La Garenne
La Garenne ist ein Tierpark und Zentrum für den Schutz einheimischer Wildtiere in der Gemeinde Le Vaud im Kanton Waadt. Der 1965 von Erwin Meier gegründete Park konzentriert sich heute vor allem auf die Tierwelt der Schweiz und Europas. Neben seiner Funktion als zoologische Einrichtung betreibt La Garenne ein spezialisiertes Pflegezentrum für verletzte und geschwächte Wildtiere und beteiligt sich an Programmen zur Erhaltung und Wiederansiedlung bedrohter Arten.[1]
Eine Besonderheit des Parks ist seine enge Verbindung zwischen Tierhaltung und Wildtierpflege. Mehr als 80 Prozent der im Park lebenden Tiere stammen nach Angaben von La Garenne aus dem eigenen Pflegezentrum. Es handelt sich häufig um Tiere, die nach Verletzungen oder anderen Problemen nicht mehr selbständig in der Natur leben können und deshalb dauerhaft im Park bleiben.[2]
| La Garenne | |
|---|---|
| Art | Tierpark und Wildtier-Pflegezentrum |
| Ort | Le Vaud |
| Kanton | Waadt |
| Gründung | 1965 |
| Gründer | Erwin Meier |
| Fläche | rund 3 Hektaren |
| Schwerpunkt | Schweizer und europäische Fauna |
| Trägerschaft | Fondation La Garenne |
| Neuer Park | eröffnet im März 2016 |
| EAZA-Mitglied | seit 2019 |
| Adresse | Route du Bois Laurent 3, 1261 Le Vaud |
| Website | www.lagarenne.ch |
Geschichte
La Garenne entstand aus der persönlichen Initiative von Erwin Meier. 1965 verwirklichte er gemeinsam mit seiner Familie die Idee eines kleinen Tierparks, der in erster Linie die einheimische Tierwelt zeigen und beim Publikum Verständnis für deren Schutz wecken sollte.[1]
Der ursprüngliche Park in Le Vaud umfasste rund 6100 Quadratmeter. Von Beginn an war La Garenne nicht nur ein Ausstellungsort, sondern auch ein Zufluchtsort für verletzte, behinderte oder anderweitig hilfsbedürftige Wildtiere. Daneben wurden zeitweise auch exotische Tiere und Haustiere aufgenommen, deren Besitzer nicht mehr für sie sorgen konnten.[1]
Dieser doppelte Charakter – Tierpark und Pflegestation – prägte die Entwicklung von La Garenne dauerhaft.
Engagement für den Bartgeier
Bereits 1972 beteiligte sich La Garenne als erste Schweizer Station an dem europäischen Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen.[1]
Der Bartgeier war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Alpenraum ausgerottet worden. Ein langfristiges internationales Zucht- und Wiederansiedlungsprogramm sollte die Art zurückbringen. La Garenne spielte dabei früh eine wichtige Rolle.
Eine in La Garenne geborene Bartgeier-Dame wurde 1989 ausgewildert. Sie zog später in freier Wildbahn Nachwuchs auf und trug damit zum erfolgreichen Wiederaufbau der alpinen Population bei.[1]
Der Bartgeier gehört deshalb bis heute zu den Tierarten, die besonders eng mit der Geschichte von La Garenne verbunden sind.
Association des Amis de La Garenne
1975 wurde die Association des Amis de La Garenne (ADAG) gegründet. Der Förderverein sollte die Arbeit des Tierparks insbesondere finanziell unterstützen.
1977 erhielt La Garenne aufgrund seiner Tätigkeit im Bereich der Umweltbildung und des Schutzes der europäischen Tierwelt offiziell den Status einer gemeinnützigen Institution.[1]
Die langfristige Sicherung des Parks führte 1998 zur Gründung einer Stiftung. In deren Stiftungsrat sind unter anderem Vertreter der Region Nyon, der Gemeinde Le Vaud sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vertreten.
Neubau des Tierparks
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts entsprach der ursprüngliche Park zunehmend nicht mehr den Anforderungen einer modernen Tierhaltung. Die räumlichen Möglichkeiten waren begrenzt und zahlreiche Anlagen mussten erneuert werden.
2004 begann die Stiftung deshalb mit der Planung eines vollständig neuen Parks. Ziel war es, grosszügigere Lebensräume für die Tiere, bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal und eine zeitgemässe Infrastruktur für Besucher und Schulklassen zu schaffen.[1]
Zwischen 2010 und 2012 wurden die erforderlichen Bewilligungen und eine Änderung der Nutzungsplanung erreicht. Das dafür vorgesehene Landwirtschaftsland wurde in eine Zone von öffentlichem Interesse umgewandelt.
Im April 2014 begannen die Bauarbeiten. Das Gesamtprojekt kostete rund 14,5 Millionen Franken. Finanziert wurde es über eine öffentlich-private Partnerschaft. Zu den bedeutenden Unterstützern gehörten unter anderem die Fondation Bertarelli, die MAVA-Stiftung, die Oak Foundation und die Loterie Romande.[1]
Im März 2016 wurde der neue Tierpark eröffnet. Mit rund drei Hektaren Fläche ist er wesentlich grösser als die ursprüngliche Anlage.
Konzept
Der heutige Park konzentriert sich in erster Linie auf die Tierwelt der Schweiz sowie auf europäische Arten. Ergänzt wird diese durch traditionelle Haus- und Nutztierrassen sowie einzelne nicht einheimische Arten.
Das Konzept beruht auf der Vorstellung, dass Menschen Tiere und natürliche Lebensräume eher schützen, wenn sie diese kennen und verstehen. Deshalb verbindet La Garenne Tierhaltung mit Umweltbildung, wissenschaftlicher Vermittlung, Wildtierpflege und konkreten Naturschutzmassnahmen.[3]
Die wichtigsten Aufgaben sind:
- Aufnahme und Behandlung verletzter oder geschwächter Wildtiere
- Wiederauswilderung rehabilitierter Tiere
- dauerhafte Unterbringung nicht mehr auswilderungsfähiger Tiere
- Erhaltungszucht bedrohter Arten
- Beteiligung an Wiederansiedlungsprogrammen
- Umweltbildung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit
- Vermittlung von Wissen über die einheimische Biodiversität
Tierbestand
La Garenne zeigt eine vielfältige Auswahl an Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien. Ein grosser Teil der Tiere gehört zur schweizerischen oder europäischen Fauna.[4]
Zu den im Park vertretenen Säugetieren gehören unter anderem:
- Grauwolf
- Eurasischer Luchs
- Wildschwein
- Alpensteinbock
- Rothirsch
- Europäischer Biber
- Fischotter
- Rotfuchs
- Europäische Wildkatze
- Steinmarder
- Murmeltier
- Eichhörnchen
- Braunbrustigel
Daneben werden zahlreiche Vogelarten gehalten. Besonders bedeutend sind verschiedene Greifvögel und Eulen.
Dazu gehören unter anderem:
Auch Amphibien und Reptilien wie Feuersalamander, Gelbbauchunke, Erdkröte, Europäische Sumpfschildkröte und Griechische Landschildkröte sind vertreten.[4]
Wildtier-Pflegezentrum
Das Wildtier-Pflegezentrum gehört zu den wichtigsten Einrichtungen von La Garenne. Jährlich werden dort mehrere hundert wild lebende Tiere aufgenommen, die verletzt, geschwächt, verwaist oder aus anderen Gründen in Not geraten sind.[2]
Die Tiere werden untersucht und, falls erforderlich, medizinisch behandelt. Ziel ist grundsätzlich die Rückkehr in die Natur. Nach der eigentlichen Behandlung folgt bei manchen Tieren eine Rehabilitationsphase, in der sie ihre für ein selbständiges Leben notwendigen Fähigkeiten wiedererlangen sollen.
Wenn möglich, erfolgt die Freilassung in der Nähe des ursprünglichen Fundortes.
Nicht jedes Tier kann jedoch ausgewildert werden. Dauerhafte Verletzungen, Behinderungen oder Verhaltensstörungen können dazu führen, dass ein Tier in der Natur keine realistische Überlebenschance hätte. Solche Tiere können im Tierpark ein dauerhaftes Zuhause erhalten.
Nach Angaben von La Garenne stammen mehr als 80 Prozent der im Park präsentierten Tiere ursprünglich aus dem Pflegezentrum.[2]
Wiederansiedlung und Artenschutz
Neben der Behandlung einzelner Wildtiere beteiligt sich La Garenne an nationalen und internationalen Artenschutzprogrammen.
Besonders bekannt ist das Engagement für den Bartgeier. Der Park unterstützt seit den 1970er-Jahren dessen Rückkehr in die Alpen.
Der Bartgeier war im Alpenraum vollständig verschwunden. Durch koordinierte Zuchtprogramme europäischer Tierparks und anschliessende Auswilderungen konnte wieder eine frei lebende Population aufgebaut werden.
Auch bei anderen Arten beteiligt sich La Garenne an Erhaltungsprogrammen. Dazu gehört insbesondere der Luchs. Der Park hält Karpatenluchse und unterstützt ein europäisches Programm, das zur genetischen Stabilität und langfristigen Erhaltung von Luchspopulationen beitragen soll.[3]
Grosse Voliere
Eine der markantesten Anlagen des Parks ist die grosse begehbare beziehungsweise grossräumige Voliere. Sie bietet verschiedenen Vogelarten und gleichzeitig alpinen Säugetieren grosszügige Lebensräume.
Hier können unter anderem Gänsegeier, Waldrappe, Steinböcke und Murmeltiere beobachtet werden.[4]
Die Gestaltung soll verschiedene Elemente alpiner Landschaften verbinden und ermöglicht den Besuchern die Beobachtung aus unterschiedlichen Perspektiven.
Besondere Anlagen bestehen zudem für Bartgeier und weitere Greifvögel.
Wölfe und Luchse
Zu den bekanntesten Tieren von La Garenne gehören Wölfe und Luchse. Beide Arten besitzen für die Umweltbildung eine besondere Bedeutung, da ihre Rückkehr beziehungsweise Ausbreitung in der Schweiz regelmässig gesellschaftliche Diskussionen auslöst.
La Garenne vermittelt deshalb Informationen über Lebensweise, Sozialverhalten, Jagd, Lebensraum und ökologische Rolle dieser grossen Beutegreifer.
Der Park hält Grauwölfe sowie Karpatenluchse.[4] Die Tieranlagen ermöglichen Beobachtungen, ohne die Tiere auf eine reine Schaufunktion zu reduzieren.
Bauernhof und Nutztierrassen
Neben Wildtieren besitzt La Garenne einen Bereich mit traditionellen Haus- und Nutztierrassen.
Zu den gehaltenen Tieren gehören unter anderem Appenzeller Ziegen, Saaser Mutten, Wollschweine sowie verschiedene traditionelle Geflügelrassen.[4]
Damit thematisiert der Park auch die genetische Vielfalt von Nutztieren. La Garenne erhielt 2025 ein Label der Stiftung ProSpecieRara für seine Tätigkeit zur Erhaltung und Förderung gefährdeter Nutztierrassen.[1]
Die Verbindung von Wild- und Nutztieren soll verdeutlichen, dass Biodiversität nicht nur natürlich vorkommende Arten, sondern auch historisch entstandene Haustierrassen umfasst.
Umweltbildung
Die Umweltbildung bildet neben Tierpflege und Artenschutz eine der Hauptaufgaben von La Garenne.
Im neuen Park steht ein rund 120 Quadratmeter grosser Raum für Schulklassen und pädagogische Aktivitäten zur Verfügung.[1]
Jedes Jahr besuchen zahlreiche Schulklassen aus den Kantonen Waadt und Genf die Einrichtung. Die pädagogischen Programme behandeln unter anderem folgende Themen:
- Bartgeier und Wiederansiedlung
- Luchs
- Wolf
- Tiere der Alpen
- Anpassung von Tieren an den Winter
- Vögel und ihre Federn
- Spuren und Lebensweisen einheimischer Wildtiere
- Biodiversität und Naturschutz
Die Programme werden an das Alter der Teilnehmenden angepasst und sollen ökologische Zusammenhänge durch Beobachtung und praktische Aktivitäten verständlich machen.[5]
EAZA
Im Mai 2019 wurde La Garenne als Mitglied der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) akkreditiert.[1]
Die Mitgliedschaft verbindet den Park mit einem europäischen Netzwerk zoologischer Einrichtungen und erleichtert die Zusammenarbeit bei Erhaltungszucht, Tiertransfers, wissenschaftlicher Arbeit, Tierwohl und Umweltbildung.
Bedeutung für die Region
La Garenne ist heute sowohl ein touristisches Ausflugsziel als auch eine wichtige Institution für den Wildtierschutz in der Westschweiz.
Die Lage am Jurafuss ermöglicht es, zahlreiche für die Schweiz typische Arten in einer landschaftlich passenden Umgebung zu präsentieren. Gleichzeitig übernimmt das Pflegezentrum Aufgaben, die weit über den eigentlichen Zoobetrieb hinausgehen.
Menschen aus der Region können verletzte oder offensichtlich hilfsbedürftige Wildtiere nach vorgängiger Kontaktaufnahme zum Pflegezentrum bringen. Dieses übernimmt die Beurteilung, medizinische Behandlung und gegebenenfalls Rehabilitation.
Auf diese Weise verbindet La Garenne praktische Hilfe für einzelne Tiere mit langfristigem Artenschutz und öffentlicher Bildungsarbeit.
Besucherangebote
Neben den Tieranlagen bietet der Park verschiedene Möglichkeiten, die Arbeit der Tierpfleger und Naturfachleute näher kennenzulernen.
Zum Angebot gehören kommentierte Fütterungen, Führungen, pädagogische Veranstaltungen und besondere Programme, bei denen Besucher Einblicke in die Arbeit der Tierpflege erhalten können.
Bei öffentlichen Fütterungen werden regelmässig verschiedene Tiere vorgestellt. Das Programm kann je nach Wochentag und Saison beispielsweise Wildkatzen, Steinböcke, Steinmarder, Gänsegeier, Fischotter, Luchse oder Uhus umfassen.[6]
Zum Gelände gehören ausserdem Spielbereiche, Picknickmöglichkeiten und ein Restaurant.
Lage und Erreichbarkeit
La Garenne befindet sich in der Gemeinde Le Vaud im Bezirk Nyon, am Jurafuss oberhalb des Genfersees. Die Adresse des Tierparks lautet Route du Bois Laurent 3, 1261 Le Vaud.[7]
Mit dem öffentlichen Verkehr ist Le Vaud über Postautoverbindungen ab Nyon und Gland erreichbar. Mit dem Auto erfolgt die Zufahrt von der Autobahn A1 unter anderem über die Ausfahrt Gland und weiter über Vich, Begnins und Burtigny.[8]
Die Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Jahreszeit. In den Wintermonaten bleibt der Park zudem an bestimmten Montagen geschlossen. Aktuelle Zeiten werden auf der offiziellen Website veröffentlicht.
Siehe auch
- Le Vaud
- Kanton Waadt
- Zoo in der Schweiz
- Zoo de Servion
- Bartgeier
- Eurasischer Luchs
- Wolf in der Schweiz
- ProSpecieRara
Weblinks
- Offizielle Website von La Garenne
- Tiere im Park
- Pflege, Artenschutz und Wiederansiedlung
- Wildtier-Pflegezentrum
- Geschichte von La Garenne
Einzelnachweise
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 La Garenne, au service de la nature. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Hôpital de la faune sauvage. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 3,0 3,1 Soin, conservation et réintroduction. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Les animaux du parc La Garenne. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Animations pédagogiques. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Nourrissages publics. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Nous contacter. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.
- ↑ Préparez votre visite. In: La Garenne. Abgerufen am 2026-08-09.