Credit Suisse

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Credit Suisse
Frühere Bezeichnung Schweizerische Kreditanstalt (SKA)
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 5. Juli 1856
Auflösung 2023–2024
Auflösungsgrund Übernahme und Fusion mit der UBS
Gründer Alfred Escher und weitere Unternehmer und Politiker
Sitz Zürich
Branche Bank- und Finanzdienstleistungen
Letzter Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann
Letzter Konzernchef Ulrich Körner
Website credit-suisse.com

Die Credit Suisse (Abkürzung CS), bis 1997 Schweizerische Kreditanstalt (SKA), war eine international tätige Schweizer Grossbank mit Hauptsitz in Zürich. Sie gehörte neben der UBS während Jahrzehnten zu den beiden weltweit tätigen Grossbanken der Schweiz und war insbesondere in der Vermögensverwaltung, im schweizerischen Privat- und Firmenkundengeschäft, im Investmentbanking und in der Verwaltung institutioneller Vermögen aktiv.

Die Bank wurde 1856 unter der Leitung des Politikers und Unternehmers Alfred Escher gegründet. Ihr ursprünglicher Zweck bestand vor allem darin, Kapital für den Ausbau des schweizerischen Eisenbahnnetzes und für die Industrialisierung bereitzustellen. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts entwickelte sie sich von einer schweizerischen Handels- und Industriebank zu einem globalen Finanzkonzern.

Nach einer Reihe von Verlusten, Rechtsfällen, Führungswechseln und schweren Mängeln im Risikomanagement geriet die Credit Suisse ab 2022 in eine zunehmende Vertrauens- und Liquiditätskrise. Am 19. März 2023 wurde ihre Übernahme durch die UBS bekannt gegeben. Die Transaktion wurde mit staatlichen Notmassnahmen und umfangreicher Liquiditätshilfe ermöglicht.

Die Credit Suisse Group AG ging am 12. Juni 2023 durch Fusion in der UBS Group AG auf. Die operative Credit Suisse AG wurde am 31. Mai 2024 mit der UBS AG fusioniert. Am 1. Juli 2024 folgte die Fusion der Credit Suisse (Schweiz) AG mit der UBS Switzerland AG. Damit verschwanden die wichtigsten Gesellschaften der Credit Suisse als eigenständige Rechtsträger.[1][2][3]

Der Name Credit Suisse, ihre technischen Systeme und einzelne Tochtergesellschaften wurden während einer Übergangszeit weiterverwendet. Im März 2026 meldete die UBS den Abschluss der weltweiten Migration aller früheren Credit-Suisse-Kundinnen und -Kunden auf ihre eigene Infrastruktur.[4]

Geschichte

Gründung und Industrialisierung

Die Schweizerische Kreditanstalt wurde am 5. Juli 1856 in Zürich gegründet. Neben Alfred Escher beteiligten sich weitere Politiker, Zürcher Textilindustrielle, Geschäftsleute und die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt an der Gründung.[5]

Die junge Schweiz verfügte damals nur über einen schwach entwickelten Kapitalmarkt. Für den Bau grosser Eisenbahnstrecken, Fabriken und Energieanlagen waren jedoch beträchtliche Geldmittel notwendig. Escher wollte mit der Kreditanstalt eine einheimische Institution schaffen, die Schweizer Unternehmen finanzierte und die Abhängigkeit von ausländischen Banken verringerte.

Die SKA beteiligte sich an der Finanzierung mehrerer Bahnprojekte. Dazu gehörten die Schweizerische Nordostbahn und die Gotthardbahn. Neben dem Verkehrswesen unterstützte sie Unternehmen aus der Maschinen-, Textil-, Elektro- und Versicherungswirtschaft. Die Bank nahm damit eine wichtige Stellung bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Schweiz im späten 19. Jahrhundert ein.[6]

Hauptsitz am Paradeplatz

Zwischen 1873 und 1876 entstand am Zürcher Paradeplatz ein repräsentativer Hauptsitz nach Plänen des Architekten Jakob Friedrich Wanner. Das Gebäude wurde 1876 bezogen und prägte die spätere Entwicklung des Paradeplatzes zu einem Symbol des Schweizer Bankenwesens.

Während der ersten fünf Jahrzehnte führte die SKA ihr Geschäft weitgehend von Zürich aus. Erst 1905 begann sie mit dem Aufbau eines umfassenderen schweizerischen Filialnetzes. Mit Depositenkassen und Niederlassungen wandte sie sich zunehmend auch an kleinere Unternehmen, Gewerbetreibende und Privatkundinnen und -kunden.[5]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die SKA neben dem Schweizerischen Bankverein und der Schweizerischen Bankgesellschaft zu einer der drei führenden Grossbanken der Schweiz. Ihr Schwerpunkt blieb zunächst das Geschäft mit Industrieunternehmen, Handelsgesellschaften und vermögenden Privatpersonen.

Internationalisierung

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Bilanzsumme der Bank stark zu. Die wachsende internationale Verflechtung der Finanzmärkte führte zu einer Ausweitung der Geschäfte in Europa, Nordamerika und Asien.

1939 hatte die Bank in New York die Swiss American Corporation gegründet. 1951 stellte sie als erste Schweizer Grossbank eine direkte Fernschreibverbindung nach New York her. 1964 erhielt sie in den Vereinigten Staaten die Bewilligung für den Betrieb einer Vollbank.

Die SKA galt zeitweise als vergleichsweise vorsichtig geführtes Institut. Während andere Grossbanken ihre internationalen Niederlassungen und das Privatkundengeschäft schneller ausbauten, konzentrierte sie sich lange auf traditionelle Handels-, Industrie- und Kreditgeschäfte.

Chiasso-Affäre

Eine Zäsur war die sogenannte Chiasso-Affäre von 1977. Mitarbeitende einer Filiale im Kanton Tessin hatten über Jahre italienische Kundengelder in nicht genehmigte Gesellschaften in Liechtenstein weitergeleitet. Ein Teil des Geldes ging bei spekulativen Geschäften verloren.

Der Fall verursachte einen erheblichen finanziellen Verlust und beschädigte den Ruf der Bank. Mehrere Führungspersonen traten zurück. Die Affäre führte zu strengeren internen Kontrollen, einer Neuordnung der Geschäftsleitung und einer Abkehr von der zuvor zurückhaltenden Unternehmensstrategie.[5]

In den folgenden Jahren baute die SKA ihr schweizerisches Filialnetz, das Privatkundengeschäft und ihre internationale Präsenz stärker aus.

Credit Suisse First Boston

Ein wesentlicher Schritt zur globalen Investmentbank war die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Institut First Boston. Ende der 1970er-Jahre beteiligte sich die SKA am Unternehmen. 1988 wurden die Investmentbankaktivitäten in der Credit Suisse First Boston Group zusammengeführt.

Nach finanziellen Schwierigkeiten von First Boston erhöhte die Schweizer Bank ihre Beteiligung und übernahm die Kontrolle. Damit wurde sie als erstes nichtamerikanisches Finanzinstitut Mehrheitsaktionärin einer bedeutenden Investmentbank in den Vereinigten Staaten.

Credit Suisse First Boston, häufig als CSFB bezeichnet, war in der Beratung bei Unternehmensübernahmen, im Wertpapierhandel, bei Börsengängen, im Anleihengeschäft und im Handel mit komplexen Finanzinstrumenten tätig. Das Investmentbanking entwickelte sich zu einem wichtigen, aber zugleich schwankungs- und risikoreichen Bestandteil des Konzerns.

Aufbau der Credit Suisse Group

1982 wurde die Credit Suisse Holding gegründet. Diese entwickelte sich später zur Dachgesellschaft verschiedener Bank-, Versicherungs- und Finanzunternehmen.

In den 1990er-Jahren übernahm der Konzern mehrere traditionsreiche schweizerische Institute:

  • 1990 die Bank Leu;
  • 1993 die Schweizerische Volksbank;
  • 1993 die Neue Aargauer Bank;
  • 1997 die Winterthur-Versicherungen.

Die übernommenen Banken behielten teilweise über längere Zeit eigene Namen und Marktauftritte. Bank Leu, Clariden Bank, Bank Hofmann und BGP Banca di Gestione Patrimoniale wurden später in der Privatbank Clariden Leu zusammengeführt.

Mit der Übernahme der Winterthur-Versicherungen verfolgte der Konzern eine Allfinanzstrategie, die Bank-, Anlage- und Versicherungsprodukte unter einem Dach verband. Diese Strategie erfüllte die Erwartungen jedoch nur teilweise.

1997 wurde die Holding in Credit Suisse Group umbenannt. Die bisherige Bezeichnung Schweizerische Kreditanstalt wurde schrittweise durch die international verständlichere Marke Credit Suisse ersetzt.[5]

Neuausrichtung im 21. Jahrhundert

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bestand die Gruppe aus einer globalen Investmentbank, einer international ausgerichteten Vermögensverwaltung und einem starken Schweizer Universalbankgeschäft. Die Winterthur-Versicherungen wurden 2006 an den französischen Versicherungskonzern AXA verkauft.

Im selben Jahr erzielte Credit Suisse ein Rekordergebnis. Die Aktie erreichte vor der internationalen Finanzkrise ihren historischen Höchststand. Die Bank gehörte damals zu den grössten Vermögensverwaltern der Welt.

Während der Finanzkrise von 2007 und 2008 musste die Credit Suisse hohe Abschreibungen vornehmen und zusätzliches Kapital aufnehmen. Anders als die UBS erhielt sie keine direkte staatliche Rekapitalisierung. Die Bank verkleinerte ihre Bilanz und nahm unter anderem Kapital von privaten Investoren auf.[5]

Nach der Finanzkrise versuchte Credit Suisse, das kapitalintensive Investmentbanking zu reduzieren und die Vermögensverwaltung auszubauen. Der Umbau wurde jedoch wiederholt verändert und blieb unvollständig.

Geschäftstätigkeit

Credit Suisse war als Universalbank organisiert. Ihr Geschäftsmodell umfasste zuletzt vier zentrale Bereiche.

Vermögensverwaltung

Die Vermögensverwaltung betreute vermögende und sehr vermögende Privatpersonen, Unternehmerfamilien und Family Offices. Angeboten wurden Anlageberatung, Vermögensverwaltungsmandate, Kredite, Nachfolgeplanung und weitere Finanzdienstleistungen.

Besonders wichtig waren Kundinnen und Kunden aus der Schweiz, Europa, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Asien. Das internationale Wealth-Management-Geschäft galt über lange Zeit als eines der wertvollsten Teile des Konzerns.

Schweizer Bank

Das schweizerische Geschäft umfasste Konten, Zahlungsverkehr, Hypotheken, Spar- und Anlageprodukte sowie Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen, Grossunternehmen und institutionelle Kunden.

Zur besseren Abtrennung des für die Schweiz systemrelevanten Geschäfts wurde 2015 die Credit Suisse (Schweiz) AG gegründet. Sie erhielt im Oktober 2016 eine Bankbewilligung und nahm am 20. November 2016 ihre Tätigkeit als eigenständige Schweizer Bank auf.[7]

Die Schweizer Bank betrieb ein landesweites Filialnetz und gehörte zu den wichtigsten Kreditgeberinnen der schweizerischen Wirtschaft.

Investmentbank

Die Investmentbank beriet Unternehmen und Staaten bei Fusionen, Übernahmen, Börsengängen und Kapitalbeschaffungen. Daneben betrieb sie Handel mit Aktien, Anleihen, Devisen, Rohstoffen und Derivaten.

Das Geschäft ermöglichte in guten Jahren hohe Gewinne, verursachte jedoch wiederholt erhebliche Verluste. Komplexe Handelspositionen, hohe Gegenparteirisiken und unzureichende Kontrollen waren später wichtige Ursachen der Krise.

Asset Management

Der Bereich Asset Management verwaltete Anlagefonds und Mandate für Privatkunden, Pensionskassen, Versicherungen, Unternehmen und andere institutionelle Anleger. Zu den Angeboten gehörten Aktien-, Obligationen-, Immobilien- und alternative Anlagen.

Bedeutung für die Schweiz

Credit Suisse war eine global systemrelevante Bank. Ihre Dienstleistungen im Zahlungsverkehr, Kreditgeschäft und in der Vermögensverwaltung hatten grosse Bedeutung für die schweizerische Volkswirtschaft.

Die Schweizerische Nationalbank und die FINMA stuften Teile des Konzerns als systemrelevant ein. Ein ungeordneter Ausfall hätte den Zahlungsverkehr, die Kreditversorgung und das Vertrauen in den Schweizer Finanzplatz erheblich beeinträchtigen können.

Zugleich war die Bank eine bedeutende Arbeitgeberin. Sie beschäftigte weltweit mehrere Zehntausend Personen, davon einen grossen Teil in der Schweiz. Neben dem Hauptsitz am Paradeplatz unterhielt sie grosse Standorte in Zürich, Uetlihof, Dübendorf, Gümligen und weiteren Städten.

Führung und Unternehmensstruktur

Die börsenkotierte Credit Suisse Group AG war die oberste Holdinggesellschaft. Unter ihr befand sich die Credit Suisse AG als zentrale operative Bank. Diese wiederum hielt Tochtergesellschaften in zahlreichen Staaten.

Die strategische Aufsicht lag beim Verwaltungsrat, während die Geschäftsleitung das operative Geschäft führte. In den Jahren vor der Krise wechselten Verwaltungsratspräsidenten, Konzernchefs und weitere Führungspersonen ungewöhnlich häufig.

Zu den letzten Konzernchefs gehörten:

Amtszeit Konzernchef
2007–2015 Brady Dougan
2015–2020 Tidjane Thiam
2020–2021 Thomas Gottstein
2021–2022 Thomas Gottstein
2022–2023 Ulrich Körner

Thomas Gottstein leitete den Konzern von Februar 2020 bis Juli 2022. Ulrich Körner übernahm die Geschäftsführung im August 2022 und blieb während der Übernahme durch UBS im Amt.

António Horta-Osório wurde 2021 Präsident des Verwaltungsrats, trat aber bereits im Januar 2022 zurück. Sein Nachfolger Axel Lehmann war der letzte Verwaltungsratspräsident der eigenständigen Credit Suisse Group.

Rechtsfälle und Kontroversen

Steuerstreit mit den Vereinigten Staaten

Im Mai 2014 bekannte sich Credit Suisse AG in den Vereinigten Staaten schuldig, amerikanischen Kundinnen und Kunden bei der Verschleierung unversteuerter Vermögen geholfen zu haben. Die Bank verpflichtete sich zur Zahlung von insgesamt rund 2,6 Milliarden US-Dollar an Bussen, Rückerstattungen und weitere Behördenzahlungen.[8]

Im Mai 2025 bekannte sich die weiterhin bestehende Credit Suisse Services AG in einem weiteren amerikanischen Verfahren schuldig. Nach Angaben des US-Justizministeriums waren in mindestens 475 Konten mehr als vier Milliarden US-Dollar vor den Steuerbehörden verborgen worden. Die Gesellschaft verpflichtete sich zu Zahlungen von mehr als 510 Millionen US-Dollar.[9]

Hypothekenpapiere

2017 schloss Credit Suisse mit dem US-Justizministerium einen Vergleich über 5,28 Milliarden US-Dollar. Das Verfahren betraf die Zusammenstellung und den Verkauf hypothekenbesicherter Wertpapiere vor der Finanzkrise.[10]

Mozambique-Kredite

Zwischen 2013 und 2016 war Credit Suisse an Krediten für staatlich kontrollierte Unternehmen in Mosambik beteiligt. Ein Teil der aufgenommenen Gelder wurde veruntreut oder für nicht deklarierte Zahlungen verwendet.

Die FINMA stellte schwere Mängel bei der Organisation, beim Risikomanagement und bei der Erfüllung von Meldepflichten fest. Das US-Justizministerium erklärte 2021, Credit Suisse habe die Täuschung von Investoren im Zusammenhang mit einem Kredit von 850 Millionen US-Dollar eingeräumt. Im Rahmen international koordinierter Verfahren wurden Zahlungen von mehr als 500 Millionen US-Dollar vereinbart.[11][12]

Observationen

2019 wurde bekannt, dass ehemalige Führungskräfte und Mitarbeitende im Auftrag der Bank observiert worden waren. Zu den Betroffenen gehörten der frühere Leiter der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, und der ehemalige Personalchef Peter Goerke.

Eine Untersuchung der FINMA ergab, dass zwischen 2016 und 2019 mindestens sieben Observationen geplant worden waren. Die Aufsichtsbehörde stellte schwere Organisationsmängel fest und ordnete Massnahmen gegen die Bank an.[13]

Die Affäre führte 2020 zum Rücktritt von Konzernchef Tidjane Thiam, obwohl ihm keine persönliche Anordnung der Observationen nachgewiesen wurde.

Greensill-Fonds

Credit Suisse verwaltete vier Lieferkettenfinanzierungsfonds, die eng mit den Unternehmen des Financiers Lex Greensill verbunden waren. In den Fonds befanden sich rund zehn Milliarden US-Dollar an Kundengeldern.

Nach dem Zusammenbruch von Greensill Capital im März 2021 wurden die Fonds geschlossen. Ein erheblicher Teil der Anlagen war illiquide oder nur unzureichend versichert. Die Rückzahlung an die Anleger zog sich über Jahre hin.

Die FINMA stellte 2023 fest, dass Credit Suisse ihre aufsichtsrechtlichen Pflichten im Risikomanagement und in der Betriebsorganisation schwer verletzt hatte. Warnhinweise seien nicht angemessen verfolgt und problematische Geschäftsbeziehungen nicht ausreichend überwacht worden.[14]

Archegos

Im März 2021 brach das amerikanische Family Office Archegos Capital Management zusammen. Credit Suisse hatte Archegos umfangreiche, teilweise stark fremdfinanzierte Handelsgeschäfte ermöglicht.

Die Bank erlitt dadurch einen Verlust von mehreren Milliarden US-Dollar. Andere beteiligte Banken konnten ihre Positionen schneller reduzieren, während Credit Suisse besonders hohe Verluste verzeichnete.

Die FINMA stellte eine schwere und systematische Verletzung des Finanzmarktrechts fest. Verantwortlichkeiten, Risikolimiten und Warnmechanismen hätten nicht angemessen funktioniert. Die von der FINMA angeordneten Korrekturmassnahmen gingen nach der Fusion auf UBS über.[15]

Krise von 2022 und 2023

Strategische Probleme

Die Verluste aus Greensill und Archegos verstärkten Zweifel an der Führung und am Risikomanagement. Gleichzeitig belasteten hohe Rechtskosten, der Rückzug aus Teilen des Investmentbankings und sinkende Erträge das Ergebnis.

Im Oktober 2022 stellte die Bank einen erneuten Umbau vor. Sie wollte das Investmentbanking verkleinern, Vermögenswerte verkaufen, Kapital aufnehmen und Teile des Beratungsgeschäfts unter dem Namen CS First Boston verselbstständigen.

Die Ankündigungen konnten das Vertrauen nur vorübergehend stabilisieren. Kundinnen und Kunden zogen in grossem Umfang Einlagen und verwaltete Vermögen ab. Besonders starke Abflüsse traten im Oktober und Dezember 2022 auf.[16]

Akute Vertrauenskrise

Im März 2023 führten der Zusammenbruch mehrerer amerikanischer Regionalbanken und die allgemeine Nervosität an den Finanzmärkten zu einem erneuten Vertrauensverlust. Der Aktienkurs der Credit Suisse fiel stark, während Kundengelder weiter abflossen.

Am 15. März 2023 kündigten die Schweizerische Nationalbank und die FINMA an, dass die Credit Suisse die regulatorischen Kapital- und Liquiditätsanforderungen erfülle. Die Nationalbank stellte der Bank zusätzliche Liquidität zur Verfügung.

Diese Unterstützung beendete die Krise jedoch nicht. Die Behörden kamen zum Schluss, dass Credit Suisse ohne eine umfassende Lösung ihre Geschäftstätigkeit nicht dauerhaft fortsetzen könne.

Übernahme durch UBS

Am Wochenende vom 18. und 19. März 2023 verhandelten Vertreter von UBS, Credit Suisse, Bundesrat, FINMA und Schweizerischer Nationalbank über eine Übernahme.

Am Abend des 19. März wurde bekannt gegeben, dass UBS die Credit Suisse im Rahmen eines Aktientauschs übernehmen werde. Die Aktionärinnen und Aktionäre der Credit Suisse erhielten eine UBS-Aktie für jeweils 22,48 Credit-Suisse-Aktien. Dies entsprach einem Gesamtwert von rund drei Milliarden Franken.[17]

Eine ordentliche Abstimmung der Aktionäre fand nicht statt. Der Bundesrat änderte das Fusionsrecht durch eine Notverordnung so, dass die Transaktion ohne Zustimmung der Generalversammlungen vollzogen werden konnte.

Staatliche Massnahmen

Die Übernahme wurde durch ein Massnahmenpaket des Bundes, der Nationalbank und der FINMA unterstützt. Dazu gehörten:

  • zusätzliche Liquiditätshilfen der Schweizerischen Nationalbank;
  • eine Bundesgarantie von höchstens 100 Milliarden Franken für bestimmte Liquiditätshilfen;
  • eine Verlustgarantie des Bundes von höchstens neun Milliarden Franken für ein festgelegtes Portfolio schwieriger Credit-Suisse-Aktiven;
  • die Abschreibung von Additional-Tier-1-Kapitalinstrumenten;
  • Einschränkungen bei variablen Vergütungen ehemaliger Führungskräfte.

UBS musste die ersten fünf Milliarden Franken möglicher Verluste aus dem abgesicherten Portfolio selbst tragen. Erst darüber hinaus hätte die Bundesgarantie bis zu einem Höchstbetrag von neun Milliarden Franken gegriffen.[18]

Im August 2023 kündigte UBS die Verlustgarantie und die mit einer Bundesgarantie abgesicherte Liquiditätshilfe. Die Darlehen waren zurückbezahlt worden. Der Bund musste keine Verluste aus den Garantien übernehmen.[19]

Abschreibung der AT1-Anleihen

Die FINMA ordnete am 19. März 2023 die vollständige Abschreibung von Additional-Tier-1-Anleihen der Credit Suisse im Umfang von rund 16 Milliarden Franken an. Die Aktien erhielten dagegen im Rahmen der Übernahme einen Restwert.

Die unterschiedliche Behandlung von Aktionären und AT1-Gläubigern führte zu zahlreichen Gerichtsverfahren. Das Bundesverwaltungsgericht hob die FINMA-Verfügung am 1. Oktober 2025 in einem Teilentscheid auf. Der Entscheid war nicht rechtskräftig. Die FINMA kündigte eine Beschwerde beim Bundesgericht an.[20]

Rechtliche Fusionen und Integration

Die Integration erfolgte in mehreren Schritten.

Datum Vorgang
19. März 2023 Bekanntgabe der geplanten Übernahme durch UBS
12. Juni 2023 Credit Suisse Group AG fusioniert mit UBS Group AG
31. Mai 2024 Credit Suisse AG fusioniert mit UBS AG
1. Juli 2024 Credit Suisse (Schweiz) AG fusioniert mit UBS Switzerland AG
18. März 2026 Abschluss der weltweiten Migration früherer Credit-Suisse-Kunden auf die UBS-Infrastruktur

Nach der Fusion der Konzernholdings wurden UBS AG und Credit Suisse AG zunächst als getrennte Banken unter dem Dach der UBS Group geführt. Dadurch konnten bestehende Verträge, Bankbewilligungen und technische Systeme vorübergehend weitergenutzt werden.

Mit der Fusion vom 31. Mai 2024 gingen sämtliche Rechte und Pflichten der Credit Suisse AG auf die UBS AG über. Einen Monat später übernahm UBS Switzerland AG die Rechte und Pflichten der Credit Suisse (Schweiz) AG.[2][3]

Frühere Credit-Suisse-Kundinnen und -Kunden verwendeten während der Übergangszeit teilweise weiterhin bisherige Kontonummern, E-Banking-Systeme, Kreditkarten und Geschäftsstellen. Die technische Migration erfolgte schrittweise nach Ländern, Produkten und Kundengruppen.

Nach Angaben der UBS wurden weltweit rund 1,2 Millionen Kundenbeziehungen übertragen. Mit dem Abschluss der schweizerischen Migration im März 2026 waren alle früheren Credit-Suisse-Kundinnen und -Kunden auf UBS-Systeme umgestellt.[4]

Einzelne Gesellschaften, Fonds, Pensionskassen und Einheiten mit der Bezeichnung Credit Suisse bestanden zunächst weiter, soweit ihre separate Abwicklung, Fusion oder regulatorische Aufhebung noch nicht abgeschlossen war.

Parlamentarische Untersuchung

Die Bundesversammlung setzte im Juni 2023 eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) ein. Es handelte sich um die fünfte PUK in der Geschichte des Schweizer Bundesstaats.

Die Kommission untersuchte das Verhalten des Bundesrats, des Eidgenössischen Finanzdepartements, der FINMA, der Schweizerischen Nationalbank und weiterer Behörden. Ihr Schlussbericht wurde am 20. Dezember 2024 veröffentlicht.

Die PUK führte die Krise in erster Linie auf jahrelange Misswirtschaft des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung der Credit Suisse zurück. Ein ursächliches Fehlverhalten der Behörden stellte sie nicht fest. Sie anerkannte, dass die Behörden im März 2023 eine internationale Finanzkrise verhindert hätten.[21]

Gleichzeitig kritisierte die PUK:

  • die unzureichende Wirkung der Bankenaufsicht;
  • Erleichterungen bei den Kapitalanforderungen;
  • die verspätete Einführung eines staatlich abgesicherten Liquiditätsinstruments;
  • Mängel beim Informationsaustausch zwischen den Behörden;
  • die zu starke Ausrichtung der Too-big-to-fail-Regeln auf schweizerische statt internationale Strukturen;
  • begrenzte Möglichkeiten der FINMA, gegenüber verantwortlichen Führungspersonen vorzugehen.

Die Kommission formulierte 20 Empfehlungen und reichte mehrere parlamentarische Vorstösse ein. National- und Ständerat behandelten diese im Frühjahr 2025.[22]

Marke und Erscheinungsbild

Das langjährige Logo der Credit Suisse bestand aus dem Schriftzug und einem stilisierten Segelzeichen. Dieses sollte Offenheit, Orientierung und internationale Tätigkeit symbolisieren.

Die Bank trat in der Schweiz häufig nur unter der Abkürzung CS auf. Die ältere Abkürzung SKA blieb auch nach der Umbenennung im allgemeinen Sprachgebrauch und in historischen Bezeichnungen bekannt.

Der Hauptsitz am Paradeplatz gehörte zu den bekanntesten Bankgebäuden der Schweiz. Nach der Übernahme ging das Gebäude an UBS über. Die Credit-Suisse-Beschriftungen und Markenauftritte wurden im Zuge der Integration schrittweise ersetzt.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Einordnung

Die Credit Suisse war während 167 Jahren ein bedeutender Bestandteil der schweizerischen Wirtschafts- und Finanzgeschichte. Im 19. Jahrhundert trug sie zur Finanzierung der Eisenbahn, der Elektrizitätswirtschaft und der Industrialisierung bei. Später entwickelte sie sich zu einer weltweit tätigen Vermögensverwalterin und Investmentbank.

Ihr Untergang wurde international als schwerste Schweizer Bankenkrise seit der staatlichen Stabilisierung der UBS im Jahr 2008 wahrgenommen. Die Übernahme beseitigte eine jahrzehntelange Konkurrenz zwischen den beiden Grossbanken und hinterliess UBS als einzige global systemrelevante Bank mit Hauptsitz in der Schweiz.

Die Fusion löste eine Debatte über Wettbewerb, staatliche Garantien, Bankenregulierung, persönliche Verantwortlichkeit von Führungskräften und die wirtschaftlichen Risiken eines besonders grossen Finanzkonzerns aus.

Die Geschichte der Credit Suisse wird deshalb sowohl als Beispiel für den Beitrag von Banken zur wirtschaftlichen Modernisierung als auch für die Risiken komplexer, international tätiger Finanzinstitute betrachtet.

Siehe auch

Literatur

  • Joseph Jung: Von der Schweizerischen Kreditanstalt zur Credit Suisse Group. Eine Bankengeschichte. NZZ Verlag, Zürich 2000, ISBN 3-85823-858-9.
  • Walter Adolf Jöhr: Schweizerische Kreditanstalt 1856–1956. Schweizerische Kreditanstalt, Zürich 1956.
  • Schweizerische Eidgenossenschaft: Die Geschäftsführung der Bundesbehörden im Kontext der CS-Krise. Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission, Bern 2024.
  • Eidgenössische Finanzmarktaufsicht: Bericht zur Credit-Suisse-Krise. Bern 2023.

Einzelnachweise

  1. UBS: UBS schliesst Akquisition der Credit Suisse ab, 12. Juni 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  2. 2,0 2,1 UBS: UBS completes merger of UBS AG and Credit Suisse AG, 31. Mai 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  3. 3,0 3,1 UBS: UBS completes merger of UBS Switzerland AG and Credit Suisse (Schweiz) AG, 1. Juli 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  4. 4,0 4,1 UBS: UBS successfully completes the client migration in Switzerland, 18. März 2026, abgerufen am 2. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 UBS: More than 160 years – Supporting clients and expanding banking expertise, S. 12–15, abgerufen am 2. August 2026.
  6. Historisches Lexikon der Schweiz: Schweizerische Kreditanstalt (SKA), abgerufen am 2. August 2026.
  7. Credit Suisse: Geschäftsbericht und Angaben zur rechtlichen Struktur der Gruppe, abgerufen am 2. August 2026.
  8. United States Department of Justice: Credit Suisse Pleads Guilty to Conspiracy to Aid and Assist U.S. Taxpayers in Filing False Returns, 19. Mai 2014, abgerufen am 2. August 2026.
  9. United States Department of Justice: Credit Suisse Services AG Admits to Conspiring with U.S. Taxpayers to Hide Assets and Income in Offshore Accounts, 5. Mai 2025, abgerufen am 2. August 2026.
  10. United States Department of Justice: Credit Suisse Agrees to Pay $5.28 Billion in Connection with its Sale of Residential Mortgage-Backed Securities, 18. Januar 2017, abgerufen am 2. August 2026.
  11. FINMA: Mosambik-Kredite: FINMA schliesst Verfahren gegen Credit Suisse ab, 19. Oktober 2021, abgerufen am 2. August 2026.
  12. United States Department of Justice: Credit Suisse Resolves Fraudulent Mozambique Loan Case, 19. Oktober 2021, abgerufen am 2. August 2026.
  13. FINMA: Observationen der Credit Suisse: FINMA stellt schwere Aufsichtsrechtsverletzungen fest, 19. Oktober 2021, abgerufen am 2. August 2026.
  14. FINMA: FINMA schliesst Verfahren «Greensill» gegen Credit Suisse ab, 28. Februar 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  15. FINMA: FINMA concludes Archegos proceedings against Credit Suisse, 24. Juli 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  16. FINMA: Bericht zur Credit-Suisse-Krise, 19. Dezember 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  17. UBS: UBS plant Akquisition von Credit Suisse, 19. März 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  18. Eidgenössisches Finanzdepartement: Übernahme der Credit Suisse durch die UBS, abgerufen am 2. August 2026.
  19. Bundesrat: Credit Suisse/UBS: Sämtliche Garantien des Bundes beendet, 11. August 2023, abgerufen am 2. August 2026.
  20. FINMA: FINMA zieht Teilentscheid des Bundesverwaltungsgerichts zu AT1 weiter, 15. Oktober 2025, abgerufen am 2. August 2026.
  21. Schweizer Parlament: Die Lehren aus der CS-Krise – PUK stellt Handlungsbedarf fest, 20. Dezember 2024, abgerufen am 2. August 2026.
  22. Schweizer Parlament: PUK – Geschäftsführung der Behörden im Zusammenhang mit der CS-Notfusion, abgerufen am 2. August 2026.

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