Bahnhof Hüntwangen-Wil
| Bahnhof Hüntwangen-Wil | |
|---|---|
| Bahnhofstyp | Zwischenbahnhof |
| Bauform | Durchgangsbahnhof |
| Gemeinde | Hüntwangen |
| Kanton | Zürich |
| Bezirk | Bülach |
| Eröffnung | 1. Juni 1897 |
| Eigentümerin | Schweizerische Bundesbahnen |
| Betreiberin | Schweizerische Bundesbahnen |
| Architekt des Aufnahmegebäudes | Gustav Wülfke |
| Abkürzung | HUEW |
| IBNR | 8503403 |
| Gleise | 4 |
| Bahnsteiggleise | 2 |
| Perrons | 1 Mittelperron |
| Strecke | Eglisau–Neuhausen |
| S-Bahn-Linie | S9 |
| Tarifverbund | Zürcher Verkehrsverbund |
| Tarifzone | 113 |
| Adresse | Bahnhofstrasse 1, 8194 Hüntwangen |
| Website | sbb.ch |
Der Bahnhof Hüntwangen-Wil ist ein Bahnhof der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Rafzerfeld im Norden des Kantons Zürich. Er liegt an der Bahnstrecke Eglisau–Neuhausen zwischen den Bahnhöfen Eglisau und Rafz und wird von der Linie S9 der S-Bahn Zürich bedient.
Die Bahnanlage befindet sich auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Hüntwangen, unmittelbar bei der Gemeindegrenze zu Eglisau. Sie liegt ausserhalb der historischen Dorfkerne von Hüntwangen und Wil, deren Namen sie trägt. Durch die angeschlossenen Buslinien dient der Bahnhof als regionaler Verkehrsknoten für Hüntwangen, Wil, Wasterkingen, Teile von Eglisau und weitere Orte des Rafzerfelds.
Das zwischen 1895 und 1897 nach Plänen des Nordostbahn-Architekten Gustav Wülfke errichtete Aufnahmegebäude mit angebautem Güterschuppen ist im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung des Kantons Zürich als Objekt von regionaler Bedeutung verzeichnet.[1]
Lage
Der Bahnhof liegt im südlichen Teil des Rafzerfelds, nördlich des Rheins und nordwestlich des Städtchens Eglisau. Das Bahnhofareal erstreckt sich entlang der Bahnstrecke in Richtung Nordwesten–Südosten.
Der Dorfkern von Hüntwangen befindet sich rund zwei Kilometer nördlich des Bahnhofs. Wil liegt ungefähr drei Kilometer nordnordöstlich. Der Name der Station verweist somit auf ihr Einzugsgebiet und nicht auf eine geschlossene Ortschaft namens Hüntwangen-Wil.
Die nähere Umgebung wird durch verschiedene Nutzungen geprägt. Nordöstlich des Aufnahmegebäudes befinden sich Einkaufs- und Dienstleistungsbetriebe, südwestlich schliesst ein Industrie- und Gewerbegebiet an. Westlich erstrecken sich Waldflächen und die grossen Kiesabbaugebiete des Rafzerfelds.[1]
Zum Bahnhof führen die Bahnhofstrasse aus Hüntwangen und die Eglisauerstrasse. Über diese Strassen ist die Anlage mit Hüntwangen, Wil, Wasterkingen und Eglisau verbunden.
Name
Der Doppelname bezeichnet die beiden Gemeinden Hüntwangen und Wil, für die der Bahnhof bei seiner Eröffnung den wichtigsten Eisenbahnanschluss bildete.
Die Schreibweise lautet offiziell Hüntwangen-Wil. Der Name darf nicht mit dem Bahnhof Wil SG im Kanton St. Gallen verwechselt werden.
Obwohl Wil im Stationsnamen enthalten ist, befindet sich das Aufnahmegebäude nicht innerhalb der Gemeinde Wil. Die Station wurde auf Hüntwanger Gebiet nahe der Grenze zu Eglisau errichtet, da die Bahnstrecke südlich der beiden Dörfer verläuft.
Geschichte
Planung der direkten Bahnverbindung nach Schaffhausen
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand zwischen Zürich und Schaffhausen bereits eine Bahnverbindung über Winterthur und die Rheinfallbahn. Diese Strecke bedeutete jedoch einen erheblichen Umweg.
Die Schweizerische Nordostbahn-Gesellschaft (NOB) plante deshalb eine kürzere Linie von Eglisau über das Rafzerfeld und den deutschen Jestetter Zipfel nach Neuhausen am Rheinfall. Von dort konnten die Züge auf bestehenden Gleisen nach Schaffhausen weiterfahren.
Die Konzession für die Strecke lag bereits 1873 vor. Der Bau verzögerte sich jedoch infolge der Wirtschaftskrise der 1870er-Jahre und eines vom Bundesrat verhängten Moratoriums für verschiedene noch nicht ausgeführte Bahnprojekte.[1]
Eine Besonderheit der geplanten Linie war ihr Verlauf über deutsches Staatsgebiet. Ein Staatsvertrag zwischen der Schweiz und dem damaligen Grossherzogtum Baden regelte Bau und Betrieb der grenzüberschreitenden Strecke.
Bau des Bahnhofs
Die Nordostbahn errichtete die Station Hüntwangen-Wil zwischen 1895 und 1897. Als Architekt des Aufnahmegebäudes wirkte Gustav Wülfke, der für die NOB mehrere Typen kleinerer Landbahnhöfe entwickelt hatte.[1]
Zum ursprünglichen Ensemble gehörten:
- das Aufnahmegebäude,
- ein angebauter Güterschuppen,
- Perron- und Gleisanlagen,
- Einrichtungen für den örtlichen Güterverkehr,
- der gegenüberliegende Gasthof «Zur Station».
Das Stationsgebäude wurde als ländlicher Kleinbahnhof ausgeführt. Seine Architektur verbindet spätklassizistische Elemente mit dem Schweizer Holzstil und dem um 1900 aufkommenden Reformstil.
Am 1. Juni 1897 nahm die Nordostbahn die Strecke von Eglisau nach Neuhausen und damit auch den Bahnhof Hüntwangen-Wil in Betrieb.[2]
Die neue Linie verkürzte den Schienenweg zwischen Zürich und Schaffhausen deutlich. Der Bahnhof ermöglichte den Gemeinden des Rafzerfelds einen direkten Zugang zum Eisenbahnnetz und erleichterte den Transport landwirtschaftlicher und gewerblicher Güter.
Übergang an die SBB
1902 wurde die Schweizerische Nordostbahn verstaatlicht. Ihre Strecken, Bahnhöfe und Fahrzeuge gingen an die neu geschaffenen Schweizerischen Bundesbahnen über.[1]
Damit wurde auch der Bahnhof Hüntwangen-Wil Eigentum der SBB. Diese führten den Personen- und Güterverkehr weiter und passten die Anlage im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach an die steigenden betrieblichen Anforderungen an.
Erweiterung des Aufnahmegebäudes
1907 wurde das Aufnahmegebäude auf der nordöstlichen Seite um einen zweigeschossigen Anbau erweitert. Der sogenannte Kehrfirstanbau übernahm Architektur, Volumen und Dachform des ursprünglichen Gebäudes und fügte sich dadurch in dessen Gesamtbild ein.[1]
Der Güterschuppen wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergrössert. An seiner Bauweise blieb die ursprüngliche Funktion als Lager- und Umschlaggebäude weiterhin ablesbar.
Im mittleren 20. Jahrhundert entstand an der nordöstlichen Fassade des Aufnahmegebäudes ein kleiner Wandbrunnen. Ein separates Toilettengebäude wurde 1960 anstelle eines älteren Vorgängerbaus errichtet.
Elektrifizierung
Am 15. Dezember 1928 nahmen die SBB auf der Verbindung Zürich–Bülach–Eglisau–Schaffhausen den elektrischen Betrieb auf. Die Strecke wird seither mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom betrieben.[3]
Die Elektrifizierung ersetzte die Dampflokomotiven durch leistungsfähigere elektrische Fahrzeuge. Sie ermöglichte höhere Zuglasten, verbesserte Fahrzeiten und einen wirtschaftlicheren Betrieb.
Stellwerk und Stationsbüro
1961 erhielt das Aufnahmegebäude auf der Gleisseite einen Stellwerkanbau. Von dort wurden Weichen, Signale und Zugfahrten im Bahnhof gesteuert.
1980 wurde das Stationsbüro vergrössert. Dazu trennte man Teile des Wartesaals ab und gliederte sie dem betrieblich genutzten Bereich an.[1]
Mit der späteren Zentralisierung der Betriebsführung verlor das örtliche Stellwerk seine ursprüngliche Funktion. Der Bahnhof wurde zu einer unbedienten Station ohne regulären Billettschalter.
Umbau von 1995 und 1996
In den Jahren 1995 und 1996 wurde der Bahnhof umfassend ausgebaut. Ziel war eine Trennung und Verbesserung der Anlagen für den Personen- und Güterverkehr.
Die Arbeiten umfassten:
- zwei Gleise für den Personenverkehr,
- zwei Gleise für den Güterverkehr,
- ein langes Mittelperron,
- eine Personenunterführung,
- ein neues Stellwerk,
- angepasste Sicherungs- und Fahrleitungsanlagen.
Durch den Umbau erhielt der Bahnhof weitgehend seine heutige betriebliche Form. Der Mittelperron ermöglicht den Zugang zu den beiden Gleisen, an denen die Züge der S-Bahn halten.[1]
Fassadenrenovation
2014 wurde die Fassade des Aufnahmegebäudes renoviert. Die Farbgebung orientierte sich an einer restauratorischen Untersuchung der historischen Oberflächen.[1]
Die Massnahme diente der Erhaltung des architektonischen Erscheinungsbildes und der historischen Bausubstanz.
Neuer Busterminal
Im Dezember 2015 ging beim Bahnhof ein neuer Busterminal in Betrieb. Gleichzeitig wurde das regionale Busangebot im Raum Eglisau und Rafzerfeld verdichtet.[4]
Der Ausbau stärkte die Funktion des Bahnhofs als Umsteigepunkt für die umliegenden Gemeinden, deren Siedlungsgebiete teilweise mehrere Kilometer von der Bahnstrecke entfernt liegen.
Aufnahmegebäude
Das Aufnahmegebäude ist ein verputzter Mauerbau mit zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss. Es besitzt ein Viertelwalmdach über einem hohen Kniestock.
Der 1907 angefügte nordöstliche Erweiterungsbau weist einen quer zum Hauptbau verlaufenden First auf. Seine Gestaltung entspricht weitgehend dem älteren Gebäudeteil.
Zu den charakteristischen Architekturmerkmalen gehören:
- breite und leicht geohrte Stichbogenrahmen an den Türen und Fenstern des Erdgeschosses,
- rechteckige Fenstergewände im Obergeschoss,
- hölzerne Jalousieläden mit ausgesägten Zierformen,
- ein bandartiges Dachgesims,
- dekorativ geschnitzte Pfettenköpfe,
- hölzerne Konsolen unter dem Dach.
Die Kombination aus massivem Mauerbau und dekorativen Holzelementen ist typisch für die von Gustav Wülfke entworfenen kleineren NOB-Bahnhöfe der sogenannten Moratoriumslinien.[1]
Güterschuppen
Der Güterschuppen schliesst südwestlich in der Verlängerung des Gebäudefirsts an das Aufnahmegebäude an. Er wurde als Holzskelettbau mit senkrechter Bretterschalung errichtet.
Das Gebäude steht auf einem breiten Sockel aus rustiziertem Kalkstein. Dieser bildet auf zwei Seiten eine Verladerampe. Tiefe Vordächer schützten die verladenen Güter und das Bahnpersonal vor der Witterung.
Die Pfetten-, Sparren- und Konsolenköpfe weisen dekorative Zierschnitte auf. Auch am Giebelfeld befindet sich eine ornamentierte Bretterverschalung.
Der erhaltene Güterschuppen erinnert an die frühere Bedeutung des Stückgut-, Landwirtschafts- und Gewerbeverkehrs. Mit der Verlagerung kleinerer Transporte auf die Strasse verlor diese Nutzung im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung.
Denkmalschutz
Der Bahnhof ist im Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung des Kantons Zürich eingetragen. Die Einstufung lautet regional; die Inventarnummer ist 06100001.[1]
Die kantonale Denkmalpflege begründet die Schutzwürdigkeit insbesondere mit:
- der Bedeutung als Zeuge des privaten Eisenbahnbaus am Ende des 19. Jahrhunderts,
- der Verbindung mit der Geschichte der Nordostbahn,
- der gut erhaltenen Architektur eines ländlichen Typenbahnhofs,
- dem Aufnahmegebäude und Güterschuppen aus der Bauzeit von 1895 bis 1897,
- dem harmonisch eingefügten Erweiterungsbau von 1907,
- dem räumlichen Zusammenhang mit Bahnhofplatz, Brunnen, Kastanienbaum und Gasthof.
Die Aufnahme in das Inventar begründet zunächst eine Schutzvermutung. Sie ist nicht in jedem Fall mit einer formellen Unterschutzstellung gleichzusetzen.
Gleisanlagen
Der Bahnhof verfügt über vier Hauptgleise. Zwei Gleise dienen dem Personenverkehr und liegen an einem langen Mittelperron. Weitere Gleise werden für den Güter- und Betriebsverkehr genutzt.
Die Perrons sind durch eine Unterführung erschlossen. Elektronische Anzeigen, Lautsprecher und Billettautomaten informieren beziehungsweise bedienen die Reisenden.
Die Strecke ist südöstlich in Richtung Eglisau und nordwestlich in Richtung Rafz zweigleisig beziehungsweise in das regionale Strecken- und Bahnhofssystem eingebunden. Aufgrund der verschiedenen Personen-, Güter- und Durchgangszüge besitzt Hüntwangen-Wil eine grössere betriebliche Bedeutung als eine einfache Haltestelle.
Fernverkehrs- und Güterzüge können den Bahnhof ohne Halt durchfahren. Die beiden Personenverkehrsgleise werden vor allem von der S9 genutzt.
Personenverkehr
S-Bahn Zürich
Im Jahresfahrplan 2026 wird Hüntwangen-Wil von der Linie S9 der Zürcher S-Bahn bedient.[5]
Die Linie verkehrt auf der Strecke:
Schaffhausen–Neuhausen–Neuhausen Rheinfall–Jestetten–Lottstetten–Rafz–Hüntwangen-Wil–Eglisau–Glattfelden–Bülach–Oberglatt–Zürich Oerlikon–Zürich Hardbrücke–Zürich Hauptbahnhof–Zürich Stadelhofen–Stettbach–Dübendorf–Uster.
Dadurch bestehen direkte Verbindungen unter anderem nach:
- Schaffhausen,
- Neuhausen am Rheinfall,
- Rafz,
- Eglisau,
- Bülach,
- Zürich Oerlikon,
- Zürich Hauptbahnhof,
- Zürich Stadelhofen,
- Dübendorf,
- Uster.
Der Abschnitt zwischen Rafz und Schaffhausen führt über die deutschen Gemeinden Lottstetten und Jestetten. Obwohl die Züge dabei die Staatsgrenze mehrmals überqueren, ist die Linie in das schweizerische Bahn- und Tarifsystem eingebunden.
Nachtverkehr
In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen wird der Bahnhof von einem Nachtexpress zwischen Bülach und Schaffhausen bedient.
Dieser hält unter anderem in Glattfelden, Eglisau, Hüntwangen-Wil, Rafz, Lottstetten, Jestetten und Neuhausen Rheinfall.[6]
Busverkehr
An der Haltestelle Hüntwangen-Wil, Bahnhof bestehen im Jahresfahrplan 2026 Anschlüsse an mehrere regionale Buslinien:[7]
- Linie 542 in Richtung Eglisau, Breitistrasse,
- Linie 543 in Richtung Eglisau, Tössriederen,
- Linie 545 in Richtung Rafz, Bahnhof,
- Linie 546 in Richtung Wasterkingen, Gemeindehaus.
Die Linien erschliessen Hüntwangen, Wil, Wasterkingen, Eglisau und weitere Siedlungsgebiete des Rafzerfelds. Die Fahrpläne sind grundsätzlich auf die Anschlüsse der S9 ausgerichtet.
Der Busterminal ist besonders wichtig, weil die historischen Dorfkerne von Hüntwangen und Wil nicht unmittelbar an der Bahnstrecke liegen.
Tarif
Der Bahnhof gehört zum Zürcher Verkehrsverbund und liegt in der Tarifzone 113.[8]
Für Fahrten innerhalb des ZVV-Gebiets gilt der Zonentarif. Verbindungen in Richtung Schaffhausen können je nach Ziel zusätzlich unter den Bestimmungen des Z-Pass oder des nationalen Tarifs stehen.
Kombinierte Mobilität
Hüntwangen-Wil besitzt wegen seiner Lage ausserhalb der Dorfkerne eine grosse Bedeutung für die kombinierte Mobilität.
Nach Angaben der SBB umfasst die Anlage:
- 108 gedeckte Veloabstellplätze,
- 114 reguläre P+Rail-Parkplätze,
- 2 Behindertenparkplätze.[9]
Die P+Rail-Anlage wird von Pendlerinnen und Pendlern aus den umliegenden Gemeinden und ländlichen Gebieten genutzt. Überdachte Veloabstellplätze erleichtern die Verbindung zwischen Fahrrad und Bahn.
Ein bedientes SBB-Reisezentrum und Schliessfächer bestehen nicht. Billette können am Automaten, online oder über mobile Anwendungen gekauft werden.
Güterverkehr
Die Strecke Zürich–Bülach–Eglisau–Schaffhausen ist neben dem Personenverkehr auch für den nationalen und internationalen Schienengüterverkehr von Bedeutung.
Beim Bahnhof Hüntwangen-Wil bestehen Gütergleise und Anschlüsse für Unternehmen im umliegenden Industrie- und Kiesabbaugebiet. Das Rafzerfeld verfügt über grosse Kiesvorkommen, deren Abbau und Transport die wirtschaftliche Entwicklung der Region seit dem 20. Jahrhundert wesentlich beeinflussen.
Bereits in den 1990er-Jahren wurde die Erweiterung einer Stamm- und Verbindungsgleisanlage für die Kieswirtschaft im Gebiet Hüntwangen-Wil öffentlich unterstützt.[10]
Der Kanton Zürich strebt an, Kies und Aushubmaterial möglichst auf der Schiene zu transportieren. Dadurch sollen Strassen, Ortschaften und Umwelt vom Schwerverkehr entlastet werden.
Für das Kiesabbaugebiet Langfuri ist ein neuer Bahnanschluss vom Bahnhof Hüntwangen-Wil vorgesehen, der zu einem späteren Zeitpunkt einen bestehenden Anschluss ersetzen soll.[11]
Bedeutung für das Rafzerfeld
Der Bahnhof ist einer der wichtigsten öffentlichen Verkehrsknoten des Rafzerfelds. Neben Rafz verfügt die Region nur über wenige direkte Bahnzugänge.
Für Hüntwangen und Wil brachte die Eröffnung der Bahn 1897 eine wesentlich bessere Verbindung mit Zürich, Bülach und Schaffhausen. Landwirtschaftliche Produkte, Baumaterialien und gewerbliche Güter konnten schneller transportiert werden.
Heute liegt die Hauptbedeutung im Pendlerverkehr. Viele Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Gemeinden arbeiten oder besuchen Schulen in Bülach, Zürich, Schaffhausen und weiteren regionalen Zentren.
Der Ausbau des Busangebots, die grosse P+Rail-Anlage und die Veloabstellplätze spiegeln das weit über die unmittelbare Bahnhofsumgebung hinausreichende Einzugsgebiet wider.
Umgebung und Freizeitverkehr
Der Bahnhof dient auch als Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderungen im Rafzerfeld und am Rhein.
Eine vom Zürcher Verkehrsverbund beschriebene Wanderroute führt vom Bahnhof durch den Hardwald, über Herdern und entlang des Rheins nach Eglisau.[12]
Weitere Wege führen:
- zum Dorfkern von Hüntwangen,
- nach Wil und Wasterkingen,
- durch die Landwirtschaftsgebiete des Rafzerfelds,
- zu den Waldgebieten oberhalb des Rheins,
- nach Eglisau und zu dessen historischem Ortszentrum.
Die Landschaft wird durch Felder, Rebberge, Wälder, Kiesabbaugebiete und die tief eingeschnittene Rheinlandschaft geprägt.
Architekturgeschichtliche Bedeutung
Der Bahnhof gehört zu einer Gruppe erhaltener Kleinbahnhöfe entlang der Strecke Eglisau–Schaffhausen. Gustav Wülfke hatte den zugrunde liegenden Normtyp ab etwa 1890 für die Nordostbahn entwickelt.
Die Gebäude dieser spät verwirklichten NOB-Strecken wurden an die ländlichen Standorte angepasst. Sie verbinden wirtschaftliche Standardisierung mit einer bewusst regional wirkenden Architektur.
Typisch sind:
- kompakte und funktionale Bauvolumen,
- stark auskragende Dächer,
- dekorative Holzelemente,
- verputzte Fassaden,
- Stichbogenfenster im Erdgeschoss,
- unmittelbar angebaute Güterschuppen.
Der Bahnhof Hüntwangen-Wil dokumentiert durch seine verschiedenen Erweiterungen zugleich die Entwicklung vom privatbahneigenen Landbahnhof zum modernisierten SBB-Regional- und Güterbahnhof.
Literatur
- Hans Bölsterli u. a.: Brückenschlag. 100 Jahre Bahnlinie Eglisau–Neuhausen am Rheinfall 1897–1997. Zürich 1997.
- Kanton Zürich, Baudirektion: Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung. Bahnhof Hüntwangen-Wil. Zürich 2021.
- Typologisches Inventar der Bahnhöfe: Hüntwangen, Vers.-Nr. 00001. Archiv der kantonalen Denkmalpflege Zürich, März 2012.
Weblinks
- Bahnhof Hüntwangen-Wil auf der Website der SBB
- Fahrpläne des Zürcher Verkehrsverbunds
- Denkmalinventar des Kantons Zürich
- Öffentlicher Verkehr in der Gemeinde Hüntwangen
- Wanderung Hüntwangen–Eglisau
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Kanton Zürich, Baudirektion: Bahnhof Hüntwangen-Wil, Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Festsetzung vom 27. Mai 2021, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schienenverkehr Schweiz: Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen, Streckenchronik, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schienenverkehr Schweiz: Bahnstrecke Zürich–Schaffhausen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Regierungsrat bewilligt Massnahmen zur Fahrplanstabilität in der Region Eglisau und Rafzerfeld, 29. Oktober 2015, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Linienfahrplan S9, gültig vom 14. Dezember 2025 bis 12. Dezember 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Nachtexpress Bülach–Schaffhausen, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Haltestellen- und Linienfahrpläne Hüntwangen-Wil, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Regionalnetz und Tarifzonen, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Hüntwangen-Wil – Ausstattung und Mobilität, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Regierungsrat des Kantons Zürich: Förderung des Güterverkehrs mit der Bahn – Stamm- und Verbindungsgleisanlage Kies AG Wil, Beschluss von 1993, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Kantonaler Gestaltungsplan für den Kiesabbau im Rafzerfeld, 25. Mai 2023, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Zürcher Verkehrsverbund: Spaziergang Hüntwangen–Herdern–Eglisau, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Bahnhof Hüntwangen-Wil