Zoo Basel
| Zoo Basel | |
|---|---|
| Offizieller Name | Zoologischer Garten Basel |
| Lokale Bezeichnung | Zolli |
| Ort | Basel |
| Kanton | Basel-Stadt |
| Eröffnung | 3. Juli 1874 |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Betreiberin | Zoologischer Garten Basel AG |
| Fläche | 11 Hektaren |
| Tierbestand | 16'147 Tiere in 615 Arten (2025) |
| Besuche | 1'145'218 (2025) |
| Direktor | Olivier Pagan |
| Verwaltungsratspräsident | Martin Lenz |
| Adresse | Binningerstrasse 40, 4054 Basel |
| Website | zoobasel.ch |
Der Zoo Basel, offiziell Zoologischer Garten Basel und in der Region meist liebevoll Zolli genannt, ist ein wissenschaftlich geführter Zoo in der Stadt Basel. Er wurde am 3. Juli 1874 eröffnet und ist damit der älteste zoologische Garten der Schweiz. Der Zoo liegt im Tal des Birsigs im Basler Quartier Bachletten, unweit des Bahnhofs Basel SBB und der Kantonsgrenze zu Binningen.[1]
Auf einer Gesamtfläche von elf Hektaren hält der Zoo Tiere aus allen Kontinenten. Ende 2025 umfasste der Bestand 16'147 Tiere aus 615 Arten. Ein grosser Teil davon entfiel auf Fische und wirbellose Tiere im Vivarium. Im selben Jahr wurden 1'145'218 Besuche gezählt.[2]
Der Zoo versteht sich als Bindeglied zwischen Mensch und Natur. Zu seinen Hauptaufgaben zählen die Haltung und Zucht bedrohter Tierarten, der Natur- und Artenschutz, die wissenschaftliche Forschung, die Umweltbildung und die Erholung der Bevölkerung. Der Zolli beteiligt sich an internationalen Erhaltungszuchtprogrammen und unterstützt Naturschutzprojekte in den Herkunftsgebieten bedrohter Arten.
Lage und Gelände
Der Zoo Basel befindet sich südwestlich der Basler Innenstadt zwischen der Binningerstrasse, dem Dorenbachviadukt, der Bahnlinie Basel–Strassburg und angrenzenden Wohnquartieren. Das langgestreckte Gelände folgt teilweise dem Verlauf des Birsig, der heute in diesem Bereich weitgehend eingedolt ist.
Der Haupteingang liegt an der Binningerstrasse in der Nähe der Heuwaage. Ein zweiter Zugang befindet sich beim Dorenbachviadukt. Vom Bahnhof Basel SBB ist der Haupteingang zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr in wenigen Minuten erreichbar.[3]
Trotz seiner innerstädtischen Lage besitzt der Zoo einen dichten Bestand an Bäumen, Sträuchern, Weihern und Grünflächen. Die parkartige Gestaltung und der teilweise über hundertjährige Baumbestand prägen seinen Charakter als «Stadt-Oase». Zwischen den Tieranlagen befinden sich Lebensräume für einheimische Vögel, Fledermäuse, Insekten, Amphibien und Wildpflanzen.
Mit elf Hektaren gehört der Zoo Basel flächenmässig zu den kleineren grossen Zoos Europas. Die beschränkten räumlichen Verhältnisse beeinflussen die Auswahl der gehaltenen Arten und die langfristige Bauplanung. Mehrere historische Anlagen wurden deshalb umgebaut, zusammengelegt oder durch grössere, stärker strukturierte Lebensräume ersetzt.[4]
Geschichte
Gründung
Die Gründung des Zoos ging auf eine Initiative der Ornithologischen Gesellschaft Basel zurück. Der zoologische Garten sollte der Bevölkerung, insbesondere der arbeitenden Stadtbevölkerung, Naturerlebnisse ermöglichen und Kenntnisse über die Tierwelt vermitteln.
Bei der Eröffnung am 3. Juli 1874 lag der Schwerpunkt auf einheimischen und europäischen Tieren. Zu sehen waren unter anderem Steinböcke, Gämsen, Wildschweine, Hirsche, Dachse, Murmeltiere und zahlreiche Vogelarten. Das ursprüngliche Konzept sah vor, besonders die Tierwelt der Schweiz und der Alpen möglichst vollständig zu zeigen.[5]
Die ersten Tieranlagen orientierten sich an der damaligen Vorstellung eines zoologischen Gartens als lebendes Museum. Einzelne Arten wurden in kleinen, nebeneinander angeordneten Käfigen gezeigt, damit das Publikum ihre äusseren Merkmale vergleichen konnte.
Das Interesse war im Eröffnungsjahr gross, ging danach jedoch zurück. Um zusätzliche Gäste anzulocken, organisierte der Zoo Konzerte, Tierverlosungen, Sonderausstellungen und Vorführungen. Gleichzeitig wurde der Bestand schrittweise um exotische Tierarten erweitert.
Exotische Tiere und historische Unterhaltungsschauen
In den ersten Jahrzehnten bezog der Zoo Tiere häufig von Tierhändlern, Zirkussen und Wandermenagerien. Vorübergehend wurden unter anderem Flusspferde, Strausse, Kamele und Elefanten gezeigt. Mit der Zeit kamen exotische Tiere dauerhaft in den Bestand.
Wie andere europäische Zoos und Ausstellungen jener Zeit veranstaltete der Zoo Basel sogenannte «Völkerschauen». Dabei wurden Menschen aus aussereuropäischen Gesellschaften gemeinsam mit Tieren und vermeintlich typischen Behausungen öffentlich zur Schau gestellt. Die erste derartige Veranstaltung fand 1879 statt.
Zwischen 1879 und 1935 wurden im Zoo Basel insgesamt 21 «Völkerschauen» durchgeführt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten vor dem Publikum inszenierte Alltagstätigkeiten, Tänze, religiöse Rituale oder Kampfhandlungen vorführen. Heute werden diese Veranstaltungen als Ausdruck kolonialer Machtverhältnisse, rassistischer Vorstellungen und der Entwürdigung der ausgestellten Menschen eingeordnet.[6]
Der Zoo arbeitet diesen Teil seiner Geschichte in Ausstellungen, Publikationen und digitalen Angeboten auf. Dabei wird auch thematisiert, wie Tierhaltung, Naturvorstellungen und der Blick auf andere Gesellschaften von den politischen und kulturellen Bedingungen ihrer Zeit geprägt waren.
Erweiterung des Geländes
Ein wichtiger Schritt für die räumliche Entwicklung war ein Vermächtnis des Basler Goldschmieds Ulrich Sauter. Dank dieses Legats konnte der Zoo 1934 das Gelände zwischen der Bahnlinie nach dem Elsass und dem Dorenbachviadukt erwerben.
Auf dem neuen Areal entstanden unter anderem Anlagen für Steinböcke und Pinguine. Der nach dem Stifter benannte Sautergarten wurde 1939 eröffnet und erweiterte das Zoogelände nach Westen.[1]
In den folgenden Jahrzehnten wurden die beiden Parkteile stärker miteinander verbunden. Der Eingang Dorenbach wurde am 24. November 1951 eröffnet, weil der ursprüngliche Haupteingang dem stark gestiegenen Besucheraufkommen der Nachkriegszeit nicht mehr genügte.
Tiergartenbiologie unter Heini Hediger
1944 übernahm der Schweizer Zoologe Heini Hediger die Leitung des Zoo Basel. Hediger gilt als Begründer der modernen Tiergartenbiologie. Er betrachtete das Gehege nicht nur als Begrenzung, sondern als Territorium, das die biologischen und psychischen Bedürfnisse einer Tierart erfüllen sollte.
Unter seiner Leitung wurden Tierverhalten, Raumansprüche, Sozialstrukturen, Ernährung und Beschäftigung stärker berücksichtigt. Die Tiere sollten nicht mehr ausschliesslich nach ihrer systematischen Verwandtschaft angeordnet werden, sondern in Anlagen leben, die wichtige Bestandteile ihres natürlichen Lebensraums nachbildeten.
Hedigers wissenschaftlicher Ansatz beeinflusste den Bau neuer Anlagen und schuf Grundlagen für spätere Zuchterfolge. Gleichzeitig wurden Veterinärmedizin, Futterkunde und die Dokumentation des Tierbestands professionalisiert.[1]
Zeit unter Ernst Lang
1953 wurde der Tierarzt Ernst Michael Lang Nachfolger Hedigers. Lang leitete den Zoo bis 1978. Unter ihm wurden zahlreiche neue Tierhäuser errichtet und die wissenschaftlich begründete Haltung weiterentwickelt.
Im November 1952 hatte Lang von einer Reise nach Ostafrika fünf junge Afrikanische Elefanten nach Basel gebracht. Die Tiere wurden zu Publikumslieblingen und lebten ab 1953 in einem neuen Elefantenhaus, das erstmals die gemeinsame Haltung einer Gruppe ermöglichte.[7]
In den 1950er- und 1960er-Jahren erlangte der Zoo durch mehrere bedeutende Nachzuchten internationale Bekanntheit. 1956 wurde mit Rudra erstmals weltweit ein Panzernashorn in einem Zoo geboren. 1958 gelang die erste europäische Aufzucht eines Chileflamingos.
Am 23. September 1959 kam das Gorillajunge Goma zur Welt. Es handelte sich um die erste Gorillageburt in einem europäischen Zoo und um die zweite dokumentierte Geburt eines Gorillas in menschlicher Obhut weltweit. Da ihre Mutter das Jungtier nicht selbst aufzog, lebte Goma zunächst im Haushalt der Familie Lang. Die Bilder des Gorillakinds erreichten ein internationales Publikum.[8]
1960 wurde im Zoo Basel erstmals ein Okapi geboren. Die Zucht von Panzernashörnern, Okapis, Flamingos und Menschenaffen blieb auch in den folgenden Jahrzehnten ein Schwerpunkt.
Neue Anlagen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
1969 wurde ein neues Affenhaus eröffnet. Es erlaubte eine stärker auf soziale Gruppen ausgerichtete Haltung von Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans und kleineren Primaten.
Im März 1972 folgte das Vivarium. Das Gebäude verband Aquarien und Terrarien mit einer didaktisch gestalteten Reise durch unterschiedliche Gewässer und Lebensräume. Wegen seiner komplizierten technischen Installationen war es während der Bauzeit scherzhaft als «Wirrwarium» bezeichnet worden.[9]
1977 wurde der Kinderzoo eingeweiht. Kinder können dort ausgewählte Haustiere beobachten und sich unter Aufsicht an der Tierpflege beteiligen. Das Angebot verbindet unmittelbare Begegnungen mit der Vermittlung eines respektvollen Umgangs mit Tieren.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Gestaltung des Zoos grundlegend. Viele Gitterkäfige und kleine Einzelanlagen wurden durch grössere, landschaftlich gegliederte Gehege ersetzt. Sichtbar blieb jedoch ein Teil der historischen Bausubstanz.
Themenanlagen Etoscha und Gamgoas
Im Jahr 2001 eröffnete der Zoo die Themenanlage Etoscha. Sie stellt ökologische Beziehungen in der afrikanischen Savanne und Halbwüste dar. Mehrere Tierarten und Ausstellungselemente veranschaulichen Nahrungsketten, Fortpflanzung, Klimaanpassungen und die Bedeutung kleiner Lebewesen für ein Ökosystem.
2003 wurde der Komplex mit dem Haus Gamgoas abgeschlossen. Dort werden unter anderem Löwen, Nilkrokodile und Termiten gezeigt. Die Anlage ersetzte gemeinsam mit neuen Aussengehegen das frühere Raubtierhaus von 1956.[10]
Etoscha und Gamgoas markierten den Übergang von der reinen Präsentation einzelner Tierarten zur Darstellung biologischer Zusammenhänge. Der Natur- und Artenschutz wurde dabei ausdrücklich in das Ausstellungskonzept einbezogen.
Geigy-Anlage
Von 2010 bis 2012 wurden das Affenhaus und seine Umgebung grundlegend umgebaut. Die Innenräume wurden vergrössert, während für Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans fünf mit Netzen überspannte Aussenanlagen entstanden.
Die als Geigy-Anlage bezeichnete Erweiterung wurde im September 2012 eröffnet. Die Eckenstein-Geigy-Stiftung finanzierte das Grossprojekt mit einer Spende von 25 Millionen Franken, der bis dahin grössten Einzelspende in der Geschichte des Zoos.[11]
Die Anlage bietet Kletterstrukturen, Rückzugsräume, wechselnde Bodenmaterialien und Beschäftigungsmöglichkeiten. Kleinere Primaten leben in Innenanlagen, Dachvolieren und auf einer bewachsenen Insel.
Elefantenanlage Tembea
Im März 2017 wurde die neue Elefantenanlage Tembea eröffnet. Der Name stammt aus dem Suaheli und bedeutet sinngemäss «in Bewegung sein» oder «wandern».
Die mehr als 5000 Quadratmeter grosse Anlage umfasst mehrere Aussenbereiche, Innenräume, Wasserbecken, Sandflächen und Beschäftigungselemente. Die Elefanten können je nach Gruppensituation zwischen verschiedenen Bereichen wechseln. Gleichzeitig wurden die Voraussetzungen für eine moderne Haltung Afrikanischer Elefanten und die zeitweise Trennung einzelner Tiere verbessert.[12]
Mit der Eröffnung von Tembea verstärkte der Zoo auch seine finanzielle Unterstützung für ein Projekt gegen die Wilderei von Elefanten in Kenia.
Neues Vogelhaus
Das historische Vogelhaus aus den 1920er-Jahren wurde zwischen 2019 und 2023 umfassend saniert und erweitert. Seine äussere Erscheinung blieb weitgehend erhalten, während im Innern grosszügige, bepflanzte Freiflughallen entstanden.
Die neuen Vogelwelten wurden am 3. Juni 2023 eröffnet. Balkone ermöglichen es dem Publikum, die Vögel auf unterschiedlichen Höhen zu beobachten. Zum Komplex gehören ausserdem Aussenvolieren sowie neue Anlagen für Zwergotter und Pelikane.[13]
Die Ausstellung beschäftigt sich unter anderem mit Evolution, Inselarten, der Entstehung neuer Arten und den Folgen der Zerstörung von Lebensräumen.
Jubiläum 2024
Im Jahr 2024 feierte der Zoo Basel sein 150-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsprogramm orientierte sich an den vier Aufgaben eines wissenschaftlich geführten Zoos: Naturschutz, Erholung, Forschung und Bildung.
Eine historische Ausstellung, Führungen, Vorträge, ein Audiowalk, zwei Zoonächte und weitere Veranstaltungen zeichneten die Entwicklung von der Tiersammlung des 19. Jahrhunderts zum modernen Artenschutz- und Bildungszentrum nach.[14]
Tierbestand
Der Tierbestand verändert sich laufend durch Geburten, Todesfälle und den Austausch mit anderen zoologischen Einrichtungen. Ende 2025 lebten im Zoo Basel 16'147 Tiere aus 615 Arten.
| Tiergruppe | Arten | Tiere |
|---|---|---|
| Säugetiere | 56 | 649 |
| Vögel | 69 | 574 |
| Reptilien | 34 | 265 |
| Amphibien | 7 | 166 |
| Fische | 263 | 11'368 |
| Wirbellose Tiere | 186 | 3'125 |
| Gesamt | 615 | 16'147 |
Stand: 31. Dezember 2025.[2]
Zu den bekannten im Zoo gehaltenen Tiergruppen gehören Afrikanische Elefanten, Panzernashörner, Giraffen, Okapis, Flusspferde, Löwen, Geparde, Afrikanische Wildhunde, Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans, verschiedene Kleinaffen, Pinguine, Flamingos, Krokodile, Riesenschildkröten und zahlreiche Fischarten.
Die Zusammensetzung des Bestands richtet sich nicht allein nach der Attraktivität für das Publikum. Berücksichtigt werden unter anderem der verfügbare Platz, die Eignung der Anlagen, die Bedeutung einer Art für Erhaltungsprogramme, die Sozialstruktur und die Möglichkeit, dauerhaft eine genetisch gesunde Population zu halten.
Bedeutende Anlagen
Vivarium
Das Vivarium zeigt Wasser- und Landlebensräume aus verschiedenen Klimazonen. Die Aquarien enthalten Süsswasser- und Meeresfische, Korallen, Quallen und weitere wirbellose Tiere. Im Terrarienbereich leben Reptilien und Amphibien.
Ein Rundgang folgt vereinfacht der Entwicklung des Lebens vom Wasser zum Land. Neben der Artenvielfalt werden ökologische Anpassungen, Fortpflanzungsstrategien und die Bedrohung aquatischer Lebensräume erklärt.
Im Vivarium befinden sich auch Innenanlagen für Königs- und Eselspinguine. Teile der technischen Infrastruktur und mehrere Schaubecken wurden seit der Eröffnung von 1972 schrittweise erneuert.
Sautergarten
Der Sautergarten bildet den westlichen Teil des Zoos. Er ist durch einen alten Baumbestand, grosszügige Grünflächen und mehrere historische Anlagen geprägt.
Dort befinden sich unter anderem Anlagen für Pinguine, Nashörner und weitere Huftiere. Die benachbarte Bahnlinie trennt den Sautergarten räumlich vom älteren Teil des Zoos, ist aber durch Unterführungen und Wege in den Rundgang eingebunden.
Antilopenhaus
Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete Antilopenhaus ist das älteste erhaltene Tierhaus des Zoos. Es wurde mehrfach umgebaut und an veränderte Anforderungen angepasst.
In und um das Gebäude werden traditionell Giraffen, Okapis und verschiedene Antilopenarten gehalten. Die historische Architektur steht exemplarisch für eine frühere Epoche der Tierhaltung, während die Innen- und Aussenbereiche schrittweise modernisiert wurden.
Afrika-Anlage
Die Afrika-Anlage war einer der ersten Versuche des Zoo Basel, mehrere grössere Arten gemeinsam zu halten. Flusspferde, Zebras und Strausse nutzen unterschiedliche Bereiche derselben Landschaft.
Die Anlage soll zeigen, wie verschiedene Arten einen gemeinsamen Lebensraum nutzen können. Für den Betrieb sind Rückzugs- und Trennmöglichkeiten notwendig, damit die Tierpflege bei Konflikten oder medizinischen Behandlungen eingreifen kann.
Kinderzoo
Im Kinderzoo leben verschiedene Haus- und Nutztiere. Kinder können unter Anleitung bei ausgewählten Pflegearbeiten helfen und direkten Kontakt zu bestimmten Tieren aufnehmen.
Das Angebot unterscheidet sich bewusst von reinen Streichelgehegen. Die Begegnungen sollen Kenntnisse über Verhalten, Haltung, Fütterung und die Verantwortung des Menschen gegenüber domestizierten Tieren vermitteln.
Zucht und Populationsmanagement
Der Zoo Basel wurde besonders durch seine Zuchterfolge bei Panzernashörnern, Menschenaffen, Okapis und Flamingos bekannt. Die Geburt von Rudra im Jahr 1956 begründete die international bedeutende Basler Panzernashornzucht.
Moderne Zuchtentscheidungen werden nicht von einer einzelnen Institution getroffen. Der Zoo arbeitet mit anderen Mitgliedern der European Association of Zoos and Aquaria zusammen. Koordinatorinnen und Koordinatoren analysieren Abstammung, genetische Vielfalt, Alter, Sozialstruktur und verfügbare Plätze.
Der Austausch von Tieren zwischen Zoos erfolgt in der Regel ohne kommerziellen Verkauf. Ziel ist eine langfristig stabile und genetisch vielfältige Reservepopulation. Nicht jede Geburt führt deshalb dazu, dass ein Tier dauerhaft in Basel bleibt.
Der Zoo Basel engagiert sich in zahlreichen EAZA-Erhaltungszuchtprogrammen. Er führt oder unterstützt zudem internationale Zuchtbücher, darunter jenes für Panzernashörner.[14]
Natur- und Artenschutz
Naturschutzprojekte
Der Zoo unterstützt Projekte zum Schutz bedrohter Tiere und ihrer Lebensräume. Dabei arbeitet er mit lokalen Organisationen, Forschungsinstitutionen und internationalen Naturschutzverbänden zusammen.
Die unterstützten Vorhaben betreffen unter anderem Menschenaffen, Elefanten, Nashörner, Giraffen, Wildesel, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische. Die Projekte verbinden häufig Schutzgebietsarbeit, Forschung, Umweltbildung und die Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung.
Seit 2016 wird mit Eintrittskarten und Jahresabonnementen ein freiwilliger Naturschutzfranken erhoben. Von einer Tageskarte fliesst ein Franken und von einem Jahresabonnement ein höherer festgelegter Beitrag in den Naturschutzfonds. Bis 2026 kamen dadurch insgesamt rund 2,6 Millionen Franken zusammen.[15]
Auswilderungen
Tiere aus zoologischen Einrichtungen können unter bestimmten Voraussetzungen an Auswilderungs- oder Wiederansiedlungsprojekten teilnehmen. Dafür müssen geeignete Lebensräume vorhanden sein, die ursprünglichen Gefährdungsursachen weitgehend beseitigt und die Tiere auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden.
Der Zoo Basel beteiligte sich unter anderem an Projekten für Steinkäuze und Waldrappe. Solche Vorhaben werden wissenschaftlich begleitet und mit anderen Zoos sowie spezialisierten Naturschutzorganisationen koordiniert.
Einheimische Arten
Das Zoogelände ist auch Lebensraum für wild lebende einheimische Arten. Alte Bäume, Hecken, Fassaden, Weiher und wenig intensiv gepflegte Flächen bieten Nistplätze und Nahrung.
Der Zoo fördert diese Arten durch Nisthilfen, naturnahe Bepflanzung, eine angepasste Grünflächenpflege und den Verzicht auf bestimmte Pflanzenschutzmittel. Wild lebende Weissstörche brüten regelmässig auf Bäumen und künstlichen Nisthilfen im Park.
Forschung
Wissenschaftliche Forschung gehört zu den grundlegenden Aufgaben des Zoo Basel. Sie umfasst Beobachtungen lebender Tiere, veterinärmedizinische Untersuchungen, Verhaltensforschung, Fortpflanzungsbiologie, Tierernährung und die Weiterentwicklung von Haltungsmethoden.
Mitarbeitende veröffentlichen Ergebnisse in Fachzeitschriften und präsentieren sie auf internationalen Tagungen. Der Zoo arbeitet mit Universitäten, veterinärmedizinischen Einrichtungen, Museen und anderen Zoos zusammen.
Verstorbene Tiere werden nach Möglichkeit pathologisch untersucht. Gewebeproben können in einer Biobank aufbewahrt und später für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden. Die Erkenntnisse dienen sowohl der Gesundheit von Zootieren als auch dem Schutz frei lebender Populationen.[2]
Die Forschung findet teilweise im Rahmen des normalen Zoobetriebs statt. Dazu gehören etwa Beobachtungen zur Nutzung von Anlagen, zur Gruppenstruktur, zum Fortpflanzungsverhalten und zur Wirkung verschiedener Beschäftigungsformen.
Bildung und Vermittlung
Der Zoo bietet Unterrichtsprogramme, Führungen, Kurse, Vorträge und Informationsveranstaltungen an. Schulklassen können biologische Themen direkt an lebenden Tieren behandeln.
Zu den vermittelten Themen gehören Evolution, Ökologie, Artenvielfalt, Tierverhalten, Klimawandel, Lebensraumzerstörung und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Die Angebote werden teilweise auf den Lehrplan 21 abgestimmt.
Informationstafeln und interaktive Ausstellungselemente erklären die Lebensweise der Tiere und die Herausforderungen in ihren natürlichen Lebensräumen. Tierpflegerinnen, Tierpfleger und Fachpersonen informieren bei öffentlichen Veranstaltungen über ihre Arbeit.
Für Kinder und Jugendliche bestehen besondere Programme. Dazu gehören Einsätze im Kinderzoo, Ferienangebote und die Gruppe der «ZolliGumper», die regelmässig Einblicke hinter die Kulissen erhält.
Organisation
Betreiberin ist die Zoologischer Garten Basel AG. Die privatrechtlich organisierte Aktiengesellschaft hat ihren Sitz in Basel. Ihre Aktionärinnen und Aktionäre wählen den Verwaltungsrat, dessen Mitglieder ehrenamtlich tätig sind.
Der Verwaltungsrat trägt die strategische Verantwortung. Die operative Leitung liegt bei der Direktion und der Geschäftsleitung. Direktor ist seit 2002 der Tierarzt Olivier Pagan. Verwaltungsratspräsident ist Martin Lenz.[2]
Der Betrieb wird durch mehrere Quellen finanziert:
- Eintrittsgelder und Jahresabonnemente;
- Einnahmen aus Gastronomie und Zoo-Shop;
- Spenden und Legate;
- Tierpatenschaften;
- Beiträge von Stiftungen und Unternehmen;
- Abgeltungen der öffentlichen Hand für Leistungen im öffentlichen Interesse;
- Beiträge des Freundevereins Zoo Basel.
Spenden und Nachlässe spielten in der Geschichte des Zoos eine zentrale Rolle. Mehrere grosse Anlagen konnten nur dank zweckgebundener Zuwendungen gebaut werden.
Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie Gemeinden der Region unterstützen bestimmte öffentliche Leistungen. Der Zoo bleibt dennoch eine eigenständige Aktiengesellschaft und ist keine Dienststelle des Kantons.
Freundeverein Zoo Basel
Der Freundeverein unterstützt den Zoo finanziell und ideell. Seine Mitglieder organisieren Veranstaltungen, Vorträge und Verkaufsaktionen. Die Einnahmen werden für Tieranlagen, Artenschutz und weitere Projekte eingesetzt.
Freiwillige Helferinnen und Helfer engagieren sich unter anderem bei Veranstaltungen, Informationsständen und der Mittelbeschaffung. Der Verein veröffentlicht zudem ein eigenes Zoo-Magazin.
Besuch und Erschliessung
Der Zoo Basel ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Die Öffnungs- und Schliesszeiten wechseln saisonal.[16]
Es bestehen zwei reguläre Eingänge:
| Eingang | Lage | Erschliessung |
|---|---|---|
| Haupteingang | Binningerstrasse bei der Heuwaage | Zu Fuss und mit Tram oder Bus vom Bahnhof Basel SBB und aus der Innenstadt |
| Eingang Dorenbach | Beim Dorenbachviadukt | Tram- und Busverbindungen aus Basel, Binningen und dem Leimental |
Das Wegnetz weist nur geringe Höhenunterschiede auf. Die meisten Publikumsbereiche sind mit Kinderwagen und Rollstuhl zugänglich. Historische Gebäude und einzelne ältere Wegabschnitte können jedoch Einschränkungen aufweisen.
Zum gastronomischen Angebot gehören das Zoo-Restaurant, eine Cafeteria und saisonale Verkaufsstellen. Picknicken ist in dafür vorgesehenen Bereichen erlaubt.
Besucherzahlen
Der Zoo Basel gehört seit Jahrzehnten zu den meistbesuchten Freizeiteinrichtungen der Schweiz. Das Besucheraufkommen wird von Wetter, Ferienzeiten, neuen Anlagen, besonderen Tiergeburten und Veranstaltungen beeinflusst.
| Jahr | Besuche | Bemerkung |
|---|---|---|
| 2022 | 1'184'431 | Erstes wieder vollständig geöffnetes Jahr nach den pandemiebedingten Einschränkungen |
| 2023 | 1'190'821 | Eröffnung der neuen Vogelwelten |
| 2024 | 1'226'274 | Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen |
| 2025 | 1'145'218 | Rückkehr zum regulären Betrieb nach dem Jubiläum |
Die Zahlen umfassen Eintritte mit Tageskarten, Jahresabonnementen und freien Zutritten. Bei Jahresabonnementen wird die tatsächliche Zahl der registrierten Besuche erfasst.[2]
Ozeanium
Der Zoo plante ab 2009 ein grosses Meeresaquarium auf dem Areal bei der Heuwaage. Das als Ozeanium bezeichnete Projekt sollte auf mehreren Ebenen die Lebensräume der Weltmeere zeigen und zugleich über Überfischung, Verschmutzung und Klimawandel informieren.
Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt genehmigte 2018 die notwendigen planungsrechtlichen Grundlagen. Gegen den Beschluss wurde das Referendum ergriffen. In der kantonalen Volksabstimmung vom 19. Mai 2019 wurde die Vorlage abgelehnt.
Der Zoo verzichtete daraufhin auf die Realisierung des Ozeaniums und konzentrierte seine Investitionen wieder auf das bestehende Gelände.[17]
Die Abstimmung wurde von einer breiten öffentlichen Debatte begleitet. Befürworter verwiesen auf Bildung, Meeresnaturschutz und die touristische Bedeutung. Gegner kritisierten unter anderem die Haltung grosser Meerestiere, den Energiebedarf und die grundsätzliche Rolle von Grossaquarien.
Masterplan Zolli 2049
Der Zoo entwickelte mit dem Masterplan Zolli 2049 eine langfristige Strategie für die räumliche und bauliche Entwicklung. Das Zieljahr bezieht sich auf das 175-jährige Bestehen des Zoos.
Der Plan soll mehr Platz für Tiere schaffen, betriebliche Abläufe verbessern und die Orientierung des Publikums erleichtern. Da das Gelände kaum nach aussen erweitert werden kann, sollen Flächen neu geordnet und bisherige Betriebsbereiche teilweise verlagert werden.
Zu den Projekten gehören neue Betriebs- und Verwaltungsräume, eine Verbesserung der Parkierungs- und Anlieferungssituation sowie die schrittweise Erneuerung einzelner Tieranlagen. Geplant sind unter anderem zeitgemässe Anlagen für Keas und weitere bedrohte Arten.[18]
Die Umsetzung hängt von Bewilligungsverfahren, Spenden, Legaten und der Verfügbarkeit finanzieller Mittel ab.
Historische und gesellschaftliche Einordnung
Die Geschichte des Zoo Basel spiegelt den Wandel zoologischer Gärten seit dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich standen Unterhaltung, Naturkunde und die Präsentation möglichst vieler Arten im Vordergrund. Tierimporte aus der Wildnis, kleine Käfige, Dressurvorführungen und die zeitweilige Ausstellung von Menschen waren Teil dieser Epoche.
Im 20. Jahrhundert gewann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Verhalten und den Bedürfnissen der Tiere an Bedeutung. Die Arbeit Heini Hedigers beeinflusste die Tierhaltung weit über Basel hinaus.
Seit dem späten 20. Jahrhundert rückten der Schutz bedrohter Arten, internationale Zuchtprogramme, die Umweltbildung und Projekte in natürlichen Lebensräumen in den Mittelpunkt. Gleichzeitig bleiben zoologische Gärten Gegenstand ethischer Debatten über Tierhaltung, Flächenbedarf und die Legitimation der Haltung wild lebender Arten in menschlicher Obhut.
Der Zoo Basel vertritt die Position, dass wissenschaftlich geführte Zoos durch Reservepopulationen, Forschung, Bildung und konkrete Naturschutzprojekte einen Beitrag gegen den Verlust der biologischen Vielfalt leisten können.
Bedeutung für Basel
Der Zolli ist eng mit der gesellschaftlichen und kulturellen Identität Basels verbunden. Generationen von Einwohnerinnen und Einwohnern besuchten den Zoo als Kinder und später mit ihren eigenen Familien.
Bekannte Tiere wie die Elefantenkuh Miss Kumbuk, das Gorillajunge Goma und zahlreiche Panzernashörner wurden zu regionalen Berühmtheiten. Tiergeburten, Todesfälle und neue Anlagen erhalten regelmässig grosse mediale Aufmerksamkeit.
Der Zoo ist zugleich ein bedeutender Arbeitgeber, Bildungsort und touristisches Ziel. Seine zentrale Lage ermöglicht den Besuch ohne Auto und unterscheidet ihn von vielen ausserhalb der Städte errichteten Tierparks.
Die umgangssprachliche Bezeichnung «Zolli» ist in Basel so verbreitet, dass sie auch vom Zoo selbst in Publikationen, Veranstaltungen und Werbemitteln verwendet wird.
Siehe auch
- Zoo Zürich
- Tierpark Langenberg
- Tierparks in der Schweiz
- Heini Hediger
- Ernst Michael Lang
- Tiergartenbiologie
- Artenschutz in der Schweiz
- Basel
- Birsig
Literatur
- Jennifer Degen, Lukas Meili: Zoo Basel – Die Stadt-Oase neu entdecken. Merian Verlag, Basel 2024, ISBN 978-3-03969-022-0.
- Heini Hediger: 75 Jahre Basler Zoo. Zoologischer Garten Basel, Basel 1949.
- Zoologischer Garten Basel AG: Geschäftsberichte. Basel, jährlich.
- Zoo Basel: Zoo Basel Magazin. Basel, fortlaufend.
Weblinks
- Offizielle Website des Zoo Basel
- Geschichte des Zoo Basel
- Tierlexikon des Zoo Basel
- Übersicht der Tieranlagen
- Natur- und Artenschutzprojekte
- Geschäftsberichte und Kennzahlen
- Unterlagen zum Zoologischen Garten Basel im Staatsarchiv Basel-Stadt
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Zoo Basel: Die Geschichte des Zolli, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Zoologischer Garten Basel AG: Geschäftsbericht 2025, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Anreise, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Häufige Fragen und Antworten, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Auf Zeitreise im Zoo Basel, 25. Juli 2024, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Völkerschauen im Zoo Basel, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Das Elefantenhaus aus den 1950er-Jahren, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Die Geschichte des Zolli – Erste Gorillageburt, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Das Wirrwarium ist eröffnet, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Gamgoas – Ein Haus für Löwen, Nilkrokodile und Termiten, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Zoo Basel eröffnet Geigy-Anlage mit Aussenanlagen für Menschenaffen, 26. September 2012, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Tembea-Anlage, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Vorschau auf die Vogelhaus-Eröffnung, 14. April 2023, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ 14,0 14,1 Zoo Basel: 150 Jahre Stadt-Oase Zoo Basel, 20. Dezember 2023, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Der Zolli unterstützt Naturschutzprojekte, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Öffnungszeiten, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Zoo Basel enttäuscht über das Nein zum Ozeanium, 19. Mai 2019, abgerufen am 2. August 2026.
- ↑ Zoo Basel: Die Zukunft beginnt jetzt, abgerufen am 2. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Zoo Basel