Irchel

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Irchel
Höchster Punkt Buechemer Irchel
Höhe 694 m ü. M.
Lage Norden des Kantons Zürich
Landschaftsraum Schweizer Mittelland
Region Zürcher Weinland und Zürcher Unterland
Gesteine Molasse und Deckenschotter
Gewässer Rhein, Töss und Thur
Gemeinden Berg am Irchel, Buch am Irchel, Dättlikon, Embrach, Freienstein-Teufen und Neftenbach
Schutzstatus Landschaft von nationaler Bedeutung
BLN-Objekt Nr. 1410

Der Irchel ist ein bis 694 m ü. M. hoher, überwiegend bewaldeter Höhenzug im Norden des Kantons Zürich. Er liegt südlich des Rheins zwischen den Unterläufen von Töss und Thur und bildet einen markanten Übergang zwischen dem Zürcher Unterland und dem Zürcher Weinland. Der höchste Punkt befindet sich auf dem Buechemer Irchel im Gemeindegebiet von Buch am Irchel.[1]

Mit seinem langgestreckten, nahezu ebenen Hochplateau und den teilweise schroff abfallenden Flanken ähnelt der Irchel einem Tafelberg. Geologisch gehört er jedoch nicht zum Juragebirge, sondern zur Molassezone des Schweizer Mittellandes. Sein auffälliger Tafelcharakter geht auf mächtige, teilweise zu Nagelfluh verfestigte Deckenschotter aus dem frühen Pleistozän zurück.[2]

Der Irchel ist nicht nur ein wichtiges Naherholungsgebiet, sondern auch ein geologisch, biologisch und kulturhistorisch bedeutender Landschaftsraum. Seine Deckenschotter gehören zu den mächtigsten Ablagerungen dieser Art in der Schweiz. Fossilienfunde, bronzezeitliche Siedlungsspuren, römische Befestigungen, mittelalterliche Burgen und die frühneuzeitliche Hochwacht belegen die lange Geschichte des Höhenzuges.

Lage und Landschaft

Der Irchel erstreckt sich in nordwestlich-südöstlicher Richtung. Im Westen und Südwesten wird der Höhenzug durch das tief eingeschnittene Tal der Töss begrenzt. Im Norden fällt er in Richtung Rhein und Zürcher Weinland ab, während sich östlich des eigentlichen Tafelberges eine stärker gewellte, teilweise landwirtschaftlich genutzte Höhenlandschaft anschliesst.

Besonders markant sind die steilen Süd- und Westhänge über Freienstein, Teufen und Dättlikon. Die Töss hat sich dort tief in die Molasseschichten eingeschnitten und bildet zwischen Dättlikon und Freienstein mehrere ausgeprägte Talmäander. An den Prallhängen legt die Erosion Sandstein frei, während auf den flacheren Gleithängen kleine Terrassen entstanden sind.[2]

Auf der Nordseite geht der geschlossene Wald allmählich in die offene Kulturlandschaft des Zürcher Weinlands über. Äcker, Wiesen, Weiden, Obstgärten und einzelne Rebberge prägen die tiefer gelegenen Gebiete. Die Südhänge sind wärmer und trockener. Dort wechseln sich Wald, Trockenwiesen, lichte Föhrenbestände, Rebhänge und landwirtschaftlich genutzte Terrassen ab.

Zum Irchel beziehungsweise zum geschützten Landschaftsraum gehören Gebiete der Gemeinden:

Der höchste Punkt ist der 694 m ü. M. gelegene Buechemer Irchel. Er befindet sich im Wald und besitzt wegen der dichten Bestockung keine umfassende Aussicht. Bekanntere Aussichtspunkte sind die Hochwacht, der Irchelturm, der Rütelbuck und verschiedene Stellen an den steilen Abbruchkanten.

Erhebung oder Landschaftspunkt Höhe Besonderheit
Buechemer Irchel 694 m ü. M. Höchster Punkt des Irchels
Hochwacht 668,4 m ü. M. Historischer Signal- und Vermessungspunkt
Forenirchel rund 656 m ü. M. Markante Nagelfluhfluh am westlichen Irchel
Irchelebni rund 620–690 m ü. M. Weitgehend bewaldetes Hochplateau

Geologie

Molassesockel und Deckenschotter

Der geologische Sockel des Irchels besteht aus Sedimenten der oberen Meeresmolasse und der oberen Süsswassermolasse. Zu den älteren Schichten gehören verwitterungsanfällige Sandsteine der oberen Meeresmolasse. Darüber folgen unter anderem Mergel, Sandsteine und Glimmersande der oberen Süsswassermolasse.[2]

Auf diesem Molassesockel liegen die für den Irchel charakteristischen Deckenschotter. Sie bestehen aus Kies, Geröll, Sand und feinerem Material, das durch frühe eiszeitliche Flüsse abgelagert wurde. Teile der Schotter wurden später durch kalkhaltige Bindemittel zu einem festen, nagelfluhartigen Gestein verkittet.

Die widerstandsfähigen Deckenschotter schützten die darunterliegenden, weicheren Molasseschichten teilweise vor der Abtragung. Dadurch blieb das Hochplateau erhalten, während Rhein, Töss und ihre Zuflüsse die umgebenden Täler immer tiefer einschnitten. Diese unterschiedliche Widerstandsfähigkeit der Gesteine führte zum heutigen Schichtstufenrelief mit flacher Hochfläche und steilen Randabbrüchen.

Die Deckenschotter erreichen am Irchel eine Mächtigkeit von bis zu 50 Metern. Sie bestehen nicht aus einer einzigen Ablagerung, sondern aus mehreren Schotterkörpern. Das Bundesinventar unterscheidet vier Aufschotterungsphasen, die mehrere Kaltzeiten des frühen Pleistozäns repräsentieren.[2]

Hasli-Formation

Zwischen verschiedenen Schotterlagen befindet sich die sogenannte Hasli-Formation. Sie besteht aus zwei bis sieben Meter mächtigen, feinkörnigen Hochflutablagerungen. Diese Sedimente entstanden in Zeiten, in denen Überschwemmungswasser feinen Sand, Schluff und Ton auf älteren Schotterflächen ablagerte.

Bodenbildungen, feinkörnige Zwischenlagen und Erosionsflächen zeigen, dass die Schotter nicht ohne Unterbrechung abgelagert wurden. Zwischen den Kaltzeiten lagen längere wärmere Perioden, in denen sich Böden entwickeln und ältere Ablagerungen teilweise abgetragen werden konnten.

Das Material der Deckenschotter stammte zu einem erheblichen Teil aus den Zentralalpen. Flüsse transportierten es durch das Gebiet des heutigen Walensees und über das Zürcher Oberland bis in die Region des Irchels. Die damaligen Flussläufe befanden sich deutlich höher als die heutigen Täler.

Fossilienfunde

Im Jahr 1994 wurden in einem geologischen Aufschluss am Südrand des Irchels Fossilien kleiner Säugetiere entdeckt. Die Funde stammen aus der Hasli-Formation und ermöglichen eine zeitliche Einordnung der Ablagerungen. Sie weisen auf ein Mindestalter von rund 1,8 Millionen Jahren hin.[2]

Die ältesten Deckenschotter des Irchels dürften deutlich mehr als zwei Millionen Jahre alt sein. Damit gehören sie zu den bedeutendsten Zeugnissen der frühen Eiszeitgeschichte im Schweizer Mittelland. Die gut erkennbare Abfolge verschiedener Schotter, Bodenhorizonte und Hochflutablagerungen ist für die Rekonstruktion der frühen alpinen Vereisungen von grosser wissenschaftlicher Bedeutung.

Heute liegen die Deckenschotter stellenweise rund 300 Meter über den Talsohlen. Dieser Höhenunterschied zeigt, wie stark sich Rhein, Töss und andere Gewässer seit der Ablagerung der Schotter in die Landschaft eingeschnitten haben. Neben Flusserosion spielten dabei auch die tektonische Hebung des Alpenvorlandes und die wiederholten Vorstösse grosser Gletscher eine Rolle.

Tobel und Felsabbrüche

Mehrere Bäche haben sich tief in die Hänge des Irchels eingegraben. Zu den auffälligsten Erosionsformen gehören das Junkerental und das Tobel des Tobelbachs. Diese Täler entstanden vor allem während der späten Eiszeit und nach dem Rückzug der Gletscher.

An den Rändern des Plateaus treten Deckenschotter und Nagelfluh in Felswänden zutage. Besonders bekannt sind die Schartenflue und die Felsbildungen am Forenirchel. An der Südseite sind zudem Reste früherer Schmelzwasserrinnen und eiszeitlicher Schotterterrassen erhalten.

Gewässer

Der Irchel liegt im Einzugsgebiet des Rheins. Die Nord- und Westseite entwässern direkt oder über kurze Bäche zum Rhein beziehungsweise zur Töss. Die südlichen und östlichen Hänge werden durch zahlreiche kleinere Bäche gegliedert.

Die Töss bildet am Fuss des Irchels eine besonders naturnahe Flusslandschaft. Zwischen Dättlikon und Freienstein fliesst sie in ausgeprägten Mäandern. An den Aussenseiten der Flussschlingen entstehen steile Prallhänge, an denen die Strömung Sandstein und Lockermaterial abträgt. An den Innenseiten lagert der Fluss Kies und Sand ab.

Die Flussdynamik ist in diesem Abschnitt teilweise noch weitgehend natürlich. Kiesbänke, Auenwald, offene Sandsteinwände und wechselnde Uferbereiche bieten Lebensraum für spezialisierte Pflanzen und Tiere. Das Auengebiet Dättlikon–Freienstein ist von nationaler Bedeutung.[2]

Westlich des Irchels liegt die Tössegg, wo die Töss in den Rhein mündet. Der Zusammenfluss und das enge Durchbruchstal des Rheins gehören zu den landschaftlich auffälligsten Bereichen der Region.

Wald und Pflanzenwelt

Der Irchel trägt eines der grösseren zusammenhängenden Waldgebiete des Schweizer Mittellandes. Das Waldareal wird nicht von einer bedeutenden Strasse oder Eisenbahnlinie durchschnitten. Dadurch besitzt es eine wichtige Funktion als zusammenhängender Lebensraum und als Rückzugsgebiet für Tiere.

Auf dem Hochplateau wachsen vor allem Buchenwälder. Je nach Boden, Feuchtigkeit, Höhenlage und Exposition kommen unterschiedliche Waldgesellschaften vor. Auf den sauren Böden der Irchelebni ist der Waldhainsimsen-Buchenwald verbreitet. An einzelnen exponierten Kanten findet sich der seltene Weissmoos-Buchenwald.[2]

Die wärmeren Süd- und Südwesthänge besitzen eine besonders vielfältige Vegetation. Dort kommen unter anderem Weissseggen-Buchenwald, Bergseggen-Buchenwald und lichte Orchideen-Föhrenwälder vor. Die offenen und halboffenen Waldstrukturen wurden früher durch Nieder- und Mittelwaldbewirtschaftung gefördert.

Nachdem diese traditionellen Nutzungsformen weitgehend aufgegeben worden waren, wurden viele lichte Wälder dichter. Dadurch verschwanden sonnige und nährstoffarme Lebensräume. Die Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich entwickelte deshalb 2005 einen Aktionsplan zur Förderung lichter Wälder. Am Irchel-Südhang in den Gemeinden Dättlikon und Freienstein-Teufen wurden Flächen entbuscht, gemäht und gezielt aufgelichtet.[3]

Zu den seltenen oder charakteristischen Pflanzenarten des Gebietes gehören:

  • Schnabelfrüchtiger Bergflachs;
  • Buchsblättrige Kreuzblume;
  • Braunrote Orchis;
  • Gemeine Küchenschelle;
  • verschiedene weitere Orchideenarten.

Der stark gefährdete Schnabelfrüchtige Bergflachs besitzt am Irchel einen seiner wichtigsten Verbreitungsschwerpunkte in der Schweiz. Oberhalb von Teufen befindet sich zudem eine bedeutende Population der Gemeinen Küchenschelle.[2]

Tierwelt

Die alten und teilweise höhlenreichen Buchenwälder bieten geeignete Brutplätze für zahlreiche Vogelarten. Zu den charakteristischen Bewohnern gehören Spechte, Kleiber, Baumläufer und andere Höhlenbrüter. Auch die Dohle nutzt Baumhöhlen und Felsnischen im Gebiet.

Trockenwiesen, lichte Wälder, Waldränder, Hecken und Rebberge bilden ein eng miteinander verbundenes Lebensraummosaik. Dieses ist besonders für Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken und andere wärmeliebende Insekten von Bedeutung. Zu den seltenen Arten gehört der Westliche Scheckenfalter, der im Schweizer Mittelland nur noch an wenigen Orten vorkommt.[2]

Entlang der Töss lebt der Eisvogel. Er gräbt seine Brutröhren in steile Sand- und Erdwände an den Prallhängen des Flusses. Kiesbänke und zeitweise überschwemmte Uferflächen bieten ausserdem Lebensraum für seltene Pionierpflanzen und spezialisierte Kleintiere.

Zu den grösseren Waldtieren des Irchels zählen Rehe, Füchse, Dachse und Wildschweine. Die ausgedehnten Wälder und die Verbindung zu den Landschaftsräumen entlang von Rhein und Töss ermöglichen den Tieren eine vergleichsweise grossräumige Bewegung.

Besiedlung und frühe Geschichte

Das Gebiet des Irchels wird seit mehreren Jahrtausenden genutzt. Archäologische Funde, Höhensiedlungen und Befestigungsanlagen belegen eine Besiedlung während mehr als 3000 Jahren seit der Bronzezeit.[2]

Zu den bedeutenden archäologischen Plätzen gehört die Wallanlage auf der Schartenflue. Weitere Fundstellen befinden sich auf erhöhten Terrassen und an strategisch günstigen Punkten über den Flusstälern. Die beherrschende Lage ermöglichte die Kontrolle alter Verkehrswege entlang von Rhein und Töss.

Zur Römerzeit war der Irchel Teil des rheinbegleitenden Grenz- und Überwachungssystems. Der Rhein bildete während verschiedener Phasen eine wichtige Grenze des Römischen Reiches. Spätrömische Wachttürme und Befestigungen sicherten Flussübergänge, Verkehrswege und strategische Geländepunkte.

In der Umgebung sind unter anderem Reste eines römischen Wachtturms bei der Tössegg bekannt. Die Höhen des Irchels eigneten sich wegen ihrer weiten Sicht über das Rhein- und Tösstal besonders für Beobachtung und Signalübermittlung.

Mittelalter und Burgen

Im Mittelalter entstanden an den Hängen und am Fuss des Irchels mehrere Burgen und befestigte Anlagen. Sie dienten der Kontrolle von Verkehrswegen, landwirtschaftlichen Gebieten und Herrschaftsrechten.

Zu den bekanntesten Anlagen gehört die Ruine Freienstein oberhalb des gleichnamigen Dorfes. Von der mittelalterlichen Burg ist insbesondere ein markanter Turm erhalten. In der Nähe befindet sich ein historisch bedeutender Sodbrunnen.

Weitere kulturgeschichtlich wichtige Anlagen sind die Burgruine Radegg bei der Tössegg und die Schlossanlage Teufen. Das heutige Schloss Teufen wurde im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil errichtet und liegt am Ausgang des Junkerentals in einer von Rebbergen geprägten Landschaft.

Historische Wege verbanden die Dörfer am Rhein und an der Töss mit den Siedlungen auf der Nord- und Ostseite des Irchels. Einige Hohlwege, Wegterrassen und alte Wegverbindungen sind im Gelände noch erkennbar.

Hochwacht

Die Hochwacht auf dem Irchel war Teil des frühneuzeitlichen Zürcher Alarmsystems. Hochwachten befanden sich auf gut sichtbaren Erhebungen und konnten militärische Warnsignale über grosse Entfernungen weitergeben.

Die Irchel-Hochwacht wurde 1624 im Rahmen einer neuen Zürcher Quartierordnung eingerichtet. Vor 1644 wurde sie zu einem festen Wachtturm ausgebaut. Sie stand in Sichtverbindung mit mehreren anderen Hochwachten im Kanton Zürich.[4]

Im Jahr 1644 wurden die Zürcher Hochwachten unter anderem mit Signalfeuern, Rauchsignalanlagen, Holzpfannen und Visiergeräten ausgerüstet. Bei schlechter Sicht oder starkem Nebel konnten zusätzlich Böllerschüsse abgegeben werden. Die Hochwacht auf dem Irchel verfügte über einen aus Sandstein gefertigten Herd und Ofen.

Das System wurde besonders während des Dreissigjährigen Krieges und späterer militärischer Spannungen ausgebaut. Bei guten Sichtverhältnissen sollte eine Warnung innerhalb von ungefähr 15 Minuten im ganzen Kantonsgebiet verbreitet werden können.

Nach 1815 wurden die Zürcher Hochwachten aufgegeben. Die Anlagen zerfielen, und Baumaterial wurde teilweise anderweitig verwendet. Die Überreste der Irchel-Hochwacht wurden 1923 freigelegt. Im Jahr 1984 erfolgte eine umfassende archäologische Untersuchung. Anschliessend wurden die Mauerreste zu ihrem Schutz wieder überdeckt.[4]

Der Punkt auf 668,4 m ü. M. diente später auch als Triangulationspunkt für die Landesvermessung. Von der Hochwacht reicht die Sicht über das Zürcher Weinland, nach Eglisau, zum Rhein und bei guten Bedingungen weit über die Landesgrenze hinaus.

Irchelturm

Der Irchelturm steht oberhalb von Buch am Irchel auf dem bewaldeten Plateau. Er ist einer der bekanntesten Aussichtspunkte im Zürcher Weinland.

Der heutige Turm wurde 1983 als Ersatz für einen älteren Aussichtsturm errichtet. Der begehbare Turm beziehungsweise seine Aussichtsplattform erreicht eine Höhe von rund 28 Metern und ist über ungefähr 50 Treppenstufen zugänglich.[5]

Der Neubau war zunächst umstritten. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich erklärten sich bereit, die Anlage zu finanzieren, wenn darauf eine Antenne für ihr Funknetz montiert werden konnte. Dadurch erhielt der Turm neben seiner Funktion als Aussichtspunkt auch eine technische Bedeutung.

Von der Plattform reicht die Aussicht über das Zürcher Weinland und das Flaachtal. Bei klarer Sicht sind Teile des Schwarzwalds, die Vulkankegel des Hegaus, der Säntis, die Ostschweizer Voralpen und weitere Abschnitte der Alpen sichtbar. Am Fuss des Turmes befinden sich Sitzgelegenheiten und eine Feuerstelle.

Landwirtschaft und Weinbau

Die höheren Teile des Irchels sind weitgehend bewaldet. An den tiefer gelegenen Hängen prägen hingegen Landwirtschaft und Weinbau das Landschaftsbild.

Auf den flacheren Terrassen werden Getreide, Mais, Raps und andere Feldfrüchte angebaut. Wiesen und Weiden dienen der Viehhaltung. Obstgärten, Einzelbäume und Hecken strukturieren die Kulturlandschaft rund um Berg am Irchel, Buch am Irchel, Teufen und Dättlikon.

Die wärmebegünstigten Süd- und Südwesthänge eignen sich für den Weinbau. Rebberge befinden sich besonders in der Umgebung von Teufen, Freienstein und Dättlikon. Sie gehören zum Weinbaugebiet des Kantons Zürich und sind Teil der historischen Kulturlandschaft des unteren Tösstals.

Der Übergang zwischen Rebbergen, Trockenwiesen, Waldrändern und lichten Wäldern besitzt einen hohen ökologischen Wert. Viele seltene Arten benötigen gerade diese Kombination aus offenen, halboffenen und bewaldeten Lebensräumen.

Schutzstatus

Der Irchel ist als Objekt Nr. 1410 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingetragen. Das BLN-Gebiet umfasst eine Fläche von 2212 Hektaren.[2]

Als Gründe für die nationale Bedeutung nennt das Bundesinventar insbesondere:

  • den markanten, langgestreckten und bewaldeten Tafelberg;
  • die mächtigsten grossflächigen Deckenschotterablagerungen der Schweiz;
  • die bedeutende Fossilienfundstelle;
  • das grosse zusammenhängende Waldgebiet;
  • die Vielfalt der Buchenwaldgesellschaften;
  • das Mosaik aus Trockenwiesen, Hangrieden, lichten Wäldern und Kulturland;
  • die naturnahen Talmäander und Auenbereiche der Töss;
  • die zahlreichen archäologischen und kulturhistorischen Zeugnisse.

Zu den Schutzzielen gehören die Erhaltung der Silhouette des Höhenzuges, der Deckenschotteraufschlüsse, der seltenen Waldgesellschaften, der Trocken- und Feuchtbiotope sowie der historischen Verkehrswege, Befestigungen und Burgruinen.

Seit 2024 gilt zudem die erneuerte kantonale Schutzverordnung «Unteres Tösstal». Sie umfasst die Flusslandschaft und angrenzende Hügelzüge in den Gemeinden Berg am Irchel, Buch am Irchel, Dättlikon, Eglisau, Embrach, Freienstein-Teufen, Neftenbach und Rorbas.[6]

Die Schutzbestimmungen sollen Natur- und Landschaftswerte bewahren, ohne die nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie die Erholungsfunktion grundsätzlich auszuschliessen.

Erholung und Tourismus

Der Irchel ist ein beliebtes Wander- und Erholungsgebiet. Das Wegenetz verbindet die umliegenden Dörfer mit dem Hochplateau, dem Irchelturm, der Hochwacht und verschiedenen Aussichtspunkten.

Häufige Ausgangsorte sind:

  • Buch am Irchel;
  • Berg am Irchel;
  • Teufen;
  • Freienstein;
  • Dättlikon;
  • Neftenbach;
  • Rorbas und die Tössegg.

Die Wanderwege führen durch unterschiedliche Landschaften. Auf kurzer Distanz wechseln sich Rebberge, offene Felder, Buchenwald, Nagelfluhfelsen, Tobel und Aussichtspunkte ab. Mehrere Routen lassen sich mit Wegen entlang von Rhein und Töss verbinden.

Der bewaldete Höhenzug wird auch von Mountainbikern und Reitern genutzt. Die gemeinsame Nutzung enger Waldwege kann zu Konflikten führen. Schutzgebiete, forstliche Sperrungen und lokale Fahrverbote müssen deshalb beachtet werden.

Feuerstellen befinden sich unter anderem beim Irchelturm und an weiteren Rastplätzen. Bei Trockenheit können die kantonalen oder kommunalen Behörden Feuerverbote erlassen. Das Sammeln geschützter Pflanzen sowie Störungen an Brut- und Rückzugsorten sind zu vermeiden.

Bedeutung für die Region

Der Irchel ist ein prägendes Landschaftselement des nördlichen Kantons Zürich. Von den Niederungen des Rheins und der Töss aus erscheint er als geschlossener, steil ansteigender Waldkörper. Für die umliegenden Gemeinden bildet er zugleich Naturraum, Wirtschaftsgebiet und Naherholungslandschaft.

Die Wälder werden forstwirtschaftlich genutzt und schützen die steilen Hänge vor Erosion. Die offenen Flächen dienen der Landwirtschaft und dem Weinbau. Wanderwege, Aussichtspunkte und kulturhistorische Orte machen den Höhenzug zu einem wichtigen Ausflugsziel.

Wissenschaftlich ist der Irchel vor allem wegen seiner Deckenschotter und Fossilienfundstellen bedeutsam. Sie ermöglichen Rückschlüsse auf frühe Eiszeiten, ehemalige Flusssysteme und die langfristige Entwicklung der Landschaft im nördlichen Schweizer Mittelland.

Der Höhenzug ist nicht mit dem Irchelpark und dem Campus Irchel der Universität Zürich im Stadtgebiet von Zürich zu verwechseln.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gemeinde Buch am Irchel: Gemeinde in Zahlen, abgerufen am 2. August 2026.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 Bundesamt für Umwelt: Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung, BLN 1410 Irchel, Bern 2017.
  3. Kanton Zürich: Lichter Wald Irchel, abgerufen am 2. August 2026.
  4. 4,0 4,1 Gemeinde Freienstein-Teufen: Die Hochwacht auf dem Irchel, Dokument zum Bannumgang 2009.
  5. Schweiz Tourismus: Irchelturm, abgerufen am 2. August 2026.
  6. Kanton Zürich: Unteres Tösstal: zeitgemässer Schutz einer einmaligen Landschaft im Kanton Zürich, Medienmitteilung vom 14. Juni 2024.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Irchel