Zoo de Servion

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Zoo de Servion
Ort Servion, Kanton Waadt
Adresse Chemin du Zoo 1, 1077 Servion
Eröffnung 15. Juni 1974
Gründer Charles, Gilbert und Max Bulliard
Fläche rund 6 ha
Tierbestand rund 200 Tiere
Tierarten rund 60
Schwerpunkte nordische Fauna, Grosskatzen, kleine Primaten, Lemuren
Mitgliedschaften EAZA, WAZA
Website www.zoo-servion.ch

Der Zoo de Servion ist ein zoologischer Garten in der Gemeinde Servion im Kanton Waadt. Er liegt am Rand der Wälder des Jorat nordöstlich von Lausanne und gehört zu den bekannten Tierparks der französischsprachigen Schweiz. Der Zoo ist insbesondere auf nordische Tierarten, Grosskatzen, kleine Primaten und Lemuren ausgerichtet.[1]

Auf einer Fläche von rund sechs Hektaren leben ungefähr 200 Tiere aus etwa 60 Arten. Das Gelände ist stark von seinem Baumbestand geprägt und umfasst neben Tieranlagen auch Wiesen, Wasserflächen und weitere naturnah gestaltete Bereiche.[1]

Der Zoo ist ein Familienunternehmen. Er wurde am 15. Juni 1974 eröffnet und wird seit mehreren Generationen von der Familie Bulliard geführt. Seit 1994 gehört der Zoo der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) und seit 2013 der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA) an.[2]

Geschichte

Der Zoo entstand auf Initiative der drei Brüder Charles, Gilbert und Max Bulliard. Die aus dem Kanton Freiburg stammenden Brüder waren ursprünglich in unterschiedlichen Berufen tätig: als Uhrmacher, Restaurateur und Maurer. Ihre gemeinsame Begeisterung für Tiere führte zum Plan, einen eigenen Tierpark aufzubauen.[3]

Vor der Entstehung des heutigen Zoos hatte am gleichen Standort bereits ein anderes Tierparkprojekt begonnen, das jedoch nicht verwirklicht wurde. Einige damals errichtete Infrastrukturen blieben erhalten und konnten später teilweise in den Zoo integriert werden.[3]

Nach mehr als vier Jahren Vorbereitungs- und Bauarbeiten wurde der Zoo am 15. Juni 1974 offiziell eröffnet. Zu Beginn bestand er lediglich aus wenigen Anlagen. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gelände schrittweise erweitert und die Tierhaltung professionalisiert.[3]

Der Zoo blieb dabei ein Familienbetrieb. Die Leitung und Entwicklung des Parks gingen später auf die nächsten Generationen der Familie Bulliard über. Zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2024 wurde zugleich ein weiterer Generationswechsel vorbereitet: Die langjährige Führung durch Roland Bulliard wurde zunehmend an seine Töchter Virginie Grivel und Céline Bulliard weitergegeben.[4]

1984 wurde die Vereinigung Les Amis du Zoo gegründet. Sie unterstützt den Tierpark bei der Finanzierung neuer Anlagen, bei Verbesserungen der Tierhaltung und bei Bildungsprojekten.[1]

Lage und Anlage

Der Zoo befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Servion am Rand der ausgedehnten Wälder des Jorat. Die bewaldete Umgebung gehört zu den prägenden Merkmalen des Tierparks. Zahlreiche alte Bäume sorgen für Schatten und geben dem Gelände einen parkartigen Charakter.

Auf dem Rundgang wechseln sich Waldabschnitte, offene Wiesen, Wasserflächen und speziell für einzelne Tierarten gestaltete Gehege ab. Der Zoo ist ganzjährig geöffnet, wodurch sich das Erscheinungsbild der Anlage im Verlauf der Jahreszeiten deutlich verändert.[5]

Unmittelbar neben dem Zoo befindet sich das Tropiquarium de Servion. Beide Einrichtungen können getrennt besucht werden; zusätzlich wird ein kombiniertes Eintrittsbillett angeboten.[6]

Tierbestand

Der Zoo beherbergt rund 200 Tiere aus ungefähr 60 Arten.[1] Der Schwerpunkt liegt nicht auf einer möglichst grossen Anzahl unterschiedlicher Arten. Stattdessen verfolgt der Tierpark nach eigenen Angaben das Prinzip, weniger Arten zu halten und ihnen dafür mehr Raum und geeignete Anlagen zur Verfügung zu stellen.[7]

Besonders charakteristisch sind die Bestände an Grosskatzen, nordischen Säugetieren und kleinen Primaten.

Zu den im Zoo vertretenen beziehungsweise für seine Tierhaltung besonders bedeutenden Arten gehören unter anderem:

Neben Säugetieren hält der Zoo auch verschiedene Vogel- und weitere Tierarten.

Grosskatzen

Grosskatzen bilden traditionell einen wichtigen Schwerpunkt des Zoo de Servion. Besondere Bedeutung haben dabei Amurtiger, Schneeleoparden und Afrikanische Löwen.

Amurtiger

Der Amurtiger, auch Sibirischer Tiger genannt, gehört zu den bekanntesten Tierarten des Zoos. Servion beteiligt sich an der koordinierten Erhaltungszucht dieser stark gefährdeten Grosskatze.[8]

Über viele Jahre war die Tigerin Tinka eines der bekanntesten Tiere und ein Symbol des Zoos. Sie wurde am 15. Mai 2003 im norwegischen Kristiansand Dyrepark geboren und kam am 8. November 2004 nach Servion. Tinka erreichte das für einen Amurtiger aussergewöhnlich hohe Alter von 23 Jahren. Wegen ihres stark verschlechterten Gesundheitszustands wurde sie am 22. Juli 2026 eingeschläfert.[9]

Die Tigerhaltung des Zoos ist in ein europäisch koordiniertes Zuchtprogramm eingebunden.

Schneeleoparden

Auch Schneeleoparden werden in Servion gehalten. Die Art ist an Gebirgsregionen Zentralasiens angepasst und zählt zu den international geschützten Grosskatzen.

Der Zoo beteiligt sich am europäischen Erhaltungsprogramm für Schneeleoparden und unterstützt zusätzlich den Snow Leopard Trust, der sich für den Schutz der Art in ihrem natürlichen Lebensraum einsetzt.[2]

Löwen

Der Afrikanische Löwe gehört ebenfalls zum Tierbestand. Die Population zoologischer Einrichtungen wird über internationale und europäische Kooperationen verwaltet. Der Zoo führt die Art in seinen Erhaltungsaktivitäten auf.[2]

Primaten und Lemuren

Ein weiterer Schwerpunkt des Zoo de Servion sind kleine Primaten. Für diese Tiergruppe besteht ein eigenes Primatengebäude, das unterschiedliche Arten beherbergen kann.

Zu den in den Erhaltungsprogrammen des Zoos aufgeführten Primaten gehören die Goeldis Marmosette, der Lisztäffchen sowie der Bolivianische Totenkopfaffe.[8]

Besondere Bedeutung besitzt auch die Haltung von Lemuren. Dazu gehört der Blauaugenmaki beziehungsweise Sclaters Maki, eine auf Madagaskar vorkommende und stark bedrohte Lemurenart.

Der Zoo unterstützt finanziell die Association Européenne pour l'Étude et la Conservation des Lémuriens (AEECL), die Schutzprojekte für Lemuren und ihre Lebensräume in Madagaskar durchführt.[2]

Weitere Tieranlagen

Die Anlagen sind jeweils auf die Bedürfnisse der gehaltenen Tierarten ausgerichtet. Zu den auf der offiziellen Website besonders hervorgehobenen Bereichen zählen die Anlagen für Bären, Servale, Luchse und Schneeleoparden sowie das Primatengebäude.[10]

Bärenanlage

Der Zoo hält Syrische Braunbären. Diese Unterart des Braunbären ist im Nahen Osten beheimatet und wird in europäischen Zoos in koordinierten Populationen gehalten. In Servion gehört sie zu den Tierarten, für die ein europäisches Zuchtbuch geführt wird.[8]

Bisonanlage

Die Anlage der Amerikanischen Bisons kann von einem erhöhten Holzsteg aus betrachtet werden. Dadurch erhalten Besucher einen Blick über das Gehege, ohne sich auf gleicher Höhe unmittelbar am Rand der Anlage zu bewegen.

Bisons gehören zu den grossen Pflanzenfressern des Zoos. Für ein erwachsenes Tier werden täglich beträchtliche Mengen Heu sowie ergänzende Futtermittel benötigt.[1]

Wolfsanlage

Für die Wölfe besteht ein Beobachtungsbereich mit einem Steg beziehungsweise Ponton. Die Anlage gehört zu denjenigen Einrichtungen, mit denen der Zoo eine möglichst gute Beobachtbarkeit der Tiere mit Rückzugsmöglichkeiten verbinden will.

Tierhaltung und Ernährung

Die Versorgung der unterschiedlichen Tierarten erfordert zahlreiche spezialisierte Futterpläne. Nach Angaben des Zoos bereiten die Tierpfleger täglich mehr als 30 unterschiedliche Rationen vor.[1]

Über ein Jahr verteilt werden unter anderem mehrere Dutzend Tonnen Heu, Fleisch, Früchte und Gemüse sowie grössere Mengen Saaten, weitere Futtermittel, Fisch und Insekten benötigt.[1]

Die Zusammensetzung der Nahrung unterscheidet sich erheblich zwischen den Tierarten. Während Grosskatzen einen hohen Fleischanteil erhalten, benötigen die kleinen Primaten vergleichsweise geringe, dafür sehr vielfältig zusammengesetzte Portionen. Pflanzenfresser wie Bisons werden hauptsächlich mit Raufutter versorgt.

Arten- und Naturschutz

Der Schutz gefährdeter Tierarten gehört zu den zentralen Aufgaben des Zoo de Servion. Die Arbeit umfasst sowohl Ex-situ-Massnahmen innerhalb zoologischer Einrichtungen als auch die finanzielle Unterstützung von In-situ-Projekten in den natürlichen Verbreitungsgebieten.[2]

Nach Angaben des Zoos stammen die gehaltenen Wildtiere nicht aus Wildfängen. Tiere werden im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen zoologischen Einrichtungen ausgetauscht und für koordinierte Zuchtprogramme eingesetzt.[2]

Europäische Erhaltungsprogramme

Der Zoo beteiligt sich an mehreren von der EAZA koordinierten europäischen Programmen. Aufgeführt werden unter anderem Programme für:

  • Amurtiger
  • Schneeleopard
  • Blauaugenmaki
  • Bolivianischer Totenkopfaffe
  • Lisztäffchen
  • Goeldis Marmosette

Daneben werden europäische Zuchtbücher unter anderem für den Syrischen Braunbären und den Afrikanischen Löwen geführt.[8]

Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, genetisch möglichst gesunde Populationen in menschlicher Obhut zu erhalten und eine zu starke Verwandtschaft zwischen Zuchttieren zu vermeiden.

Schutz im natürlichen Lebensraum

Da ein vergleichsweise kleiner Tierpark eigene internationale Feldprojekte nur beschränkt durchführen kann, unterstützt der Zoo externe Naturschutzorganisationen finanziell.

Zu den unterstützten Organisationen gehören der Snow Leopard Trust für den Schutz des Schneeleoparden und die AEECL für den Schutz bedrohter Lemuren auf Madagaskar.[2]

EAZA und WAZA

Seit 1994 ist der Zoo Mitglied der European Association of Zoos and Aquaria. Die Aufnahme in die EAZA ist mit einer Prüfung zoologischer Einrichtungen verbunden und umfasst Anforderungen unter anderem an Tierwohl, ethische Grundsätze und den professionellen Betrieb.[2]

Seit 2013 gehört der Zoo zusätzlich der World Association of Zoos and Aquariums an. Die internationale Organisation fördert die Zusammenarbeit zoologischer Gärten und Aquarien in den Bereichen Tierhaltung, Bildung und Artenschutz.[2]

Die Mitgliedschaften ermöglichen dem Zoo insbesondere die Teilnahme an international koordinierten Tierpopulationen und Erhaltungsprogrammen.

Erweiterung des Zoos

Die langfristige Entwicklung des Tierparks ist auf grössere und stärker an den Bedürfnissen der Tiere orientierte Anlagen ausgerichtet. Der Zoo fasst seine Philosophie sinngemäss mit dem Grundsatz zusammen, weniger Arten mehr Platz zur Verfügung zu stellen.[7]

2021 begannen umfangreiche Erweiterungsarbeiten. Zum bestehenden Areal von rund 60'000 Quadratmetern soll eine zusätzliche Parzelle von etwa 17'000 Quadratmetern hinzukommen.[1]

Die zusätzliche Fläche ist insbesondere dafür vorgesehen, die Platzverhältnisse für einen Teil der bereits vorhandenen Tierarten zu verbessern. Die Erweiterung steht damit nicht primär für eine starke Vergrösserung der Artenzahl, sondern für die Weiterentwicklung der bestehenden Tierhaltung.

Bildung und Information

Neben Artenschutz und Tierhaltung misst der Zoo der Vermittlung zoologischer Kenntnisse Bedeutung bei. Entlang des Rundgangs informieren Tafeln und Artenschilder über die gezeigten Tiere, ihre Lebensräume und ihre Gefährdung.[7]

Für Schulen stellt der Zoo zusätzliche pädagogische Unterlagen zur Verfügung. Dadurch wird der Tierpark auch als ausserschulischer Lernort genutzt.

Ein wichtiges Ziel der Bildungsarbeit besteht darin, die Verbindung zwischen den im Zoo gehaltenen Tieren und den Bedrohungen ihrer wildlebenden Artgenossen sichtbar zu machen.

Besucher

Der Zoo gehört zu den etablierten Familienausflugszielen im Kanton Waadt. 2022 wurden 185'030 Eintritte verzeichnet, 2023 waren es 153'349 und 2024 insgesamt 160'246 Besucherinnen und Besucher.[11]

Auf dem Gelände befinden sich neben den Tieranlagen unter anderem Spielplätze, Picknickmöglichkeiten und gastronomische Angebote. Der starke Baumbestand sorgt insbesondere im Sommer für zahlreiche schattige Bereiche.

Öffnungszeiten

Der Zoo ist an allen Tagen des Jahres geöffnet.[6]

Vom 1. Mai bis 30. September ist der Park von 9 bis 19 Uhr geöffnet, wobei der letzte Eintritt um 18 Uhr möglich ist. Vom 1. Oktober bis 30. April ist der Zoo von 9 bis 18 Uhr geöffnet; letzter Einlass ist um 17 Uhr.[6]

Hunde dürfen nicht in den Zoo mitgenommen werden.[6]

Die Öffnungszeiten und Eintrittspreise können sich ändern und sollten vor einem Besuch auf der offiziellen Website überprüft werden.

Tropiquarium de Servion

Direkt neben dem Zoo liegt das Tropiquarium de Servion. Es entstand einige Jahre nach dem Zoo und entwickelte sich zu einer auf tropische Tiere spezialisierten Einrichtung.

Während der Zoo de Servion seinen Schwerpunkt auf Säugetiere wie Grosskatzen, nordische Fauna und kleine Primaten legt, ergänzt das Tropiquarium das zoologische Angebot in Servion unter anderem mit Reptilien, tropischen Vögeln und weiteren wärmeliebenden Tierarten.

Durch die unmittelbare Nachbarschaft können beide Einrichtungen am selben Tag besucht werden. Dafür wird auch ein gemeinsames Eintrittsbillett angeboten.[6]

Bedeutung

Der Zoo de Servion entwickelte sich seit 1974 von einem kleinen privaten Tierpark zu einer international vernetzten zoologischen Einrichtung. Trotz seiner vergleichsweise überschaubaren Grösse beteiligt er sich an europäischen Erhaltungsprogrammen und ist Mitglied sowohl der EAZA als auch der WAZA.

Charakteristisch sind die familiäre Struktur des Betriebs, der bewaldete Standort am Rand des Jorat und die Konzentration auf ausgewählte Tiergruppen. Mit der Erweiterung des Areals verfolgt der Zoo das Ziel, die Lebensräume der gehaltenen Tiere weiter zu vergrössern und die Zahl der Arten nicht auf Kosten der verfügbaren Fläche zu erhöhen.

Im Jahr 2024 feierte der Zoo sein 50-jähriges Bestehen. Damit gehört er seit einem halben Jahrhundert zu den zoologischen und touristischen Einrichtungen des Kantons Waadt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Zoo de Servion: Le Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 Zoo de Servion: Protection des animaux, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Zoo de Servion: Histoire du Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
  4. RTS: Véritable institution vaudoise, le zoo de Servion célèbre son 50e anniversaire, 15. Juni 2024.
  5. Zoo de Servion: Les 4 saisons du Zoo, abgerufen am 9. August 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 Zoo de Servion: Préparation, horaires et tarifs, abgerufen am 9. August 2026.
  7. 7,0 7,1 7,2 Zoo de Servion: Notre philosophie, abgerufen am 9. August 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 Zoo de Servion: Plans d'élevage européens, abgerufen am 9. August 2026.
  9. Zoo de Servion: Tinka s'en est allée, Mitteilung vom 22. Juli 2026, abgerufen am 9. August 2026.
  10. Zoo de Servion: Aménagements, abgerufen am 9. August 2026.
  11. zooschweiz: Zoo de Servion, abgerufen am 9. August 2026.

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