Oerlikon

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Oerlikon
Stadt Zürich
Stadtkreis Kreis 11
Kanton Zürich
Ehemalige Gemeinde 1872–1933
Eingemeindung 1. Januar 1934
Fläche 2,67 km²
Bevölkerung 24'205 Einwohnerinnen und Einwohner
Stand 31. Dezember 2025
Bevölkerungsdichte rund 9'066 Einwohner pro km²
Postleitzahl 8050
Erste Erwähnung 946 als Orlinchowa
Bedeutender Bahnhof Bahnhof Zürich Oerlikon
Website stadt-zuerich.ch

Oerlikon ist ein Quartier der Stadt Zürich und bildet zusammen mit Affoltern und Seebach den Stadtkreis 11. Das Quartier liegt nördlich des Stadtzentrums am Übergang vom Limmattal zum Glatttal. Bis Ende 1933 war Oerlikon eine eigenständige politische Gemeinde; am 1. Januar 1934 wurde es im Rahmen der zweiten Eingemeindung Teil der Stadt Zürich.

Oerlikon entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von einer kleinen bäuerlichen Siedlung zu einem der bedeutendsten Industriestandorte der Schweiz. Die Eisenbahn, die Maschinenfabrik Oerlikon und weitere Industriebetriebe prägten das Ortsbild, die Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Bedeutung des Quartiers. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wurden grosse Teile der ehemaligen Industrieareale in ein dichtes Wohn-, Geschäfts- und Dienstleistungsgebiet umgewandelt.

Heute ist Oerlikon ein wichtiges Stadtteilzentrum und einer der bedeutendsten Verkehrsknoten der Stadt Zürich. Das Quartier besitzt mit dem Bahnhof Zürich Oerlikon, der Messe Zürich, dem Hallenstadion, dem Theater 11 und dem Entwicklungsgebiet Neu-Oerlikon eine über die Stadtgrenzen hinausreichende Bedeutung.[1]

Geografie

Oerlikon liegt im Norden der Stadt Zürich. Das Quartier grenzt im Norden an Seebach, im Westen an Affoltern, im Süden an Unterstrass und im Osten an die Quartiere des Stadtkreises Schwamendingen. Die Quartierfläche beträgt 2,67 Quadratkilometer.

Das Gelände ist überwiegend flach und steigt gegen Süden und Südwesten leicht in Richtung Milchbuck und Käferberg an. Die stark ausgebauten Bahnanlagen des Bahnhofs Zürich Oerlikon durchqueren das Quartier von Südwesten nach Nordosten und teilen es in einen älteren südlichen sowie einen nördlichen, stark durch frühere Industrieareale geprägten Bereich.

Wichtige Verkehrsachsen sind die Schaffhauserstrasse, die Hofwiesenstrasse, die Regensbergstrasse, die Wallisellenstrasse und die Thurgauerstrasse. Der historische Ortskern liegt im Umfeld der Schwamendingerstrasse, der Regensbergstrasse und des heutigen Marktplatzes Oerlikon. Das moderne Zentrum erstreckt sich beidseits des Bahnhofs.

Name

Der Ortsname geht wahrscheinlich auf einen alemannischen Siedlungsgründer namens Orilo zurück. Oerlikon wurde im Jahr 946, nach einer abweichenden Datierung bereits 942, erstmals urkundlich als Orlinchowa erwähnt. Der zweite Bestandteil des historischen Namens bezeichnete eine Landschaft oder Siedlung und entwickelte sich im Verlauf der Jahrhunderte zur heutigen Endung «-ikon».[2]

In historischen Dokumenten finden sich unterschiedliche Schreibweisen. Die heutige Form «Oerlikon» setzte sich im 19. Jahrhundert endgültig durch. Der Name wurde durch die international tätigen Industrieunternehmen aus dem Quartier weltweit bekannt.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Das mittelalterliche Oerlikon war eine kleine landwirtschaftliche Siedlung. Die Höfe lagen entlang der Verbindung zwischen Zürich, Schwamendingen und dem Glatttal. Während Jahrhunderten bestand der Ort nur aus wenigen Häusern und besass weder eine eigene Kirche noch eine eigenständige Gemeindeverwaltung.

Die kirchlichen und schulischen Beziehungen führten vor allem nach Schwamendingen. Die Einwohnerinnen und Einwohner besuchten dort den Gottesdienst und die Schule. Landwirtschaft, Viehhaltung und die Nutzung der umliegenden Wälder bildeten die wirtschaftliche Grundlage.

Nach der politischen Neuordnung des Kantons Zürich wurde Oerlikon 1803 Teil der politischen Gemeinde Schwamendingen. Trotz dieser administrativen Verbindung blieben Oerlikon und Schwamendingen räumlich getrennte Siedlungen.

Eisenbahn und Industrialisierung

Die entscheidende Veränderung begann mit dem Bau der Eisenbahn. Im Jahr 1855 eröffnete die Schweizerische Nordostbahn die Verbindung von Winterthur über Wallisellen nach Oerlikon. Ein Jahr später wurde die Strecke durch den Wipkingertunnel bis zum Zürcher Hauptbahnhof verlängert.

Mit der Eröffnung der Linie nach Bülach im Jahr 1865 entwickelte sich Oerlikon zu einem Eisenbahnknoten. Die flachen und damals noch günstigen Grundstücke in Bahnhofsnähe sowie die guten Transportverbindungen machten den Ort für Industrieunternehmen attraktiv.

Die Eisenbahn leitete einen schnellen Wandel ein. Fabriken, Werkstätten, Wohnhäuser und Gasthäuser entstanden rund um den Bahnhof. Die Bevölkerung nahm stark zu, während die Landwirtschaft an Bedeutung verlor. Oerlikon entwickelte sich zu einem eigenständigen Industrie- und Arbeiterort.

Selbstständige Gemeinde

Im Jahr 1872 trennte sich Oerlikon von Schwamendingen und wurde eine selbstständige politische Gemeinde. Das rasche Bevölkerungswachstum erforderte den Aufbau einer eigenen Verwaltung sowie den Bau von Schulen, Strassen, Wasserleitungen und weiteren öffentlichen Einrichtungen.

Im Jahr 1876 wurde der Friedhof Oerlikon eröffnet. Er gehört zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen aus der frühen Zeit der politischen Gemeinde und wurde später unter Denkmalschutz gestellt.

Die neue Gemeinde entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem der wichtigsten Industrieorte im Raum Zürich. Neben Arbeiterwohnungen entstanden repräsentative Wohnhäuser, Geschäftsbauten und öffentliche Gebäude. Der alte Dorfkern wurde zunehmend von städtischen Strukturen umgeben.

Maschinenfabrik Oerlikon

Besonders prägend war die 1876 von Peter Emil Huber-Werdmüller gegründete Werkzeug- und Maschinenfabrik Oerlikon. Seit 1886 trug sie den Namen Maschinenfabrik Oerlikon, abgekürzt MFO.[3]

Die MFO entwickelte sich zu einem international bekannten Unternehmen der Maschinen- und Elektroindustrie. Sie produzierte unter anderem Generatoren, Elektromotoren, Transformatoren, Werkzeugmaschinen und elektrische Lokomotiven. Das Unternehmen war an der Entwicklung der elektrischen Energieübertragung und der Elektrifizierung der Eisenbahn beteiligt.

Zwischen 1905 und 1909 führte die MFO auf der Strecke Seebach–Wettingen bedeutende Versuche mit Einphasenwechselstrom durch. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse beeinflussten die spätere Elektrifizierung des schweizerischen Eisenbahnnetzes.

Die Fabrik beschäftigte zeitweise mehrere Tausend Personen und war nicht nur der wichtigste Arbeitgeber, sondern auch ein bedeutender Steuerzahler der Gemeinde. Sie förderte den Wohnungsbau, unterstützte soziale Einrichtungen und beeinflusste die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs.

Im Jahr 1967 wurde die MFO von Brown, Boveri & Cie. übernommen. Nach der Fusion von Brown Boveri mit ASEA im Jahr 1988 gehörten wesentliche Teile des Unternehmens zu ABB. Die industrielle Produktion wurde später schrittweise reduziert oder an andere Standorte verlagert.

Weitere Industriebetriebe

Neben der MFO siedelten sich zahlreiche weitere Unternehmen in Oerlikon an. Zu den bedeutenden Betrieben gehörten die 1895 gegründete Accumulatoren-Fabrik Oerlikon und die 1906 gegründete Schweizerische Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon.

Aus der Werkzeugmaschinenfabrik entwickelte sich unter Emil Georg Bührle ein international tätiges Unternehmen, das insbesondere Werkzeugmaschinen und Rüstungsgüter herstellte. Der spätere Oerlikon-Bührle-Konzern gehörte zeitweise zu den grössten Industrieunternehmen der Schweiz.

Weitere Betriebe waren in den Bereichen Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Maschinenbau, Fahrzeugbau und chemische Industrie tätig. Der Name Oerlikon wurde dadurch zu einer international bekannten industriellen Herkunftsbezeichnung.

Strassenbahn

Im Jahr 1897 nahm die Strassenbahn Zürich–Oerlikon–Seebach ihren Betrieb auf. Die Linie verband Oerlikon mit der Stadt Zürich und besass Zweigstrecken nach Seebach, Schwamendingen und Glattbrugg.

Die Maschinenfabrik Oerlikon war am Bau und an der Finanzierung der Bahn beteiligt. Die Strassenbahn erleichterte den Arbeitsweg der Fabrikbeschäftigten und verstärkte die wirtschaftlichen Beziehungen zur Stadt Zürich.

Im Jahr 1931 wurde die Strassenbahn in das städtische Tramnetz integriert. Nicht alle Streckenabschnitte blieben erhalten, doch die Verbindung zwischen dem Zürcher Zentrum und Oerlikon entwickelte sich zu einer der wichtigsten Linien des öffentlichen Verkehrs.

Eingemeindung nach Zürich

Das starke Wachstum stellte Oerlikon und die benachbarten Gemeinden vor erhebliche finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Neue Schulen, Strassen, Versorgungsanlagen und soziale Einrichtungen mussten für eine rasch zunehmende Bevölkerung gebaut werden.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg begannen Diskussionen über eine Eingemeindung. Nach mehreren politischen Auseinandersetzungen beschlossen die Stimmberechtigten die Vereinigung mit Zürich.

Am 1. Januar 1934 wurde Oerlikon gemeinsam mit Affoltern, Albisrieden, Altstetten, Höngg, Schwamendingen, Seebach und Witikon in die Stadt Zürich eingemeindet. Oerlikon, Affoltern, Seebach und Schwamendingen bildeten zunächst den Stadtkreis 11. Seit der Abtrennung Schwamendingens als eigener Kreis 12 im Jahr 1971 besteht der Kreis 11 aus Oerlikon, Affoltern und Seebach.[4]

Entwicklung nach der Eingemeindung

Nach 1934 setzte sich die bauliche Verdichtung fort. Die früheren Freiflächen zwischen Oerlikon, Seebach, Affoltern und Schwamendingen wurden zunehmend mit Wohnsiedlungen, Gewerbebauten und öffentlichen Einrichtungen überbaut.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu einer erneuten Erweiterung der Industrie- und Büroflächen. Gleichzeitig entwickelte sich das Gebiet rund um den Bahnhof zu einem regionalen Einkaufs- und Dienstleistungszentrum.

Am 18. Mai 1943 wurde Oerlikon bei einem Luftangriff britischer Flugzeuge getroffen. Die Bomben waren nicht für Zürich bestimmt. Mehrere Gebäude wurden beschädigt und Menschen kamen ums Leben.

Seit den 1960er-Jahren verlor die klassische Industrie schrittweise an Bedeutung. Produktionsbetriebe wurden geschlossen, zusammengelegt oder verlagert. An ihre Stelle traten zunehmend Büros, Dienstleistungen, Forschungseinrichtungen, Wohnungen und Veranstaltungsorte.

Neu-Oerlikon

Neu-Oerlikon bezeichnet das ehemalige Industriegebiet nördlich des Bahnhofs. Es gehört zu den grössten städtischen Entwicklungsgebieten der Schweiz. Die Umwandlung begann gegen Ende des 20. Jahrhunderts, nachdem die MFO, ABB und weitere Unternehmen grosse Teile ihrer Produktion aufgegeben oder verlagert hatten.[5]

Im Jahr 1988 begann ein gemeinsamer Planungsprozess der Stadt Zürich, der Grundeigentümer und der Industrieunternehmen. Aus einem 1992 durchgeführten Wettbewerb entstand das Entwicklungsleitbild für das damalige Zentrum Zürich Nord. Die 1998 verabschiedeten Sonderbauvorschriften regelten die Bebauung, die Erschliessung und die Schaffung öffentlicher Freiräume.[6]

Auf dem ehemaligen Industriegebiet entstanden seit der Jahrtausendwende:

  • mehrere Tausend Wohnungen,
  • Büro- und Dienstleistungsgebäude,
  • Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants,
  • Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen,
  • neue Strassen und Fusswege,
  • öffentliche Plätze und Parkanlagen.

Die Planung verband eine hohe bauliche Dichte mit grosszügigen öffentlichen Freiräumen. Zu den wichtigsten Anlagen gehören der MFO-Park, der Oerliker Park, der Louis-Häfliger-Park und der Gustav-Ammann-Park.

MFO-Park

Der im Jahr 2002 eröffnete MFO-Park entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrikhalle. Seine offene Stahlkonstruktion nimmt die Dimensionen der früheren Halle auf und ist mit zahlreichen Kletterpflanzen begrünt.

Treppen, Stege, Balkone und eine Dachterrasse machen das Bauwerk begehbar. Im Inneren befindet sich ein grosser, multifunktional nutzbarer Raum. Der Park verbindet Industriekultur mit moderner Landschaftsarchitektur und wurde mehrfach ausgezeichnet.[7]

Max-Frisch-Platz

Mit dem Ausbau des Bahnhofs wurde auf dessen Nordseite der Max-Frisch-Platz angelegt. Der Platz bildet den wichtigsten Zugang vom Bahnhof zu Neu-Oerlikon und ist nach dem Zürcher Schriftsteller Max Frisch benannt.

An den Platz schliessen Wohnhäuser, Bürogebäude, Geschäfte und gastronomische Betriebe an. Weitere Flächen im Umfeld sollen nach einem städtebaulichen Masterplan überbaut werden.

MFO-West

Das Areal MFO-West westlich des MFO-Parks gehört zu den letzten grossen Entwicklungsflächen des ehemaligen Industriegebiets. Die Stadt Zürich plant dort rund 220 gemeinnützige Wohnungen, einen Quartierpark sowie kulturelle, gewerbliche und öffentliche Nutzungen.

Die historische Halle 550 und weitere industrielle Baudenkmäler sollen in die Entwicklung einbezogen werden. Das Projekt soll die Verbindung zwischen dem Bahnhof, Neu-Oerlikon und den westlich gelegenen Quartierbereichen verbessern.[8]

Bevölkerung

Ende 2025 lebten in Oerlikon 24'205 Personen. Damit gehört Oerlikon zu den bevölkerungsreicheren Quartieren der Stadt Zürich. Auf einer Fläche von 2,67 Quadratkilometern ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 9'066 Personen pro Quadratkilometer.[9]

Die Einwohnerzahl nahm nach der Eröffnung der Eisenbahn und der Ansiedlung grosser Industriebetriebe besonders stark zu. Ein weiterer Wachstumsschub setzte mit der Umwandlung der Industrieflächen in Neu-Oerlikon ein.

Die Quartierbevölkerung ist durch eine grosse Vielfalt hinsichtlich Herkunft, Alter, Haushaltsform und wirtschaftlicher Situation geprägt. Neben traditionellen Wohngebieten entstanden zahlreiche moderne Miet- und Eigentumswohnungen. Die Nähe zum Bahnhof, zum Flughafen und zu bedeutenden Arbeitsstandorten macht Oerlikon besonders für Berufspendlerinnen und Berufspendler attraktiv.

Wirtschaft

Oerlikon war während mehr als einem Jahrhundert einer der wichtigsten Industriestandorte der Schweiz. Die Maschinenfabrik Oerlikon, Oerlikon-Bührle, ABB und weitere Unternehmen beschäftigten zeitweise Zehntausende Personen.

Obwohl die industrielle Produktion stark zurückgegangen ist, besitzt das Quartier weiterhin eine grosse wirtschaftliche Bedeutung. Heute dominieren:

  • Dienstleistungsunternehmen,
  • Technologie- und Ingenieurbetriebe,
  • Versicherungen und Finanzdienstleister,
  • Detailhandel und Gastronomie,
  • Veranstaltungs- und Messebetriebe,
  • Hotellerie,
  • öffentliche Einrichtungen.

ABB und Rheinmetall Air Defence unterhalten weiterhin bedeutende Standorte im Raum Oerlikon. Daneben haben sich zahlreiche schweizerische und internationale Unternehmen in den Bürogebäuden rund um den Bahnhof und in Neu-Oerlikon angesiedelt.

Das Zentrum entlang der Bahnhofstrasse Oerlikon, der Schaffhauserstrasse und des Marktplatzes besitzt ein vielfältiges Angebot an Geschäften, Restaurants und Dienstleistungen. Der Marktplatz ist regelmässiger Standort eines Wochenmarkts.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Zürich Oerlikon ist der wichtigste Verkehrsknoten in Zürich-Nord und gehört zu den meistfrequentierten Bahnhöfen der Schweiz. Er wurde 1855 eröffnet und im Laufe seiner Geschichte mehrfach erweitert.

Vom Bahnhof bestehen direkte Verbindungen zum Zürcher Hauptbahnhof, zum Flughafen Zürich, nach Winterthur, Schaffhausen, Bülach, Baden, Zug und in zahlreiche weitere Regionen. Mehrere Linien der S-Bahn Zürich sowie nationale Fernverkehrszüge halten in Oerlikon.

Die Verbindung zum Hauptbahnhof erfolgt über drei unterschiedliche Bahnstrecken:

  • durch den Wipkingertunnel,
  • durch den Käferbergtunnel,
  • durch den Weinbergtunnel.

Der Weinbergtunnel wurde 2014 als Teil der Zürcher Durchmesserlinie eröffnet. Für den zusätzlichen Bahnverkehr wurde der Bahnhof Oerlikon auf acht Gleise erweitert. Der vollständig erneuerte Bahnhof und die neuen Quartierverbindungen wurden Ende 2016 eingeweiht.[10]

Beim Bahnhofausbau stand das ehemalige Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon einem neuen Gleis im Weg. Statt es abzubrechen, wurde das rund 6'200 Tonnen schwere Gebäude im Mai 2012 um etwa 60 Meter verschoben. Die Verschiebung gehörte zu den grössten Gebäudeverschiebungen Europas und fand international Beachtung.

Tram und Bus

Oerlikon ist durch mehrere Tram- und Buslinien der Verkehrsbetriebe Zürich erschlossen. Die wichtigsten Haltestellen befinden sich am Bahnhof, am Sternen Oerlikon, bei der Messe und entlang der Schaffhauserstrasse.

Die Tramlinien verbinden das Quartier unter anderem mit dem Zürcher Hauptbahnhof, der Innenstadt, Seebach, Schwamendingen, dem Glatttal und dem Flughafen Zürich. Zahlreiche Buslinien führen nach Affoltern, Schwamendingen, Altstetten, zum Hönggerberg und in weitere Stadtteile.

Die Glattalbahn verbesserte die Verbindungen zwischen Oerlikon, dem Flughafen und den stark gewachsenen Gemeinden des Glatttals.

Strassenverkehr

Die Schaffhauserstrasse bildet die wichtigste Nord-Süd-Verbindung. Über die Thurgauerstrasse bestehen Verbindungen zum Flughafen und ins Glatttal. Die Wallisellenstrasse führt in Richtung Schwamendingen und Wallisellen.

Aufgrund der hohen Bevölkerungs- und Arbeitsplatzdichte ist das Verkehrsaufkommen beträchtlich. Die Stadt fördert deshalb den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr. Neue Unterführungen und Passagen am Bahnhof verbesserten die Verbindung zwischen den Quartierteilen nördlich und südlich der Gleise.

Kultur und Veranstaltungen

Hallenstadion

Das Hallenstadion wurde 1939 eröffnet und gehört zu den grössten Mehrzweckhallen der Schweiz. Es ist Heimstadion der ZSC Lions und Veranstaltungsort für Konzerte, Sportveranstaltungen, Shows und Kongresse.

Zwischen 2004 und 2005 wurde das Hallenstadion umfassend erneuert. Es bildet gemeinsam mit der Messe Zürich und dem Theater 11 eines der wichtigsten Veranstaltungszentren der Schweiz.

Messe Zürich

Die Messe Zürich liegt an der Wallisellenstrasse neben dem Hallenstadion. In ihren Hallen finden Fach- und Publikumsmessen, Ausstellungen, Kongresse und Firmenveranstaltungen statt.

Das Messeareal zieht jährlich zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus der Schweiz und dem Ausland an. Die Nähe zum Bahnhof, zum Flughafen und zum Autobahnnetz erleichtert die Erreichbarkeit.

Theater 11

Das Theater 11 befindet sich gegenüber dem Hallenstadion. Es wird vor allem für Musicals, Tanzproduktionen, Shows und Gastspiele genutzt. Der Name bezieht sich auf den Stadtkreis 11.

Halle 550

Die Halle 550 ist eine ehemalige Industriehalle der Maschinenfabrik Oerlikon. Sie wurde für Veranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und Filmproduktionen umgenutzt. Das Gebäude erinnert an die industrielle Vergangenheit des Quartiers und soll langfristig erhalten bleiben.

Grün- und Freiräume

Trotz der hohen baulichen Dichte besitzt Oerlikon mehrere bedeutende Grün- und Freiräume. Neben den Parks in Neu-Oerlikon gehören der Friedhof Oerlikon, kleinere Quartierplätze und begrünte Wohnanlagen dazu.

Der Oerliker Park besitzt eine grosse, offene Rasenfläche und einen Aussichtsturm. Der Louis-Häfliger-Park wurde auf einem ehemaligen Industrieareal angelegt und ist nach dem Schweizer Bankangestellten Louis Häfliger benannt, der 1945 an der Rettung von Häftlingen des Konzentrationslagers Mauthausen beteiligt war.

Der Gustav-Ammann-Park entstand ursprünglich als privater Wohlfahrtsgarten für Beschäftigte der Maschinenfabrik Oerlikon. Die Anlage wurde vom Landschaftsarchitekten Gustav Ammann gestaltet und später für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Kirchen und Friedhof

Die reformierte Kirche Oerlikon wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet und steht an erhöhter Lage südwestlich des Ortszentrums. Sie gehört zu den markanten Bauwerken des Quartiers.

Die katholische Kirche Herz Jesu entstand infolge des starken Zuzugs katholischer Arbeiterfamilien während der Industrialisierung. Neben den beiden grossen Landeskirchen bestehen in Oerlikon zahlreiche freikirchliche und religiöse Gemeinschaften.

Der 1876 eröffnete Friedhof Oerlikon liegt an der Schwamendingerstrasse. Seine historische Anlage dokumentiert die Entwicklung Oerlikons von der selbstständigen Landgemeinde zum städtischen Industrieort.

Bildung

Oerlikon verfügt über mehrere Primar- und Sekundarschulen, Kindergärten, Berufsbildungsangebote und private Bildungseinrichtungen. Die Kantonsschule Zürich Nord gehört zu den grössten Mittelschulen des Kantons Zürich und bietet gymnasiale Bildungsgänge an.

Die Bevölkerungszunahme führte wiederholt zum Ausbau der Schulinfrastruktur. Besonders in Neu-Oerlikon entstanden neue Schul- und Betreuungseinrichtungen.

Sport

Neben dem Hallenstadion besitzt Oerlikon ein Hallenbad, eine Kunsteisbahn und mehrere Rasensportanlagen. Die bestehenden Anlagen aus den 1970er-Jahren erreichen aufgrund des Bevölkerungswachstums und der intensiven Nutzung ihre Kapazitätsgrenzen.

Die Stadt Zürich plant deshalb ein neues Sportzentrum, das Schwimm-, Eis- und Rasensport an einem Standort vereint. Die Stimmberechtigten genehmigten am 28. September 2025 einen Ausführungskredit von 373 Millionen Franken. Das Hauptgebäude soll von 2027 bis 2031 entstehen; die weiteren Sportfelder und Grünräume sollen etappenweise bis 2036 fertiggestellt werden.[11]

Das Projekt umfasst ein Hallenbad mit einem wettkampftauglichen 50-Meter-Becken, Lern- und Freizeitbecken, ein Sommerbad, zwei ganzjährig nutzbare Eissporthallen sowie mehrere Rasensportfelder.

Ortsbild und Architektur

Das Ortsbild Oerlikons ist durch das Nebeneinander verschiedener Entwicklungsphasen geprägt. Im älteren Quartierteil stehen Wohn- und Geschäftshäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ehemalige Fabrikbauten, Arbeiterhäuser und öffentliche Gebäude erinnern an die Industrialisierung.

Neu-Oerlikon wird dagegen von modernen Wohnblöcken, Bürogebäuden, Hochhäusern und grosszügigen Freiräumen bestimmt. Einzelne Industriegebäude wurden erhalten und umgenutzt.

Zu den auffälligen neueren Bauten gehören mehrere Hochhäuser im Umfeld des Bahnhofs. Die dichte Bebauung unterstreicht die Funktion Oerlikons als zweites grosses Stadtteilzentrum neben der Zürcher Innenstadt.

Bedeutung des Namens Oerlikon

Die wirtschaftliche Bedeutung des Industrieorts führte dazu, dass zahlreiche Unternehmen den Namen Oerlikon übernahmen. Dazu zählen oder zählten:

  • Maschinenfabrik Oerlikon,
  • Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon,
  • Oerlikon-Bührle,
  • Oerlikon Contraves,
  • OC Oerlikon,
  • Accumulatoren-Fabrik Oerlikon.

Einige dieser Unternehmen haben heute keinen Hauptsitz mehr im Quartier. Der Name Oerlikon ist dennoch weltweit mit Maschinenbau, Elektrotechnik, Beschichtungstechnologie und Rüstungsindustrie verbunden.

Persönlichkeiten

Mit Oerlikon verbunden sind zahlreiche Unternehmer, Ingenieure, Politiker, Kunstschaffende und Sportler. Besonders bedeutend für die industrielle Entwicklung waren Peter Emil Huber-Werdmüller, Emil Huber-Stockar, Hans Behn-Eschenburg und Emil Georg Bührle.

Der Ingenieur Charles Eugene Lancelot Brown arbeitete bei der Maschinenfabrik Oerlikon, bevor er 1891 gemeinsam mit Walter Boveri das Unternehmen Brown, Boveri & Cie. in Baden gründete.

Literatur

  • Martin Illi: Oerlikon. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Hochbaudepartement der Stadt Zürich: Baukultur in Zürich. Affoltern, Oerlikon, Schwamendingen, Seebach. Zürich 2004.
  • Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Oerlikon. Zürich, jährlich erscheinende Ausgabe.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur in Oerlikon. Zürich.
  • Ortsgeschichtlicher Verein Oerlikon: Beiträge zur Geschichte Oerlikons. Zürich.

Einzelnachweise

  1. Stadt Zürich, Statistik Stadt Zürich: Quartierspiegel Oerlikon, Ausgabe 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Martin Illi: Oerlikon. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  3. Stadtarchiv Zürich: Maschinenfabrik Oerlikon, Firmenarchiv, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Stadt Zürich: Geschichte der Stadt Zürich, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Stadt Zürich: Neu-Oerlikon, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Stadt Zürich: Entwicklungskonzept Neu-Oerlikon, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Bund Schweizer Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten: MFO-Park, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Stadt Zürich: Arealentwicklung MFO-West, abgerufen am 3. August 2026.
  9. Statistik Stadt Zürich: Aktuelle Bevölkerung und Bevölkerungsentwicklung, Datenstand 31. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  10. Stadt Zürich: Bahnhof Oerlikon – Entwicklungskonzept, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Stadt Zürich: Neubau Sportzentrum Oerlikon, abgerufen am 3. August 2026.

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