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Aktuelle Version vom 3. August 2026, 20:13 Uhr

Bahnhof Wil
Offizieller Name Wil SG
Ort Wil
Kanton St. Gallen
Wahlkreis Wil
Eigentümerinnen Schweizerische Bundesbahnen und Appenzeller Bahnen
Bahnhofstyp Kreuzungs- und Spurwechselbahnhof
Eröffnung 14. Oktober 1855
Bahnsteiggleise 8
Normalspurgleise 1–6
Meterspurgleise 11 und 12
Spurweiten 1435 mm und 1000 mm
Stromsystem Normalspur 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Stromsystem Frauenfeld–Wil 1200 V Gleichstrom
Höhe 571 m ü. M.
Betriebsstellenkürzel WIL
IBNR 8506206
Bahnstrecken Winterthur–St. Gallen, Wil–Kreuzlingen, Wil–Wattwil und Frauenfeld–Wil
Fernverkehr IC1 und IR13
S-Bahn-Linien S1, S9, S10, S12, S15 und S35
Tarifverbund Tarifverbund Ostwind
Tarifzone 916

Der Bahnhof Wil, im schweizerischen Fahrplan als Wil SG bezeichnet, ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Wil im Kanton St. Gallen. Er bildet einen bedeutenden Eisenbahn- und Busknoten im Übergangsgebiet zwischen der Ostschweiz, dem Kanton Thurgau, dem Toggenburg und dem Grossraum Zürich. Am Bahnhof treffen vier Bahnstrecken mit zwei unterschiedlichen Spurweiten zusammen.

Die normalspurige Hauptstrecke Winterthur–St. Gallen wird von Fernverkehrs-, S-Bahn- und Güterzügen befahren. Von ihr zweigen in Wil die Linien nach Weinfelden und Kreuzlingen sowie nach Wattwil ab. Auf dem Bahnhofplatz endet zudem die meterspurige Bahnstrecke Frauenfeld–Wil der Appenzeller Bahnen. Der Bahnhof ist deshalb zugleich Kreuzungs-, Trennungs-, End- und Spurwechselbahnhof.

Im Fahrplanjahr 2026 halten in Wil die Fernverkehrslinien IC1 und IR13 sowie mehrere Linien der S-Bahn St. Gallen und der Zürcher S-Bahn. Zusammen mit dem regionalen und städtischen Busnetz erschliesst der Bahnhof eine Region mit mehr als 130'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.[1]

Die normalspurige Personenverkehrsanlage besitzt sechs Bahnsteiggleise. Die Züge der Frauenfeld–Wil-Linie benutzen die auf dem Bahnhofplatz gelegenen Gleise 11 und 12. Zwei Personenunterführungen verbinden die Perrons mit dem Stadtzentrum, dem Bahnhofplatz und den südlich der Gleise gelegenen Quartieren.[2]

Lage

Der Bahnhof befindet sich westlich der historischen Altstadt von Wil. Zwischen dem Bahnhof und der Altstadt erstreckt sich die Obere Bahnhofstrasse, die zu den wichtigsten Einkaufs- und Fussgängerbereichen der Stadt gehört.

Das Empfangsgebäude und der Bahnhofplatz liegen auf der nördlichen Seite der normalspurigen Gleise. Dort befinden sich auch der Bushof, der Stadtsaal und die Endstation der Frauenfeld–Wil-Bahn. Südlich der Gleisanlagen liegen die Post, die Säntisstrasse, die Weststrasse sowie Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsgebiete.

Die normalspurige Hauptstrecke verläuft ungefähr von Westen nach Osten. Westwärts führt sie über Sirnach und Aadorf nach Winterthur. In östlicher Richtung verläuft sie über Uzwil, Flawil und Gossau nach St. Gallen.

Am westlichen Bahnhofskopf zweigt die Strecke nach Weinfelden ab. Sie führt über Bettwiesen, Münchwilen, Eschlikon, Bussnang und Weinfelden nach Kreuzlingen und Konstanz. Östlich des Bahnhofs zweigt die Toggenburger Linie über Bazenheid und Lichtensteig nach Wattwil ab.

Die meterspurige Frauenfeld–Wil-Bahn erreicht den Bahnhof aus nordwestlicher Richtung. Ihre Endstation liegt auf dem Bahnhofplatz unmittelbar vor dem SBB-Empfangsgebäude.

Geschichte

Planungen und Bahnbau

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lag Wil an wichtigen Strassenverbindungen zwischen Zürich, Winterthur, St. Gallen, dem Thurgau und dem Toggenburg. Die Industrialisierung und der zunehmende Warenverkehr führten jedoch zu einem wachsenden Bedarf an leistungsfähigeren Transportmitteln.

Die Stadt und die Ortsgemeinde unterstützten den Bau einer Eisenbahn zwischen Winterthur und St. Gallen. Der Gemeinderat bezeichnete die Bahnverbindung als eine für die wirtschaftliche Zukunft Wils entscheidende «Lebensfrage».

Die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn begann 1853 mit dem Bau der Strecke. Der Abschnitt zwischen Winterthur und Wil wurde unter der Leitung des Ingenieurs Julius Herz ausgeführt. Die Aufnahmegebäude der Gesellschaft entstanden nach Entwürfen ihres Direktionsarchitekten Ludwig Bitzer.

Das Bahnhofareal wurde ausserhalb der damaligen Stadtbebauung angelegt. Zwischen Altstadt und Bahnhof befanden sich zunächst nur wenige Gebäude und landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Eröffnung im Jahr 1855

Am 14. Oktober 1855 fuhr der erste Eisenbahnzug von Winterthur nach Wil. Der fahrplanmässige Betrieb begann unmittelbar danach.[3]

Wil war zunächst Endstation. Die Fortsetzung nach Flawil wurde am 25. Dezember 1855 eröffnet. Im Februar 1856 erreichte die Bahn Winkeln, und am 25. März 1856 wurde die durchgehende Verbindung nach St. Gallen feierlich in Betrieb genommen. Die Strecke wurde im Oktober 1856 bis Rorschach verlängert.

Der erste Bahnhof umfasste ein Empfangsgebäude, Güteranlagen, Abstellgleise und Einrichtungen zur Versorgung der Dampflokomotiven. Die Bahn verkürzte die Reisezeit nach Winterthur und St. Gallen erheblich und verbesserte den Zugang zu überregionalen Märkten.

Vereinigte Schweizerbahnen

Die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn geriet während des Baus ihrer Strecken in finanzielle Schwierigkeiten. Sie fusionierte deshalb 1857 mit weiteren ostschweizerischen Bahngesellschaften zu den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB).

Der Bahnhof Wil gelangte am 1. Mai 1857 in den Besitz der VSB. Diese entwickelte die Verbindung Winterthur–St. Gallen–Rorschach zu einer der wichtigsten Hauptstrecken der Ostschweiz.

Wil gewann als regionaler Umschlag- und Umsteigeort zunehmend an Bedeutung. Im Bahnhof wurden Personen, Post, Vieh, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Textilien, Maschinen, Kohle und weitere Güter abgefertigt.

Toggenburgerbahn

Bereits in den 1850er-Jahren bestanden Pläne für eine Eisenbahn vom Raum Wil ins Toggenburg. Die spätere Toggenburgerbahn baute eine Strecke von Wil über Bazenheid und Lichtensteig nach Ebnat.

Die Bahn nahm am 24. Juni 1870 den Betrieb auf. Wil wurde damit zum Verzweigungsbahnhof.[4]

Die neue Strecke erschloss die Textil- und Maschinenindustrie des Toggenburgs. Güter und Reisende konnten in Wil auf die Hauptstrecke nach Zürich oder St. Gallen wechseln.

Die Toggenburgerbahn liess ihren Betrieb zunächst durch die Vereinigten Schweizerbahnen führen. Die Strecke wurde später in deren Netz eingegliedert und gelangte 1902 an die Schweizerischen Bundesbahnen.

Frauenfeld–Wil-Bahn

Seit den 1850er-Jahren wurden verschiedene Projekte für eine Eisenbahnverbindung zwischen Wil und Frauenfeld ausgearbeitet. Ursprünglich waren normalspurige Linien vorgesehen. Wegen der hohen Bau- und Betriebskosten entschied man sich schliesslich für eine schmalspurige Strassenbahn.

Die Strecke wurde innerhalb von rund viereinhalb Monaten gebaut. Am 1. September 1887 fand die Eröffnungsfeier statt, und am folgenden Tag begann der regelmässige Betrieb.[5]

Die Bahn endete auf dem Bahnhofplatz vor dem Empfangsgebäude. Sie verband Wil über Münchwilen, Wängi und Matzingen mit der thurgauischen Kantonshauptstadt Frauenfeld.

Der erste Fahrplan umfasste fünf Verbindungen täglich in jeder Richtung. Neben Personen beförderte die Bahn Post, Gepäck, Tiere und Güter. Die Züge wurden zunächst von kleinen Dampflokomotiven gezogen.

Am 21. November 1921 begann der elektrische Betrieb. Seit 2021 gehört die ehemalige Frauenfeld-Wil-Bahn zu den Appenzeller Bahnen.[6]

Mittelthurgaubahn

Die Mittelthurgaubahn eröffnete am 18. Dezember 1911 die Strecke von Wil über Weinfelden und Kreuzlingen nach Konstanz. Für die Einführung der neuen Linie wurden die Gleisanlagen im Bahnhof Wil erweitert.

Die Strecke stellte eine direkte Verbindung zwischen dem Hinterthurgau, Wil, Weinfelden und dem Bodenseeraum her. Der Bahnhof wurde dadurch zu einem Kreuzungspunkt von vier Bahnlinien.

Nach der Auflösung der Mittelthurgaubahn im Jahr 2003 übernahm die SBB die Infrastruktur. Den regionalen Personenverkehr führt heute hauptsächlich die Regionalbahn Thurbo aus.

Verstaatlichung

Die Vereinigten Schweizerbahnen wurden 1902 durch den Bund übernommen. Der Bahnhof Wil und die normalspurigen Strecken gelangten an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen.

Die SBB erweiterten die Gleis- und Hochbauten in den folgenden Jahrzehnten mehrfach. Das Empfangsgebäude wurde 1912 und 1916 vergrössert. Gleichzeitig entstanden modernere Sicherungs- und Stellwerkanlagen.

Die Verstaatlichung vereinfachte die Betriebsführung und ermöglichte eine bessere Abstimmung mit den übrigen schweizerischen Hauptstrecken.

Personenunterführung

Die Reisenden erreichten die weiter entfernten Perrons ursprünglich über eine Passerelle. Mit dem wachsenden Verkehrsaufkommen genügte diese Verbindung den Anforderungen nicht mehr.

1914 wurde die Passerelle durch eine Personenunterführung ersetzt.[3] Die Unterführung ermöglichte einen sichereren Zugang zu den Bahnsteigen, ohne die stark befahrenen Gleise auf gleicher Höhe überqueren zu müssen.

Später entstand eine zweite Unterführung. Die heutige Ost- und Westunterführung verbinden die Bahnsteige mit dem Bahnhofplatz und dem Südquartier.

Elektrifizierung

Die verschiedenen Bahnstrecken wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten elektrifiziert.

Strecke Beginn des elektrischen Betriebs Stromsystem
Frauenfeld–Wil 1921 Gleichstrom
Winterthur–Wil–St. Gallen–Rorschach 1927 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Wil–Wattwil 1943 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Wil–Weinfelden–Kreuzlingen 1965 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom

Trotz der Elektrifizierung einzelner Strecken blieben Dampflokomotiven während längerer Zeit im Bahnhof sichtbar, da nicht alle anschliessenden Linien gleichzeitig umgestellt wurden.

Neubau des Empfangsgebäudes

Das mehrfach erweiterte Stationsgebäude von 1855 entsprach nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr den Anforderungen des stark gewachsenen Verkehrs.

Die SBB begannen in den 1950er-Jahren mit einer grundlegenden Neugestaltung des Bahnhofs. Das neue Empfangsgebäude wurde am 1. Oktober 1959 teilweise in Betrieb genommen. Genau ein Jahr später war der gesamte Neubau fertiggestellt.

Das mehrgeschossige Gebäude besitzt eine lang gestreckte, funktionale Fassade. Es enthält das Reisezentrum, Verkaufsflächen, Gastronomie, Büros und weitere Dienstleistungen.

Mit dem Neubau wurden auch der Bahnhofplatz, die Perrons, die Zugänge und Teile der Gleisanlagen umgestaltet.

Ausbau im späten 20. Jahrhundert

Seit den 1990er-Jahren wurden die Perrons erhöht und an längere Züge angepasst. Die Unterführungen, Perrondächer, Informationsanlagen und Zugänge erhielten schrittweise eine modernere Ausstattung.

Der lokale Güterumschlag verlor an Bedeutung. Nicht mehr benötigte Güter-, Lade- und Rangiergleise wurden teilweise zurückgebaut oder für andere Nutzungen freigegeben.

Gleichzeitig nahm der Pendler- und Umsteigeverkehr stark zu. Die Einführung der S-Bahn St. Gallen und die bessere Einbindung in das Zürcher S-Bahn-Netz verstärkten die Funktion Wils als regionaler Verkehrsknoten.

Bahnhofsanlage

Normalspurbahnhof

Der normalspurige Bahnhof besitzt die Bahnsteiggleise 1 bis 6. Gleis 1 liegt an einem Seitenperron beim Empfangsgebäude. Die übrigen Gleise werden über Mittel- und Seitenperrons erschlossen.[2]

Gleise Perrontyp Allgemeine Verwendung
1 Seitenperron Regionalzüge und einzelne endende oder beginnende Züge
2 und 3 Mittelperron Fern- und Regionalverkehr in Richtung Winterthur, Zürich und St. Gallen
4 und 5 Mittelperron Fern-, S-Bahn- und Regionalverkehr
6 Seitenperron Vorwiegend Züge in Richtung Weinfelden oder Wattwil sowie betriebliche Nutzungen

Die tatsächliche Gleisbelegung richtet sich nach Fahrplan und Betriebslage. Bei Verspätungen, Bauarbeiten oder Störungen können Züge von anderen Gleisen abfahren.

Neben den Bahnsteiggleisen bestehen Abstell-, Wende-, Dienst- und Gütergleise. Der Bahnhof dient als Ausgangs- und Endpunkt mehrerer Regionalverkehrslinien.

Meterspurbahnhof

Die Gleise 11 und 12 der Frauenfeld–Wil-Bahn befinden sich auf dem Bahnhofplatz. Sie liegen parallel zu den Bushaltekanten und sind vom Empfangsgebäude in wenigen Schritten erreichbar.

Die Anlage bildet betrieblich einen eigenen Bahnhofsteil der Appenzeller Bahnen. Wegen der Spurweite von 1000 Millimetern besteht keine direkte Gleisverbindung zu den normalspurigen SBB-Strecken.

Die Endstation besitzt zwei Gleise an Seitenperrons. Die Züge wenden in Wil und fahren anschliessend über Wängi und Matzingen nach Frauenfeld zurück.

Personenunterführungen

Der Bahnhof verfügt über eine Ost- und eine Westunterführung.

Die Westunterführung erschliesst die Gleise 1 bis 6, das Bahnhofgebäude, den Bahnhofplatz und das Südquartier. Sie soll im Zusammenhang mit der geplanten unterirdischen Velostation eine zusätzliche Bedeutung erhalten.

Die Ostunterführung verbindet ebenfalls die Perrons mit beiden Seiten der Gleisanlage. Treppen und Lifte ermöglichen den Zugang zu den Bahnsteigen.

Die Unterführungen dienen nicht nur Reisenden, sondern bilden wichtige öffentliche Fusswegverbindungen zwischen dem Stadtzentrum und den südlichen Quartieren.

Empfangsgebäude

Das heutige Empfangsgebäude stammt aus den Jahren 1959 und 1960. Es steht zwischen dem Bahnhofplatz und Gleis 1.

Im Gebäude befinden sich:

  • das SBB-Reisezentrum;
  • Detailhandelsgeschäfte;
  • Bäckerei- und Verpflegungsangebote;
  • Büros und Praxen;
  • öffentliche Toiletten;
  • Zugänge zu den Unterführungen;
  • technische und betriebliche Räume.

Die lang gestreckte Überdachung entlang von Gleis 1 schützt den Zugang zu den Zügen und zu den Dienstleistungen vor der Witterung.

Eisenbahnverkehr

Fernverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 wird Wil durch die Linien IC1 und IR13 bedient.[7]

Linie Grundlegende Streckenführung Angebot
IC1 St. Gallen–Wil–Winterthur–Zürich HB–Bern–Lausanne–Genève-Aéroport Stündlich
IR13 Zürich HB–Zürich Flughafen–Winterthur–Wil–St. Gallen–St. Margrethen–Sargans Stündlich

Zwischen Wil, Winterthur, Zürich und St. Gallen ergänzen sich die beiden Linien zu einem ungefähr halbstündlichen Fernverkehrsangebot.

Der IC1 schafft direkte Verbindungen nach Bern, Freiburg, Lausanne, Genf und zum Flughafen Genf. Der IR13 verbindet Wil über St. Gallen und das St. Galler Rheintal mit Sargans; einzelne Züge verkehren weiter nach Chur.

S-Bahn- und Regionalverkehr

Wil wird durch Linien der S-Bahn St. Gallen und der Zürcher S-Bahn bedient. Den grössten Teil des Regionalverkehrs auf den normalspurigen Strecken betreibt Thurbo.[8]

Linie Grundlegende Streckenführung Angebot
S1 Wil–Uzwil–St. Gallen–Romanshorn–Kreuzlingen–Stein am Rhein–Schaffhausen Halbstündlich auf dem Kernabschnitt
S9 Wil–Bazenheid–Lichtensteig–Wattwil Halbstündlich
S10 Wil–Münchwilen–Weinfelden–Romanshorn Halbstündlich
S12 Brugg AG–Zürich HB–Winterthur–Wil beziehungsweise Schaffhausen Regelmässig mit wechselndem östlichem Endpunkt
S15 Wil–Wängi–Matzingen–Frauenfeld Halbstündlich
S35 Winterthur–Aadorf–Wil Zusatzzüge während der Hauptverkehrszeiten

Die S1 verbindet Wil ohne Umsteigen mit St. Gallen, Romanshorn und Schaffhausen. Die S9 erschliesst das untere Toggenburg. Die S10 schafft die direkte Verbindung nach Weinfelden und Romanshorn.

Die S12 und S35 ergänzen den Fernverkehr zwischen Wil und Winterthur. Die S15 verkehrt auf der meterspurigen Strecke der Appenzeller Bahnen nach Frauenfeld.

Die Linienführung einzelner Züge kann am frühen Morgen, am Abend, an Wochenenden oder während Bauarbeiten vom Grundangebot abweichen.

Busverkehr

Der Bahnhofplatz ist der wichtigste Busknoten der Region Wil. Die Haltestelle Wil SG, Bahnhof liegt unmittelbar vor dem Empfangsgebäude. Weitere Haltekanten befinden sich an der Haltestelle Wil SG, Bahnhof Süd auf der gegenüberliegenden Seite der Bahn.

Die Buslinien werden unter anderem von WilMobil, PostAuto und Regiobus betrieben.[2]

Zu den wichtigsten Verbindungen gehören:

Linie Grundlegende Verbindung
701 Rundlinie Bahnhof–Neulanden–Bahnhof
702 Wilen–Bahnhof Süd–Bahnhof–Hofberg–Rossrüti
703 Reuttistrasse–Bahnhof–Neugruben
704 Bahnhof–Wilerwald
705 Bahnhof–Bildfeld–Bronschhofen
706 Bahnhof–Schwanen–Bronschhofen–Braunau
722 Bahnhof–Hosenruck–Weinfelden
725 Bahnhof–Zuzwil–Niederhelfenschwil
726 Bahnhof–Zuzwil–Henau–Uzwil
729 Bahnhof–Schwarzenbach–Henau–Uzwil
730 Bahnhof–Jonschwil–Uzwil
731 Bahnhof–Rickenbach–Kirchberg
732 Bahnhof–Allmend–Rickenbach–Kirchberg–Gähwil
733 Bahnhof–Busswil–Littenheid
734 Bahnhof–Sirnach–Dussnang–Fischingen
735 Bahnhof–Sirnach–Eschlikon–Bichelsee

In den Wochenendnächten bestehen zusätzliche Nachtzug- und Nachtbusverbindungen. Sie erschliessen unter anderem Uzwil, Wattwil und die Gemeinden im Hinterthurgau.

Dienstleistungen

Der Bahnhof verfügt über ein bedientes SBB-Reisezentrum. Dort werden Billette, Abonnemente, Reiseberatung und weitere Dienstleistungen angeboten.[9]

Weitere Einrichtungen sind:

  • Billettautomaten;
  • Lebensmittel- und Conveniencegeschäfte;
  • Bäckerei- und Take-away-Angebote;
  • öffentliche Toiletten;
  • Schliessfächer;
  • kostenloses SBB-WLAN;
  • Mobility-Carsharing;
  • Taxi- und Kurzzeitparkplätze;
  • P+Rail-Parkplätze;
  • Veloabstellanlagen;
  • E-Bike-Ladestationen;
  • Reparaturwerkzeuge für Velos.

Die Schliessfachanlage umfasst 40 kleine und zwölf grosse Fächer. Sie ist rund um die Uhr zugänglich.[9]

Velo- und Autoparkierung

Beim Bahnhof bestehen mehrere Veloabstellanlagen. Die grösste Velostation bei Gleis 1 bietet rund 900 Plätze. Sie besitzt Schliessfächer, E-Bike-Ladestationen und Werkzeuge für kleinere Reparaturen.

Eine weitere Velostation verfügt über 90 Plätze. Hinzu kommen rund 80 überdachte Abstellplätze für Zweiräder.[9]

Die P+Rail-Anlage Wil SG umfasst 90 reguläre Parkplätze und einen Behindertenparkplatz. Weitere Parkmöglichkeiten befinden sich im WIPA-Parkhaus.

Der hohe Anteil an Umsteigenden aus dem regionalen Bus- und Veloverkehr macht die kombinierte Mobilität zu einem wichtigen Bestandteil der Bahnhofsentwicklung.

Barrierefreiheit

Die normalspurigen Bahnsteige sind über Lifte erreichbar. Erhöhte Perronkanten ermöglichen bei geeigneten Niederflurfahrzeugen einen weitgehend stufenfreien Einstieg.

Taktile Sicherheitslinien, optische Anzeigen und akustische Durchsagen unterstützen Reisende mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen.

Der heutige Bushof und die Endhaltestelle der Frauenfeld–Wil-Bahn erfüllen jedoch nicht in allen Bereichen die modernen Anforderungen an einen barrierefreien Verkehrsknoten. Die geplante Neugestaltung des Bahnhofplatzes soll deshalb normgerechte Haltekanten und besser erkennbare Umsteigewege schaffen.[1]

Tarif

Der Bahnhof liegt in der Zone 916 des Tarifverbunds Ostwind.[10]

Ein gültiger Ostwind-Fahrausweis kann während seiner zeitlichen Gültigkeit grundsätzlich in allen eingeschlossenen Zonen für Bahn- und Busfahrten verwendet werden.

Für Fahrten in den Zürcher Verkehrsverbund bestehen Z-Pass-Angebote. Nationale und überregionale Reisen werden über den Direkten Verkehr abgerechnet.

Bedeutung für die Stadtentwicklung

Der Bau des Bahnhofs veränderte die Siedlungsstruktur Wils grundlegend. Vor 1855 konzentrierte sich die Bebauung weitgehend auf die Altstadt und die unmittelbar angrenzenden Gebiete.

Zwischen Bahnhof und Altstadt entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neues Stadtquartier. Entlang der Oberen Bahnhofstrasse wurden Hotels, Gasthäuser, Banken, Geschäfte, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude errichtet.

Der Bahnhof förderte zudem die Ansiedlung von Industrie- und Gewerbebetrieben. Rohstoffe und Fertigprodukte konnten wesentlich schneller transportiert werden. Wil entwickelte sich zu einem regionalen Handels-, Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum.

Heute erschliesst der Bahnhof insbesondere:

  • die Wiler Altstadt;
  • die Obere Bahnhofstrasse;
  • den Stadtsaal;
  • die Stadtverwaltung;
  • das Südquartier;
  • Schulen und Sportanlagen;
  • regionale Arbeitsplätze;
  • Gesundheits- und Bildungseinrichtungen;
  • die umliegenden Gemeinden der Agglomeration Wil.

Die direkten Verbindungen nach Zürich, Winterthur, St. Gallen, Frauenfeld, Weinfelden und Wattwil sind ein wesentlicher Standortvorteil für die Stadt.

Aufwertung des Bahnhofplatzes

Ausgangslage

Der Bahnhofplatz entstand schrittweise und entspricht nicht mehr vollständig den Anforderungen des heutigen Verkehrsaufkommens. Busse, Velos, Autos, Lieferfahrzeuge sowie Fussgängerinnen und Fussgänger benutzen denselben begrenzten Raum.

Der Bushof ist teilweise unübersichtlich und besitzt nicht an allen Haltekanten normgerechte Einrichtungen für Reisende mit eingeschränkter Mobilität. Zudem fehlen zusammenhängende Überdachungen und klar erkennbare Aufenthaltsbereiche.

Die Stadt Wil erarbeitete deshalb gemeinsam mit Bund, Kanton, SBB, Appenzeller Bahnen, Verkehrsbetrieben und weiteren Partnern das Projekt Aufwertung Stadtraum Bahnhof Wil / Allee.

Projektbestandteile

Das Vorhaben umfasst:

  • einen grösseren und neu organisierten Bushof;
  • überdachte und barrierefreie Bushaltekanten;
  • die Verschiebung der Endstation der Frauenfeld–Wil-Bahn nach Westen;
  • ein zentrales Busdach mit Photovoltaikanlagen;
  • eine unterirdische Velostation mit rund 1'100 Plätzen;
  • einen Mobilitätshub mit Schliessfächern und Sharing-Angeboten;
  • bessere Zugänge zur Westunterführung;
  • neue Fuss- und Veloverbindungen;
  • zusätzliche Grün- und Aufenthaltsflächen;
  • die Neugestaltung der Oberen Bahnhofstrasse und der Allee;
  • eine neue Verkehrsorganisation auf dem Bahnhofplatz.

Durch die Verschiebung der meterspurigen Endstation soll zusätzlicher Platz für den Bushof und die öffentlichen Bereiche entstehen.[1]

Kosten und Zeitplan

Die Investitionen wurden 2025 mit rund 64,5 Millionen Franken veranschlagt. Davon sollen Bund, Kanton, SBB, Appenzeller Bahnen, Technische Betriebe Wil und weitere Beteiligte rund 28,3 Millionen Franken übernehmen. Der Anteil der Stadt Wil beträgt voraussichtlich rund 36,2 Millionen Franken.[1]

Das Stadtparlament genehmigte den Baukredit im Juni 2026 in erster Lesung. Im Juli 2026 folgte die zweite parlamentarische Beratung. Über den städtischen Kredit soll die Wiler Stimmbevölkerung entscheiden.[11]

Der Baubeginn ist nach Abschluss der politischen und baurechtlichen Verfahren frühestens für 2029 vorgesehen. Das Projekt soll den Bahnhofplatz für die Anforderungen der folgenden Jahrzehnte vorbereiten.

Masterplanung Zentrum Wil

Neben der konkreten Neugestaltung des Bahnhofplatzes erarbeitet die Stadt eine umfassendere Masterplanung für das Zentrum.

Das Planungsgebiet umfasst Bahnhof, Obere Bahnhofstrasse, angrenzende Entwicklungsareale und Verbindungen zur Altstadt. Ziel ist eine koordinierte Entwicklung von Verkehr, öffentlichem Raum, Wohnnutzung, Arbeitsplätzen, Detailhandel und Freizeiteinrichtungen.[12]

Der Bahnhof soll nicht nur als Verkehrsanlage, sondern als zentraler Stadtbaustein und Verbindung zwischen den Quartieren weiterentwickelt werden.

Eisenbahngeschichtliche Bedeutung

Der Bahnhof Wil dokumentiert die Entwicklung des schweizerischen Eisenbahnwesens von der privaten Aufbauphase des 19. Jahrhunderts bis zum modernen, vernetzten öffentlichen Verkehr.

Zu den wichtigsten historischen Phasen gehören:

  • Eröffnung durch die St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn;
  • Übernahme durch die Vereinigten Schweizerbahnen;
  • Anschluss der Toggenburgerbahn;
  • Eröffnung der Frauenfeld–Wil-Bahn;
  • Anschluss der Mittelthurgaubahn;
  • Verstaatlichung der Normalspurstrecken;
  • schrittweise Elektrifizierung;
  • Neubau des Empfangsgebäudes;
  • Integration in die S-Bahn-Systeme;
  • Entwicklung zur multimodalen Verkehrsdrehscheibe.

Von den ältesten Anlagen ist nur wenig erhalten. Die Lage des Bahnhofs und die sternförmige Verknüpfung der Bahnstrecken entsprechen jedoch weiterhin weitgehend der im 19. und frühen 20. Jahrhundert entstandenen Struktur.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Aufwertung Bahnhof Wil: Inhalt und Ziele, Stadt Wil, abgerufen am 3. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Bahnhofplan Wil, Schweizerische Bundesbahnen, Ausgabe Juli 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 Bahnhof Wil, Stadtmuseum Wil, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Toggenburgerbahn, Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  5. Geschichte der Linie Frauenfeld–Wil, Appenzeller Bahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Fusion mit der Frauenfeld-Wil-Bahn zugestimmt, Appenzeller Bahnen, 11. Juni 2021, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Direktverbindungen Fernverkehr ab Wil SG, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Zürcher S-Bahn, S-Bahn St. Gallen, S-Bahn Schaffhausen und S-Bahn Bodensee, SBB und Tarifverbund Ostwind, gültig ab 14. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  9. 9,0 9,1 9,2 Bahnhof Wil, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  10. OSTWIND-Zonenplan 2026, Tarifverbund Ostwind, abgerufen am 3. August 2026.
  11. Parlament sagt in erster Lesung Ja zum neuen Bahnhofplatz, Stadt Wil, 4. Juni 2026, abgerufen am 3. August 2026.
  12. Ein Schlüsselprojekt für die Zukunft unserer Stadt, Stadt Wil, abgerufen am 3. August 2026.