Kloster Königsfelden

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Kloster Königsfelden
Klosterkirche Königsfelden
Klosterform Doppelkloster
Ordensgemeinschaften Klarissen und Franziskaner
Gründung 1309 beziehungsweise Baubeginn 1310
Stifterin Elisabeth von Görz und Tirol
Anlass Ermordung von König Albrecht I.
Bedeutende Förderin Agnes von Ungarn
Aufhebung 1528
Lage Windisch
Kanton Kanton Aargau
Bistum ehemals Bistum Konstanz
Baustil gotische Bettelordensarchitektur
Heutige Nutzung Museum und Kulturdenkmal
Trägerschaft Museum Aargau
Koordinaten 47.4807° N, 8.2161° O
Website www.museumaargau.ch

Das Kloster Königsfelden ist ein ehemaliges Doppelkloster der Klarissen und Franziskaner in der Gemeinde Windisch im Kanton Aargau. Es wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts von der Familie Habsburg als Gedenkstätte für den ermordeten römisch-deutschen König Albrecht I. gegründet. Das Kloster entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen, politischen und dynastischen Erinnerungsort der frühen Habsburger.

Von der einst umfangreichen Klosteranlage ist insbesondere die gotische Klosterkirche erhalten. Sie ist vor allem wegen ihrer zwischen etwa 1320 und 1360 entstandenen Glasmalereien bekannt. Der nahezu geschlossen erhaltene Fensterzyklus im Chor gehört zu den herausragenden Werken der europäischen Glasmalerei des Spätmittelalters.[1]

Nach der Einführung der Reformation im bernischen Aargau wurde das Kloster 1528 aufgehoben. Die ehemaligen Klostergebäude dienten danach als bernischer Verwaltungssitz, Kornhaus, Armenasyl und Pflegeanstalt. Seit dem 19. Jahrhundert gehört das Areal zu den Psychiatrischen Diensten Aargau. Die Klosterkirche ist heute ein Standort des Museums Aargau und wird für Ausstellungen, Führungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt.[2]

Lage

Das Kloster Königsfelden liegt südöstlich des historischen Zentrums von Windisch. Das Gelände befindet sich auf dem Gebiet des ehemaligen römischen Legionslagers Vindonissa, unweit des Zusammenflusses von Aare, Reuss und Limmat.

Die Landschaft war bereits in römischer Zeit von grosser strategischer Bedeutung. Vindonissa war im 1. Jahrhundert n. Chr. ein bedeutender Militärstützpunkt des Römischen Reiches. Auch nach dem Abzug der Legionen blieb das Gebiet besiedelt und lag an wichtigen Verkehrsverbindungen.

Die Klostergründung erfolgte auf einem Feld in der Nähe des mutmasslichen Tatorts, an dem König Albrecht I. am 1. Mai 1308 ermordet worden war. Der Name Königsfelden verweist auf den getöteten König und auf das Feld, auf dem das Kloster errichtet wurde.

In der Umgebung befinden sich weitere bedeutende Zeugnisse der Geschichte des Hauses Habsburg, darunter die Habsburg, der ursprüngliche Stammsitz der Dynastie.

Ermordung König Albrechts I.

Ausgangspunkt der Klostergründung war die Ermordung König Albrechts I. von Habsburg am 1. Mai 1308. Der König befand sich auf einer Reise durch seine habsburgischen Besitzungen, als er bei Windisch von einer Gruppe Adliger angegriffen wurde.

Angeführt wurde die Verschwörung von Albrechts Neffen Johann von Schwaben, der später den Beinamen Parricida erhielt. Johann fühlte sich bei der Verwaltung und Übergabe seines väterlichen Erbes benachteiligt. Gemeinsam mit seinen Mitverschwörern Rudolf von Wart, Walter von Eschenbach und Rudolf von Balm griff er den König an und tötete ihn.

Nach späteren Überlieferungen starb Albrecht in den Armen einer armen Frau. Die genaue Lage des Tatorts und zahlreiche Einzelheiten des Mordes sind historisch nicht zweifelsfrei geklärt. Das Ereignis erschütterte jedoch die Stellung der Habsburger im Reich, da die Familie mit dem Tod Albrechts zunächst auch die Königswürde verlor.

Albrechts Leichnam wurde nicht in Königsfelden bestattet. Nach einer vorläufigen Beisetzung gelangten seine Gebeine in den Speyerer Dom, der als Grablege mehrerer mittelalterlicher Könige und Kaiser diente.

Gründung

Königin Elisabeth von Görz und Tirol, die Witwe Albrechts I., liess unmittelbar nach dem Mord am Tatort eine Gedenkkapelle errichten. Neben der Kapelle entstand ein kleines Haus für zwei Franziskaner, die für das Seelenheil des Verstorbenen beten sollten.[3]

Im Jahr 1309 beziehungsweise 1310 beschlossen Elisabeth und ihre Kinder, die Gedächtnisstätte zu einem Doppelkloster auszubauen. Vorgesehen waren ein Frauenkonvent der Klarissen und ein Männerkonvent der Franziskaner. Beide Gemeinschaften sollten die Erinnerung an Albrecht und weitere verstorbene Angehörige des Hauses Habsburg pflegen.

Die Habsburger statteten das Kloster mit umfangreichen Besitzungen, Einkünften und Rechten aus. Die Gebete und Gottesdienste der Ordensgemeinschaften sollten nach mittelalterlicher Vorstellung dazu beitragen, die Zeit der Verstorbenen im Fegefeuer zu verkürzen.

Im Herbst 1310 begannen die Bauarbeiten an der Kirche und den Klostergebäuden. Bereits 1312 zogen die ersten sechs Klarissen ein. Sechs Franziskaner übernahmen Gottesdienste, Beichte und Seelsorge für den wachsenden Frauenkonvent.

Elisabeth starb 1313 in Wien und erlebte die Vollendung der Anlage nicht mehr. Ihre Gebeine wurden 1316 von ihrer Tochter Agnes nach Königsfelden überführt und in der neu eingerichteten Familiengruft beigesetzt.

Doppelkloster

Königsfelden war als Doppelkloster organisiert. Die Klosterkirche bildete das Zentrum der Anlage. Südlich der Kirche lagen die Gebäude des Klarissenklosters, nördlich jene des Franziskanerkonvents.

Die beiden Gemeinschaften waren räumlich und organisatorisch getrennt. Die Klarissen lebten innerhalb einer strengen Klausur. Sie verliessen den abgeschlossenen Klosterbereich nur in besonderen Ausnahmefällen.

Die Franziskaner waren für die geistliche Betreuung des Frauenkonvents zuständig. Sie feierten die Messe, nahmen die Beichte ab, predigten und verwalteten bestimmte kirchliche Aufgaben. Daneben verfügten sie über einen eigenen Konvent und eigene Wirtschaftsbereiche.

Die Klarissen bildeten die grössere und wirtschaftlich bedeutendere Gemeinschaft. Der Franziskanerkonvent war vergleichsweise klein und eng mit den Bedürfnissen des Frauenklosters verbunden.

Die Doppelklosterstruktur spiegelte die mittelalterliche kirchliche Ordnung wider. Frauen konnten ein weitgehend selbstständiges religiöses Gemeinschaftsleben führen, waren für die Sakramente und die offizielle Seelsorge jedoch auf geweihte Priester angewiesen.

Klarissen

Die Klarissen sind der weibliche Zweig der franziskanischen Ordensfamilie. Der Orden geht auf Klara von Assisi zurück, die im frühen 13. Jahrhundert gemeinsam mit Franz von Assisi eine religiöse Frauengemeinschaft gründete.

Das ursprüngliche Ideal der Klarissen war von Armut, Gebet, Zurückgezogenheit und gemeinschaftlichem Leben geprägt. Die Nonnen verpflichteten sich zu Gehorsam, Armut und eheloser Keuschheit.

In Königsfelden traten vorwiegend Frauen aus adligen und wohlhabenden Familien ein. Der Konvent verfügte aufgrund habsburgischer Stiftungen und weiterer Schenkungen über umfangreiche Güter und Einkünfte. Das tatsächliche Wirtschaftsleben unterschied sich deshalb deutlich vom ursprünglichen franziskanischen Armutsideal.

Die Klarissen nahmen eine zentrale Rolle im habsburgischen Totengedenken ein. Sie beteten regelmässig für König Albrecht, die Stifterfamilie und weitere Personen, die dem Kloster Stiftungen hinterlassen hatten.

Das tägliche Leben wurde durch das Stundengebet, Gottesdienste, geistliche Lesung und praktische Arbeiten bestimmt. Die Nonnen beschäftigten sich unter anderem mit Textilarbeiten, der Pflege liturgischer Gegenstände und der Verwaltung klösterlicher Besitzungen.

Franziskaner

Der nördlich der Kirche gelegene Männerkonvent gehörte zum Franziskanerorden. Die Mönche lebten nach den Grundsätzen des heiligen Franziskus von Assisi und waren als Angehörige eines Bettelordens vor allem in Predigt und Seelsorge tätig.

Ihre wichtigste Aufgabe in Königsfelden war die geistliche Betreuung der Klarissen. Da Frauen im mittelalterlichen Kirchenrecht keine Priesterweihe empfangen konnten, waren sie für Eucharistie, Beichte und andere Sakramente auf die Franziskaner angewiesen.

Der Männerkonvent blieb kleiner als der Frauenkonvent. Er umfasste gewöhnlich nur so viele Geistliche, wie für Gottesdienst, Verwaltung und Seelsorge benötigt wurden.

Nach der Aufhebung des Klosters wurden die meisten Gebäude des Franziskanerkonvents verändert oder abgebrochen. Erhalten blieb insbesondere das sogenannte Archivgewölbe, dessen ursprüngliche Funktion nicht abschliessend geklärt ist.

Königin Agnes von Ungarn

Die wichtigste Persönlichkeit in der Geschichte des Klosters nach seiner Gründung war Agnes von Ungarn. Sie war eine Tochter Albrechts I. und Elisabeths von Görz und Tirol.

Agnes hatte 1296 den ungarischen König Andreas III. geheiratet. Nach dessen Tod im Jahr 1301 blieb sie kinderlos und kehrte in den Einflussbereich ihrer habsburgischen Familie zurück.

1317 liess sie sich in Königsfelden nieder. Sie trat jedoch nicht in den Klarissenorden ein und legte keine Ordensgelübde ab. Stattdessen bewohnte sie ein eigenes Haus südlich der Kirche und führte einen fürstlichen Haushalt.

Agnes bestimmte während ungefähr fünfzig Jahren wesentlich die Entwicklung des Klosters. Sie verwaltete Güter, vermittelte in politischen Streitigkeiten und pflegte weitreichende Beziehungen zu europäischen Fürstenhäusern.

Durch ihre Herkunft, ihren Reichtum und ihre Stellung als ehemalige Königin besass sie erheblichen Einfluss. Sie trat als Wohltäterin und Schutzherrin des Klosters auf und sorgte für die Erweiterung der Besitzungen und Einkünfte.

Agnes förderte insbesondere die künstlerische Ausstattung der Kirche. Unter ihrer Leitung wurde der Chor mit einem umfangreichen Glasfensterzyklus versehen.

Sie starb 1364 in Königsfelden und wurde in der habsburgischen Gruft der Klosterkirche beigesetzt.

Politische Tätigkeit der Agnes

Agnes von Ungarn führte in Königsfelden kein gewöhnliches klösterliches Leben. Ihr Wohnsitz entwickelte sich zu einem politischen und diplomatischen Zentrum.

Sie vermittelte mehrfach bei Konflikten zwischen habsburgischen Angehörigen, Städten, Adelsfamilien und eidgenössischen Orten. Wegen ihrer familiären Verbindungen und ihrer Erfahrung als Königin wurde sie als Schlichterin anerkannt.

Besondere Bedeutung hatte ihre Beteiligung an den Verhandlungen nach der Schlacht am Morgarten von 1315. Auch bei späteren Auseinandersetzungen zwischen den Habsburgern und den eidgenössischen Orten trat sie vermittelnd auf.

Ihr Hof in Königsfelden wurde von Adligen, Geistlichen, Gesandten und Bittstellern besucht. Das Kloster war dadurch nicht nur ein religiöser, sondern zeitweise auch ein bedeutender politischer Ort.

Agnes unterstützte das Kloster durch Geld, Ländereien, Rechte und Kunststiftungen. Gleichzeitig stärkte sie Königsfelden als dynastischen Erinnerungsort des Hauses Habsburg.

Klosterkirche

Die Klosterkirche wurde als turmlose, dreischiffige Basilika im Stil der gotischen Bettelordensarchitektur errichtet. Ihre Gestaltung entspricht dem franziskanischen Ideal einer vergleichsweise schlichten und auf die Predigt ausgerichteten Kirche.

Das Mittelschiff ist höher als die Seitenschiffe und wird durch eigene Fenster beleuchtet. Im Osten schliesst sich ein lang gestreckter Chor an.

Das Kirchenschiff war bereits wenige Jahre nach Baubeginn weitgehend fertiggestellt. Der Dachstuhl des Mittelschiffs konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1314 datiert werden. Die Weihe des Chors erfolgte 1330.[4]

Zwischen Langhaus und Chor befand sich ein Lettner. Diese Schranke trennte den Bereich der Geistlichen und Ordensangehörigen vom übrigen Kirchenraum. Der ursprüngliche Lettner wurde später entfernt und 1983 rekonstruiert.

In der Südwand bestand eine Verbindung zum Klarissenkloster. Durch eine Tür erreichten die Nonnen ihre Empore, von der aus sie an den Gottesdiensten teilnehmen konnten, ohne die Klausur zu verlassen.

Die Kirche besass mehrere Altäre. Im Chor befanden sich der Hochaltar und weitere Seitenaltäre. Der Schlussstein des Chorgewölbes zeigt Christus und trägt eine Inschrift, die an König Albrecht erinnert.

Habsburgische Grablege

Im östlichen Teil des Mittelschiffs wurde 1316 eine Gruft für Angehörige des Hauses Habsburg eingerichtet. Über ihr befindet sich ein Kenotaph aus schwarzem und weissem Marmor.

Ein Kenotaph ist ein Scheingrab oder Erinnerungsgrab. Das Grabmal in Königsfelden kennzeichnete die habsburgische Grablege, ohne selbst sämtliche sterblichen Überreste aufzunehmen.

König Albrecht I. wurde nicht in Königsfelden, sondern im Speyerer Dom bestattet. In der Königsfelder Gruft ruhten jedoch seine Witwe Elisabeth und weitere Angehörige der Dynastie.

Zu den in Königsfelden bestatteten Habsburgern gehörten unter anderem:

  • Elisabeth von Görz und Tirol
  • Agnes von Ungarn
  • Leopold I. von Österreich
  • Katharina von Savoyen
  • Heinrich der Sanftmütige
  • Gutta von Oettingen
  • Elisabeth von Virneburg
  • Leopold III. von Habsburg

Insgesamt wurden nach Elisabeth weitere zehn Angehörige der Familie in der Kirche bestattet.[5]

Die Grablege machte Königsfelden zeitweise zu einem der wichtigsten dynastischen Erinnerungsorte der Habsburger. Später verlagerten sich die politischen Zentren und Begräbnisstätten der Familie zunehmend nach Österreich.

Klosteranlage

Die Kirche wurde ursprünglich auf beiden Seiten von Klostergebäuden eingefasst. Das Klarissenkloster befand sich südlich, das Franziskanerkloster nördlich des Gotteshauses.

Zum Frauenkloster gehörten unter anderem:

  • Kreuzgang
  • Kapitelsaal
  • Refektorium
  • Schlaf- und Wohnräume
  • Küche
  • Krankenräume
  • Wirtschaftsgebäude
  • Gärten
  • Friedhof

Das Männerkloster besass eigene Wohn-, Arbeits- und Gemeinschaftsräume. Von diesem Teil der Anlage ist heute hauptsächlich das Archivgewölbe erhalten.

Der Kreuzgang des Frauenklosters verband die wichtigsten Räume miteinander. Teile dieses Bereichs bestehen weiterhin, wurden jedoch nach der Reformation und während der Nutzung als Pflegeanstalt erheblich umgebaut.

Westlich der Kirche entstand unter bernischer Herrschaft die Hofmeisterei. Das Gebäude erhielt um 1600 einen markanten Treppenturm und ein Renaissanceportal.

Zum Klosterareal gehörten ferner Scheunen, Stallungen, Werkstätten, Gärten und ein Wirtschaftshof. Die heute vorhandenen Gebäude vermitteln nur noch einen ungefähren Eindruck von der ursprünglichen Ausdehnung der Anlage.[6]

Mittelalterliche Glasfenster

Die Glasfenster der Klosterkirche sind das bedeutendste erhaltene Kunstwerk von Königsfelden. Sie entstanden in mehreren Etappen zwischen etwa 1320 und 1360.

Die Fenster wurden von Angehörigen des Hauses Habsburg gestiftet. Zu den Stifterinnen und Stiftern gehörten Königin Elisabeth, Agnes von Ungarn und die Söhne Albrechts I.

Die Glasmalereien dienten nicht nur der Ausschmückung der Kirche. Sie vermittelten ein sorgfältig geplantes religiöses und dynastisches Bildprogramm.

In den unteren Teilen mehrerer Fenster waren Angehörige der Stifterfamilie dargestellt. Dadurch wurden die Habsburger dauerhaft in den Gebets- und Gottesdienstraum eingebunden.

Die Glasmaler stammten vermutlich überwiegend aus dem oberrheinischen Raum um Basel. Ihre Arbeiten zeigen einen hohen technischen und künstlerischen Entwicklungsstand.

Trotz späterer Beschädigungen ist im Chor ein fast geschlossenes mittelalterliches Bildprogramm erhalten geblieben. Kein Chorfenster ging vollständig verloren.[7]

Bildprogramm der Chorfenster

Das Bildprogramm der Chorfenster ist symmetrisch und paarweise gegliedert. Gegenüberliegende Fenster stehen in einem theologischen oder ordensgeschichtlichen Zusammenhang.

Auf der Nordseite befinden sich Darstellungen aus dem Leben der heiligen Anna und des heiligen Franziskus. Ihnen entsprechen auf der Südseite Fenster mit der heiligen Klara und dem heiligen Nikolaus.

Weitere Fenster zeigen die Apostel sowie bedeutende Gestalten des Christentums. Dazu gehören Maria, Johannes der Täufer, Paulus und Katharina.

Im Zentrum des Chorschlusses steht die Passion Christi. Das mittlere Fenster zeigt insbesondere die Kreuzigung.

Links davon werden Szenen aus der Kindheit Jesu bis zu seiner Taufe dargestellt. Auf der rechten Seite folgen Auferstehung und Pfingstwunder.

Das Bildprogramm verbindet die Heilsgeschichte Christi mit den Heiligen der franziskanischen Ordensfamilie und den Interessen der habsburgischen Stifter. Es wurde vermutlich von Theologen des Ordens gemeinsam mit Gelehrten aus dem Umfeld des habsburgischen Hofes entwickelt.

Fenster im Langhaus

Neben den Chorfenstern besass auch das Langhaus figürliche Glasmalereien. Sie zeigten hauptsächlich Angehörige der habsburgischen Familie.

Agnes von Ungarn liess diese Fenster vermutlich nach dem Tod ihres Bruders Albrecht II. im Jahr 1358 anfertigen. Ursprünglich bestanden Darstellungen von ungefähr vierzehn Familienmitgliedern.

Der grösste Teil dieser Fenster ging durch spätere Umbauten und die Nutzung der Kirche als Lagergebäude verloren. Nur wenige mittelalterliche Fragmente blieben erhalten.

Im nördlichen Seitenschiff befindet sich ein Ornamentfenster mit Teilen aus der Bauzeit des Kirchenschiffs. Darin ist auch ein Wappen Ungarn-Königsfelden eingesetzt, das möglicherweise ursprünglich aus dem Kreuzgang des Frauenklosters stammt.

Wandmalereien

Neben den Glasfenstern besass das Kloster bedeutende Wandmalereien. Besonders bekannt sind Darstellungen im sogenannten Archivgewölbe des ehemaligen Franziskanerkonvents.

Die Malereien erinnern an Herzog Leopold III. von Habsburg und die Ritter, die 1386 in der Schlacht bei Sempach fielen. Nach der Niederlage wurde das Totengedenken des Klosters auf die Gefallenen des habsburgischen Heeres ausgeweitet.

Im 17. Jahrhundert entstand auf Grundlage dieser Darstellungen eine bemalte Holztafel für die Klosterkirche. Sie zeigt Leopold III. im Zentrum, umgeben von 27 gefallenen Rittern.

Eine weitere Wappentafel erinnert an die bernischen Hofmeister, die Königsfelden nach dem Verlust der habsburgischen Herrschaft verwalteten.

Wirtschaftliche Ausstattung

Die Habsburger statteten das Kloster mit umfangreichen Gütern und Einkünften aus. Die wirtschaftliche Grundlage bestand aus Grundbesitz, Zehnten, Gerichtsrechten, Patronatsrechten und regelmässigen Geldzahlungen.

Die Besitzungen lagen vor allem im Gebiet des heutigen Kantons Aargau, reichten jedoch auch in benachbarte Regionen. Zum Klosterbesitz gehörten Höfe, Äcker, Wälder, Weinberge, Mühlen und Fischereirechte.

Zusätzliche Einkünfte erhielt der Konvent durch Mitgiften eintretender Nonnen, Schenkungen, Jahrzeitstiftungen und Vermächtnisse.

Die wirtschaftliche Verwaltung erforderte zahlreiche weltliche Bedienstete. Bauern, Pächter, Handwerker, Schreiber und Amtleute arbeiteten für das Kloster oder waren ihm abgabenpflichtig.

Die reiche Ausstattung stand in einem gewissen Gegensatz zum franziskanischen Armutsideal. Sie war jedoch notwendig, um den grossen Frauenkonvent, den Männerkonvent und das aufwendige dynastische Totengedenken dauerhaft zu finanzieren.

Religiöses Leben

Das religiöse Leben war vom Gebet für die verstorbenen Angehörigen der Habsburger geprägt. Regelmässige Messen, Jahrzeiten und Gebete bildeten einen wesentlichen Teil der klösterlichen Aufgaben.

Der Tagesablauf der Klarissen richtete sich nach den kirchlichen Gebetszeiten. Mehrmals täglich versammelten sie sich zum Chorgebet.

Die Nonnen lebten in Klausur. Kontakte zur Aussenwelt waren beschränkt und fanden in kontrollierten Bereichen statt. Familienangehörige und Besucher konnten die Nonnen nur unter Einhaltung der klösterlichen Regeln treffen.

Die Franziskaner feierten die Gottesdienste und übernahmen Predigt und Seelsorge. Sie waren zugleich Bindeglied zwischen der abgeschlossenen Frauengemeinschaft und der kirchlichen Aussenwelt.

Die Verbindung von Totengedenken, dynastischer Repräsentation und klösterlichem Alltag prägte Königsfelden stärker als viele andere Frauenklöster der Region.

Verhältnis zum Haus Habsburg

Königsfelden war eng mit dem frühen Aufstieg der Habsburger verbunden. Die Familie nutzte das Kloster, um ihre Abstammung, ihre Königswürde und ihren Anspruch auf politische Bedeutung sichtbar zu machen.

Die Stiftung erinnerte an den ermordeten König Albrecht I. und stellte seinen Tod in einen religiösen Zusammenhang. Durch Gebete und Kunstwerke wurde die Familie als Teil der christlichen Heilsgeschichte dargestellt.

Die Glasfenster zeigen nicht nur Heilige und biblische Szenen, sondern auch Angehörige der Dynastie als Stifter. Dadurch verband sich Frömmigkeit mit politischer Selbstdarstellung.

Mit der Verlagerung der habsburgischen Machtzentren nach Osten verlor Königsfelden allmählich seine zentrale dynastische Bedeutung. Die Erinnerung an die frühe Geschichte des Hauses blieb jedoch erhalten.

Schlacht bei Sempach

Am 9. Juli 1386 erlitt das habsburgische Heer in der Schlacht bei Sempach eine schwere Niederlage gegen die eidgenössischen Orte. Herzog Leopold III. und zahlreiche Ritter kamen ums Leben.

Leopold wurde als letzter Angehöriger der Habsburger in der Königsfelder Gruft bestattet. Sein Tod erweiterte die Funktion des Klosters als Erinnerungsort.

Die Namen und Wappen der gefallenen Ritter wurden in Königsfelden bewahrt. Gottesdienste und Jahrzeitfeiern erinnerten an die Toten.

Die Wandmalereien im Archivgewölbe und die spätere Holztafel in der Kirche gehören zu den wichtigsten bildlichen Zeugnissen der habsburgischen Erinnerung an die Schlacht.

Eroberung des Aargaus

Im Jahr 1415 eroberten die eidgenössischen Orte den Aargau. Anlass war die Reichsacht gegen Herzog Friedrich IV. von Österreich, der den Gegenpapst Johannes XXIII. unterstützt hatte.

Das Gebiet um Königsfelden gelangte unter die Herrschaft der Stadt Bern. Damit verlor das Haus Habsburg die direkte politische Kontrolle über das Kloster.

Der Konvent bestand jedoch weiter. Bern bestätigte wichtige Rechte und übernahm die landesherrliche Aufsicht.

Ein bernischer Hofmeister verwaltete das Eigenamt und einen Teil der klösterlichen Wirtschaft. Er wohnte in der Hofmeisterei westlich der Kirche.

Die habsburgischen Stiftungen nahmen nach 1415 deutlich ab. Dennoch pflegten die Nonnen und Franziskaner das traditionelle Totengedenken bis zur Reformation weiter.

Einige Berner Amtsträger liessen sich später in der Klosterkirche bestatten. Zahlreiche Grabplatten im Langhaus stammen aus der Zeit der bernischen Herrschaft.

Reformation und Aufhebung

Die Stadt Bern führte 1528 die Reformation ein. Klöster und kirchliche Stiftungen in den bernischen Gebieten wurden aufgehoben oder einer neuen Nutzung zugeführt.

Auch die Gemeinschaften von Königsfelden mussten das Kloster verlassen. Ein Teil der Nonnen war bereits in den Jahren vor der formellen Aufhebung ausgetreten.

Mit der Säkularisation endete die ursprüngliche religiöse Funktion der Anlage. Die regelmässigen Gebete für die verstorbenen Habsburger wurden eingestellt.

Die Klostergüter gingen in den Besitz der bernischen Obrigkeit über. Königsfelden wurde zum Verwaltungssitz einer bernischen Hofmeisterei.[8]

Die Kirche wurde nicht als reformiertes Gotteshaus weiterverwendet. Sie diente zunehmend als Lagerraum und später als Kornhaus.

Bernische Hofmeisterei

Nach 1528 verwaltete ein bernischer Hofmeister die ehemaligen Klostergüter und die zur Hofmeisterei gehörenden Rechte.

Die Hofmeisterei war Bestandteil der bernischen Verwaltung des Unteraargaus. Sie übernahm wirtschaftliche, gerichtliche und fürsorgerische Aufgaben.

Westlich des ehemaligen Frauenklosters wurde der Verwaltungssitz ausgebaut. Um 1600 entstanden ein Treppenturm, ein Renaissanceportal und weitere repräsentative Bauteile.

Scheunen, Stallungen und Verwaltungsgebäude gruppierten sich um einen Wirtschaftshof. Ein achteckiger Brunnen aus dieser Zeit ist erhalten.

Die Klosterkirche wurde als Speicher genutzt. 1777 liess Bern Zwischenböden einbauen und verwandelte das Langhaus in ein Kornhaus.

Im Chor wurde zeitweise ein Spital eingerichtet. Teile des ehemaligen Frauenklosters dienten als Armenasyl und als Unterbringungsort für psychisch kranke Menschen.

Überführung der habsburgischen Gebeine

Die sterblichen Überreste der in Königsfelden bestatteten Habsburger verblieben nach der Reformation zunächst in der Gruft.

Im Jahr 1770 liess das Haus Habsburg die Gebeine aus Königsfelden entfernen. Sie wurden in das Kloster St. Blasien im Schwarzwald überführt.

Nach der Aufhebung des Klosters St. Blasien gelangten die Gebeine zu Beginn des 19. Jahrhunderts in das Stift Sankt Paul im Lavanttal in Kärnten.

Die Gruft unter dem Königsfelder Kenotaph enthält heute keine habsburgischen Bestattungen mehr. Das Grabmal erinnert jedoch weiterhin an die ursprüngliche Funktion der Kirche als dynastische Grablege.

Helvetische Republik und Kanton Aargau

Mit dem Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft endete 1798 die bernische Herrschaft über den Unteraargau. Während der Helvetischen Republik wurden die bisherigen Verwaltungsstrukturen neu geordnet.

Im Jahr 1803 entstand durch die Mediationsakte der heutige Kanton Aargau. Das ehemalige Kloster Königsfelden ging in das Eigentum des neuen Kantons über.

Der Kanton nutzte die Gebäude weiterhin für soziale und medizinische Zwecke. Aus den älteren Einrichtungen entwickelte sich eine kantonale Heil- und Pflegeanstalt.

Die Umnutzung sicherte das Bestehen einzelner Gebäude, führte jedoch zugleich zu erheblichen Eingriffen in die historische Bausubstanz.

Psychiatrische Klinik

Im 19. Jahrhundert wurde Königsfelden zu einem bedeutenden Standort der psychiatrischen Versorgung im Kanton Aargau.

Die bestehenden Klostergebäude dienten zunächst als Heil- und Pflegeanstalt. Ihre räumlichen und hygienischen Bedingungen entsprachen jedoch zunehmend nicht mehr den medizinischen Vorstellungen der Zeit.

In den 1860er-Jahren beschloss der Kanton den Bau eines neuen Klinikgebäudes ausserhalb der ehemaligen Klostermauern. Die neue Anstalt wurde 1872 eröffnet.

Für die Erweiterung der Klinik wurden grosse Teile des ehemaligen Franziskanerklosters abgebrochen. Lediglich das Archivgewölbe blieb erhalten.

Aus der kantonalen Heil- und Pflegeanstalt entwickelten sich die heutigen Psychiatrischen Dienste Aargau. Das historische Klosterareal ist deshalb bis heute von medizinischer Nutzung und Kulturdenkmalpflege geprägt.

Wiederentdeckung als Kunstdenkmal

Während des 19. Jahrhunderts wuchs das Interesse an mittelalterlicher Architektur und Kunst. Fachleute erkannten die aussergewöhnliche Bedeutung der Königsfelder Glasfenster.

Ab den 1830er-Jahren wurden erste Reparaturen an den beschädigten Scheiben vorgenommen. Die Kirche war zu diesem Zeitpunkt noch durch Einbauten und ihre Nutzung als Lagerraum stark verändert.

Ab 1891 liess der Kanton die Zwischenböden und weitere Einbauten aus dem Kirchenschiff entfernen.

Zwischen 1896 und 1900 restaurierte der Zürcher Glasmaler Richard Arthur Nüscheler die Chorfenster. Sein Ziel war es, beschädigte Bereiche zu ergänzen und den ursprünglichen Gesamteindruck wiederherzustellen.

Die damaligen Restaurierungsmethoden entsprachen den Vorstellungen des späten 19. Jahrhunderts. Fehlende Partien wurden teilweise umfangreich rekonstruiert.

Schutz während des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die wertvollen Glasfenster aus Sicherheitsgründen ausgebaut.

Zunächst lagerte man die Scheiben in einem Luftschutzkeller der psychiatrischen Klinik. Als sich die Kriegslage 1944 verschärfte, wurden sie in einen geschützten Felsenkeller beim Schloss Lenzburg gebracht.

Nach Kriegsende kehrten die Fenster nach Königsfelden zurück. Beim Wiedereinbau im Jahr 1947 erhielten sie eine Schutzverglasung.

Die Massnahmen sollten die Glasmalereien vor möglichen Bombenschäden, Druckwellen und anderen Kriegseinwirkungen schützen.

Restaurierungen

Die Klosterkirche und ihre Kunstwerke wurden im 20. und 21. Jahrhundert mehrfach restauriert.

1983 rekonstruierte man den mittelalterlichen Lettner zwischen Langhaus und Chor.

Zwischen 1987 und 2002 wurden die Chorfenster umfassend konserviert. Die Arbeiten führten die Restauratoren Fritz Dold und Urs Wohlgemuth aus.

Die Scheiben hatten unter Feuchtigkeit, früheren Reparaturen und Abgasen des Strassenverkehrs gelitten. Eine neue Schutzverglasung verbesserte die klimatischen Bedingungen und verringerte äussere Belastungen.

2019 wurde die Westfassade der Klosterkirche restauriert. Weitere Restaurierungsarbeiten fanden von 2023 bis 2025 statt.[9]

Die Denkmalpflege versucht, mittelalterliche Originalsubstanz, spätere historische Veränderungen und Ergänzungen früherer Restaurierungen sorgfältig aufeinander abzustimmen.

Erhaltene Gebäude

Von der mittelalterlichen Doppelklosteranlage sind mehrere Teile erhalten, während andere vollständig verschwunden sind.

Der bedeutendste erhaltene Bau ist die Klosterkirche mit Chor, Langhaus und Seitenschiffen.

Südlich der Kirche bestehen Teile des ehemaligen Klarissenklosters. Dazu gehören Abschnitte des Kreuzgangs und verschiedene später umgebaute Gebäudeteile.

Vom Franziskanerkonvent ist hauptsächlich das Archivgewölbe erhalten. Die Grundrisse weiterer Bauten sind auf dem Gelände teilweise durch Steinplatten sichtbar gemacht.

Aus bernischer Zeit stammen beziehungsweise wurden damals stark verändert:

  • Hofmeisterei
  • Treppenturm
  • Renaissanceportal
  • Wirtschaftsgebäude
  • achteckiger Brunnen

Die verschiedenen Bauphasen machen das Areal zu einem Zeugnis von mehr als sieben Jahrhunderten religiöser, staatlicher, sozialer und medizinischer Nutzung.

Mobile Holzkanzel

In der Klosterkirche befindet sich eine seltene mobile Holzkanzel. Sie stammt aus der Gründungszeit des Klosters und wurde ungefähr zwischen 1314 und 1330 hergestellt.

Mobile Kanzeln konnten je nach Anlass an verschiedenen Stellen der Kirche aufgestellt werden. Nur wenige Exemplare aus dem Mittelalter sind erhalten geblieben.

Die Königsfelder Kanzel wurde 2011 eingehend untersucht. Sie gehört neben den Glasfenstern, Grabplatten und Wandmalereien zu den wichtigsten Ausstattungsstücken der Kirche.

Grabplatten

Im Langhaus befinden sich zahlreiche steinerne Grabplatten. Ein kleiner Teil stammt aus der mittelalterlichen Klosterzeit, der grössere Teil aus der bernischen Epoche.

Nach der Eroberung des Aargaus liessen sich auch bernische Hofmeister und andere Amtsträger in der Kirche bestatten.

Die Grabplatten tragen Wappen, Inschriften und teilweise bildliche Darstellungen. Sie dokumentieren den Wandel der Kirche von einer habsburgischen Memorialstätte zu einem Erinnerungsort bernischer Verwaltungsträger.

Museum Aargau

Die Klosterkirche Königsfelden gehört heute zum Museum Aargau. Das Museum betreut mehrere historische Originalschauplätze im Kanton, darunter Schlösser, Burgen, Klöster und römische Anlagen.

In Königsfelden vermitteln Ausstellungen und Führungen die Geschichte des Königsmords, der Klostergründung, der Habsburger, der Ordensgemeinschaften und der Glasfenster.

Die Kirche und Teile der Aussenanlage können während der saisonalen Öffnungszeiten besichtigt werden. Digitale Angebote ergänzen die Präsentation vor Ort.

Das Kloster wird auch für Konzerte, Theater, Tanz und weitere kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die mittelalterliche Architektur und das farbige Licht der Glasfenster bilden dabei einen besonderen Aufführungsraum.

Tanz und Kunst Königsfelden

Unter der Bezeichnung Tanz und Kunst Königsfelden finden in und um die Klosterkirche regelmässig zeitgenössische Kunst- und Tanzproduktionen statt.

Die Projekte verbinden historische Architektur mit moderner Choreografie, Musik und bildender Kunst. Internationale und schweizerische Künstlerinnen und Künstler entwickeln Produktionen speziell für den Ort.

Die Veranstaltungen tragen dazu bei, Königsfelden nicht nur als historisches Denkmal, sondern auch als gegenwärtigen Kulturraum wahrzunehmen.

Bedeutung für die Kunstgeschichte

Königsfelden besitzt wegen seiner Architektur und vor allem wegen seiner Glasmalereien internationale kunsthistorische Bedeutung.

Der Chorfensterzyklus gehört zu den vollständigsten mittelalterlichen Glasmalereiprogrammen Europas. Er erlaubt die Untersuchung von Bildtheologie, höfischer Repräsentation, Stifterdarstellung und spätmittelalterlicher Handwerkskunst.

Die Fenster zeigen den kulturellen Austausch zwischen dem oberrheinischen Raum, der habsburgischen Hofkunst und der franziskanischen Ordenswelt.

Auch die Architektur ist bedeutend. Die Kirche verbindet die Schlichtheit einer Bettelordenskirche mit der repräsentativen Funktion einer königlichen Memorial- und Grablege.

Die erhaltenen Ausstattungsstücke und späteren Veränderungen ermöglichen zudem Einblicke in die Denkmalpflege des 19. und 20. Jahrhunderts.

Bedeutung für die Geschichte der Habsburger

Das Kloster ist ein zentraler Erinnerungsort der frühen habsburgischen Geschichte in der heutigen Schweiz.

Die Stiftung entstand in einer Phase, in der sich die Familie von einer regionalen Grafendynastie zu einem europäischen Herrscherhaus entwickelte. Albrecht I. war der zweite Habsburger auf dem römisch-deutschen Königsthron.

Seine Ermordung bedeutete zunächst einen politischen Rückschlag. Königsfelden verwandelte das gewaltsame Ereignis jedoch in eine dauerhafte religiöse und dynastische Erinnerung.

Agnes von Ungarn machte das Kloster zu einem Zentrum habsburgischer Politik und Repräsentation. Die Glasfenster zeigen den Anspruch der Familie, ihre weltliche Macht mit christlicher Frömmigkeit zu verbinden.

Gemeinsam mit der Habsburg und dem Kloster Muri gehört Königsfelden zu den wichtigsten habsburgischen Erinnerungsorten im Kanton Aargau.

Bedeutung für Windisch

Königsfelden prägt die Geschichte und das Erscheinungsbild der Gemeinde Windisch.

Das Kloster entstand auf dem Gebiet des römischen Vindonissa und verbindet dadurch mittelalterliche Geschichte mit einem der bedeutendsten römischen Fundorte der Schweiz.

Die spätere Nutzung als Pflegeanstalt und psychiatrische Klinik machte das Areal zu einem wichtigen sozialen und medizinischen Zentrum des Kantons.

Heute liegen Klosterkirche, Klinikgebäude, archäologische Stätten und moderne Siedlungsbereiche unmittelbar nebeneinander. Diese Verbindung verschiedener Epochen ist charakteristisch für Windisch.

Einordnung als Doppelkloster

Doppelklöster bestanden aus räumlich verbundenen, aber getrennt organisierten Männer- und Frauengemeinschaften.

Königsfelden war kein Doppelkloster im Sinn einer vollständig gemeinsamen klösterlichen Leitung. Klarissen und Franziskaner besassen getrennte Wohnbereiche und unterschiedliche Aufgaben.

Die Franziskaner waren vor allem für die geistliche Betreuung zuständig, während der grössere Klarissenkonvent das Zentrum des klösterlichen Lebens bildete.

Die Kirche verband beide Gemeinschaften. Gleichzeitig sorgten bauliche Trennungen dafür, dass die Klausur der Nonnen eingehalten wurde.

Diese Organisationsform war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, wurde jedoch im Verlauf der Kirchengeschichte zunehmend eingeschränkt.

Historische Überlieferung

Die Geschichte des Klosters ist durch zahlreiche Urkunden, Rechnungen, Besitzverzeichnisse und liturgische Quellen dokumentiert.

Wichtige Bestände befinden sich im Staatsarchiv Aargau. Sie geben Auskunft über Stiftungen, Besitzungen, Verwaltung, Klosteralltag und politische Beziehungen.

Auch die Bauwerke und Kunstwerke selbst sind wichtige Quellen. Glasfenster, Grabplatten, Wandmalereien und archäologische Befunde ergänzen die schriftliche Überlieferung.

Die Königsfelder Chronik schildert die Geschichte des Hauses Habsburg und des Klosters. Wie andere mittelalterliche Chroniken verbindet sie historische Ereignisse mit dynastischer Erinnerung und religiöser Deutung.

Literarische Rezeption

Der Königsmord und die Geschichte des Klosters wurden mehrfach literarisch verarbeitet.

Der Schweizer Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer beschäftigte sich im 19. Jahrhundert mit der Aufhebung des Klosters. Sein unvollendetes Werk Die sanfte Klosteraufhebung greift den Übergang von der katholischen Klostergemeinschaft zur bernischen Reformation auf.

Auch Agnes von Ungarn, Johann Parricida und die Gründungsgeschichte wurden in historischen Romanen, Theaterstücken und populärwissenschaftlichen Darstellungen behandelt.

Die Verbindung von Königsmord, Frauenkloster, europäischer Dynastie und späterer psychiatrischer Klinik bietet einen ungewöhnlich vielschichtigen historischen Stoff.

Heutige Bedeutung

Königsfelden ist heute zugleich Kunstdenkmal, Museum, Erinnerungsort und Veranstaltungsraum.

Die Klosterkirche erinnert an die Ursprünge des Hauses Habsburg im Aargau, an mittelalterliche Frauen- und Männerorden sowie an die religiöse Bedeutung des Totengedenkens.

Die Glasfenster ziehen Besucherinnen und Besucher aus der Schweiz und dem Ausland an. Sie gehören zu den wichtigsten erhaltenen mittelalterlichen Kunstwerken des Kantons Aargau.

Die spätere Nutzung als Verwaltungssitz, Armenasyl und psychiatrische Klinik zeigt, wie historische Gebäude über Jahrhunderte neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen angepasst wurden.

Königsfelden verbindet damit auf engem Raum römische Geschichte, mittelalterliche Dynastiepolitik, Ordensgeschichte, bernische Herrschaft, moderne Medizin und zeitgenössische Kultur.

Siehe auch

Literatur

  • Georg Boner: Das Klarissenkloster Königsfelden. In: Helvetia Sacra, Abteilung V, Band 1. Bern 1978.
  • Brigitte Kurmann-Schwarz: Die mittelalterlichen Glasmalereien der ehemaligen Klosterkirche Königsfelden. Stämpfli, Bern 2008, ISBN 978-3-7272-1118-8.
  • Brigitte Kurmann-Schwarz, Jeannette Rauschert: Das Kloster Königsfelden. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2011, ISBN 978-3-03797-017-1.
  • Simon Teuscher, Claudia Moddelmog: Königsfelden. Königsmord, Kloster, Klinik. Hier und Jetzt, Baden 2012, ISBN 978-3-03919-259-5.
  • Marcel Beck: Königsfelden. Geschichte, Bauten, Glasgemälde, Kunstschätze. Walter, Olten 1970.
  • Theodor von Liebenau: Geschichte des Klosters Königsfelden. Luzern 1868.

Einzelnachweise

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Kloster Königsfelden