Bahnhof Winterthur Grüze

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Bahnhof Winterthur Grüze
Ort Winterthur
Quartier Grüze
Stadtkreis Oberwinterthur
Kanton Zürich
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Eröffnung 14. Oktober 1855
Bahnsteiggleise 4
Bahnsteige 2 Mittelperrons
Spurweite 1435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Höhe 452 m ü. M.
Abkürzung WGR
IBNR 8506001
Bahnstrecken Winterthur–Wil
Tösstalbahn
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 120
Betreiberin SBB
Zugbetreiber SBB und Thurbo
Adresse St. Gallerstrasse 143
8404 Winterthur
Website sbb.ch

Der Bahnhof Winterthur Grüze ist ein Bahnhof im gleichnamigen Quartier Grüze im Osten der Stadt Winterthur. Er liegt im Stadtkreis Oberwinterthur und bildet den Trennungspunkt der Bahnstrecken von Winterthur nach Wil und in das Tösstal.

Der Bahnhof wird von vier Linien der S-Bahn Zürich bedient. Die S11 und die S26 verkehren über Winterthur Seen in das Tösstal, während die S12 und die S35 über Winterthur Hegi, Elgg und Aadorf nach Wil fahren. In Richtung Westen verbinden alle Linien Grüze mit dem Bahnhof Winterthur.

Mit der Entwicklung des Gebiets Neuhegi-Grüze soll der Bahnhof zu einem der wichtigsten Umsteigepunkte des öffentlichen Verkehrs in Winterthur ausgebaut werden. Ende 2024 schlossen die SBB einen stufenfreien Umbau der bestehenden Station ab. Im Dezember 2026 soll die über den Gleisen errichtete Leonie-Moser-Brücke mit einer direkten Bushaltestelle in Betrieb genommen werden.[1]

Besondere architektonische Bedeutung besitzen die beiden von Hans Hilfiker entworfenen Perrondächer aus den Jahren 1950 bis 1955. Die frühen Stahlbetonkonstruktionen sind schweizweit einzigartig und als Denkmalschutzobjekte von regionaler Bedeutung inventarisiert.[2]

Lage

Der Bahnhof liegt rund zwei Kilometer östlich des Winterthurer Stadtzentrums zwischen der St. Gallerstrasse im Süden und der Talackerstrasse beziehungsweise Hegistrasse im Norden. Das Bahnhofareal befindet sich am westlichen Rand des Quartiers Grüze und grenzt an ausgedehnte Gewerbe-, Industrie- und Einkaufsgebiete.

Südlich des Bahnhofs liegt die St. Gallerstrasse, eine der wichtigsten östlichen Einfallsachsen Winterthurs. Nördlich schliessen sich ehemalige und weiterhin genutzte Industrieareale an. Weiter östlich befinden sich der Eulachpark und das Stadtentwicklungsgebiet Neuhegi.

Unmittelbar westlich des Bahnhofs vereinigen sich die beiden von Grüze ausgehenden Strecken zu einer Verbindung zum Winterthurer Hauptbahnhof. Östlich trennen sie sich:

  • Die südliche Strecke führt über Winterthur Seen, Sennhof-Kyburg und Bauma in das Tösstal.
  • Die nördliche Strecke verläuft über Winterthur Hegi, Elgg und Aadorf nach Wil.

Nördlich der heutigen Bahnsteige führt ausserdem die Bahnstrecke Winterthur–Frauenfeld durch das Gebiet. Die Züge dieser Strecke halten gegenwärtig nicht in Grüze. Für sie war im Ausbauschritt 2035 eine zusätzliche Haltestelle Winterthur Grüze Nord vorgesehen.

Bahnhofanlage

Der Personenbahnhof besitzt zwei Mittelperrons mit insgesamt vier Bahnsteiggleisen. Es handelt sich um die Gleise 4 bis 7. Weitere Gleise dienen dem Güterverkehr, dem Rangierbetrieb, der Abstellung von Fahrzeugen und der Erschliessung benachbarter Betriebe.

Die beiden Streckenäste werden innerhalb der Station weitgehend getrennt geführt. Die Züge in Richtung Wil benutzen den nördlichen Teil der bestehenden Personenanlage, während die Züge der Tösstalbahn auf den südlichen Gleisen verkehren.

Die gekrümmte Lage der Perrons ist eine Folge der Streckenverzweigung. Beide Mittelperrons beginnen westlich in geringem Abstand zueinander und entfernen sich gegen Osten zunehmend voneinander.

Eine Personenunterführung verbindet die St. Gallerstrasse mit den Bahnsteigen und dem nördlichen Bahnhofsgebiet. Beim Umbau von 2022 bis 2024 wurde eine neue Unterführung mit langen Rampen errichtet. Die Perrons wurden auf die für einen stufenarmen Einstieg erforderliche Höhe angehoben.[1]

Im Zusammenhang mit dem Bau der Leonie-Moser-Brücke verlängerten die SBB von Januar bis Mai 2026 die Perrons der Gleise 4/5 und 6/7. Die Arbeiten ermöglichen den Einsatz längerer Züge und schaffen zusätzliche Kapazität für die erwartete Zunahme des Personenverkehrs.[3]

Perrondächer

Die beiden denkmalgeschützten Perrondächer wurden zwischen 1950 und 1955 nach Plänen des SBB-Architekten und Ingenieurs Hans Hilfiker errichtet. Sie waren ursprünglich als Prototyp für eine neue Generation schweizerischer Bahnhofüberdachungen vorgesehen.

Die SBB verfolgten das geplante Standardmodell nicht weiter. Die beiden Konstruktionen in Grüze blieben deshalb Einzelstücke. Sie zählen zu den frühesten Schweizer Perrondächern in Stahlbetonbauweise.[2]

Jedes Dach ist ungefähr 90 Meter lang. Die dünnen Betonplatten werden von regelmässig angeordneten Doppelwandstützen getragen. Zwischen den Stützen waren beziehungsweise sind Uhren, Fahrplananzeigen, Schaufenster, Sitzgelegenheiten und weitere Ausstattungen angeordnet.

Die Dächer folgen der Krümmung der Perrons und bilden dadurch eine charakteristische langgezogene Form. Ihr Entwurf verbindet eine funktionale Tragstruktur mit der sachlichen Architektursprache der Nachkriegsmoderne.

Die kantonale Denkmalpflege begründet die Schutzwürdigkeit mit der ingenieurtechnischen Konstruktion, der avantgardistischen Formensprache und der Bedeutung des Bahnhofs für die Winterthurer Industriegeschichte. Zum Schutzzweck gehören die Betonstützen, Dachplatten, ursprünglichen Ausstattungselemente und die historische Farbgebung.[2]

Während des stufenfreien Bahnhofumbaus wurden die Perrondächer instand gesetzt und in die neue Perronanlage integriert. Die Eingriffe mussten mit den Anforderungen des Denkmalschutzes abgestimmt werden.

Aufnahmegebäude

Das Aufnahmegebäude steht auf der Südseite der Gleisanlage an der St. Gallerstrasse. Die Station wurde 1855 für die Bahnverbindung von Winterthur nach Wil angelegt.

Die historischen Bahnhofsgebäude wurden im Laufe der Zeit mehrfach verändert. Im Zusammenhang mit der gemeinsamen Nutzung durch die Vereinigten Schweizerbahnen und die Tösstalbahn entstanden Ende des 19. Jahrhunderts neue Betriebs- und Warteeinrichtungen.

Mit der Automatisierung des Bahnbetriebs verlor das Aufnahmegebäude einen grossen Teil seiner ursprünglichen Funktion. Der Bahnhof besitzt heute keinen bedienten Billettschalter. Fahrausweise werden an Automaten oder über digitale Verkaufskanäle bezogen.

Ausstattung

Zur Ausstattung gehören Billettautomaten, dynamische Fahrgastanzeigen, gedeckte Wartebereiche und Anlagen für kombinierte Mobilität.

Nach Angaben der SBB stehen am Bahnhof 104 gedeckte Veloabstellplätze zur Verfügung. Die P+Rail-Anlage umfasst 63 reguläre Parkplätze und einen Parkplatz für Menschen mit Behinderung.[4]

Im näheren Bahnhofsumfeld befinden sich Gewerbebetriebe, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Ein grösseres Angebot an Dienstleistungen besteht im Einkaufs- und Gewerbegebiet Grüze sowie in Richtung Oberwinterthur und Neuhegi.

Bahnverkehr

S-Bahn Zürich

Im Jahresfahrplan 2026 wird Winterthur Grüze von vier Linien der S-Bahn Zürich bedient:

Linie Linienführung über Winterthur Grüze Betreiber
S11 Aarau – Dietikon – Zürich HB – Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Seen – Wila SBB
S12 Brugg – Dietikon – Zürich HB – Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Wil SG SBB
S26 Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Seen – Bauma – Rüti ZH – Rapperswil Thurbo
S35 Winterthur – Winterthur Grüze – Winterthur Hegi – Elgg – Wil SG Thurbo

Die S11 verbindet den Tösstaler Streckenast direkt mit Zürich, dem Limmattal und dem Kanton Aargau. Sie verkehrt auf dem Abschnitt Winterthur–Wila als einer von zwei östlichen Ästen der Linie.[5]

Die S12 stellt eine direkte Verbindung von Wil über Grüze, Winterthur und Zürich nach Brugg her. Ein anderer Linienast führt von Winterthur nach Schaffhausen.[6]

Die von Thurbo betriebene S26 fährt über das gesamte Tösstal und den Zürcher Oberländer Abschnitt nach Rapperswil. Sie bildet die wichtigste regionale Verbindung zwischen Winterthur, Bauma, Wald und Rüti.[7]

Die S35 ergänzt die S12 zwischen Winterthur und Wil und bedient sämtliche Stationen des regionalen Streckenabschnitts.[8]

Die Fahrt zum Winterthurer Hauptbahnhof dauert ungefähr drei Minuten. Direkte Verbindungen bestehen unter anderem nach Zürich, Aarau, Brugg, Wil, Wila, Bauma, Rüti und Rapperswil.

Nachtverkehr

In den Nächten vor Samstagen und Sonntagen hält die Nacht-S-Bahn SN22 in Winterthur Grüze. Sie verkehrt von Winterthur über Wil und St. Gallen in Richtung St. Margrethen; einzelne Fahrten oder Fahrplanabschnitte können eine kürzere Linienführung aufweisen.[9]

Busverkehr

Bis Dezember 2026 besitzt der Bahnhof keine unmittelbar an den Bahnsteigen gelegene Stadtbushaltestelle. Die nächsten Haltestellen befinden sich an den umliegenden Hauptstrassen und erfordern einen Fussweg.

Mit der Leonie-Moser-Brücke entsteht erstmals eine direkte Verknüpfung zwischen Bahn und Stadtbus. Die neue Haltestelle Bahnhof Grüze liegt auf der Brücke unmittelbar über den beiden Mittelperrons. Treppen und Aufzüge führen von der Brücke zu den Perrons.

Ab dem Fahrplanwechsel vom 13. Dezember 2026 soll die elektrifizierte Stadtbuslinie 7 über die Brücke verkehren. Ihre geplante Linienführung verbindet Bahnhof Wülflingen über das Stadtzentrum und den Bahnhof Grüze mit der Sulzerallee und Elsau Melcher.[10]

Langfristig sollen weitere städtische und regionale Buslinien die Querung benutzen. Der Bahnhof soll dadurch zu einer Entlastungsdrehscheibe für den stark beanspruchten Verkehrsknoten am Winterthurer Hauptbahnhof werden.

Geschichte

Eröffnung der Strecke nach Wil

Der Bahnhof wurde im Zusammenhang mit der Bahnstrecke Winterthur–Wil der Sankt Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn errichtet. Der fahrplanmässige Betrieb begann am 14. Oktober 1855.[11]

Das Gebiet Grüze war damals noch weitgehend unbebaut und gehörte zur selbstständigen Gemeinde Oberwinterthur. Die Station diente der regionalen Erschliessung und dem Güterverkehr. Mit der Ansiedlung von Industriebetrieben nahm ihre Bedeutung rasch zu.

Die Bahngesellschaft ging später in den Vereinigten Schweizerbahnen auf. Nach deren Verstaatlichung im Jahr 1902 wurde die Strecke Teil des Netzes der Schweizerischen Bundesbahnen.

Anschluss der Tösstalbahn

Am 4. Mai 1875 eröffnete die Tösstalbahn ihre Strecke von Grüze über Seen und Turbenthal nach Bauma. Der Bahnhof wurde damit zum Trennungs- und Anschlussbahnhof.

Die Tösstalbahn konnte den Winterthurer Hauptbahnhof zunächst nicht mit eigenen Zügen anfahren. Grüze bildete deshalb zeitweise den nördlichen Endpunkt ihrer Strecke. Fahrgäste mussten hier auf Züge der Vereinigten Schweizerbahnen umsteigen oder den Weg in die Stadt anderweitig zurücklegen.[11]

1882 nahm die Tösstalbahn ein eigenes Gleis zwischen Grüze und dem Winterthurer Hauptbahnhof in Betrieb. Dadurch konnten ihre Züge ohne die bisherige betriebliche Abhängigkeit bis ins Stadtzentrum verkehren.

Die Strecken nach Wil und ins Tösstal besassen zunächst weitgehend voneinander getrennte Gleisanlagen. Diese besondere betriebliche Struktur prägte den Bahnhof über viele Jahrzehnte.

Industrialisierung der Grüze

Die Eisenbahn förderte die Entwicklung des Gebiets zu einem bedeutenden Industrie- und Gewerbestandort. In Bahnhofsnähe entstanden unter anderem Metallverarbeitungsbetriebe, Lagerhäuser, chemische Fabriken und Unternehmen der Baustoff- und Lebensmittelindustrie.

Zu den bekannten Betrieben gehörten die Schweizerische Nagelfabrik, die Metallbauwerke Geilinger, ein Petroleum-Lager und die Seifenfabrik Sträuli. Zahlreiche Unternehmen verfügten über eigene Anschlussgleise.

Der Bahnhof entwickelte sich zu einem der wichtigsten Güterumschlagplätze Winterthurs. Neben Rohstoffen und Industrieprodukten wurden Brennstoffe, Baustoffe, Maschinen und landwirtschaftliche Güter verladen.

1922 wurde Oberwinterthur zusammen mit mehreren weiteren Vorortsgemeinden in die Stadt Winterthur eingemeindet. Damit lag auch der Bahnhof Grüze fortan auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Winterthur.

Umbauten der Nachkriegszeit

Die Tösstalbahn wurde 1951 elektrifiziert. Zwei Jahre später erfolgte der Doppelspurausbau zwischen Grüze und Räterschen auf der Strecke nach Wil.

Diese Veränderungen sowie das Wachstum der umliegenden Industrie führten zu einer umfassenden Modernisierung des Bahnhofs. Zwischen 1950 und 1955 entstanden die beiden heutigen Perrondächer nach Plänen von Hans Hilfiker.[2]

Die neuen Anlagen sollten den wachsenden Personen- und Güterverkehr aufnehmen. Gleichzeitig wurden Gleise, Sicherungsanlagen und Bahnsteige neu geordnet.

S-Bahn Zürich

Mit der Eröffnung der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 wurde Winterthur Grüze in das neue regionale Taktfahrplansystem integriert. Die direkten Verbindungen nach Zürich erhöhten die Bedeutung des Bahnhofs für den Pendlerverkehr.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Angebot schrittweise ausgebaut. Neben der Tösstalverbindung hielten zusätzliche Züge auf dem Streckenast nach Wil.

Die Eröffnung des Bahnhofs Winterthur Hegi im Dezember 2006 verbesserte die Erschliessung des wachsenden Stadtteils Neuhegi. Grüze blieb aufgrund der Verzweigung der Bahnstrecken jedoch der bedeutendere betriebliche Knoten.

Stufenfreier Ausbau

Die SBB begannen 2022 mit der umfassenden Modernisierung der bestehenden Personenanlage. Das Projekt wurde mit den Bauarbeiten für die Querung Grüze koordiniert.

Bis Ende 2024 wurden:

  • die Perrons erhöht;
  • die Personenunterführung ersetzt;
  • lange Zugangsrampen erstellt;
  • Beleuchtung und Fahrgastinformation erneuert;
  • die denkmalgeschützten Perrondächer instand gesetzt;
  • die Zugänge stufenfrei gestaltet.

Die Bauarbeiten mussten bei laufendem Bahnverkehr ausgeführt werden. Besonders anspruchsvoll waren die Anpassungen im Bereich der historischen Betonüberdachungen.

Leonie-Moser-Brücke

Die Leonie-Moser-Brücke, während der Projektierung als Querung Grüze bezeichnet, ist eine knapp 400 Meter lange Brücke für Busse, Velos und den Fussverkehr. Private Motorfahrzeuge dürfen sie nicht benutzen.

Das Bauwerk überquert die bestehenden Bahnhofsgleise und verbindet die St. Gallerstrasse mit der Hegistrasse und der Sulzerallee. Der zentrale Brückenbereich ist mehr als 20 Meter breit und dient als Platz und Bushaltestelle.[12]

Die Winterthurer Stimmberechtigten genehmigten das Projekt im November 2020 mit rund 63 Prozent Ja-Stimmen. Das Gesamtbudget beträgt 60,5 Millionen Franken. Etwa 90 Prozent der Kosten werden vom Bund und vom Kanton Zürich getragen; der städtische Nettobeitrag beträgt voraussichtlich rund fünf Millionen Franken.[12]

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen Ende 2022, der offizielle Spatenstich fand am 11. Juli 2023 statt. Das Einweihungsfest ist für den 5. September 2026 vorgesehen. Die reguläre Nutzung durch die Buslinie 7 soll mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 beginnen.[10]

Benannt ist die Brücke nach Leonie Moser, einer Winterthurer Pionierin der medizinischen Röntgentechnik. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um die erste Schweizer Brücke, die nach einer Frau benannt wurde.[1]

Geplante Haltestelle Grüze Nord

Die geplante Haltestelle Winterthur Grüze Nord soll an der Bahnstrecke Winterthur–Frauenfeld entstehen. Sie würde unmittelbar nördlich der heutigen Station liegen und über die Leonie-Moser-Brücke erschlossen.

Mit dem zusätzlichen Halt könnten auch Züge der Frauenfelder Linie den Verkehrsknoten Grüze bedienen. Dadurch würde der Bahnhof eine direkte Verbindung nach Oberwinterthur, Frauenfeld, Weinfelden und in Richtung Romanshorn erhalten.

Das eidgenössische Parlament nahm das mit rund 33 Millionen Franken veranschlagte Projekt 2019 nachträglich in den Bahnausbauschritt 2035 auf.[13]

Im Juni 2026 schlug der Bundesrat im Rahmen der Neupriorisierung «Verkehr ’45» jedoch vor, den früheren Ausbauschritt 2035 aufzuheben und die Haltestelle Grüze Nord aus der Finanzierung zu streichen. Der Zürcher Regierungsrat kritisierte diesen Vorschlag und bezeichnete den Halt als wesentlich für das Entwicklungsgebiet von kantonaler Bedeutung.[14]

Der endgültige Realisierungstermin war im August 2026 daher nicht gesichert.

Entwicklung des Bahnhofsumfelds

Das Gebiet Neuhegi-Grüze gehört zu den wichtigsten Entwicklungsgebieten Winterthurs und ist im kantonalen Richtplan als Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung festgelegt.

Die Stadt erwartet im erweiterten Gebiet langfristig mehrere Tausend zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner sowie neue Arbeitsplätze. Rund um den Bahnhof sollen Wohnungen, Gewerberäume, Dienstleistungen, Bildungseinrichtungen, Gastronomie und öffentliche Freiräume entstehen.

Allein im engeren Bahnhofsumfeld werden bis 2040 ungefähr 1'000 neue Einwohnerinnen und Einwohner sowie 1'500 Arbeitsplätze erwartet.[15]

Die Stadt Winterthur und die SBB führten von April 2025 bis März 2026 einen Studienauftrag zur Neugestaltung des Bahnhofsumfelds durch. Zur Weiterbearbeitung empfohlen wurde der Entwurf «Brücken Schlagen».

Geplant sind unter anderem:

  • der Heidi-Bucher-Platz auf der Südseite;
  • ein neuer Bahnhofplatz Nord;
  • die Katharina-Hardy-Strasse;
  • eine verbreiterte Fuss- und Velounterführung;
  • eine Velostation und ungefähr 500 gedeckte Veloabstellplätze;
  • zusätzliche Bäume und versickerungsfähige Oberflächen;
  • neue Zugänge zu den bestehenden und geplanten Bahnsteigen.

Die heutige Personenunterführung soll langfristig zu einer gut belichteten Quartierverbindung für den Fuss- und Veloverkehr ausgebaut werden. Sie soll die durch die Gleisanlagen getrennten Gebiete besser miteinander verbinden.[15]

Bedeutung

Winterthur Grüze besitzt eine doppelte Bedeutung als historischer Eisenbahn- und Industriestandort sowie als künftige Verkehrsdrehscheibe eines wachsenden Stadtteils.

Der Bahnhof ermöglicht den direkten Umstieg zwischen den S-Bahn-Strecken nach Wil und ins Tösstal. Durch die Verbindung mit dem Stadtbusnetz soll seine Rolle im Winterthurer Verkehrssystem deutlich wachsen.

Die Stadt bezeichnet Grüze langfristig als potenziell zweitwichtigsten Bahnhof Winterthurs. Der Ausbau soll den Hauptbahnhof entlasten, neue Direktverbindungen ermöglichen und die Entwicklung von Neuhegi-Grüze unterstützen.[12]

Architekturgeschichtlich ist der Bahnhof wegen der beiden Perrondächer von Hans Hilfiker bedeutend. Sie dokumentieren die Modernisierung der Schweizer Bahninfrastruktur in den 1950er-Jahren und sind ein seltenes Beispiel experimenteller Stahlbetonarchitektur im Bahnhofbau.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bahnhof Winterthur Grüze: Bequemer ein- und aussteigen, Stadt Winterthur, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Bahnhof Winterthur Grüze, Perrondächer, Inventar der Denkmalschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung, Baudirektion des Kantons Zürich, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Projektinformation Querung Grüze, Juni 2026, Stadt Winterthur, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Bahnhof Winterthur Grüze, SBB, abgerufen am 3. August 2026.
  5. S11 Aarau–Zürich HB–Winterthur–Wila, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  6. S12 Brugg–Zürich HB–Winterthur–Wil SG, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  7. S26 Winterthur–Bauma–Rüti ZH–Rapperswil, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  8. S35 Winterthur–Wil SG, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  9. SN22 Winterthur–Wil–St. Gallen–St. Margrethen, Zürcher Verkehrsverbund, Jahresfahrplan 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  10. 10,0 10,1 Einweihung der Querung Grüze, Stadtbus Winterthur, 10. Juli 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  11. 11,0 11,1 Bahnhof Grüze, Winterthur Glossar, abgerufen am 3. August 2026.
  12. 12,0 12,1 12,2 Querung Grüze – Das Projekt, Stadt Winterthur, abgerufen am 3. August 2026.
  13. STEP 2035: Bahnhof Grüze Nord wurde nachträglich bewilligt, Regierungsrat des Kantons Zürich, 11. Juni 2019, abgerufen am 3. August 2026.
  14. Verkehr ’45: Regierungsrat kritisiert Bund beim Bahnausbau, Kanton Zürich, 19. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  15. 15,0 15,1 Das neue Gesicht des Wachstumsgebiets Grüze, Stadt Winterthur, 29. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.