Ruine Schauenberg
| Ruine Schauenberg | |
|---|---|
| Alternativname | Burg Schauenberg, Schauenburg |
| Burgentyp | Höhenburg |
| Entstehungszeit | um 1200 |
| Erste urkundliche Erwähnung | 1260 |
| Zerstörung | vor dem 11. Oktober 1344 |
| Erhaltungszustand | konservierte Grundmauern |
| Heutiger Ortsname | Hofstetten, Gemeinde Elgg |
| Kanton | Zürich |
| Höhenlage | rund 890 m ü. M. |
| Koordinaten | 47° 27′ 36″ N, 8° 51′ 59″ E |
Die Ruine Schauenberg ist die konservierte Ruine einer mittelalterlichen Höhenburg auf dem Schauenberg bei Hofstetten in der politischen Gemeinde Elgg im Kanton Zürich. Die Anlage liegt auf einer rund 890 m ü. M. hohen, weithin sichtbaren Kuppe zwischen dem Eulach- und dem Tösstal. Erhalten sind vor allem die Grundmauern eines massiven Wohnturms, Reste weiterer Befestigungen sowie die Fundamente einer frühneuzeitlichen Hochwacht.[1]
Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Bergkuppe bereits in vorchristlicher Zeit befestigt war. Um 1200 entstand dort ein kleinadliger Wohnsitz, der im Verlauf des 13. Jahrhunderts mehrmals umgebaut wurde. Die Burg wurde spätestens 1344 gewaltsam zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Im 17. Jahrhundert nutzte die Zürcher Obrigkeit den strategisch günstig gelegenen Gipfel als Hochwacht.
Heute ist die frei zugängliche Ruine ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Vom Schauenberg reicht die Aussicht bei guten Bedingungen über das Zürcher Oberland und den Thurgau bis zum Bodensee, zum Schwarzwald und zu weiten Teilen der Alpen.
Name
Der Burgname erscheint in den mittelalterlichen Quellen in unterschiedlichen Formen. Überliefert sind unter anderem «Schowenberg», «Schowenberc», «Schouwenberg» und «Schauenburg». Die heutige Bezeichnung lautet Schauenberg.
Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf die auffällige Aussichtslage der Burg. Das mittelhochdeutsche Wort schouwe beziehungsweise schowe bezeichnet ein prüfendes oder suchendes Schauen. Die Endung «-berg» verweist auf den hoch gelegenen Standort. Schauenberg kann damit sinngemäss als Berg verstanden werden, von dem aus das umliegende Land überblickt wird.[1]
Die Schreibweise Schauenburg findet sich besonders in älteren Chroniken und bildlichen Darstellungen. Die Ruine darf nicht mit den Burgen Alt-Schauenburg und Neu-Schauenburg bei Frenkendorf im Kanton Basel-Landschaft verwechselt werden.
Lage
Die Ruine liegt auf dem Gipfel des Schauenbergs südlich von Elgg und westlich von Turbenthal. Der Standort gehörte bis Ende 2017 zur damaligen politischen Gemeinde Hofstetten. Seit der Vereinigung von Hofstetten und Elgg am 1. Januar 2018 befindet er sich auf dem Gebiet der vergrösserten Gemeinde Elgg.
Der Schauenberg ist die höchste Erhebung zwischen den Tälern der Eulach und der Töss. Der Boden beim historischen Triangulationspunkt liegt auf rund 890 m ü. M. Ältere Darstellungen geben für die Spitze des Vermessungssignals eine Höhe von 893 oder 894 Metern an.[1]
Die isolierte Lage verleiht dem Berg den Charakter eines Inselbergs am Rand des ostschweizerischen Mittellandes. Die Kuppe besteht aus einer widerstandsfähigen Nagelfluhschicht über weicheren Molassegesteinen. Natürliche Erosion und menschliche Eingriffe formten das heute deutlich gegliederte Gelände.
Im Gegensatz zu vielen mittelalterlichen Burgen lag Schauenberg nicht unmittelbar an einem wichtigen Verkehrsweg. Der hoch gelegene und nur mühsam erreichbare Standort diente deshalb vermutlich weniger der direkten Kontrolle einer Strasse als der Repräsentation. Die Burg war weithin sichtbar und brachte den sozialen Anspruch ihrer Besitzer zum Ausdruck.[1]
Vorgeschichtliche Nutzung
Die archäologischen Untersuchungen von 1976 bis 1979 brachten Hinweise auf eine Nutzung der Bergkuppe lange vor dem Mittelalter. Am westlichen Abhang wurden künstliche Aufschüttungen, Gräben und Spuren von Palisaden festgestellt.
Diese Befunde gehörten wahrscheinlich zu einer ringförmigen Wall-Graben-Anlage aus vorchristlicher Zeit. Holzkohleproben und Keramikfunde weisen auf mehrere vorgeschichtliche Nutzungsphasen hin, die bis in die Bronzezeit zurückreichen können. Der Schauenberg dürfte dabei zeitweise als befestigter Rückzugsort oder Refugium gedient haben.[1]
Eine kontinuierliche Besiedlung bis in das Mittelalter lässt sich nicht nachweisen. Zwar wurde in einer späteren Aufschüttung der Griff eines römischen Schiebeschlüssels gefunden. Weitere eindeutig römische Baustrukturen oder zusammengehörige Funde fehlen jedoch. Die früher vertretene Vermutung, auf dem Schauenberg habe sich eine römische Signalstation befunden, gilt deshalb als nicht belegt.[1]
Mittelalterliche Burg
Erste Holzburg
Die erste mittelalterliche Burg entstand wahrscheinlich um 1200. Ihre Erbauer liessen auf der Westseite der Gipfelkuppe einen grossen Keller in die Nagelfluh eintiefen. Über diesem Keller stand vermutlich ein Gebäude aus Holz. Auch auf der östlichen Kuppe wurden Pfostenlöcher einfacher Holzbauten entdeckt.
Eine Wall-Graben-Befestigung umgab die zunächst noch nicht geteilte Bergkuppe. Bei deren Anlage könnten die mittelalterlichen Bauherren teilweise den Verlauf der älteren vorgeschichtlichen Befestigungen übernommen haben.
Die Anlage war ein vergleichsweise bescheidener Wohnsitz des niederen Adels. Für ihre Versorgung mussten in der ursprünglich stark bewaldeten Umgebung Flächen gerodet und landwirtschaftlich genutzt werden. Neben Wohn- und Wehrfunktionen gehörte zur Burg daher wahrscheinlich ein kleiner Landwirtschaftsbetrieb.
Herren von Schauenberg
Als Gründer gelten die nach der Burg benannten Herren von Schauenberg. Sie gehörten zum Zürcher Ritteradel und standen als Ministerialen beziehungsweise Dienstleute in Beziehungen zur Fürstabtei St. Gallen, zum Bischof von Konstanz und zu den Grafen von Kyburg.
Der erste sicher nachweisbare Vertreter ist Rudolf von Schauenberg. Er erscheint 1242 als Zeuge in einer Urkunde des Bischofs von Konstanz und 1245 im Umfeld der Grafen von Kyburg. Ein Hartmann von Schauenberg begleitete 1254 den Konstanzer Bischof nach Rom.[2]
Die Burg selbst wird am 20. Juli 1260 erstmals ausdrücklich erwähnt. In einem Lehensvertrag der Abtei St. Gallen erscheint ein Grundstück in Hofstetten «unterhalb der Burg Schowenberc». Heinrich von Schauenberg ist 1273 als letzter sicher fassbarer Angehöriger des Geschlechts urkundlich belegt.[1]
Ausbau im 13. Jahrhundert
In einer zweiten mittelalterlichen Bauphase wurde die Gipfelkuppe durch einen tiefen Halsgraben in eine westliche und eine östliche Hälfte geteilt. Der in den Fels gehauene Graben erreichte eine Tiefe von ungefähr sechs Metern.
Auf der Westseite schützten eine rund einen Meter starke Schildmauer und wahrscheinlich ein vorgelagertes Zwingersystem den inneren Burgbereich. Auf der östlichen Kuppe bestanden weiterhin Holzbauten, aber keine nachweisbaren massiven Steingebäude.
Die aufwendigen Veränderungen werden in der archäologischen Forschung möglicherweise den Herren von Landsberg zugeschrieben. Diese besassen in der Umgebung mehrere Lehen der Abtei St. Gallen und übten im benachbarten Turbenthal das Meieramt aus. Ein Brand im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts beendete diese Bauphase.[1]
Wohnturm
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand über dem älteren Felsenkeller ein mächtiger steinerner Wohnturm. Seine Grundmauern waren stellenweise bis zu 3,5 Meter stark. Die heute sichtbaren, konservierten Mauern gehören überwiegend zu diesem Gebäude.
Über dem massiven Sockel könnte sich ein vorkragendes Obergeschoss aus Holz befunden haben. Denkbar ist auch ein vollständig steinerner Bau mit einem Schindeldach. Die genaue Höhe und das ursprüngliche Erscheinungsbild lassen sich nicht mehr sicher rekonstruieren.
Die Wohnräume wurden durch mindestens zwei Kachelöfen beheizt. Der ältere Ofen entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der jüngere in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Gefundene Ofenkacheln, Metallbeschläge, Schlüssel, Nägel, Geschirrfragmente und Bauteile geben Einblick in die Ausstattung des kleinadligen Haushalts.[1]
Herren von Kastell
Im Jahr 1302 ist Walter von Kastell als Inhaber der Burg Schauenberg und der damit verbundenen Güter belegt. Er besass die Anlage als Lehen der Abtei St. Gallen. Die Herren von Kastell standen politisch den Habsburgern nahe und könnten den massiven Wohnturm errichtet haben.
Nach Walter übernahm sein Sohn Dietegen von Kastell die Burg. Mit dessen kinderlosem Tod im Jahr 1319 erlosch die Familie. Die Abtei St. Gallen beanspruchte daraufhin Schauenberg als heimgefallenes Lehen.[1]
Beringer von Hohenlandenberg
Nach 1331 gelangte die Burg an Beringer von Hohenlandenberg. Er gehörte einer Seitenlinie der Herren von Landenberg an und hatte zuvor als Söldnerführer in Italien gedient. Neben Schauenberg besass er die nahe gelegene Burg Hohenlandenberg bei Wila.
Beringer geriet in die politischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Zürich, dem Haus Habsburg und regionalen Adelsfamilien. Nach dem Umsturz Rudolf Bruns von 1336 soll er aus Zürich vertriebene Gegner des neuen Bürgermeisters auf seinen Burgen aufgenommen haben.
Im Jahr 1337 kämpfte Beringer an der Seite des Grafen Johann von Habsburg-Laufenburg in der Schlacht bei Grynau gegen Zürich. Dabei verlor er nach chronikalischer Überlieferung ein Auge. Spätere Quellen beschuldigten ihn zudem der Wegelagerei, der Falschmünzerei und des Pferdediebstahls. Solche Bezeichnungen sind im Zusammenhang mit den damaligen politischen und herrschaftlichen Konflikten zu beurteilen und nicht in allen Einzelheiten überprüfbar.[1]
Zerstörung
Österreichische Amtleute gingen gemeinsam mit Bürgern aus Zürich und Winterthur gegen Beringer von Hohenlandenberg vor. Seine Burgen Hohenlandenberg und Schauenberg wurden eingenommen und systematisch zerstört.
Die mittelalterlichen Quellen nennen teilweise unterschiedliche Jahreszahlen. Eine Urkunde Herzog Friedrichs von Österreich vom 11. Oktober 1344 belegt jedoch, dass die Zerstörung zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgt war. Der Herzog versprach darin den Zürchern Unterstützung für den Fall, dass sie wegen ihrer Beteiligung am Bruch der beiden Burgen angegriffen würden. Die Burg Schauenberg muss somit spätestens vor dem 11. Oktober 1344 zerstört worden sein.[1]
Archäologische Befunde bestätigen die gewaltsame Schleifung. Der Wohnturm wurde in Brand gesetzt, geplündert und anschliessend weitgehend abgebrochen. Ein grosser Teil des Brandschutts gelangte in den Felsenkeller. Die geringe Zahl noch brauchbarer Gegenstände deutet darauf hin, dass die bewegliche Einrichtung vor oder während der Zerstörung entfernt worden war.
Der Burgenbruch war eine Strafmassnahme wegen eines Verstosses gegen den Landfrieden. Zugleich verdeutlichte er den wachsenden Anspruch der habsburgischen Landesherrschaft und der Städte, die selbstständige Fehdeführung des niederen Adels einzuschränken.
Beringer überlebte die Zerstörung seiner Burgen. Er beteiligte sich 1350 an der sogenannten Zürcher Mordnacht, bei der vertriebene Adlige versuchten, die Herrschaft Rudolf Bruns zu stürzen. Beringer kam während der Kämpfe in Zürich ums Leben.
Ruine im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit
Nach ihrer Zerstörung wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Die verlassenen Mauern dienten der Bevölkerung der Umgebung wahrscheinlich als Steinbruch. Erosion und landwirtschaftliche Nutzung trugen zusätzlich zum allmählichen Verschwinden der Baureste bei.
Der Chronist Johannes Stumpf beschrieb Schauenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts noch als ehemals «herrlich schloss». Auf Karten von Jos Murer aus dem Jahr 1566 und Hans Conrad Gyger aus dem Jahr 1667 ist eine auffällige Burgruine eingezeichnet. Diese Darstellungen geben jedoch wahrscheinlich weniger den tatsächlichen Zustand als die Erinnerung an die einstige Burg wieder.[1]
Auch Matthäus Merian stellte den Schauenberg in einer Ansicht von Elgg aus dem Jahr 1642 dar. Der markante, zweigeteilte Gipfel blieb trotz des weitgehenden Verschwindens der Burg ein landschaftlicher Orientierungspunkt.
Hochwacht
Während des Dreissigjährigen Krieges liess die Zürcher Obrigkeit ein Netz von Hochwachten einrichten. Die Stationen befanden sich auf weithin sichtbaren Anhöhen und konnten Warnungen mittels Feuer-, Rauch- und Schallsignalen rasch weitergeben.
Auf dem Schauenberg wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts im früheren Halsgraben ein kleines Wächterhaus errichtet. Als Baumaterial dienten Steine der mittelalterlichen Burgruine. Das Gebäude war mit Ziegeln gedeckt und bot der Wachmannschaft Schutz vor dem Wetter.
Auf der östlichen Kuppe stand ein galgenartiges Gerüst, an dem bei Gefahr eine mit brennendem Harz gefüllte Pfanne hochgezogen werden konnte. Die sichtbaren Signale wurden von anderen Hochwachten und von Wächtern auf Kirchtürmen aufgenommen. In den umliegenden Ortschaften konnte die Bevölkerung anschliessend durch Glockengeläut alarmiert werden.[1]
Die Hochwacht Schauenberg stand unter anderem mit Stationen im Zürcher Oberland, im Raum Winterthur und im Thurgau in Sichtverbindung. Durch die erhöhte Lage besass sie eine grosse Reichweite. Um 1800 wurde die Anlage aufgegeben; das Wächterhaus wurde später abgebrochen.
Archäologische Erforschung
Zu Beginn der 1970er-Jahre waren auf dem Schauenberg nur wenige Mauerreste sichtbar. Viele Besucher wussten nicht mehr, dass auf der Kuppe eine mittelalterliche Burg gestanden hatte. Gleichzeitig wurden die freiliegenden Mauerteile durch Witterung und Begehung zunehmend beschädigt.
Die Kantonsarchäologie Zürich begann 1975 mit Vorbereitungen zur Sicherung der sichtbaren Fundamente. Dabei kam eine ausgeprägte Brandschicht zum Vorschein, die auf umfangreichere erhaltene Befunde hinwies.
Von 1976 bis 1979 führte die Kantonsarchäologie unter der Leitung von Josef Winiger jährlich mehrmonatige Ausgrabungskampagnen durch. Untersucht wurden der Wohnturm und sein Felsenkeller, der Halsgraben, die Ostkuppe, die äusseren Wallanlagen und das Gebäude der frühneuzeitlichen Hochwacht.[1]
Die Grabungen widerlegten ältere Rekonstruktionen, die von einer Doppelburg mit je einem steinernen Turm auf beiden Gipfelhälften ausgegangen waren. Massives Mauerwerk bestand nur auf der westlichen Kuppe. Auf der Ostkuppe wurden dagegen hauptsächlich Pfostenlöcher von Holzbauten und Spuren der Hochwacht gefunden.
Nach Abschluss der Untersuchungen wurden die wichtigsten Mauern konserviert und teilweise so aufgemauert, dass der Grundriss für Besucher erkennbar blieb. Der Felsenkeller wurde aus Gründen des Schutzes und der Sicherheit wieder verfüllt.
Die wissenschaftliche Gesamtauswertung erschien im Jahr 2000 als Band 33 der Monographien der Kantonsarchäologie Zürich. Sie dokumentiert die Baugeschichte, die Kleinfunde, die Ofenkeramik, die schriftlichen Quellen und die frühneuzeitliche Hochwacht.[1]
Anlage
Die Burgstelle besteht aus einer westlichen und einer östlichen Kuppe, die durch den tief eingeschnittenen Halsgraben voneinander getrennt sind. Die Westkuppe bildete den eigentlichen Kern der mittelalterlichen Burg.
Das auffälligste sichtbare Element ist der rechteckige Grundriss des Wohnturms. Die konservierten Mauern zeigen die ungewöhnliche Stärke seines steinernen Sockels. Im Inneren befand sich der ältere, in die Nagelfluh eingetiefte Keller.
Östlich des Turms verlief eine Schildmauer oberhalb des Halsgrabens. Weitere Mauerzüge werden als Teile eines vorgelagerten Verteidigungsbereichs beziehungsweise eines Zwingers gedeutet. Der Zugang zur Burg ist nicht vollständig geklärt.
Auf der Ostkuppe standen im Mittelalter vermutlich Nebengebäude in Holzbauweise. Im 17. Jahrhundert befand sich dort die Signaleinrichtung der Hochwacht. Im Halsgraben sind die konservierten Fundamente des Wächterhauses sichtbar.
Die vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Wall-Graben-Strukturen lassen sich teilweise noch als Geländestufen rund um die Kuppe erkennen. Da viele Befunde im Boden erhalten sind, ist die heutige Ruine nur ein Teil der gesamten archäologischen Anlage.
Kulturgüterschutz
Die Burgruine und die frühneuzeitliche Hochwacht sind als archäologisches Kulturgut von regionaler Bedeutung eingestuft. Der Schutz umfasst nicht nur die sichtbaren Mauern, sondern auch die im Boden erhaltenen Befunde des vorgeschichtlichen, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Siedlungsplatzes.[3]
Eingriffe in den Boden, das Entfernen von Steinen und private Nachforschungen mit Metalldetektoren sind ohne Bewilligung nicht zulässig. Die konservierten Mauern dürfen nicht beschädigt oder als Material für Feuerstellen verwendet werden.
Aussicht und Erholung
Der Schauenberg gehört zu den bekanntesten Aussichtspunkten im Raum Elgg und Turbenthal. Wegen der offenen Gipfelfläche bietet sich beinahe eine Rundsicht. Eine Panoramatafel hilft bei der Bestimmung der sichtbaren Berge.
Bei klarer Sicht reicht der Blick nach Norden über das Thurgauer Hügelland bis zum Bodensee und zum Schwarzwald. Im Osten sind der Alpstein und der Säntis zu sehen. Das Alpenpanorama erstreckt sich weiter über die Glarner, Bündner und Zentralschweizer Alpen bis zu Gipfeln der Berner Alpen.[4]
Auf dem Burgareal befinden sich Sitzgelegenheiten und eine Feuerstelle. Die Ruine ist ganzjährig frei zugänglich. Der letzte Anstieg führt über einen Wanderweg und ist für motorisierten Privatverkehr nicht erschlossen.
Die ungesicherten Geländeformen, niedrigen Mauern und teilweise steilen Wege erfordern besonders bei Nässe, Schnee oder Eis Aufmerksamkeit. Das Besteigen der konservierten Mauern kann sowohl die Anlage als auch Besucher gefährden.
Wanderwege
Mehrere markierte Wanderwege führen über den Schauenberg. Der Berg kann unter anderem von Elgg, Hofstetten, Girenbad, Turbenthal und Rämismühle erreicht werden.
Der regionale Tüfelschilen-Schauenberg-Weg von SchweizMobil verbindet Rämismühle-Zell mit Elgg. Die Route führt durch das bewaldete Zürcher Oberland, über die Naturlandschaft Tüfelschilen und hinauf zur Burgruine.[5]
Auch der Züri Oberland-Höhenweg verläuft über den Schauenberg. Die Strecke verbindet aussichtsreiche Höhen des Zürcher Oberlands und führt in Richtung Girenbad, Sitzberg und Hulftegg.[6]
Eine häufig begangene Wanderung beginnt am Bahnhof Elgg und führt durch das Farenbachtobel zur Guhwilmühle und anschliessend zur Ruine. Der Abstieg kann über Hofstetten oder Girenbad erfolgen. Dadurch lässt sich der Besuch mit dem öffentlichen Verkehr verbinden.
Der Schauenberg liegt zudem an Mountainbike- und Velorouten. Velofahrende und Wandernde teilen sich stellenweise dieselben Forst- und Landwirtschaftswege, weshalb gegenseitige Rücksichtnahme erforderlich ist.
Bedeutung
Die Ruine Schauenberg gehört zu den archäologisch besonders gut untersuchten kleinadligen Burgstellen im Kanton Zürich. Ihre Bedeutung liegt in der nachgewiesenen Abfolge unterschiedlicher Nutzungen von der Vorgeschichte über das Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit.
Die Ausgrabungen ermöglichen einen seltenen Einblick in die Entwicklung eines zunächst hölzernen Adelssitzes zu einem massiven Wohnturm. Zugleich dokumentieren die Brandschichten und der verfüllte Keller einen historisch überlieferten Burgenbruch des 14. Jahrhunderts.
Die Hochwacht veranschaulicht, wie strategisch günstig gelegene mittelalterliche Burgplätze Jahrhunderte später erneut für militärische Kommunikationssysteme genutzt wurden. Als Aussichtspunkt und Wanderziel verbindet der Schauenberg heute archäologisches Kulturerbe mit der Erholungslandschaft des Zürcher Oberlands.
Siehe auch
- Schauenberg
- Hofstetten ZH
- Elgg
- Hohenlandenberg
- Ruine Alt-Landenberg
- Ruine Breitenlandenberg
- Schloss Elgg
- Mörsburg
- Kyburg
- Liste der Burgen und Schlösser im Kanton Zürich
- Hochwacht
Literatur
- Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VII: Der Bezirk Winterthur, südlicher Teil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1986, S. 272–274.
- Emil Stauber: Die Burgen des Bezirkes Winterthur und ihre Geschlechter. 285. Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Winterthur 1953, S. 265–267.
- Josef Winiger, Annamaria Matter und Andrea Tiziani: Die Burg Schauenberg bei Hofstetten. Zeugnisse eines Burgenbruchs. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich, Band 33, Fotorotar, Zürich/Egg 2000, ISBN 3-905647-29-X.
- Heinrich Zeller-Werdmüller: Zürcherische Burgen. In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Zürich 1894–1895, S. 363–364.
Weblinks
- Monographie der Kantonsarchäologie Zürich über die Burg Schauenberg
- Burg Schauenberg bei Burgenwelt
- Informationen der Gemeinde Elgg
- Tüfelschilen-Schauenberg-Weg bei SchweizMobil
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 Josef Winiger, Annamaria Matter und Andrea Tiziani: Die Burg Schauenberg bei Hofstetten. Zeugnisse eines Burgenbruchs. Monographien der Kantonsarchäologie Zürich, Band 33, Fotorotar, Zürich/Egg 2000, ISBN 3-905647-29-X.
- ↑ Schauenberg, von. In: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Kanton Zürich: Kulturgüterschutz – B-Objekte im Kanton Zürich, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Gemeinde Elgg: Farenbachtobel und Schauenberg, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ SchweizMobil: Tüfelschilen-Schauenberg-Weg, Route 872, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ SchweizMobil: Züri Oberland-Höhenweg, Route 69, abgerufen am 2. August 2026.