Wildnispark Zürich Sihlwald

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Wildnispark Zürich Sihlwald
Offizielle Bezeichnung Naturerlebnispark Wildnispark Zürich Sihlwald
Parkkategorie Naturerlebnispark von nationaler Bedeutung
Lage Unteres Sihltal und Albis, Kanton Zürich
Parkgemeinden Horgen, Langnau am Albis, Oberrieden, Thalwil und Hausen am Albis
Fläche rund 1'098 ha
Kernzone rund 442 ha
Naturerlebniszone rund 654 ha
Naturwaldreservat rund 846 ha
Anerkennung 2010
Trägerschaft Stiftung Wildnispark Zürich
Besucherzentrum Sihlwald, Gemeinde Horgen
Website wildnispark.ch

Der Wildnispark Zürich Sihlwald ist ein Naturerlebnispark von nationaler Bedeutung im Kanton Zürich. Er liegt im unteren Sihltal an den bewaldeten Hängen des Albis und umfasst rund 1'098 Hektaren. Das Schutzgebiet befindet sich grösstenteils auf dem Gemeindegebiet von Horgen; kleinere Teile liegen in Langnau am Albis, Oberrieden, Thalwil und Hausen am Albis.[1][2]

Der Park schützt einen grossflächigen Buchenmischwald, der seit dem Jahr 2000 nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt wird. Umgestürzte Bäume, abgestorbene Äste und andere Formen von Totholz bleiben grundsätzlich im Wald. Dadurch kann sich das Gebiet nach natürlichen Prozessen weiterentwickeln. Der Sihlwald gilt als einer der grössten sich selbst überlassenen Laubmischwälder des schweizerischen Mittellandes.[3]

Der Naturerlebnispark bildet zusammen mit dem Tierpark Langenberg den Wildnispark Zürich. Während im Sihlwald die natürliche Entwicklung eines ehemals bewirtschafteten Waldes im Mittelpunkt steht, zeigt der Langenberg einheimische und ehemals einheimische Wildtiere in naturnah gestalteten Anlagen. Beide Einrichtungen werden von der Stiftung Wildnispark Zürich betrieben.

Lage und Ausdehnung

Der Wildnispark Zürich Sihlwald erstreckt sich zwischen dem Sihltal und dem Albisgrat. Das Gebiet liegt südwestlich der Stadt Zürich zwischen den Agglomerationen Zürich und Zug. Der grösste Teil des Parkperimeters befindet sich westlich der Sihl und zieht sich bis in die höheren Lagen des Albis hinauf.

Die Gesamtfläche beträgt rund 1'098 Hektaren. Davon entfallen ungefähr 442 Hektaren beziehungsweise 40 Prozent auf die Kernzone und etwa 654 Hektaren beziehungsweise 60 Prozent auf die Naturerlebniszone. Rund 846 Hektaren sind als Naturwaldreservat ausgewiesen.[1]

Fast der gesamte Parkperimeter gehört der Stadt Zürich, obwohl das Gebiet ausserhalb der Stadtgrenzen liegt. Weitere Grundstücke befinden sich im Eigentum der Gemeinden Horgen und Thalwil. Die Sihl, die unmittelbar an den Fluss angrenzenden Flächen und die Kantonsstrasse gehören dem Kanton Zürich. Die Bahnstrecke durch das Sihltal wird von der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn betrieben.[2]

Der Sihlwald wurde 1803 dem Gemeindegebiet von Horgen zugewiesen. Die Stadt Zürich anerkannte diese territoriale Zuordnung 1877, blieb jedoch Eigentümerin bedeutender Waldflächen.[4]

Naturerlebnispark von nationaler Bedeutung

Der Bund unterscheidet zwischen Nationalpärken, regionalen Naturpärken und Naturerlebnispärken. Ein Naturerlebnispark liegt in der Nähe eines dicht besiedelten Gebiets und verbindet den Schutz natürlicher Prozesse mit Möglichkeiten für Erholung, Umweltbildung und Naturbeobachtung.

Der Sihlwald war der erste Park der Schweiz, der das Label Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung erhielt. Die Auszeichnung gilt seit dem 1. Januar 2010. Sie beruht auf dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz und der Verordnung über die Pärke von nationaler Bedeutung.[5]

Für die Anerkennung musste das Gebiet langfristig rechtlich gesichert und in unterschiedliche Schutzzonen gegliedert werden. 2007 wurde ein Naturwaldreservatsvertrag abgeschlossen. Seit 2008 schützt eine kantonale Natur- und Landschaftsschutzverordnung das Gebiet. Die Verordnung wurde 2015 revidiert. 2020 erneuerte der Bund die Auszeichnung als Park von nationaler Bedeutung.[1][3]

Der Naturerlebnispark Sihlwald ist ganzjährig und grundsätzlich kostenlos zugänglich. Die Wege, die Zonenordnung und die geltenden Verhaltensregeln sollen sicherstellen, dass Erholung und Naturschutz miteinander vereinbar bleiben.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Teile des heutigen Sihlwalds gelangten 1309 durch eine Schenkung der Habsburger an das Fraumünster in Zürich. Nach der Aufhebung des Klosters während der Reformation gingen dessen Rechte und Besitzungen 1524 an die Stadt Zürich über.[5]

Der Wald war für die wachsende Stadt von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Über mehrere Jahrhunderte lieferte er Brennholz, Bauholz und Rohstoffe für städtische Betriebe. Holz wurde über die Sihl transportiert oder auf Waldstrassen nach Zürich gebracht.

Die intensive Nutzung machte eine planmässige Bewirtschaftung erforderlich. Bereits 1630 entstanden erste Wirtschaftspläne für den Sihlwald. Sie sollten eine dauerhafte Holzversorgung gewährleisten und verhindern, dass der Wald vollständig ausgebeutet wurde.[2]

Forstwirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert

1864 richtete die Stadt Zürich im Weiler Sihlwald einen forstwirtschaftlichen Werkplatz ein. Dort wurden Holz gelagert, verarbeitet und für den Weitertransport vorbereitet. Der Werkplatz blieb mehr als ein Jahrhundert in Betrieb und wurde erst 1991 endgültig geschlossen.[2]

Ab 1876 erleichterte eine Waldeisenbahn den Transport gefällter Baumstämme aus den höher gelegenen Waldgebieten zum Werkplatz im Sihltal. Die Bahn war ein Ausdruck der damals modernen und intensiv organisierten Forstwirtschaft.[5]

Die Waldbestände wurden gezielt gepflegt und auf die Gewinnung von Nutzholz ausgerichtet. Neben einheimischen Laubbäumen wurden auch Fichten und andere Nadelbäume gefördert. Dadurch entfernten sich Teile des Waldes von der natürlichen Zusammensetzung eines Buchenmischwalds.

Projekt Naturlandschaft Sihlwald

In den 1980er-Jahren setzte ein grundlegender Wandel ein. 1986 startete das Projekt Naturlandschaft Sihlwald. Ziel war es, die wirtschaftliche Nutzung schrittweise zu beenden und ein grossflächiges Gebiet zu schaffen, in dem natürliche Waldprozesse möglichst ungestört ablaufen können.[2]

In der Folge wurden forstliche Eingriffe zunehmend eingeschränkt. 1994 gründeten die Stadt Zürich, Pro Natura Zürich, die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften und die Naturforschende Gesellschaft in Zürich die Stiftung Naturlandschaft Sihlwald. Sie bereitete die langfristige Sicherung und Vermittlung des Schutzgebiets vor.

Im Jahr 2000 wurde die reguläre Holznutzung vollständig eingestellt. Seither werden im Naturwaldreservat keine Bäume mehr zur wirtschaftlichen Verwertung gefällt. Eingriffe erfolgen nur noch, wenn sie aus Sicherheitsgründen, für die Erhaltung bestimmter Infrastrukturen oder aufgrund besonderer Schutzbestimmungen notwendig sind.

2001 eröffnete im Weiler Sihlwald ein Besucherzentrum mit Naturmuseum. Es entwickelte sich zum Ausgangspunkt für Exkursionen, Bildungsangebote und die Vermittlung der Waldgeschichte.

Entstehung des Wildnisparks Zürich

2007 wurde der Naturwaldreservatsvertrag abgeschlossen. Im folgenden Jahr erliess der Kanton Zürich die Schutzverordnung für den Sihlwald. Ebenfalls 2008 stimmte die Bevölkerung der Stadt Zürich mit einer Mehrheit von mehr als 80 Prozent der Errichtung einer neuen Stiftung Wildnispark Zürich zu.[2]

Die Stiftung Naturlandschaft Sihlwald wurde in die Stiftung Wildnispark Zürich überführt. An der neuen Trägerschaft beteiligten sich die Stadt Zürich, der Bezirk Horgen, der Kanton Zürich und Pro Natura Zürich. Die Stiftung übernahm den Betrieb des Sihlwalds und des Tierparks Langenberg.

2010 verlieh der Bund dem Sihlwald das Label als Naturerlebnispark von nationaler Bedeutung. Zugleich wurden Ranger eingesetzt, eine neue Signalisation eingerichtet und Programme für Umweltbildung, Forschung und Besucherlenkung aufgebaut.

Vom Nutzwald zum Naturwald

Der Sihlwald ist kein unberührter Urwald. Sein heutiges Erscheinungsbild wurde über Jahrhunderte durch die Nutzung des Menschen geprägt. Die Bezeichnung Wildnis beschreibt deshalb vor allem einen laufenden Prozess: Der früher bewirtschaftete Wald darf sich wieder nach seinen eigenen Gesetzmässigkeiten entwickeln.

Bäume können altern, absterben und umstürzen, ohne entfernt zu werden. Windwurf, Trockenheit, Schnee, Pilzbefall und Insekten verändern die Waldstruktur. In entstehenden Lücken wachsen junge Bäume, Sträucher und Kräuter. Über mehrere Baumgenerationen soll sich so ein vielfältiger, ungleichaltriger Naturwald entwickeln.

Die natürliche Entwicklung benötigt viel Zeit. Einzelne Bäume können mehrere Jahrhunderte alt werden. Nach der früheren forstwirtschaftlichen Nutzung sind viele Bestände noch vergleichsweise gleichförmig. Strukturen, wie sie in alten Buchenurwäldern vorkommen, entstehen erst allmählich.

Der Prozessschutz bedeutet nicht, dass ein bestimmtes Waldbild dauerhaft erhalten werden soll. Veränderungen, das zeitweilige Verschwinden einzelner Lebensräume und die natürliche Verdrängung bestimmter Arten gehören ausdrücklich zur Entwicklung des Gebiets.

Waldgesellschaften und Baumarten

Der Sihlwald gehört zu den grossen zusammenhängenden Buchenmischwäldern des Schweizer Mittellandes. Die Rotbuche ist die prägende Baumart. Daneben kommen unter anderem Eschen, Bergahorne, Weisstannen, Fichten, Eichen, Eiben, Föhren und Lärchen vor.

Eine Waldinventur aus dem Jahr 2003 wies einen Anteil von rund 62,5 Prozent Laubholz und 37,5 Prozent Nadelholz aus. Die Buche bildete mit etwa 40 Prozent den grössten Anteil. Fichten waren vor allem in Randgebieten und auf früher intensiv bewirtschafteten Flächen stärker vertreten.[2]

Langfristig wird erwartet, dass der Anteil der Buche auf geeigneten Standorten zunimmt. Je nach Boden, Hanglage, Feuchtigkeit und Höhenstufe können jedoch unterschiedliche Waldgesellschaften entstehen. Auf feuchten Böden spielen Eschen und Ahorne eine grössere Rolle, während auf trockenen oder felsigen Standorten andere Baumarten konkurrenzfähig sind.

Besonders alte und dicke Bäume werden als Baumriesen bezeichnet. Im Park kommen durchschnittlich rund 4,4 solcher Bäume pro Hektare vor. Damit liegt der Wert deutlich über jenem eines durchschnittlichen Wirtschaftswalds im Mittelland, jedoch noch unter den Werten alter Urwälder.[1]

Bedeutung des Totholzes

Stehendes und liegendes Totholz ist ein zentrales Merkmal eines Naturwalds. Es dient Pilzen, Flechten, Moosen, Käfern und zahlreichen anderen Organismen als Lebensraum und Nahrungsquelle. Spechte bauen Höhlen in geschädigte oder abgestorbene Stämme. Später werden diese Höhlen unter anderem von anderen Vögeln, Fledermäusen und Kleinsäugern genutzt.

Das Totholzvolumen im Sihlwald beträgt nach Angaben des Wildnisparks ungefähr 50 Kubikmeter pro Hektare. In einem durchschnittlichen Wirtschaftswald des Mittellandes sind es rund 15 Kubikmeter. In alten europäischen Urwäldern können deutlich höhere Werte erreicht werden.[1]

Mit dem Verzicht auf Holznutzung nimmt die Menge an Totholz langfristig zu. Davon profitieren insbesondere holzbewohnende Käfer und Pilze. Im Sihlwald wurden bereits Arten nachgewiesen, die als Indikatoren naturnaher Buchenwälder gelten, darunter der Laubholz-Harzporling und der Fleckende Harzporling.[2]

Totholz macht den Aufenthalt im Wald zugleich weniger vorhersehbar. Äste und ganze Bäume können ohne Vorwarnung umstürzen. Besucherinnen und Besucher müssen deshalb besonders bei starkem Wind, Schneelast und nach Unwettern mit natürlichen Gefahren rechnen.

Tierwelt

Die zunehmende Vielfalt an Baumaltern, Lichtungen, Totholzstrukturen und Gewässerlebensräumen bietet zahlreichen Tierarten geeignete Lebensräume.

Zu den nachgewiesenen Säugetieren gehören Rehe, Füchse, Dachse, Baummarder, Steinmarder, Hermeline, Iltisse und Mauswiesel. Alte Bäume, Höhlen und Waldränder bieten zudem mögliche Quartiere und Jagdräume für Fledermäuse.[2]

Im Sihlwald wurden zahlreiche Waldvögel beobachtet. Dazu zählen Schwarzspecht, Waldkauz, Hohltaube, Waldlaubsänger, Wespenbussard, Rotmilan, Kolkrabe und Trauerschnäpper. Entlang der Sihl kommen unter anderem Wasseramseln und Gebirgsstelzen vor.

Bäche, Feuchtstellen, Tümpel und Quellgebiete sind Lebensräume für Amphibien. Nachgewiesen wurden unter anderem Feuersalamander, Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch, Fadenmolch, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte.[2]

In der Sihl leben verschiedene Fischarten, darunter Bachforelle, Groppe, Barbe, Schneider und Bartgrundel. Auch Stein- und Edelkrebse wurden im Gebiet festgestellt.

Die Tiere des frei zugänglichen Waldgebiets sind nicht mit den Tieren des Tierparks Langenberg zu verwechseln. Im Sihlwald werden wild lebende Arten grundsätzlich weder gefüttert noch in Gehegen gehalten. Eine Ausnahme bildet das Fischottergehege beim Besucherzentrum, das der Naturvermittlung dient.

Schutzzonen

Der Naturerlebnispark ist in eine Kernzone und eine Naturerlebniszone gegliedert. Ergänzend legt die kantonale Schutzverordnung weitere Natur-, Landschafts-, Erholungs- und Sicherheitszonen fest.

Kernzone

In der Kernzone besitzt der Schutz natürlicher Prozesse höchste Priorität. Der Wald wird weitgehend sich selbst überlassen. Die wichtigsten Regeln sind:

  • Besucherinnen und Besucher müssen auf den markierten Wegen bleiben;
  • Pflanzen, Pilze, Beeren, Tiere und andere Naturgegenstände dürfen nicht gesammelt oder mitgenommen werden;
  • Feuer sind nicht erlaubt;
  • Störungen von Tieren und natürlichen Abläufen sind zu vermeiden.

Eine gewöhnliche forstwirtschaftliche Nutzung findet nicht statt. Auch die Jagd wurde durch ein Wildtiermanagement ersetzt, das sich im Wesentlichen auf die Aufsicht sowie notwendige Eingriffe bei kranken oder verletzten Tieren beschränkt.[6]

Naturerlebniszone

Die Naturerlebniszone umgibt beziehungsweise ergänzt die Kernzone. Sie dient als Übergang zum Kulturland und ermöglicht eine weniger eingeschränkte Erholungsnutzung. Der Wald kann dort grundsätzlich auch abseits der Wege betreten werden. Das Sammeln kleiner Mengen von Pilzen, Kräutern und Beeren ist im Rahmen der allgemeinen gesetzlichen Vorschriften erlaubt.

Feuer dürfen nur an entsprechend gekennzeichneten Feuerstellen entzündet werden. Die genauen Regeln können aufgrund von Waldbrandgefahr, Naturereignissen oder Unterhaltsarbeiten vorübergehend verschärft werden.[1]

Besucherlenkung

Ein Netz markierter Wander-, Velo- und Reitwege lenkt die verschiedenen Freizeitaktivitäten. Der Park verfügt über rund 73 Kilometer Wanderwege, 56 Kilometer Velowege und 52 Kilometer Reitwege. Zusätzlich bestehen 19 offizielle Feuerstellen.[1]

Die getrennte Führung der Wege soll Konflikte zwischen Wandernden, Velofahrenden und Reitenden verringern. Ranger informieren über die Regeln, beobachten die Entwicklung des Gebiets und stehen Besucherinnen und Besuchern als Ansprechpersonen zur Verfügung.

Besucherzentrum Sihlwald

Das Besucherzentrum Sihlwald liegt im Weiler Sihlwald unmittelbar an der Sihl und wenige Gehminuten vom Bahnhof Sihlwald entfernt. Es dient als Informations-, Bildungs- und Ausgangspunkt für Besuche im Naturerlebnispark.

Im Gebäude befinden sich eine Ausstellung und ein Shop mit Büchern, Forschungsmaterialien und Andenken. Die Ausstellung zeigt auf zwei Etagen die Entwicklung des Sihlwalds vom intensiv genutzten Wirtschaftswald zum Naturwald. Filme, Modelle, Forschungsstationen, Tierpräparate, Gerüche und Spielangebote vermitteln die Geschichte und Ökologie des Gebiets.[7][8]

Zum Aussengelände gehören:

  • ein Wildnis-Spielplatz;
  • ein Fischottergehege;
  • mehrere Feuerstellen mit Sitzgelegenheiten;
  • gedeckte Aufenthaltsbereiche;
  • Kleinstrukturen für Wildbienen, Eidechsen und andere Kleintiere;
  • der Zugang zum Walderlebnispfad.

Das Waldgebiet und die Aussenanlagen sind grundsätzlich ganzjährig zugänglich. Das Besucherzentrum und die Ausstellung besitzen saisonale Öffnungszeiten.

Erholung und Tourismus

Der Sihlwald ist ein bedeutendes Naherholungsgebiet für die Region Zürich. Er kann zu Fuss, mit dem Velo oder auf dafür vorgesehenen Wegen zu Pferd erkundet werden. Der Schwerpunkt liegt auf ruhigen Formen der Erholung und dem unmittelbaren Erleben natürlicher Waldprozesse.

Zu den bekannten Angeboten und Zielen gehören:

  • der Walderlebnispfad;
  • thematische Familienrundgänge;
  • geführte Exkursionen mit Rangern und Fachpersonen;
  • Feuerstellen und Picknickplätze;
  • Wanderungen auf den Albisgrat;
  • der Aussichtspunkt Albis-Hochwacht;
  • der Weiler und Bahnhof Sihlwald;
  • das Besucherzentrum mit Ausstellung.

Wanderwege verbinden den Sihlwald unter anderem mit Horgen, Hausen am Albis, Langnau am Albis, Sihlbrugg und dem Albisgrat. Von höheren Lagen bieten sich Ausblicke auf den Zürichsee, die Zentralschweizer Alpen und das Sihltal.

Der Naturerlebnispark ist kein Freizeitpark im herkömmlichen Sinn. Die Natur soll nicht vollständig kontrolliert oder von allen Gefahren befreit werden. Umgestürzte Bäume, aufgeweichte Wege, Steinschlag, Hochwasser und abbrechende Äste gehören zu den natürlichen Bedingungen des Gebiets.

Umweltbildung

Umweltbildung gehört neben Naturschutz, Erholung und Forschung zu den zentralen Aufgaben der Stiftung Wildnispark Zürich. Die Angebote richten sich an Schulklassen, Familien, Erwachsene, Fachpersonen und Unternehmen.

Inhaltliche Schwerpunkte sind:

  • natürliche Waldentwicklung;
  • Lebensräume und Artenvielfalt;
  • Totholz und Stoffkreisläufe;
  • Geschichte der Waldnutzung;
  • menschliche Wahrnehmung von Wildnis;
  • nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen;
  • Zusammenleben von Mensch und Wildtier.

Führungen und Veranstaltungen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern unmittelbare Naturerfahrungen ermöglichen. Die Teilnehmenden beobachten Spuren, Tiere, Pflanzen und Veränderungen des Waldes. Kinder können den Park über Spielangebote, Forschungsaufgaben und thematische Rundgänge entdecken.

Das Besucherzentrum ist der wichtigste Ausgangspunkt für organisierte Bildungsangebote. Die Bildungsarbeit orientiert sich am Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung.[9]

Forschung und Monitoring

Der Sihlwald dient als Referenzgebiet für die Erforschung natürlicher Waldentwicklung im Schweizer Mittelland. Da die forstliche Nutzung eingestellt wurde, können Wissenschaftler langfristig untersuchen, wie sich Baumarten, Altersstrukturen, Totholzmenge und Artenvielfalt ohne reguläre Bewirtschaftung verändern.

Forschungs- und Monitoringprojekte befassen sich unter anderem mit:

  • Waldstruktur und Baumartenentwicklung;
  • Totholz bewohnenden Käfern und Pilzen;
  • Vögeln, Amphibien und Kleinsäugern;
  • natürlichen Störungen und Waldereignissen;
  • Auswirkungen von Freizeitaktivitäten;
  • Entwicklung kleiner Waldlichtungen;
  • Besucherzahlen und Besucherlenkung;
  • Gewässern und Grundwasser;
  • Umweltbildung und Naturwahrnehmung.

Die Stiftung arbeitet dabei mit Hochschulen, Universitäten, Forschungsanstalten und Fachorganisationen zusammen. Zu den Partnern gehörten unter anderem die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, die ETH Zürich, die Universität Zürich, die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften.[2]

Dauerbeobachtungsflächen und wiederholte Inventuren ermöglichen es, Veränderungen über Jahrzehnte zu dokumentieren. Für die Forschung ist besonders interessant, wie schnell sich ein ehemals intensiv genutzter Wald natürlichen Strukturen annähert.

Stiftung Wildnispark Zürich

Die Stiftung Wildnispark Zürich betreibt den Naturerlebnispark Sihlwald und den Tierpark Langenberg. Ihre zentralen Aufgaben sind Naturschutz, Umweltbildung, Forschung, Erholung, Besucherinformation und die langfristige Sicherung der Parkgebiete.

Die Trägerschaft wurde bei der Gründung der Stiftung auf folgende Partner verteilt:

Träger Anteil bei der Gründung
Stadt Zürich 55 Prozent
Bezirk Horgen 25 Prozent
Kanton Zürich 10 Prozent
Pro Natura Zürich 10 Prozent

Die Stadt Zürich stellte der Stiftung einen grossen Teil der Flächen, Gebäude und Anlagen über Dienstbarkeiten, Nutzniessungsrechte und Baurechte zur Verfügung. Der Bund und der Kanton unterstützen den Betrieb des Naturerlebnisparks im Rahmen der Vorschriften für Pärke von nationaler Bedeutung.[2]

Die strategischen Tätigkeitsfelder der Stiftung umfassen Biodiversität und Landschaft, Sensibilisierung und Umweltbildung, Forschung sowie Management und Kommunikation.

Bedeutung

Der Wildnispark Zürich Sihlwald zeigt, wie sich ein jahrhundertelang wirtschaftlich genutzter Wald schrittweise zu einem Naturwald entwickeln kann. Anders als abgelegene Schutzgebiete liegt er unmittelbar neben einem dicht besiedelten Ballungsraum. Dadurch können viele Menschen natürliche Waldprozesse erleben, ohne weit reisen zu müssen.

Für den Naturschutz ist das Gebiet aufgrund seiner Grösse und der langfristigen Sicherung besonders wertvoll. Zahlreiche auf alte Bäume und Totholz angewiesene Arten benötigen zusammenhängende Lebensräume, die in gewöhnlichen Wirtschaftswäldern nur begrenzt vorhanden sind.

Zugleich besitzt der Sihlwald eine hohe wissenschaftliche Bedeutung. Seine Entwicklung liefert Erkenntnisse darüber, wie Wälder auf den Verzicht menschlicher Nutzung, den Klimawandel, Stürme, Trockenperioden und andere natürliche Einflüsse reagieren.

Das Gebiet erinnert ausserdem an die enge historische Beziehung zwischen der Stadt Zürich und ihren Wäldern. Der frühere Holzlieferant der Stadt wurde zu einem Schutz-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsraum von nationaler Bedeutung.

Abgrenzung zum Tierpark Langenberg

Der Begriff Wildnispark Zürich bezeichnet die gemeinsame Organisation aus dem Naturerlebnispark Sihlwald und dem Tierpark Langenberg. Die beiden Gebiete verfolgen verwandte, aber unterschiedliche Konzepte.

Im Sihlwald stehen die freie Entwicklung des Waldes, die wild lebenden Organismen und der Prozessschutz im Vordergrund. Tiere werden dort grundsätzlich in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet.

Der Tierpark Langenberg hält dagegen einheimische und ehemals einheimische Wildtierarten in grossen, naturnahen Anlagen. Zu den dort gezeigten Arten gehören unter anderem Braunbären, Wölfe, Luchse, Wildkatzen, Elche, Wisente und Rothirsche.

Das beim Besucherzentrum Sihlwald gelegene Fischottergehege gehört räumlich zum Standort Sihlwald. Der übrige Tierpark befindet sich in Langnau am Albis.

Siehe auch

Literatur

  • Stiftung Wildnispark Zürich: Managementplan für den Betrieb. Naturerlebnispark Wildnispark Zürich Sihlwald 2020–2029. Sihlwald 2018.
  • Stiftung Wildnispark Zürich: Bildungskonzept Wildnispark Zürich. Sihlwald 2020.
  • Margrit Irniger: Der Sihlwald und sein Umland. Waldnutzung, Viehzucht und Ackerbau im Albisgebiet von 1400–1600. Chronos, Zürich 1991.
  • Elias Landolt: Die Flora des Sihlwaldes und seiner Umgebung. Vereinigung Pro Sihltal, Zürich 2006.
  • Brigitte Commarmot, Frank Kienast und Andreas Bürgi: Sihlwald und Buchenurwald Uholka – zwei Wälder im Vergleich. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf.
  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Stiftung Wildnispark Zürich: Park von nationaler Bedeutung, abgerufen am 2. August 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Stiftung Wildnispark Zürich: Managementplan für den Betrieb des Naturerlebnisparks Wildnispark Zürich Sihlwald 2020–2029, Sihlwald 2018, abgerufen am 2. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Kanton Zürich: Revidierte Schutzverordnung Sihlwald erlassen, 23. Oktober 2015, abgerufen am 2. August 2026.
  4. Thomas Weibel: Horgen. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 12. Januar 2021, abgerufen am 2. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Netzwerk Schweizer Pärke: Wildnispark Zürich Sihlwald, abgerufen am 2. August 2026.
  6. Kanton Zürich: Baudirektion erlässt Schutzverordnung für den Sihlwald, 21. November 2008, abgerufen am 2. August 2026.
  7. Stiftung Wildnispark Zürich: Besucherzentrum Sihlwald, abgerufen am 2. August 2026.
  8. Stiftung Wildnispark Zürich: Sihlwald-Ausstellung, abgerufen am 2. August 2026.
  9. Stiftung Wildnispark Zürich: Bildungskonzept Wildnispark Zürich, Sihlwald 2020, abgerufen am 2. August 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Sihlwald