Sechseläutenplatz

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 8. August 2026, 11:12 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable float-right" style="float:right; width:315px; margin:0 0 1em 1em;" ! colspan="2" | Sechseläutenplatz |- | Ort | Zürich |- | Stadtkreis | Kreis 1 |- | Quartier | Hochschulen |- | Lage | zwischen Bellevue, Opernhaus Zürich und Zürichsee |- | Fläche | rund 16'000 m² |- | Früherer Name | Tonhalleplatz |- | Heutiger Name seit | 1947 |- | Neugestaltung |…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Sechseläutenplatz
Ort Zürich
Stadtkreis Kreis 1
Quartier Hochschulen
Lage zwischen Bellevue, Opernhaus Zürich und Zürichsee
Fläche rund 16'000 m²
Früherer Name Tonhalleplatz
Heutiger Name seit 1947
Neugestaltung 2011–2014
Eröffnung des neugestalteten Platzes 22. April 2014
Gestaltung Projekt «Opus One»
Architektur Zach + Zünd Architekten
Landschaftsarchitektur Vetschpartner Landschaftsarchitekten
Belag Valser Quarzit
Bedeutende Veranstaltungen Sechseläuten, Circus Knie, Zurich Film Festival, Street Parade

Der Sechseläutenplatz ist ein grosser öffentlicher Platz im Zentrum der Stadt Zürich. Er liegt unmittelbar am Zürichsee zwischen Bellevue, Opernhaus Zürich und Utoquai und gehört zum statistischen Quartier Hochschulen im Kreis 1. Mit einer Fläche von rund 16'000 Quadratmetern bezeichnet ihn die Stadt Zürich als grössten innerstädtischen Platz der Schweiz.[1]

Der Platz ist nach dem traditionellen Zürcher Frühlingsfest Sechseläuten benannt. Höhepunkt dieses Festes ist die Verbrennung des mit Feuerwerkskörpern gefüllten Schneemanns Böögg. Der Sechseläutenplatz ist zugleich ein wichtiger öffentlicher Aufenthaltsraum, Veranstaltungsort und Bestandteil der Zürcher Seeanlagen.

Seine heutige Gestaltung entstand zwischen 2011 und 2014. Der frühere Sechseläutenplatz und der unmittelbar vor dem Opernhaus gelegene Theaterplatz wurden zu einer zusammenhängenden Platzanlage verbunden. Mehr als 110'000 Natursteine aus Valser Quarzit bilden den charakteristischen Bodenbelag.[2]

Lage

Der Sechseläutenplatz liegt am nordöstlichen Ende des Zürichsees, unmittelbar dort, wo der See in die Limmat übergeht.

Im Norden grenzt er an das Bellevue und die Theaterstrasse, im Osten an das Opernhaus und die Schillerstrasse, im Süden beziehungsweise Südosten an das Utoquai und im Westen an den Übergang zu den innerstädtischen Verkehrsflächen.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich:

Der Platz bildet einen wichtigen Übergang zwischen Altstadt, Seeufer und den Quartieren östlich des Stadtzentrums.

Vorgeschichte

Das Gebiet des heutigen Sechseläutenplatzes gehört zu den archäologisch bedeutendsten Bereichen Zürichs.

Vor mehreren Jahrtausenden lag die heutige Platzfläche im unmittelbaren Uferbereich des Zürichsees. Bereits während der Jungsteinzeit errichteten Menschen hier Siedlungen.

Beim Bau des unterirdischen Parkhauses Opéra wurden 2010 aussergewöhnlich gut erhaltene Reste prähistorischer Seeufersiedlungen entdeckt.[3]

Die Funde zeigen, dass sich im Gebiet des heutigen Platzes vor rund 5000 Jahren wiederholt Dörfer befanden.

Pfahlbausiedlungen

Die archäologische Rettungsgrabung beim Parkhaus Opéra dauerte von April 2010 bis Januar 2011.

Auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern wurden mehrere übereinanderliegende Siedlungsschichten untersucht. Die Auswertung ergab acht Siedlungsphasen aus der Zeit zwischen ungefähr 3234 und 2727 v. Chr..[4]

Die besonderen Bodenverhältnisse im ehemaligen Seeuferbereich sorgten dafür, dass organische Materialien ungewöhnlich gut erhalten blieben.

Gefunden wurden unter anderem:

  • Holzbauteile;
  • Keramik;
  • Steinwerkzeuge;
  • Knochen;
  • Pflanzenreste;
  • Geräte des täglichen Lebens;
  • Überreste von Häusern und Feuerstellen.

Während der Grabung wurden rund 20'000 Fundobjekte geborgen.[5]

Die Fundstelle ermöglicht detaillierte Einblicke in Ernährung, Landwirtschaft, Handwerk, Hausbau und Umwelt der jungsteinzeitlichen Bevölkerung am Zürichsee.

Sie steht kulturgeschichtlich in engem Zusammenhang mit den prähistorischen Pfahlbausiedlungen rund um die Alpen, von denen mehrere Fundstellen am Zürichsee zum UNESCO-Welterbe gehören.

Archäologisches Fenster

Da die archäologischen Schichten durch den Bau des Parkhauses nicht vollständig am ursprünglichen Ort erhalten werden konnten, richtete die Stadt ein Archäologisches Fenster ein.

Es befindet sich im seeseitigen Ausgangsbereich des Parkhauses Opéra.

Die Ausstellung zeigt originale Funde, Schichten und Rekonstruktionen und vermittelt Informationen über die Menschen, die vor rund 5000 Jahren am heutigen Sechseläutenplatz lebten.[6]

Die Ausstellung ist frei zugänglich.

Seit 2021 ergänzt die digitale Anwendung pastZurich die Vermittlung der archäologischen Geschichte. Mithilfe von Augmented Reality lässt sich auf dem heutigen Platz ein rekonstruiertes Pfahlbaudorf in Originalgrösse betrachten. Zum 15-jährigen Jubiläum des UNESCO-Welterbes «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» wurde die Anwendung 2026 umfassend erneuert.[7]

Entstehung des heutigen Seeufers

Noch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit verlief die Uferlinie des Zürichsees deutlich weiter landeinwärts als heute.

Das Gebiet des späteren Bellevue und Sechseläutenplatzes entstand zu einem grossen Teil durch künstliche Aufschüttungen.

Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt zunehmend zum See hin erweitert. Hafenanlagen, Strassen und neue öffentliche Flächen entstanden auf aufgeschüttetem Land.

Besonders tiefgreifend waren die Veränderungen während des Baus der Zürcher Quaianlagen in den 1880er-Jahren. Die neue Ufergestaltung veränderte das Verhältnis der Stadt zum Zürichsee grundlegend und schuf grosse Teile der heute bekannten Seeuferlinie.

Kornhaus und alte Tonhalle

Im Bereich des heutigen Platzes befanden sich im 19. Jahrhundert verschiedene Hafen- und Gewerbeanlagen.

Eine wichtige Rolle spielte ein Kornhaus. Nachdem Getreide zunehmend mit der Eisenbahn statt auf dem Wasser transportiert wurde, verlor das Gebäude seine ursprüngliche Funktion.

1867 wurde darin ein Konzertsaal eingerichtet. Daraus entwickelte sich die sogenannte alte Tonhalle.[8]

Mit dem Bau der neuen Tonhalle am anderen Ufer des Zürichsees verlor der alte Bau seine Bedeutung.

1896 wurde die alte Tonhalle abgebrochen. Die freigewordene Fläche vor dem wenige Jahre zuvor eröffneten Stadttheater wurde anschliessend als Tonhalleplatz bezeichnet.

Opernhaus Zürich

Das Opernhaus Zürich prägt die östliche Seite des Sechseläutenplatzes.

Seine Geschichte geht auf das 1834 eröffnete Aktientheater am Hirschengraben zurück. Dieses Gebäude brannte in der Neujahrsnacht 1890 ab.

Als Ersatz entstand am damaligen Dufourplatz ein neues Theater nach Plänen der Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer.

Das neue Stadttheater wurde am 30. September 1891 eröffnet; am folgenden Tag wurde Richard Wagners Lohengrin gespielt.[9]

Seit 1964 trägt das Gebäude den Namen Opernhaus Zürich.

Durch die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes erhielt das Opernhaus im 21. Jahrhundert erstmals einen grosszügigen zusammenhängenden Vorplatz.

Das Sechseläuten

Namensgeber des Platzes ist das Zürcher Sechseläuten.

Das traditionelle Frühlingsfest geht auf verschiedene ältere Bräuche zurück. Die Bezeichnung «Sechseläuten» erinnert daran, dass im Sommerhalbjahr die Arbeitszeit der Zürcher Handwerker früher mit dem Läuten der Glocken um sechs Uhr abends endete.

Im 19. Jahrhundert verbanden sich die Traditionen der Zürcher Zünfte mit dem Brauch, zum Frühlingsbeginn eine Figur zu verbrennen.

Im frühen 19. Jahrhundert verbrannten Jugendliche im damaligen Kratzquartier Strohpuppen. Aus diesen Bräuchen entwickelte sich allmählich die heutige Verbrennung des Böögg.[10]

Böögg auf dem Platz

Der Böögg wurde 1902 und seit 1904 regelmässig auf dem Platz der 1896 abgebrochenen alten Tonhalle verbrannt.[10]

Die Figur stellt einen Schneemann dar und symbolisiert den Winter.

Beim Sechseläuten wird der Böögg auf einem hohen Holzstoss befestigt. Nach dem traditionellen Umzug der Zürcher Zünfte wird der Holzstoss entzündet.

Reiter der Zünfte umkreisen während des Feuers den Böögg.

Nach volkstümlicher Vorstellung soll die Zeit bis zur Explosion des mit Feuerwerkskörpern gefüllten Kopfes einen Hinweis darauf geben, wie gut der kommende Sommer wird. Ein schneller explodierender Kopf gilt demnach als Zeichen für einen schönen Sommer. Eine wissenschaftliche Grundlage besitzt diese Wetterprognose nicht.

Name Sechseläutenplatz

Die Fläche hiess lange Tonhalleplatz.

Nachdem sich das Sechseläuten mit der Böögg-Verbrennung dauerhaft an diesem Ort etabliert hatte, beschloss der Zürcher Stadtrat 1947, den Tonhalleplatz offiziell in Sechseläutenplatz umzubenennen.[10]

Der Name ist seither eng mit dem kulturellen Selbstverständnis Zürichs verbunden.

Sechseläutenwiese

Vor der grossen Neugestaltung des 21. Jahrhunderts war ein grosser Teil des Platzes als Wiese gestaltet und wurde häufig Sechseläutenwiese genannt.

Die Fläche wurde für das Sechseläuten, Zirkusgastspiele und andere Grossveranstaltungen genutzt.

Ausserhalb von Veranstaltungen erfüllte sie jedoch nur eingeschränkt die Funktion eines urbanen Aufenthaltsraums. Zusätzlich waren grosse Teile des Bereichs vor dem Opernhaus durch oberirdische Parkplätze belegt.

Seit den 1990er-Jahren wurde deshalb intensiv über eine Aufwertung des gesamten Raums zwischen Bellevue und Opernhaus diskutiert.

Planungen für einen neuen Platz

Ende der 1990er-Jahre begann die konkrete Planung für die Umgestaltung.

1998 erteilte der Stadtrat eine Konzession zur Projektierung, zum Bau und zum Betrieb eines unterirdischen Parkhauses unter dem Sechseläuten- und Theaterplatz.[11]

Das zentrale Ziel bestand darin, die oberirdischen Parkplätze zu beseitigen und an ihrer Stelle einen hochwertigen öffentlichen Stadtraum zu schaffen.

Im Jahr 2000 gewann das Projekt «Opus One» einen Gestaltungswettbewerb.[12]

An der Gestaltung waren unter anderem Zach + Zünd Architekten und Vetschpartner Landschaftsarchitekten beteiligt.

Volksabstimmungen

Die Neugestaltung war Gegenstand mehrerer politischer Entscheidungen.

Im Mai 2003 stimmten die Zürcher Stimmberechtigten dem öffentlichen Gestaltungsplan «Sechseläutenplatz – Theaterplatz» deutlich zu.

Eine weitere Abstimmung folgte 2012. Auch dabei sprach sich die Bevölkerung für die vorgesehene Gestaltung aus.[1]

Damit erhielt das Projekt eine breite demokratische Legitimation.

Parkhaus Opéra

Eine zentrale Voraussetzung der Neugestaltung war die Verlegung der oberirdischen Parkplätze unter die Erde.

Unter dem Platz entstand das Parkhaus Opéra mit knapp 300 Parkplätzen.[13]

Der Bau begann 2009.

Nachdem archäologische Sondierungen im Januar 2010 aussergewöhnlich gut erhaltene prähistorische Siedlungsschichten gezeigt hatten, wurde der Bauablauf angepasst.

Von Mai 2010 bis Januar 2011 erfolgte die umfangreiche Rettungsgrabung.

Nach Abschluss der archäologischen Arbeiten konnte der Bau des Parkhauses fortgesetzt werden.

Neugestaltung 2011 bis 2014

Nach Fertigstellung des unterirdischen Parkhauses wurde die Oberfläche grundlegend neu gestaltet.

Der frühere Theaterplatz vor dem Opernhaus wurde in den Sechseläutenplatz integriert. Gleichzeitig verschwanden Teile der früheren Gottfried-Keller-Strasse und Goethestrasse aus diesem Bereich.[14]

Der neue Sechseläutenplatz erstreckt sich seither bis unmittelbar vor das Opernhaus.

Dadurch entstand erstmals ein zusammenhängender öffentlicher Raum zwischen Bellevue, Opernhaus und Zürichsee.

Valser Quarzit

Das auffälligste gestalterische Element des neuen Platzes ist der Natursteinbelag.

Verwendet wurde Valser Quarzit aus Vals im Kanton Graubünden.

Die Steine stammen aus einem Steinbruch auf fast 1300 Metern über Meer und sind geologisch mehr als 250 Millionen Jahre alt.[2]

Der Belag besteht aus Steinen mit zwei unterschiedlichen Breiten von 10 und 13 Zentimetern. Die Steine sind jeweils etwa 10 Zentimeter stark.

Auf einer Fläche von rund 12'600 Quadratmetern wurden mehr als 110'000 einzelne Steine verlegt.[2]

Sie besitzen zusammen ein Gewicht von ungefähr 3500 Tonnen.

Unter dem Naturstein befindet sich ein rund 50 Zentimeter starker Aufbau aus Kies und Beton.

Der letzte Quarzitstein wurde am 19. November 2013 verlegt.

Gestaltungskonzept

Die Gestaltung sollte einen repräsentativen Stadtplatz schaffen, der gleichzeitig für den Alltag und für Grossveranstaltungen geeignet ist.

Die weitgehend offene Steinfläche erlaubt flexible Nutzungen.

Das Konzept wird durch mehrere Bauminseln, Sitzgelegenheiten, Gastronomie und ein Wasserspiel ergänzt.

Die Stadt beschreibt den Platz als eine Art Stadtsalon. Durch die unmittelbare Lage vor dem Opernhaus bildet er zugleich dessen erweiterte öffentliche Bühne.[15]

Bäume

Im Frühjahr 2014 wurden auf dem neugestalteten Platz insgesamt 56 Bäume gepflanzt.[16]

Es handelte sich vor allem um:

  • Amerikanische Roteichen;
  • Tulpenbäume.

Ein grosser Teil der Bäume wurde auf mehreren Kies- beziehungsweise Bauminseln angeordnet.

Die Baumgruppen sollen Schatten bieten und den grossen steinernen Platz räumlich gliedern.

In den ersten Jahren nach der Pflanzung zeigte sich, dass verschiedene Bäume mit den schwierigen Standortbedingungen Probleme hatten. 2018 mussten mehrere abgestorbene Exemplare ersetzt werden. Gleichzeitig wurden Massnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bäume getroffen.[17]

Sitzgelegenheiten

Bei der Neugestaltung wurde bewusst auf eine flexible Möblierung gesetzt.

Neben festen Sitzbänken wurden bewegliche Stühle aufgestellt. Besucherinnen und Besucher können diese innerhalb bestimmter Bereiche selbst verschieben und ihren Sitzplatz frei wählen.[16]

Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten rund 100 bewegliche Stühle.

Entlang des Utoquais wurden zudem zwei lange Sitzbänke aus wetterfester Esche mit Längen von ungefähr zwölf und 38 Metern installiert.

Das Konzept orientiert sich an öffentlichen Park- und Platzanlagen, in denen bewegliches Mobiliar eine individuelle Nutzung des Raums ermöglicht.

Wasserspiel

Auf dem Sechseläutenplatz befindet sich ein ebenerdiges Wasserspiel.

Die technische Anlage wurde während der Neugestaltung in den Platz integriert.

Da sich die Wasserelemente auf Bodenniveau befinden, kann die Fläche ausserhalb des Betriebs weiterhin als Teil des Platzes genutzt werden.

Besonders im Sommer wird das Wasserspiel von Kindern und anderen Besucherinnen und Besuchern genutzt und trägt zur Belebung des Platzes bei.

Die technische Brunnenanlage befindet sich unterirdisch.

Eröffnung 2014

Der neugestaltete Sechseläutenplatz wurde am 22. April 2014 offiziell eingeweiht.[1]

Die Eröffnung fand unmittelbar nach dem traditionellen Sechseläuten statt.

Anschliessend wurde der neue Platz während mehrerer Tage mit verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen gefeiert.

Mit seiner Eröffnung erhielt Zürich erstmals einen grossen, weitgehend autofreien öffentlichen Platz zwischen Bellevue und Opernhaus.

Nutzungskonzept

Eine zentrale Frage bei der Neugestaltung war das Verhältnis zwischen Grossveranstaltungen und alltäglicher Nutzung.

Der Platz war bereits vor dem Umbau häufig für Veranstaltungen belegt.

Der Stadtrat beschloss deshalb 2011 ein Nutzungskonzept, das der freien Nutzung durch die Bevölkerung einen höheren Stellenwert geben sollte.[11]

Danach sollte der Platz während mindestens 180 Tagen pro Jahr vollständig für die allgemeine Nutzung frei bleiben.

Zwischen März und Oktober sollten mindestens 120 veranstaltungsfreie Tage gewährleistet werden.

Für mehrere traditionelle Grossanlässe wurden besondere Regelungen geschaffen.

Veranstaltungen

Der Sechseläutenplatz gehört zu den wichtigsten Veranstaltungsorten im öffentlichen Raum Zürichs.

Zu den Veranstaltungen, die regelmässig oder wiederholt mit dem Platz verbunden sind, gehören:

Das Nutzungskonzept von 2011 nannte Sechseläuten, Circus Knie, einen weiteren Zirkus im Herbst, Züri Fäscht, Street Parade und Zurich Film Festival als traditionell wiederkehrende Veranstaltungen mit besonderer Stellung.[11]

Sechseläuten auf dem neuen Platz

Das traditionelle Frühlingsfest stellt besondere Anforderungen an den Natursteinbelag.

Der Scheiterhaufen des Böögg entwickelt beim Abbrennen sehr hohe Temperaturen. Direkter Kontakt von Glut mit dem Valser Quarzit könnte den Stein beschädigen.

Für das Sechseläuten wird deshalb im Bereich des Feuers ein spezielles feuerfestes Substrat auf dem Platz ausgebracht.[18]

Nach der Verbrennung des Böögg wird dieses Material traditionell teilweise für die anschliessende Grillfeier genutzt.

Grillieren nach dem Sechseläuten

Nach dem offiziellen Ende des Sechseläutens entwickelte sich der Brauch, auf der verbleibenden Glut Würste und andere Speisen zu grillieren.

Diese informelle Feier zieht bei gutem Wetter zahlreiche Personen auf den Platz.

Seit der Neugestaltung darf die heisse Glut nicht direkt auf den Quarzit gelegt werden. Das Grillieren wird deshalb auf den geschützten Bereich beschränkt, auf dem sich das feuerfeste Substrat befindet.[18]

Damit wird versucht, die populäre Tradition mit dem Schutz des Natursteinbelags zu verbinden.

Circus Knie

Der Circus Knie ist seit langer Zeit eng mit dem Sechseläutenplatz verbunden.

Während seiner Zürcher Gastspiele wird auf einem Teil der Platzfläche ein grosses Zirkuszelt aufgebaut.

Der zentrale Standort am Bellevue gehört zu den bekanntesten Spielorten des Schweizer National-Circus.

Während der Bauarbeiten für das Parkhaus und die Neugestaltung musste der Circus Knie zeitweise auf andere Flächen ausweichen. Seit der Fertigstellung des neuen Platzes kann er den Standort wieder nutzen.

Zurich Film Festival

Auch das Zurich Film Festival nutzt den Bereich des Sechseläutenplatzes regelmässig.

Während des Festivals entstehen dort temporäre Veranstaltungs- und Begegnungsbereiche.

Die unmittelbare Nähe zu Bellevue, Opernhaus und Bahnhof Stadelhofen macht den Platz für Veranstaltungen mit grossem Besucheraufkommen besonders geeignet.

Das Festival trägt während seiner Dauer wesentlich zur internationalen Wahrnehmung des Platzes bei.

Street Parade

Die Route der Street Parade führt durch den Bereich des Zürcher Seebeckens und damit unmittelbar am Sechseläutenplatz vorbei.

Der Platz und das angrenzende Bellevue gehören während der Veranstaltung zu den stark frequentierten Bereichen.

Temporäre Veranstaltungsinfrastruktur und Besucherströme führen dabei zu einer intensiven Nutzung des gesamten Gebiets.

Alltag

Trotz seiner Bedeutung als Veranstaltungsort wurde der neue Sechseläutenplatz bewusst vor allem auch als alltäglicher öffentlicher Raum geschaffen.

An veranstaltungsfreien Tagen stehen grosse Teile des Platzes frei zur Verfügung.

Besonders bei schönem Wetter nutzen zahlreiche Menschen die beweglichen Stühle, Sitzbänke und Bauminseln.

Die Nähe zum Zürichsee, zum Opernhaus und zum Bellevue sorgt für einen hohen Anteil an Passantinnen und Passanten, Touristinnen und Touristen sowie Personen, die sich auf dem Platz aufhalten.

Die offene Platzfläche ermöglicht vielfältige spontane Nutzungen.

Gastronomie

Am Rand des Platzes bestehen gastronomische Angebote mit Aussenbereichen.

Sie ergänzen die zahlreichen Restaurants und Cafés rund um Bellevue und Stadelhofen.

Die Gastronomie war Bestandteil des Konzepts, den früher stark von Parkplätzen und Veranstaltungen geprägten Raum dauerhaft zu beleben.

Beleuchtung

Die Neugestaltung des Sechseläutenplatzes wurde auch in das Zürcher Beleuchtungskonzept Plan Lumière integriert.

Eine zurückhaltende Beleuchtung soll den grossen Platz auch am Abend nutzbar machen.

Gleichzeitig wurde die Beleuchtung des Opernhauses neu inszeniert, sodass Gebäude und Platz als zusammenhängender Stadtraum wahrgenommen werden können.[19]

Verkehr

Der Sechseläutenplatz gehört zu den am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossenen Orten Zürichs.

Unmittelbar daneben befindet sich die Haltestelle Bellevue, einer der wichtigsten Knotenpunkte im Netz der Verkehrsbetriebe Zürich.

Mehrere Tramlinien verbinden den Platz mit:

  • Zürich Hauptbahnhof;
  • Stadelhofen;
  • Enge;
  • Zürich-West;
  • Hottingen;
  • Fluntern;
  • Oerlikon;
  • weiteren Stadtquartieren.

Der Bahnhof Zürich Stadelhofen liegt nur wenige Gehminuten entfernt.

Dort verkehren zahlreiche Linien der S-Bahn Zürich sowie die Forchbahn.

Fussverkehr

Der Platz bildet eine wichtige Fussgängerverbindung zwischen Altstadt, Bahnhof Stadelhofen und Zürichsee.

Von Bellevue gelangen Fussgängerinnen und Fussgänger über den Sechseläutenplatz direkt zum Opernhaus und zum Utoquai.

In südlicher Richtung schliessen die Seeanlagen und Promenaden entlang des Zürichsees an.

Über die Quaibrücke besteht eine direkte Verbindung zum Bürkliplatz und zur westlichen Innenstadt.

Bedeutung für das Stadtbild

Der Sechseläutenplatz bildet zusammen mit Opernhaus und Bellevue einen der repräsentativsten öffentlichen Räume Zürichs.

Die offene Gestaltung ermöglicht freie Sicht auf das historische Opernhaus und den Zürichsee.

Im Gegensatz zu den engen Gassen der unmittelbar angrenzenden Altstadt wirkt die Platzanlage grosszügig und weit.

Die helle Natursteinoberfläche, die Baumgruppen und die weitgehend freigehaltene Mitte verleihen dem Platz einen eigenständigen Charakter.

Architektur und Landschaftsgestaltung

Das Projekt «Opus One» wurde von einem interdisziplinären Planungsteam entwickelt.

Zu den beteiligten Büros gehörten Zach + Zünd Architekten und Vetschpartner Landschaftsarchitekten.[15]

Das Konzept verzichtet bewusst auf eine starke Bebauung des Platzes.

Die Architektur beschränkt sich auf wenige Elemente und unterstreicht damit die Wirkung des Opernhauses und der umgebenden Stadtlandschaft.

Zwei Pavillons markieren die Zugänge zum unterirdischen Parkhaus Opéra. Einer der Zugänge ist mit gastronomischer Nutzung verbunden, beim seeseitigen Zugang befindet sich die archäologische Präsentation.

Kosten der Neugestaltung

Für die eigentliche Neugestaltung des Sechseläutenplatzes beantragte der Zürcher Stadtrat 2011 einen Objektkredit von 17,203 Millionen Franken.[12]

Zusätzlich wurden gebundene Ausgaben von 10,256 Millionen Franken für Entwässerung, Strassenoberbau und Werkleitungen im Sechseläuten- und Theaterplatz sowie in angrenzenden Strassen bewilligt.

Die Kosten des separat realisierten Parkhauses Opéra waren darin nicht enthalten.

Auszeichnung

Der neu gestaltete Sechseläutenplatz wurde von der Stadt Zürich in die Auswahl der Ausgezeichneten Bauten 2011–2015 aufgenommen.[15]

Gewürdigt wurden insbesondere die Umwandlung einer zuvor teilweise als Parkplatz und Veranstaltungsfläche genutzten Fläche in einen zusammenhängenden öffentlichen Stadtraum sowie die Verbindung von Opernhaus, See und Bellevue.

Sommerliche Nutzung und Schatten

Die grosse Steinfläche des Platzes erwärmt sich während sonniger Sommertage stark.

Schon wenige Jahre nach der Eröffnung wurde deshalb der Wunsch nach zusätzlichen Schattenmöglichkeiten geäussert.

2018 installierte die Stadt zwölf zusätzliche Sonnenschirme.[20]

Die Frage nach Begrünung, Schatten und sommerlicher Aufenthaltsqualität ist Teil der allgemeinen Diskussion über die Anpassung öffentlicher Räume Zürichs an steigende Temperaturen.

Bedeutung

Der Sechseläutenplatz verbindet mehrere unterschiedliche Aspekte der Zürcher Geschichte.

Unter der heutigen Natursteinfläche liegen Spuren von Siedlungen, die mehr als fünf Jahrtausende alt sind. Im 19. Jahrhundert entstand das heutige Seeufer durch tiefgreifende städtebauliche Veränderungen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist der Ort eng mit dem Sechseläuten und dem Böögg verbunden.

Mit der Neugestaltung von 2014 wurde die Fläche zu einem der grössten und wichtigsten öffentlichen Plätze der Stadt.

Heute erfüllt der Sechseläutenplatz gleichzeitig Funktionen als:

  • öffentlicher Aufenthaltsraum;
  • Festplatz;
  • Zirkusstandort;
  • Kultur- und Veranstaltungsfläche;
  • Vorplatz des Opernhauses;
  • Verbindung zwischen Innenstadt und Zürichsee;
  • archäologischer Erinnerungsort.

Diese Verbindung von Alltagsleben, Tradition, Kultur und jahrtausendealter Siedlungsgeschichte macht den Sechseläutenplatz zu einem der charakteristischsten öffentlichen Räume Zürichs.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Stadt Zürich: Sechseläutenplatz wird am 22. April 2014 eingeweiht, 15. Januar 2014.
  2. 2,0 2,1 2,2 Stadt Zürich: Sechseläutenplatz: Naturstein-Belag drei Wochen vor Termin fertig, 18. November 2013.
  3. Stadt Zürich: Pfahlbau Parkhaus Opéra, abgerufen am 8. August 2026.
  4. Stadt Zürich: Parkhaus Opéra: Eine Tür in die Vergangenheit, 9. März 2017.
  5. Stadt Zürich: Von der Pfahlbausiedlung zum Parkhaus, 13. Januar 2011.
  6. Stadt Zürich: Parkhaus Opéra – Archäologisches Fenster, abgerufen am 8. August 2026.
  7. Stadt Zürich: 15 Jahre UNESCO Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen»: Erneuerte App «pastZurich», 2026.
  8. Opernhaus Zürich: Geschichte des Areals am Sechseläutenplatz, Dokumentation zum Architekturwettbewerb.
  9. Opernhaus Zürich: Geschichte und Architektur, abgerufen am 8. August 2026.
  10. 10,0 10,1 10,2 Stadtarchiv Zürich: Das Zürcher Sechseläuten, abgerufen am 8. August 2026.
  11. 11,0 11,1 11,2 Stadt Zürich: Neues Nutzungskonzept will mehr Alltagsnutzen für Sechseläutenplatz, 5. Oktober 2011.
  12. 12,0 12,1 Stadt Zürich: Neuer Sechseläutenplatz mit unverwechselbarem Charakter, 15. September 2011.
  13. Stadt Zürich: Eröffnung Parkhaus Opéra, 3. Mai 2012.
  14. Stadt Zürich: Berichtigungen und Aufhebungen infolge Neugestaltung Sechseläutenplatz, 30. November 2011.
  15. 15,0 15,1 15,2 Stadt Zürich: Ausgezeichnete Bauten 2011 bis 2015.
  16. 16,0 16,1 Stadt Zürich: So sitzt es sich auf dem Sechseläutenplatz, 24. März 2014.
  17. Stadt Zürich: Rund ein Viertel der Bäume auf dem Sechseläutenplatz abgestorben, 4. Oktober 2018.
  18. 18,0 18,1 Stadt Zürich: Neue Regel für die Grillparty nach dem Sechseläuten, 28. März 2014.
  19. Stadt Zürich, Tiefbauamt: 10 Jahre Plan Lumière – Eine Dokumentation.
  20. Stadt Zürich: Gesponserte Sonnenschirme für den Sechseläutenplatz, 31. Mai 2018.

Literatur

  • Stadt Zürich, Tiefbauamt: Dokumentationen zur Neugestaltung des Sechseläutenplatzes. Zürich 2011–2014.
  • Christian Harb, Niels Bleicher (Hrsg.): Zürich-Parkhaus Opéra. Eine neolithische Feuchtbodenfundstelle. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich.
  • Stadt Zürich, Archäologie: Dokumentationen zur Grabung Parkhaus Opéra.
  • Stadtarchiv Zürich: Dokumentationen zur Geschichte des Zürcher Sechseläutens.
  • Salomon Friedrich Gyr: Das Zürcherische Sechseläuten. Eine Studie über dessen Ursprung und Entwicklung. Zürich 1912.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Sechseläutenplatz