Bahnhof Winterthur Töss

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Bahnhof Winterthur Töss
Aufnahmegebäude des Bahnhofs Winterthur Töss
Typ Durchgangsbahnhof
Lage Töss, Winterthur
Eröffnung 1. August 1876
Eigentümer Schweizerische Bundesbahnen
Infrastrukturbetreiber Schweizerische Bundesbahnen
Personenverkehr Thurbo
Strecke Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
Bahnsteiggleise 3
Linie S41
Nachtverkehr SN41
Tarifverbund Zürcher Verkehrsverbund
Tarifzone 120
Höhe 435 m ü. M.
Abkürzung WTOE
UIC-Nummer 8506044
Koordinaten 47.48981° N, 8.70929° O

Der Bahnhof Winterthur Töss ist ein Bahnhof im Winterthurer Stadtkreis Töss im Kanton Zürich. Er liegt an der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz zwischen dem Bahnhof Winterthur und dem Bahnhof Winterthur Wülflingen. Eigentümerin und Infrastrukturbetreiberin der Anlage sind die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB).

Im regulären Personenverkehr wird Winterthur Töss von der Linie S41 der S-Bahn Zürich bedient. Die Züge werden von Thurbo betrieben und verbinden den Bahnhof mit Winterthur, Wülflingen, Pfungen, Embrach-Rorbas und Bülach. Der Bahnhof gehört zur Tarifzone 120 des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV).[1]

Das historische Bahnhofsensemble umfasst das Aufnahmegebäude von 1910, den älteren Güterschuppen und ein ehemaliges Nebengebäude. Die Gebäude werden seit 2007 als Gemeinschaftszentrum des Stadtteils genutzt.[2]

Lage

Der Bahnhof befindet sich südwestlich des Zentrums von Winterthur und östlich des historischen Dorfkerns von Töss. Er liegt zwischen der Stationsstrasse im Nordwesten und der Freiestrasse im Südosten. Die Zürcherstrasse, die wichtigste städtische Verkehrsachse durch Töss, verläuft wenige hundert Meter nördlich der Bahnanlage.

Das Bahnhofsgelände liegt an der Schnittstelle der Quartiere Tössfeld und Eichliacker. Beide Quartiere entwickelten sich im Zusammenhang mit dem Bau der Eisenbahn und dem Wachstum der nahe gelegenen Industriebetriebe. Die Anlagen der Maschinenfabrik Rieter und der Firma Sulzer prägten das Gebiet während langer Zeit.

Westlich des Bahnhofs überquert die Bahnstrecke den Fluss Töss. Östlich der Station vereinigt sich die Strecke in Richtung Winterthur Hauptbahnhof mit weiteren Bahnlinien. In unmittelbarer Nähe befinden sich die reformierte Kirche Töss, Wohngebiete, Gewerbebetriebe und das Zentrum Töss.

Die Koordinaten des Bahnhofs betragen ungefähr 47,4898 Grad nördlicher Breite und 8,7093 Grad östlicher Länge. Die Station liegt auf rund 435 Metern über Meer.[3]

Anlage

Der Bahnhof besitzt drei für den Personenverkehr nutzbare Bahnsteiggleise. Die Perrons werden über eine Unterführung erschlossen. Die heutige Anlage entstand durch mehrere Erweiterungen und Umbauten, nachdem die ursprünglich kleine Station im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen hatte.

Auf den Perrons befinden sich Unterstände, Sitzgelegenheiten, Fahrgastinformationen und Entwerter. Billette können an einem Automaten erworben werden. Die Station verfügt über 18 überdachte Veloabstellplätze. Beim Bahnhof und in der näheren Umgebung befinden sich mehrere Carsharing-Standorte.[4]

Die gegenwärtigen Zugänge erfüllen die Anforderungen an einen vollständig hindernisfreien Bahnhof noch nicht. Im Rahmen des Projekts «MehrSpur Zürich–Winterthur» sollen die Gleis- und Perronanlagen deshalb grundlegend erneuert werden. Vorgesehen sind eine neue Unterführung mit Treppen, Rampen und einem Lift sowie stufenfreie Zugänge zu den Zügen.[5]

Bahnhofsgebäude

Das Bahnhofsensemble besteht aus Bauten verschiedener Entwicklungsphasen. Bei der Eröffnung im Jahr 1876 verfügte die Station zunächst über einen langgezogenen Güterschuppen. In diesem Gebäude waren neben den Räumen für den Güterverkehr auch Einrichtungen für den Personen- und Gepäckverkehr untergebracht. Im Obergeschoss befand sich eine kleine Wohnung für den Bahnhofvorstand.[2]

Zwischen 1907 und 1912 ergänzten die SBB mehrere Güterstationen an der Strecke zwischen Winterthur und Bülach mit eigenständigen Aufnahmegebäuden. In Töss entstand 1910 ein vergleichsweise aufwendig gestaltetes Stationsgebäude mit Krüppelwalmdach. Zwischen dem älteren Güterschuppen und dem neuen Aufnahmegebäude wurde gleichzeitig ein kleines Abortgebäude errichtet.[2]

Das Aufnahmegebäude, der Güterschuppen und das Nebengebäude bilden ein weitgehend erhaltenes historisches Ensemble. Es ist als wichtiger Zeuge der Eisenbahn-, Industrie- und Siedlungsgeschichte von Töss im Inventar der Denkmalschutzobjekte des Kantons Zürich verzeichnet.[6]

Seit 2007 werden die früheren Bahngebäude als Gemeinschaftszentrum Bahnhof Töss genutzt. Das Zentrum dient als Treffpunkt für die Quartierbevölkerung und beherbergt Angebote der Quartierentwicklung, Beratungen, Veranstaltungen und gemeinschaftliche Aktivitäten.[4]

Geschichte

Eröffnung durch die Nordostbahn

Der Bahnhof Töss wurde am 1. August 1876 gemeinsam mit der Eisenbahnstrecke zwischen Winterthur und Koblenz eröffnet. Bauherrin war die Schweizerische Nordostbahn (NOB). Die Bahnlinie sollte Winterthur über Bülach und das untere Glatttal mit dem Rheintal und dem Bahnhof Koblenz verbinden.[2]

Die neue Verkehrsverbindung gab der bis 1922 selbständigen Gemeinde Töss bedeutende Entwicklungsimpulse. Sie erleichterte den Transport von Rohstoffen und Industrieerzeugnissen und verbesserte die Verbindung der Bevölkerung nach Winterthur und in andere Teile des Kantons.

Besonders wichtig war der Güterverkehr der Maschinenfabrik Rieter. Das Unternehmen nutzte die Bahn für die Anlieferung von Materialien und den Versand seiner Maschinen. Dadurch entwickelte sich Töss bereits wenige Jahre nach der Eröffnung zu einer vergleichsweise stark frequentierten Güterstation. 1880 arbeiteten am Bahnhof mehr als zehn Personen.[2]

Siedlungs- und Industrieentwicklung

Die Bahnlinie beeinflusste die räumliche Entwicklung von Töss erheblich. Zwischen den Gleisen und der Zürcherstrasse entstand zunächst das Quartier Tössfeld. Später entwickelte sich südlich und östlich des Bahnhofs das Eichliackerquartier.

In Bahnhofsnähe entstanden Fabrikanlagen, Arbeiterhäuser, Schulen und weitere öffentliche Einrichtungen. Der Bahnhof und die Industriebetriebe von Rieter und Sulzer gehörten zu den wichtigsten Faktoren für den Wandel von Töss von einem Strassendorf zu einem dicht bebauten Industrie- und Wohngebiet.

Mit der Eingemeindung von Töss im Jahr 1922 wurde die Station zu einem Bahnhof der Stadt Winterthur. Die Bezeichnung Winterthur Töss unterscheidet sie von den weiteren Stadtbahnhöfen, darunter Winterthur Hauptbahnhof, Winterthur Wülflingen, Winterthur Grüze und Oberwinterthur.

Übergang an die SBB

Mit der Verstaatlichung der Nordostbahn ging der Bahnhof 1902 an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über. Die SBB erweiterten die Stationsanlagen und liessen 1910 das bis heute erhaltene Aufnahmegebäude errichten.

Die Strecke wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts elektrifiziert. Der elektrische Betrieb vereinfachte die Zugführung und ersetzte die bis dahin eingesetzten Dampflokomotiven. Neben Personenzügen verkehrten weiterhin zahlreiche Güterzüge durch Töss.

Mit dem Strukturwandel der Winterthurer Industrie nahm die Bedeutung des örtlichen Güterverkehrs im späteren 20. Jahrhundert ab. Teile der nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigten Gebäude erhielten neue Nutzungen. Die Station blieb jedoch für den regionalen Personenverkehr und die Erschliessung des Stadtteils wichtig.

S-Bahn Zürich

Mit der Inbetriebnahme der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 wurde Winterthur Töss in das neue regionale Schnellbahnnetz integriert. Heute bildet die Station den ersten Halt westlich des Winterthurer Hauptbahnhofs auf der Strecke nach Bülach.

Das Angebot wurde im Laufe der Zeit verdichtet und neu geordnet. Im Fahrplanjahr 2026 wird die Station von der S41 bedient, die in der Regel halbstündlich zwischen Winterthur und Bülach verkehrt.[7]

Bahnverkehr

Der reguläre Personenverkehr wird von Thurbo im Auftrag des Zürcher Verkehrsverbunds durchgeführt.

Die S41 verkehrt im Regelfall im Halbstundentakt. Die Fahrzeit zum Winterthurer Hauptbahnhof beträgt wenige Minuten. In Bülach bestehen Anschlüsse in Richtung Zürich, Flughafen Zürich, Schaffhausen und Eglisau.

In den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag wird der Bahnhof zusätzlich durch die Nacht-S-Bahn-Linie SN41 bedient. Sie verbindet Winterthur über Töss und Wülflingen mit Bülach.[1]

Neben den Personenzügen passieren Güter- und Dienstzüge die Station. Die Bahnstrecke besitzt auch als Verbindung zwischen dem Raum Winterthur, Bülach und dem unteren Aaretal betriebliche Bedeutung.

Busverkehr

Unmittelbar beim Bahnhof befindet sich die Bushaltestelle Winterthur, Töss. Sie wird durch Linien von Stadtbus Winterthur und durch regionale Busverbindungen bedient. Im Fahrplanjahr 2026 halten dort folgende Linien:[8]

  • Linie 1 zwischen Winterthur, Töss und Winterthur, Oberwinterthur
  • Linie 5 zwischen Winterthur, Dättnau und Winterthur, Technorama
  • Linie 660 zwischen Winterthur, Archstrasse/HB und Bassersdorf, Bahnhof
  • Nachtbuslinie N1 zwischen Dättnau und Oberwinterthur
  • Nachtbuslinie N66 zwischen Winterthur und Brütten

Die Buslinie 1 ist eine der wichtigsten städtischen Durchmesserlinien Winterthurs. Sie verbindet Töss über das Stadtzentrum und den Hauptbahnhof mit Oberwinterthur. Bereits 1912 wurde die damalige Tramlinie von der Rudolfstrasse bis zum heutigen Bahnhofplatz Töss verlängert.[9]

Bedeutung

Der Bahnhof ist der wichtigste Bahnanschluss des Stadtkreises Töss. Er erschliesst die Quartiere Tössfeld, Eichliacker und Teile von Dättnau und bildet einen Umsteigepunkt zwischen S-Bahn und Bus.

Neben seiner Verkehrsfunktion besitzt das Bahnhofsensemble eine kulturhistorische und gesellschaftliche Bedeutung. Die erhaltenen Gebäude dokumentieren die Entwicklung des Eisenbahnwesens und der Industrie im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Durch die Nutzung als Gemeinschaftszentrum ist der Bahnhofplatz zugleich ein Treffpunkt für die Quartierbevölkerung.

Die Lage zwischen dem historischen Dorfzentrum, den früheren Industriearealen und neueren Wohngebieten macht das Bahnhofsumfeld zu einem wichtigen Entwicklungsraum der Stadt Winterthur.

Ausbau und Neugestaltung

Der Bahnhof Winterthur Töss wird im Zusammenhang mit dem Grossprojekt MehrSpur Zürich–Winterthur umfassend umgebaut. Das Kernstück des Gesamtprojekts ist der rund neun Kilometer lange Brüttenertunnel, der zusätzliche Kapazitäten zwischen Zürich und Winterthur schaffen soll.

Beim Bahnhof Töss sind eine vollständige Erneuerung der Gleis- und Perronanlagen, ein zusätzlicher Gleisabschnitt in Richtung Winterthur sowie eine neue Personenunterführung vorgesehen. Die Unterführung soll Treppen, Rampen und einen Lift erhalten. Der Personenverkehr wird künftig über einen breiten, hindernisfrei zugänglichen Mittelperron abgewickelt.[5]

Die Vorbereitungsarbeiten für das Gesamtprojekt begannen 2026. Die Hauptarbeiten am Bahnhof Winterthur Töss sind für 2027 und 2028 vorgesehen. Die Inbetriebnahme des erneuerten Bahnhofs ist für Ende 2028 geplant.[10]

Gleichzeitig plant die Stadt Winterthur eine Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Der Platz soll seinen dörflichen Charakter bewahren, aber stärker als Aufenthalts- und Begegnungsort genutzt werden. Vorgesehen sind eine durchgehende Pflästerung, Sitzstufen, zusätzliche Bäume, ein Pétanque-Platz und sechzig überdachte Veloabstellplätze. Die bisherigen Autoparkplätze sollen in die Stationsstrasse verlegt werden.[11]

Am Ende der Freiestrasse soll zudem ein kleiner öffentlicher Park mit Bäumen und Sitzgelegenheiten entstehen. Die städtischen Massnahmen werden mit den Arbeiten der SBB koordiniert.[11]

Siehe auch

Einzelnachweise