Wildnispark Zürich

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Wildnispark Zürich
Trägerschaft Stiftung Wildnispark Zürich
Operativer Start 2009
Vorgänger Stiftung Naturlandschaft Sihlwald
Sitz Sihlwald, Kanton Zürich
Standorte Tierpark Langenberg
Naturerlebnispark Sihlwald
Parkfläche Sihlwald rund 1098 ha
Tierarten Langenberg 19 einheimische und ehemals einheimische Säugetierarten
Besucher rund 634'000 (2025)
Geschäftsführerin Karin Hindenlang Clerc
Präsident des Stiftungsrates Andres Türler
Träger Stadt Zürich, Gemeinden des Bezirks Horgen, Kanton Zürich, Pro Natura Zürich
Website wildnispark.ch

Der Wildnispark Zürich ist ein Natur-, Tier- und Bildungspark im südlichen Teil des Kantons Zürich. Er umfasst zwei räumlich getrennte, aber organisatorisch und inhaltlich eng miteinander verbundene Standorte: den Tierpark Langenberg in Langnau am Albis und den Naturerlebnispark Sihlwald im unteren Sihltal. Im Weiler Sihlwald befindet sich zudem das Besucherzentrum mit Ausstellung und weiteren Bildungs- und Freizeitangeboten.[1]

Der Wildnispark verbindet zwei unterschiedliche Ansätze des Natur- und Artenschutzes. Im Sihlwald steht die weitgehend ungestörte natürliche Entwicklung eines ehemaligen Wirtschaftswaldes im Vordergrund. Im Tierpark Langenberg werden einheimische und ehemals einheimische Wildtiere in grosszügigen, naturnah gestalteten Anlagen gehalten. Forschung, Umweltbildung, Artenschutz und naturnahe Erholung gehören an beiden Standorten zu den zentralen Aufgaben der Stiftung Wildnispark Zürich.[2]

Der Naturerlebnispark Sihlwald ist seit 2010 der erste vom Bund anerkannte Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung der Schweiz. Der Tierpark Langenberg geht auf einen 1869 gegründeten Wildgarten zurück und bezeichnet sich als ältesten sowie flächenmässig grössten Zoo der Schweiz.[3][4]

2025 wurden an beiden Standorten zusammen rund 634'000 Besuche gezählt.[5]

Organisation

Trägerin des Wildnisparks ist die gemeinnützige Stiftung Wildnispark Zürich. Sie ging aus der 1994 gegründeten Stiftung Naturlandschaft Sihlwald hervor. 2009 nahm die heutige Stiftung Wildnispark Zürich ihren operativen Betrieb auf und vereinigte den Sihlwald und den Langenberg unter einer gemeinsamen Organisation.[2][6]

Zur heutigen Trägerschaft gehören:[2]

Der Stiftungsrat ist das strategische Führungsorgan. Er entscheidet über grundsätzliche Fragen, grössere Ausgaben und die strategische Entwicklung des Parks. Präsident des Stiftungsrates ist 2026 der frühere Zürcher Stadtrat Andres Türler.[2]

Die operative Geschäftsführung liegt bei Karin Hindenlang Clerc. Die Organisation gliedert sich unter anderem in die Bereiche Naturwald, Bildung und Tierpark sowie verschiedene Fachbereiche für Forschung, Besucherdienst, Tierpflege, Kommunikation und Infrastruktur.[7]

Aufgaben und Ziele

Die Stiftung verfolgt mehrere miteinander verbundene Ziele. Im Sihlwald soll die natürliche Dynamik der Waldökosysteme langfristig gewährleistet werden. Natürliche Prozesse wie das Altern und Absterben von Bäumen, Stürme, Hangrutschungen, die Zersetzung von Totholz und die dadurch entstehende Veränderung der Lebensräume sollen möglichst ohne menschliche Eingriffe stattfinden.[2]

Im Langenberg hält und fördert die Stiftung bedrohte einheimische und ehemals einheimische Tierarten. Der Tierpark beteiligt sich auch an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen und an Projekten zur Wiederansiedlung von Wildtieren.[4]

Weitere Stiftungsziele sind die Förderung der Beziehung zwischen Mensch und Natur, Umweltbildung, wissenschaftliche Forschung sowie eine Form der Erholung, die mit den Natur- und Landschaftsschutzzielen vereinbar ist.[2]

Naturerlebnispark Sihlwald

Hauptartikel: Sihlwald

Der Naturerlebnispark Sihlwald liegt im Sihltal zwischen dem Albis und der Sihl. Er gehört zu den bedeutendsten grossflächigen Naturwaldgebieten des Schweizer Mittellandes.

Der Parkperimeter umfasst rund 1098 Hektaren. Davon entfallen rund 442 Hektaren auf die Kernzone und rund 654 Hektaren auf die Naturerlebniszone.[8]

Bereich Fläche Anteil
Gesamtfläche Naturerlebnispark rund 1098 ha 100 %
Kernzone 442 ha rund 40 %
Naturerlebniszone 654 ha rund 60 %
davon Naturwaldreservat im Parkperimeter 846 ha rund 77 %

Das gesamte Naturwaldreservat im Sihlwald umfasst nach Angaben des Wildnisparks rund 970 Hektaren und gehört damit zu den grössten Naturwaldreservaten des Schweizer Mittellandes.[3]

Vom Wirtschaftswald zur Wildnis

Der Sihlwald wurde während Jahrhunderten wirtschaftlich genutzt. Er war insbesondere für die Stadt Zürich von grosser Bedeutung, weil er einen wesentlichen Teil des benötigten Bau- und Brennholzes lieferte.

Im 20. Jahrhundert änderte sich die Haltung gegenüber dem Wald zunehmend. Neben der Holznutzung gewannen Landschaftsschutz, Biodiversität, Erholung und wissenschaftliche Interessen an Bedeutung.

1994 wurde die Stiftung Naturlandschaft Sihlwald gegründet. Mit der Aufgabe des Werkplatzes und einer schrittweisen Reduktion der forstwirtschaftlichen Nutzung begann die Umwandlung des Wirtschaftswaldes in einen Naturwald.[9]

Seit dem Jahr 2000 wird im Sihlwald kein Holz mehr wirtschaftlich genutzt. Umgestürzte und abgestorbene Bäume bleiben grundsätzlich im Wald. Dadurch nimmt der Anteil an stehendem und liegendem Totholz kontinuierlich zu.[3]

2007 wurde ein langfristiger Naturwaldreservatsvertrag abgeschlossen. 2008 trat eine kantonale Schutzverordnung für den Sihlwald in Kraft.[8]

In einer Volksabstimmung der Stadt Zürich im Jahr 2008 wurde die Weiterentwicklung zum Wildnispark mit 89,6 Prozent Ja-Stimmen deutlich unterstützt.[6]

Park von nationaler Bedeutung

Am 1. Januar 2010 erhielt der Sihlwald vom Bund das Label Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung. Er war das erste Gebiet in der Schweiz, das in dieser Parkkategorie anerkannt wurde.[3]

Die Anerkennung setzt eine klare räumliche Gliederung in Kern- und Übergangs- beziehungsweise Naturerlebniszone voraus. In der Kernzone gilt der sogenannte Prozessschutz: Natürliche Vorgänge sollen weitgehend ohne Eingriffe ablaufen.[8]

2020 wurde das nationale Parklabel für weitere zehn Jahre erneuert.[6]

= Kernzone

In der Kernzone besitzt die natürliche Entwicklung Vorrang. Besucherinnen und Besucher dürfen sich dort nur auf den bezeichneten Wegen bewegen.

Es gelten unter anderem:[8]

  • Wegpflicht;
  • Sammelverbot für Pilze, Pflanzen, Beeren und andere Naturmaterialien;
  • Feuerverbot ausserhalb entsprechend zugelassener Bereiche;
  • besonderer Schutz der natürlichen Waldentwicklung.

Auch nach Stürmen oder anderen Naturereignissen werden umgefallene Bäume grundsätzlich nicht aus dem Wald entfernt, sofern keine sicherheitsrelevanten Gründe dagegen sprechen.

Dadurch entstehen unterschiedliche Entwicklungsstadien des Waldes nebeneinander. Alte und abgestorbene Bäume besitzen eine besondere Bedeutung für Pilze, Käfer, Vögel, Moose und zahlreiche weitere Organismen.

= Naturerlebniszone

In der Naturerlebniszone gelten weniger strenge Regeln. Sie dient vor allem dazu, Naturerlebnisse, Umweltbildung und Erholung mit den Schutzzielen des Parks zu verbinden.

Hier ist es teilweise erlaubt, die Wege zu verlassen sowie in den dafür vorgesehenen Bereichen Pilze, Kräuter oder Beeren zu sammeln. Feuer darf ausschliesslich an entsprechend ausgewiesenen Feuerstellen gemacht werden.[8]

Waldökologie

Der Sihlwald ist überwiegend ein Buchenmischwald. Wälder dieser Art prägten ursprünglich grosse Teile Mitteleuropas. Nach Angaben des Wildnisparks entsprachen Buchenmischwälder ursprünglich rund 80 Prozent der Waldfläche Mitteleuropas.[3]

Die Aufgabe der Holznutzung verändert den Wald allmählich. Bäume erreichen ein höheres Alter, sterben natürlich ab und bleiben als Totholz stehen oder liegen. Dadurch entstehen Lebensräume, die in intensiv bewirtschafteten Wäldern deutlich seltener sind.

Im Naturerlebnispark beträgt das Totholzvolumen nach Angaben der Stiftung etwa 50 Kubikmeter pro Hektare. In einem durchschnittlichen Wirtschaftswald des Mittellandes liegt der Vergleichswert bei etwa 15 Kubikmetern pro Hektare.[8]

Der Anteil sehr alter und grosser Bäume nimmt ebenfalls zu. Der Wildnispark erfasst durchschnittlich rund 4,4 sogenannte Baumriesen pro Hektare.[8]

Flora und Fauna im Sihlwald

Mit der zunehmenden Menge an Totholz und alten Bäumen verbessern sich die Lebensbedingungen für zahlreiche spezialisierte Arten.

Zu den im Sihlwald nachgewiesenen seltenen Arten gehören beispielsweise der Kleine Kugel-Stutzkäfer, die Zitronengelbe Tramete und das Grüne Koboldmoos.[10]

Besondere Bedeutung besitzt Totholz. Tausende Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind direkt oder indirekt auf abgestorbene Bäume angewiesen. Das bewusste Liegenlassen von Totholz ist deshalb ein zentrales Element des Prozessschutzes.

Auch grössere Säugetiere wie Rehe, Rotfüchse, Dachse und Wildschweine kommen im Gebiet vor. An der Sihl leben unter anderem Biber und Fischotter beziehungsweise werden deren Vorkommen und Ausbreitung in der Region beobachtet.

Tierpark Langenberg

Der Tierpark Langenberg befindet sich in der Gemeinde Langnau am Albis. Seine Geschichte beginnt im Jahr 1869, als der Zürcher Stadtforstmeister Carl Anton Ludwig von Orelli im Langenberg einen Wildgarten einrichtete.[4]

Der Park bezeichnet sich heute als ältesten und flächenmässig grössten Zoo der Schweiz.[4]

Im Unterschied zu zoologischen Gärten mit einem möglichst breiten Spektrum exotischer Tierarten konzentriert sich der Langenberg auf Wildtiere, die in der Schweiz heimisch sind oder in früheren Zeiten hier vorkamen.

2026 werden dort 19 einheimische und ehemals einheimische Säugetierarten gehalten.[11]

Tierarten

Zu den im Tierpark gehaltenen beziehungsweise betreuten Arten gehören:[11]

Tierart Wissenschaftlicher Name
Alpenmurmeltier Marmota marmota
Alpensteinbock Capra ibex
Europäischer Braunbär Ursus arctos
Damhirsch Dama dama
Europäischer Elch Alces alces
Europäischer Fischotter Lutra lutra
Gartenschläfer Eliomys quercinus
Hausmaus Mus musculus
Eurasischer Luchs Lynx lynx
Przewalskipferd Equus przewalskii
Reh Capreolus capreolus
Rotfuchs Vulpes vulpes
Rothirsch Cervus elaphus
Sikahirsch Cervus nippon
Wanderratte Rattus norvegicus
Europäische Wildkatze Felis silvestris
Wildschwein Sus scrofa
Wisent Bison bonasus
Eurasischer Wolf Canis lupus

Hinzu kommen eine Fledermaus-Notpflegestation sowie beim Besucherzentrum in Sihlwald ein Aquarium mit einheimischen Krebsen und Fischarten aus der Sihl.[11]

Tierhaltung

Der Langenberg verfolgt das Ziel, Wildtiere in möglichst grosszügigen und naturnahen Anlagen zu halten. Die Tiere sollen möglichst viele Bestandteile ihres natürlichen Verhaltens zeigen können, darunter Partnersuche, Aufzucht von Jungtieren und das Zusammenleben in arttypischen sozialen Gruppen.[4]

Der Tierpark wird wissenschaftlich geführt und beteiligt sich an Erhaltungszuchtprogrammen der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).[4]

Mehrere Tierarten leben in ungewöhnlich grossen Wald- und Landschaftsanlagen. Dadurch sind die Tiere für Besucher nicht zu jeder Zeit unmittelbar sichtbar. Dieses Konzept unterscheidet sich bewusst von einer möglichst lückenlosen Präsentation der Tiere.

Artenschutz

Der Wildnispark beteiligt sich sowohl an Erhaltungszuchten als auch an Wiederansiedlungs- und Auswilderungsprojekten.

Zu den Arten, für die der Langenberg an Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen beteiligt ist, gehören unter anderem Wisent, Przewalskipferd, Alpensteinbock und verschiedene weitere gefährdete Tierarten.[4]

Eine besondere Rolle spielen die Luchse. Der Wildnispark gehört zu den europäischen Einrichtungen, in denen junge Luchse unter geeigneten Bedingungen für eine spätere Auswilderung vorbereitet werden können.

2025 wurde das im Wildnispark geborene Luchsweibchen Freya in Deutschland ausgewildert. Im selben Jahr wurde ein Przewalski-Hengst nach Kasachstan gebracht und dort im Rahmen eines Wiederansiedlungsprojekts ausgewildert.[5]

Auch ausserhalb des Tierparks beteiligt sich die Stiftung an Artenschutzprojekten. Dazu gehört beispielsweise die Unterstützung des Projekts Wisent Thal im Kanton Solothurn, das die Voraussetzungen für ein mögliches Leben frei lebender Wisente in der Schweiz untersucht.

Fledermaus-Notpflegestation

Seit 2022 betreibt der Tierpark Langenberg in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fledermausschutz eine Notpflegestation für Fledermäuse aus dem Sihltal.

Dort werden geschwächte oder verletzte Fledermäuse vorübergehend gepflegt. Das Ziel ist, die Tiere nach ihrer Genesung wieder freizulassen.[12]

Besucherzentrum Sihlwald

Das Besucherzentrum Sihlwald befindet sich im Weiler Sihlwald wenige Schritte vom Bahnhof Sihlwald entfernt.

Es dient als Informations-, Bildungs- und Ausgangspunkt für Besuche im Naturerlebnispark. Zum Areal gehören:

  • die Sihlwald-Ausstellung;
  • wechselnde Sonderausstellungen;
  • Informations- und Beratungsangebote;
  • ein Wildnis-Spielplatz;
  • Feuerstellen;
  • gedeckte Sitzplätze;
  • Ausgangspunkte für Wander- und Erlebniswege.

Die Dauerausstellung beschäftigt sich insbesondere mit der Entwicklung des Sihlwaldes vom bewirtschafteten Wald zum Naturwald.

Das Besucherzentrum beherbergt zugleich ein Naturmuseum und ist damit Teil der musealen Bildungsarbeit der Stiftung.

Forschung und Monitoring

Der Sihlwald besitzt als vergleichsweise grosses, nicht mehr forstwirtschaftlich genutztes Buchenwaldgebiet eine besondere wissenschaftliche Bedeutung.

Die Stiftung unterstützt Forschungs- und Monitoringprojekte, mit denen langfristige Veränderungen von Waldstruktur, Tier- und Pflanzenwelt untersucht werden.

Zu den Forschungsfeldern gehören beispielsweise:

  • Entwicklung des Totholzanteils;
  • Alter und Struktur des Baumbestands;
  • Vorkommen von Pilzen und totholzbewohnenden Käfern;
  • Brutvögel;
  • Säugetiere;
  • Veränderungen der Vegetation;
  • Auswirkungen natürlicher Störungen;
  • Freizeitnutzung und Besucherlenkung.

Der Sihlwald bietet dabei die Möglichkeit, natürliche Waldprozesse über Jahrzehnte zu beobachten und mit bewirtschafteten Wäldern zu vergleichen.

Umweltbildung

Umwelt- und Naturbildung gehören zu den zentralen Aufgaben des Wildnisparks. Die Stiftung versteht den Park nicht nur als Schutzgebiet und Tierpark, sondern auch als Lernort.

Das Angebot richtet sich unter anderem an:

  • Familien;
  • Schulklassen;
  • Kindergärten;
  • Erwachsene;
  • Vereine und Unternehmen;
  • Fachpersonen.

Zum Programm gehören Führungen, Exkursionen, Kurse, Wildnistage, Schulprogramme und thematische Veranstaltungen.

Die Bildungsarbeit orientiert sich unter anderem an den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Natur soll dabei nicht nur über theoretisches Wissen, sondern möglichst durch unmittelbare Erfahrungen vermittelt werden.[13]

Wege und Freizeit

Der Naturerlebnispark verfügt über ein umfangreiches Netz markierter Wege.

Infrastruktur Umfang
Wanderwege rund 73 km
Velowege rund 56 km
Reitwege rund 52 km
Feuerstellen 19

Die Angaben beziehen sich auf den Naturerlebnispark Sihlwald.[8]

Zu den bekannten Angeboten gehört der Walderlebnispfad beim Besucherzentrum. Zahlreiche Wanderwege führen durch das Sihltal, über den Albis oder zwischen Sihlwald und Langenberg.

Die beiden Hauptstandorte können auch zu Fuss miteinander verbunden werden. Eine Route vom Besucherzentrum Sihlwald zum Tierpark Langenberg ist rund 5,4 Kilometer lang.[14]

Eintritt und Zugänglichkeit

Der Besuch des Sihlwaldes und des Tierparks Langenberg ist grundsätzlich kostenlos.[1]

Der Sihlwald, die Wanderwege und das Areal beim Besucherzentrum sind grundsätzlich ganzjährig zugänglich. Das eigentliche Besucherzentrum besitzt saisonale Öffnungszeiten.

Im Tierpark ist der Grossteil der Anlagen im Ostteil während des ganzen Jahres rund um die Uhr frei zugänglich. Der Westteil verfügt über festgelegte tägliche Öffnungszeiten.[1]

Die Stiftung finanziert den Betrieb unter anderem durch Beiträge der öffentlichen Trägerschaft, Sponsoring, Spenden, Patenschaften, Veranstaltungen und weitere eigene Einnahmen.[15]

Erreichbarkeit

Beide Standorte sind mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.

Der Naturerlebnispark wird durch den Bahnhof Sihlwald an der S4 der S-Bahn Zürich erschlossen. Vom Bahnhof sind das Besucherzentrum und der Wald in wenigen Minuten zu Fuss erreichbar.

Der Tierpark Langenberg ist unter anderem über Langnau am Albis und regionale Busverbindungen erreichbar.

Die Stiftung empfiehlt ausdrücklich die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr.[1]

Besucherzahlen

Der Wildnispark gehört zu den stark frequentierten Natur- und Freizeitangeboten im Grossraum Zürich.

2022 wurden rund 658'000 Besuche gezählt. 2024 lag die Zahl bei rund 631'000. Im Jahr 2025 stieg das Gästeaufkommen trotz Einschränkungen durch Bauarbeiten im Bahn- und Strassenverkehr leicht auf rund 634'000 Besuche.[5]

Die Besucherzahlen umfassen sowohl den Tierpark Langenberg als auch den Naturerlebnispark Sihlwald.

Geschichte

1869 – Gründung des Wildgartens Langenberg

Die ältesten historischen Wurzeln des heutigen Wildnisparks liegen im Langenberg.

1869 schuf der Zürcher Stadtforstmeister Carl Anton Ludwig von Orelli dort einen Wildgarten. Die Einrichtung sollte der Bevölkerung die Begegnung mit einheimischen Wildtieren ermöglichen.[4]

Aus dem Wildgarten entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte der Tierpark Langenberg.

Entwicklung des Sihlwaldes

Der Sihlwald diente während Jahrhunderten als bedeutender Wirtschaftswald. Holz aus dem Gebiet wurde über die Sihl nach Zürich transportiert und dort als Bau- und Brennmaterial genutzt.

Mit dem Wandel der Forstwirtschaft verlor diese Nutzung zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig entwickelte sich die Vorstellung, einen grossen Teil des Waldes künftig der natürlichen Dynamik zu überlassen.

1994 wurde die Stiftung Naturlandschaft Sihlwald geschaffen. Sechs Jahre später endete die forstwirtschaftliche Holznutzung vollständig.[9]

2008 – Schutzverordnung

2008 trat die kantonale Schutzverordnung für den Sihlwald in Kraft. Sie regelte die verschiedenen Schutz- und Nutzungszonen und schuf eine wesentliche rechtliche Voraussetzung für die Anerkennung als Naturerlebnispark.[8]

Die Bevölkerung der Stadt Zürich unterstützte das Projekt im selben Jahr in einer Volksabstimmung mit 89,6 Prozent Ja-Stimmen.[6]

2009 – Wildnispark Zürich

2009 nahm die Stiftung Wildnispark Zürich ihren operativen Betrieb auf. Damit wurden der Naturbereich Sihlwald und der Tierpark Langenberg organisatorisch zusammengeführt.[6]

Die neue Struktur verband Naturwaldschutz, Wildtierhaltung, Artenschutz, Forschung, Umweltbildung und Erholung unter einem gemeinsamen Konzept.

2010 – nationales Parklabel

Am 1. Januar 2010 erhielt der Sihlwald das Bundeslabel Naturerlebnispark – Park von nationaler Bedeutung.[3]

2020 wurde das Label für weitere zehn Jahre erneuert.[6]

Naturschutz und Erholung

Ein zentrales Merkmal des Wildnisparks ist das Nebeneinander von konsequentem Prozessschutz und öffentlicher Zugänglichkeit.

Der Sihlwald liegt in unmittelbarer Nähe zur dicht besiedelten Agglomeration Zürich. Trotz seines hohen Schutzstatus bleibt ein umfangreiches Wegenetz für die Bevölkerung zugänglich.

Besucherlenkung spielt deshalb eine wichtige Rolle. In empfindlichen Bereichen gelten strengere Regeln, während andere Zonen bewusst für Naturerlebnisse und Freizeitaktivitäten vorgesehen sind.

Dieses Konzept unterscheidet den Naturerlebnispark sowohl von einem klassischen Nationalpark mit weitreichenden Schutzbestimmungen als auch von einem gewöhnlichen Erholungswald.

Bedeutung für den Kanton Zürich

Der Wildnispark stellt einen ungewöhnlich grossen naturnahen Raum in unmittelbarer Nähe einer der grössten Agglomerationen der Schweiz dar.

Der Sihlwald ermöglicht auf grosser Fläche die Beobachtung eines Waldes, der sich ohne forstwirtschaftliche Nutzung weiterentwickelt. Dadurch besitzt das Gebiet sowohl für den Naturschutz als auch für die Forschung langfristige Bedeutung.

Der Langenberg ergänzt diesen Ansatz um die direkte Begegnung mit Wildtieren. Dabei können Besucher Arten erleben, die heute in der Schweiz vorkommen, ausgerottet wurden oder nur noch in begrenzten Gebieten leben.

Der Wildnispark verbindet damit Naturwald, zoologische Tierhaltung und Umweltbildung in einer für die Schweiz besonderen Form.

Artenschutzprojekte

Neben dem Schutz der Lebensräume im Sihlwald beteiligt sich die Stiftung regelmässig an konkreten Artenschutzprojekten.

2025 wurden unter anderem ein Luchsweibchen in Deutschland und ein Przewalskipferd in Kasachstan ausgewildert. Gleichzeitig wurden Steinkrebse im Sihlwald wiederangesiedelt.[5]

Im Tierpark werden zudem verschiedene Tierarten im Rahmen koordinierter europäischer Zuchtprogramme gehalten. Diese Programme sollen genetisch gesunde Reservepopulationen erhalten und, wo möglich, Wiederansiedlungen ermöglichen.

Der Wildnispark betrachtet zoologische Tierhaltung damit nicht nur als Besucherangebot, sondern auch als Instrument des Arten- und Biodiversitätsschutzes.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Wildnispark Zürich: Ein Park – zwei Standorte, abgerufen am 10. August 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Wildnispark Zürich: Trägerschaft, abgerufen am 10. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Wildnispark Zürich: Naturerlebnispark Sihlwald, abgerufen am 10. August 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Wildnispark Zürich: Tierpark Langenberg, abgerufen am 10. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Wildnispark Zürich: Der Jahresbericht 2025 ist da!, 19. Mai 2026, abgerufen am 10. August 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 Wildnispark Zürich: Geschichte Sihlwald, abgerufen am 10. August 2026.
  7. Wildnispark Zürich: Unser Team, abgerufen am 10. August 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 8,7 8,8 Wildnispark Zürich: Park von nationaler Bedeutung, abgerufen am 10. August 2026.
  9. 9,0 9,1 Wildnispark Zürich: Die Vergangenheit des Sihlwaldes, abgerufen am 10. August 2026.
  10. Wildnispark Zürich: 25 Jahre wilder Sihlwald, abgerufen am 10. August 2026.
  11. 11,0 11,1 11,2 Wildnispark Zürich: Unsere Wildtiere, abgerufen am 10. August 2026.
  12. Wildnispark Zürich: Fledermaus-Notpflegestation, abgerufen am 10. August 2026.
  13. Stiftung Wildnispark Zürich: Bildungskonzept 2020, abgerufen am 10. August 2026.
  14. Wildnispark Zürich: Sihlwald–Langenberg, Waldroute, abgerufen am 10. August 2026.
  15. Wildnispark Zürich: Park unterstützen, abgerufen am 10. August 2026.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Wildnispark Zürich