Kritische Infrastruktur
| Kritische Infrastruktur | |
|---|---|
| Begriff | Einrichtungen, Systeme und Organisationen zur Bereitstellung essenzieller Güter und Dienstleistungen |
| Abkürzung | KI |
| Zuständige Bundesstelle für SKI | Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) |
| Sektoren in der Schweiz | 9 |
| Teilsektoren | 27 |
| Strategie | Nationale Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen (SKI) |
| Cyber-Meldestelle | Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) |
Als kritische Infrastruktur werden Einrichtungen, Systeme, Organisationen und Dienstleistungen bezeichnet, deren Funktionsfähigkeit für Bevölkerung, Wirtschaft und Staat von besonderer Bedeutung ist. Ein schwerwiegender oder länger dauernder Ausfall kann erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung, die öffentliche Sicherheit, die Gesundheit, die wirtschaftliche Tätigkeit oder das Funktionieren staatlicher Institutionen haben.
In der Schweiz wird üblicherweise von kritischen Infrastrukturen (KI) gesprochen. Der Bund zählt dazu neun Sektoren mit insgesamt 27 Teilsektoren. Sie reichen von der Energie- und Wasserversorgung über das Gesundheitswesen und die Telekommunikation bis zu Verkehr, Finanzwesen und staatlichen Institutionen.[1]
Der Schutz kritischer Infrastrukturen wird in der Schweiz mit SKI abgekürzt. Zuständige Fachstelle auf Bundesebene ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS). Im Bereich der Cyberbedrohungen übernimmt insbesondere das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) zentrale Aufgaben.
Begriff
Kritische Infrastrukturen umfassen nicht nur sichtbare Bauwerke wie Kraftwerke, Spitäler, Bahnstrecken, Wasserreservoirs oder Telekommunikationsanlagen. Auch Unternehmen, digitale Systeme, Leitstellen, Kommunikationsnetze, Datenbanken, Logistikprozesse und andere für die Leistungserbringung notwendige Strukturen können Bestandteil einer kritischen Infrastruktur sein.
Nach der Systematik des Bundes gelten grundsätzlich sämtliche Betreiberfirmen, IT-Systeme, Anlagen, Bauten und weiteren Elemente als Teil der kritischen Infrastruktur, wenn sie Leistungen in einem der 27 definierten Teilsektoren erbringen.[1]
Davon zu unterscheiden ist die Kritikalität eines einzelnen Elements. Nicht jede Anlage ist für die gesamte Schweiz gleich bedeutend. Eine lokale Transformatorenstation kann beispielsweise für eine Gemeinde von grosser Bedeutung sein, während ein zentraler Knoten des Stromübertragungsnetzes eine nationale oder sogar grenzüberschreitende Bedeutung besitzt.[1]
Kritikalität ist somit ein relatives Mass dafür, wie schwerwiegend sich ein Ausfall auf Bevölkerung, Wirtschaft und deren Lebensgrundlagen auswirken würde.
Kritische Infrastrukturen in der Schweiz
Der Bundesrat hat neun Sektoren als kritische Infrastrukturen definiert. Diese sind in 27 Teilsektoren gegliedert.[1]
| Sektor | Teilsektoren |
|---|---|
| Behörden | Forschung und Lehre Kulturgüter Parlament, Regierung, Justiz und Verwaltung |
| Energie | Erdgasversorgung Erdölversorgung Fern- und Prozesswärme Stromversorgung |
| Entsorgung | Abfälle Abwasser |
| Finanzen | Finanzdienstleistungen Versicherungsdienstleistungen |
| Gesundheit | Chemie und Heilmittel Labordienstleistungen Medizinische Versorgung |
| Information und Kommunikation | IT-Dienstleistungen Medien Postdienste Telekommunikation |
| Nahrung | Lebensmittelversorgung Wasserversorgung |
| Öffentliche Sicherheit | Armee Blaulichtorganisationen Zivilschutz |
| Verkehr | Luftverkehr Schienenverkehr Schiffsverkehr Strassenverkehr |
Diese Einteilung berücksichtigt nicht nur klassische technische Infrastruktur. Auch Dienstleistungen und organisatorische Strukturen können für die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens entscheidend sein.
Behörden
Der Sektor Behörden umfasst staatliche und gesellschaftliche Strukturen, deren Funktionsfähigkeit für die politische Ordnung und das Gemeinwesen wesentlich ist.
Dazu gehören Parlament, Regierung, Justiz und Verwaltung auf unterschiedlichen staatlichen Ebenen. Auch Forschung und Lehre sowie der Schutz bedeutender Kulturgüter werden in der schweizerischen SKI-Systematik diesem Sektor zugeordnet.[1]
Bei einer schweren Krise müssen beispielsweise Behörden weiterhin Entscheidungen treffen, Informationen verbreiten, gesetzliche Aufgaben erfüllen und die Koordination mit Kantonen, Gemeinden und Einsatzorganisationen sicherstellen können.
Mit zunehmender Digitalisierung hängt die Funktionsfähigkeit der Verwaltung zudem stark von IT-Systemen, Kommunikationsnetzen, Rechenzentren und elektronischen Registern ab.
Energie
Die Energieversorgung gehört zu den besonders bedeutenden kritischen Infrastrukturen. Der Sektor umfasst:
- Stromversorgung;
- Erdölversorgung;
- Erdgasversorgung;
- Fern- und Prozesswärme.
Ein länger dauernder Ausfall der Stromversorgung hätte Auswirkungen auf nahezu sämtliche anderen kritischen Sektoren. Telekommunikation, Verkehr, Wasserversorgung, Zahlungsverkehr, Gesundheitswesen und Lebensmittelversorgung sind in hohem Mass auf elektrische Energie angewiesen.
Die Stromversorgung besteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Kraftwerken, Übertragungs- und Verteilnetzen, Unterwerken, Transformatoren, Steuerungs- und Kommunikationssystemen sowie den dafür verantwortlichen Unternehmen.
Auch die Versorgung mit Erdölprodukten und Erdgas besitzt für Verkehr, Industrie, Wärmeversorgung und Teile der Stromproduktion eine wichtige Funktion.
Entsorgung
Der Sektor Entsorgung umfasst die Teilsektoren Abfälle und Abwasser.
Eine funktionierende Abwasserentsorgung ist insbesondere für Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz wesentlich. Kläranlagen, Kanalisationen, Pumpwerke und deren Steuerungssysteme bilden deshalb einen Teil der kritischen Infrastruktur.
Auch die Abfallentsorgung erfüllt eine wichtige Funktion. Grössere oder länger dauernde Störungen könnten insbesondere in dicht besiedelten Gebieten gesundheitliche und ökologische Probleme verursachen.
Moderne Entsorgungssysteme sind ebenfalls von Energieversorgung, Telekommunikation, Transportwegen und digitalen Steuerungen abhängig.
Finanzen
Der Sektor Finanzen umfasst Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.
Banken, Börsen- und Zahlungsinfrastrukturen sowie weitere Finanzdienstleister ermöglichen den Zahlungsverkehr, die Versorgung mit Bargeld, den Wertschriftenhandel und zahlreiche weitere wirtschaftliche Prozesse.
Die Schweiz besitzt als international bedeutender Finanzplatz eine besonders stark vernetzte Finanzinfrastruktur. Technische Störungen oder Cyberangriffe auf zentrale Finanzsysteme könnten Auswirkungen weit über einzelne Unternehmen hinaus haben.
Zum Sektor gehören auch Versicherungsdienstleistungen, die für die finanzielle Absicherung von Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen von Bedeutung sind.
Gesundheit
Im Sektor Gesundheit werden die Teilsektoren medizinische Versorgung, Labordienstleistungen sowie Chemie und Heilmittel zusammengefasst.[1]
Zur medizinischen Versorgung gehören insbesondere Spitäler, medizinische Einrichtungen und weitere für die Gesundheitsversorgung notwendige Organisationen und Prozesse.
Die Versorgung ist von zahlreichen weiteren Infrastrukturen abhängig. Spitäler benötigen beispielsweise kontinuierlich Strom und Wasser sowie funktionierende Telekommunikations-, IT- und Logistiksysteme.
Eine zunehmende Bedeutung besitzen digitale Systeme wie elektronische Patientendokumentationen, medizinische Informationssysteme und vernetzte Medizintechnik. Damit steigt gleichzeitig die Bedeutung der Cybersicherheit im Gesundheitswesen.
Zum Bereich Chemie und Heilmittel gehören Strukturen, die für Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung wichtiger Medikamente und chemischer Produkte notwendig sind.
Information und Kommunikation
Der Sektor Information und Kommunikation umfasst:
- Telekommunikation;
- IT-Dienstleistungen;
- Medien;
- Postdienste.
Telekommunikationsnetze und IT-Systeme bilden heute eine technische Grundlage für zahlreiche andere kritische Infrastrukturen. Mobilfunk, Internetzugang, Datenübertragung, Rechenzentren und digitale Dienste sind für Wirtschaft, Verwaltung und Bevölkerung von zentraler Bedeutung.
Viele Anlagen anderer Sektoren werden digital gesteuert und überwacht. Dadurch können Störungen in der Informations- und Kommunikationstechnik weitreichende Kettenreaktionen auslösen.
Auch Medien gehören zur kritischen Infrastruktur. Besonders in Katastrophen und Notlagen ist die Möglichkeit, die Bevölkerung zuverlässig zu informieren, von grosser Bedeutung.
Post- und Logistikdienste übernehmen ebenfalls Funktionen, die für Wirtschaft und Bevölkerung wichtig sein können.
Nahrung und Wasser
Der Sektor Nahrung besteht aus den Teilsektoren Lebensmittelversorgung und Wasserversorgung.
Eine kontinuierliche Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser gehört zu den grundlegendsten Leistungen einer Gesellschaft. Zur Infrastruktur zählen unter anderem Wasserfassungen, Aufbereitungsanlagen, Reservoirs, Pumpwerke und Leitungsnetze.
Auch die Lebensmittelversorgung besteht aus komplexen Produktions-, Verarbeitungs-, Lager- und Vertriebsketten. Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Grosshandel, Detailhandel und Transportwesen sind eng miteinander verbunden.
Unterbrechungen wichtiger Logistikwege, Energieausfälle oder IT-Störungen können sich daher rasch auf die Versorgung auswirken.
Öffentliche Sicherheit
Zum Sektor Öffentliche Sicherheit gehören die Schweizer Armee, die Blaulichtorganisationen und der Zivilschutz.[1]
Als Blaulichtorganisationen gelten insbesondere:
- Polizei;
- Feuerwehr;
- Sanitäts- und Rettungsdienste.
Sie müssen insbesondere bei Katastrophen, Unfällen und anderen ausserordentlichen Ereignissen einsatzfähig bleiben.
Kommunikationssysteme, Einsatzleitzentralen, Fahrzeuge, medizinische Einrichtungen und Notfallorganisationen sind dabei untereinander sowie mit anderen kritischen Infrastrukturen verknüpft.
Der Zivilschutz unterstützt Behörden und Partnerorganisationen insbesondere bei Katastrophen und Notlagen.
Verkehr
Der Sektor Verkehr umfasst den Strassen-, Schienen-, Luft- und Schiffsverkehr.[1]
Zum kritischen Verkehrssystem gehören beispielsweise:
- Teile des Nationalstrassennetzes;
- Eisenbahnstrecken und Bahnknoten;
- Verkehrsleit- und Sicherungssysteme;
- Flughäfen und Flugsicherung;
- wichtige Häfen und Schifffahrtsverbindungen;
- Tunnel, Brücken und andere Verkehrsbauwerke.
Für die Schweiz besitzt insbesondere der Schienenverkehr eine hohe Bedeutung. Personen- und Güterverkehr sind stark von funktionierenden Bahnnetzen, Stellwerken, Stromversorgung und digitalen Leitsystemen abhängig.
Auch die Strasseninfrastruktur ist für Rettungsdienste, Lebensmittelversorgung, Güterverkehr und zahlreiche andere kritische Dienstleistungen unverzichtbar.
Abhängigkeiten zwischen den Sektoren
Ein wesentliches Merkmal kritischer Infrastrukturen ist ihre gegenseitige Abhängigkeit.
Die Stromversorgung benötigt beispielsweise Telekommunikationssysteme für Steuerung und Überwachung. Telekommunikationsanlagen wiederum benötigen elektrische Energie. Spitäler sind auf Strom, Wasser, Medikamente, Kommunikation und Transport angewiesen. Der Finanzsektor benötigt Telekommunikation und IT-Dienste, während Logistikunternehmen auf funktionierende Verkehrswege, Energie und digitale Systeme angewiesen sind.
Solche Abhängigkeiten können bei Störungen zu Kaskadeneffekten führen. Der Ausfall einer Infrastruktur kann weitere Systeme beeinträchtigen und dadurch die ursprünglichen Auswirkungen erheblich verstärken.
Ein grossflächiger Stromausfall kann beispielsweise Telekommunikationsnetze beeinträchtigen. Dadurch können elektronische Zahlungssysteme, Verkehrssteuerungen und andere digitale Dienste ausfallen. Gleichzeitig können Pumpwerke und Teile der Wasserversorgung betroffen sein.
Der Schutz kritischer Infrastrukturen konzentriert sich deshalb nicht nur auf einzelne Anlagen, sondern auch auf Schnittstellen und gegenseitige Abhängigkeiten.
Gefährdungen
Kritische Infrastrukturen können durch sehr unterschiedliche Ereignisse beeinträchtigt werden. Der Schutz beschränkt sich deshalb nicht auf vorsätzliche Angriffe.
Zu den möglichen Gefährdungen zählen:
- Naturgefahren wie Hochwasser, Erdbeben, Sturm, Waldbrand oder extreme Hitze;
- technische Störungen und Materialversagen;
- Strommangellagen und Stromausfälle;
- Pandemien und andere gesundheitliche Krisen;
- Cyberangriffe;
- Sabotage;
- Terrorismus;
- bewaffnete Konflikte;
- menschliches Fehlverhalten;
- Ausfälle von Lieferketten;
- Personalmangel;
- Abhängigkeiten von ausländischen Lieferanten und Dienstleistungen.
Die Bedeutung einzelner Gefährdungen unterscheidet sich je nach Sektor und Infrastruktur.
Resilienz
Ein zentraler Begriff beim Schutz kritischer Infrastrukturen ist die Resilienz. Damit wird die Fähigkeit eines Systems bezeichnet, Störungen zu bewältigen und seine wesentlichen Leistungen möglichst aufrechtzuerhalten beziehungsweise nach einem Ausfall rasch wiederherzustellen.
Schutzmassnahmen sollen deshalb nicht ausschliesslich verhindern, dass ein Ereignis eintritt. Ebenso wichtig ist die Vorbereitung auf Situationen, in denen ein vollständiger Schutz nicht möglich ist.
Zu den möglichen Massnahmen gehören Redundanzen, Ersatzsysteme, Notstromversorgung, alternative Kommunikationswege, Datensicherungen, Lagerhaltung, Notfallpläne und regelmässige Übungen.
Das BABS stellt einen Leitfaden zur Verfügung, mit dem Betreiber die Widerstandsfähigkeit ihrer Infrastruktur systematisch überprüfen und verbessern können. Ziel ist es, schwerwiegende Ausfälle möglichst zu verhindern oder deren Dauer und Auswirkungen zu reduzieren.[2]
Schutz kritischer Infrastrukturen
Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist in der Schweiz eine gemeinsame Aufgabe von Betreiberorganisationen, Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren Partnern.
Eine besondere Verantwortung liegt bei den Betreiberinnen und Betreibern selbst. Viele kritische Infrastrukturen befinden sich nicht im Eigentum des Bundes, sondern werden von Kantonen, Gemeinden oder privaten Unternehmen betrieben.
Der Bund schafft deshalb Rahmenbedingungen, erarbeitet Grundlagen, koordiniert sektorübergreifende Arbeiten und unterstützt die zuständigen Stellen.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz koordiniert die nationalen Arbeiten zum Schutz kritischer Infrastrukturen.
Nationale SKI-Strategie
Der Bundesrat verabschiedete 2012 die erste nationale Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Eine weitere Strategie folgte 2017.
Am 16. Juni 2023 wurde die nationale SKI-Strategie erneut aktualisiert.[3]
Die Strategie enthält acht Massnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Versorgungssicherheit in der Schweiz.
Die zuständigen Aufsichts- und Regulierungsbehörden sollen unter anderem untersuchen, ob in den einzelnen Sektoren erhebliche Risiken für schwerwiegende Versorgungsstörungen bestehen, und geeignete Massnahmen zu deren Verringerung treffen.[3]
Die Strategie ist unbefristet gültig. Alle vier Jahre soll geprüft werden, ob eine Aktualisierung notwendig ist.[3]
SKI-Inventar
Der Bund führt ein Inventar kritischer Infrastrukturen, das sogenannte SKI-Inventar.
Darin werden einzelne Infrastruktur-Elemente erfasst, die von strategisch wichtiger Bedeutung sind. Dazu können beispielsweise zentrale Knotenpunkte der Stromversorgung, Telekommunikationsinfrastrukturen oder wichtige Elemente des Nationalstrassennetzes gehören.[1]
Das erste Inventar entsprechender Bauten und Anlagen wurde 2012 erstellt.
Neben physischen Objekten sollen auch bedeutende IT-Systeme und Betreiberunternehmen berücksichtigt werden. Beispiele sind zentrale digitale Systeme zur Steuerung des Stromnetzes oder des Schienenverkehrs.[1]
Das SKI-Inventar ist klassifiziert und nicht öffentlich zugänglich. Es dient berechtigten Stellen bei Bund, Kantonen und Betreiberorganisationen als Grundlage für Risikomanagement, Vorsorge und Ereignisbewältigung.[1]
Dass eine Infrastruktur zum allgemeinen Spektrum der kritischen Infrastrukturen gehört, bedeutet daher nicht automatisch, dass sie als besonders kritisches Element im SKI-Inventar aufgeführt ist.
Cybersicherheit
Die Digitalisierung hat den Schutz kritischer Infrastrukturen erheblich verändert. Zahlreiche Anlagen und Dienstleistungen werden heute durch vernetzte IT-Systeme gesteuert.
Davon betroffen sind unter anderem:
- Stromnetze;
- Wasserversorgungen;
- Eisenbahnsysteme;
- industrielle Anlagen;
- Spitäler;
- Telekommunikationsnetze;
- Banken und Zahlungsdienste;
- staatliche Informationssysteme.
Cyberangriffe können Daten verschlüsseln oder verändern, Systeme blockieren, Informationen entwenden oder Steuerungsprozesse beeinträchtigen.
Besonders problematisch sind Angriffe auf sogenannte Operational-Technology-Systeme (OT), mit denen physische Anlagen gesteuert werden. Ein erfolgreicher Angriff kann dadurch Auswirkungen auf reale Produktions- oder Versorgungsprozesse haben.
Das Bundesamt für Cybersicherheit unterstützt Betreiber kritischer Infrastrukturen bei der Prävention, beim Informationsaustausch und bei der Bewältigung von Cybervorfällen.
Meldepflicht für Cyberangriffe
Seit dem 1. April 2025 besteht in der Schweiz eine gesetzliche Meldepflicht für bestimmte Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen.[4]
Die betroffenen Behörden und Organisationen müssen einen meldepflichtigen Cyberangriff grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden nach seiner Entdeckung dem Bundesamt für Cybersicherheit melden.
Sind bei der ersten Meldung noch nicht alle erforderlichen Informationen vorhanden, kann die Meldung innerhalb von 14 Tagen vervollständigt werden.[4]
Meldepflichtig sind insbesondere Cyberangriffe, wenn sie:
- die Funktionsfähigkeit der betroffenen kritischen Infrastruktur gefährden;
- zu einer Manipulation von Informationen geführt haben;
- zu einem Abfluss von Informationen geführt haben;
- mit Erpressung, Drohung oder Nötigung verbunden sind.
Zu den betroffenen Organisationen können beispielsweise Energie- und Trinkwasserversorger, Transportunternehmen sowie kantonale und kommunale Verwaltungen gehören.[4]
Die gesetzlichen Grundlagen befinden sich insbesondere im Bundesgesetz über die Informationssicherheit beim Bund (Informationssicherheitsgesetz, ISG) und in der Verordnung über die Cybersicherheit (Cybersicherheitsverordnung, CSV).[5]
Die Strafbestimmungen für eine Verletzung der Meldepflicht traten am 1. Oktober 2025 in Kraft.[4]
Schutz vor Cyberangriffen
Bei digital vernetzten kritischen Infrastrukturen spielen technische und organisatorische Sicherheitsmassnahmen eine zentrale Rolle.
Dazu gehören unter anderem die Trennung besonders wichtiger Systeme von weniger vertrauenswürdigen Netzen, regelmässige Sicherheitsaktualisierungen, Mehrfaktor-Authentisierung, Überwachung von Netzwerken und sichere Datensicherungen.
Ebenso wichtig sind Notfallpläne und die Möglichkeit, kritische Prozesse bei einem Ausfall digitaler Systeme zumindest eingeschränkt weiterzuführen.
Da zahlreiche Angriffe über Mitarbeitende oder externe Dienstleister beginnen, gehören Sensibilisierung und Schulung ebenfalls zum Sicherheitskonzept.
Eine besondere Herausforderung bilden Lieferketten. Unternehmen können auch indirekt über kompromittierte Software, Dienstleister oder Zulieferer angegriffen werden.
Physischer Schutz
Trotz der zunehmenden Bedeutung der Cybersicherheit bleibt der physische Schutz von Anlagen wesentlich.
Kritische Einrichtungen können beispielsweise gegen unbefugten Zutritt, Sabotage, Feuer, Überschwemmungen oder andere Gefahren geschützt werden.
Welche Massnahmen erforderlich sind, hängt stark von der jeweiligen Infrastruktur ab. Bei einem Rechenzentrum sind andere Schutzkonzepte notwendig als bei einem Staudamm, Bahnhof, Spital oder Wasserreservoir.
Bei hoch kritischen Objekten können Behörden, Bevölkerungsschutzorganisationen und die Armee vorsorgliche Einsatzplanungen erarbeiten. Daraus entsteht jedoch kein Anspruch der Betreiber auf staatliche Unterstützung im Ereignisfall.[3]
Versorgungssicherheit
Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist eng mit dem Begriff der Versorgungssicherheit verbunden.
Ziel ist nicht in jedem Fall, sämtliche Anlagen unter allen Umständen vollständig funktionsfähig zu halten. Entscheidend ist vielmehr, dass essenzielle Güter und Dienstleistungen in einem ausreichenden Umfang verfügbar bleiben.
Dazu können auch Ersatzlösungen und Priorisierungen gehören. Bei einer schweren Krise kann beispielsweise entscheidend sein, dass Spitäler, Rettungsorganisationen oder zentrale Kommunikationsanlagen bevorzugt mit Energie versorgt werden.
Die Vorsorge berücksichtigt deshalb auch Szenarien, in denen Ressourcen zeitweise knapp sind oder einzelne Systeme ausfallen.
Föderale Organisation
Die föderale Struktur der Schweiz prägt auch den Schutz kritischer Infrastrukturen.
Zahlreiche Aufgaben liegen bei den Kantonen und Gemeinden. Gleichzeitig werden wichtige Infrastrukturen von privaten oder öffentlich-rechtlichen Unternehmen betrieben.
Der Bund übernimmt übergeordnete Koordinations-, Regulierungs- und Unterstützungsaufgaben. Je nach Sektor sind unterschiedliche Bundesstellen zuständig.
Diese dezentrale Struktur ermöglicht sektor- und regionsspezifische Lösungen, erfordert jedoch einen intensiven Informationsaustausch zwischen den beteiligten Organisationen.
Bundesamt für Bevölkerungsschutz
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz ist die zentrale Fachstelle des Bundes für den sektorübergreifenden Schutz kritischer Infrastrukturen.
Es unterstützt Bundesstellen, Kantone und Partnerorganisationen bei der Vorsorge und Ereignisbewältigung und entwickelt methodische Grundlagen für den SKI-Bereich.
Zu seinen Aufgaben gehört insbesondere die Weiterentwicklung des SKI-Inventars sowie die Unterstützung der Betreiber und zuständigen Behörden bei der Beurteilung von Risiken und Resilienz.
Bundesamt für Cybersicherheit
Das Bundesamt für Cybersicherheit ist die zentrale Anlaufstelle des Bundes für Fragen der Cybersicherheit.
Für kritische Infrastrukturen ist das BACS insbesondere wegen der zunehmenden Abhängigkeit von digitalen Systemen von Bedeutung. Es nimmt Meldungen über Cyberangriffe entgegen, analysiert die Cyberbedrohungslage und unterstützt den Informationsaustausch mit betroffenen Organisationen.
Seit April 2025 ist das BACS zudem die zuständige Meldestelle für die gesetzliche Meldepflicht bei bestimmten Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen.[4]
Katastrophen und Notlagen
Kritische Infrastrukturen spielen bei Katastrophen und Notlagen eine doppelte Rolle. Einerseits können sie selbst von einem Ereignis betroffen sein, andererseits werden ihre Leistungen gerade in einer Krise besonders dringend benötigt.
Bei einem schweren Unwetter müssen beispielsweise Kommunikationsnetze, Rettungsdienste und Verkehrswege möglichst verfügbar bleiben. Bei einer Epidemie oder Pandemie erhält die medizinische Versorgung besondere Bedeutung.
Bei einem Stromausfall wiederum müssen Notstromanlagen und alternative Kommunikationsmöglichkeiten aktiviert werden können.
Die Notfallplanung berücksichtigt deshalb sowohl den Schutz vor Ereignissen als auch die Aufrechterhaltung wichtiger Leistungen während einer Krise.
Blackout und Strommangellage
Ein grossflächiger Stromausfall gilt als Beispiel für ein Ereignis mit ausgeprägten sektorübergreifenden Auswirkungen.
Bereits nach kurzer Zeit können Telekommunikation, Verkehr, elektronische Zahlungssysteme und verschiedene Produktionsprozesse beeinträchtigt werden. Bei länger dauernden Ausfällen können zusätzlich Wasser- und Lebensmittelversorgung sowie medizinische Einrichtungen betroffen sein.
Von einem Blackout ist eine Strommangellage zu unterscheiden. Bei einer Strommangellage steht über einen längeren Zeitraum nicht genügend elektrische Energie zur Verfügung, während ein Blackout einen ungeplanten Netzausfall bezeichnet.
Beide Szenarien zeigen die gegenseitigen Abhängigkeiten moderner Infrastrukturen.
Internationale Abhängigkeiten
Viele kritische Infrastrukturen der Schweiz sind Teil internationaler Systeme.
Besonders deutlich wird dies bei Stromnetzen, Telekommunikation, Internet, Finanzmärkten, internationalen Verkehrssystemen sowie bei Lieferketten für Energie, Medikamente und Lebensmittel.
Die Schweiz ist deshalb auch beim Schutz kritischer Infrastrukturen auf internationale Zusammenarbeit angewiesen.
Ein technischer Ausfall oder Cyberangriff im Ausland kann Auswirkungen auf Schweizer Betreiber haben. Umgekehrt können Störungen in der Schweiz grenzüberschreitende Folgen verursachen.
Bedeutung für die Gesellschaft
Kritische Infrastrukturen bilden die Grundlage für zahlreiche alltägliche Leistungen, deren Bedeutung häufig erst bei einem Ausfall sichtbar wird.
Elektrizität, Trinkwasser, Telekommunikation, Verkehr, medizinische Versorgung und Zahlungsverkehr werden im Normalbetrieb meist als selbstverständlich wahrgenommen. Ihre Verfügbarkeit beruht jedoch auf komplexen technischen und organisatorischen Systemen.
Mit zunehmender Digitalisierung, Vernetzung und Abhängigkeit von internationalen Lieferketten steigt die Bedeutung eines umfassenden Schutzes dieser Systeme.
Der Schutz kritischer Infrastrukturen verfolgt deshalb einen ganzheitlichen Ansatz. Er umfasst physische Sicherheit, Cybersicherheit, organisatorische Vorsorge, Krisenmanagement, Versorgungssicherheit und die Fähigkeit zur raschen Wiederherstellung nach einem Ereignis.
Siehe auch
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz
- Bundesamt für Cybersicherheit
- Cybersicherheit in der Schweiz
- Bevölkerungsschutz in der Schweiz
- Zivilschutz in der Schweiz
- Nationale Cyberstrategie
- Stromversorgung in der Schweiz
- Wasserversorgung in der Schweiz
- Telekommunikation in der Schweiz
- Schienenverkehr in der Schweiz
Weblinks
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz – Schutz kritischer Infrastrukturen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz – Die kritischen Infrastrukturen
- Nationale Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen
- Bundesamt für Cybersicherheit
- Meldepflicht für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Die kritischen Infrastrukturen, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Leitfaden Schutz kritischer Infrastrukturen, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Nationale Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Bundesamt für Cybersicherheit: Informationen zur Meldepflicht, abgerufen am 15. August 2026.
- ↑ Bundesgesetz über die Informationssicherheit beim Bund (ISG), abgerufen am 15. August 2026.