Schweizerische Volkspartei

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 23. Juli 2026, 17:06 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="wikitable" style="float:right; clear:right; width:23em; margin:0 0 1em 1em; border-collapse:collapse; font-size:90%; line-height:1.4;" |- ! colspan="2" style="text-align:center; font-size:120%; background:#b8d98d; padding:0.5em;" | Schweizerische Volkspartei |- ! scope="row" style="width:42%; text-align:left;" | Kurzbezeichnung | SVP Schweiz |- ! scope="row" style="text-align:left;" | Abkürzung | SVP |- ! scope="row" style="text-align:left;" | Fr…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Schweizerische Volkspartei
Kurzbezeichnung SVP Schweiz
Abkürzung SVP
Französischer Name Union démocratique du centre
Italienischer Name Unione Democratica di Centro
Rätoromanischer Name Partida populara Svizra
Staat Schweiz
Gründung 22. September 1971
Vorgängerparteien Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei und Demokratische Parteien von Glarus und Graubünden
Politische Ausrichtung Nationalkonservatismus, Wirtschaftsliberalismus, Agrarpolitik, konservative Gesellschaftspolitik und Rechtspopulismus
Parteipräsident Marcel Dettling
Fraktionspräsident Thomas Aeschi
Generalsekretär Henrique Schneider
Nationalrat 62 von 200 Sitzen
Ständerat 6 von 46 Sitzen
Bundesrat 2 von 7 Sitzen
Wähleranteil 27,9 % (Nationalratswahlen 2023)
Bundesräte Guy Parmelin und Albert Rösti
Jungpartei Junge SVP Schweiz
Sitz Bern
Website www.svp.ch

Die Schweizerische Volkspartei, kurz SVP, ist eine politische Partei der Schweiz. Sie vertritt nationalkonservative, wirtschaftsliberale, agrarpolitische und gesellschaftlich konservative Positionen. In der Politikwissenschaft wird sie häufig dem rechtsbürgerlichen bis rechtspopulistischen Spektrum zugeordnet.

Die Partei entstand 1971 aus dem Zusammenschluss der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, abgekürzt BGB, mit den Demokratischen Parteien der Kantone Glarus und Graubünden. Ihre ältesten organisatorischen Wurzeln reichen zu den Bauernparteien zurück, die während des Ersten Weltkriegs in Zürich und Bern gegründet wurden.

Bei den eidgenössischen Wahlen 2023 erreichte die SVP einen gesamtschweizerischen Wähleranteil von 27,9 Prozent und gewann 62 der 200 Sitze im Nationalrat. Damit ist sie gemessen am Wähleranteil und an der Zahl ihrer Nationalratsmandate die stärkste Partei der Schweiz.[1]

Im Ständerat ist die SVP mit sechs Mitgliedern vertreten. Mit Guy Parmelin und Albert Rösti stellt sie zwei der sieben Mitglieder des Bundesrats. Parmelin ist seit 2016 Bundesrat und bekleidet 2026 das Amt des Bundespräsidenten. Rösti gehört der Landesregierung seit 2023 an.[2]

Die Partei ist besonders in ländlichen und suburbanen Gebieten der Deutschschweiz stark. Seit den 1990er-Jahren baute sie ihre Organisation auch in der Romandie und im Tessin erheblich aus. In den grösseren Städten erreicht sie gewöhnlich geringere Wähleranteile als in ländlichen Gemeinden.

Name und Sprachversionen

Der deutsche Name lautet Schweizerische Volkspartei. Die Bezeichnung soll den Anspruch ausdrücken, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ausserhalb einer engen Klassen-, Berufs- oder Konfessionspartei zu vertreten.

In den Landessprachen verwendet die Partei folgende Namen:

Parteinamen in den Landessprachen
Sprache Name Abkürzung
Deutsch Schweizerische Volkspartei SVP
Französisch Union démocratique du centre UDC
Italienisch Unione Democratica di Centro UDC
Rätoromanisch Partida populara Svizra PPS

Die französische und italienische Bezeichnung entspricht wörtlich ungefähr «Demokratische Union der Mitte». Sie geht auf die Zeit der Parteigründung zurück, als die SVP im schweizerischen Parteiensystem überwiegend als bürgerliche Mitte-rechts-Partei wahrgenommen wurde.

Seit den 1990er-Jahren verlagerte sich die programmatische und öffentliche Positionierung deutlich nach rechts. Die historischen französischen und italienischen Namen blieben dennoch bestehen.

Vorgeschichte

Bauernbewegung im frühen 20. Jahrhundert

Die Entstehung der späteren SVP stand im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und politischen Spannungen während des Ersten Weltkriegs.

Viele Landwirte fühlten sich innerhalb der freisinnigen Bewegung unzureichend vertreten. Sie kritisierten die Preis-, Handels- und Versorgungspolitik des Bundes sowie die starke Stellung von Industrie, Handel und städtischen Eliten.

1917 beschlossen Delegierte des Zürcherischen Landwirtschaftlichen Kantonalvereins die Gründung einer eigenständigen Bauernpartei. Diese gewann bei den folgenden Kantonsratswahlen auf Anhieb zahlreiche Sitze.[3]

1918 entstand im Kanton Bern eine Bauern- und Bürgerpartei. Zu ihren führenden Persönlichkeiten gehörte der Landwirt und Politiker Rudolf Minger.

Die Bauernparteien verstanden sich als Vertretung der Landwirtschaft, des Gewerbes und eines konservativ geprägten Bürgertums. Sie wollten ein politisches Gegengewicht sowohl zur Sozialdemokratie als auch zu den städtisch und industriell geprägten Teilen des Freisinns bilden.

Einführung des Proporzwahlrechts

Die Einführung des Verhältniswahlrechts für den Nationalrat im Jahr 1919 begünstigte die Entwicklung neuer Parteien.

Unter dem früheren Mehrheitswahlrecht hatten kleinere politische Kräfte Schwierigkeiten, eigene Mandate zu gewinnen. Der Proporz ermöglichte den Bauernparteien eine ihrer tatsächlichen Stimmenstärke entsprechende parlamentarische Vertretung.

Bei den Nationalratswahlen von 1919 gewannen bäuerliche Parteien mehrere Sitze. Die Freisinnigen verloren gleichzeitig ihre absolute Mehrheit im Nationalrat.

Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei

Im Kanton Bern schlossen sich 1921 der Bauernflügel, Gewerbevertreter und liberal-konservative Gruppen zur Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei zusammen.

Am 23. Dezember 1936 wurde die BGB als gesamtschweizerische Partei gegründet. Die formelle Konstituierung erfolgte am 30. Januar 1937.[3]

Die BGB war eine föderalistisch organisierte Partei mit starken kantonalen Unterschieden. Besonders bedeutend waren ihre Sektionen in Bern, Zürich, Aargau, Thurgau und weiteren landwirtschaftlich geprägten Kantonen.

Demokratische Parteien

Neben der BGB bestanden in mehreren Kantonen Demokratische Parteien. Diese waren aus der demokratischen Bewegung des 19. Jahrhunderts hervorgegangen und vertraten direktdemokratische, föderalistische und sozialreformerische Positionen.

Von besonderer Bedeutung waren die Demokratischen Parteien in Glarus und Graubünden. Sie besassen eine eigenständige kantonale Tradition und unterschieden sich teilweise von der stärker landwirtschaftlich geprägten BGB.

Gründung der SVP

Am 22. September 1971 vereinigte sich die BGB mit den Demokratischen Parteien der Kantone Glarus und Graubünden zur Schweizerischen Volkspartei.[3]

Der Zusammenschluss sollte die Partei über ihre traditionelle bäuerliche Wählerschaft hinaus öffnen. Angesprochen werden sollten unter anderem:

  • Angestellte;
  • Selbstständigerwerbende;
  • Gewerbetreibende;
  • Angehörige des Mittelstands;
  • konservative Wählerinnen und Wähler in Städten und Agglomerationen.

Die neue Partei war zunächst keine einheitlich ausgerichtete nationale Organisation. Ihre Kantonalparteien unterschieden sich deutlich in politischem Stil und Programm.

Die Berner und Bündner Sektionen galten lange als gemässigt, föderalistisch und staatstragend. Die Zürcher Sektion entwickelte unter dem Einfluss von Christoph Blocher zunehmend ein marktwirtschaftliches, nationalkonservatives und konfrontativeres Profil.

Entwicklung bis Ende der 1980er-Jahre

In den 1970er- und 1980er-Jahren erreichte die SVP bei Nationalratswahlen gewöhnlich einen Wähleranteil zwischen etwa zehn und zwölf Prozent.

Sie war damit die kleinste der vier traditionellen Bundesratsparteien. Neben ihr waren die FDP, die CVP und die SP in der Landesregierung vertreten.

Die SVP verstand sich in dieser Zeit vor allem als Partei:

  • der Landwirtschaft;
  • des Gewerbes;
  • des Föderalismus;
  • der Landesverteidigung;
  • einer zurückhaltenden Finanzpolitik;
  • traditioneller bürgerlicher Werte.

Die Partei war fest in das schweizerische Konkordanzsystem eingebunden. Ihre Bundesräte vertraten häufig pragmatische Positionen und arbeiteten eng mit den übrigen Regierungsparteien zusammen.

Gleichzeitig verlor die traditionelle bäuerliche Basis durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft zahlenmässig an Bedeutung. Die Partei musste deshalb neue gesellschaftliche Gruppen und politische Themen erschliessen.

Aufstieg der Zürcher SVP

Die Zürcher Kantonalpartei entwickelte sich seit den späten 1970er-Jahren zu einem wichtigen innerparteilichen Machtzentrum.

Eine zentrale Rolle spielte Christoph Blocher. Er wurde 1977 Präsident der SVP des Kantons Zürich und prägte deren politische und organisatorische Entwicklung über Jahrzehnte.

Die Zürcher Sektion setzte stärker als andere Kantonalparteien auf:

  • Opposition gegen einen Ausbau des Sozialstaats;
  • Steuersenkungen;
  • Deregulierung;
  • Kritik an staatlicher Bürokratie;
  • eine restriktive Ausländer- und Asylpolitik;
  • Widerstand gegen die europäische Integration;
  • professionelle und stark zugespitzte Wahlkampagnen.

Die Partei baute ihre Kommunikations- und Kampagnenorganisation aus. Abstimmungs- und Wahlwerbung wurde stärker auf wenige klar erkennbare Themen und Persönlichkeiten konzentriert.

Der Erfolg der Zürcher Sektion beeinflusste zunehmend die politische Ausrichtung der Gesamtpartei.

EWR-Abstimmung von 1992

Ein Wendepunkt in der Parteigeschichte war die Abstimmung über den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum am 6. Dezember 1992.

Bundesrat und Parlamentsmehrheit unterstützten den Beitritt. Innerhalb der SVP bestanden unterschiedliche Auffassungen. Die Zürcher Sektion und Christoph Blocher führten eine besonders sichtbare Kampagne gegen die Vorlage.

Die Gegner warnten vor einem Verlust von:

  • staatlicher Souveränität;
  • direkter Demokratie;
  • wirtschaftlicher Selbstbestimmung;
  • Kontrolle über die Zuwanderung.

Der EWR-Beitritt wurde mit 50,3 Prozent Nein-Stimmen und einer Mehrheit der Kantone abgelehnt.

Die SVP konnte sich anschliessend als wichtigste politische Kraft gegen einen EU-Beitritt positionieren. Die Europapolitik wurde zu einem ihrer zentralen Profilierungsthemen.

Aufstieg zur stärksten Partei

In den 1990er-Jahren begann ein starker Anstieg des Wähleranteils.

Die SVP gewann frühere Wählerinnen und Wähler der FDP, der CVP, kleinerer Rechtsparteien und teilweise auch Personen, die zuvor nicht gewählt hatten.

Zu den Gründen für den Aufstieg gehörten:

  • die klare Opposition zu einem EU-Beitritt;
  • zunehmende Bedeutung der Migrations- und Asylpolitik;
  • professionelle Wahlkampagnen;
  • die starke mediale Präsenz Christoph Blochers;
  • der Niedergang kleinerer rechtsbürgerlicher Parteien;
  • die Ausdehnung in Kantone, in denen die SVP zuvor schwach organisiert war;
  • eine stärkere Polarisierung des schweizerischen Parteiensystems.

Bei den Nationalratswahlen 1999 erreichte die Partei 22,5 Prozent der Stimmen und wurde erstmals wählerstärkste Partei der Schweiz.

2003 steigerte sie ihren Anteil auf 26,7 Prozent. Bei den Wahlen 2007 erreichte sie 28,9 Prozent und 62 Nationalratssitze.

Bundesratswahl 2003

Die SVP verfügte seit Einführung der sogenannten Zauberformel im Jahr 1959 über einen Sitz im Bundesrat.

Nach ihren starken Wahlergebnissen erhob sie Anspruch auf einen zweiten Sitz. Bei der Bundesratswahl vom 10. Dezember 2003 trat Christoph Blocher gegen die amtierende CVP-Bundesrätin Ruth Metzler an.

Blocher wurde gewählt. Die seit 1959 bestehende parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrats mit zwei FDP-, zwei CVP-, zwei SP- und einem SVP-Mitglied wurde damit verändert.

Die SVP stellte nun mit Christoph Blocher und Samuel Schmid zwei Bundesräte.

Abwahl Christoph Blochers und Gründung der BDP

Bei der Gesamterneuerungswahl des Bundesrats vom 12. Dezember 2007 wurde Christoph Blocher nicht wiedergewählt.

An seiner Stelle wählte die Bundesversammlung die Bündner SVP-Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf, obwohl sie von der nationalen Parteiführung nicht als Kandidatin aufgestellt worden war.

Widmer-Schlumpf nahm die Wahl an. Die nationale SVP verlangte daraufhin ihren Austritt aus der Partei. Da die Kantonalpartei Graubünden sich weigerte, sie auszuschliessen, wurde die gesamte Bündner Sektion aus der nationalen SVP ausgeschlossen.

Auch Bundesrat Samuel Schmid entfernte sich zunehmend von der nationalen Parteiführung.

2008 gründeten die ausgeschlossene Bündner Kantonalpartei und weitere gemässigte SVP-Mitglieder die Bürgerlich-Demokratische Partei. Widmer-Schlumpf und Schmid traten der neuen Partei bei.

Die SVP erklärte sich zeitweise zur Oppositionspartei. Nach dem Rücktritt Schmids wurde Ueli Maurer im Dezember 2008 in den Bundesrat gewählt. Damit war die SVP wieder mit einem offiziell von ihr getragenen Mitglied in der Regierung vertreten.

Wahlen von 2011 bis 2023

Bei den Nationalratswahlen 2011 verlor die SVP gegenüber ihrem Rekordergebnis von 2007, blieb mit 26,6 Prozent jedoch stärkste Partei.

2015 erzielte sie mit 29,4 Prozent den höchsten gesamtschweizerischen Wähleranteil, den eine Partei seit Einführung des Nationalratsproporzes im Jahr 1919 erreicht hatte. Sie gewann 65 Nationalratssitze.[4]

Nach diesem Wahlerfolg wurde Guy Parmelin im Dezember 2015 in den Bundesrat gewählt. Die SVP erhielt damit erneut zwei Regierungssitze.

Bei den Wahlen 2019 sank der Wähleranteil auf 25,6 Prozent. Die Partei verlor zwölf Nationalratssitze, blieb aber deutlich stärkste politische Kraft.

2023 gewann sie wieder neun Sitze und erreichte 27,9 Prozent. Zuwanderung, Asylpolitik, Energieversorgung, Neutralität und steigende Lebenshaltungskosten gehörten zu ihren wichtigsten Wahlkampfthemen.

Wahlergebnisse

Ergebnisse bei den Nationalratswahlen
Wahljahr Wähleranteil Sitze
1971 11,1 % 23
1975 9,9 % 21
1979 11,6 % 23
1983 11,1 % 23
1987 11,0 % 25
1991 11,9 % 25
1995 14,9 % 29
1999 22,5 % 44
2003 26,7 % 55
2007 28,9 % 62
2011 26,6 % 54
2015 29,4 % 65
2019 25,6 % 53
2023 27,9 % 62

Die Parteistärke wird vom Bundesamt für Statistik als Anteil der für eine Partei abgegebenen Stimmen am Total aller gültigen Parteistimmen berechnet.

Aufgrund des föderalistischen Wahlsystems und der unterschiedlichen Zahl von Sitzen in den Kantonen führt ein höherer Wähleranteil nicht immer proportional zu einer höheren Zahl an Mandaten.

Bundesräte

Die Vorgängerpartei BGB war seit 1929 im Bundesrat vertreten.

Bundesräte der BGB und SVP
Person Kanton Amtszeit Partei während der Wahl
Rudolf Minger Bern 1930–1940 BGB
Eduard von Steiger Bern 1941–1951 BGB
Markus Feldmann Bern 1952–1958 BGB
Friedrich Traugott Wahlen Bern 1959–1965 BGB
Rudolf Gnägi Bern 1966–1979 BGB beziehungsweise SVP
Leon Schlumpf Graubünden 1980–1987 SVP
Adolf Ogi Bern 1988–2000 SVP
Samuel Schmid Bern 2001–2008 SVP
Christoph Blocher Zürich 2004–2007 SVP
Eveline Widmer-Schlumpf Graubünden 2008–2015 bei der Wahl SVP, später BDP
Ueli Maurer Zürich 2009–2022 SVP
Guy Parmelin Waadt seit 2016 SVP
Albert Rösti Bern seit 2023 SVP

Widmer-Schlumpf wurde gegen den Willen der nationalen Parteiführung gewählt. Nach dem Ausschluss der Bündner SVP wurde sie Mitglied der BDP und gilt deshalb nur für den Beginn ihrer Amtszeit als SVP-Bundesrätin.

Parteipräsidium

Seit dem 23. März 2024 ist der Schwyzer Nationalrat Marcel Dettling Präsident der SVP Schweiz. Er folgte auf den Tessiner Ständerat Marco Chiesa.[5]

Zu den früheren Präsidenten gehören:

Präsidenten seit 1996
Person Amtszeit
Ueli Maurer 1996–2008
Toni Brunner 2008–2016
Albert Rösti 2016–2020
Marco Chiesa 2020–2024
Marcel Dettling seit 2024

Der Parteipräsident vertritt die Partei nach aussen und leitet gemeinsam mit dem Parteileitungsausschuss die politische und organisatorische Arbeit.

Politische Ausrichtung

Die SVP bezeichnet Freiheit, Unabhängigkeit, Neutralität, direkte Demokratie, Föderalismus und Eigenverantwortung als zentrale Grundwerte.

Sie lehnt einen starken Ausbau staatlicher Aufgaben ab und fordert, politische Entscheidungen möglichst nahe bei den Bürgerinnen und Bürgern zu treffen.

Die Partei verbindet wirtschaftsliberale Forderungen mit konservativen Positionen in der Migrations-, Sicherheits-, Europa- und Gesellschaftspolitik.

In der Landwirtschaftspolitik unterstützt sie gleichzeitig staatliche Direktzahlungen, Grenzschutz und Massnahmen zur Sicherung der einheimischen Lebensmittelproduktion.

Europa- und Aussenpolitik

Die SVP lehnt einen Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union ab.

Sie sieht in der Übernahme von EU-Recht und in supranationalen Gerichten eine Gefahr für die direkte Demokratie und die staatliche Souveränität.

Die Partei befürwortet wirtschaftliche Beziehungen mit der Europäischen Union, verlangt jedoch, dass die Schweiz ihre Gesetze selbstständig beschliesst und keine automatische Rechtsübernahme akzeptiert.

Institutionelle Abkommen mit der EU beurteilt sie besonders kritisch, wenn diese nach ihrer Auffassung eine dynamische Rechtsübernahme, eine Aufsicht durch EU-Organe oder eine Einschränkung der Volksrechte vorsehen.

Die SVP war eine der wichtigsten politischen Kräfte gegen:

  • den EWR-Beitritt 1992;
  • einen EU-Beitritt;
  • das institutionelle Rahmenabkommen;
  • eine engere rechtliche Anbindung der Schweiz an die EU.

Neutralität

Die SVP setzt sich für eine strikte Auslegung der schweizerischen Neutralität ein.

Die Schweiz soll sich nach Auffassung der Partei nicht an militärischen Bündnissen und nur sehr zurückhaltend an internationalen Sanktionen beteiligen.

Sie lehnt einen Beitritt zur NATO ab und betrachtet die bewaffnete Neutralität als wichtige Grundlage der schweizerischen Sicherheit und Vermittlungspolitik.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 kritisierte die Partei die Übernahme von Sanktionen der Europäischen Union teilweise als Abkehr von der traditionellen Neutralität.

Andere Parteien und Staatsrechtler vertreten dagegen die Auffassung, dass die Neutralität wirtschaftliche Sanktionen nicht grundsätzlich ausschliesse.

Ausländer- und Migrationspolitik

Die Begrenzung der Zuwanderung gehört seit den 1990er-Jahren zu den wichtigsten Themen der Partei.

Die SVP fordert:

  • eine eigenständige Steuerung der Zuwanderung;
  • tiefere Einwanderungszahlen;
  • eine konsequente Ausschaffung ausländischer Straftäter;
  • strengere Voraussetzungen für Familiennachzug;
  • eine restriktivere Einbürgerungspraxis;
  • Vorrang für die Integration bereits anwesender Ausländerinnen und Ausländer;
  • Bekämpfung von Missbrauch im Asyl- und Sozialwesen;
  • stärkere Kontrollen an den Landesgrenzen.

Die Partei kritisiert die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union, weil diese aus ihrer Sicht zu einer nicht ausreichend steuerbaren Einwanderung führt.

Sie argumentiert, ein starkes Bevölkerungswachstum erhöhe den Druck auf Wohnraum, Verkehr, Schulen, Gesundheitswesen, Landschaft und Sozialwerke.

Kritiker werfen der Partei vor, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorteile der Migration zu wenig zu berücksichtigen und einzelne Bevölkerungsgruppen pauschal negativ darzustellen.

Asylpolitik

Die SVP verlangt eine deutliche Reduktion der Asylgesuche und beschleunigte Verfahren.

Personen ohne Schutzanspruch sollen nach Auffassung der Partei rascher in ihre Herkunfts- oder sichere Drittstaaten zurückgeführt werden.

Die Partei fordert zudem:

  • konsequente Bekämpfung des Schlepperwesens;
  • Einschränkung von Sozialleistungen für abgewiesene Asylsuchende;
  • Unterbringung renitenter Personen in besonderen Zentren;
  • Rückübernahmeabkommen mit Herkunftsstaaten;
  • stärkere Hilfe in den Herkunftsregionen.

Humanitäre Organisationen und linke Parteien kritisieren Teile dieser Forderungen als zu restriktiv und mit dem Flüchtlings- oder Menschenrecht schwer vereinbar.

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Die SVP vertritt grundsätzlich eine marktwirtschaftliche Ordnung mit möglichst wenigen staatlichen Vorschriften.

Sie fordert:

  • tiefere Steuern und Abgaben;
  • Begrenzung der Staatsausgaben;
  • Abbau von Bürokratie;
  • unternehmerische Freiheit;
  • Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen;
  • Schutz des Privateigentums;
  • ausgeglichene öffentliche Haushalte;
  • Zurückhaltung bei staatlichen Subventionen.

Die Schuldenbremse des Bundes wird von der Partei entschieden unterstützt.

Gleichzeitig verteidigt die SVP in bestimmten Bereichen staatliche Unterstützungen, insbesondere in der Landwirtschaft, der Landesversorgung und teilweise bei systemrelevanten Infrastrukturen.

Landwirtschaftspolitik

Die landwirtschaftlichen Wurzeln bleiben ein wichtiger Bestandteil der Parteiidentität.

Die SVP setzt sich für:

  • eine produzierende Landwirtschaft;
  • angemessene Einkommen für Bauernfamilien;
  • Direktzahlungen;
  • Schutz des Kulturlands;
  • Versorgungssicherheit;
  • weniger administrative Vorschriften;
  • Grenzschutz für landwirtschaftliche Produkte;
  • eine zurückhaltende Öffnung des Agrarmarktes ein.

Freihandelsabkommen beurteilt die Partei kritisch, wenn sie die einheimische Landwirtschaft einem starken Preisdruck aussetzen.

Umweltorganisationen kritisieren teilweise, dass die agrarpolitischen Positionen der SVP den Schutz von Biodiversität, Gewässern und Klima zu wenig berücksichtigen.

Sozialpolitik

Die SVP betont Eigenverantwortung, Erwerbsarbeit und die finanzielle Tragbarkeit der Sozialversicherungen.

Sie will AHV, Invalidenversicherung und berufliche Vorsorge langfristig sichern, lehnt jedoch einen starken Ausbau des Sozialstaats ab.

Bei der Sozialhilfe fordert die Partei strengere Kontrollen und eine konsequente Bekämpfung von Missbrauch.

Sie spricht sich häufig gegen staatliche Leistungen aus, die nach ihrer Auffassung falsche Anreize schaffen oder nicht dauerhaft finanzierbar sind.

In der Altersvorsorge unterstützt die Partei unterschiedliche Massnahmen zur Stabilisierung der AHV, darunter eine stärkere Finanzierung durch Wirtschaftswachstum, Erwerbstätigkeit und teilweise eine Anpassung des Rentenalters.

Familien- und Gesellschaftspolitik

Die SVP vertritt ein traditionelles Verständnis von Familie und gesellschaftlicher Verantwortung.

Sie setzt sich für steuerliche und finanzielle Entlastungen von Familien ein und betont die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Formen der Kinderbetreuung.

Teile der Partei stehen gesellschaftspolitischen Liberalisierungen skeptisch gegenüber. Andere kantonale Sektionen und einzelne Mitglieder vertreten liberalere Auffassungen.

Bei Abstimmungen über die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, Fortpflanzungsmedizin und Fragen der Geschlechterpolitik nahm die Partei überwiegend ablehnende oder zurückhaltende Positionen ein.

Sicherheits- und Armeepolitik

Die SVP unterstützt eine starke, glaubwürdige und ausreichend ausgerüstete Schweizer Armee.

Sie verlangt:

  • Erhaltung der allgemeinen Wehrpflicht;
  • ausreichende Verteidigungsausgaben;
  • moderne Waffensysteme;
  • Schutz kritischer Infrastruktur;
  • Stärkung von Polizei und Grenzschutz;
  • konsequente Strafverfolgung.

Auslandeinsätze der Armee und eine Annäherung an Militärbündnisse beurteilt die Partei zurückhaltend.

Die Landesverteidigung soll sich nach ihrer Auffassung hauptsächlich auf den Schutz des schweizerischen Staatsgebiets konzentrieren.

Klima-, Umwelt- und Energiepolitik

Die SVP anerkennt die Bedeutung einer sicheren und möglichst umweltschonenden Energieversorgung, lehnt jedoch klimapolitische Massnahmen ab, die aus ihrer Sicht hohe Kosten oder Einschränkungen verursachen.

Sie kritisiert insbesondere:

  • neue Lenkungsabgaben;
  • Verbote fossiler Heizungen und Fahrzeuge;
  • höhere Treibstoffpreise;
  • staatliche Konsumvorgaben;
  • eine ausschliessliche Abhängigkeit von wetterabhängiger Energieproduktion.

Die Partei unterstützt den Ausbau der Wasserkraft, der Kernenergie und je nach Standort weiterer einheimischer Energiequellen.

Sie befürwortet eine Aufhebung des gesetzlichen Verbots zum Bau neuer Kernkraftwerke.

Umweltparteien kritisieren die SVP dafür, den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität politisch nicht ausreichend zu gewichten. Die SVP entgegnet, Umweltschutz müsse wirtschaftlich tragbar sein und dürfe die Versorgungssicherheit nicht gefährden.

Verkehrspolitik

Die SVP setzt sich für den Ausbau und Unterhalt von Strassen ein und lehnt eine Verlagerungspolitik ab, die den privaten Autoverkehr stark einschränkt.

Sie unterstützt in der Regel:

  • leistungsfähige Nationalstrassen;
  • Umfahrungsstrassen;
  • ausreichende Parkmöglichkeiten;
  • verursachergerechte Finanzierung;
  • eine starke Verkehrsinfrastruktur in ländlichen Gebieten.

Gleichzeitig befürwortet sie einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr, sofern dessen Ausbau nach ihrer Auffassung wirtschaftlich gerechtfertigt ist.

Direkte Demokratie und Föderalismus

Die SVP misst der direkten Demokratie eine besonders hohe Bedeutung bei.

Sie verlangt, dass Entscheide von Volk und Ständen vollständig umgesetzt werden. Internationale Verträge und Gerichtsentscheide dürfen nach Auffassung der Partei die Bundesverfassung und die Volksrechte nicht aushöhlen.

Die Partei lehnt eine Zentralisierung staatlicher Aufgaben ab und unterstützt weitreichende Kompetenzen der Kantone und Gemeinden.

Sie nutzt Volksinitiative und Referendum intensiv als politische Instrumente.

Bedeutende Volksinitiativen und Kampagnen

Auswahl bedeutender Vorlagen
Vorlage oder Kampagne Jahr Ergebnis
Kampagne gegen den EWR-Beitritt 1992 EWR-Beitritt abgelehnt
Volksinitiative für die Ausschaffung krimineller Ausländer 2010 Angenommen
Masseneinwanderungsinitiative 2014 Angenommen
Durchsetzungsinitiative 2016 Abgelehnt
Selbstbestimmungsinitiative 2018 Abgelehnt
Begrenzungsinitiative 2020 Abgelehnt
Nachhaltigkeitsinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» 2024 eingereicht Noch nicht zur Abstimmung gelangt

Die Partei beteiligte sich zudem an zahlreichen Referenden und Kampagnen gegen europapolitische Abkommen, Steuererhöhungen, Asylreformen, Energiegesetze und gesellschaftspolitische Vorlagen.

Nicht jede von SVP-Mitgliedern unterstützte Initiative wurde von der nationalen Partei selbst lanciert. Mehrere entstanden aus überparteilichen Komitees.

Organisation

Die SVP ist föderalistisch aufgebaut. Die kantonalen Parteien besitzen eigene Statuten, Vorstände, Programme und finanzielle Strukturen.

Die wichtigsten Organe der nationalen Partei sind:

  • Delegiertenversammlung;
  • Parteivorstand;
  • Parteileitung;
  • Parteileitungsausschuss;
  • Generalsekretariat;
  • eidgenössische Fraktion.

Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung entscheidet über grundlegende politische Fragen und fasst Parolen zu wichtigen eidgenössischen Abstimmungen.

Sie wählt den Parteipräsidenten und weitere Mitglieder der Parteiführung.

Die Delegierten stammen hauptsächlich aus den Kantonalparteien und aus parteinahen Organisationen.

Parteivorstand

Der Parteivorstand berät programmatische Grundlagen und entscheidet über Referenden, politische Kampagnen und organisatorische Fragen.

Er wählt gemäss den Parteistatuten unter anderem Mitglieder der Parteileitung und den Generalsekretär.[6]

Generalsekretariat

Das Generalsekretariat befindet sich in Bern. Es organisiert die laufende politische, administrative und kommunikative Arbeit.

Generalsekretär ist Henrique Schneider. Das Sekretariat unterstützt die Parteiführung, die Kantonalparteien und die nationalen Kampagnen.

Eidgenössische Fraktion

Die SVP-Fraktion ist die grösste Fraktion der Bundesversammlung.

Neben den 62 Nationalrats- und sechs Ständeratsmitgliedern der SVP gehören ihr auch Vertreter der Lega dei Ticinesi, der Eidgenössisch-Demokratischen Union und des Mouvement Citoyens Genevois an.

2026 umfasst die Fraktion insgesamt 74 Mitglieder: 67 Nationalräte und sieben Ständeräte.[7]

Fraktionspräsident ist der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi. Die Fraktion koordiniert die parlamentarische Arbeit und bestimmt die Vertretung in den Kommissionen.

Junge SVP

Die Junge SVP Schweiz ist die Jungpartei der SVP.

Sie besitzt kantonale und regionale Sektionen und beteiligt sich an Wahl- und Abstimmungskampagnen.

Die Junge SVP vertritt häufig besonders pointierte Positionen in der Europa-, Migrations-, Sicherheits- und Gesellschaftspolitik.

Sie dient zugleich als Nachwuchsorganisation für kommunale, kantonale und nationale politische Ämter.

Wählerschaft und regionale Stärke

Die SVP erzielt ihre höchsten Wähleranteile gewöhnlich in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten der Deutschschweiz.

Besonders stark ist sie traditionell in Teilen der Kantone:

  • Schwyz;
  • Thurgau;
  • Schaffhausen;
  • Zürich;
  • Aargau;
  • St. Gallen;
  • Bern;
  • Glarus;
  • Appenzell Ausserrhoden.

Seit den 1990er-Jahren baute die Partei ihre Stellung auch in der französischen und italienischen Schweiz aus.

In der Romandie tritt sie unter der Bezeichnung UDC auf. Bedeutende Sektionen bestehen unter anderem in den Kantonen Waadt, Genf, Freiburg und Wallis.

Im Tessin konkurriert sie teilweise mit der Lega dei Ticinesi, arbeitet mit dieser im Bundesparlament jedoch in derselben Fraktion zusammen.

In den grossen Kernstädten sind SP, Grüne und andere Parteien häufig stärker. Die SVP erzielt dort gewöhnlich niedrigere Ergebnisse als in Agglomerations- und Landgemeinden.

Politischer Stil und Kampagnen

Die SVP ist für stark personalisierte und visuell auffällige Kampagnen bekannt.

Plakate und Inserate verwenden häufig vereinfachte Symbole, klare Gegensätze und kurze politische Botschaften.

Bekannte Kampagnenmotive beschäftigten sich mit:

  • Zuwanderung;
  • ausländischen Straftätern;
  • Asylpolitik;
  • Europäischer Union;
  • Steuern;
  • staatlicher Bürokratie.

Einzelne Kampagnen wurden wegen ihrer Darstellung von Ausländerinnen und Ausländern, Muslimen oder politischen Gegnern als diskriminierend, fremdenfeindlich oder rassistisch kritisiert.

Die Partei weist solche Vorwürfe gewöhnlich zurück. Sie argumentiert, zugespitzte Darstellungen seien ein legitimes Mittel demokratischer Auseinandersetzung und machten auf reale politische Probleme aufmerksam.

Der konfrontative Stil trug erheblich zur öffentlichen Sichtbarkeit und Mobilisierung der eigenen Wählerschaft bei. Gleichzeitig verstärkte er die Polarisierung im schweizerischen Parteiensystem.

Verhältnis zu anderen Parteien

Die SVP arbeitet in Wirtschafts-, Finanz- und Sicherheitsthemen häufig mit der FDP zusammen.

Bei Landwirtschafts-, Familien- und Gesellschaftsfragen bestehen teilweise Gemeinsamkeiten mit der Mitte und kleineren konservativen Parteien.

In der Europa-, Migrations-, Klima- und Sozialpolitik liegen ihre Positionen meist deutlich von SP und Grünen entfernt.

Im Parlament können sich je nach Sachfrage unterschiedliche Mehrheiten ergeben. Trotz ihrer kritischen Haltung gegenüber der politischen Mitte ist die SVP als Bundesratspartei grundsätzlich in das Konkordanzsystem eingebunden.

Stellung im Konkordanzsystem

Die SVP verbindet Regierungsbeteiligung mit einer ausgeprägten oppositionellen Kampagnenpolitik.

Ihre Bundesräte sind an das Kollegialitätsprinzip gebunden und müssen die Entscheide der Gesamtregierung nach aussen vertreten.

Die Parteiführung kann dieselben Entscheide dennoch öffentlich kritisieren oder in Volksabstimmungen bekämpfen.

Dieses Spannungsverhältnis zwischen Regierungsverantwortung und Opposition ist ein charakteristisches Merkmal der Partei seit den 1990er-Jahren.

Kritik und Kontroversen

Die Partei ist eine der am stärksten umstrittenen politischen Kräfte der Schweiz.

Kritiker werfen ihr unter anderem vor:

  • komplexe politische Fragen zu stark zu vereinfachen;
  • Ängste vor Zuwanderung und gesellschaftlichen Veränderungen zu verstärken;
  • internationale Zusammenarbeit zu erschweren;
  • Minderheiten durch Kampagnen auszugrenzen;
  • wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel zu wenig zu berücksichtigen;
  • Spannungen zwischen Landesregionen und Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Unterstützer betrachten die SVP dagegen als notwendiges Gegengewicht zu einer zunehmenden Zentralisierung, Internationalisierung und Ausweitung staatlicher Aufgaben.

Sie heben hervor, dass die Partei Themen anspreche, die von anderen politischen Kräften zu lange vernachlässigt würden.

Innerhalb der Partei entstehen gelegentlich Konflikte zwischen pragmatischen Regierungsmitgliedern, wirtschaftsliberalen Kreisen, landwirtschaftlichen Interessen und stärker nationalkonservativen Gruppierungen.

Bedeutung

Die Entwicklung der SVP veränderte das schweizerische Parteiensystem grundlegend.

Aus einer mittelgrossen Bauern- und Gewerbepartei entstand innerhalb weniger Jahrzehnte die wählerstärkste politische Kraft des Landes.

Die Partei trug dazu bei, folgende Themen dauerhaft in den Mittelpunkt der politischen Debatte zu rücken:

  • Verhältnis zur Europäischen Union;
  • staatliche Souveränität;
  • Zuwanderung;
  • Asylpolitik;
  • Umsetzung von Volksentscheiden;
  • Neutralität;
  • Umfang und Kosten staatlicher Aufgaben.

Ihr Aufstieg führte zu einer stärkeren Polarisierung und schwächte die frühere Dominanz der FDP und der CVP innerhalb des bürgerlichen Lagers.

Die SVP ist heute zugleich Regierungspartei, führende Kraft des rechtsbürgerlichen Lagers und wichtigste Trägerin referendums- und initiativesbasierter Oppositionskampagnen.

Zeittafel

Wichtige Ereignisse
Jahr Ereignis
1917 Gründung der Zürcher Bauernpartei.
1918 Gründung der Bauern- und Bürgerpartei im Kanton Bern.
1919 Erste Nationalratswahlen nach dem Proporzsystem stärken die Bauernparteien.
1921 Zusammenschluss bäuerlicher, gewerblicher und liberal-konservativer Kräfte im Kanton Bern.
1929 Rudolf Minger wird als erster Vertreter der bäuerlichen Parteien in den Bundesrat gewählt.
1936 Gründung der gesamtschweizerischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei.
22. September 1971 Zusammenschluss der BGB mit den Demokratischen Parteien von Glarus und Graubünden zur SVP.
1977 Christoph Blocher übernimmt das Präsidium der Zürcher Kantonalpartei.
1992 Die SVP beteiligt sich führend an der erfolgreichen Kampagne gegen den EWR-Beitritt.
1999 Die Partei wird erstmals wählerstärkste Partei der Schweiz.
2003 Christoph Blocher wird in den Bundesrat gewählt; die SVP erhält einen zweiten Regierungssitz.
2007 Die SVP erreicht 28,9 Prozent und 62 Nationalratssitze.
2007 Christoph Blocher wird nicht wiedergewählt; Eveline Widmer-Schlumpf nimmt die Wahl in den Bundesrat an.
2008 Ausschluss der Bündner Kantonalpartei und Gründung der BDP.
2008 Ueli Maurer wird in den Bundesrat gewählt.
2010 Annahme der Ausschaffungsinitiative.
2014 Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.
2015 Rekordergebnis von 29,4 Prozent und 65 Nationalratssitzen.
2015 Guy Parmelin wird in den Bundesrat gewählt.
2019 Rückgang auf 25,6 Prozent und 53 Nationalratssitze.
2023 Albert Rösti tritt die Nachfolge von Ueli Maurer im Bundesrat an.
2023 Die Partei erreicht 27,9 Prozent und 62 Nationalratssitze.
2024 Marcel Dettling wird Präsident der SVP Schweiz.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Parteien im Bundesrat und im Parlament, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 23. Juli 2026.
  2. Die sieben Mitglieder des Bundesrates, Schweizerische Bundeskanzlei, abgerufen am 23. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Die Geschichte der SVP, SVP Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  4. Parteistärken bei den Nationalratswahlen, Bundesamt für Statistik, abgerufen am 23. Juli 2026.
  5. Einstimmig gewählt: Marcel Dettling ist neuer Präsident der SVP Schweiz, SVP Schweiz, 23. März 2024.
  6. Übersicht der Parteiorgane, SVP Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.
  7. Eidgenössische Fraktion, SVP Schweiz, abgerufen am 23. Juli 2026.