Bahnhof Fischenthal

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Bahnhof Fischenthal
Bahnhofstyp Zwischen- und Kreuzungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Gemeinde Fischenthal
Kanton Zürich
Bezirk Hinwil
Eröffnung 15. Oktober 1876
Eigentümerin Schweizerische Bundesbahnen
Infrastrukturbetreiberin Schweizerische Bundesbahnen
Verkehrsunternehmen Thurbo
Abkürzung FI
IBNR 8503136
Perrongleise 2
Strecke Tösstalbahn
S-Bahn-Linie S26
Buslinien 854 und N85
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 173
Höhe 734 m ü. M.
Koordinaten 47.33338° N, 8.92318° E
Website sbb.ch

Der Bahnhof Fischenthal ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) in der politischen Gemeinde Fischenthal im Kanton Zürich. Er liegt an der Tösstalbahn zwischen den Stationen Steg im Tösstal und Gibswil und wird von der Linie S26 der S-Bahn Zürich bedient.

Die Station befindet sich im oberen Tösstal auf rund 734 Metern über Meer und gehört damit zu den höchstgelegenen Bahnhöfen im Kanton Zürich. Sie erschliesst den Hauptort Fischenthal sowie zahlreiche verstreute Weiler, Höfe und Wohngebiete an den Hängen beidseits des Tales.

Der Bahnhof wurde am 15. Oktober 1876 mit dem Abschnitt Bauma–Wald der Tösstalbahn eröffnet. Die Bahnverbindung war für die abgelegene, damals wirtschaftlich geschwächte Berggemeinde von grosser Bedeutung. Sie verbesserte den Zugang zu Arbeitsplätzen, Märkten und Bildungsangeboten in Bauma, Wald, Winterthur und weiteren Zentren des Zürcher Oberlands.

Heute dient Fischenthal hauptsächlich dem regionalen Personenverkehr. Die Züge der S26 verkehren grundsätzlich im Halbstundentakt zwischen Winterthur und Rüti ZH; einzelne Verbindungen werden bis Rapperswil SG geführt.[1]

Lage

Der Bahnhof liegt im Talgrund des oberen Tösstals am östlichen Rand des Siedlungsgebiets von Fischenthal. Die Bahnstrecke verläuft hier weitgehend parallel zur Tösstalstrasse und zur jungen Töss.

Das historische Dorfzentrum mit der reformierten Kirche, der Gemeindeverwaltung und verschiedenen Geschäften befindet sich südwestlich der Station. Die Wohn- und Gewerbebauten entlang der Tösstalstrasse reichen bis unmittelbar an das Bahnhofareal heran.

In der näheren Umgebung befinden sich:

  • die Gemeindeverwaltung Fischenthal,
  • die reformierte Kirche,
  • Schul- und Sportanlagen,
  • die Post und verschiedene Dienstleistungsbetriebe,
  • Wohnquartiere entlang der Tösstalstrasse,
  • der Mühlebach,
  • Wanderwege in das Tössbergland,
  • Wege zum Greiselgubel und zu den umliegenden Höhenzügen.

Das Gemeindegebiet von Fischenthal ist mit rund 30 Quadratkilometern die flächenmässig grösste Landgemeinde des Kantons Zürich. Neben dem Hauptort gehören insbesondere Steg im Tösstal und Gibswil zur Gemeinde.[2]

Alle drei grösseren Ortschaften verfügen über eine eigene Bahnstation an der Tösstalbahn.

Name

Der Bahnhof trägt den Namen der Gemeinde und des gleichnamigen Hauptorts Fischenthal. Die offizielle Stationsbezeichnung lautet schlicht Fischenthal.

Der Ortsname ist bereits im 9. Jahrhundert in der Form «Fiskinestal» belegt. Vermutlich geht er auf einen alemannischen Personennamen zurück und bezeichnete ursprünglich das Tal eines Siedlers namens Fiskin.[2]

Die Bezeichnung hat somit keinen unmittelbaren Zusammenhang mit einem besonders bedeutenden Fischereigewerbe. Das Gemeindewappen mit zwei gegeneinander schwimmenden silbernen Fischen nimmt den heute verständlichen Wortbestandteil «Fisch» jedoch bildlich auf.

Geschichte

Wirtschaftliche Lage vor dem Bahnbau

Fischenthal erlebte im 18. und frühen 19. Jahrhundert durch die Heimindustrie eine Phase starken Bevölkerungswachstums. Handspinnerei und Handweberei boten vielen Familien ein zusätzliches oder hauptsächliches Einkommen.

Mit der Verbreitung mechanischer Spinn- und Webmaschinen verlor die Heimarbeit jedoch rasch an Bedeutung. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner verliessen die höher gelegenen Siedlungen, und viele Wohnstätten wurden aufgegeben.[2]

Die abgelegene Lage und die schwierigen Verkehrsverhältnisse verschärften die wirtschaftlichen Probleme. Waren und Rohstoffe mussten über Strassen transportiert werden, die im Winter und bei Hochwasser nur eingeschränkt benutzbar waren.

Eine Eisenbahnverbindung versprach deshalb:

  • günstigere Transporte,
  • bessere Absatzmöglichkeiten,
  • neue Arbeitsplätze,
  • eine einfachere Versorgung,
  • eine stärkere Verbindung mit Winterthur und dem Zürcher Oberland.

Erste Bahnprojekte

Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Pläne für eine Eisenbahn durch das Tösstal diskutiert. Unterschiedliche Projektgruppen stritten über die Linienführung und die wirtschaftlich sinnvollste Verbindung.

Eine Variante hätte das obere Tösstal und damit Fischenthal nur ungenügend erschlossen. Lokale Politiker und Förderer setzten sich deshalb für eine Strecke von Winterthur über Bauma und Fischenthal nach Wald ein.

1870 wurde unter dem Vorsitz des Winterthurer Stadtpräsidenten Johann Jakob Sulzer ein Komitee zur Förderung der Tösstalbahn gebildet. 1873 entstand die Tösstalbahn-Gesellschaft, die den Bau der Strecke Winterthur–Bauma–Wald übernahm.[3]

Die Vermessungsarbeiten begannen 1872. Die Beschaffung des notwendigen Kapitals erwies sich als schwierig, da die Strecke durch eine dünn besiedelte und wirtschaftlich wenig entwickelte Region führte.

Johann Jakob Keller

Eine wichtige Rolle bei der Finanzierung spielte der aus Fischenthal stammende Unternehmer und Politiker Johann Jakob Keller.

Keller hatte als Kaufmann in Italien ein Vermögen erworben und unterstützte seine Heimatgemeinde mit bedeutenden Geldbeträgen. Zunächst stellte er 200'000 Franken für die Tösstalbahn zur Verfügung und verzichtete vorläufig auf eine Verzinsung.

Als die Baukosten weiter stiegen, übernahm Keller zusätzliche Verpflichtungen der Gemeinde. Insgesamt soll er rund 652'000 Franken für die Erschliessung Fischenthals durch die Eisenbahn aufgebracht haben.[4]

Eine Dampflokomotive der Tösstalbahn trug zu seinen Ehren den Namen «Johann Jakob Keller».

Die finanzielle Unterstützung ermöglichte es der Gemeinde, den Bahnanschluss zu erhalten, ohne die gesamte Belastung selbst tragen zu müssen. Keller gehört deshalb zu den bedeutendsten Förderern der Verkehrsentwicklung im oberen Tösstal.

Bau der Tösstalbahn

Der erste Abschnitt der Tösstalbahn zwischen Winterthur Grüze und Bauma wurde am 4. Mai 1875 eröffnet.

Der Weiterbau von Bauma nach Wald war technisch und finanziell anspruchsvoller. Die Strecke musste im engen oberen Tösstal zwischen Fluss, Strasse und steilen Hängen angelegt werden.

Besondere Herausforderungen waren:

  • instabile Böschungen,
  • Wildbäche und Tobel,
  • enge Platzverhältnisse,
  • Hochwassergefahr,
  • Brücken und Stützmauern,
  • die steigenden Baukosten.

Die Linienführung folgte weitgehend dem Talboden. Neben Fischenthal entstanden Stationen beziehungsweise Haltepunkte in Steg, Gibswil und Wald.

Eröffnung 1876

Am 15. Oktober 1876 nahm die Tösstalbahn den Abschnitt Bauma–Fischenthal–Wald in Betrieb.[5]

Die Eröffnung wurde entlang der Strecke mit geschmückten Bahnhöfen, Festzügen und Feiern in den Ortschaften begangen. Für Fischenthal bedeutete die Bahn den Anschluss an das moderne Verkehrsnetz der Schweiz.

Von Wald bestand über die kurz zuvor eröffnete Wald–Rüti-Bahn eine Verbindung nach Rüti ZH und damit zur Bahnstrecke am rechten Zürichseeufer.

Der Bahnhof Fischenthal diente von Beginn an sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr. Transportiert wurden unter anderem:

  • Textilien,
  • Holz und Holzwaren,
  • landwirtschaftliche Erzeugnisse,
  • Vieh,
  • Kohle,
  • Baumaterialien,
  • Lebensmittel und Postsendungen.

Entwicklung des Bahnhofsquartiers

Die Lage des Bahnhofs beeinflusste die weitere Siedlungsentwicklung. Entlang der Tösstalstrasse und in der Umgebung der Station entstanden Wohnhäuser, kleinere Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen.

Der Bahnhof wurde zu einem wichtigen Treff- und Orientierungspunkt. Von hier aus verteilten sich Reisende und Güter auf die abgelegenen Weiler und Höfe an den Hängen.

Das Stationsgebäude enthielt ursprünglich unter anderem:

  • einen Wartsaal,
  • einen Billett- und Gepäckschalter,
  • Diensträume,
  • Wohnräume für Bahnpersonal,
  • einen angebauten Güterschuppen.

Auf dem Bahnhofareal bestanden zusätzliche Lade- und Nebengleise. Diese dienten dem örtlichen Güterumschlag und dem Abstellen von Wagen.

Direkte Verbindung nach Winterthur

In den ersten Betriebsjahren benutzten die Züge der Tösstalbahn zwischen Winterthur Grüze und dem Bahnhof Winterthur Gleise einer anderen Bahngesellschaft.

1882 nahm die Tösstalbahn eine eigene Verbindung zwischen Grüze und dem Bahnhof Winterthur in Betrieb. Dadurch entfielen Mitbenutzungsgebühren, und die Gesellschaft erhielt eine grössere betriebliche Unabhängigkeit.

Für Fischenthal verbesserte sich damit die direkte Verbindung zum wirtschaftlichen Zentrum Winterthur.

Übernahme durch die SBB

Die Tösstalbahn blieb trotz ihrer regionalen Bedeutung finanziell schwach. Der Betrieb einer langen Nebenbahn durch ein dünn besiedeltes Tal brachte nur begrenzte Einnahmen.

Am 10. Juni 1918 wurde die Tösstalbahn zusammen mit der Wald–Rüti-Bahn verstaatlicht. Die Übernahme galt rückwirkend auf den 1. Januar 1918.

Die Strecke, die Bahnhöfe und die Fahrzeuge gingen an die Schweizerischen Bundesbahnen über. Der Bahnhof Fischenthal wurde damit Teil des nationalen Eisenbahnnetzes.

Die SBB vereinheitlichten in den folgenden Jahrzehnten:

  • Fahrpläne,
  • Tarife,
  • Betriebsvorschriften,
  • Fahrzeuge,
  • Signal- und Sicherungsanlagen,
  • Unterhalt und Verwaltung.

Elektrifizierung

1951 elektrifizierten die SBB die Tösstalbahn. Die Strecke erhielt das schweizerische Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom.

Bis dahin waren die Züge mit Dampflokomotiven geführt worden. Im oberen Tösstal mussten die Maschinen auf den längeren Steigungen erhebliche Leistungen erbringen.

Die Elektrifizierung ermöglichte:

  • eine bessere Beschleunigung,
  • wirtschaftlichere Zugleistungen,
  • kürzere Fahrzeiten,
  • sauberere Bahnhöfe und Ortsdurchfahrten,
  • den Einsatz moderner Triebwagen.

Elektrische Triebwagen prägten den Regionalverkehr während der folgenden Jahrzehnte. Später kamen unter anderem Pendelzüge und Niederflurfahrzeuge zum Einsatz.

Rückgang des Güterverkehrs

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlor der örtliche Güterverkehr zunehmend an Bedeutung. Lastwagen übernahmen einen grossen Teil der Transporte, während viele kleinere industrielle und gewerbliche Betriebe verschwanden oder ihre Logistik veränderten.

Die SBB konzentrierten den Güterumschlag auf grössere Bahnhöfe. Ladegleise, Rampen und weitere Einrichtungen in Fischenthal wurden teilweise entfernt oder nicht mehr regelmässig genutzt.

Der Personenverkehr entwickelte sich dagegen zunehmend zum Pendlerverkehr. Immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner arbeiteten ausserhalb der Gemeinde und nutzten die Bahn für den täglichen Weg nach Bauma, Winterthur, Wald, Rüti und Zürich.

Zürcher S-Bahn

Am 27. Mai 1990 nahm die Zürcher S-Bahn ihren Betrieb auf. Die Tösstalbahn wurde in das neue Linien- und Taktsystem des Zürcher Verkehrsverbunds eingebunden.

Die Verbindung erhielt die Linienbezeichnung S26. Sie verband Winterthur über das Tösstal mit Wald und später durchgehend mit Rüti ZH.

Der Taktverkehr vereinfachte den Fahrplan und verbesserte die Anschlüsse an den überregionalen Verkehr in Winterthur, Rüti und weiteren Knoten.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 besteht auf der gesamten Strecke zwischen Winterthur und Rüti grundsätzlich ein durchgehender Halbstundentakt. Fischenthal dient dabei als planmässiger Kreuzungspunkt für Züge in Gegenrichtung.

Schliessung des Billettschalters

Der Bahnhof verfügte während vieler Jahrzehnte über einen bedienten Billett- und Gepäckschalter.

Mit der zunehmenden Nutzung von Billettautomaten, Internet und mobilen Anwendungen ging die Zahl der am Schalter verkauften Fahrausweise zurück. Ende November 2015 wurde der bediente SBB-Schalter geschlossen.

Die ehemaligen Schalter- und Diensträume wurden danach zeitweise für andere Zwecke genutzt. Die SBB suchten nach Möglichkeiten für eine neue, zum Bahnhof passende Nutzung.[6]

Der Bahnhof ist seither unbedient. Billette werden am Automaten, über die SBB- und ZVV-Anwendungen oder über andere Verkaufskanäle bezogen.

Bahnhofsanlage

Fischenthal ist als Kreuzungsbahnhof an der überwiegend eingleisigen Tösstalbahn angelegt. Er besitzt zwei durchgehende Perrongleise.

Die Gleise ermöglichen, dass sich Züge der S26 in Fischenthal planmässig begegnen. Diese Funktion ist für den Halbstundentakt im oberen Tösstal wichtig.

Die Anlage umfasst:

  • zwei Perrongleise,
  • das historische Stationsgebäude,
  • einen ehemaligen Güterschuppen,
  • Wartebereiche,
  • Billettautomaten,
  • elektronische Fahrgastinformationen,
  • Lautsprecheranlagen,
  • Veloabstellplätze,
  • eine P+Rail-Anlage.

Die Perrons liegen beidseits der Gleise. Reisende müssen beim Überqueren der Bahnanlage die vorgesehenen Zugänge und Sicherungseinrichtungen benutzen.

Fernverkehrszüge verkehren nicht über die Tösstalbahn. Der Bahnhof ist vollständig auf den regionalen Personenverkehr und betriebliche Zugkreuzungen ausgerichtet.

Stationsgebäude

Das historische Stationsgebäude stammt im Kern aus der Eröffnungszeit der Strecke. Es entspricht der für kleinere Stationen der Tösstalbahn typischen Kombination aus Aufnahmegebäude und Güterschuppen.

Der höhere Gebäudeteil nahm die Räume für den Personen- und Bahnbetrieb sowie Wohnungen für das Personal auf. Der niedrigere Güterschuppen diente der Zwischenlagerung und Verladung von Waren.

Das Gebäude dokumentiert die frühere Mehrfachfunktion kleiner Landbahnhöfe. Das örtliche Bahnpersonal war nicht nur für den Billettverkauf zuständig, sondern übernahm auch Aufgaben im Fahrdienst, in der Gepäckabfertigung und im Güterverkehr.

Mit der Zentralisierung der Betriebsführung und dem Ende des örtlichen Güterumschlags verloren zahlreiche Räume ihre ursprüngliche Nutzung.

Historische Aufnahmen des Bahnhofs und des Stationsgebäudes werden von SBB Historic in der Sammlung historischer Bahnhofbilder aufbewahrt.[7]

Bahnverkehr

S26

Der Bahnhof wird im Jahresfahrplan 2026 von der Linie S26 der Zürcher S-Bahn bedient.

Die S26 verkehrt auf der Strecke:

Winterthur–Winterthur Grüze–Winterthur Seen–Sennhof-Kyburg–Kollbrunn–Rikon–Rämismühle-Zell–Turbenthal–Wila–Saland–Bauma–Steg im Tösstal–Fischenthal–Gibswil–Wald ZH–Tann-Dürnten–Rüti ZH.

Einzelne Züge werden über Rüti hinaus bis Rapperswil SG geführt.[1]

In Winterthur bestehen Anschlüsse an:

  • Fernverkehrszüge nach Zürich, St. Gallen, Schaffhausen, Basel und Bern,
  • weitere Linien der Zürcher S-Bahn,
  • Regionalzüge in den Kanton Thurgau,
  • Stadt- und Regionalbusse.

In Rüti bestehen Anschlüsse an die S5, S15 und weitere regionale Verbindungen. Rapperswil bietet Anschlüsse in Richtung Zürichsee, Linthgebiet, Glarnerland und Ostschweiz.

Bedienung

Die S26 bedient Fischenthal grundsätzlich im Halbstundentakt. Die Züge werden von Thurbo im Auftrag des Zürcher Verkehrsverbunds betrieben.

Die Reisezeit beträgt ungefähr:

  • rund 20 Minuten nach Bauma,
  • rund 45 bis 50 Minuten nach Winterthur,
  • rund 10 Minuten nach Wald ZH,
  • rund 20 Minuten nach Rüti ZH.

Die genauen Fahrzeiten hängen vom jeweiligen Fahrplan und den Anschlüssen ab.

Nachtverkehr

In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen wird die Gemeinde zusätzlich durch das Zürcher Nachtnetz erschlossen.

Die Nachtbuslinie N85 bedient die Haltestelle Fischenthal, Bahnhof, und stellt eine Verbindung zu weiteren Orten im Tösstal her.[8]

Busverkehr

Unmittelbar beim Bahnhof befindet sich die Bushaltestelle Fischenthal, Bahnhof.

Sie wird im Jahresfahrplan 2026 von der regionalen Buslinie 854 bedient. Die Linie verbindet:

Bauma–Steg im Tösstal–Fischenthal–Gibswil–Wald ZH–Rüti ZH.

Die Buslinie verläuft weitgehend entlang der Tösstalstrasse und ergänzt die S26. Sie erschliesst auch Haltestellen und Siedlungsbereiche, die nicht unmittelbar an den drei Bahnstationen der Gemeinde liegen.

Die Fahrpläne sind auf wichtige Bahnanschlüsse in Bauma, Wald und Rüti abgestimmt.

Die Nachtlinie N85 verbindet den Bahnhof in den Wochenendnächten mit Steg im Tösstal und weiteren Orten der Region.[8]

Tarif

Der Bahnhof gehört zum Zürcher Verkehrsverbund und liegt in der Tarifzone 173.[9]

Innerhalb des ZVV-Gebiets gilt ein einheitlicher Zonentarif. Mit einem gültigen Fahrausweis können Bahn, Bus, Tram und Schiff in den gelösten Zonen benutzt werden.

Für Fahrten über Rapperswil hinaus in andere Tarifverbünde oder für nationale Verbindungen gelten die entsprechenden Übergangs- beziehungsweise Direkttarife.

Kombinierte Mobilität

Der Bahnhof dient als Umsteigepunkt zwischen Bahn, Bus, Velo, Auto und Fussverkehr.

Nach Angaben der SBB stehen beim Bahnhof sechs überdachte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst sechs reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.[10]

Die vergleichsweise kleine Anlage entspricht dem ländlichen Einzugsgebiet. Ein Teil der Reisenden erreicht den Bahnhof zu Fuss oder mit dem Velo, während Bewohnerinnen und Bewohner entfernter Weiler den Bus oder das Auto benutzen.

Schliessfächer und ein bedientes Reisezentrum bestehen nicht.

Bedeutung für die Gemeinde

Der Bahnhof ist einer von drei Bahnzugängen innerhalb der grossflächigen Gemeinde Fischenthal. Die weiteren Stationen befinden sich in Steg im Tösstal und Gibswil.

Für den Hauptort übernimmt der Bahnhof mehrere Funktionen:

  • Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt,
  • Verbindung zu weiterführenden Schulen,
  • Erschliessung für den Einkaufs- und Freizeitverkehr,
  • Anschluss an Behörden und Gesundheitseinrichtungen ausserhalb der Gemeinde,
  • Ausgangspunkt für Wanderungen,
  • Umsteigepunkt zwischen S-Bahn und Regionalbus.

Die Bahn hilft, die Nachteile der peripheren Lage auszugleichen. Besonders wichtig sind die direkten Verbindungen nach Winterthur sowie die Anschlüsse in Rüti in Richtung Zürich.

Für Jugendliche und ältere Menschen ohne eigenes Auto bildet der Bahnhof einen wesentlichen Bestandteil der Grundversorgung.

Einfluss auf die Siedlungsentwicklung

Vor dem Bahnbau bestand Fischenthal aus einem lockeren Verbund von Dorfteilen, Weilern und Einzelhöfen. Die Bevölkerung lebte teilweise weit oberhalb des Talbodens.

Mit der Bahn gewann die Talachse an Bedeutung. In der Nähe von Strasse und Bahnhof entstanden neue Wohn- und Gewerbebauten.

Die Entwicklung wurde durch mehrere Faktoren begünstigt:

  • bessere Erreichbarkeit,
  • Nähe zu Bahn und Strasse,
  • geringere Bauerschliessungskosten im Talgrund,
  • Rückgang der Landwirtschaft an steilen Hanglagen,
  • zunehmender Pendlerverkehr.

Der Bahnhof trug damit zur langfristigen Verlagerung des Siedlungsschwerpunkts in den Talboden bei.

Wirtschaftliche Bedeutung

Während der Frühzeit der Bahn erleichterte die Station vor allem den Transport von Textilien, Holz, Vieh und landwirtschaftlichen Erzeugnissen.

Die Tösstalbahn ermöglichte den lokalen Betrieben den Bezug von Kohle, Maschinen, Baumaterial und anderen Waren zu geringeren Kosten. Gleichzeitig konnten Erzeugnisse schneller auf die Märkte in Winterthur, Zürich und der Ostschweiz gebracht werden.

Mit dem Rückgang der Heim- und Textilindustrie verlor der Güterverkehr seine frühere Bedeutung. Die Funktion des Bahnhofs verlagerte sich zunehmend auf den Personenverkehr.

Heute unterstützt die Bahn den Wohnstandort Fischenthal. Ein beträchtlicher Teil der erwerbstätigen Bevölkerung pendelt in andere Gemeinden des Zürcher Oberlands, nach Winterthur oder in den Grossraum Zürich.

Freizeit- und Ausflugsverkehr

Der Bahnhof liegt in einem ausgedehnten Wander- und Naherholungsgebiet. Die Gemeinde beschreibt sich als höchstgelegene Gemeinde des Kantons Zürich und als Teil einer vielfältigen Natur- und Berglandschaft.[2]

Vom Bahnhof führen Wege unter anderem:

  • zum Greiselgubel-Giessen,
  • zur Greiselgubelhöhle,
  • auf die Scheidegg,
  • in Richtung Hörnli,
  • zu den Höhenzügen des Tössberglands,
  • nach Gibswil und Wald,
  • entlang der Töss nach Steg und Bauma.

Greiselgubel-Giessen

Westlich des Bahnhofs liegt der Greiselgubel-Giessen. Der Wasserfall stürzt in ein bewaldetes Tobel und gehört zu den markanten Natursehenswürdigkeiten der Gemeinde.

Der Zugang führt zunächst entlang des Mühlebachs und anschliessend über Wald- und Bachwege in das Tobel.

In der Nähe befindet sich die Greiselgubelhöhle, ein natürlicher Felsüberhang beziehungsweise eine kleine Höhle.

Tössbergland

Das Tössbergland ist durch bewaldete Höhenzüge, steile Tobel, verstreute Höfe und aussichtsreiche Wanderwege geprägt.

Beliebte Ziele sind:

  • Schnebelhorn,
  • Hörnli,
  • Hüttchopf,
  • Scheidegg,
  • Farner,
  • Chrüzegg.

Einige Routen verbinden das Tösstal mit dem Toggenburg und dem Zürcher Oberland.

Jakobsweg

Historisch führte ein Pilgerweg durch die Gemeinde. Er verlief aus Süddeutschland über Fischingen und das Hörnli in Richtung Rapperswil und Einsiedeln.[2]

Der Bahnhof erleichtert heute den Zugang zu Wanderwegen, die teilweise historischen Pilger- und Saumpfaden folgen.

Betrieb bei winterlichen Verhältnissen

Fischenthal liegt deutlich höher als die meisten Gemeinden des Kantons Zürich. Im Winter treten deshalb häufiger Schnee, Eis und schwierige Witterungsverhältnisse auf.

Die Bahn besitzt bei starkem Schneefall eine besondere Bedeutung, da sie eine vergleichsweise zuverlässige Verbindung durch das Tal ermöglicht.

Für den Winterbetrieb müssen:

  • Gleise und Weichen vom Schnee befreit werden,
  • Perrons geräumt und gestreut werden,
  • Fahrleitungen kontrolliert werden,
  • Böschungen und Waldhänge überwacht werden.

Stürme, umgestürzte Bäume, Hangrutsche oder starke Schneefälle können dennoch zeitweise zu Betriebsunterbrüchen führen. In solchen Fällen richten die SBB Ersatzbusse ein, soweit die Strassenverhältnisse dies erlauben.

Fahrgastfrequenz

Fischenthal gehört zu den kleineren Bahnhöfen des SBB-Netzes. Die Fahrgastzahlen liegen deutlich unter jenen der regionalen Knoten Winterthur, Bauma, Wald und Rüti.

Die SBB weisen für den Bahnhof eine durchschnittliche Zahl von ungefähr 130 bis 140 ein- und aussteigenden Reisenden pro Werktag aus.[11]

Trotz der geringen absoluten Zahl besitzt die Station für den Hauptort eine hohe Bedeutung, da alternative öffentliche Verkehrsverbindungen nur begrenzt vorhanden sind.

Tösstalbahn als regionale Lebensader

Die Tösstalbahn verbindet seit dem 19. Jahrhundert die industriellen und ländlichen Gemeinden entlang der Töss.

Ihre Bedeutung wandelte sich im Laufe der Zeit:

  • zunächst Transportachse für Industrie und Landwirtschaft,
  • später regionale Personenbahn,
  • heute Teil der Zürcher S-Bahn und des Pendlerverkehrs.

Für Fischenthal blieb die Strecke während aller Entwicklungsphasen ein wichtiges Element der regionalen Infrastruktur.

Die Bahn erschliesst eine Region, in der die Siedlungen über ein grosses und topografisch schwieriges Gebiet verteilt sind. Eine ausschliessliche Bedienung mit Bussen würde längere Fahrzeiten verursachen und wäre stärker von den Strassen- und Witterungsverhältnissen abhängig.

Jubiläen und historische Erinnerung

2025 wurde das 150-jährige Bestehen des ersten Abschnitts der Tösstalbahn zwischen Winterthur Grüze und Bauma gewürdigt.

Der Abschnitt Bauma–Wald mit dem Bahnhof Fischenthal erreicht im Oktober 2026 sein 150-jähriges Bestehen.

Historische Bilder, Fahrpläne und Dokumente zur Bahn werden unter anderem von folgenden Institutionen und Organisationen bewahrt:

  • SBB Historic,
  • Ortsmuseum Fischenthal,
  • Gemeindechronik Fischenthal,
  • Interessengemeinschaft Tösstallinie,
  • Dampf­bahn-Verein Zürcher Oberland.

Historische Sonderzüge auf der Tösstalbahn erinnern gelegentlich an den früheren Betrieb mit Dampf- und älteren Elektrolokomotiven.

Literatur

  • Walter Aeschimann, Hugo Wenger: Die Tösstalbahn. Verein zur Förderung der Dampfbahn-Rundstrecke Zürcher Oberland, Bauma 1975.
  • Interessengemeinschaft Tösstallinie: Tösstaler Bahnfest 1997. Jubiläumsschrift, 1997.
  • Matthias Peter: «Nöd lugg loh gwünnt!» Johann Jakob Keller und die Erschliessung Fischenthals. In: Heimatspiegel, Februar/März 2023.
  • Gemeinde Fischenthal: Gemeindechronik Fischenthal. Fischenthal, fortlaufend.
  • SBB Historic: Historische Bahnhofbilder Fischenthal. Windisch.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Zürcher Verkehrsverbund: Linienfahrplan S26, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Gemeinde Fischenthal: Dorfgeschichte und Chronik, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Interessengemeinschaft Tösstallinie: Tösstaler Bahnfest 1997 – Geschichte der Tösstalbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Matthias Peter: «Nöd lugg loh gwünnt!» – Johann Jakob Keller und die Tösstalbahn, in: Heimatspiegel, Februar/März 2023, S. 19–20, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Schienenverkehr Schweiz: Tösstalbahn Winterthur–Rüti ZH, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Zürcher Oberland Medien: Kaffee und Gipfeli statt Billette und Reka-Checks, 20. Dezember 2018, abgerufen am 3. August 2026.
  7. SBB Historic: Historische Bahnhofbilder, Datensätze zum Bahnhof Fischenthal, abgerufen am 3. August 2026.
  8. 8,0 8,1 Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Fischenthal, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Zürcher Verkehrsverbund: Regionalnetz und Tarifzonen, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Fischenthal – Ausstattung und Mobilität, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Schweizerische Bundesbahnen: Passagierfrequenz an Bahnhöfen, Datensatz zum Bahnhof Fischenthal, abgerufen am 3. August 2026.

47,33338° N, 8,92318° E

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