S99 (S-Bahn Luzern)

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S99
System S-Bahn Luzern
Strecke LuzernHochdorf
Verkehrsunternehmen SBB
Bahnstrecke Seetalbahn
Spurweite Normalspur (1435 mm)
Stromsystem 15 kV 16,7 Hz Wechselstrom
Betriebsart Verstärkungslinie in den Hauptverkehrszeiten
Einführung Dezember 2016
Kanton Luzern

Die S99 ist eine Linie der S-Bahn Luzern. Sie verbindet in den Hauptverkehrszeiten den Bahnhof Luzern mit Hochdorf und ergänzt auf diesem Abschnitt die S9. Die Züge verkehren auf der Seetalbahn und werden von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) betrieben.

Im Unterschied zur ganztägig verkehrenden S9 ist die S99 eine gezielt auf den Pendlerverkehr ausgerichtete Verstärkungslinie. Morgens verkehren zusätzliche Züge von Hochdorf nach Luzern, am Nachmittag und frühen Abend in der Gegenrichtung von Luzern nach Hochdorf. Dadurch wird in der jeweiligen Hauptlastrichtung zusätzliche Beförderungskapazität geschaffen.[1]

Linienverlauf

Die S99 bedient im Fahrplanjahr 2026 sieben Bahnhöfe und Haltestellen:

Bahnhof Gemeinde Bemerkung
Luzern Luzern Endpunkt
Emmenbrücke Emmen Umsteigeknoten
Waldibrücke Emmen Anschluss an regionale Buslinien
Eschenbach LU Eschenbach Regionalverkehrshalt
Ballwil Ballwil Regionalverkehrshalt
Hochdorf Schönau Hochdorf Haltestelle im südlichen Gemeindegebiet
Hochdorf Hochdorf Endpunkt

Die S99 hält damit nicht an allen Stationen, die von der S9 zwischen Luzern und Hochdorf bedient werden. Insbesondere die Haltestelle Emmenbrücke Gersag wird von der S99 nicht bedient. Dadurch übernimmt die Linie neben ihrer Funktion als Kapazitätsverstärkung auch die Rolle einer leicht beschleunigten Verbindung.

Fahrplan 2026

Im Fahrplanjahr 2026 ist das Angebot der S99 klar auf die Hauptverkehrszeiten ausgerichtet.

Am Morgen verkehren werktags zwei Züge ab Hochdorf in Richtung Luzern. Die Abfahrten in Hochdorf erfolgen um 07:07 Uhr und 08:07 Uhr. Die Züge erreichen Luzern nach rund 28 Minuten um 07:35 beziehungsweise 08:35 Uhr.[2]

Die morgendliche Haltefolge lautet:

Hochdorf – Hochdorf Schönau – Ballwil – Eschenbach LU – Waldibrücke – Emmenbrücke – Luzern

Am Nachmittag verkehren in der Gegenrichtung drei Züge ab Luzern. Gemäss Abfahrtsfahrplan des Bahnhofs Luzern fahren sie um 16:23 Uhr, 17:23 Uhr und 18:23 Uhr nach Hochdorf.[3]

Damit ergänzt die S99 genau zu den Zeiten das reguläre S9-Angebot, in denen besonders viele Pendlerinnen und Pendler zwischen dem Seetal und der Agglomeration Luzern unterwegs sind.

Verhältnis zur S9

Die S9 bildet das Grundangebot auf der Seetalbahn. Sie verbindet Luzern über Hochdorf, Hitzkirch und Beinwil am See mit Lenzburg.

Zwischen Luzern und Hochdorf verkehrt die S9 grundsätzlich im Halbstundentakt. Die S99 wird während der Verkehrsspitzen zusätzlich zwischen diese Verbindungen eingefügt und erhöht damit die Kapazität auf dem am stärksten nachgefragten südlichen Teil der Seetalbahn.[1]

Die beiden Linien unterscheiden sich auch durch ihr Betriebskonzept. Während die S9 der flächendeckenden Erschliessung entlang der Strecke dient, ist die S99 stärker auf die schnellen Pendlerströme zwischen Hochdorf beziehungsweise den grösseren Zwischenstationen und Luzern ausgerichtet.

Die Liniennummer 99 macht deutlich, dass es sich nicht um eine eigenständige Grundtaktlinie mit ganztägigem Betrieb handelt, sondern um ein Ergänzungsangebot.

Geschichte

Planung der Verstärkungslinie

Das Seetal verzeichnete während der ersten Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts ein starkes Bevölkerungs- und Verkehrswachstum. Gleichzeitig nahm die Zahl der Pendlerinnen und Pendler in Richtung Luzern deutlich zu.

Der bestehende Halbstundentakt der S9 stiess insbesondere während der morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeit zunehmend an Kapazitätsgrenzen.

Der Verkehrsverbund Luzern plante deshalb zusätzliche Züge zwischen Hochdorf und Luzern. Im Geschäftsbericht 2015 kündigte der VVL die Einführung der neuen S99 für Dezember 2016 an.[4]

Einführung im Dezember 2016

Die S99 wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 eingeführt.[1]

Sie ergänzte von Beginn an die S9 zwischen Luzern und Hochdorf während der Pendlerzeiten. Das neue Angebot war Teil eines umfangreicheren Ausbaus des öffentlichen Verkehrs im Raum Luzern und Emmen.

Zum selben Fahrplanwechsel wurde unter anderem das neu gestaltete Busnetz im Raum Emmen in Betrieb genommen. Der Bahnhof Emmenbrücke erhielt durch den neuen Bushub beim Seetalplatz eine deutlich stärkere Funktion als Umsteigeknoten zwischen Bahn und Bus.

Seetalbahn

Hauptartikel: Seetalbahn

Die S99 verkehrt vollständig auf der Seetalbahn. Diese verbindet Luzern über Emmenbrücke, Hochdorf und das Luzerner Seetal mit Beinwil am See und Lenzburg.

Die Strecke gehört zu den charakteristischsten Bahnlinien der Schweiz. Besonders im nördlichen Seetal verläuft sie über längere Abschnitte unmittelbar neben der Strasse und durch dicht bebaute Ortsgebiete.

Die Bahn wurde ursprünglich von der Seethalbahn-Gesellschaft betrieben und ging später an die SBB über.

Heute ist die Strecke normalspurig und mit dem in der Schweiz üblichen Bahnstromsystem von 15 kV bei 16,7 Hz elektrifiziert.

Für die S99 wird nur der südliche Abschnitt der Seetalbahn zwischen Luzern und Hochdorf genutzt.

Infrastruktur

Der Betrieb zusätzlicher Züge auf der Seetalbahn wird durch die Infrastruktur begrenzt. Grosse Teile der Strecke sind eingleisig.

Zugkreuzungen sind deshalb nur an dafür ausgebauten Bahnhöfen möglich. Die Fahrplanlagen der S9 und S99 müssen genau aufeinander sowie auf den Güter- und übrigen Bahnverkehr abgestimmt werden.

Besonders relevant sind die Kreuzungsmöglichkeiten in Eschenbach und Waldibrücke. Schon kleine Verspätungen können sich auf einer eingleisigen Strecke stärker auf entgegenkommende Züge auswirken als auf einer durchgehend zweigleisigen Hauptstrecke.

Der Verkehrsverbund Luzern weist darauf hin, dass für die S99 teilweise Fahrplantrassen verwendet werden, die grundsätzlich für den Güterverkehr reserviert sind. Der zusätzliche Personenverkehr kann diese Trassen nutzen, solange sie nicht für den Güterverkehr beansprucht werden.[5]

Diese Situation zeigt die begrenzten Kapazitätsreserven auf der bestehenden Seetalbahn.

Bahnhof Luzern

Der Bahnhof Luzern ist Ausgangs- und Endpunkt der S99 und der wichtigste Verkehrsknoten der Zentralschweiz.

Hier bestehen Anschlüsse an Fernverkehrszüge in Richtung:

Hinzu kommen zahlreiche Linien der S-Bahn Luzern sowie das dichte Stadt- und Regionalbusnetz.

Die S99 nutzt im Fahrplanjahr 2026 bei den nachmittäglichen Abfahrten nach Hochdorf planmässig eines der normalspurigen Gleise des Kopfbahnhofs. Die Einbindung zusätzlicher Züge ist aufgrund der hohen Auslastung der Zufahrt zum Bahnhof Luzern betrieblich anspruchsvoll.

Emmenbrücke

Der Bahnhof Emmenbrücke ist der wichtigste Zwischenhalt der S99.

Er liegt im dicht besiedelten Gebiet von Emmen und erschliesst unter anderem das Entwicklungsgebiet Luzern Nord, die Viscosistadt und den Seetalplatz.

Am Bahnhof bestehen Anschlüsse an die S1, weitere Bahnverbindungen und zahlreiche Buslinien.

Der Umbau des Seetalplatzes und die Einrichtung des Bushubs Emmenbrücke Bahnhof Süd stärkten die Funktion des Bahnhofs erheblich. Damit entstand ein wichtiger Umsteigepunkt zwischen der Seetalbahn und dem Busnetz der nördlichen Agglomeration Luzern.

Waldibrücke

Die Haltestelle Waldibrücke liegt im nordöstlichen Teil der Gemeinde Emmen.

Sie ist nicht nur Bahnhaltestelle, sondern auch ein regionaler Umsteigepunkt zu Buslinien. Von hier bestehen Verbindungen unter anderem in Richtung Inwil, Buchrain und weitere Ortschaften im Raum Luzern Ost.

Für die Fahrplangestaltung der S99 besitzt Waldibrücke wegen der eingleisigen Infrastruktur der Seetalbahn auch betriebliche Bedeutung.

Eschenbach

Der Bahnhof Eschenbach LU erschliesst die Gemeinde Eschenbach und liegt ungefähr in der Mitte des S99-Abschnitts zwischen Luzern und Hochdorf.

Auch Eschenbach besitzt wegen der Kreuzungsmöglichkeiten auf der eingleisigen Bahnstrecke eine besondere betriebliche Bedeutung.

Die Fahrplanlagen von S9 und S99 werden durch die verfügbaren Kreuzungsstellen beeinflusst. Der Verkehrsverbund Luzern hat in früheren Fahrplanverfahren ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in Eschenbach keine gleichzeitige Einfahrt bestimmter Züge möglich ist und die S99 deshalb Auswirkungen auf die Fahrplanlage der S9 hat.[6]

Ballwil

Ballwil ist die nächste Station in Richtung Hochdorf.

Der Bahnhof erschliesst die gleichnamige Gemeinde und wird sowohl von der S9 als auch von der S99 bedient.

Durch die zusätzlichen S99-Züge bestehen während der Hauptverkehrszeiten mehr direkte Verbindungen zwischen Ballwil und Luzern als im regulären Grundangebot.

Hochdorf Schönau

Die Haltestelle Hochdorf Schönau liegt südlich des Zentrums von Hochdorf.

Sie erschliesst Wohn- und Gewerbegebiete und wird von beiden Seetalbahn-Linien S9 und S99 bedient.

Bei den morgendlichen S99-Zügen erfolgt der Halt nur etwa eine Minute nach der Abfahrt am Bahnhof Hochdorf. Dadurch übernimmt die Station insbesondere eine lokale Zubringerfunktion für den Pendlerverkehr in Richtung Luzern.

Hochdorf

Der Bahnhof Hochdorf ist der zweite Endpunkt der S99.

Hochdorf ist das wichtigste regionale Zentrum des Luzerner Seetals. Am Bahnhof treffen Bahn- und mehrere regionale Buslinien zusammen.

Mit der S9 bestehen ganztägige Verbindungen in Richtung Luzern sowie über Hitzkirch und Beinwil am See nach Lenzburg. Die S99 ergänzt dieses Angebot während der Hauptverkehrszeiten.

Am Morgen beginnen die S99-Züge in Hochdorf um 07:07 und 08:07 Uhr. Damit liegen sie zeitlich zwischen den regulären S9-Verbindungen.[2]

Nachfrage

Die Bahnverbindungen ins Seetal gehören zu denjenigen Teilen des Luzerner öffentlichen Verkehrs, die in den vergangenen Jahren besonders starke Nachfragezuwächse verzeichneten.

Der Verkehrsverbund Luzern berichtete für 2024 von überproportionalen Zuwächsen auf den Linien S9 und S99.[7]

Dies entspricht der zunehmenden Bedeutung des Seetals als Wohnregion für Personen, die im Raum Luzern arbeiten oder ausgebildet werden.

Die S99 erfüllt dabei vor allem eine Kapazitätsfunktion. Statt das Grundangebot während des gesamten Tages zu verdichten, werden zusätzliche Züge gezielt in den Zeiten mit der höchsten Nachfrage eingesetzt.

Fahrzeuge

Auf der Seetalbahn setzt die SBB speziell für die Strecke geeignete elektrische Triebzüge ein.

Bis zum Ende der 2020er-Jahre prägen insbesondere die schmalen Seetal-Gelenktriebwagen das Erscheinungsbild der Strecke. Die besondere Fahrzeugbreite hängt mit den engen Verhältnissen auf historischen Abschnitten der Seetalbahn zusammen.

Die SBB hat elf neue Fahrzeuge für das Seetal bestellt. Sie sollen ab 2029 die bisherigen Seetal-Triebzüge ersetzen. Die neuen Züge werden 108 Meter lang sein und 254 Sitzplätze bieten.[8]

Von der höheren Kapazität sollen künftig auch die stark nachgefragten Verbindungen im südlichen Seetal profitieren.

Bedeutung der Liniennummer

Die hohe Liniennummer S99 unterscheidet die Verbindung bewusst von den regulären S-Bahn-Linien.

In der S-Bahn Luzern werden Linien mit höheren oder besonderen Nummern teilweise für Ergänzungs- und Verstärkungsangebote verwendet. Die S99 ist daher als Zusatzangebot zur S9 konzipiert und nicht als eigenständige ganztägige Hauptlinie.

Für Fahrgäste macht die eigene Liniennummer dennoch deutlich, dass der Zug ein anderes Haltemuster und eine andere Fahrplanlage als die reguläre S9 besitzt.

Tarif

Die gesamte S99 liegt im Tarifgebiet des Tarifverbunds Passepartout.

Für die Benutzung gelten die regulären Billette und Abonnemente des öffentlichen Verkehrs. Für die S99 wird kein besonderer Zuschlag erhoben.

Da die Linie vollständig innerhalb des Kantons Luzern verkehrt, spielt sie insbesondere für den regionalen Pendlerverkehr innerhalb des Passepartout-Gebiets eine wichtige Rolle.

Zukunft

Die langfristige Entwicklung der Seetalbahn hängt eng mit dem Ausbau des Bahnknotens Luzern zusammen.

Der heutige Kopfbahnhof und seine Zufahrten gelten als stark ausgelastet. Mit dem geplanten Durchgangsbahnhof Luzern sollen langfristig zusätzliche Kapazitäten und neue Durchmesserverbindungen geschaffen werden.

Auch auf der Seetalbahn selbst werden Möglichkeiten für zusätzliche Kreuzungsstellen, Doppelspurabschnitte und weitere infrastrukturelle Verbesserungen untersucht.

Ein langfristiges Ziel ist ein leistungsfähigeres und stabileres Angebot zwischen Luzern, Hochdorf und dem nördlichen Seetal. Ob die heutige Linienbezeichnung S99 nach grösseren zukünftigen Angebotsausbauten unverändert bestehen bleibt, hängt vom späteren Linienkonzept der S-Bahn Luzern ab.

Kurzfristig bleibt die S99 vor allem eine gezielte Verstärkung der stark nachgefragten S9 in den Hauptverkehrszeiten.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Verkehrsverbund Luzern: Rückblick – Meilensteine, Abschnitt «Einführung der S99», abgerufen am 10. August 2026.
  2. 2,0 2,1 SBB-Fahrplandaten für das Fahrplanjahr 2026, Verbindung Hochdorf–Luzern, Linie S99, abgerufen am 10. August 2026.
  3. Schweizerische Bundesbahnen: Abfahrten Luzern, Fahrplanjahr 2026, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 10. August 2026.
  4. Verkehrsverbund Luzern: Geschäftsbericht 2015, Medienmitteilung vom 9. Juni 2016, abgerufen am 10. August 2026.
  5. Verkehrsverbund Luzern: öV-Bericht 2023 bis 2026, 20. September 2022, abgerufen am 10. August 2026.
  6. Verkehrsverbund Luzern: Vernehmlassung Fahrplan 2022 – Stellungnahmen, abgerufen am 10. August 2026.
  7. Verkehrsverbund Luzern: Geschäftsbericht 2024, abgerufen am 10. August 2026.
  8. Schweizerische Bundesbahnen: Seetaler – der neue Zug für die Seetalregion, abgerufen am 10. August 2026.