Murtensee

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 22. Juli 2026, 21:12 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable" style="float:right; clear:right; width:320px; margin:0 0 1em 1em; font-size:90%;" |+ '''Murtensee''' |- ! Französischer Name | Lac de Morat |- ! Lage | Kantone Freiburg und Waadt, Schweiz |- ! Region | Drei-Seen-Land, Schweizer Mittelland |- ! Zufluss | Broye und kleinere Bäche |- ! Abfluss | Broyekanal zum Neuenburgersee |- ! Höhe | rund 429 m ü. M. |- ! Fläche | rund 23…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Murtensee
Französischer Name Lac de Morat
Lage Kantone Freiburg und Waadt, Schweiz
Region Drei-Seen-Land, Schweizer Mittelland
Zufluss Broye und kleinere Bäche
Abfluss Broyekanal zum Neuenburgersee
Höhe rund 429 m ü. M.
Fläche rund 23 km²
Länge 8,2 km
Maximale Breite 2,8 km
Volumen rund 0,55 km³
Maximale Tiefe 45 m
Einzugsgebiet 693 km²
Wassererneuerungszeit rund 1,6 Jahre
Uferort Murten

Der Murtensee (französisch Lac de Morat) ist ein See im westlichen Schweizer Mittelland an der Grenze der Kantone Freiburg und Waadt. Mit einer Fläche von rund 23 Quadratkilometern ist er der kleinste der drei grossen Jurarandseen; die beiden anderen sind der Neuenburgersee und der Bielersee. Die drei Gewässer sind durch den Broyekanal und den Zihlkanal miteinander verbunden und bilden das hydrologische Zentrum des Drei-Seen-Lands.[1]

Namengebend ist die zweisprachige Stadt Murten beziehungsweise Morat am Südostufer. Das Landschaftsbild wird ausserdem vom bewaldeten und teilweise mit Reben bepflanzten Mont Vully am Nordufer, von der weiten Broyeebene im Südwesten und von den Feuchtgebieten des Grossen Mooses im Nordosten geprägt. Der See ist zugleich Naturraum, Fischereigewässer, Teil eines überregionalen Hochwassersystems und ein wichtiges Erholungsgebiet.

Name

Der deutsche Name Murtensee und der französische Name Lac de Morat beziehen sich auf die Stadt Murten/Morat. Historische lateinische Bezeichnungen sind Lacus Muratensis aus dem Jahr 961, Lacus de Mureto aus dem Jahr 1297 und Lacus Mureti aus dem Jahr 1445.[1] Die heute veraltete deutsche Form Murtenersee kommt gelegentlich in älteren Texten und Karten vor.

Die beiden gegenwärtigen Namen spiegeln die Lage des Sees an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Während die Stadt Murten mehrheitlich deutschsprachig ist, sind grosse Teile des westlichen und nördlichen Seeufers französischsprachig.

Geographie

Der Murtensee ist 8,2 Kilometer lang und bis zu 2,8 Kilometer breit. Seine grösste Tiefe beträgt 45 Meter, sein Volumen ungefähr 0,55 Kubikkilometer. Das Einzugsgebiet umfasst 693 Quadratkilometer; die theoretische Wassererneuerungszeit liegt bei rund 1,6 Jahren.[2]

Der grössere östliche Teil des Sees liegt im Kanton Freiburg, der kleinere westliche Teil im Kanton Waadt. Zu den Gemeinden mit Seeanstoss gehören Murten, Muntelier, Greng und Mont-Vully im Kanton Freiburg sowie Faoug, Avenches und Vully-les-Lacs im Kanton Waadt. Am See liegen zahlreiche kleinere Ortschaften und Winzerdörfer, darunter Môtier, Praz, Sugiez, Vallamand und Salavaux.

Der Mont Vully trennt den Murtensee landschaftlich vom Neuenburgersee. Seine südexponierten Hänge gehören zum Weinbaugebiet Vully. Das Südufer bei Murten und Muntelier ist stärker besiedelt, während an anderen Uferabschnitten Schilfgürtel, Flachwasserzonen, Landwirtschaftsflächen und naturnahe Landschaften erhalten geblieben sind.

Hydrologie

Wichtigster Zufluss ist die Broye, die bei Salavaux in das südwestliche Ende des Sees mündet. Die Broye entwässert einen grossen Teil der Kantone Freiburg und Waadt. Hinzu kommen mehrere kleinere Bäche. Das Seewasser verlässt den Murtensee im Nordosten durch den kanalisierten Unterlauf der Broye, den Broyekanal, und gelangt in den Neuenburgersee.

Über den Broyekanal, den Neuenburgersee und den Zihlkanal ist der Murtensee mit dem Bielersee und damit mit der Aare verbunden. Die drei Jurarandseen bilden ein gemeinsam reguliertes hydraulisches System. Wegen der geringen Pegelunterschiede kann das Wasser bei einem starken Anstieg des Bielersees zeitweise in umgekehrter Richtung durch den Zihl- und den Broyekanal fliessen. Der Murtensee und der Neuenburgersee übernehmen dann einen Teil des Wassers und wirken als Ausgleichs- und Rückhaltebecken.[3]

Die Regulierung vermindert die Hochwassergefahr, kann sie jedoch nicht vollständig beseitigen. Im Juli 2021 erreichten die drei Jurarandseen ihre höchsten Wasserstände seit mehr als 50 Jahren. Am Murtensee waren dabei vor allem tief liegende Ufergebiete im waadtländischen Seeteil betroffen.[4]

Entstehung und natürliche Entwicklung

Das Becken des Murtensees wurde während der Eiszeiten durch den Rhonegletscher geprägt. Nach dem Rückzug des Eises bildeten Murten-, Neuenburger- und Bielersee zusammen mit weiten überschwemmten Niederungen zeitweise eine zusammenhängende Wasserfläche, die sich von der Orbeebene bis in die Gegend von Solothurn erstreckte. Der Mont Vully ragte damals als Halbinsel in dieses grosse Gewässer.[1]

Mit der fortschreitenden Ablagerung von Sedimenten und dem Absinken der Wasserstände trennten sich die heutigen Seen. Zwischen ihnen entstanden ausgedehnte Sümpfe und Flachmoore. Besonders das Grosse Moos blieb bis in die Neuzeit von wechselnden Wasserständen und häufigen Überschwemmungen geprägt.

Ur- und Frühgeschichte

Die Ufer des Murtensees gehören zu den seit dem Neolithikum intensiv besiedelten Landschaften der Schweiz. Archäologische Fundstellen sind unter anderem bei Murten, Muntelier, Greng und am nördlichen Seeufer bekannt. Hochwasser und langfristige Veränderungen des Seespiegels führten wiederholt dazu, dass Siedlungen aufgegeben oder in höhere Lagen verlegt wurden.[1]

Mehrere prähistorische Ufersiedlungen gehören zur seriellen UNESCO-Welterbestätte Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. Die Fundstelle Murten-Segelboothafen vor der heutigen Altstadt war im mittleren Jungneolithikum bewohnt. Dendrochronologische Untersuchungen weisen für eine Siedlungsphase in die Zeit zwischen 3572 und 3552 v. Chr. Auch bei Grengspitz, Môtier und Guévaux wurden bedeutende Siedlungsreste entdeckt.[5]

Auf dem Mont Vully bestand während der späten Latènezeit ein bedeutendes keltisches Oppidum, dessen Nutzung ungefähr zwischen 150 und 50 v. Chr. belegt ist. In römischer Zeit stand die Region unter dem Einfluss der nahen Stadt Aventicum, der Hauptstadt der Helvetier. Deren Hafen lag am damals weiter nach Süden reichenden See und war über einen Kanal und eine Strasse mit der Stadt verbunden.[1]

Mittelalter und Fischereirechte

Der Murtensee war über Jahrhunderte eine wichtige Nahrungs- und Erwerbsquelle. Im Mittelalter gehörten der See und die angrenzenden Sumpfgebiete zur savoyischen Herrschaft Murten. Die Bürger der Stadt besassen Rechte zum freien Fischfang, während Berufsfischer Abgaben entrichten mussten. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert regelten Behörden Fanggeräte, Schonzeiten und den Fischmarkt.[1]

Nach den Burgunderkriegen kam die Region unter die gemeinsame Herrschaft von Bern und Freiburg. Murten beanspruchte weiterhin die Gerichtsbarkeit über den See, die Broye und die Gewässer des Grossen Mooses. Im Jahr 1849 gingen die Eigentumsrechte am See an die Kantone Freiburg und Waadt über. Die Fischerei wird seither interkantonal geregelt und besitzt neben der Freizeitfischerei weiterhin einen beruflichen Zweig.[6]

Im Murtensee leben unter anderem Egli, Zander, Hecht, Felchen, Wels, Karpfen und verschiedene Weissfischarten.[7] Fangzeiten, Mindestmasse und erlaubte Geräte werden von den Kantonen Freiburg und Waadt gemeinsam festgelegt.

Juragewässerkorrektionen

Bis ins 19. Jahrhundert verursachten stark schwankende Wasserstände regelmässig Überschwemmungen. Die versumpften Ebenen zwischen den drei Seen konnten nur eingeschränkt landwirtschaftlich genutzt werden. Im Rahmen der Ersten Juragewässerkorrektion von 1868 bis 1891 wurde der Unterlauf der Broye zwischen 1874 und 1876 vertieft und zum leistungsfähigeren Broyekanal ausgebaut. Dadurch sank der Spiegel des Murtensees um rund 3,3 Meter, und grosse Flächen des früheren Seegrunds wurden zu neuem Ufer- und Kulturland.[1]

Die Absenkung veränderte Häfen, Siedlungen, Feuchtgebiete und archäologische Fundplätze. In Murten wurde wegen des tieferen Wasserstands 1893 ein neuer Hafen gebaut. Zugleich kamen zahlreiche prähistorische Siedlungsreste ans Licht, die zuvor unter Wasser gelegen hatten.

Die Zweite Juragewässerkorrektion wurde zwischen 1962 und 1973 ausgeführt. Dabei wurden der Broye-, der Zihl- und der Nidau-Büren-Kanal verbreitert und vertieft. Die Arbeiten senkten die Hochwasserstände der Jurarandseen um ungefähr einen Meter und hoben unerwünscht tiefe Niedrigwasserstände um knapp einen Meter an. Seither werden die Wasserstände der drei Seen indirekt über das Regulierwehr bei Port am Bielersee gesteuert.[8]

Wasserqualität und Ökologie

Der Murtensee ist von Natur aus nährstoffreicher als viele grosse Alpenseen. Im 20. Jahrhundert führten Abwässer und Nährstoffeinträge aus dem intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebiet zu einer starken Eutrophierung. Der Ausbau der Abwasserreinigung und das 1986 eingeführte Verbot von Phosphaten in Waschmitteln verminderten die Phosphorbelastung deutlich.[9]

Trotz der Verbesserungen bleibt die Algenproduktion hoch. In tieferen Wasserschichten wird der vorgeschriebene Sauerstoffgehalt zeitweise beziehungsweise gemäss kantonaler Beurteilung ganzjährig unterschritten. Weitere Massnahmen richten sich deshalb auf Phosphoreinträge aus Landwirtschaft, Siedlungsentwässerung und Abwasserreinigung. Die Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg und Waadt überwachen die Wasserqualität der drei Jurarandseen gemeinsam.[9]

Schilfgürtel und Flachwasserzonen sind wichtige Lebensräume für Fische, Amphibien und Wasservögel. Zu den geschützten Gebieten gehört das Chablais am Murtensee.[10] Auch die Uferlandschaft des Grengspitz und das Gebiet Chenevières de Guévaux besitzen einen hohen ökologischen und archäologischen Wert. Freizeitnutzung, Uferverbauung und Wellenschlag stehen hier in einem Spannungsverhältnis zum Schutz empfindlicher Lebensräume.

Schifffahrt

Der Broyekanal ist schiffbar und verbindet den Murtensee mit dem Neuenburgersee. Über den Zihlkanal besteht eine durchgehende Wasserstrasse bis zum Bielersee. Diese Verbindung ermöglicht Rundfahrten auf dem Murtensee sowie Zwei- und Drei-Seen-Fahrten.

Die fahrplanmässige Personenschifffahrt auf dem Murten- und Neuenburgersee wird von der Société de Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat (LNM) betrieben. Kursschiffe verbinden unter anderem Murten, Praz, Môtier, Vallamand und Faoug. Die Schifffahrt ist vor allem auf die touristische Saison im Frühling, Sommer und Herbst ausgerichtet.[11]

Tourismus und Freizeit

Der Murtensee zählt zu den bedeutenden Ausflugs- und Feriengebieten der Westschweiz. Aufgrund seines vergleichsweise geringen Volumens und seiner geschützten Lage erwärmt er sich im Frühjahr rascher als tiefere Seen. Entlang der Ufer befinden sich Strandbäder, Campingplätze, Häfen und öffentliche Badeplätze. Besonders bekannt sind das Strandbad von Murten und der lange Sandstrand bei Salavaux.

Auf dem See werden Segeln, Windsurfen, Stand-up-Paddeln, Rudern und weitere Wassersportarten betrieben. Die meist flache Landschaft eignet sich zudem für Velo- und Wanderrouten. Eine häufig befahrene Velorundstrecke um den See ist ungefähr 28 Kilometer lang.[12]

Zu den wichtigsten touristischen Zielen gehören die mittelalterliche Altstadt von Murten, die Rebberge und Winzerdörfer des Vully sowie das nahe Avenches mit den Überresten des römischen Aventicum. Die touristische Vermarktung der Verbindung von historischer Stadt und See begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ab den 1960er-Jahren entwickelte sich die Region mit besseren Verkehrsverbindungen und der Drei-Seen-Schifffahrt zu einem bedeutenden Ziel des Tagestourismus. Im Jahr 2002 war der Murtensee einer der Standorte der Schweizer Landesausstellung Expo.02.[1]

Bedeutung

Der Murtensee ist ein verbindendes Element zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz. Seine Geschichte reicht von prähistorischen Ufersiedlungen und der keltisch-römischen Kulturlandschaft über mittelalterliche Fischereirechte bis zu den grossen wasserbaulichen Eingriffen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Heute erfüllt der See mehrere Aufgaben zugleich: Er ist Bestandteil der Wasserregulierung im Seeland, Lebensraum, Fischereigewässer, Schifffahrtsweg und Erholungsraum. Die weitere Entwicklung verlangt einen Ausgleich zwischen Hochwasserschutz, Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung, Wasserqualität, Naturschutz und Tourismus.

Siehe auch

Literatur

  • Anne-Marie Dubler: Murtensee. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 19. Juni 2009.
  • M. Richter, A. Colombi: Der Murtensee. 1947.
  • J. Gwerder u. a.: Die Geschichte der Schiffahrt auf den Juragewässern. 1982.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Anne-Marie Dubler: Murtensee, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 19. Juni 2009, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. Der Murtensee – Le Lac de Morat, gemeinsames Faktenblatt der Fachstellen der Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg und Waadt, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. Ein überregionaler Ausgleich der Interessen, Bundesamt für Umwelt, Faktenblatt zu den Jurarandseen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. Jurarandseen, Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Michel Mauvilly: Murten – Segelboothafen, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 3. April 2019, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. Fischerei, Staat Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Fischen, Stadt Murten, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. Juragewässerkorrektion, Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. 9,0 9,1 Qualität der Seen, Staat Freiburg, zuletzt geändert am 28. Januar 2026, abgerufen am 22. Juli 2026.
  10. Wasser- und Zugvogelreservate, Staat Freiburg, abgerufen am 22. Juli 2026.
  11. Die LNM, Société de Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat, abgerufen am 22. Juli 2026.
  12. Around the Lake Murten, Region Murtensee, abgerufen am 22. Juli 2026.