Soziale Netzwerke in der Schweiz
| Gegenstand | Nutzung sozialer Onlineplattformen in der Schweiz |
|---|---|
| Verbreitung | rund 7,27 Millionen Social-Media-Nutzeridentitäten Ende 2025 |
| Anteil an der Bevölkerung | rund 81 Prozent |
| Internetnutzung | rund 8,89 Millionen Personen |
| Häufig genutzte Plattformen | YouTube, LinkedIn, Instagram, Reddit, Facebook, Snapchat, TikTok, X |
| Wichtige Altersgruppe | besonders intensive Nutzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen |
| Sprachen | Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch, Englisch und weitere Sprachen |
| Zuständige Bundesstellen | Bundesamt für Kommunikation, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter |
| Wichtige Rechtsgrundlagen | Bundesgesetz über den Datenschutz, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Urheber- und Persönlichkeitsrecht |
Soziale Netzwerke in der Schweiz sind internetbasierte Plattformen, über die Privatpersonen, Unternehmen, Behörden, politische Organisationen und Medien Inhalte veröffentlichen, verbreiten und kommentieren sowie untereinander Kontakte pflegen. Sie gehören zu den wichtigsten Bestandteilen der digitalen Kommunikation in der Schweiz.
Der Schweizer Markt wird hauptsächlich von international tätigen Konzernen geprägt. Zu den reichweitenstärksten Angeboten gehören YouTube, Instagram, Facebook, LinkedIn, TikTok, Snapchat, Reddit und X. Daneben werden kleinere Plattformen wie Pinterest, Threads, Bluesky und dezentrale Netzwerke des Fediverse genutzt.
Ende 2025 wurden für die Schweiz rund 7,27 Millionen Social-Media-Nutzeridentitäten ausgewiesen. Dies entsprach etwa 81 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig nutzten rund 8,89 Millionen Personen das Internet, womit die Internetdurchdringung bei ungefähr 99 Prozent lag.[1]
Die Zahl der Nutzeridentitäten darf nicht mit der Zahl eindeutig identifizierbarer Personen gleichgesetzt werden. Einzelne Menschen besitzen mehrere Konten, während Unternehmens-, Vereins- und automatisierte Konten ebenfalls erfasst werden können. Viele Plattformzahlen beruhen zudem auf geschätzten Werbereichweiten und nicht auf veröffentlichten Angaben über monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer.
Begriff und Abgrenzung
Ein soziales Netzwerk ermöglicht typischerweise die Erstellung eines Profils, die Veröffentlichung eigener Inhalte, den Aufbau von Kontakten oder Abonnements sowie die Interaktion mit Beiträgen anderer Personen. Inhalte können aus Texten, Bildern, Videos, Livestreams, Links oder Audiodateien bestehen.
Die Grenzen zu anderen digitalen Diensten sind fliessend. YouTube wird vor allem als Videoplattform wahrgenommen, verfügt jedoch über Profile, Abonnements, Kommentare und Gemeinschaftsfunktionen. Reddit verbindet soziale Netzwerke mit thematischen Diskussionsforen. LinkedIn konzentriert sich auf berufliche Kontakte, während TikTok, Instagram und Snapchat stark auf visuelle und kurze audiovisuelle Inhalte ausgerichtet sind.
Messenger wie WhatsApp, Signal, Telegram oder die Schweizer Anwendung Threema dienen in erster Linie der direkten Kommunikation. Durch Gruppen, Kanäle, öffentliche Profile und Statusmeldungen können sie jedoch Funktionen sozialer Netzwerke übernehmen. In statistischen Erhebungen werden Messenger und soziale Netzwerke deshalb je nach Methodik gemeinsam oder getrennt ausgewiesen.
Klassische Internetforen, Blogs, Kommentarbereiche von Medien und Onlinegemeinschaften werden ebenfalls den sozialen Medien zugerechnet, gelten jedoch nicht in jedem Fall als soziale Netzwerke im engeren Sinn.
Entwicklung
Frühphase des Internets
Bereits in den 1990er-Jahren entstanden in der Schweiz digitale Gemeinschaften rund um Bulletin-Board-Systeme, Chatangebote, Usenet-Gruppen, Internetforen und Portale von Telekommunikationsunternehmen und Medienhäusern.
Die Kommunikation war zunächst weitgehend textbasiert und erfolgte über stationäre Computer. Häufig bildeten sich Gemeinschaften zu lokalen Themen, Hobbys, Politik, Technik oder Migration. Die Mehrsprachigkeit der Schweiz spiegelte sich früh in voneinander teilweise getrennten deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Onlinegemeinschaften wider.
Zu Beginn der 2000er-Jahre verbreiteten sich Plattformen wie Myspace, Xing und verschiedene Foto- und Blogdienste. Einen grundlegenden Wandel brachte der Aufstieg von Facebook, das sich ab der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre auch in der Schweiz zu einem Massenmedium entwickelte.
Smartphone und mobile Nutzung
Mit der Verbreitung von Smartphones ab dem Ende der 2000er-Jahre verlagerte sich die Nutzung zunehmend von stationären Computern auf mobile Anwendungen. Instagram, WhatsApp und später Snapchat wurden zu wichtigen Kommunikationsmitteln.
Während Facebook zunächst altersübergreifend wuchs, wandten sich viele Jugendliche stärker visuell geprägten Plattformen zu. Ab den späten 2010er-Jahren gewann TikTok insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen rasch an Bedeutung.
YouTube entwickelte sich gleichzeitig von einer Videoseite zu einer umfassenden Plattform für Unterhaltung, Musik, Bildung, Nachrichten, Produktinformationen und politische Kommunikation.
Fragmentierung der Plattformlandschaft
Seit den frühen 2020er-Jahren verteilt sich die Nutzung stärker auf unterschiedliche Plattformen. Viele Personen verwenden mehrere Dienste parallel und wählen sie für verschiedene Zwecke:
- Instagram und TikTok für Unterhaltung, visuelle Inhalte und Influencer;
- Facebook für lokale Gruppen, Veranstaltungen, Vereine und ältere Zielgruppen;
- LinkedIn für berufliche Kontakte und Unternehmenskommunikation;
- Reddit für thematische Diskussionen;
- Snapchat für persönliche und kurzlebige Kommunikation;
- YouTube für längere Videos, Musik, Bildung und Nachrichten;
- X, Bluesky und Mastodon für aktuelle Ereignisse, Politik und Fachdiskussionen.
Die Umbenennung von Twitter in X, Änderungen der Inhaltsmoderation und Diskussionen über Algorithmen führten zu einer teilweisen Abwanderung zu Bluesky, Mastodon und anderen Angeboten. Diese Plattformen erreichten in der Schweiz jedoch zunächst deutlich kleinere Nutzergruppen als die grossen internationalen Dienste.
Verbreitung und Reichweite
Die genaue Reichweite einzelner Netzwerke lässt sich nur eingeschränkt vergleichen. Plattformunternehmen veröffentlichen für die Schweiz meist keine unabhängig geprüften Zahlen zu monatlich aktiven Personen. Häufig verfügbar sind Angaben aus Werbeplattformen, die potenziell erreichbare Konten oder registrierte Mitglieder ausweisen.
| Plattform | Ausgewiesene Reichweite beziehungsweise Mitglieder | Methodischer Hinweis |
|---|---|---|
| YouTube | rund 7,27 Millionen | potenzielle Werbereichweite |
| rund 5,30 Millionen | registrierte Mitglieder, nicht monatlich aktive Personen | |
| rund 3,80 Millionen | potenzielle Werbereichweite | |
| rund 3,50 Millionen | potenzielle Werbereichweite | |
| rund 2,95 Millionen | potenzielle Werbereichweite | |
| Snapchat | rund 2,87 Millionen | potenzielle Werbereichweite |
| TikTok | rund 2,46 Millionen | Werbereichweite unter Personen ab 18 Jahren |
| X | rund 2,15 Millionen | potenzielle Werbereichweite |
Die Angaben beruhen auf den Werbeinstrumenten der jeweiligen Plattformen und sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Insbesondere die LinkedIn-Zahl beschreibt registrierte Mitglieder, während TikTok in der veröffentlichten Statistik nur Personen ab 18 Jahren berücksichtigt.[2]
Mehrere Konten können derselben Person gehören. Umgekehrt nutzen manche Personen Plattformen ohne Anmeldung oder greifen auf eingebettete Inhalte zu, ohne in den Plattformstatistiken vollständig erfasst zu werden.
Bedeutende Plattformen
YouTube
YouTube besitzt unter den sozialen Medien eine besonders hohe Reichweite. Die Plattform wird in der Schweiz für Unterhaltung, Musik, Nachrichten, Bildung, Produktinformationen und Anleitungen verwendet.
Schweizer Medienunternehmen, Bundesbehörden, Kantone, Gemeinden, Parteien, Hochschulen und Unternehmen betreiben eigene YouTube-Kanäle. Inhalte werden in mehreren Landessprachen sowie auf Englisch veröffentlicht.
Die Plattform spielt auch für die sogenannte Creator Economy eine wichtige Rolle. Schweizer Produzentinnen und Produzenten finanzieren ihre Inhalte über Werbung, Sponsoring, Mitgliedschaften und Produktplatzierungen.
Facebook war das erste soziale Netzwerk mit einer breiten, altersübergreifenden Verbreitung in der Schweiz. Seine Bedeutung bei Jugendlichen nahm später ab, während es bei älteren Altersgruppen, Vereinen und lokalen Gemeinschaften weiterhin stark genutzt wird.
Bedeutend sind insbesondere Gemeindegruppen, Quartierforen, Veranstaltungshinweise, Verkaufsgruppen und Seiten von Unternehmen, Organisationen und Medien. Viele Vereine nutzen Facebook zusätzlich zu ihrer eigenen Website für Informationen und die Kommunikation mit Mitgliedern.
Instagram gehört zu den wichtigsten Plattformen für Bilder, Kurzvideos und Influencer-Marketing. Es wird von Privatpersonen, Tourismusorganisationen, Gastronomiebetrieben, Sportvereinen, Kulturbetrieben und Unternehmen eingesetzt.
Die Plattform ist insbesondere bei jüngeren und mittleren Altersgruppen verbreitet. Neben dauerhaft sichtbaren Beiträgen spielen zeitlich begrenzte Stories, Kurzvideos und Direktnachrichten eine zentrale Rolle.
TikTok
TikTok gewann in der Schweiz vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Reichweite. Der algorithmisch zusammengestellte Videofeed ermöglicht auch Konten mit wenigen Abonnierenden eine grosse Sichtbarkeit.
Neben Unterhaltung finden sich auf TikTok Nachrichten, politische Inhalte, Lernvideos, Gesundheitsinformationen und Werbung. Die starke Personalisierung des Angebots führte zu Diskussionen über Datenschutz, Abhängigkeit, politische Beeinflussung und die Verbreitung irreführender Inhalte.
LinkedIn wird hauptsächlich für berufliche Netzwerke, Stellensuche, Personalrekrutierung und Unternehmenskommunikation verwendet. Die Plattform besitzt wegen des international ausgerichteten Schweizer Arbeitsmarkts eine hohe Zahl registrierter Mitglieder.
Besonders verbreitet ist sie in den Wirtschaftsregionen Zürich, Basel, Genf, Lausanne und Zug sowie in den Bereichen Finanzwirtschaft, Pharmaindustrie, Beratung, Informationstechnik, Forschung und internationale Organisationen.
Neben Deutsch, Französisch und Italienisch wird auf LinkedIn in der Schweiz häufig Englisch verwendet.
Snapchat
Snapchat ist besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbreitet. Die Plattform konzentriert sich auf persönliche Bilder, Videos, Nachrichten und kurzzeitig sichtbare Inhalte.
Öffentliche Inhalte, Kartenfunktionen und algorithmisch empfohlene Videos erweiterten den Dienst über die ursprüngliche private Kommunikation hinaus. Die zeitlich begrenzte Sichtbarkeit kann den Eindruck erwecken, Inhalte seien vollständig verschwunden, obwohl Empfänger Bildschirmaufnahmen oder andere Kopien anfertigen können.
Reddit besteht aus thematisch gegliederten Gemeinschaften, den sogenannten Subreddits. Schweizer Themen werden sowohl in landesweiten als auch in regionalen und sprachspezifischen Gruppen diskutiert.
Die Plattform wird häufig für Fragen zum Alltag, zur Einwanderung, zu Reisen, Politik, Technik, Finanzen und regionalen Ereignissen verwendet. Im Vergleich zu Plattformen mit Klarnamen treten viele Nutzerinnen und Nutzer unter Pseudonymen auf.
X, Bluesky und Mastodon
X, das frühere Twitter, wird in der Schweiz vor allem von Medienschaffenden, Politikerinnen und Politikern, Behörden, Forschenden, Unternehmen und Personen mit Interesse an aktuellen Ereignissen genutzt.
Bluesky und Mastodon entwickelten sich als Alternativen zu zentral kontrollierten Plattformen. Mastodon gehört zum dezentralen Fediverse, in dem unabhängige Server miteinander kommunizieren. In der Schweiz bestehen mehrere thematische und regionale Instanzen.
Sprachregionen
Die Plattformnutzung wird durch die Mehrsprachigkeit der Schweiz geprägt. Deutschsprachige Nutzerinnen und Nutzer orientieren sich neben Schweizer Angeboten häufig an Deutschland und Österreich. Die Romandie ist eng mit dem französischsprachigen Medien- und Kulturraum verbunden, während sich die italienische Schweiz auch an Italien orientiert.
Englisch besitzt eine besondere Bedeutung in internationalen Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Organisationen mit Sitz in Genf, Basel, Zürich, Lausanne und Zug.
Rätoromanische Inhalte erreichen kleinere Zielgruppen, ermöglichen aber eine zusätzliche Sichtbarkeit der Sprache. Medienhäuser, Kulturinstitutionen und öffentliche Stellen nutzen soziale Netzwerke zur Verbreitung rätoromanischer Beiträge.
Die sprachliche Fragmentierung kann dazu führen, dass Diskussionen über dasselbe politische oder gesellschaftliche Thema in verschiedenen digitalen Teilöffentlichkeiten stattfinden.
Jugendliche
Soziale Netzwerke gehören zu den wichtigsten Bestandteilen des Medienalltags von Jugendlichen in der Schweiz. Die repräsentative JAMES-Studie untersucht seit 2010 alle zwei Jahre die Mediennutzung von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen.
In der Erhebung von 2024 gehörten Instagram, TikTok, Snapchat und WhatsApp zu den vier besonders beliebten Smartphone-Anwendungen. Beiträge anderer Personen werden häufiger angesehen oder bewertet, als dass Jugendliche selbst dauerhaft öffentlich sichtbare Beiträge veröffentlichen.[3]
Eine vertiefte Auswertung kam 2025 zum Ergebnis, dass Jugendliche soziale Netzwerke in erster Linie zur Unterhaltung und zur Informationssuche verwenden. Die Selbstdarstellung spielte in den erhobenen Antworten eine geringere Rolle. Die Forschenden wiesen jedoch darauf hin, dass Plattformen für Jugendliche zugleich eine wichtige soziale und kulturelle Orientierungsfunktion erfüllen.[4]
Zu den Risiken gehören Cybermobbing, sexuelle Belästigung, unerwünschte Kontaktaufnahmen, Betrug, problematische Schönheitsideale und die unkritische Übernahme falscher Informationen. Schulen, Eltern und Fachstellen fördern deshalb einen bewussten Umgang mit Privatsphäre, Quellen und Bildschirmzeit.
Nachrichten und Medien
Schweizer Medienhäuser verbreiten ihre Inhalte über soziale Netzwerke, um Nutzerinnen und Nutzer ausserhalb ihrer eigenen Websites und Anwendungen zu erreichen. Besonders wichtig sind Videoausschnitte, Schlagzeilen, Livestreams und Hinweise auf neue Artikel.
Soziale Netzwerke haben die Verteilung journalistischer Inhalte verändert. Plattformalgorithmen entscheiden wesentlich darüber, welche Beiträge sichtbar werden. Medienunternehmen sind dadurch teilweise von Regeln und technischen Änderungen internationaler Plattformbetreiber abhängig.
Für einen wachsenden Teil der Bevölkerung dienen soziale Netzwerke als Zugang zu Nachrichten. Dabei vermischen sich journalistische Beiträge mit persönlichen Meinungen, Werbung, Unterhaltung und nicht überprüften Behauptungen.
Das Bundesamt für Statistik berichtete 2025 über eine Zunahme wahrgenommener Desinformation. Personen unter 30 Jahren sowie Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien waren besonders häufig mit falschen oder fragwürdigen Inhalten konfrontiert.[5]
Politik und direkte Demokratie
Soziale Netzwerke spielen eine wichtige Rolle in Wahl- und Abstimmungskämpfen. Parteien, Komitees, Interessengruppen und einzelne Kandidierende nutzen sie, um Unterstützer zu mobilisieren, Argumente zu verbreiten und auf Medienberichte zu reagieren.
Die häufigen Volksabstimmungen in der Schweiz führen zu regelmässigen digitalen Kampagnen über eidgenössische, kantonale und kommunale Vorlagen. Kurze Videos und grafisch aufbereitete Botschaften ermöglichen es auch kleineren Organisationen, ein grosses Publikum zu erreichen.
Bundesbehörden, Kantone und Gemeinden betreiben offizielle Konten für Informationen über Abstimmungen, Dienstleistungen, Warnungen und politische Entscheide. Rechtlich massgebend bleiben jedoch die offiziellen Publikationskanäle und nicht einzelne Beiträge in sozialen Netzwerken.
Umstritten sind insbesondere personalisierte politische Werbung, die Finanzierung von Kampagnen, der Einsatz automatisierter Konten, künstlich erzeugte Bilder und Videos sowie mögliche ausländische Einflussnahmen.
Wirtschaft und Werbung
Soziale Netzwerke sind ein wichtiger Bestandteil der Werbung und Kundenkommunikation in der Schweiz. Unternehmen können Zielgruppen nach Interessen, ungefährem Wohnort, Alter oder bisherigem Onlineverhalten ansprechen.
Kleine Betriebe nutzen Plattformen häufig als kostengünstige Ergänzung oder Alternative zu klassischen Werbekanälen. Besonders verbreitet ist dies in Gastronomie, Detailhandel, Tourismus, Fitness, Kosmetik, Kultur und Veranstaltungswesen.
Influencerinnen und Influencer bewerben Produkte, Dienstleistungen und Reiseziele. Kommerzielle Beiträge müssen so gestaltet sein, dass ihr Werbecharakter erkennbar ist. Massgebend sind unter anderem das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sowie die Praxis der Schweizerischen Lauterkeitskommission.
Social Commerce verbindet Beiträge und Videos direkt mit Onlinegeschäften. Kundinnen und Kunden können Produkte entdecken, Bewertungen lesen und teilweise innerhalb einer Plattform kaufen.
Behörden und öffentliche Einrichtungen
Bundesstellen, Kantone, Gemeinden, Polizei- und Rettungsorganisationen sowie öffentliche Verkehrsbetriebe nutzen soziale Netzwerke zur Information der Bevölkerung.
Typische Inhalte sind:
- Warnungen vor Unwettern und Gefahren;
- Verkehrsinformationen;
- Hinweise auf Abstimmungen und Wahlen;
- Informationen über öffentliche Dienstleistungen;
- Stellenangebote;
- Gesundheits- und Präventionskampagnen;
- kulturelle und touristische Informationen.
Die Nutzung sozialer Plattformen durch Behörden wirft Fragen zur Zugänglichkeit und Archivierung auf. Personen ohne Konto dürfen nicht von wesentlichen staatlichen Informationen ausgeschlossen werden. Offizielle Websites und gesetzlich vorgesehene Publikationsorgane bleiben deshalb erforderlich.
Datenschutz
Seit dem 1. September 2023 gilt das totalrevidierte Bundesgesetz über den Datenschutz. Es stärkte die Informationspflichten, die Datensicherheit und die Rechte betroffener Personen und passte das schweizerische Recht an die Bedingungen einer digitalisierten Gesellschaft an.
Das Gesetz gilt auch für Betreiber sozialer Netzwerke, soweit ihre Datenbearbeitung in seinen räumlichen Anwendungsbereich fällt. Von Bedeutung sind insbesondere Profilbildung, personalisierte Werbung, Gesichtserkennung, Standortdaten und die Weitergabe von Informationen an Dritte.
Bei Datenbearbeitungen mit hohem Risiko kann eine Datenschutz-Folgenabschätzung erforderlich sein. Schwerwiegende Verletzungen der Datensicherheit müssen dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten gemeldet werden.
Der EDÖB beteiligt sich auch an internationalen Massnahmen gegen das automatisierte Auslesen öffentlich sichtbarer Personendaten. Social-Media-Unternehmen wurden aufgefordert, ihre Nutzerinnen und Nutzer wirksamer vor sogenanntem Data Scraping zu schützen.[6]
Rechtswidrige Inhalte
Äusserungen in sozialen Netzwerken unterstehen grundsätzlich denselben gesetzlichen Grenzen wie Veröffentlichungen in anderen Medien. Je nach Inhalt können unter anderem strafrechtliche Bestimmungen über Verleumdung, üble Nachrede, Beschimpfung, Drohung, Nötigung sowie Diskriminierung und Aufruf zu Hass zur Anwendung kommen.
Auch das Persönlichkeitsrecht, das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild gelten online. Das Teilen fremder Fotos oder Videos kann unzulässig sein, selbst wenn die Inhalte zuvor bereits auf einer anderen Plattform veröffentlicht wurden.
Plattformen legen zusätzlich eigene Gemeinschaftsstandards fest. Sie können Inhalte entfernen oder Konten sperren, auch wenn kein schweizerisches Gericht die Rechtswidrigkeit eines Beitrags festgestellt hat. Diese private Inhaltsmoderation führte zu Forderungen nach transparenteren Verfahren.
Geplantes Plattformgesetz
Der Bundesrat eröffnete am 29. Oktober 2025 die Vernehmlassung zu einem neuen Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen. Sie dauerte bis zum 16. Februar 2026.[7]
Der Vorentwurf betraf sehr grosse Dienste, die monatlich von mindestens zehn Prozent der ständigen Schweizer Wohnbevölkerung genutzt werden. Zum Zeitpunkt der Vernehmlassung entsprach dies ungefähr 900'000 Nutzerinnen und Nutzern.
Vorgesehen waren unter anderem:
- Meldeverfahren für mutmasslich rechtswidrige Inhalte;
- Begründungen bei der Entfernung von Beiträgen und Sperrung von Konten;
- interne Beschwerdeverfahren;
- aussergerichtliche Streitbeilegung;
- Transparenz über Werbung und Empfehlungssysteme;
- öffentlich zugängliche Werbearchive;
- Datenzugang für Verwaltung und Forschung;
- eine Rechtsvertretung in der Schweiz für ausländische Anbieter.
Das geplante Gesetz war im August 2026 noch nicht in Kraft. Bis zu einer allfälligen Verabschiedung galten weiterhin die allgemeinen Bestimmungen des Datenschutz-, Straf-, Zivil- und Wettbewerbsrechts sowie die freiwilligen Regeln der Plattformbetreiber.
Chancen
Soziale Netzwerke ermöglichen einen schnellen Austausch über geografische und sprachliche Grenzen hinweg. Sie erleichtern die Pflege privater Kontakte, den Zugang zu Fachwissen und die Bildung von Gemeinschaften.
Für Vereine und gemeinnützige Organisationen bieten sie Möglichkeiten zur Mobilisierung von Freiwilligen und zur Sammlung von Spenden. Menschen mit seltenen Erkrankungen, spezifischen Interessen oder Minderheitensprachen können leichter Gleichgesinnte finden.
Unternehmen und Selbstständige erhalten einen direkten Zugang zu Kundinnen und Kunden. Kulturschaffende, Forschende und Bildungsinstitutionen können ihre Arbeit ohne klassische Vermittlungsstellen veröffentlichen.
Bei Katastrophen und ausserordentlichen Ereignissen können soziale Netzwerke Informationen rasch verbreiten. Gleichzeitig müssen solche Informationen anhand offizieller Quellen überprüft werden.
Risiken und Kritik
Kritisiert werden vor allem die umfangreiche Sammlung von Personendaten, intransparente Empfehlungssysteme und die Marktmacht weniger internationaler Unternehmen.
Weitere Risiken sind:
- Desinformation und manipulierte Medieninhalte;
- Cybermobbing und Belästigung;
- Hassrede und Radikalisierung;
- Betrug, Phishing und gefälschte Profile;
- problematische Bildschirmzeit;
- sozialer Vergleich und psychischer Druck;
- versteckte oder irreführende Werbung;
- Echokammern und politische Polarisierung;
- automatisierte Konten und koordinierte Einflusskampagnen.
Die Wirkung sozialer Netzwerke ist nicht für alle Personen gleich. Alter, Bildung, Sprachregion, soziale Umgebung und persönliche Nutzungsweise beeinflussen, ob eher Chancen oder Belastungen entstehen.
Medienkompetenz
Die nationale Plattform Jugend und Medien des Bundes stellt Informationen für Eltern, Schulen und Fachpersonen bereit. Sie behandelt unter anderem Datenschutz, Cybermobbing, sexuelle Belästigung, problematische Inhalte und einen altersgerechten Umgang mit digitalen Medien.
In den Schulen ist Medienkompetenz Bestandteil des Unterrichts. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Quellen zu überprüfen, Werbung zu erkennen, persönliche Daten zu schützen und die Wirkung von Algorithmen zu verstehen.
Zur Medienkompetenz gehört auch die Fähigkeit, zwischen Tatsachen, Meinungen, Satire, Werbung und manipulierten Inhalten zu unterscheiden. Durch generative künstliche Intelligenz wird diese Aufgabe schwieriger, da gefälschte Bilder, Stimmen und Videos mit geringem Aufwand hergestellt werden können.
Schweizer Angebote
Die Schweiz brachte mehrere erfolgreiche digitale Kommunikationsdienste hervor, jedoch kein soziales Netzwerk mit einer mit Facebook, Instagram oder TikTok vergleichbaren internationalen Reichweite.
Zu den bekanntesten Schweizer Angeboten gehört der 2012 gegründete Messenger Threema. Er legt einen besonderen Schwerpunkt auf Datenschutz und kann ohne Angabe einer Telefonnummer genutzt werden. Threema ist jedoch primär ein Messenger und kein klassisches öffentliches soziales Netzwerk.
Daneben bestehen kleinere lokale Gemeinschaftsplattformen, Vereinsportale und Mastodon-Instanzen. Schweizer Medienunternehmen betreiben Kommentarsysteme und digitale Gemeinschaften, sind für ihre Reichweite aber häufig weiterhin auf internationale Plattformen angewiesen.
Zukunft
Die weitere Entwicklung sozialer Netzwerke in der Schweiz wird voraussichtlich durch künstliche Intelligenz, Kurzvideos, dezentrale Dienste und strengere Transparenzregeln geprägt.
Künstliche Intelligenz wird sowohl für die Erstellung von Inhalten als auch für deren Auswahl und Moderation eingesetzt. Dies kann Übersetzungen zwischen den Schweizer Landessprachen erleichtern, erhöht aber zugleich das Risiko täuschend echt wirkender Falschinformationen.
Dezentrale Netzwerke könnten Nutzerinnen und Nutzern mehr Kontrolle über Daten und Moderationsregeln geben. Ihre Verbreitung hängt jedoch davon ab, ob sie eine ausreichend grosse und leicht erreichbare Gemeinschaft aufbauen können.
Politisch bleiben der Schutz Minderjähriger, die Transparenz von Algorithmen, personalisierte Werbung und der Umgang mit rechtswidrigen Inhalten zentrale Themen.
Siehe auch
- Internet in der Schweiz
- Messenger in der Schweiz
- Threema
- Datenschutz in der Schweiz
- Bundesgesetz über den Datenschutz
- Cybersecurity in der Schweiz
- Desinformation
- Medien in der Schweiz
- Digitalisierung in der Schweiz
- Bundesamt für Kommunikation
- Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter
Weblinks
- Bundesamt für Kommunikation
- Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter
- Bundesamt für Statistik
- Nationale Plattform Jugend und Medien
- JAMES-Studie der ZHAW
- Digital 2026: Switzerland
Einzelnachweise
- ↑ Digital 2026: Switzerland, DataReportal, veröffentlicht am 8. November 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Social media statistics for Switzerland, DataReportal, Datenstand Ende 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ JAMES-Studie 2024, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Jugendliche nutzen soziale Netzwerke in erster Linie zur Unterhaltung und Information, ZHAW, 2. Juli 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ In der KI-begeisterten Schweiz nimmt Desinformation zu, Bundesamt für Statistik, 5. Dezember 2025, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Gemeinsame Erklärung zu Data Scraping und Datenschutz, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter, 24. August 2023, abgerufen am 4. August 2026.
- ↑ Neues Gesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen: Start der Vernehmlassung, Bundesamt für Kommunikation, 29. Oktober 2025, abgerufen am 4. August 2026.