Im 19. Jahrhundert bestanden neben der politischen Gemeinde verschiedene Zivil-, Schul- und Kirchgemeinden. Wila und Aegetswil bildeten zeitweise eine gemeinsame Zivilgemeinde.
Strassenbau
Bis ins frühe 19. Jahrhundert besass das Tösstal keine durchgehende, mit Fuhrwerken befahrbare Talstrasse.
Reisende und Warentransporte mussten:
- steile Wege über die Höhen benutzen;
- Furten durchqueren;
- zeitweise im breiten Bett der Töss fahren.
Zwischen 1830 und 1840 wurde eine durchgehende Talstrasse gebaut. Sie verbesserte die Verbindung nach Winterthur und Bauma und erleichterte den Transport landwirtschaftlicher und gewerblicher Erzeugnisse.
Die heutige Tösstalstrasse folgt in grossen Teilen dieser Verkehrsachse.
Tösstalbahn
Am 4. Mai 1875 nahm die Tösstalbahn zwischen Winterthur und Bauma ihren Betrieb auf.
Wila erhielt einen eigenen Bahnhof und wurde damit an das schweizerische Eisenbahnnetz angeschlossen.
Die Bahn erleichterte:
- den Transport von Rohstoffen;
- den Absatz von Gewerbe- und Industrieerzeugnissen;
- den Personenverkehr;
- den Zugang zu Arbeitsplätzen und Schulen;
- die Entwicklung des Fremdenverkehrs.
Ein schweres Hochwasser beschädigte die Bahnstrecke im Juni 1876 an dreizehn Stellen. Mehr als zwei Kilometer Gleis wurden zerstört oder unbefahrbar.
Die finanziell geschwächte Tösstalbahn-Gesellschaft ging am 1. Januar 1918 an die Schweizerischen Bundesbahnen über.[4]
Industrialisierung
Die Industrialisierung erfasste Wila weniger stark als andere Orte des Tösstals.
Da die Töss in diesem Abschnitt während trockener Perioden wenig oder kein sichtbares Wasser führt, konnten Fabriken den Hauptfluss nicht zuverlässig als Energiequelle nutzen.
Unternehmen legten deshalb an den Seitenbächen Kanäle, Weiher und Wasserfassungen an.
Zu den bedeutenden Betrieben gehörten:
- die Seidenweberei Rosenberg;
- die Jacquardweberei Haeberlin;
- eine Korbwarenfabrik;
- kleinere Spinnereien und Webereien;
- mechanische Werkstätten;
- die Werkzeug- und Apparatefabrik Bosshard.
Die Textilbetriebe stellten ihre Produktion im 20. Jahrhundert ein. Die Gebäude der ehemaligen Werkzeug- und Apparatefabrik Bosshard werden heute von verschiedenen kleinen und mittleren Unternehmen genutzt.
Landwirtschaftliche Genossenschaft
Die Landwirtschaftliche Genossenschaft Wila wurde 1870 gegründet.
Sie ermöglichte den gemeinsamen Einkauf von Saatgut, Dünger, Futtermitteln, Werkzeugen und anderen landwirtschaftlichen Waren.
1968 fusionierte sie mit der Genossenschaft Turbenthal. Die gemeinsame Organisation betreibt unter anderem einen Landi-Laden in Turbenthal sowie den Detailhandelsladen in Wila.
Entwicklung zur Wohngemeinde
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Wohngebiete im Talboden und an den unteren Hängen.
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm ab, während der Anteil der Pendlerinnen und Pendler zunahm.
Gleichzeitig wurden neue Schulen, Sportanlagen, Strassen, Wasserversorgungen und andere kommunale Einrichtungen gebaut.
Seit dem späten 20. Jahrhundert arbeitet Wila in vielen Aufgabenbereichen mit den Nachbargemeinden Turbenthal, Wildberg und Bauma zusammen.
Politik
Gemeindeversammlung
Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative der politischen Gemeinde.
Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort unter anderem über:
- Budget und Steuerfuss;
- Jahresrechnung;
- kommunale Reglemente;
- grössere Investitionen;
- Bau- und Planungsgeschäfte;
- Grundstückskäufe und -verkäufe;
- kommunale Initiativen.
Bestimmte Vorlagen werden an der Urne entschieden.
Gemeinderat
Der Gemeinderat ist die Exekutive der Gemeinde.
Gemeindepräsident ist Michael Hutzli. Er führt die Ressorts Gesellschaft und Abfallwirtschaft.[5]
Der Gemeinderat besteht aus fünf Mitgliedern:
| Mitglied | Funktion und Ressorts |
|---|---|
| Michael Hutzli | Gemeindepräsident; Gesellschaft und Abfallwirtschaft |
| Maya Berwert | Sicherheit, Gewässer, Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutz |
| Riccardo Rizza | Finanzen, Steuern, Soziales und Gesundheit |
| Roland Storchenegger | Hochbau, Planung und Liegenschaften |
| Bernhard Waldvogel | Tiefbau, Werke und Energie; erster Vizepräsident |
Die Gemeinde arbeitet bei Verwaltung, Feuerwehr, Sozialwesen, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und weiteren Aufgaben mit anderen Gemeinden der Region zusammen.
Seit 2022 betreut die Gemeindeverwaltung Turbenthal auch verschiedene Aufgaben aus den Bereichen Hochbau, Tiefbau und Werke für Wila.[6]
Wirtschaft
Landwirtschaft
Landwirtschaft und Forstwirtschaft prägten Wila über Jahrhunderte.
Heute bestehen nur noch vergleichsweise wenige, dafür grössere Landwirtschaftsbetriebe.
Wichtige Betriebszweige sind:
- Milchwirtschaft;
- Viehzucht;
- Futterbau;
- Ackerbau;
- Obstbau;
- Forstwirtschaft;
- Direktvermarktung.
Landwirtschaftsbetriebe übernehmen auch Aufgaben in der Landschaftspflege und im Unterhalt von Naturschutzflächen.
Gewerbe und Unternehmen
Wila besitzt eine kleinteilige Gewerbestruktur.
Vertreten sind unter anderem:
- Bau- und Ausbaugewerbe;
- Metallverarbeitung;
- mechanische Werkstätten;
- Holzverarbeitung;
- Gartenbau;
- Transport;
- Detailhandel;
- Gastronomie;
- Gesundheits- und Sozialdienstleistungen;
- Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen.
Mehrere Unternehmen nutzen ehemalige Fabrikgebäude. Die Umnutzung historischer Industrieareale trägt zur Erhaltung der Bausubstanz und zur lokalen Arbeitsplatzentwicklung bei.
Pendlergemeinde
Viele Erwerbstätige pendeln nach Winterthur, Zürich, Bauma, Turbenthal oder in andere Gemeinden des Zürcher Oberlands.
Die Eisenbahn ist für den Berufs- und Ausbildungsverkehr von besonderer Bedeutung.
Wila bleibt zugleich Arbeitsort für Beschäftigte aus den umliegenden Gemeinden und Weilern.
Verkehr
Eisenbahn
Der Bahnhof Wila liegt an der Bahnstrecke Winterthur–Bauma–Rüti.
Die Linie S26 der S-Bahn Zürich verbindet Wila im Halbstundentakt beziehungsweise nach Fahrplan mit:
- Winterthur;
- Turbenthal;
- Rämismühle-Zell;
- Bauma;
- Steg im Tösstal;
- Fischenthal;
- Wald;
- Rüti;
- teilweise Rapperswil.
Während bestimmter Tageszeiten verkehren zusätzliche Züge der Linie S11. Sie bieten Direktverbindungen über Winterthur und Zürich nach Dietikon beziehungsweise Aarau.[7]
Der Bahnhof ist Ausgangspunkt mehrerer Bus-, Wander- und Veloverbindungen.
Busverkehr
Regionale Buslinien erschliessen die Weiler, Seitentäler und Nachbargemeinden.
Busverbindungen bestehen beziehungsweise bestanden fahrplanabhängig unter anderem in Richtung:
- Turbenthal;
- Wildberg;
- Sitzberg;
- Bauma;
- Sternenberg;
- Pfäffikon;
- umliegende Weiler.
Das Angebot ist auf die Anschlüsse der S-Bahn ausgerichtet.
Strassenverkehr
Die Tösstalstrasse verbindet Wila mit Turbenthal, Winterthur, Saland und Bauma.
Weitere Strassen führen:
- nach Wildberg;
- über die Höhen in Richtung Pfäffikon;
- nach Aegetswil;
- nach Manzenhub und Ottenhub;
- durch das Steinenbachtal in Richtung Sitzberg und Fischingen.
Die enge Talform begrenzt die verfügbaren Flächen für Strasse, Eisenbahn, Töss, Fuss- und Velowege sowie Siedlungen.
Fuss- und Veloverkehr
Entlang der Töss verläuft ein regionaler Fuss- und Veloweg zwischen Winterthur und Bauma.
Das erste Teilstück des rund 25 Kilometer langen Tösstal-Radwegs wurde 1975 auf dem Gemeindegebiet von Wila verwirklicht.[8]
Wila besitzt ausserdem ein dichtes Netz von Wanderwegen zu den Weilern, Wäldern, Weihern und Aussichtspunkten.
Hochwasserschutz und Revitalisierung
Die Töss wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert begradigt und zwischen Dämme gelegt.
Die Verbauung schützte das Tal besser vor Überschwemmungen, hatte jedoch ökologische Nachteile. Das Flussbett wurde eintöniger und vertiefte sich stellenweise.
Der Kanton Zürich plante deshalb eine Kombination aus Hochwasserschutz und Revitalisierung.
Der rund 1,3 Kilometer lange Abschnitt zwischen der Brücke Steinenbachstrasse und der Eisenbahnbrücke sollte:
- verbreitert;
- naturnäher gestaltet;
- ökologisch aufgewertet;
- besser mit dem Auenwald Würbel verbunden;
- für extreme Hochwasser sicherer gemacht werden.
Die Planung wurde im Februar 2024 vorläufig sistiert. Gründe waren ungeklärte Grundstücksverhältnisse und die veränderte Planung für den Huebbach.[9]
Der betreffende Tössabschnitt bleibt in der kantonalen Revitalisierungsplanung von hoher Bedeutung.
Das kommunale Hochwasserschutzprojekt am Huebbach kann unabhängig vom sistierten Tössprojekt weiterverfolgt werden.
Natur und Umwelt
Töss-Aue Würbel
Der Auenwald Würbel liegt an der Töss und gehört zu den bedeutenden naturnahen Gebieten der Gemeinde.
Ein früherer Seitenarm wurde um die Jahrtausendwende teilweise reaktiviert, damit Hochwasser wieder Wasser und Sedimente in die Aue bringen können.
Die regelmässige Überflutung ist wichtig für:
- Auenpflanzen;
- Amphibien;
- Insekten;
- Vögel;
- Fische;
- natürliche Boden- und Gewässerprozesse.
Wegen Veränderungen des Flussbetts und der Wasserführung wurde die Aue in den letzten Jahren weniger häufig überflutet als ursprünglich vorgesehen.
Weiherlandschaft
Die ehemaligen Gewerbe- und Fabrikweiher entwickelten sich zu wertvollen Lebensräumen.
Zu ihnen gehören der Rosenbergweiher, der Mülibachweiher und der Bodenweiher.
Sie dokumentieren zugleich die historische Nutzung der Wasserkraft. Kanäle leiteten Wasser aus Seitenbächen zu den Weihern und von dort zu Wasserrädern oder Turbinen.
= Wald
Mehr als die Hälfte des Gemeindegebiets ist bewaldet.
Die Wälder erfüllen mehrere Aufgaben:
- Holzproduktion;
- Schutz vor Erosion und Rutschungen;
- Wasserspeicherung;
- Lebensraum;
- Erholung;
- Klimaschutz.
Typisch sind Buchenmischwälder sowie Bestände aus Tanne, Fichte, Ahorn, Esche und weiteren Baumarten.
= Landwirtschaftliche Kulturlandschaft
Die Weiler und Einzelhöfe sind von Wiesen, Weiden, Obstbäumen, Hecken und Waldrändern umgeben.
Hochstamm-Obstgärten, Trockenmauern, Bäche und extensiv genutzte Flächen besitzen eine hohe Bedeutung für die biologische Vielfalt.
Meliorationen verbesserten die landwirtschaftliche Erschliessung, veränderten jedoch Wege, Grundstücksgrenzen und teilweise auch kleine Landschaftselemente.
Bildung
Eine Schule in Wila wurde 1569 erstmals erwähnt.
Der Unterricht fand zunächst in Bauernhäusern und später in einem eigenen Schulhaus beim Dorfzentrum statt.
Im 19. Jahrhundert entstanden weitere Schulen in den Weilern und Aussengebieten. Die damaligen Schulen waren häufig nur während eines Teils des Jahres geöffnet.
1892 gründeten Wila und mehrere umliegende Schulgemeinden einen eigenen Sekundarschulkreis.
1896 wurde das Schulhaus an der heutigen Stationsstrasse eröffnet. Es diente gleichzeitig der Primar- und Sekundarschule.
1965 entstand das Oberstufenschulhaus Schweissrüti. Die Primarschule bezog 1977 das Schulhaus Eichhalde.
Die Schulanlage Eichhalde umfasst heute unter anderem:
- Unterrichtsräume;
- Kindergarten;
- Turnhalle;
- Gemeindesaal;
- Bibliothek;
- Sport- und Pausenflächen.
Die früheren kleinen Gesamtschulen in Schuppis und Talgarten wurden wegen der Verlagerung der Bevölkerung in den Talboden geschlossen.
Kirche
Die reformierte Kirche steht auf dem historischen Kirchenhügel im Zentrum von Wila.
Archäologische Funde belegen mehrere Vorgängerbauten. Der älteste bekannte Bau war wahrscheinlich eine Holzkirche aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.
Spätere Bauphasen führten zu einer mittelalterlichen Steinkirche und schliesslich zum heutigen Erscheinungsbild.
Die Kirche prägt mit ihrem Turm die Silhouette des Dorfes. Sie ist neben ihrer religiösen Funktion ein wichtiges kulturhistorisches Wahrzeichen.
Bis zur Reformation war sie der Jungfrau Maria geweiht und zeitweise Ziel von Wallfahrten.
Kultur
Ortsmuseum
Das Ortsmuseum Wila befindet sich an der Tösstalstrasse.
Es zeigt mit Gegenständen, Fotografien, Dokumenten und Texten die Entwicklung von:
- Landwirtschaft;
- Haushalt;
- Textilgewerbe;
- Korbmacherei;
- Handwerk;
- Schule;
- Vereinsleben;
- Industrie;
- Verkehr.
Die Sammlung wird von der Ortsmuseumskommission betreut.[10]
Windenmacherei
Das historische Windenmacherhandwerk gehört zu den besonderen technischen Traditionen Wilas.
In einer erhaltenen Schmiede wurden mechanische Winden und weitere Geräte hergestellt beziehungsweise repariert.
Ein Verein pflegt die Werkstatt und führt Vorführungen sowie kulturelle Veranstaltungen durch.
Historischer Rundgang
An verschiedenen Gebäuden und Orten befinden sich Informationstafeln zur Ortsgeschichte.
Der Rundgang behandelt unter anderem:
- Kirche und Pfarrhaus;
- alte Post;
- Flarzhäuser;
- Schulen;
- Gasthäuser;
- Handwerksbetriebe;
- Fabrikanlagen;
- Verkehrsgeschichte;
- Alltag früherer Generationen.
Literatur und Sabinli
Die Schriftstellerin Olga Meyer veröffentlichte 1950 das Jugendbuch Sabinli.
Die Erzählung schildert das Leben eines Landmädchens im Tösstal während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Vorbild dienten teilweise die Erinnerungen der Wilemer Korbmachertochter Seline Lüssi-Gubler.
Eine Figur auf dem Pausenplatz des Oberstufenschulhauses erinnert an Sabinli.
Sehenswürdigkeiten
Burgstelle Hohenlandenberg
Die Burgstelle Hohenlandenberg liegt auf einem bewaldeten Hügel südöstlich des Dorfs.
Von der 1344 zerstörten Burg sind nur geringe Mauer- und Geländespuren erhalten.
Der Ort ist über einen Abschnitt des Guyer-Zeller-Wegs erreichbar und dient als Aussichtspunkt und Rastplatz.
Reformierte Kirche
Die Kirche auf dem Hügel ist das auffälligste historische Gebäude des Dorfs.
Ihre Lage verweist auf den frühmittelalterlichen Siedlungskern und die zentrale Bedeutung der Kirchgemeinde.
Alte Post
Der markante Fachwerkbau der alten Post gehört zu den bekanntesten Gebäuden des Dorfzentrums.
Er dokumentiert die traditionelle Bauweise des Zürcher Oberlands und die frühere Bedeutung Wilas als Post- und Verkehrsort.
Flarzhäuser
In Wila und den Weilern sind mehrere Flarzhäuser erhalten.
Flarzhäuser sind langgestreckte, durch wiederholte Anbauten entstandene Reihenhäuser. Sie waren im Zürcher Oberland besonders unter Kleinbauern, Heimarbeitern und Handwerkerfamilien verbreitet.
Wasserkraftanlage Rosenberg
Die historische Wasserkraftanlage Rosenberg wurde durch einen Verein instand gesetzt.
Das Wasser fliesst über einen erneuerten Fabrikkanal aus dem Rodbach in den Rosenbergweiher und von dort zur ehemaligen Kraftanlage.
Die Anlage veranschaulicht, wie Fabriken in Wila trotz der unzuverlässigen Wasserführung der Töss Energie gewinnen konnten.
Toni-Gumpe
Die Toni-Gumpe ist ein beliebter Badeplatz an einer Schwelle der Töss.
Sie liegt am Weg zur Burgstelle Hohenlandenberg und ist über den Tössuferweg erreichbar.
Wegen wechselnder Wasserstände und starker Strömung nach Niederschlägen ist beim Baden Vorsicht erforderlich.
Freizeit und Erholung
Die Wälder, Weiher, Höhenwege und die Töss bieten zahlreiche Freizeitmöglichkeiten.
Beliebt sind:
- Wandern;
- Velofahren;
- Joggen;
- Reiten;
- Baden;
- Naturbeobachtung;
- Wintersport bei geeigneter Schneelage.
Drei ausgeschilderte Rundwege beginnen im Dorfzentrum:
| Rundweg | Charakter |
|---|---|
| Panoramaweg | Aussicht über Dorf und Tösstal |
| Weiherweg | Ehemalige Gewerbeweiher und historische Wassernutzung |
| Huebeweg | Weiler, Kulturlandschaft und ländliche Siedlungsstruktur |
Der Wasserlehrpfad Tösstal wurde 1991 von den Tösstalgemeinden und der Stadt Winterthur eingerichtet.
Er vermittelt Informationen über:
- Geologie;
- Tössverbauung;
- Hochwasser;
- Wasserkraft;
- Grundwasser;
- Trinkwassergewinnung;
- Gewässerökologie.
Persönlichkeiten
Mit Wila verbunden sind unter anderem:
- Paul Manz (1924–1995), evangelisch-reformierter Pfarrer und Schriftsteller;
- Olga Meyer (1889–1972), Schriftstellerin und Verfasserin des Jugendbuchs Sabinli;
- Seline Lüssi-Gubler (1876–1952), Korbmachertochter und Vorbild für Teile der Erzählung Sabinli;
- Beringer II. von Hohenlandenberg, Burgherr, dessen Konflikte zur Zerstörung der Burg Hohenlandenberg führten;
- Hugo von Hohenlandenberg (1460–1532), Bischof von Konstanz aus einer Linie der Hohenlandenberger;
- Angehörige der Familie Guyer-Zeller, die mit der regionalen Textil- und Eisenbahngeschichte verbunden waren.
Bedeutung
Wila ist eine typische, zugleich jedoch historisch vielschichtige Gemeinde des Tösstals.
Ihre Bedeutung beruht auf:
- der frühmittelalterlichen Kirchengeschichte;
- der Herrschaft der Landenberger;
- der Burgstelle Hohenlandenberg;
- der bäuerlichen und textilen Heimarbeit;
- der Korbmacherei;
- der frühen Eisenbahnerschliessung;
- den historischen Wasseranlagen;
- der Tösslandschaft;
- den naturnahen Weihern und Riedgebieten;
- ihrer heutigen Funktion als Wohn- und Erholungsgemeinde.
Die Gemeinde zeigt exemplarisch den Wandel vieler Orte im Zürcher Oberland: vom kirchlich und herrschaftlich geprägten Bauerndorf über Heimarbeit und kleinere Industrie zur modernen Pendlergemeinde.
Zeittafel
| Jahr oder Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| Um 700 | Bau einer frühmittelalterlichen Holzkirche |
| 1275 | Erste schriftliche Erwähnung als «Wiler» |
| 1288 | Erste urkundliche Erwähnung der Wallfahrtskapelle |
| Ende des 13. Jahrhunderts | Bau der Burg Hohenlandenberg |
| 1331 | Die Vogtei über Wila und umliegende Höfe wird mit Hohenlandenberg verbunden |
| 1344 | Zerstörung der Burg Hohenlandenberg |
| 1383 | Kirchenrechtlicher Streit zwischen Wila und Turbenthal |
| 1424/1452 | Zürich übernimmt mit der Grafschaft Kyburg die hohe Gerichtsbarkeit |
| 1466 | Wila wird wieder selbstständige Kirchgemeinde |
| 1569 | Erste Erwähnung einer Schule in Wila |
| 1798 | Ende der alten Herrschafts- und Gerichtsordnung |
| 1803 | Eingliederung in den Bezirk Uster |
| 1815 | Zugehörigkeit zum Oberamt Kyburg |
| 1831 | Wila wird Teil des Bezirks Pfäffikon |
| 1830er-Jahre | Bau der durchgehenden Talstrasse |
| 4. Mai 1875 | Eröffnung der Tösstalbahn zwischen Winterthur und Bauma |
| Juni 1876 | Schweres Hochwasser beschädigt die Bahnstrecke |
| 1892 | Gründung eines eigenen Sekundarschulkreises |
| 1896 | Eröffnung des Schulhauses an der Stationsstrasse |
| 1. Januar 1918 | Übernahme der Tösstalbahn durch die Schweizerischen Bundesbahnen |
| 1950 | Veröffentlichung von Olga Meyers Jugendbuch «Sabinli» |
| 1965 | Eröffnung des Oberstufenschulhauses Schweissrüti |
| 1975 | Bau des ersten Abschnitts des Tösstal-Radwegs auf Wilemer Gebiet |
| 1977 | Bezug des Primarschulhauses Eichhalde |
| 1991 | Einrichtung des Wasserlehrpfads Tösstal |
| Um 2000 | Teilweise Reaktivierung eines Seitenarms in der Töss-Aue Würbel |
| 2011 | Schliessung der früheren Gesamtschule Talgarten |
| 2022 | Übertragung verschiedener Bau- und Werkaufgaben an die Verwaltung Turbenthal |
| Februar 2024 | Vorläufige Sistierung des kantonalen Tössprojekts |
| 31. Dezember 2025 | Die Einwohnerzahl erreicht 2'201 |
Siehe auch
- Tösstal
- Töss
- Bezirk Pfäffikon
- Hohenlandenberg
- Landenberg
- Tösstalbahn
- Turbenthal
- Bauma
- Wildberg ZH
- Zürcher Oberland
- Liste der Gemeinden des Kantons Zürich
Literatur
- Ueli Müller: Wila. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Gemeinde Wila: Wila – früher und heute. Wila.
- Ortsmuseum Wila: Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Wila. Wila.
- Wolfgang Wahl-Guyer: Adolf Guyer-Zeller in Selbstzeugnissen. Wila.
- Olga Meyer: Sabinli. Schweizerisches Jugendschriftenwerk, Zürich 1950.
- Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1978.
- Verein Ortsmuseum Wila: Landwirtschaft, Heimarbeit und Gewerbe im Tösstal. Wila.
- Kanton Zürich: Hochwasserschutz und Revitalisierung Töss Wila. Zürich.
- Tösstaler Gemeinden und Stadt Winterthur: Wasserlehrpfad Tösstal. Winterthur 1991.
Weblinks
- Offizielle Website der Gemeinde Wila
- Geschichte der Gemeinde Wila
- Geografie und Flächennutzung
- Zahlen und Fakten
- Sehenswürdigkeiten und Wanderungen
- Ortsmuseum Wila
- Artikel «Wila» im Historischen Lexikon der Schweiz
- Hochwasserschutz und Revitalisierung Töss Wila
- Zürcher Verkehrsverbund
Einzelnachweise
- ↑ Gemeinde Wila: Geografie, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Gemeinde Wila: Zahlen und Fakten, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Ueli Müller: Wila, Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 3. April 2013, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Gemeinde Wila: Wila – früher und heute, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Wila: Gemeinderat, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Wila: Bau und Werke, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Jahresfahrplan 2026, Bahnhof Wila, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Wila: Sehenswert, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Hochwasserschutz und Revitalisierung Töss Wila, abgerufen am 23. Juli 2026.
- ↑ Gemeinde Wila: Ortsmuseum, abgerufen am 23. Juli 2026.