Bezirk Arbon

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Bezirk Arbon
Kanton Thurgau
Hauptort Arbon
Region Oberthurgau
Fläche rund 88,8 km²
Gemeinden 12
BFS-Nr. 2011
Grösste Orte Amriswil, Arbon, Romanshorn
Gewässer Bodensee

Der Bezirk Arbon ist einer der fünf Bezirke des Kantons Thurgau in der Schweiz. Hauptort ist die Stadt Arbon am Bodensee. Zum Bezirk gehören zwölf politische Gemeinden: Amriswil, Arbon, Dozwil, Egnach, Hefenhofen, Horn, Kesswil, Roggwil, Romanshorn, Salmsach, Sommeri und Uttwil.[1]

Der Bezirk liegt im Nordosten des Kantons und umfasst einen bedeutenden Teil des thurgauischen Bodenseeufers sowie das südlich anschliessende Hinterland. Mit Arbon und Romanshorn liegen zwei der wichtigsten Städte am Schweizer Ufer des Bodensees im Bezirk. Amriswil bildet ein weiteres regionales Zentrum.

Die heutige Abgrenzung besteht seit der Thurgauer Bezirksreform vom 1. Januar 2011. Damals wurde die Zahl der Bezirke im Kanton von acht auf fünf reduziert. Der bisherige Bezirk Arbon blieb bestehen und wurde um Amriswil erweitert, das zuvor zum aufgehobenen Bezirk Bischofszell gehört hatte.[2]

Geografie

Der Bezirk Arbon erstreckt sich vom Bodenseeufer nach Süden in das Hügelland des Oberthurgaus. Seine Landschaft ist durch den See, Obstbaugebiete, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder und dicht besiedelte regionale Zentren geprägt.

Das Bodenseeufer reicht innerhalb des Bezirks von Horn an der Grenze zum Kanton St. Gallen über Arbon, Egnach, Salmsach und Romanshorn bis nach Uttwil und Kesswil. Mehrere Gemeinden besitzen dadurch direkten Zugang zum Bodensee.

Im Landesinneren befinden sich unter anderem Amriswil, Hefenhofen, Dozwil und Sommeri. Die Landschaft steigt vom See aus gegen Süden leicht an. Besonders ausserhalb der Städte und grösseren Ortschaften bestimmen Landwirtschaft und Obstbau das Landschaftsbild.

Die Gesamtfläche des Bezirks beträgt rund 88,8 km².

Der Bezirk grenzt im Westen an den Bezirk Kreuzlingen, im Südwesten und Süden an den Bezirk Weinfelden sowie im Südosten an den Kanton St. Gallen. Im Norden bildet der Bodensee eine natürliche Grenze zu Deutschland.

Gemeinden

Seit dem 1. Januar 2011 umfasst der Bezirk Arbon zwölf politische Gemeinden.[1][2]

Gemeinde Charakteristik
Amriswil Stadt und regionales Zentrum im Hinterland des Bodensees
Arbon Bezirkshauptort und historische Stadt am Bodensee
Dozwil Ländlich geprägte Gemeinde nördlich von Amriswil
Egnach Flächenmässig grosse Gemeinde mit zahlreichen Dörfern und Weilern am Bodensee
Hefenhofen Ländliche Gemeinde im Umfeld von Amriswil
Horn Gemeinde am Bodensee an der Grenze zum Kanton St. Gallen
Kesswil Bodenseegemeinde westlich von Uttwil
Roggwil Gemeinde zwischen Arbon, St. Gallen und Amriswil
Romanshorn Hafen- und Eisenbahnstadt am Bodensee
Salmsach Bodenseegemeinde unmittelbar westlich von Romanshorn
Sommeri Kleine ländliche Gemeinde nördlich von Amriswil
Uttwil Wohngemeinde am Bodensee zwischen Romanshorn und Kesswil

Die drei grössten städtischen Zentren sind Amriswil, Arbon und Romanshorn. Daneben besteht der Bezirk aus kleineren Gemeinden mit teilweise ausgeprägt ländlichem Charakter.

Arbon als Hauptort

Arbon ist der Hauptort des Bezirks. Die Stadt liegt unmittelbar am Bodensee und gehört zu den ältesten dauerhaft besiedelten Orten der Region.

Bereits in römischer Zeit bestand hier das Kastell Arbor Felix. Im Mittelalter entwickelte sich Arbon um Schloss, Kirche und Hafen zu einem regionalen Zentrum. Der historische Stadtkern mit dem Schloss Arbon, der Kirche St. Martin und Teilen der früheren Stadtbefestigung erinnert an diese Entwicklung.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde Arbon zu einem bedeutenden Industriestandort. Besonders prägend war die Firma Adolph Saurer AG, die Fahrzeuge, Motoren und Textilmaschinen herstellte.[3]

Heute erfüllt Arbon neben seiner Funktion als Wohn-, Gewerbe- und Industriestandort auch zentrale Aufgaben für den Bezirk. Unter anderem befindet sich hier das Bezirksgericht Arbon.[4]

Romanshorn

Romanshorn ist eines der wichtigsten Verkehrs- und Wirtschaftszentren des Bezirks. Die Stadt liegt direkt am Bodensee und besitzt einen der grössten Häfen auf der Schweizer Seite des Sees.

Ihre Entwicklung wurde im 19. Jahrhundert entscheidend durch den Bau der Eisenbahn und den Ausbau des Hafens geprägt. Romanshorn entwickelte sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für den Güter- und Personenverkehr zwischen der Schweiz und dem Bodenseeraum.[5]

Vom Hafen verkehren Kursschiffe auf dem Bodensee. Eine besondere Bedeutung besitzt die Autofähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen in Deutschland.

Romanshorn ist zudem ein wichtiger Eisenbahnknoten. Von hier führen Bahnstrecken unter anderem in Richtung Winterthur, Kreuzlingen, St. Gallen und Rorschach.

Amriswil

Amriswil ist die bevölkerungsreichste beziehungsweise eine der bevölkerungsreichsten Gemeinden des Bezirks und das wichtigste Zentrum im südwestlichen Teil des Bezirksgebiets.

Im Unterschied zu Arbon und Romanshorn liegt Amriswil nicht unmittelbar am Bodensee. Die Stadt entwickelte sich vor allem im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung und dem Ausbau des Eisenbahnverkehrs stark.

Amriswil gehörte bis Ende 2010 zum Bezirk Bischofszell. Im Rahmen der Neuorganisation der Thurgauer Bezirke wurde der Bezirk Bischofszell aufgelöst. Seit dem 1. Januar 2011 gehört Amriswil zum Bezirk Arbon.[2]

Durch diese Änderung erhielt der Bezirk Arbon seine heutige Ausdehnung.

Geschichte des Bezirks

Die Geschichte des Bezirks Arbon ist eng mit der politischen Entwicklung des Kantons Thurgau verbunden.

Nach dem Ende der Alten Eidgenossenschaft wurde das Gebiet 1798 Teil des neu geschaffenen Kantons Thurgau innerhalb der Helvetischen Republik. Mit der Mediationsakte von 1803 erhielt der Thurgau seine Stellung als gleichberechtigter Kanton der Eidgenossenschaft.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Bezirksorganisation zu einem wichtigen Bestandteil der kantonalen Verwaltung und Rechtspflege. Arbon bildete dabei einen der traditionellen Bezirke des Kantons.

Die Grenzen des Bezirks und der Gemeinden veränderten sich im Laufe der Zeit mehrfach. Gründe dafür waren insbesondere Gemeindefusionen, die Aufhebung älterer Gemeindeformen und die kantonale Verwaltungsreform.

Zu den Veränderungen gehörten beispielsweise die Vereinigung von Niedersommeri und Obersommeri zur heutigen Gemeinde Sommeri sowie Veränderungen im Gebiet von Arbon und Frasnacht.

1998 wurden Arbon und Frasnacht zur heutigen politischen Gemeinde Arbon vereinigt.

Die grösste Veränderung der Bezirksstruktur erfolgte jedoch auf den 1. Januar 2011.

Bezirksreform von 2011

Bis Ende 2010 war der Kanton Thurgau in acht Bezirke gegliedert:

  • Arbon
  • Bischofszell
  • Diessenhofen
  • Frauenfeld
  • Kreuzlingen
  • Münchwilen
  • Steckborn
  • Weinfelden

Mit Wirkung zum 1. Januar 2011 wurde die Zahl der Bezirke auf fünf reduziert. Seither bestehen die Bezirke:

Die Bezirke Bischofszell, Diessenhofen und Steckborn wurden aufgehoben. Ihre Gemeinden wurden auf die verbleibenden Bezirke verteilt.[6]

Für den Bezirk Arbon bedeutete die Reform insbesondere die Aufnahme von Amriswil aus dem bisherigen Bezirk Bischofszell.

Die übrigen elf heutigen Gemeinden gehörten bereits zuvor zum Bezirk Arbon.

Funktion der Bezirke

Die Bezirke des Kantons Thurgau sind keine politischen Gemeinden und besitzen keine mit einer Gemeinde vergleichbare Selbstverwaltung. Sie dienen vor allem als territoriale Einheiten für verschiedene staatliche Aufgaben.

Eine wichtige Funktion besitzen die Bezirke in der Rechtspflege. Jeder der fünf Thurgauer Bezirke verfügt über ein Bezirksgericht. Der Sitz des Bezirksgerichts Arbon befindet sich in Arbon.[4]

Das Bezirksgericht ist insbesondere für zivil- und strafrechtliche Verfahren sowie für bestimmte betreibungs- und konkursrechtliche Angelegenheiten zuständig.

Der Bezirk bildet ausserdem einen Wahlkreis für die Wahlen in den Grossen Rat des Kantons Thurgau.

Politik

Der Bezirk Arbon bildet einen der fünf Wahlkreise für die Wahl des kantonalen Parlaments. Die Stimmberechtigten der zwölf Gemeinden wählen die Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks in den Grossen Rat.

Die politische Struktur des Bezirks ist unterschiedlich geprägt. In den grösseren Städten Arbon, Romanshorn und Amriswil sind zahlreiche Parteien mit eigenen Ortssektionen vertreten. In den ländlichen Gemeinden spielen neben den Parteien auch lokale Gruppierungen eine wichtige Rolle.

Da der Bezirk keine eigenständige politische Körperschaft mit einem Bezirksparlament oder einer Bezirksregierung ist, werden die politischen Aufgaben grundsätzlich von den Gemeinden und den kantonalen Behörden wahrgenommen.

Bevölkerung und Siedlungsstruktur

Der Bezirk Arbon gehört zu den dicht besiedelten Teilen des Kantons Thurgau. Die Bevölkerung konzentriert sich besonders in den drei städtischen Zentren Arbon, Romanshorn und Amriswil sowie entlang des Bodenseeufers.

Daneben gibt es zahlreiche kleinere Dörfer und Weiler. Besonders die Gemeinden Egnach, Hefenhofen und Roggwil besitzen eine stark dezentrale Siedlungsstruktur.

In den vergangenen Jahrzehnten nahm die Bevölkerung vieler Gemeinden zu. Gründe dafür sind unter anderem die attraktive Wohnlage am Bodensee, die Nähe zur Stadt St. Gallen, die Verkehrsverbindungen in Richtung Zürich und die vergleichsweise gute Erreichbarkeit regionaler Arbeitszentren.

Der Siedlungsraum von Arbon steht zunehmend in Verbindung mit den angrenzenden St. Galler Gemeinden. Auch zwischen Romanshorn, Salmsach und den umliegenden Gemeinden bestehen enge funktionale Beziehungen.

Wirtschaft

Die Wirtschaftsstruktur des Bezirks ist vielfältig. Historisch spielte die Industrie insbesondere in Arbon, Romanshorn und Amriswil eine grosse Rolle.

Arbon entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert zu einem international bekannten Standort des Maschinen- und Fahrzeugbaus. Die industrielle Vergangenheit ist besonders mit dem Namen Saurer verbunden.

Romanshorn gewann durch Hafen, Eisenbahn und Handel wirtschaftliche Bedeutung. Amriswil entwickelte sich unter anderem als Standort der Textil- und Maschinenindustrie.

Heute dominieren in den städtischen Zentren Dienstleistungen, Gewerbe, Handel und spezialisierte Industriebetriebe. Daneben besitzt die Landwirtschaft weiterhin grosse Bedeutung.

Im ländlichen Teil des Bezirks sind Obstbau und Landwirtschaft charakteristisch. Der Oberthurgau gehört zu den bedeutendsten Obstbauregionen der Schweiz. Das milde Klima in der Nähe des Bodensees bietet günstige Bedingungen insbesondere für den Anbau von Äpfeln.

Verkehr

Der Bezirk Arbon ist durch mehrere wichtige Bahn- und Strassenverbindungen erschlossen.

Die Bahnstrecke entlang des Bodensees verbindet Romanshorn über Arbon mit Rorschach. Weitere Strecken führen von Romanshorn nach Kreuzlingen und Winterthur sowie von Amriswil in Richtung Weinfelden und St. Gallen.

Wichtige Bahnhöfe befinden sich unter anderem in:

Romanshorn besitzt als Eisenbahnknoten eine besondere Bedeutung für den regionalen und überregionalen Verkehr.

Der öffentliche Verkehr wird durch verschiedene Buslinien ergänzt, welche kleinere Gemeinden und Ortschaften mit den regionalen Zentren verbinden.

Für den Strassenverkehr sind insbesondere die Verbindungen nach St. Gallen, Kreuzlingen, Weinfelden und in das St. Galler Rheintal von Bedeutung.

Schifffahrt

Der Bodensee spielt für den Bezirk nicht nur landschaftlich, sondern auch verkehrlich und touristisch eine wichtige Rolle.

Romanshorn besitzt einen grossen Hafen und ist Ausgangspunkt mehrerer Schiffsverbindungen. Besonders bekannt ist die Fähre Romanshorn–Friedrichshafen, die Fahrzeuge und Personen über den Bodensee zwischen der Schweiz und Deutschland transportiert.

Auch Arbon besitzt einen Hafen und wird von Kursschiffen der Bodenseeschifffahrt angefahren.

Die Schifffahrt verbindet den Bezirk mit Orten in der Schweiz, Deutschland und Österreich.

Landschaft und Landwirtschaft

Ausserhalb der Siedlungszentren ist der Bezirk stark landwirtschaftlich geprägt. Typisch sind Obstgärten, Felder, Wiesen und kleinere Waldgebiete.

Besonders charakteristisch ist der Obstbau. Die Region um Egnach, Roggwil, Amriswil und die Gemeinden entlang des Bodensees gehört zu den bekannten Apfelanbaugebieten des Thurgaus.

Das vergleichsweise milde Bodenseeklima begünstigt den Obstbau. Neben Äpfeln werden unter anderem Birnen, Beeren und weitere landwirtschaftliche Kulturen produziert.

In Ufernähe befinden sich zudem ökologisch wertvolle Landschaftsräume und Schutzgebiete.

Tourismus und Freizeit

Der Bodensee ist das wichtigste touristische und landschaftliche Element des Bezirks.

Der Bodensee-Radweg und verschiedene Wanderwege führen durch die Ufergemeinden. Häfen, Strandbäder und öffentliche Seezugänge befinden sich unter anderem in Arbon, Romanshorn, Uttwil und Kesswil.

Zu den bekannten Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen gehören:

  • die Altstadt von Arbon
  • das Schloss Arbon
  • das Saurer Museum
  • die Hafenanlagen von Romanshorn
  • das Autobau in Romanshorn
  • die Uferpromenaden am Bodensee
  • historische Kirchen und Ortskerne
  • Schloss und Park Hagenwil bei Amriswil

Arbon besitzt einen gut erhaltenen historischen Stadtkern. Romanshorn ist vor allem durch seinen Hafen und seine Verkehrsgeschichte geprägt, während die kleineren Gemeinden ruhige Ufer- und Kulturlandschaften bieten.

Bildung und Kultur

Die grösseren Gemeinden verfügen über ein breites Angebot an Schulen, Kulturinstitutionen, Bibliotheken und Vereinen.

Arbon besitzt mit Museen und historischen Anlagen eine ausgeprägte Kultur- und Industriekultur. Romanshorn verfügt unter anderem über Einrichtungen zur Verkehrs- und Fahrzeuggeschichte. In Amriswil befinden sich verschiedene regionale Kultur- und Veranstaltungsangebote.

Das kulturelle Leben in den kleineren Gemeinden wird stark durch Vereine, Musikgesellschaften, Sportorganisationen und lokale Veranstaltungen geprägt.

Regionale Bedeutung

Der Bezirk Arbon bildet zusammen mit Teilen des Bezirks Weinfelden den Kern des sogenannten Oberthurgaus. Die Region ist wirtschaftlich und verkehrlich sowohl zum übrigen Thurgau als auch zum Kanton St. Gallen und zum internationalen Bodenseeraum orientiert.

Arbon steht in enger Beziehung zur Agglomeration St. Gallen. Romanshorn besitzt durch Bahn und Schifffahrt eine wichtige Funktion als Verkehrsknoten am Bodensee. Amriswil übernimmt zentrale Versorgungs- und Dienstleistungsfunktionen für das Hinterland.

Die Kombination aus städtischen Zentren, ländlichen Gemeinden und dem langen Bodenseeufer macht den Bezirk zu einem geografisch und wirtschaftlich vielfältigen Teil des Kantons Thurgau.

Siehe auch

Einzelnachweise