Bahnhof Zürich Selnau

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Bahnhof Zürich Selnau
Bahnhofstyp Tunnelhaltestelle
Bauform Durchgangsbahnhof
Stadt Zürich
Kanton Zürich
Eröffnung des ersten Bahnhofs 1875
Eröffnung der heutigen Station 5. Mai 1990
Eigentümerin Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
Betreiberin Sihltal Zürich Uetliberg Bahn
Abkürzung ZSEL
IBNR 8503090
Gleise 2
Perrons 1 Mittelperron
Strecken Sihltalbahn und Uetlibergbahn
S-Bahn-Linien S4 und S10
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 110
Höhe 416 m ü. M.
Website sbb.ch

Der Bahnhof Zürich Selnau ist eine unterirdische Bahnstation der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) im Zentrum der Stadt Zürich. Er liegt im Sihltunnel unter dem Flussbett der Sihl, zwischen den Stadtquartieren City und Werd. Die Station wird von den Linien S4 und S10 der S-Bahn Zürich bedient und gehört zur Tarifzone 110 des Zürcher Verkehrsverbunds.

Der heutige Bahnhof wurde 1990 zusammen mit der Verlängerung der Sihltal- und Uetlibergbahn zum Zürcher Hauptbahnhof eröffnet. Er ersetzte einen weiter südlich gelegenen oberirdischen Kopfbahnhof, der seit 1875 als Zürcher Endstation der Uetlibergbahn und seit 1892 zusätzlich der Sihltalbahn gedient hatte.[1]

Die ungewöhnliche Lage unter einem Fluss sowie der nördliche, aus dem Flussraum herausragende Zugang machen Zürich Selnau zu einer der architektonisch auffälligsten Stationen des Zürcher S-Bahn-Netzes.

Lage

Der Bahnhof befindet sich südwestlich der Zürcher Altstadt und rund einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt. Die unterirdische Station liegt längs unter der Sihl, ungefähr zwischen der Stauffacherbrücke im Süden und der Sihlbrücke im Norden.

Östlich der Station liegen die Selnaustrasse, die Sihlporte und das Geschäftszentrum der Zürcher Innenstadt. Westlich schliessen das Quartier Werd, die Stauffacherstrasse und die dicht bebauten Gebiete des Stadtkreises 4 an.

In der näheren Umgebung befinden sich unter anderem:

  • die Börsenstrasse und die Sihlporte,
  • das Hallenbad City,
  • der Alte Botanische Garten,
  • der Stauffacher,
  • die ehemalige Kaserne Zürich,
  • die Wohnsiedlung Selnau,
  • verschiedene Verwaltungs-, Büro- und Geschäftsgebäude.

Der Bahnhof erschliesst sowohl die südwestliche Innenstadt als auch die angrenzenden Wohn- und Geschäftsquartiere. Er wird von Berufspendlerinnen und Berufspendlern, Schülerinnen und Schülern sowie von Personen genutzt, die zwischen dem Stadtzentrum, dem Sihltal und dem Uetliberggebiet reisen.

Name

Der Name Selnau geht auf das gleichnamige Zürcher Stadtgebiet zurück. Er erinnert an das im 13. Jahrhundert gegründete Kloster Selnau, das ausserhalb der damaligen Stadtbefestigung an der Sihl lag.

Das Kloster wurde während der Reformation aufgehoben. Der Name blieb für das umliegende Gebiet erhalten und wurde später auf Strassen, öffentliche Einrichtungen und den Bahnhof übertragen.

Die offizielle Bezeichnung der Bahnstation lautet Zürich Selnau. Im städtischen Nahverkehr wird für die nahe gelegene Tramhaltestelle die Form Bahnhof Selnau verwendet.

Geschichte

Erste Eisenbahnprojekte

Im 19. Jahrhundert entstanden verschiedene Pläne für Bahnverbindungen von Zürich in Richtung Uetliberg, Sihltal, Zug und Gotthard. Das Gebiet südlich der damaligen Stadt war noch vergleichsweise wenig bebaut und bot Raum für einen stadtnahen Endbahnhof.

Für die Uetlibergbahn wurde schliesslich eine normalspurige Adhäsionsbahn geplant. Sie sollte ohne Zahnradstrecke vom Zürcher Stadtgebiet über Wiedikon und Uitikon auf den Uetliberg führen.

Die Bahn galt wegen ihrer Steigungen von mehr als 70 Promille als technisch aussergewöhnlich. Zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung gehörte sie zu den steilsten Adhäsionsbahnen Europas.[2]

Eröffnung des alten Bahnhofs

Der erste Bahnhof Selnau wurde 1875 als oberirdischer Kopfbahnhof der Uetlibergbahn eröffnet. Er befand sich südlich der heutigen unterirdischen Station, zwischen Selnaustrasse, Sihlhölzlistrasse und Sihl.

Der Bahnhof war zunächst als provisorische Endstation vorgesehen. Eine Weiterführung in Richtung Innenstadt oder Hauptbahnhof erwies sich wegen der bestehenden Bebauung und der hohen Kosten jedoch als schwierig.

Die ursprüngliche Anlage umfasste mehrere Gleise, ein Aufnahmegebäude, betriebliche Einrichtungen und ein Depot der Uetlibergbahn. Die Züge wurden zunächst mit Dampflokomotiven geführt.

Die Uetlibergbahn eröffnete die neue Verbindung im Mai 1875. Nach einer Eröffnungsfeier am 10. Mai nahm sie den regulären Betrieb zwischen Selnau und Uetliberg auf.[2]

Anschluss der Sihltalbahn

Am 3. August 1892 nahm die Sihltalbahn ihre Strecke von Zürich Selnau über Giesshübel, Adliswil und Langnau-Gattikon nach Sihlwald in Betrieb.[1]

Für die Aufnahme des zusätzlichen Verkehrs wurde der Bahnhof Selnau erweitert und umgebaut. Die Zahl der Betriebsgleise nahm zu, während das Depot der Uetlibergbahn nach Giesshübel verlegt wurde.

Selnau wurde damit zum gemeinsamen Zürcher Endbahnhof zweier Bahngesellschaften:

  • der Uetlibergbahn-Gesellschaft,
  • der Sihltalbahn-Gesellschaft.

Die Strecken besassen unterschiedliche Aufgaben. Die Uetlibergbahn diente besonders dem Freizeit- und Ausflugsverkehr auf den Zürcher Hausberg, während die Sihltalbahn neben dem Personenverkehr auch eine grosse Bedeutung für Industrie- und Gütertransporte hatte.

Ausbau der Bahnhofsanlagen

Mit dem wachsenden Verkehr wurden die Gleis-, Perron- und Sicherungsanlagen mehrfach verändert. Zu den Modernisierungen gehörten mechanische und später elektrische Stellwerke, neue Beleuchtungsanlagen sowie Verbesserungen der Perrons und Zugänge.

Der Kopfbahnhof blieb räumlich begrenzt. Alle Züge mussten dort enden, wodurch betriebliche Rangier- und Wendemanöver erforderlich waren.

Die Lage ausserhalb des Hauptbahnhofs wurde zunehmend als Nachteil empfunden. Fahrgäste mit Zielen in anderen Teilen der Schweiz mussten zu Fuss, mit dem Tram oder mit anderen städtischen Verkehrsmitteln zum Hauptbahnhof weiterreisen.

Elektrifizierung

Die Uetlibergbahn wurde 1923 mit Gleichstrom elektrifiziert. Die Stromversorgung erfolgte mit einer seitlich versetzten Fahrleitung, damit ihre Züge gemeinsame Gleise mit der wechselstrombetriebenen Sihltalbahn benutzen konnten.

Die Sihltalbahn wurde 1924 mit Einphasenwechselstrom elektrifiziert.[1]

Damit bestanden im Bahnhof Selnau und auf den gemeinsam genutzten Strecken während fast eines Jahrhunderts zwei verschiedene Stromsysteme. Die seitliche Anordnung der Gleichstromfahrleitung wurde zu einem besonderen technischen Merkmal der Uetlibergbahn.

Zusammenschluss zur SZU

Die beiden Bahnen arbeiteten bereits vor ihrer formellen Fusion in verschiedenen Bereichen zusammen. 1973 schlossen sich die Sihltalbahn und die Bahngesellschaft Zürich–Uetliberg zur Sihltal Zürich Uetliberg Bahn SZU zusammen.[1]

Der Bahnhof Selnau blieb gemeinsamer Endpunkt beider Strecken. Die neue Gesellschaft konnte Betrieb, Fahrzeuge, Verwaltung und langfristige Infrastrukturplanung zunehmend gemeinsam organisieren.

Verlängerung zum Hauptbahnhof

Planungen

Die fehlende direkte Verbindung zum Zürcher Hauptbahnhof wurde über Jahrzehnte als wichtigste Schwäche der beiden Bahnlinien betrachtet. Erste ernsthafte Überlegungen zu einer Verlängerung entstanden bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Eine oberirdische Weiterführung war wegen der dichten Bebauung zwischen Selnau und Hauptbahnhof kaum möglich. Auch verschiedene Tunnelvarianten wurden zunächst aus finanziellen oder technischen Gründen nicht weiterverfolgt.

Neue Möglichkeiten ergaben sich durch Verkehrsplanungen unter der Sihl. Für eine städtische Schnellstrasse waren teilweise bereits unterirdische Räume und Trassen vorgesehen worden. Nachdem das Strassenprojekt verkleinert worden war, konnte ein Teil des Raums für einen zweigleisigen Bahntunnel verwendet werden.

Zusätzlich bestand unter dem Bahnhofplatz eine bauliche Vorleistung für die in einer Volksabstimmung abgelehnte Zürcher U-Bahn. Dieser Raum konnte für den neuen SZU-Tiefbahnhof unter dem ShopVille genutzt werden.[3]

Die Zürcher Stimmberechtigten genehmigten das Vorhaben mit einem Ja-Anteil von 67,5 Prozent. Der Spatenstich erfolgte im März 1986.[4]

Bau des Sihltunnels

Der neue Sihltunnel wurde weitgehend unter oder unmittelbar neben dem Flussbett der Sihl errichtet. Dies stellte besondere Anforderungen an Abdichtung, Baugruben, Grundwasserhaltung und Hochwasserschutz.

Der Tunnel verläuft vom Bereich südlich der Stauffacherbrücke über die neue Station Selnau bis zum unterirdischen Bahnhof Zürich HB SZU. Die Strecke besitzt zwei Gleise und ist ungefähr 1,6 Kilometer lang.

Während des Baus musste der Verkehr in der Innenstadt aufrechterhalten werden. Gleichzeitig waren bestehende Brücken, Strassen, Leitungen und unterirdische Anlagen zu berücksichtigen.

Die neue Station Selnau wurde nördlich des bisherigen Kopfbahnhofs angeordnet. Dadurch rückte sie näher an die Innenstadt und an wichtige Tramlinien.

Eröffnung im Jahr 1990

Der Sihltunnel und die Verlängerung zum Hauptbahnhof wurden am 4. Mai 1990 feierlich eröffnet. Am folgenden Tag verkehrten erstmals fahrplanmässige Züge der SZU bis zum Hauptbahnhof.[3]

Wenige Wochen später nahm die Zürcher S-Bahn ihren Betrieb auf. Die Sihltalbahn wurde als Linie S4 und die Uetlibergbahn als Linie S10 in das neue S-Bahn-System und den Zürcher Verkehrsverbund integriert.

Der bisherige Kopfbahnhof Selnau wurde geschlossen. Die neue unterirdische Station übernahm seinen Namen, war nun jedoch ein Durchgangsbahnhof zwischen Zürich HB und Zürich Giesshübel.

Die Verlängerung beseitigte den früheren Umsteigeweg zwischen Selnau und dem Hauptbahnhof. Dadurch wurden die Linien des Sihltals und des Uetlibergs wesentlich besser mit dem regionalen und nationalen Bahnnetz verbunden.

Alter Bahnhof Selnau

Der oberirdische Bahnhof lag südlich der heutigen Station. Seine Gleise endeten im Bereich der späteren Wohnsiedlung Selnau.

Nach der Stilllegung wurden die Gleisanlagen entfernt und das Areal einer neuen städtischen Nutzung zugeführt. Das alte Bahnhofsgebäude und weitere Bahnanlagen verschwanden im Zuge der Umgestaltung.

Von 1993 bis 1995 errichtete die Stadt Zürich auf dem ehemaligen Bahnhofareal die Wohnsiedlung Selnau. Die von Martin Spühler entworfene Überbauung umfasst 64 Wohnungen, einen Kindergarten, eine Kindertagesstätte, Gewerberäume und Büros.[5]

Der langgestreckte Gebäudekomplex folgt teilweise der früheren Ausrichtung der Bahnanlagen. Seine Gestaltung schafft einen baulichen Abschluss gegenüber der Sihlhölzlistrasse und schützt die dahinterliegenden Höfe vor Verkehrslärm.

Obwohl vom alten Kopfbahnhof nur wenige sichtbare Spuren erhalten blieben, ist seine frühere Lage in der städtebaulichen Struktur des Quartiers weiterhin erkennbar.

Heutige Bahnhofsanlage

Die heutige Station ist als einfache zweigleisige Tunnelhaltestelle ausgebildet. Zwischen den Gleisen liegt ein Mittelperron.

Die Gleise führen in nordwestlicher Richtung zum Tiefbahnhof Zürich HB SZU. Südlich der Station verläuft der Sihltunnel weiter in Richtung Giesshübel, wo sich die Strecken der Sihltal- und Uetlibergbahn trennen.

Die Station besitzt zwei Hauptzugänge:

  • einen südlichen Zugang bei der Stauffacherbrücke und der Tramhaltestelle Bahnhof Selnau,
  • einen nördlichen Zugang im Bereich der Sihlbrücke und der Sihlporte.

Der nördliche Zugang liegt auf einer inselartigen Konstruktion im Flussraum. Das längliche, mit einem gewölbten Dach versehene Bauwerk wird wegen seiner Form gelegentlich mit einem Schiff verglichen.

Treppen und Fahrtreppen führen von den Zugängen zum Mittelperron. Die Station ist mit Billettautomaten, elektronischen Abfahrtsanzeigen, Lautsprecheranlagen und Sitzgelegenheiten ausgestattet.

Ein bedientes Reisezentrum und Schliessfächer bestehen nicht.[6]

Stromsysteme

Die gemeinsame Strecke zwischen Zürich HB, Selnau und Giesshübel wurde bis 2022 von Zügen mit unterschiedlichen Stromsystemen genutzt.

Die Sihltalbahn fuhr mit dem schweizerischen Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16,7 Hertz Wechselstrom. Die Uetlibergbahn verwendete dagegen 1,2 Kilovolt Gleichstrom.

Damit beide Bahnen dieselben Gleise benutzen konnten, war die Gleichstromfahrleitung der Uetlibergbahn seitlich gegenüber der Gleismitte angeordnet. Die Stromabnehmer der entsprechenden Fahrzeuge waren ebenfalls seitlich versetzt.

Im Sommer 2022 stellte die SZU die Uetlibergbahn auf 15 Kilovolt Wechselstrom um. Damit wurden die Stromsysteme der S4 und S10 vereinheitlicht.[7]

Die Vereinheitlichung erhöhte die betriebliche Flexibilität. Seither können die Züge beider Linien grundsätzlich beide Gleise zwischen Zürich HB und Giesshübel nutzen.

Bahnverkehr

Zürich Selnau wird im regulären Fahrplan von den Linien S4 und S10 der Zürcher S-Bahn bedient.[8]

S4

Die S4 verkehrt auf der Sihltalbahn von Zürich HB über:

  • Zürich Selnau,
  • Zürich Giesshübel,
  • Zürich Saalsporthalle,
  • Zürich Brunau,
  • Zürich Manegg,
  • Zürich Leimbach,
  • Sood-Oberleimbach,
  • Adliswil,
  • Sihlau,
  • Wildpark-Höfli,
  • Langnau-Gattikon

nach Sihlwald.

Der dichteste Takt besteht zwischen Zürich und Langnau-Gattikon. Der äussere Abschnitt bis Sihlwald wird in einem geringeren Takt bedient.

Die Linie übernimmt sowohl städtische Erschliessungsaufgaben als auch den Regionalverkehr zwischen Zürich und den Gemeinden des Sihltals.

S10

Die S10 verkehrt auf der Uetlibergbahn von Zürich HB über:

  • Zürich Selnau,
  • Zürich Binz,
  • Zürich Friesenberg,
  • Zürich Schweighof,
  • Zürich Triemli,
  • Uitikon Waldegg,
  • Ringlikon

zum Uetliberg.

Die Linie besitzt im innerstädtischen Abschnitt den Charakter einer leistungsfähigen Stadtbahn. Zwischen Triemli und Uetliberg folgt eine steile Bergstrecke mit einer maximalen Neigung von rund 79 Promille.

Die S10 dient sowohl dem Pendlerverkehr in den Quartieren Wiedikon und Friesenberg als auch dem Ausflugsverkehr auf den Uetliberg.

Nachtverkehr

In den Nächten vor Samstagen und allgemeinen Feiertagen wird die Station zusätzlich von Angeboten des Zürcher Nachtnetzes bedient. Dazu gehört die Nacht-S-Bahn-Linie SN4 auf der Sihltalbahn.

Vorübergehender Endbahnhof 2026

Vom 29. April bis einschliesslich 18. Oktober 2026 ist die Bahnstrecke zwischen Zürich Selnau und Zürich HB wegen des Umbaus des Tiefbahnhofs Zürich HB SZU vollständig gesperrt.

Während dieser Zeit enden die regulären Züge der Linien S4 und S10 aus dem Sihltal beziehungsweise vom Uetliberg in Zürich Selnau. Einzelne Verstärkungszüge der S4 wenden bereits in Zürich Saalsporthalle.[9]

Damit übernimmt Selnau während rund 24 Wochen vorübergehend wieder eine Funktion als Endstation, ähnlich wie vor der Eröffnung des Sihltunnels im Jahr 1990.

Zwischen Selnau und dem Hauptbahnhof verkehren keine Bahnersatzbusse. Reisende werden auf Fusswege sowie auf die Tram- und Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich verwiesen.

Der Fussweg vom Hauptbahnhof nach Selnau dauert nach Angaben der SZU ungefähr zwölf Minuten. Alternativ kann bis Stauffacher oder zu anderen nahe gelegenen Haltestellen gefahren werden.[10]

Nach Abschluss der Arbeiten soll der durchgehende Betrieb zum Hauptbahnhof wieder aufgenommen werden.

Verknüpfung mit dem städtischen Verkehr

Unmittelbar beim südlichen Ausgang befindet sich die Tramhaltestelle Bahnhof Selnau. Sie verbindet die Station mit weiteren Teilen der Innenstadt und den südlichen Stadtquartieren.

In kurzer Gehdistanz liegen ausserdem die Haltestellen:

  • Stauffacher,
  • Sihlstrasse,
  • Sihlporte,
  • Werd.

Dadurch bestehen Umsteigemöglichkeiten zu mehreren Tram- und Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich.

Der Hauptbahnhof ist zu Fuss in etwa zwölf bis fünfzehn Minuten erreichbar. Die Bahnhofstrasse, der Paradeplatz und die Altstadt liegen ebenfalls in Gehentfernung.

Bedeutung

Der Bahnhof Selnau besitzt mehrere Funktionen innerhalb des Zürcher Verkehrsnetzes.

Er dient als:

  • Innenstadtstation der Sihltal- und Uetlibergbahn,
  • Zugang zu den westlichen Teilen der Zürcher City,
  • Umsteigepunkt zum städtischen Tram- und Busnetz,
  • Entlastungsstation für den Hauptbahnhof,
  • Verbindung zwischen den Wohnquartieren des Sihltals und der Zürcher Innenstadt.

Seine Bedeutung nahm mit der Einführung der Zürcher S-Bahn deutlich zu. Die direkte Verbindung zum Hauptbahnhof machte aus zwei früheren Vorort- und Ausflugsbahnen stark genutzte Bestandteile des regionalen Nahverkehrs.

Zu Beginn der 1990er-Jahre beförderten die S4 und S10 zusammen rund sechs Millionen Fahrgäste pro Jahr. Mitte der 2020er-Jahre waren es ungefähr 15 Millionen.[11]

Ein erheblicher Teil dieser Fahrgäste nutzt den Bahnhof Selnau als Ziel oder Ausgangspunkt innerhalb der Zürcher Innenstadt.

Architektur und städtischer Raum

Die heutige Station ist vollständig in die städtische Infrastruktur und den Flussraum eingebettet. Anders als klassische Bahnhöfe besitzt sie kein grosses Empfangsgebäude und keinen sichtbaren Gleisbereich.

Die oberirdischen Zugangsbauten bilden die wichtigsten architektonischen Merkmale. Der südliche Eingang ist in den Strassenraum bei der Stauffacherbrücke eingebunden.

Der nördliche Zugang liegt zwischen den Flussarmen der Sihl. Seine Position verdeutlicht die unterirdische Linienführung und macht den Bahnhof im Stadtbild erkennbar.

Die Verlegung der Bahngleise in den Untergrund ermöglichte die Umnutzung des alten Bahnhofareals. Anstelle von Gleisen und Perrons entstanden Wohnungen, öffentliche Einrichtungen, Gewerberäume und Innenhöfe.

Das Projekt gilt als Beispiel dafür, wie eine innerstädtische Verkehrsanlage durch eine unterirdische Lösung ersetzt und die frei werdende Fläche für eine gemischte städtische Nutzung verwendet werden kann.[5]

Hochwasserschutz

Die Lage unter der Sihl erfordert besondere Schutzmassnahmen gegen eindringendes Wasser. Tunnel, Station und Zugänge müssen gegen Grundwasser sowie gegen Hochwasserereignisse abgedichtet sein.

Die Sihl kann bei starken Niederschlägen im Einzugsgebiet rasch anschwellen. Ein extremes Hochwasser könnte grosse Teile des Zürcher Hauptbahnhofs und der Innenstadt gefährden.

Der Schutz des Sihltunnels ist deshalb Teil der umfassenden Hochwasservorsorge im Raum Zürich. Dazu gehören Mess- und Warnsysteme, betriebliche Notfallkonzepte und wasserbauliche Massnahmen im Einzugsgebiet der Sihl.

Bei aussergewöhnlichen Ereignissen können Tunnelabschnitte vorsorglich gesperrt werden.

Erneuerungen

Seit der Eröffnung von 1990 wurden verschiedene technische Anlagen des Sihltunnels erneuert. Dazu gehören:

  • Gleise und Fahrbahn,
  • Fahrleitungen,
  • Signale und Sicherungstechnik,
  • Beleuchtung,
  • Kommunikationsanlagen,
  • Entwässerung und Abdichtung.

2023 erneuerte die SZU die Fahrbahn im Abschnitt zwischen Zürich Selnau und dem Sihlhölzli. Während der Bauarbeiten war die Station zeitweise vollständig gesperrt.[12]

Die Modernisierung des Tiefbahnhofs Zürich HB SZU in den Jahren 2025 und 2026 betrifft Selnau indirekt, da der Bahnhof während der Streckensperrung den Grossteil des Verkehrs aufnehmen und als Wendestation dienen muss.

Langfristig plant die SZU mit ihrem Modernisierungsprogramm SZU 4.0 einen Ausbau der Kapazitäten und dichtere Takte auf den Linien S4 und S10.

Literatur

  • Hans Waldburger, Hans Tempelmann: Die Sihltalbahn. 100 Jahre von der Dampfbahn zur modernen S-Bahn-Linie. Minirex, Luzern 1992, ISBN 3-907014-06-5.
  • Hans Waldburger: Die Uetlibergbahn. Die Bahn auf den Zürcher Hausberg. Minirex, Luzern.
  • Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Unter der Sihl ins Zentrum. Die Verlängerung Selnau–Zürich Hauptbahnhof. Zürich.
  • Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: 125 Jahre Sihltalbahn 1892–2017. Zürich 2017.
  • Stadt Zürich: Wohnsiedlung Selnau. Dokumentation des Amts für Hochbauten, Zürich.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Die Geschichte der SZU, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: 150 Jahre Uetlibergbahn, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Wie die SZU an den Hauptbahnhof kam, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Unter der Sihl ins Zentrum, Informationsbroschüre zur Verlängerung Selnau–Zürich HB, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 Stadt Zürich: Wohnsiedlung Selnau – mitten in der Stadt, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Schweizerische Bundesbahnen: Bahnhof Zürich Selnau, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Die SZU stellt die Stromversorgung der Uetlibergbahn S10 um, Medienmitteilung vom 28. Januar 2022, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Über die SZU, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: S4 und S10: Streckensperrung Zürich HB–Zürich Selnau, Medienmitteilung vom 24. April 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Sihltalbahn S4: Alternative Reiserouten während der Sperrung, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Ausbau Zürich HB SZU: Bauen im Herzen der Stadt Zürich, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Sihltal Zürich Uetliberg Bahn: Information über die Erneuerung der Fahrbahn im Sihltunnel, Mai 2023, abgerufen am 3. August 2026.

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