Pfungen

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Pfungen

Blick auf Pfungen und das untere Tösstal

Blick auf Pfungen und das untere Tösstal

Wappen von Pfungen

Wappen

Lage von Pfungen

Lage der Gemeinde

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Zürich

Region

Unteres Tösstal

Bezirk

Winterthur

BFS-Nummer

0224

Postleitzahl

8422

Koordinaten

47.51583° N, 8.64695° E

Höhe

412 m ü. M.

Fläche

4,99 km²

Einwohner

4163
(Stand: 31. Dezember 2024)

Website

www.pfungen.ch

Pfungen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich. Sie liegt im unteren Tösstal, rund sieben Kilometer westlich des Stadtzentrums von Winterthur. Das historische Dorf befindet sich südlich der Töss auf einem Geländesporn am Fuss des Multbergs. Zur Gemeinde gehören ausserdem die im 19. Jahrhundert entstandenen Siedlungs- und Gewerbegebiete Bruni und Neu-Pfungen sowie mehrere Hofsiedlungen im Rumstal.

Pfungen wurde 993 oder 994 erstmals als Funginga urkundlich erwähnt. Die Gemeinde war während Jahrhunderten von Landwirtschaft, Weinbau und Waldwirtschaft geprägt. Mit der Ansiedlung der Textilindustrie im Jahr 1854, der Eröffnung der Eisenbahnstrecke 1876 und der Gründung einer mechanischen Ziegelei 1889 entwickelte sich Pfungen zu einem regionalen Industrieort. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich die Gemeinde zunehmend zu einem Wohn- und Pendlerort in der Agglomeration Winterthur.

Ende 2024 lebten 4163 Einwohnerinnen und Einwohner in Pfungen. Von der 4,99 Quadratkilometer grossen Gemeindefläche entfallen mehr als zwei Fünftel auf Wald.[1]

Name

Der schweizerdeutsche Ortsname lautet Pfunge.

Pfungen wurde 993 oder 994 unter der Bezeichnung Funginga erstmals schriftlich erwähnt. Der Name gehört zu den alemannischen Ortsnamen mit der Endung -ingen. Solche Namen bezeichneten ursprünglich häufig die Siedlung oder den Besitz einer Personengruppe.

Die genaue Herkunft des ersten Namensbestandteils ist nicht abschliessend geklärt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit einem frühmittelalterlichen Personennamen. Der Ortsname entwickelte sich über verschiedene historische Schreibweisen zur heutigen Form Pfungen.[2]

Geographie

Lage

Pfungen liegt im unteren Tösstal am Übergang zwischen mehreren Landschaftsräumen des Kantons Zürich. Nördlich der Töss beginnt die Landschaft des Zürcher Weinlands. Im Süden erhebt sich das Hochplateau von Brütten, während sich westlich der Gemeinde der Übergang zum Zürcher Unterland befindet.

Die Gemeinde grenzt an:

Das Dorfzentrum liegt auf ungefähr 412 Metern über Meer. Die Entfernung zum Zentrum von Winterthur beträgt rund sieben Kilometer, jene zur Stadt Zürich etwa 18 Kilometer Luftlinie.[1]

Gemeindegebiet

Die Gemeindefläche umfasst 499 Hektaren. Die Bodennutzung gliederte sich gemäss kommunaler Statistik folgendermassen:

Bodennutzung in Pfungen
Nutzungsart Fläche Anteil
Wald 208,08 ha 41,7 %
Landwirtschaft 139,22 ha 27,9 %
Siedlungsfläche 100,79 ha 20,2 %
Verkehrsfläche 39,92 ha 8,0 %
Gewässer 5,98 ha 1,2 %
Unproduktive Fläche 4,99 ha 1,0 %
Gesamtfläche 499,00 ha 100 %

Das historische Dorf liegt auf einem Sporn des Multbergs südlich der Töss. Das Gelände fällt nach Norden zur Tössniederung und nach Westen zum Rumstal ab.

Die älteren Dorfteile Hinderdorf, Oberdorf, Reckholdern und Buck sind durch traditionelle Bauernhäuser, schmale Strassen und kleinere Plätze geprägt. Die neueren Wohngebiete erstrecken sich vor allem östlich und südlich des historischen Siedlungskerns.

Ortsteile und Fluren

Bedeutende Siedlungs- und Landschaftsteile
Bezeichnung Beschreibung
Hinderdorf Historischer Dorfteil bei Kirche und ehemaligem Schloss
Oberdorf Älterer, höher gelegener Teil des Dorfkerns
Reckholdern Historisches Wohn- und Landwirtschaftsgebiet
Buck Siedlungsgebiet am Rand des alten Dorfs
Neu-Pfungen Im 19. Jahrhundert in der Tössniederung entstandener Industrie- und Wohnort
Bruni Ehemaliges Textilindustriegebiet an der Töss
Rumstal Landwirtschaftlich und bewaldet geprägtes Tal südwestlich des Dorfs
Multberg Bewaldeter Höhenzug südöstlich des Dorfzentrums

Neu-Pfungen wird auch als Vorbruggen bezeichnet. Der Ortsteil entstand in Zusammenhang mit der Industrialisierung und der Nutzung der Wasserkraft der Töss.

Töss

Die Töss bildet einen wesentlichen Teil der nördlichen Gemeindegrenze. Der Fluss prägte die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Pfungens stark.

Bis ins 19. Jahrhundert änderte die Töss bei Hochwasser wiederholt ihren Lauf. Überschwemmungen bedrohten Landwirtschaftsflächen, Wege und Gebäude. Durch die Tösskorrektion wurde das Flussbett befestigt und der Hochwasserschutz verbessert.

Die Regulierung ermöglichte die Errichtung von Fabrikanlagen in der Niederung. Kanäle und Wasserfassungen lieferten Energie für die Textilindustrie.

Heute ist die Töss zugleich ein bedeutender Natur- und Erholungsraum. Wege entlang des Flusses werden zum Wandern, Velofahren und Spazieren genutzt. Kiesbänke, Ufergehölze und Auenreste bieten Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Multberg

Der Multberg erhebt sich unmittelbar südöstlich des Dorfkerns. Der bewaldete Hügel erreicht eine Höhe von rund 550 Metern über Meer.

Auf seinem Gipfel befindet sich die Burgstelle Multberg. Die mittelalterliche Höhenburg wurde vermutlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch die Freiherren von Wart errichtet.

Von der Anlage sind oberirdisch keine Mauern mehr sichtbar. Erkennbar sind jedoch das Gipfelplateau und künstlich angelegte Gräben.

Der Multberg ist heute ein beliebtes Naherholungsgebiet. Waldwege verbinden Pfungen mit Winterthur-Wülflingen, Oberembrach und dem Rumstal.

Wälder und Landwirtschaft

Mit einem Waldanteil von 41,7 Prozent gehört Pfungen trotz seiner Nähe zu Winterthur zu den waldreichen Gemeinden der Region.

Die Wälder dienen der Holzproduktion, dem Natur- und Bodenschutz sowie der Naherholung. Sie bieten Lebensraum für Rehe, Füchse, Dachse, Spechte und zahlreiche weitere Tierarten.

Landwirtschaftliche Flächen befinden sich vor allem im Rumstal, auf den Höhen südlich des Dorfs und an der Grenze zu Oberembrach. Die Betriebe bewirtschaften Ackerflächen, Wiesen und Weiden und betreiben teilweise Viehhaltung.

Geschichte

Frühgeschichte und frühes Mittelalter

Das Gebiet des unteren Tösstals war bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit begangen und besiedelt. Die Töss und die umliegenden Höhen bildeten natürliche Verkehrsachsen zwischen dem Raum Winterthur, dem Rhein und dem Zürcher Unterland.

Nach dem Ende der römischen Herrschaft liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen in der Region nieder. Der Name Funginga weist auf eine frühmittelalterliche Siedlungsgründung hin.

Nach einer kirchlichen Überlieferung soll sich der Missionar Pirminius im 8. Jahrhundert zeitweise in der Gegend von Pfungen aufgehalten haben. Historisch sicher belegt ist diese lokale Tradition nicht. Sie beeinflusste jedoch das religiöse Selbstverständnis des Orts. Sowohl die mittelalterliche Kirche als auch die heutige katholische Kirche tragen den Namen des heiligen Pirminius.

Erste urkundliche Erwähnung

Pfungen wurde 993 oder 994 erstmals schriftlich genannt. Die frühe Erwähnung steht im Zusammenhang mit kirchlichem Grundbesitz und den Besitzverhältnissen im unteren Tösstal.

Im Mittelalter gehörten Ländereien und Rechte verschiedenen geistlichen und weltlichen Grundherren. Das Kloster Reichenau besass zeitweise Güter und kirchliche Rechte in der Region.

Freiherren von Wart

Im Hochmittelalter prägten die Freiherren von Wart die Herrschaftsverhältnisse im Gebiet von Pfungen, Neftenbach und Dättlikon.

Die Familie besass Grundbesitz, Kirchenrechte und Teile der niederen Gerichtsbarkeit. Zu ihren Herrschaftssitzen gehörten die Burg Wart nördlich der Töss, das Schloss Pfungen und die Burg auf dem Multberg.[3]

Rudolf III. von Wart war an der Ermordung König Albrechts I. von Habsburg im Jahr 1308 beteiligt. Im folgenden habsburgischen Rachefeldzug wurden 1309 die Burgen Wart und Multberg zerstört.

Jakob von Wart, der ältere Bruder Rudolfs, war als Minnesänger bekannt. Er lebte zeitweise auf dem Schloss Pfungen und ist in der Manessischen Liederhandschrift dargestellt.

Burg Multberg

Die Burg Multberg entstand wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts. Archäologische Ausgrabungen im Jahr 1953 ergaben, dass die Anlage möglicherweise unter Zeitdruck und in vergleichsweise einfacher Bauweise errichtet worden war.

Die Burg wurde 1309 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Später wurden vermutlich Steine der Ruine als Baumaterial verwendet.

Heute sind keine sichtbaren Mauerreste mehr vorhanden. Das Gelände mit seinem Plateau und den Burggräben ist jedoch weiterhin erkennbar.[4]

Schloss Pfungen

Das Schloss Pfungen stand am Ende des Hinderdorfs und bildete den örtlichen Mittelpunkt der mittelalterlichen Herrschaft.

Die Anlage bestand aus einem ummauerten Hof, einem Wohnturm und weiteren Gebäuden. Sie wurde im Verlauf der Jahrhunderte nur wenig verändert und bewahrte bis ins 19. Jahrhundert einen mittelalterlichen Charakter.

Verschiedene Gerichtsherren nutzten das Schloss als Wohn- und Verwaltungssitz. Nach der Übernahme der Herrschaft durch die Stadt Winterthur im Jahr 1629 wurde die Anlage von einem Schlosswart betreut.

Beim Bau der Eisenbahnstrecke Winterthur–Koblenz wurde das Schloss 1875 und 1876 abgebrochen. Ein Teil der Steine fand beim Bau des Bahndamms über das benachbarte Bachtobel Verwendung.[5]

Herrschaft der Stadt Winterthur

Im Jahr 1629 erwarb die Stadt Winterthur die Herrschaft Pfungen. Sie übte bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 die niedere Gerichtsbarkeit und weitere Herrschaftsrechte aus.

Die hohe Gerichtsbarkeit lag im Rahmen der Grafschaft beziehungsweise Landvogtei Kyburg bei der Stadt Zürich.

Pfungen orientierte sich wirtschaftlich und gesellschaftlich zunehmend nach Winterthur. Diese Verbindung blieb auch nach der Aufhebung der feudalen Herrschaftsrechte bestehen.[6]

Reformation

Die Reformation wurde in Pfungen in den 1520er-Jahren eingeführt. Der damalige Pfarrer Johannes Müller unterstützte die reformatorische Bewegung.

Kirche und Gemeindeleben wurden nach den Vorgaben der Zürcher Reformation neu organisiert. Die Fürsorge für arme und bedürftige Einwohner erhielt eine stärkere kommunale und kirchliche Bedeutung.

Die heutige reformierte Kirche entstand 1648 und 1649 an der Stelle älterer Gotteshäuser. Bei archäologischen Untersuchungen in den 1960er-Jahren wurden Fundamente mehrerer Vorgängerbauten freigelegt.[7]

Helvetik und politische Gemeinde

Mit dem Einmarsch französischer Truppen und der Gründung der Helvetischen Republik im Jahr 1798 endeten die Herrschaftsrechte der Stadt Winterthur.

Pfungen wurde zu einer politischen Gemeinde. Nach mehreren Änderungen der Verwaltungsorganisation wurde sie dem Bezirk Winterthur zugeteilt.

Die bäuerliche Bevölkerung blieb im frühen 19. Jahrhundert wirtschaftlich vergleichsweise arm. Die schattige Lage der Äcker, die schwierigen Verkehrsverbindungen und wiederkehrende Überschwemmungen begrenzten die landwirtschaftlichen Erträge.

Industrialisierung

Die Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung veränderte Pfungen grundlegend.

Nach der Korrektion der Töss siedelte sich 1854 im Bruni eine Textilfabrik an. Die Wasserkraft des Flusses wurde zum Antrieb der Maschinen genutzt.

Das Unternehmen entwickelte sich später zur Schweizerischen Decken- und Tuchfabrik und schliesslich zur Eskimo Textil AG. Es stellte Decken, Stoffe und weitere Textilwaren her.

Die Fabrik bot Einwohnern von Pfungen und den umliegenden Gemeinden neue Arbeitsmöglichkeiten. Viele Beschäftigte kamen auch aus Dättlikon auf der gegenüberliegenden Seite der Töss.

Für die Fabrikarbeiter wurde 1855 ein Steg über den Fluss errichtet. Von 1882 bis 1883 entstand eine Strassenbrücke zwischen Dättlikon und Neu-Pfungen.

Eisenbahn und Ziegelei

Im Jahr 1876 wurde die Bahnstrecke Winterthur–Koblenz eröffnet. Pfungen erhielt dadurch eine direkte Verbindung nach Winterthur, Bülach und ins Zürcher Unterland.

Der Bahnbau erforderte den Abbruch des alten Schlosses Pfungen. Der Bahnhof wurde nördlich des historischen Dorfkerns im Bereich der neuen Industriesiedlungen angelegt.

1889 gründete Johann Jakob Keller im Gebiet Riedäcker eine mechanische Ziegelei. Der Betrieb nutzte die örtlichen Tonvorkommen und entwickelte sich zu einem wichtigen Arbeitgeber.

Textilfabrik, Eisenbahn und Ziegelei führten zu einem starken Bevölkerungswachstum. Zwischen 1850 und 1900 verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu.

Katholische Zuwanderung

Mit der Industrialisierung zogen katholische Arbeitskräfte aus anderen Teilen der Schweiz, Deutschland und Italien nach Pfungen.

Die ersten katholischen Gottesdienste wurden in einem Saal der Textilfabrik gefeiert. 1899 begann der Bau einer eigenen katholischen Kirche.

Die Kirche St. Pirminius wurde 1901 fertiggestellt. Sie gehört zu den frühen katholischen Kirchenbauten im überwiegend reformiert geprägten Zürcher Landgebiet.[8]

Entwicklung im 20. Jahrhundert

Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb Pfungen ein Industrie- und Arbeiterdorf. Landwirtschaft und Gewerbe behielten daneben ihre Bedeutung.

Ab den 1960er-Jahren setzte eine starke Bautätigkeit ein. Neue Wohnquartiere entstanden östlich und südlich des historischen Dorfs.

Die älteren Dorfteile gerieten dadurch an den westlichen Rand des zusammenhängenden Siedlungsgebiets. Pfungen entwickelte sich zunehmend zu einer Wohngemeinde im Einzugsgebiet Winterthurs.

Der Strukturwandel führte zum Niedergang der traditionellen Industrie. Die Eskimo Textil AG stellte ihre Produktion 1983 nach 129 Betriebsjahren ein. Die Keller Ziegeleien beendeten die Produktion in Pfungen im Jahr 2000.

Das ehemalige Textilfabrikareal wurde in ein Gewerbezentrum mit verschiedenen Unternehmen und Nutzungen umgewandelt.[6]

Entwicklung im 21. Jahrhundert

Pfungen verzeichnete seit Beginn des 21. Jahrhunderts ein deutliches Bevölkerungswachstum. Mehrere neue Wohnüberbauungen entstanden auf früheren Industrie- und Landwirtschaftsflächen.

Die Gemeinde bemüht sich, das Wachstum mit dem Ausbau von Schulen, Betreuung, Verkehrsanlagen und öffentlicher Infrastruktur abzustimmen.

Ein wichtiges Entwicklungsgebiet liegt beim Bahnhof. Die Gemeinde, die Schweizerischen Bundesbahnen, die PostAuto AG und private Grundeigentümer beschäftigen sich mit einer längerfristigen Aufwertung und besseren Erschliessung des Bahnhofsumfelds.

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl Pfungens blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts niedrig. Mit der Industrialisierung setzte ein rasches Wachstum ein.

Nach einer Phase langsameren Wachstums in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung seit den 1960er-Jahren wieder stark zu.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1467 etwa 50
1633 240
1757 478
1850 522
1900 1061
1910 etwa 1325
1950 1278
1970 1870
1980 1974
1990 2232
2000 2486
2010 2962
2015 3750
2020 3945
2022 4051
2024 4163

Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Deutsch. Durch die industrielle Vergangenheit und die Nähe zu Winterthur besitzt Pfungen seit langem eine sozial und kulturell vielfältige Einwohnerschaft.

Der Anteil der reformierten Bevölkerung nahm im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts ab. Neben Angehörigen der reformierten und katholischen Kirchen leben konfessionslose Personen sowie Mitglieder weiterer Religionsgemeinschaften in der Gemeinde.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet:

Geteilt von Blau und einer gefugten silbernen Zinnenmauer, mit eingeschobener, geschweifter blauer Spitze.

Das Wappen erinnert an die mittelalterlichen Herrschaftssitze und Befestigungen im Gebiet von Pfungen.

Die silberne Zinnenmauer verweist auf das frühere Schloss Pfungen und die Burgen der Freiherren von Wart. Die blaue Farbe kann zugleich als Hinweis auf die Töss verstanden werden.

Die heutige Form des Wappens wurde im 20. Jahrhundert vereinheitlicht.

Politik und Verwaltung

Pfungen ist als politische Gemeinde nach dem Gemeindegesetz des Kantons Zürich organisiert.

Die Stimmberechtigten entscheiden an Gemeindeversammlungen über Budget, Jahresrechnung, kommunale Erlasse, grössere Kredite und weitere Sachgeschäfte. Wahlen sowie eidgenössische, kantonale und bestimmte kommunale Vorlagen werden an der Urne entschieden.

Die Exekutive bildet der Gemeinderat. Er ist für die strategische Führung der Gemeinde und die Aufsicht über die Verwaltung zuständig.

Gemeindepräsidentin ist Tamara Schmocker. Sie ist seit 2022 im Amt und die erste Frau an der Spitze der Gemeinde Pfungen.[9]

Die Gemeindeverwaltung befindet sich an der Dorfstrasse 25.

Die politische Gemeinde erfüllt gleichzeitig die Aufgaben der Volksschule. Für regionale Aufgaben arbeitet Pfungen mit Dättlikon, Neftenbach, Winterthur und weiteren Gemeinden zusammen.

Gemeinsame Einrichtungen und Zweckverbände bestehen unter anderem in den Bereichen Abwasserreinigung, Feuerwehr, Zivilschutz, Gesundheitsversorgung und Altersbetreuung.

Wirtschaft

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die wichtigste Erwerbsgrundlage.

Heute wird noch rund ein Viertel der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt. Die Betriebe betreiben Ackerbau, Futterbau und Viehhaltung.

Die landwirtschaftlichen Flächen befinden sich vor allem im Rumstal, südlich des Multbergs und an der Grenze zu Oberembrach.

Textilindustrie

Die 1854 gegründete Textilfabrik prägte Pfungen während mehr als eines Jahrhunderts.

Der Betrieb stellte unter verschiedenen Firmennamen Stoffe, Wolldecken und weitere Textilprodukte her. Zuletzt war er als Eskimo Textil AG bekannt.

Neben den Produktionsgebäuden entstanden Arbeiterwohnungen, Lagerhäuser, Wasserkanäle und weitere technische Anlagen.

Nach der Einstellung der Produktion im Jahr 1983 wurde das rund 60'000 Quadratmeter grosse Areal schrittweise umgenutzt. Heute beherbergt es verschiedene Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe.

Ziegelei

Die 1889 gegründete mechanische Ziegelei nutzte Tonvorkommen im Gebiet Riedäcker.

Sie produzierte Backsteine, Dachziegel und weitere Baustoffe. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der schweizerischen Baustoffindustrie.

Die Produktion in Pfungen wurde im Jahr 2000 eingestellt. Das frühere Ziegeleigelände wurde zu einem bedeutenden Entwicklungsgebiet der Gemeinde.

Gewerbe und Dienstleistungen

Heute wird die lokale Wirtschaft vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt.

Vertreten sind Baugewerbe, Handwerk, Detailhandel, Logistik, Fahrzeugbetriebe, Informatik, Beratung und persönliche Dienstleistungen.

Ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet ausserhalb der Gemeinde. Wichtigster Arbeitsort ist Winterthur. Weitere Pendlerziele liegen in Zürich, Bülach, im Glattal und in der Flughafenregion.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Pfungen liegt an der Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz.

Er wird von der Linie S41 der Zürcher S-Bahn bedient. Die S41 verbindet Pfungen direkt mit Winterthur, Embrach-Rorbas und Bülach.[10]

In Winterthur bestehen Anschlüsse an den schweizerischen Fernverkehr und weitere Linien der Zürcher S-Bahn. In Bülach kann unter anderem in Richtung Zürich und Schaffhausen umgestiegen werden.

Die Eisenbahn besitzt für den Pendlerverkehr eine grosse Bedeutung. Das Gebiet rund um den Bahnhof soll langfristig verkehrlich und städtebaulich aufgewertet werden.

Busverkehr

Buslinien verbinden den Bahnhof und das Dorfzentrum mit Dättlikon, Neftenbach und Winterthur.

Die Busverbindungen ergänzen die S-Bahn und erschliessen Wohngebiete, die nicht unmittelbar beim Bahnhof liegen.

In Nächten vor Wochenenden und Feiertagen bestehen Nachtverbindungen im Netz des Zürcher Verkehrsverbunds.

Strassenverkehr

Regionale Strassen verbinden Pfungen mit Winterthur, Neftenbach, Embrach, Oberembrach und Dättlikon.

Die Töss wird durch die Strassenbrücke zwischen Pfungen und Dättlikon überquert. Weitere Übergänge dienen dem Fuss- und Veloverkehr.

Der nächste Anschluss an die Autobahn A1 befindet sich im Westen von Winterthur. Über Embrach und Kloten besteht eine Verbindung zum Flughafen Zürich.

Fuss- und Veloverkehr

Entlang der Töss verläuft ein regional bedeutender Fuss- und Veloweg.

Weitere Wege führen durch das Rumstal, über den Multberg, nach Dättlikon, Neftenbach und Winterthur-Wülflingen.

Die Wälder und Flusslandschaften ermöglichen Rundwanderungen unterschiedlicher Länge.

Bildung

Die Schule Pfungen umfasst Kindergarten, Primarstufe und Sekundarstufe.

Die politische Gemeinde ist für die Volksschule und die schulergänzende Betreuung zuständig. Zu den Einrichtungen gehören Kindergärten, Schulhäuser, Turnhallen, Sportplätze und Tagesstrukturen.

Das Schulareal Seebel wurde aufgrund des Bevölkerungswachstums erweitert und erneuert.

Berufsfachschulen, Mittelschulen und Hochschulen befinden sich hauptsächlich in Winterthur und Zürich.

Religion

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche steht im historischen Dorfkern an der Hinterdorfstrasse.

Die heutige Kirche wurde 1648 und 1649 nach Plänen des aus Wülflingen stammenden Baumeisters Balthasar Sölli errichtet. Sie entstand an der Stelle mehrerer älterer Gotteshäuser.

Bei archäologischen Untersuchungen von 1964 und 1965 wurden Fundamente und Bauteile früherer Kirchen freigelegt. Die älteste Kirche bestand vermutlich bereits vor der ersten Jahrtausendwende.

Der Friedhof befand sich ursprünglich bei der Kirche. Wegen Platzmangels wurde 1919 ein neuer Friedhof an der Buckstrasse angelegt.

Heute gehört Pfungen zur reformierten Kirchgemeinde Dättlikon-Pfungen.

Katholische Kirche St. Pirminius

Die katholische Kirche St. Pirminius wurde zwischen 1899 und 1901 errichtet.

Ihr Bau stand in engem Zusammenhang mit der Zuwanderung katholischer Arbeiterinnen und Arbeiter während der Industrialisierung.

Die ersten katholischen Gottesdienste fanden in einem Saal der Textilfabrik statt. Ein Priester aus Bülach hielt die Gottesdienste teilweise in deutscher und italienischer Sprache.

Die Kirche ist nach dem heiligen Pirminius benannt und steht unter Denkmalschutz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Historischer Dorfkern

Der alte Dorfkern umfasst Teile des Hinderdorfs, des Oberdorfs, der Reckholdern und des Bucks.

Erhalten sind traditionelle Bauernhäuser, ehemalige Kleinbauernhäuser, Scheunen und Wohnbauten aus verschiedenen Epochen.

Das historische Siedlungsbild ist trotz der starken Bautätigkeit des 20. Jahrhunderts weiterhin erkennbar.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche ist das bedeutendste erhaltene historische Bauwerk Pfungens.

Der Bau von 1648 und 1649 dokumentiert die Entwicklung der Zürcher Landkirchen nach der Reformation. Die archäologischen Funde im Kirchenbereich reichen deutlich weiter zurück.

Katholische Kirche St. Pirminius

Die 1901 vollendete katholische Kirche ist ein wichtiges Zeugnis der Industrialisierung und der konfessionellen Veränderungen im Kanton Zürich.

Sie erinnert an die Zuwanderung von Arbeitskräften aus katholischen Gebieten der Schweiz, aus Italien und aus Deutschland.

Burgstelle Multberg

Die Burgstelle auf dem Gipfel des Multbergs ist über Wanderwege erreichbar.

Obwohl keine Mauern erhalten sind, lassen sich das Burgplateau und die Gräben erkennen. Informationstafeln und historische Darstellungen vermitteln die Geschichte der Freiherren von Wart und der Zerstörung von 1309.

Standort des Schlosses Pfungen

Vom ehemaligen Schloss Pfungen sind keine sichtbaren Bauteile erhalten.

Historische Pläne, Zeichnungen und Druckgrafiken dokumentieren das Aussehen der Anlage. Ihr Standort befand sich im Bereich des früheren Endes des Hinderdorfs und der heutigen Bahnlinie.

Industrieareale

Das ehemalige Areal der Textilfabrik im Bruni gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Pfungener Industriegeschichte.

Die erhaltenen Fabrikbauten werden heute gewerblich genutzt. Auch das frühere Ziegeleigelände erinnert an die industrielle Entwicklung der Gemeinde.

Natur und Freizeit

Die Töss, der Multberg und die Wälder des Rumstals bilden die wichtigsten Naherholungsräume.

Entlang des Flusses bestehen Spazier-, Wander- und Velowege. Im Sommer werden einzelne flache Uferbereiche zum Baden und Verweilen genutzt.

Der Multberg bietet Waldwege und Zugänge zur mittelalterlichen Burgstelle. Weitere Wanderwege führen über Dättlikon zum Irchel oder nach Winterthur-Wülflingen.

Pfungen verfügt über Sportplätze, Turnhallen, Spielplätze und verschiedene Freizeitanlagen.

Das Vereinsleben umfasst Sport-, Musik-, Kultur-, Schiess-, Natur- und Quartiervereine. Zusammen mit der Nachbargemeinde Dättlikon erscheint die Dorfzeitung Binde-Strich.

Persönlichkeiten

Mit Pfungen verbunden sind unter anderem:

  • Jakob von Wart, mittelalterlicher Minnesänger und Angehöriger der Freiherren von Wart;
  • Rudolf Benz (1810–1872), Jurist, Zürcher Regierungsrat und Nationalrat, Bürger von Pfungen;
  • Jakob Flach (1867–1952), Buchdrucker, Gewerkschafter und Verwalter des Konsumvereins Winterthur;
  • Emilie Bosshart (1897–1979), Lehrerin und Pädagogin, in Pfungen geboren;
  • Jakob Flach (1894–1982), Schriftsteller, Maler und Puppenspieler, Bürger von Pfungen.

Chronologie

Ausgewählte Ereignisse der Ortsgeschichte
Jahr Ereignis
993/994 Erste urkundliche Erwähnung als Funginga
um 1250 Bau der Burg auf dem Multberg
1308 Beteiligung Rudolfs von Wart an der Ermordung König Albrechts I.
1309 Zerstörung der Burgen Wart und Multberg
1520er-Jahre Einführung der Reformation
1629 Erwerb der Herrschaft Pfungen durch die Stadt Winterthur
1648–1649 Bau der heutigen reformierten Kirche
1798 Ende der Winterthurer Herrschaft und Bildung der politischen Gemeinde
1854 Ansiedlung der Textilindustrie an der Töss
1855 Bau eines Fabrikstegs nach Dättlikon
1875–1876 Abbruch des Schlosses Pfungen für den Eisenbahnbau
1876 Eröffnung der Bahnstrecke Winterthur–Koblenz
1882–1883 Bau der Strassenbrücke nach Dättlikon
1889 Gründung der mechanischen Ziegelei
1901 Fertigstellung der katholischen Kirche St. Pirminius
1919 Verlegung des Friedhofs an die Buckstrasse
1953 Archäologische Untersuchung der Burgstelle Multberg
1964–1965 Archäologische Untersuchung und Renovation der reformierten Kirche
1983 Einstellung der Textilproduktion der Eskimo Textil AG
2000 Einstellung der Ziegeleiproduktion in Pfungen
2024 Die Einwohnerzahl erreicht 4163 Personen

Siehe auch

Literatur

  • Heini Steiner: Pfungen. Ortsgeschichte und Heimatbuch. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1954.
  • Heini Steiner und Mario Bont: 993 Pfungen 1993. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1993.
  • Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band VII: Der Bezirk Winterthur. Südlicher Teil. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 1986, ISBN 3-7643-1786-8, S. 172–212.
  • Heini Steiner: Pfungen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Kanton Zürich: Zürcher Denkmalpflege. 4. Bericht 1964/1965. Zürich.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gemeinde Pfungen: Gemeinde in Zahlen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  2. Heini Steiner: Pfungen, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  3. Wart, von, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 24. Juli 2026.
  4. Burgenwelt: Burgstelle Multberg, abgerufen am 24. Juli 2026.
  5. Zentralbibliothek Zürich: Grundrisse des Schlosses Pfungen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 Gemeinde Pfungen: Porträt und Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.
  7. Reformierte Kirchgemeinde Dättlikon-Pfungen: Geschichte der Kirche Pfungen, abgerufen am 24. Juli 2026.
  8. Pfarrei St. Pirminius: Geschichte, abgerufen am 24. Juli 2026.
  9. Gemeinde Pfungen: Porträt der Gemeindepräsidentin Tamara Schmocker, 2025.
  10. Zürcher Verkehrsverbund: Linie S41 Winterthur–Bülach, Fahrplanjahr 2026, abgerufen am 24. Juli 2026.