Brienzersee

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Brienzersee
Lage Berner Oberland, Kanton Bern
Höhe 564 m ü. M.
Fläche 29,8 km²
Länge rund 14 km
Grösste Breite rund 2,8 km
Maximale Tiefe 260 m
Hauptzuflüsse Aare, Lütschine
Abfluss Aare
Einzugsgebiet rund 1108 km²
Grössere Uferorte Brienz BE, Bönigen, Iseltwald, Oberried am Brienzersee, Niederried bei Interlaken, Ringgenberg BE
Insel Schnäggeninseli
Besonderheiten nährstoffarmer Alpenrandsee, Kursschifffahrt

Der Brienzersee ist ein Alpenrandsee im Berner Oberland im Kanton Bern. Er liegt zwischen Brienz BE im Osten und dem Raum Interlaken im Westen. Zusammen mit dem weiter westlich gelegenen Thunersee prägt er die Landschaft des oberen Aaretals und die Tourismusregion Interlaken.

Der See liegt auf einer Höhe von etwa 564 m ü. M., ist rund 14 Kilometer lang, bis zu 2,8 Kilometer breit und erreicht eine maximale Tiefe von 260 Metern. Seine Fläche beträgt 29,8 km².[1] Die steilen Bergflanken setzen sich vielerorts unter der Wasseroberfläche fort. Dadurch besitzt der Brienzersee nur wenige grössere Flachwasserzonen.

Charakteristisch ist die intensive blaugrüne bis türkise Färbung des Wassers. Sie entsteht vor allem durch feinste mineralische Schwebstoffe, die von den alpinen Zuflüssen in den See getragen werden, sowie durch die geringe Konzentration an Plankton und anderen organischen Stoffen. Der Brienzersee zählt zu den besonders nährstoffarmen grossen Seen der Schweiz.

Name

Der Name des Sees leitet sich vom Ort Brienz BE am nordöstlichen Ufer ab. In historischen Quellen wurde der See teilweise auch als Brienzer See bezeichnet. Die heute übliche Zusammenschreibung entspricht der schweizerischen Benennung vergleichbarer Gewässer wie Thunersee, Zürichsee oder Walensee.

Der französische Name lautet lac de Brienz, der italienische lago di Brienz und der rätoromanische Lai da Brienz.

Lage und Landschaft

Der Brienzersee liegt vollständig im Kanton Bern. Sein langgestrecktes Becken verläuft ungefähr von Nordosten nach Südwesten. Im Norden wird der See von den steilen Hängen des Brienzergrats, des Brienzer Rothorns und des Harders begleitet. Im Süden steigen die Berghänge in Richtung Axalp, Faulhorngebiet und Schwarzhorn an.

Die Landschaft rund um den See ist durch grosse Höhenunterschiede geprägt. Zwischen der Wasseroberfläche und den umliegenden Gipfeln liegen teilweise mehr als 1500 Höhenmeter. Besonders am südlichen Ufer reichen bewaldete Felsflanken bis unmittelbar an den See.

Am westlichen Ende öffnet sich das Becken zum sogenannten Bödeli, der Schwemmebene zwischen Brienzersee und Thunersee. Auf dieser Ebene liegen unter anderem Interlaken, Unterseen, Matten bei Interlaken und Bönigen.

Am östlichen Ende beginnt das Haslital. Die dort einmündende Aare transportiert Wasser aus einem grossen Teil des östlichen Berner Oberlandes in den See.

Entstehung

Das Becken des Brienzersees entstand während der Eiszeiten durch die Tätigkeit des Aaregletschers und seiner Zuflussgletscher. Das Eis vertiefte das Tal und formte ein langgestrecktes, übertieftes Becken.

Nach dem Rückzug der Gletscher füllte sich dieses Becken mit Schmelzwasser. Ursprünglich bildeten der heutige Brienzersee und der Thunersee wahrscheinlich einen zusammenhängenden See. Durch die Ablagerung grosser Mengen von Geschiebe und Feinmaterial entstand im Laufe der Zeit die Ebene des Bödelis, welche die beiden Seen heute voneinander trennt.

An dieser Aufschüttung waren besonders die Lütschine und die Aare beteiligt. Die Flüsse transportierten Kies, Sand und Schlamm aus den umliegenden Gebirgsräumen in das Seebecken. Dieser Prozess setzt sich bis heute fort, wenn auch durch Flusskorrektionen und wasserbauliche Anlagen beeinflusst.

Hydrologie

Zuflüsse

Die wichtigsten Zuflüsse des Brienzersees sind die Aare und die Lütschine.

Die Aare mündet am östlichen Ende des Sees zwischen Brienz und dem Haslital. Sie führt Wasser aus dem Grimselgebiet, dem Gadmental, dem Gadmertal, dem Haslital und weiteren alpinen Einzugsgebieten zu.

Die Lütschine mündet bei Bönigen am westlichen Ende in den See. Sie entsteht bei Zweilütschinen aus dem Zusammenfluss der Weissen und der Schwarzen Lütschine. Ihr Einzugsgebiet umfasst grosse Teile der Täler von Grindelwald und Lauterbrunnen.

Weitere Zuflüsse sind:

  • der Giessbach;
  • der Trachtbach;
  • der Glyssibach;
  • der Lammbach;
  • der Färrichbach;
  • der Graggentorgraben;
  • mehrere kleinere Wildbäche an den steilen Nord- und Südhängen.

Viele dieser Bäche besitzen ein stark schwankendes Abflussverhalten. Nach heftigen Niederschlägen oder während der Schneeschmelze können sie grosse Mengen Wasser, Geröll und Schwemmholz in den See transportieren.

Abfluss

Der Abfluss erfolgt am westlichen Seeende über die Aare. Diese fliesst durch Interlaken und erreicht nach wenigen Kilometern den Thunersee. Die beiden Seen gehören damit zum gleichen Flusssystem.

Die Regulieranlagen für den Brienzersee befinden sich nicht unmittelbar am Seeausfluss, sondern rund 2,6 Kilometer weiter flussabwärts im Raum Interlaken. Mit ihrer Hilfe wird der Seestand innerhalb festgelegter Grenzen beeinflusst.[2]

Die Regulierung soll verschiedene Interessen miteinander vereinbaren. Dazu gehören:

  • Schutz vor Hochwasser;
  • ausreichende Wasserführung der Aare;
  • Schifffahrt;
  • Schutz der Ufer und Bauwerke;
  • ökologische Anforderungen;
  • Nutzung der Wasserkraft;
  • Freizeit- und Tourismusinteressen.

In der kalten Jahreszeit wird ein zu starkes Absinken des Seespiegels verhindert. Bei hohen Zuflüssen sind die Möglichkeiten zur Absenkung jedoch begrenzt, da die Aare unterhalb des Sees nur eine bestimmte Wassermenge aufnehmen kann.

Wasserfarbe

Der Brienzersee ist für seine auffallend türkise Farbe bekannt. Besonders bei sonnigem Wetter kann das Wasser je nach Blickwinkel hellblau, grünlich oder intensiv türkis erscheinen.

Die Farbe wird vor allem durch sehr feine mineralische Partikel beeinflusst. Diese entstehen durch die mechanische Zerkleinerung von Gestein unter Gletschern und werden als Gletschermilch über die Gebirgsflüsse in den See transportiert. Die feinen Teilchen streuen das einfallende Licht.

Auch der niedrige Nährstoffgehalt spielt eine Rolle. Da im See vergleichsweise wenig Algenbiomasse vorhanden ist, wird die Farbe weniger durch organische Stoffe überlagert. Nach starken Niederschlägen können einzelne Bereiche des Sees vorübergehend braun oder grau erscheinen, wenn Zuflüsse besonders viel Sediment mitführen.

Wasserqualität und Ökologie

Der Brienzersee ist von Natur aus ein nährstoffarmer, sogenannter oligotropher See. Sein Wasser weist nur geringe Konzentrationen des Pflanzennährstoffs Phosphor auf. Dadurch ist die Produktion von Algen und Zooplankton begrenzt.[3]

Während des 20. Jahrhunderts stieg die Nährstoffbelastung durch Abwässer und andere menschliche Einträge zeitweise an. Der Ausbau der Abwasserreinigung und die Verringerung der Phosphateinträge führten anschliessend zu einem starken Rückgang der Nährstoffkonzentrationen.

Die heute geringe biologische Produktion beeinflusst die Nahrungskette. Besonders Wasserflöhe und andere kleine Krebstiere, die vielen Fischen als Nahrung dienen, kommen nur in begrenzten Mengen vor. Die Entwicklung des Planktons, der Fische, der Sauerstoffverhältnisse und der Wassertemperaturen wird deshalb vom Kanton Bern und von wissenschaftlichen Institutionen überwacht.[4]

Die steilen natürlichen Ufer bieten Lebensräume für verschiedene Fischarten. Grössere Schilfgürtel und ausgedehnte Flachwasserzonen sind dagegen selten.

Tierwelt und Fischerei

Im Brienzersee leben unter anderem:

  • verschiedene Felchenformen;
  • Seeforellen;
  • Bachforellen;
  • Egli;
  • Hechte;
  • Trüschen;
  • Rotaugen;
  • Alet;
  • Groppen.

Besondere Bedeutung besitzen die Felchen. Im Brienzersee kommen mehrere an die örtlichen Bedingungen angepasste Formen beziehungsweise Arten vor. Einige davon gelten als endemisch und sind somit nur in diesem See heimisch.[5]

Die Berufsfischerei besitzt am Brienzersee eine lange Tradition. Der Ertrag ist jedoch wegen der geringen Nährstoffkonzentration und des begrenzten Nahrungsangebots vergleichsweise niedrig. Der Rückgang der Felchenfänge führte wiederholt zu Diskussionen über die Ursachen und über mögliche Massnahmen.

Eine künstliche Erhöhung des Phosphorgehalts wurde von Fachleuten abgelehnt. Der nährstoffarme Zustand entspricht weitgehend den natürlichen Verhältnissen des alpinen Einzugsgebiets. Eine gezielte Düngung könnte unerwünschte Veränderungen des gesamten Ökosystems verursachen.[3]

Neben der Berufsfischerei wird die Angelfischerei ausgeübt. Für Fischarten gelten kantonale Schonzeiten, Mindestmasse und Fangbeschränkungen. Vom Ufer aus ist unter bestimmten Voraussetzungen eine beschränkte Freiangelei ohne Patent möglich.[6]

Naturschutz

Am Brienzersee bestehen verschiedene ökologisch wertvolle Ufer- und Mündungsgebiete. Von besonderer Bedeutung ist das Naturschutzgebiet Lütschisand bei Bönigen. Es liegt im Bereich der Lütschinenmündung und umfasst Wasserflächen, Ufervegetation und Schwemmlandbereiche.

Das Gebiet ist ein wichtiger Lebensraum für Wasservögel, Fische, Amphibien, Insekten und typische Pflanzen der Seeufer. Das Betreten empfindlicher Bereiche sowie das Befahren bestimmter Wasserflächen ist eingeschränkt.[7]

Auch natürliche Steilufer besitzen eine hohe ökologische Bedeutung. Felsspalten, untergetauchte Geröllflächen, Mündungsbereiche kleiner Bäche und versunkene Baumstämme bilden Rückzugsräume für Fische und andere Wasserorganismen.

Zum Schutz vor der Einschleppung gebietsfremder Arten gilt im Kanton Bern eine Schiffsreinigungspflicht. Boote und andere Wasserfahrzeuge müssen bei einem Wechsel zwischen bestimmten Gewässern gemeldet und fachgerecht gereinigt werden.[8]

Orte am See

Brienz

Brienz BE liegt am nordöstlichen Seeufer und gab dem See seinen Namen. Das Dorf ist für seine Holzbildhauerei, seine traditionelle Bauweise und die Brienz-Rothorn-Bahn bekannt.

Die Uferpromenade, die Schiffländte und die historischen Gebäude des Dorfkerns gehören zu den touristischen Zielen. Brienz ist zudem ein wichtiger Ausgangspunkt für Fahrten auf den See und Ausflüge ins Haslital.

Bönigen

Bönigen liegt am westlichen Seeende bei der Mündung der Lütschine. Das Dorf besitzt eine lange Uferzone, Badeplätze, Campinganlagen und einen Hafen. In der Nähe befindet sich das Naturschutzgebiet Lütschisand.

Bönigen ist eng mit dem Tourismusraum Interlaken verbunden. Der Ort dient auch als betrieblicher Ausgangspunkt für Teile der Schifffahrt auf dem Brienzersee.

Iseltwald

Iseltwald liegt auf einer Halbinsel am südlichen Ufer. Das Ortsbild mit Holzhäusern, kleinen Buchten und dem Schloss Seeburg gilt als besonders charakteristisch.

Vor Iseltwald liegt das kleine Schnäggeninseli. Es ist die auffälligste natürliche Insel des Brienzersees und wird von den Kursschiffen passiert.[9]

Oberried und Niederried

Oberried am Brienzersee und Niederried bei Interlaken liegen am schmalen nördlichen Uferstreifen zwischen See und Berghang. Beide Gemeinden werden durch die Bahnlinie Interlaken–Brienz–Meiringen erschlossen.

Die Ortsbilder sind von traditionellen Wohnhäusern, kleinen Häfen und steilen bewaldeten Hängen geprägt. Mehrere Wildbäche durchqueren die Siedlungsgebiete und erfordern Schutzbauten gegen Hochwasser und Murgänge.

Ringgenberg

Ringgenberg BE liegt westlich von Niederried. Über dem See befinden sich die Ruine und die Kirche von Ringgenberg. Zum Gemeindegebiet gehört auch Goldswil.

Ringgenberg besitzt eine Bahnstation, eine Schiffländte und verschiedene Zugänge zum See. Der Ort bildet den Übergang zwischen der offenen Landschaft des Bödelis und den steileren Uferabschnitten im Osten.

Giessbach und Giessbachfälle

Der Giessbach mündet am südlichen Ufer in den Brienzersee. Oberhalb der Mündung stürzt er in mehreren Stufen über die bewaldeten Felsen. Die Giessbachfälle gehören zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten des Berner Oberlandes.

In unmittelbarer Nähe steht das historische Grandhotel Giessbach. Von der Schiffländte führt die Giessbachbahn zum Hotel und zu den Wasserfällen. Sie gilt als älteste Standseilbahn Europas, die dem Ausflugs- und Freizeittourismus dient.[10]

Die Verbindung aus Schifffahrt, Standseilbahn, Grandhotel, Waldlandschaft und Wasserfällen entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Bestandteil des frühen Tourismus am Brienzersee.

Schifffahrt

Die fahrplanmässige Schifffahrt auf dem Brienzersee begann 1839. Sie erleichterte zunächst den Personen- und Warentransport zwischen den Uferorten. Später entwickelte sie sich zu einem wichtigen Bestandteil des Tourismus im Berner Oberland.

Bereits 1842 wurden die Schifffahrtsgesellschaften des Thuner- und des Brienzersees vereinigt. Nach mehreren organisatorischen Veränderungen ging der Betrieb im frühen 20. Jahrhundert an die Vorgängerunternehmen der heutigen BLS über.[11]

Heute wird die Kursschifffahrt von der BLS Schifffahrt AG betrieben. Die wichtigste Verbindung führt von Interlaken Ost über Bönigen, Ringgenberg, Niederried, Iseltwald, Oberried und Giessbach nach Brienz. Nicht bei jeder Fahrt werden alle Stationen bedient.

Die Schifffahrt ist überwiegend saisonal. Während der Wintermonate ist der fahrplanmässige Betrieb eingeschränkt oder eingestellt. Die genauen Betriebszeiten richten sich nach dem jährlich veröffentlichten Fahrplan.[12]

Dampfschiff Lötschberg

Das bekannteste Schiff auf dem Brienzersee ist der historische Schaufelraddampfer Lötschberg. Das 1914 gebaute Schiff wird weiterhin im fahrplanmässigen Ausflugsverkehr eingesetzt.

Der Dampfer wurde im Winter 2000/2001 nach denkmalpflegerischen Vorgaben umfassend renoviert. Er gilt als technisches Kulturgut und als Wahrzeichen der Brienzersee-Schifffahrt.[13]

Verkehr

Entlang des nördlichen Ufers verläuft die Bahnstrecke Interlaken Ost–Brienz–Meiringen. Sie wird von der Zentralbahn bedient und ist Bestandteil der Verbindung von Interlaken über den Brünigpass nach Luzern.

Die Bahn erschliesst unter anderem Ringgenberg, Niederried, Oberried und Brienz. Zwischen Bahn und Schiff bestehen an mehreren Orten Umsteigemöglichkeiten.

Der überregionale Strassenverkehr wird hauptsächlich über die Autobahn A8 geführt. Sie verläuft von Interlaken durch mehrere Tunnel entlang der südlichen Seeseite in Richtung Brienzwiler und Meiringen.

Eine lokale Strasse verbindet die Orte am nördlichen Ufer. Iseltwald wird von der A8 durch eine Stichstrasse erschlossen. Wegen der steilen Ufer bestehen nur wenige direkte Strassenverbindungen zwischen Nord- und Südufer.

Tourismus und Freizeit

Der Brienzersee gehört zu den bedeutenden Ausflugslandschaften des Berner Oberlandes. Die Kombination aus türkisfarbenem Wasser, steilen Bergflanken, historischen Dörfern, Wasserfällen und Schifffahrt zieht Gäste aus der Schweiz und aus dem Ausland an.

Zu den verbreiteten Freizeitaktivitäten gehören:

  • Schifffahrten;
  • Schwimmen;
  • Kajakfahren;
  • Stand-up-Paddling;
  • Segeln;
  • Rudern;
  • Angeln;
  • Wandern;
  • Velofahren;
  • Tauchen.

Das Wasser bleibt wegen der grossen Tiefe und der kalten alpinen Zuflüsse auch im Sommer vergleichsweise kühl. Lokale Windverhältnisse und rasche Wetterwechsel können für kleine Boote, Paddlerinnen und Schwimmer gefährlich werden.

Rund um den See befinden sich Strandbäder, Campingplätze, Häfen und öffentliche Badezugänge. Wegen der steilen Ufer ist der Zugang zum Wasser jedoch nicht überall möglich.

Beliebte Ausflugsziele in der Umgebung sind:

  • die Giessbachfälle;
  • der Brienzer Rothorn;
  • die Axalp;
  • der Harder Kulm;
  • die Holzbildhauereien in Brienz;
  • das Freilichtmuseum Ballenberg;
  • die Aareschlucht;
  • Iseltwald und das Schnäggeninseli.

Wanderwege

An mehreren Abschnitten verlaufen Wanderwege unmittelbar oder in geringer Entfernung zum Ufer. Ein lückenloser, flacher Rundweg besteht wegen der steilen Fels- und Waldhänge jedoch nicht.

Auf der Nordseite verbinden Wanderwege Interlaken, Ringgenberg, Niederried, Oberried und Brienz. Einzelne Abschnitte führen oberhalb der Bahnlinie durch Wälder und über Wildbäche.

Am Südufer führen Wege unter anderem von Bönigen nach Iseltwald und weiter in Richtung Giessbach. Der Abschnitt zwischen Iseltwald und Giessbach verläuft teilweise durch steiles Gelände und bietet Ausblicke über den See zum Brienzergrat.

Höher gelegene Wanderwege erschliessen das Faulhorngebiet, die Axalp, den Brienzergrat und die Umgebung des Brienzer Rothorns.

Hochwasser und Naturgefahren

Der Brienzersee und seine Zuflüsse sind verschiedenen Naturgefahren ausgesetzt. Dazu gehören Hochwasser, Murgänge, Felsstürze, Hangrutschungen und die Ablagerung grosser Geschiebemengen.

Besonders die Aare im Haslital kann bei anhaltenden Niederschlägen und starker Schneeschmelze grosse Wassermengen in den See führen. Die bestehenden Schutzanlagen zwischen Aareschlucht und Brienzersee werden deshalb überprüft und ausgebaut.[14]

Auch die kleinen Wildbäche an den Seehängen können nach Gewittern rasch anschwellen. In verschiedenen Ufergemeinden wurden Geschiebesammler, Schutzdämme, Ableitungsgerinne und andere wasserbauliche Anlagen errichtet.

Bei hohem Seestand können Uferwege, Hafenanlagen, Keller und tief gelegene Grundstücke überflutet werden. Die Seeregulierung, Wetterprognosen und Pegelmessungen dienen dazu, die Auswirkungen möglichst zu begrenzen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Historisch diente der Brienzersee dem lokalen Warentransport, der Fischerei und der Verbindung zwischen den Ufergemeinden. Vor dem Bau durchgehender Strassen und Bahnlinien war der Wasserweg teilweise die einfachste Verkehrsverbindung.

Heute besitzt der See vor allem Bedeutung für den Tourismus, die Gastronomie, die Beherbergung, die Schifffahrt und den Freizeitverkehr. Die Landschaft des Sees ist ein zentrales Element der touristischen Vermarktung der Regionen Interlaken, Brienz und Haslital.

Auch die Berufsfischerei, kleinere Werften, Häfen, Wassersportschulen und Campingbetriebe sind wirtschaftlich mit dem See verbunden.

Kultur und Darstellung

Die Landschaft des Brienzersees wurde seit dem 18. und 19. Jahrhundert von Malern, Zeichnern, Schriftstellern und Reisenden dargestellt. Besonders häufig erscheinen die Giessbachfälle, die steilen Ufer, Brienz, Iseltwald und der Blick vom westlichen Seeende in Richtung der Berner Alpen.

Mit dem Aufschwung des Alpentourismus wurde der See zu einem verbreiteten Motiv auf Reiseplakaten, Ansichtskarten und Fotografien. Das Dampfschiff Lötschberg, das Grandhotel Giessbach und die traditionellen Holzhäuser von Brienz gehören zu den wiederkehrenden Bildmotiven.

Der Brienzersee dient zudem regelmässig als Drehort für Film- und Fernsehproduktionen. Dadurch erhielten einzelne Orte, insbesondere Iseltwald, zusätzliche internationale Bekanntheit.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. BLS Schifffahrt: Über den Brienzersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  2. Kanton Bern: Gewässerregulierung Brienzersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 Eawag: Keine Seendüngung für grössere Fische, abgerufen am 28. Juli 2026.
  4. Kanton Bern: Zustand des Brienzersees, Gewässerbericht 2019–2022, abgerufen am 28. Juli 2026.
  5. Kanton Bern: Jahresbericht des Fischereiinspektorats 2022, abgerufen am 28. Juli 2026.
  6. Kanton Bern: Fischen ohne Angelpatent, abgerufen am 28. Juli 2026.
  7. Kanton Bern: Naturschutzgebiet Lütschisand, abgerufen am 28. Juli 2026.
  8. Kanton Bern: Schiffsreinigungspflicht, abgerufen am 28. Juli 2026.
  9. Interlaken Tourismus: Schifffahrt Brienzersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  10. Interlaken Tourismus: Giessbachfälle, abgerufen am 28. Juli 2026.
  11. BLS: Geschichte der Schifffahrt im Berner Oberland, abgerufen am 28. Juli 2026.
  12. BLS Schifffahrt: Fahrplan, abgerufen am 28. Juli 2026.
  13. BLS Schifffahrt: DS Lötschberg, abgerufen am 28. Juli 2026.
  14. Kanton Bern: Aareschlucht–Brienzersee, abgerufen am 28. Juli 2026.