Gottfried Keller

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Gottfried Keller (* 19. Juli 1819 in Zürich; † 15. Juli 1890 ebenda) war ein Schweizer Schriftsteller, Dichter, Maler und Politiker. Er gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Schweiz im 19. Jahrhundert und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des poetischen Realismus. Zu seinen bekanntesten Werken zählen der Bildungsroman Der grüne Heinrich, der Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla, die Züricher Novellen, Das Sinngedicht und der Roman Martin Salander.

Neben seiner literarischen Tätigkeit war Keller eng mit dem politischen Leben des Kantons Zürich verbunden. Von 1861 bis 1876 amtierte er als Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich. Seine Biografie verbindet damit auf aussergewöhnliche Weise Literatur, bildende Kunst und die politische Entwicklung der modernen Schweiz.[1]

Gottfried Keller
Geboren 19. Juli 1819
Geburtsort Zürich
Gestorben 15. Juli 1890
Sterbeort Zürich
Beruf Schriftsteller, Dichter, Maler, Politiker
Literarische Epoche Poetischer Realismus
Amt Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich
Amtszeit 1861–1876
Bekannte Werke Der grüne Heinrich, Die Leute von Seldwyla, Züricher Novellen, Das Sinngedicht, Martin Salander
Ehrung Ehrendoktor der Universität Zürich (1869)

Leben

Kindheit in Zürich

Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. Seine Eltern lebten damals im Haus «Zum Goldenen Winkel» in der Zürcher Altstadt. Am 28. Juli wurde er in der Predigerkirche getauft.[2]

Sein Vater Rudolf Keller starb bereits 1824. Die Mutter Elisabeth musste Gottfried und seine jüngere Schwester Regula unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen grossziehen.

1825 trat Keller in die Armenschule Zum Brunnenturm ein. 1831 wechselte er an das Landknabeninstitut und 1833 an die kantonale Industrieschule.[1]

Seine Schulzeit endete früh. Im Juli 1834 wurde Keller nach einem Konflikt aus der Industrieschule ausgeschlossen. Eine reguläre höhere Schulbildung oder ein Universitätsstudium absolvierte er deshalb zunächst nicht.

Die Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend gingen später in stark verarbeiteter Form in den Roman Der grüne Heinrich ein.

Verbindung zu Glattfelden

Die Familie Keller besass enge Beziehungen zu Glattfelden im Zürcher Unterland. Gottfried Keller verbrachte dort als Jugendlicher wiederholt Zeit, unter anderem die Sommerferien des Jahres 1832.

Die Landschaft und das ländliche Leben des Kantons Zürich hinterliessen Spuren in seinem literarischen Werk. Heute erinnert das Gottfried-Keller-Zentrum in Glattfelden an den Schriftsteller und seine familiäre Verbindung zur Gemeinde.

Ausbildung zum Maler

Nach dem Ende seiner Schulzeit wollte Keller zunächst Kunstmaler werden.

1834 begann er eine Ausbildung beim Zürcher Maler Peter Steiger. Später erhielt er Privatunterricht beim Aquarellisten Rudolf Meyer.

Sein bevorzugtes Gebiet war die Landschaftsmalerei. Die Naturdarstellungen der Romantik und die zeitgenössische Landschaftskunst beeinflussten seine frühen Arbeiten.

Im April 1840 ging Keller nach München, damals eines der bedeutenden Kunstzentren im deutschsprachigen Raum. Er hoffte dort, seine malerische Ausbildung zu vervollständigen und als Künstler Fuss zu fassen.

Der wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus. Keller arbeitete weitgehend autodidaktisch, und seine Bilder liessen sich nur schwer verkaufen.[3]

1842 kehrte er nach Zürich zurück. Zu den bedeutenderen erhaltenen Gemälden dieser Phase gehört die Heroische Landschaft.

Obwohl Keller die Malerei später als Beruf aufgab, blieb sein ausgeprägtes visuelles Vorstellungsvermögen für seine literarische Arbeit wichtig. Landschaften, Städte, Häuser und Figuren werden in seinen Erzählungen häufig mit grosser bildlicher Genauigkeit beschrieben.

Übergang zur Literatur

Nach seiner Rückkehr aus München verlagerte Keller sein Interesse zunehmend von der Malerei auf die Literatur.

Ab 1843 schrieb er verstärkt Gedichte. Besonders die politischen Auseinandersetzungen der Zeit und die liberale Bewegung beeinflussten seine frühe Lyrik.

1845 erschienen seine Lieder eines Autodidakten. Im Mai 1846 folgte mit dem Band Gedichte seine erste selbständige Buchpublikation.[1]

Keller schrieb ausserdem Kunst- und Literaturkritiken sowie politische Artikel. Bereits in dieser frühen Phase verband er literarische Arbeit mit einem starken Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen.

Politisches Engagement

Keller war in jungen Jahren ein Anhänger der liberalen Bewegung.

1844 und 1845 beteiligte er sich an den sogenannten Freischarenzügen gegen den konservativ-katholischen Kanton Luzern. Die militärisch organisierten Unternehmungen scheiterten, gehörten jedoch zu den Ereignissen, die der Gründung des modernen schweizerischen Bundesstaates von 1848 vorausgingen.

Keller nahm an beiden Zügen teil, ohne in bedeutende Kampfhandlungen verwickelt zu werden.[1]

Seine politischen Erfahrungen spiegelten sich in Gedichten, journalistischen Texten und später auch in seinen Erzählungen wider.

Besonders wichtig wurde für ihn die Vorstellung eines republikanischen Gemeinwesens, in dem politische Freiheit mit persönlicher Verantwortung verbunden sein sollte.

Heidelberg

1848 erhielt Keller ein Stipendium des Kantons Zürich und ging nach Heidelberg.

Dort hörte er Vorlesungen an der Universität. Besonders wichtig wurde für seine geistige Entwicklung die Begegnung mit dem Philosophen Ludwig Feuerbach.

Kellers religiöse und philosophische Vorstellungen veränderten sich in dieser Zeit deutlich. Feuerbachs materialistische Religionskritik beeinflusste unter anderem die spätere Überarbeitung des Grünen Heinrich.

In Heidelberg lernte Keller zudem Johanna Kapp kennen, in die er sich verliebte. Seine Zuneigung blieb jedoch unerwidert.

Berliner Jahre

Im April 1850 übersiedelte Keller nach Berlin. Dort lebte er bis Ende 1855.

Die Berliner Jahre waren literarisch ausserordentlich produktiv, wirtschaftlich jedoch schwierig. Keller lebte zeitweise unter erheblichen finanziellen Problemen und war weiterhin auf die Unterstützung seiner Mutter angewiesen.

In Berlin arbeitete er vor allem an seinem ersten grossen Roman, Der grüne Heinrich.

Die ersten drei Bände erschienen 1853, der vierte Band 1855.[1]

Während dieser Zeit entstanden auch wesentliche Teile der ersten Sammlung der Leute von Seldwyla.

Der grüne Heinrich

Der grüne Heinrich ist Kellers bedeutendster Roman und weist zahlreiche autobiografische Elemente auf.

Die Hauptfigur Heinrich Lee wächst unter schwierigen familiären Verhältnissen auf und möchte Maler werden. Seine künstlerischen Hoffnungen scheitern zunehmend an der Realität.

Keller griff dabei Erfahrungen seiner eigenen Jugend, seiner Ausbildung zum Maler und seiner Aufenthalte in Deutschland auf, formte sie jedoch zu einem eigenständigen literarischen Werk.

Die erste Fassung erschien 1853 bis 1855.

Keller war später mit dieser Version unzufrieden und überarbeitete den Roman grundlegend. Die zweite Fassung erschien 1879/80.[1]

Die beiden Fassungen unterscheiden sich sowohl in ihrer Erzählweise als auch im Ausgang der Handlung erheblich.

Der grüne Heinrich wird heute zu den bedeutenden deutschsprachigen Bildungsromanen des 19. Jahrhunderts gezählt.

Rückkehr nach Zürich

Im Dezember 1855 kehrte Keller nach mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland endgültig nach Zürich zurück.

1856 erschien der erste Teil des Novellenzyklus Die Leute von Seldwyla.

Obwohl Keller inzwischen als Schriftsteller bekannt war, konnte er zunächst nicht dauerhaft von seiner literarischen Arbeit leben.

In den folgenden Jahren beteiligte er sich erneut intensiv am politischen und kulturellen Leben Zürichs. Er schrieb politische Artikel und engagierte sich insbesondere in der Opposition gegen die starke Stellung des politischen und wirtschaftlichen Umfelds von Alfred Escher.

Staatsschreiber des Kantons Zürich

Am 14. September 1861 wurde Keller zum Ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich gewählt. Am 23. September trat er sein Amt an.[1]

Die Wahl kam für viele Zeitgenossen überraschend, da Keller keine klassische Verwaltungskarriere absolviert hatte. Seine sprachlichen Fähigkeiten und seine politische Tätigkeit machten ihn jedoch für die Aufgabe geeignet.

Als Staatsschreiber war Keller ein hoher Beamter der kantonalen Verwaltung. Er arbeitete eng mit dem Regierungsrat zusammen und war für wichtige amtliche Schriftstücke, Protokolle und redaktionelle Arbeiten verantwortlich.

Das Amt verschaffte ihm erstmals ein regelmässiges und gesichertes Einkommen.[3]

Keller verfasste während seiner Amtszeit unter anderem mehrere offizielle Bettagsmandate der Zürcher Regierung.

Mitglied des Grossen Rates

Neben seinem Amt als Staatsschreiber war Keller zeitweise auch parlamentarisch tätig.

Am 15. Dezember 1861 wurde er in den damaligen Grossen Rat des Kantons Zürich gewählt.[1]

Politisch vertrat Keller grundsätzlich liberale und republikanische Überzeugungen. Er stand jedoch einzelnen politischen Führungsgruppen kritisch gegenüber und bewahrte sich eine ausgeprägte persönliche Unabhängigkeit.

Die politischen Veränderungen des Bundesstaats und des Kantons Zürich bildeten später einen wichtigen Hintergrund seines literarischen Werks.

Die Leute von Seldwyla

Die Leute von Seldwyla gehört zu Kellers bekanntesten Werken.

Seldwyla ist keine reale Schweizer Stadt, sondern ein literarisch erfundener Ort. Keller stattete ihn jedoch bewusst mit Merkmalen schweizerischer Kleinstädte seiner Zeit aus.

Die Bewohner Seldwylas sind geschäftig, politisch lebhaft und erfinderisch, geraten durch ihre Selbsttäuschungen, wirtschaftlichen Spekulationen und persönlichen Schwächen jedoch immer wieder in Schwierigkeiten.

Der erste Band erschien 1856. Eine erweiterte Ausgabe mit weiteren Novellen folgte in den Jahren 1873 und 1874.

Zu den bekanntesten Erzählungen gehören:

Romeo und Julia auf dem Dorfe

Die Novelle Romeo und Julia auf dem Dorfe gehört zu den international bekanntesten Werken Kellers.

Sie erzählt die tragische Geschichte von Sali und Vrenchen, den Kindern zweier Bauernfamilien, deren Eltern durch einen langjährigen Streit ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenz zerstören.

Der Titel verweist bewusst auf Shakespeares Romeo und Julia. Keller überträgt das Motiv der tragischen Liebe jedoch in ein ländliches schweizerisches Umfeld des 19. Jahrhunderts.

Die Erzählung verbindet Gesellschaftskritik mit einer poetischen Liebesgeschichte.

Kleider machen Leute

Kleider machen Leute ist eine der meistgelesenen Novellen Kellers.

Im Mittelpunkt steht der arbeitslose Schneider Wenzel Strapinski. Aufgrund seiner eleganten Kleidung wird er in einer fremden Stadt irrtümlich für einen polnischen Grafen gehalten.

Aus einem Missverständnis entwickelt sich eine immer kompliziertere gesellschaftliche Rolle.

Die Novelle thematisiert soziale Wahrnehmung, äusseren Schein, gesellschaftlichen Status und persönliche Identität. Der Titel wurde zu einem weit verbreiteten Sprichwort.

Das Fähnlein der sieben Aufrechten

Die Novelle Das Fähnlein der sieben Aufrechten erschien erstmals 1860 in einem Volkskalender.

Sie handelt von sieben älteren Schweizer Liberalen, die sich seit den politischen Kämpfen ihrer Jugend verbunden fühlen.

Das Werk verbindet eine Familien- und Liebesgeschichte mit einer Darstellung schweizerischer republikanischer Ideale.

Keller thematisiert darin insbesondere das Verhältnis zwischen der revolutionären liberalen Generation und der jüngeren Generation des inzwischen gefestigten Bundesstaats.

Züricher Novellen

Nach seinem Rücktritt als Staatsschreiber widmete sich Keller wieder intensiver der Literatur.

1876 und 1877 erschienen zunächst in einer Zeitschrift und anschliessend in Buchform die Züricher Novellen.[1]

Die Sammlung verbindet erfundene Geschichten mit historischen Persönlichkeiten und Ereignissen aus der Geschichte Zürichs.

Zu den Erzählungen gehören unter anderem:

  • Hadlaub;
  • Der Narr auf Manegg;
  • Der Landvogt von Greifensee;
  • Das Fähnlein der sieben Aufrechten;
  • Ursula.

Die Züricher Novellen gehören zu den Werken, in denen Kellers enge Verbundenheit mit seiner Heimatstadt besonders deutlich sichtbar wird.

Sieben Legenden

1872 veröffentlichte Keller den Zyklus Sieben Legenden.

Darin griff er Stoffe aus der christlichen Legendentradition auf, veränderte sie jedoch mit Humor, Ironie und einer betont menschlichen Perspektive.

Das Werk zeigt Kellers distanziertes Verhältnis zur traditionellen Religiosität und zugleich seine Fähigkeit, überlieferte Stoffe literarisch neu zu gestalten.

Das Sinngedicht

Das Sinngedicht erschien 1881 als Buch.

Das Werk besteht aus einer Rahmenerzählung und mehreren eingeschobenen Geschichten. Im Zentrum stehen Fragen nach Liebe, Partnerwahl, Erkenntnis und dem Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Vernunft und menschlicher Erfahrung.

Die komplizierte Erzählstruktur gehört zu den ambitioniertesten Konstruktionen in Kellers Spätwerk.

Martin Salander

Kellers letzter grosser Roman Martin Salander erschien 1886.

Die Handlung spielt in der fiktiven schweizerischen Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts. Keller setzte sich darin kritisch mit politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen des modernen Bundesstaats auseinander.

Themen sind unter anderem Spekulation, Korruption, Opportunismus, demokratische Institutionen und gesellschaftlicher Aufstieg.

Der Roman unterscheidet sich durch seinen deutlich kritischeren Blick auf die schweizerische Gegenwart von manchen früheren Werken Kellers.

Lyrik

Keller begann seine literarische Laufbahn als Lyriker und schrieb während seines gesamten Lebens Gedichte.

Seine frühe Lyrik war stark von den politischen Ereignissen des Vormärz und der liberalen Bewegung beeinflusst. Später traten Natur-, Liebes- und Lebensgedichte stärker in den Vordergrund.

Zu seinen Gedichtsammlungen gehören:

Jahr Werk
1846 Gedichte
1851 Neuere Gedichte
1883 Gesammelte Gedichte

Viele Gedichte Kellers wurden später von Komponisten vertont.

Keller als Maler

Obwohl Gottfried Keller vor allem als Schriftsteller bekannt ist, blieb auch sein malerisches Werk erhalten.

Die Zentralbibliothek Zürich bewahrt Gemälde und Zeichnungen aus seinem Nachlass in ihrer Graphischen Sammlung auf.[3]

Seine Landschaftsbilder zeigen Einflüsse der Romantik und der zeitgenössischen Landschaftsmalerei.

Kellers künstlerischer Berufsweg scheiterte wirtschaftlich, doch das während dieser Jahre entwickelte genaue Beobachten von Landschaft, Licht und räumlichen Verhältnissen beeinflusste seine spätere Prosa.

Rücktritt als Staatsschreiber

Am 30. März 1876 reichte Keller seinen Rücktritt als Staatsschreiber ein.[1]

Nach fünfzehn Jahren im Staatsdienst konnte er sich nun vollständig seiner schriftstellerischen Tätigkeit widmen.

Die folgenden Jahre wurden zu einer seiner produktivsten literarischen Phasen. In dieser Zeit erschienen die Züricher Novellen, die überarbeitete Fassung des Grünen Heinrich, Das Sinngedicht und Martin Salander.

Privatleben

Keller blieb unverheiratet.

Eine zentrale Rolle in seinem Leben spielten seine Mutter Elisabeth und seine Schwester Regula. Mit Regula lebte er während vieler Jahre im gemeinsamen Haushalt.

Mehrere Beziehungen und unerwiderte Verliebtheiten sind aus seinen Briefen und biografischen Dokumenten bekannt.

1866 verlobte sich Keller mit Luise Scheidegger. Die Beziehung endete tragisch, als sie wenige Wochen später starb.

Keller pflegte zugleich einen grossen Freundes- und Bekanntenkreis. Zu seinen literarischen Kontakten gehörten unter anderem Theodor Storm und Paul Heyse.[3]

Letzte Lebensjahre

1882 zog Keller in das Haus Zum Thaleck am Zeltweg 27 in Hottingen.

Dort wohnte er bis zu seinem Tod. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an seinen Aufenthalt.[4]

1888 starb seine Schwester Regula.

Am 19. Juli 1889 beging Keller seinen 70. Geburtstag. Zu diesem Zeitpunkt war er längst einer der bekanntesten Schriftsteller der Schweiz.

Ab Juli 1889 erschien eine zehnbändige Ausgabe seiner gesammelten Werke.[1]

Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich, vier Tage vor seinem 71. Geburtstag.

Grab und Erinnerung

Kellers Tod wurde in der Schweiz und im deutschsprachigen Ausland stark beachtet.

Sein Andenken blieb insbesondere in Zürich und im Kanton Zürich präsent. Strassen, Schulen und weitere Einrichtungen wurden nach ihm benannt.

In Zürich erinnert unter anderem das Gottfried-Keller-Denkmal an den Dichter.

Auch Glattfelden pflegt die Erinnerung an Keller. Dort befindet sich das Gottfried-Keller-Zentrum mit einer Ausstellung über Leben und Werk des Schriftstellers.

Ehrendoktorwürde

An seinem 50. Geburtstag, dem 19. Juli 1869, verlieh die Universität Zürich Gottfried Keller die Ehrendoktorwürde.[1]

Die Auszeichnung zeigt, dass Keller bereits während seiner Amtszeit als Staatsschreiber eine hohe literarische und gesellschaftliche Anerkennung erreicht hatte.

Bedeutung für Zürich

Kaum ein bedeutender Schweizer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts ist so eng mit Zürich verbunden wie Gottfried Keller.

Die Stadt war sein Geburtsort, sein politischer Wirkungsort und der Schauplatz beziehungsweise Hintergrund zahlreicher literarischer Texte.

Keller erlebte Zürich in einer Phase grundlegender Veränderungen. Industrialisierung, Eisenbahnbau, liberale Politik, Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Aufstieg wandelten die Stadt stark.[3]

Diese Entwicklungen finden sich in unterschiedlicher Form in seinen literarischen und politischen Texten wieder.

Dabei idealisierte Keller die schweizerische Demokratie nicht uneingeschränkt. Gerade in seinem Spätwerk setzte er sich kritisch mit politischen Fehlentwicklungen, wirtschaftlicher Spekulation und gesellschaftlichem Opportunismus auseinander.

Literarische Bedeutung

Keller wird dem poetischen Realismus zugerechnet.

Seine Werke verbinden eine genaue Beobachtung der gesellschaftlichen Wirklichkeit mit dichterischer Gestaltung, Humor, Ironie und symbolischen Elementen.

Charakteristisch sind häufig Figuren, deren Wünsche und Selbstbilder mit der Realität in Konflikt geraten.

Wiederkehrende Themen sind:

  • individuelle Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung;
  • Arbeit und wirtschaftliche Selbständigkeit;
  • Liebe und Ehe;
  • Bildung und persönliche Entwicklung;
  • Schein und Wirklichkeit;
  • demokratische Politik;
  • Geld, Besitz und sozialer Status;
  • das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft.

Viele Handlungen spielen in erfundenen schweizerischen Orten, die deutlich von realen gesellschaftlichen Verhältnissen des 19. Jahrhunderts geprägt sind.

Schweizer Identität im Werk

Kellers Literatur entstand in einer Zeit, in der sich die moderne Schweiz politisch konsolidierte.

Der Bundesstaat von 1848 und die Entwicklung der direkten Demokratie bildeten einen wesentlichen historischen Hintergrund seines Lebens.

Keller verstand Freiheit nicht nur als individuelles Recht, sondern verband sie mit Verantwortung für das Gemeinwesen.

Gleichzeitig warnte er vor Selbstzufriedenheit und politischer Gedankenlosigkeit.

Dadurch sind seine Werke nicht nur literarische Erzählungen, sondern auch wichtige Zeugnisse der politischen und gesellschaftlichen Kultur der Schweiz im 19. Jahrhundert.

Rezeption

Kellers Werke wurden bereits zu seinen Lebzeiten im gesamten deutschsprachigen Raum gelesen.

Besonders seine Novellen erlangten grosse Popularität. Kleider machen Leute und Romeo und Julia auf dem Dorfe gehören bis heute zur häufig gelesenen deutschsprachigen Literatur.

Seine Texte wurden vielfach für Theater, Film, Fernsehen und Musik bearbeitet.

Die Zentralbibliothek Zürich bezeichnet seine Novellen als Werke von internationaler literarischer Bedeutung und bewahrt einen umfangreichen Nachlass mit Manuskripten, Briefen, Büchern, Zeichnungen und Gemälden.[3]

Nachlass

Der schriftliche Nachlass Gottfried Kellers befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich.

Dazu gehören Manuskripte, Briefe, persönliche Aufzeichnungen und weitere Dokumente. In der Graphischen Sammlung werden seine Gemälde und Zeichnungen aufbewahrt. Auch Teile seiner Privatbibliothek gehören zum Bestand.[3]

Zahlreiche Quellen wurden inzwischen digitalisiert und sind über wissenschaftliche Plattformen zugänglich.

Von besonderer Bedeutung für die Forschung ist die historisch-kritische Gottfried-Keller-Ausgabe, die zwischen 1996 und 2013 erarbeitet wurde.

Gottfried-Keller-Gesellschaft

Die Gottfried-Keller-Gesellschaft widmet sich der Erforschung und Vermittlung von Kellers Werk.

Sie organisiert Veranstaltungen und veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge über den Schriftsteller und sein Umfeld.

Auch die Universität Zürich und die Zentralbibliothek Zürich betreiben umfangreiche digitale Angebote zu Keller.

Abgrenzung zur Gottfried Keller-Stiftung

Die Gottfried Keller-Stiftung trägt zwar den Namen des Schriftstellers, wurde jedoch nicht von ihm gegründet.

Die Stiftung entstand 1890 aufgrund einer Schenkung von Lydia Welti-Escher an die Schweizerische Eidgenossenschaft. Ihr Zweck ist der Erwerb bedeutender Kunstwerke für öffentliche Schweizer Sammlungen.

Der Name Gottfried Keller wurde gewählt, um den kurz zuvor verstorbenen Schweizer Dichter zu ehren.

Werke (Auswahl)

Jahr Werk Gattung
1846 Gedichte Lyrik
1851 Neuere Gedichte Lyrik
1853–1855 Der grüne Heinrich, erste Fassung Roman
1856 Die Leute von Seldwyla, erster Teil Novellen
1860 Das Fähnlein der sieben Aufrechten Novelle
1872 Sieben Legenden Erzählzyklus
1873–1874 Die Leute von Seldwyla, erweiterte Ausgabe Novellen
1877 Züricher Novellen Novellenzyklus
1879–1880 Der grüne Heinrich, zweite Fassung Roman
1881 Das Sinngedicht Novellenzyklus
1883 Gesammelte Gedichte Lyrik
1886 Martin Salander Roman

Siehe auch

Literatur

  • Jakob Baechtold: Gottfried Kellers Leben. Stuttgart 1894–1897.
  • Emil Ermatinger: Gottfried Kellers Leben. Briefe und Tagebücher. Zürich.
  • Ursula Amrein (Hrsg.): Gottfried Keller Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. J. B. Metzler, Stuttgart 2018.
  • Gottfried Keller: Sämtliche Werke. Historisch-Kritische Ausgabe. Herausgegeben unter der Leitung von Walter Morgenthaler, Zürich 1996–2013.

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Daten zu Leben und Werk, Universität Zürich, abgerufen am 9. August 2026.
  2. Online-Zugang zu den Pfarrbüchern der Altstadt von Zürich, Stadt Zürich, 4. Mai 2020, abgerufen am 9. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 Gottfried Keller, Zentralbibliothek Zürich, aktualisiert im Juli 2024, abgerufen am 9. August 2026.
  4. Renovation des letzten Wohnsitzes des Dichters und Staatsschreibers Gottfried Keller, Stadt Zürich, 28. Januar 2009, abgerufen am 9. August 2026.

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