Threema
| Threema | |
|---|---|
| Art | Instant-Messaging-Dienst |
| Betreiberin | Threema AG |
| Erscheinungsjahr | 2012 |
| Gründer | Manuel Kasper, Martin Blatter und Silvan Engeler |
| Hauptsitz | Pfäffikon SZ, Kanton Schwyz, Schweiz |
| Geschäftsführer | Robin Simon |
| Betriebssysteme | Android, iOS, iPadOS, Windows, macOS, Linux |
| Kategorie | Instant Messaging, IP-Telefonie, Videotelefonie |
| Lizenz | Client-Anwendungen überwiegend AGPLv3 |
| Eigentümerin | Comitis Capital GmbH |
| Nutzer | über 12 Millionen nach Unternehmensangaben |
| Website | threema.com |
Threema ist ein kostenpflichtiger, Ende-zu-Ende-verschlüsselter Instant-Messaging-Dienst aus der Schweiz. Die Anwendung ermöglicht den Austausch von Text- und Sprachnachrichten, Bildern, Videos, Standorten und Dateien sowie Sprach-, Video- und Gruppenanrufe. Ein wesentliches Merkmal ist, dass zur Nutzung weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse angegeben werden muss. Stattdessen erhalten Nutzerinnen und Nutzer eine zufällig erzeugte, achtstellige Threema-ID.
Der Dienst wird von der in Pfäffikon SZ ansässigen Threema AG betrieben. Neben der Anwendung für Privatpersonen bietet das Unternehmen unter anderem die Geschäftslösung Threema Work, die selbst betreibbare Variante Threema OnPrem sowie Dienste für automatisierte und einseitige Kommunikation an. Nach Unternehmensangaben verwenden weltweit mehr als zwölf Millionen Menschen und über 8000 Organisationen Produkte von Threema.[1]
Name
Der Name «Threema» geht auf die englische Bezeichnung End-to-End Encrypted Messaging Application zurück. Die zunächst verwendete Abkürzung «EEEMA» enthielt drei aufeinanderfolgende Buchstaben E. Daraus wurde in Anlehnung an das englische Wort three die Bezeichnung «Threema» gebildet.[2]
Geschichte
Gründung und erste Jahre
Threema wurde von den Schweizer Softwareentwicklern Manuel Kasper, Martin Blatter und Silvan Engeler entwickelt. Die erste Version erschien am 12. Dezember 2012 im App Store von Apple. Eine Version für Android folgte kurze Zeit später. Die Anwendung war ursprünglich ein vergleichsweise kleines Entwicklungsprojekt, das eine sichere Alternative zu den damals rasch an Bedeutung gewinnenden mobilen Nachrichtendiensten bieten sollte.[3]
Die Veröffentlichungen des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden über staatliche Überwachungsprogramme führten 2013 zu einem wachsenden öffentlichen Interesse an verschlüsselter Kommunikation. Davon profitierten neben anderen datenschutzorientierten Diensten auch die Nutzerzahlen von Threema. Einen weiteren starken Zuwachs verzeichnete die Anwendung nach der Ankündigung der Übernahme von WhatsApp durch Facebook im Februar 2014. Innerhalb weniger Wochen stieg die Nutzerbasis nach Angaben des Unternehmens auf rund zwei Millionen.[3]
Im Frühjahr 2014 wurde die Threema GmbH im Kanton Schwyz gegründet. Sie übernahm die Weiterentwicklung und den Betrieb des zuvor unter der Firma Kasper Systems entwickelten Dienstes.
Ausbau des Angebots
Im März 2015 wurde Threema Gateway vorgestellt. Der Dienst ermöglicht es Unternehmen und Organisationen, Nachrichten aus eigenen Anwendungen und Informationssystemen an Threema-Nutzer zu versenden. Im Mai 2016 folgte mit Threema Work eine administrierbare Variante für Unternehmen, Behörden und andere Organisationen. Später wurden Threema Broadcast für die Kommunikation mit grösseren Empfängergruppen und Threema Education für Bildungseinrichtungen eingeführt.
Die ursprünglich auf Textnachrichten ausgerichtete Anwendung wurde schrittweise um den Versand beliebiger Dateien, Sprachnachrichten, Umfragen, Sprach- und Videoanrufe sowie Gruppenanrufe erweitert. 2020 führte Threema Ende-zu-Ende-verschlüsselte Videoanrufe ein.
Im selben Jahr beteiligte sich die Investmentgesellschaft Afinum Management GmbH mehrheitlich am Unternehmen. Im Zusammenhang mit dem Einstieg kündigte Threema an, die Client-Anwendungen als Open-Source-Software zu veröffentlichen. Die Quelltexte der mobilen Apps wurden im Dezember 2020 öffentlich zugänglich gemacht.[4]
Im Jahr 2021 überschritt die Zahl der registrierten Nutzer nach Unternehmensangaben zehn Millionen. Ursache des damaligen starken Wachstums war unter anderem die öffentliche Diskussion über Änderungen der Datenschutzbestimmungen von WhatsApp.[3]
Ibex und Multi-Device-Unterstützung
2022 führte Threema die als «Ibex» bezeichnete neue Protokollgeneration ein. Sie bildet unter anderem die technische Grundlage für Perfect Forward Secrecy, Gruppenanrufe und die geplante beziehungsweise schrittweise eingeführte Multi-Device-Nutzung. Im selben Jahr erschien mit Threema Libre eine über F-Droid vertriebene Android-Variante ohne Abhängigkeit von proprietären Google-Diensten.[3]
Seit 2023 steht eine neue Generation der Desktop-Anwendung als Betaversion zur Verfügung. Sie kann nach der Verknüpfung mit einem Mobilgerät auch dann verwendet werden, wenn das Smartphone ausgeschaltet oder nicht mit dem Internet verbunden ist. Die Desktop-App wird für Windows, macOS und Linux angeboten. Daneben existiert weiterhin ein Web-Client, bei dem das verbundene Mobilgerät während der Sitzung eingeschaltet und online sein muss.[5]
Eigentümer- und Unternehmenswechsel
2024 übergaben die Gründer die operative Führung des Unternehmens. Robin Simon übernahm die Position des Geschäftsführers.
Anfang 2026 wechselte die Eigentümerschaft von Afinum zur deutschen Beteiligungsgesellschaft Comitis Capital GmbH. Nach Angaben von Threema blieben der Unternehmenssitz, der Betrieb der Dienste und die Serverinfrastruktur in der Schweiz. Die deutsche Eigentümerschaft führt nicht dazu, dass der Dienst allein deswegen deutschem Recht untersteht; massgebend ist in erster Linie der Sitz der schweizerischen Betreibergesellschaft.[6][7]
Am 8. Juli 2026 wurden die Threema GmbH und die bisherige Threema Holding AG zusammengeführt. Die Holding übernahm die Aktiven und Verbindlichkeiten der GmbH und wurde in Threema AG umbenannt. Der Sitz der Gesellschaft befindet sich seither in Pfäffikon SZ. Die Änderung der Rechtsform und Unternehmensstruktur hatte nach Angaben des Unternehmens keine Auswirkungen auf bestehende Nutzerkonten und Verträge.[8][9]
Funktionsweise
Threema-ID
Bei der erstmaligen Einrichtung erzeugt die Anwendung eine zufällige, aus acht Buchstaben und Ziffern bestehende Threema-ID. Sie dient als eindeutige Adresse innerhalb des Dienstes und ist nicht zwingend mit einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse verbunden. Dadurch kann Threema auch auf Tablets oder anderen Geräten ohne SIM-Karte verwendet werden.
Zusammen mit der ID wird auf dem Endgerät ein kryptografisches Schlüsselpaar erzeugt. Der private Schlüssel verbleibt auf dem Gerät. Der öffentliche Schlüssel wird an die Server von Threema übertragen, damit Kommunikationspartner Nachrichten für den Inhaber der ID verschlüsseln können. Mit dem öffentlichen Schlüssel verschlüsselte Inhalte können nur mit dem zugehörigen privaten Schlüssel entschlüsselt werden.[10]
Eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse kann freiwillig mit der ID verknüpft werden. Dies erleichtert anderen Nutzerinnen und Nutzern das Auffinden eines Kontakts über den optionalen Adressbuchabgleich. Eine solche Verknüpfung ist für die eigentliche Nutzung des Messengers jedoch nicht erforderlich.
Kontaktverifizierung
Threema verwendet ein mehrstufiges System zur Beurteilung der Identität eines Kontakts. Die Stufen werden in der Anwendung durch farbige Punkte dargestellt.
Eine rote Stufe bedeutet, dass eine ID manuell hinzugefügt oder erstmals durch eine eingehende Nachricht bekannt wurde und ihre Zuordnung zu einer bestimmten Person nicht zusätzlich geprüft wurde. Eine orange Stufe zeigt an, dass eine verknüpfte Telefonnummer oder E-Mail-Adresse mit einem Eintrag im lokalen Adressbuch übereinstimmt. Die höchste, grüne Stufe wird erreicht, wenn die Threema-ID und der öffentliche Schlüssel durch persönliches Scannen eines QR-Codes geprüft wurden. Diese direkte Prüfung soll das Risiko eines Man-in-the-Middle-Angriffs verringern.[11]
Nachrichten und Medien
Threema unterstützt Einzel- und Gruppenchats. Neben Textnachrichten können Sprachnachrichten, Bilder, Videos, animierte Grafiken, Kontakte, Standorte und Dateien beliebiger Formate übertragen werden. Bereits gesendete Nachrichten lassen sich innerhalb der von der Anwendung vorgesehenen Bedingungen bearbeiten oder beim Empfänger löschen. Weitere Funktionen sind Antworten mit Zitaten, Emoji-Reaktionen, Umfragen, Chat-Archive und besonders geschützte private Chats.[12]
Gruppen werden dezentral auf den Geräten der Mitglieder verwaltet. Der Server führt nach Angaben des Unternehmens keine zentrale Liste bestehender Gruppen und ihrer Mitglieder. Eine Gruppennachricht wird für die einzelnen Mitglieder entsprechend den jeweiligen Schlüsseln verschlüsselt und ausgeliefert.
Sprach- und Videoanrufe
Einzelne Sprach- und Videoanrufe sowie Gruppenanrufe sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Bei Threema Private können nach dem Stand von 2026 bis zu 16 Personen an einem Gruppenanruf teilnehmen. Bei Threema Work und Threema OnPrem liegt die Grenze bei 32 Personen.
Gruppenanrufe werden über Medienrouter vermittelt. Dadurch werden die IP-Adressen der Teilnehmenden voreinander verborgen. Zur Verringerung der Übertragungsverzögerung können sich einzelne Medienrouter nach Angaben des Unternehmens auch ausserhalb der Schweiz befinden. Die übertragenen Gesprächsinhalte bleiben dabei Ende-zu-Ende-verschlüsselt.[13]
Sicherheit und Datenschutz
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Nachrichten, Dateien sowie Sprach- und Videoanrufe werden grundsätzlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Die Verschlüsselung erfolgt auf den Geräten der Kommunikationspartner. Die Server vermitteln die verschlüsselten Daten, verfügen jedoch nicht über die privaten Schlüssel, die zum Entschlüsseln der Inhalte erforderlich sind.
Das 2022 eingeführte Ibex-Protokoll unterstützt Perfect Forward Secrecy. Dabei werden Sitzungsschlüssel fortlaufend erneuert. Wird ein aktueller Schlüssel zu einem späteren Zeitpunkt kompromittiert, sollen damit nicht automatisch auch zuvor versendete Nachrichten entschlüsselt werden können.
Zusätzlich zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung besteht eine verschlüsselte Transportverbindung zwischen den Endgeräten und den Threema-Servern. Diese zweite Verschlüsselungsebene schützt insbesondere Verbindungsdaten während der Übertragung.
Datensparsamkeit
Threema verfolgt nach eigenen Angaben den Grundsatz der Datensparsamkeit. Kontaktlisten, Chatverläufe und Gruppenmitgliedschaften werden grundsätzlich auf den Endgeräten verwaltet. Erfolgreich zugestellte Nachrichten werden von den Vermittlungsservern gelöscht. Ist ein Empfänger vorübergehend nicht erreichbar, müssen verschlüsselte Nachrichten für die spätere Zustellung zeitweise auf einem Server gespeichert werden.[14]
Beim optionalen Adressbuchabgleich werden Telefonnummern und E-Mail-Adressen in gehashter Form an den Server übertragen. Nach dem Abgleich sollen die übermittelten Adressbuchwerte wieder gelöscht werden. Wird eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse freiwillig mit einer Threema-ID verknüpft, speichert der Dienst den entsprechenden Hashwert.
Zu den auf dem Server vorhandenen Bestandsdaten können die Threema-ID, der öffentliche Schlüssel, das Erstellungsdatum der ID, das Datum der letzten Verbindung sowie gegebenenfalls Hashwerte verknüpfter Kontaktdaten und Push-Token gehören. Nutzer können die zu ihrer ID gespeicherten Bestandsdaten über die spezielle Threema-ID «*MY3DATA» abrufen.
Serverstandort und Rechtsordnung
Die zentrale Infrastruktur wird nach Angaben von Threema in der Schweiz betrieben. Damit unterliegt die Betreiberin insbesondere dem schweizerischen Bundesgesetz über den Datenschutz. Für Angebote an Personen im Europäischen Wirtschaftsraum können zusätzlich die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung gelten.
Der Standort in der Schweiz bedeutet nicht, dass die Betreiberin keinerlei behördlichen Verpflichtungen unterliegt. Bei einer formell gültigen schweizerischen Anordnung muss sie jene Bestandsdaten herausgeben, die bei ihr tatsächlich vorhanden sind. Da Nachrichteninhalte Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind und die privaten Schlüssel nicht beim Unternehmen liegen, können die Kommunikationsinhalte nach Angaben von Threema nicht im Klartext ausgeliefert werden.
Seit 2016 veröffentlicht das Unternehmen einen Transparenzbericht über Behördenanfragen. Direkte Anfragen ausländischer Behörden werden nicht bearbeitet; diese müssen den Weg der internationalen Rechtshilfe über schweizerische Behörden nehmen.[15]
Open Source und Sicherheitsprüfungen
Die Quelltexte der Anwendungen für Android und iOS, der Desktop-Anwendungen, des Web-Clients sowie verschiedener Bibliotheken und Protokollkomponenten sind öffentlich zugänglich. Dadurch können unabhängige Fachleute die Implementierung untersuchen und Änderungen vorschlagen. Für die Android-Anwendung stellt das Unternehmen zudem Anleitungen für reproduzierbare Builds bereit. Damit lässt sich überprüfen, ob eine veröffentlichte Installationsdatei aus dem zugänglichen Quellcode erzeugt wurde.
Für iOS sind reproduzierbare Builds aufgrund technischer und organisatorischer Beschränkungen des Apple-Ökosystems bislang nicht im gleichen Umfang verfügbar. Die öffentlich zugänglichen Repositorien umfassen zudem nicht die vollständige produktive Serverinfrastruktur des zentralen Dienstes.[16]
Threema liess seine Anwendungen mehrfach durch externe Sicherheitsunternehmen und Forschungseinrichtungen prüfen. Solche Prüfungen können Sicherheitsprobleme in der jeweils untersuchten Version aufzeigen, stellen jedoch keine dauerhafte Garantie für die Fehlerfreiheit späterer Versionen dar.
Untersuchung durch die ETH Zürich
Forschende der ETH Zürich untersuchten 2022 das damals verwendete Kommunikationsprotokoll. Sie beschrieben sieben mögliche Angriffe in unterschiedlichen Bedrohungsmodellen. Dazu gehörten Angriffe auf die Authentifizierung, Szenarien mit einem bösartigen Server und ein Seitenkanalangriff auf bestimmte komprimierte Sicherungsdateien.
Die Schwachstellen wurden Threema vor der Veröffentlichung mitgeteilt. Nach Angaben der Forschenden wurden die beschriebenen Probleme nach der verantwortlichen Offenlegung behoben. Die wissenschaftliche Arbeit wurde 2023 unter dem Titel Three Lessons From Threema: Analysis of a Secure Messenger auf dem USENIX Security Symposium veröffentlicht.[17]
Threema bestätigte die gemeldeten Probleme, bewertete die praktische Bedeutung der meisten Angriffsszenarien jedoch als gering, da diese teilweise umfangreichen Zugriff auf einen entsperrten Computer, ein entsperrtes Mobilgerät oder einen manipulierten Server voraussetzten. Das Unternehmen erklärte, alle relevanten Probleme innerhalb weniger Wochen behoben zu haben. Ein Teil der Befunde sei durch das bereits zuvor in Entwicklung befindliche Ibex-Protokoll gegenstandslos geworden.[18]
Die Untersuchung zeigte zugleich, dass auch sicherheitsorientierte Messenger einer fortlaufenden unabhängigen Prüfung bedürfen und dass die Veröffentlichung von Quellcode allein keine vollständige Sicherheit garantiert.
Produkte
Threema Private
Threema Private richtet sich an Privatpersonen. Im Unterschied zu vielen werbe- oder datenfinanzierten Messengern wird die Anwendung gegen eine einmalige Zahlung verkauft. Der Preis kann je nach Land, Plattform und Bezugsquelle abweichen. Nach dem Kauf fallen für die reguläre Nutzung keine wiederkehrenden Gebühren an.[19]
Für Android ist die App über Google Play, die Huawei AppGallery und den eigenen Threema Shop erhältlich. Im Threema Shop kann eine Lizenz unabhängig von einem Google-Konto erworben werden. Über F-Droid wird Threema Libre angeboten. Die iOS- und iPadOS-Version wird über den App Store von Apple vertrieben.
Threema Work
Threema Work ist für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und andere Organisationen bestimmt. Neben den üblichen Messenger-Funktionen bietet es eine zentrale Verwaltung von Lizenzen, Kontakten und Anwendungseinstellungen. Administratoren können beispielsweise interne Kontakte bereitstellen, bestimmte Funktionen einschränken, Richtlinien vorgeben und Nutzerzugänge verwalten.
Die geschäftliche Variante wird als Abonnement angeboten. Je nach Tarif stehen zusätzliche Verwaltungs-, Automatisierungs-, Support- und Broadcast-Funktionen zur Verfügung.
Threema OnPrem
Threema OnPrem ist eine selbst betreibbare Unternehmensvariante. Organisationen können die Serverkomponenten in ihrer eigenen Infrastruktur oder in einer von ihnen kontrollierten Umgebung betreiben. Das Angebot richtet sich insbesondere an Behörden, Unternehmen der kritischen Infrastruktur und andere Einrichtungen mit hohen Anforderungen an Datensouveränität und Netzwerkkontrolle.
Im Unterschied zum zentral betriebenen Threema Work kann eine OnPrem-Installation von der öffentlichen Threema-Infrastruktur getrennt werden. Auch eine Anpassung des Erscheinungsbildes und der App-Bezeichnung an die jeweilige Organisation ist möglich.
Threema Gateway und Broadcast
Threema Gateway ist eine Programmierschnittstelle, über die Unternehmen automatisierte Nachrichten versenden und empfangen können. Mögliche Anwendungen sind Benachrichtigungen, Alarmmeldungen, Einmalpasswörter oder die Anbindung eines Kundendienstes.
Threema Broadcast dient der Kommunikation mit grösseren Empfängergruppen. Der Dienst unterstützt Verteilerlisten, Informationsfeeds und automatisierte Chatbots. Anders als bei gewöhnlichen Gruppenchats müssen die Empfänger eines Feeds einander nicht kennen.
Verbreitung und Bedeutung
Threema ist insbesondere in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich verbreitet. Der Dienst erreichte mehrfach hohe Positionen in den Verkaufslisten kostenpflichtiger Apps. Besonders starke Zuwächse verzeichnete er nach öffentlichen Debatten über Datenschutz und Eigentümerwechsel bei konkurrierenden Messengern.
Im Vergleich mit weltweit führenden Diensten wie WhatsApp ist die Nutzerbasis deutlich kleiner. Der damit verbundene geringere Netzwerkeffekt kann die Verwendung im privaten Umfeld erschweren, wenn ein grosser Teil der eigenen Kontakte andere Messenger nutzt. Gleichzeitig hat sich Threema im Bereich der geschäftlichen, behördlichen und datenschutzorientierten Kommunikation etabliert.
Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 8000 Organisationen Threema-Produkte. Dazu gehören Unternehmen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, Behörden und Organisationen der kritischen Infrastruktur.[1]
Rechtliche Einordnung in der Schweiz
Zwischen Threema und dem Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr bestand ein Rechtsstreit über die Einordnung des Unternehmens nach dem Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs.
Der Dienst ÜPF stufte Threema 2018 zunächst als Anbieterin von Fernmeldediensten ein. Das Bundesverwaltungsgericht hob diese Verfügung 2020 auf und qualifizierte das Unternehmen als Anbieterin abgeleiteter Kommunikationsdienste. Das Schweizerische Bundesgericht bestätigte diese Beurteilung mit Urteil vom 29. April 2021.[20]
Die Einordnung bedeutet nicht, dass Threema vollständig von Mitwirkungspflichten befreit ist. Das Unternehmen muss auf gültige Anordnung vorhandene Bestandsdaten herausgeben und kann unter bestimmten Voraussetzungen zu weiteren Massnahmen verpflichtet werden. Die Pflichten sind jedoch weniger weitreichend als jene klassischer Fernmeldedienstanbieter.
Geschäftsmodell
Threema finanziert seine Angebote hauptsächlich durch den Verkauf von Privatlizenzen und durch Abonnements beziehungsweise Lizenzverträge mit Unternehmen und Organisationen. Die private Anwendung enthält keine Werbung. Nach eigenen Angaben erstellt das Unternehmen keine Werbeprofile und verkauft keine Nutzerdaten.
Das kostenpflichtige Modell soll die Abhängigkeit von personalisierter Werbung und der kommerziellen Auswertung des Kommunikationsverhaltens vermeiden. Gleichzeitig kann der Kaufpreis eine Hürde für die Verbreitung darstellen, da zahlreiche konkurrierende Messenger kostenlos angeboten werden.
Kritik und Grenzen
Zu den häufig genannten Vorteilen von Threema gehören die mögliche Nutzung ohne Telefonnummer, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, der Schweizer Unternehmenssitz und die weitgehend quelloffenen Client-Anwendungen. Die dezentrale Verwaltung von Kontakten und Gruppen verringert die Menge zentral gespeicherter Informationen.
Kritisch beurteilt werden unter anderem die im Vergleich zu kostenlosen Messengern geringere Nutzerbasis und die Bindung einer Threema-ID an das zugehörige Schlüsselpaar. Ohne geeignete Sicherung kann der Verlust eines Geräts zum Verlust der ID, von Kontakten oder von Chatverläufen führen. Threema Safe kann ID, Kontakte und Gruppen sichern, enthält jedoch nicht in jedem Fall den vollständigen Nachrichtenverlauf.
Die zentrale Vermittlungsinfrastruktur bleibt unter der Kontrolle eines einzelnen Unternehmens. Die Veröffentlichung der Client-Quelltexte ermöglicht zwar eine unabhängige Prüfung der Apps, macht den Dienst aber nicht zu einem vollständig dezentralen oder föderierten Kommunikationssystem.
Die ETH-Untersuchung von 2022 und 2023 zeigte, dass auch ein auf Sicherheit spezialisiertes Produkt Fehler im Protokolldesign und in einzelnen Komponenten enthalten kann. Positiv bewertet wurde, dass die Schwachstellen im Rahmen einer koordinierten Offenlegung gemeldet und vor der öffentlichen Veröffentlichung behoben wurden.[17]
Siehe auch
- Messenger-Dienste in der Schweiz
- Soziale Netzwerke in der Schweiz
- Instant Messaging
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Datenschutz in der Schweiz
- Signal (Messenger)
- Telegram
- Proton AG
Weblinks
- Offizielle Website von Threema
- Open-Source-Übersicht
- Quellcode auf GitHub
- Transparenzbericht
- Informationen zur Sicherheit
- Häufig gestellte Fragen
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Über uns: Geschichte, Werte und Prinzipien, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Woher kommt der Name «Threema»?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Die Threema-Story, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Threema Goes Open Source, Welcomes New Partner, Threema, 3. September 2020, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Threema Private herunterladen, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Wer ist Eigentümerin von Threema?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Comitis Capital announces the acquisition of Threema, Comitis Capital, 12. Januar 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Mitteilung zur Umwandlung in die Threema AG, Threema AG, 8. Juli 2026, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Impressum der Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Was ist eine Threema-ID?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Was bedeuten die farbigen Punkte neben einem Kontakt?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Welche Funktionen bietet Threema?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Wie starte ich einen Gruppenanruf?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Welche Daten werden bei Threema gespeichert?, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Transparenzbericht, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Open Source, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ 17,0 17,1 Kenneth G. Paterson, Matteo Scarlata und Kien Tuong Truong: Three Lessons From Threema: Analysis of a Secure Messenger, 32nd USENIX Security Symposium, 2023, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Statement on ETH Findings, Threema, 9. Januar 2023, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Preise, Threema AG, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Urteil 2C_544/2020 vom 29. April 2021, Schweizerisches Bundesgericht, abgerufen am 4. August 2026.