Bahnhof Niederweningen

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Bahnhof Niederweningen
Stationsname Niederweningen
Betriebsstellenart End- und Kreuzungsbahnhof
Eröffnung 15. Mai 1938
Gemeinde Niederweningen
Bezirk Dielsdorf
Kanton Zürich
Eigentümerin Schweizerische Bundesbahnen
Betreiberin Schweizerische Bundesbahnen
Bahnstrecke Wehntalbahn
Abkürzung NW
IBNR 8503319
Perrongleise 2
Spurweite 1'435 mm
Stromsystem 15 kV, 16,7 Hz Wechselstrom
Tarifzone ZVV-Zone 117
S-Bahn-Linie S15
Buslinien 354 und 355
Nachtverkehr N51
Website sbb.ch

Der Bahnhof Niederweningen ist der Endbahnhof der Wehntalbahn in der politischen Gemeinde Niederweningen im Kanton Zürich. Er liegt am nordwestlichen Rand des Gemeindegebiets nahe der Grenze zum Kanton Aargau und erschliesst neben Niederweningen auch Teile des aargauischen Surbtals.

Der heutige Bahnhof wurde am 15. Mai 1938 eröffnet, als die bestehende Wehntalbahn von der damaligen Endstation im Dorfzentrum um knapp einen Kilometer in Richtung Kantonsgrenze verlängert wurde. Die bisherige Station erhielt daraufhin den Namen Niederweningen Dorf.[1]

Niederweningen wird im Fahrplanjahr 2026 von der Linie S15 der S-Bahn Zürich bedient. Sie verbindet den Bahnhof im Halbstundentakt über Dielsdorf, Oberglatt, Zürich Oerlikon, Zürich Hauptbahnhof, Zürich Stadelhofen, Uster und Wetzikon mit Rapperswil.[2]

Am Bahnhof bestehen Anschlüsse an die regionalen Buslinien 354 nach Baden und Kaiserstuhl sowie 355 nach Endingen und Döttingen. In den Wochenendnächten verkehrt zusätzlich die Nachtbuslinie N51.[3]

Lage

Der Bahnhof liegt am nordwestlichen Siedlungsrand von Niederweningen zwischen der Wehntalerstrasse, dem Fluss Surb und dem Werksareal der Bucher Industries. Die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Aargau verläuft wenige hundert Meter westlich der Bahnanlagen.

Das historische Dorfzentrum befindet sich südöstlich des Bahnhofs. Es wird zusätzlich durch die Haltestelle Niederweningen Dorf erschlossen. Zwischen den beiden Stationen liegen Wohnquartiere, öffentliche Einrichtungen, Gewerbebetriebe und das Mammutmuseum Niederweningen.

Die Lage am Ausgang des Wehntals macht den Bahnhof zu einem Umsteigepunkt für die Gemeinden des angrenzenden Surbtals. Über die Buslinien bestehen Verbindungen nach Schneisingen, Ehrendingen, Endingen, Döttingen, Kaiserstuhl und Baden.

Der Bahnhof liegt in der ZVV-Tarifzone 117. Die Buslinien in Richtung Aargau führen teilweise in das Gebiet des Tarifverbunds A-Welle, weshalb für verbundüberschreitende Fahrten Z-Pass- oder nationale Fahrausweise angeboten werden.[4]

Abgrenzung zu Niederweningen Dorf

Innerhalb der Gemeinde bestehen zwei Bahnstationen:

  • Niederweningen Dorf liegt im älteren Siedlungsgebiet und wurde 1891 als ursprünglicher Endbahnhof der Wehntalbahn eröffnet;
  • Niederweningen liegt am nordwestlichen Gemeinderand und ist seit 1938 der Endpunkt der Strecke.

Die Station Niederweningen Dorf war bis zur Verlängerung unter dem einfachen Namen Niederweningen bekannt. Erst mit der Eröffnung des neuen Endbahnhofs wurde der Zusatz «Dorf» eingeführt.

Der heutige Bahnhof Niederweningen liegt günstiger für das Industriegebiet, das Werksareal von Bucher Industries und die Busverbindungen in das Surbtal. Niederweningen Dorf erschliesst dagegen das Gemeindezentrum, die Schulen und die umliegenden Wohnquartiere.

Beide Stationen werden von sämtlichen Zügen der S15 bedient. Die Fahrzeit zwischen ihnen beträgt nur wenige Minuten.

Geschichte

Entstehung der Wehntalbahn

Die Geschichte des Bahnanschlusses von Niederweningen begann mit der Bülach-Regensberg-Bahn. Diese eröffnete am 1. Mai 1865 die Strecke von Oberglatt nach Dielsdorf als Seitenlinie der gleichzeitig in Betrieb genommenen Verbindung Oerlikon–Bülach.

Die Bahn sollte landwirtschaftliche Erzeugnisse aus dem Zürcher Unterland nach Zürich transportieren. Wegen des bedeutenden Kartoffelanbaus erhielt sie im Volksmund die Bezeichnung Herdöpfelbahn.

Die Bülach-Regensberg-Bahn wurde 1877 durch die Schweizerische Nordostbahn übernommen. Eine Verlängerung von Dielsdorf durch das Wehntal war bereits zuvor diskutiert worden, verzögerte sich jedoch wegen finanzieller Schwierigkeiten und Streitigkeiten über den Verlauf der Strecke sowie die Lage der Stationen.

Im Sommer 1890 begann die Nordostbahn mit dem Bau der Verlängerung nach Niederweningen. Beim Abbau von Kies für die Bahndämme stiessen Arbeiter auf zahlreiche grosse Tierknochen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass es sich um Überreste von Mammuts und anderen eiszeitlichen Tieren handelte.[5]

Die Funde begründeten die besondere Bedeutung Niederweningens als schweizerische Mammutfundstelle. Weitere Knochen wurden 1967 und bei Bauarbeiten ab 2003 entdeckt. Seit 2005 dokumentiert das Mammutmuseum die Funde und die Eiszeitgeschichte des Wehntals.

Eröffnung bis Niederweningen Dorf

Am 12. August 1891 eröffnete die Nordostbahn den Abschnitt von Dielsdorf über Steinmaur, Schöfflisdorf-Oberweningen und Niederweningen Dorf.

Die neue Endstation lag beim Dorfzentrum. Die Strecke erleichterte den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse und verbesserte die Verbindung der Bevölkerung mit Dielsdorf, Oberglatt und Zürich.

Für die örtliche Maschinenindustrie war der Bahnanschluss ebenfalls von grosser Bedeutung. Das Unternehmen Bucher-Guyer, aus dem später Bucher Industries hervorging, konnte Maschinen, Rohstoffe und Fertigprodukte zunehmend auf der Schiene transportieren.

Die Nordostbahn wurde 1902 verstaatlicht. Strecke und Bahnhof gingen an die neu gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen über.

Projekt Surbtalbahn

Die Verlängerung der Wehntalbahn durch das Surbtal war bereits im 19. Jahrhundert diskutiert worden. Vorgesehen war eine Strecke von Niederweningen über Schneisingen, Ehrendingen, Lengnau, Endingen und Tegerfelden nach Döttingen.

In Döttingen hätte sie die Bahnstrecke Turgi–Koblenz erreicht. Damit wäre eine durchgehende Bahnverbindung zwischen Zürich, dem Wehntal und dem unteren Aaretal entstanden.

Der Bund beschloss den Bau der Surbtalbahn im Jahr 1916. Das entsprechende Bundesgesetz wurde 1917 in einer Volksabstimmung bestätigt. Die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und die schwierige Finanzlage der SBB verhinderten jedoch die Umsetzung.

Die SBB verschoben den Bau zunächst auf unbestimmte Zeit. Als Ersatz richtete die Post 1921 eine Autobusverbindung durch das Surbtal ein. Daraus entwickelten sich die heutigen Postautolinien zwischen Niederweningen, Endingen, Döttingen, Kaiserstuhl und Baden.[6]

Das Bundesgesetz über die Surbtalbahn wurde 1937 aufgehoben. Verschiedene Vorarbeiten, Landerwerbungen und Planungen beeinflussten dennoch die spätere Verlängerung der Wehntalbahn innerhalb Niederweningens.

Verlängerung von 1938

Am 15. Mai 1938 nahmen die SBB die knapp einen Kilometer lange Verlängerung von Niederweningen Dorf zum heutigen Bahnhof Niederweningen in Betrieb.[1]

Die neue Strecke führte durch den Dorfkern und weiter zum Industriegebiet nahe der Kantonsgrenze. Für den Bau musste unter anderem ein Gebäude im Bereich der Linienführung abgebrochen werden.

Der neue Endbahnhof sollte mehrere Funktionen erfüllen:

  • bessere Erschliessung des Werks von Bucher-Guyer;
  • Anschluss des lokalen Güterverkehrs;
  • Verkürzung der Buswege aus dem Surbtal;
  • Vorbereitung einer möglichen späteren Bahnverlängerung;
  • Entlastung der engen Anlagen beim bisherigen Endbahnhof.

Der neue Bahnhof übernahm den Namen Niederweningen. Die bisherige Station wurde in Niederweningen Dorf umbenannt.

Im Zusammenhang mit der Verlegung entstanden Güter- und Anschlussgleise zum Industriegebiet. Der Bahnhof war damit sowohl Personen- als auch Güterstation.

Elektrifizierung

Die Wehntalbahn wurde 1960 dauerhaft elektrifiziert.[7]

Die Strecke erhielt das schweizerische Bahnstromsystem von 15 Kilovolt und 16⅔ Hertz Wechselstrom. Die Frequenz wird heute mit 16,7 Hertz bezeichnet.

Mit der Elektrifizierung ersetzten elektrische Triebwagen und Pendelzüge die zuvor eingesetzten Dampfzüge. Die neue Traktion verkürzte die Fahrzeiten, verbesserte die Beschleunigung und vereinfachte den Betrieb auf der Nebenstrecke.

Taktfahrplan

Mit der Einführung des schweizerischen Taktfahrplans im Jahr 1982 erhielt Niederweningen regelmässigere Zugverbindungen.

Die Abfahrtszeiten wurden auf die Anschlüsse in Oberglatt und Zürich abgestimmt. Dennoch mussten Reisende während langer Zeit teilweise in Oberglatt umsteigen, da nicht alle Züge durchgehend nach Zürich verkehrten.

S-Bahn Zürich

Am 27. Mai 1990 wurde die S-Bahn Zürich eröffnet. Die Regionalzüge der Wehntalbahn wurden in das neue Liniennetz integriert.

Zunächst wurde Niederweningen hauptsächlich von der S5 bedient. Diese führte über Oberglatt, Zürich und das rechte Zürichseeufer in Richtung Rapperswil und Pfäffikon SZ.

Daneben bestanden zeitweise zusätzliche Verbindungen unter anderen Linienbezeichnungen. Die Endpunkte und Durchbindungen wurden im Zuge verschiedener S-Bahn-Ausbauschritte mehrfach verändert.

Ausbau im Rahmen der vierten Teilergänzung

Für die vierte Teilergänzung der S-Bahn Zürich wurden die Bahnhöfe der Wehntalbahn umfassend modernisiert.

Die Arbeiten umfassten insbesondere:

  • Verlängerung der Perronkanten auf rund 320 Meter;
  • Anpassung der Perronhöhen;
  • Verbesserung der hindernisfreien Zugänge;
  • neue Wartebereiche;
  • neue Beleuchtungs- und Informationsanlagen;
  • Erneuerung von Gleisen und Fahrleitungen;
  • Anpassungen der Sicherungsanlagen.

Die längeren Perrons ermöglichen den Einsatz von längeren Doppelstockzügen. Dadurch kann die Kapazität während der Hauptverkehrszeiten erhöht werden.

Im Zuge früherer und späterer Umbauten verschwanden mehrere historische Stationsgebäude der Wehntalbahn. Das Aufnahmegebäude von Niederweningen wurde 2009 abgebrochen. Der Güterschuppen war bereits 2005 entfernt worden.[8]

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 wird das Wehntal durch die S15 bedient. Die neue Linienführung brachte Niederweningen halbstündliche, umsteigefreie Verbindungen nach Zürich und in das Zürcher Oberland.

Bahnanlage

Der Bahnhof Niederweningen ist als Endbahnhof mit zwei Perrongleisen ausgeführt. Beide Gleise enden nordwestlich der Perrons.

Die Gleise liegen an zwei Aussenperrons. Reisende erreichen die Züge von den angrenzenden Zugangsbereichen aus. Wegen der Endbahnhofanlage können die Züge nach ihrer Ankunft die Fahrtrichtung wechseln und nach der Wende wieder in Richtung Oberglatt und Zürich abfahren.

Die S15 benutzt im Regelbetrieb überwiegend Gleis 1. Je nach Betriebslage können Züge auch Gleis 2 benutzen.[9]

Zur Bahnhofsausstattung gehören:

  • überdachte Wartebereiche;
  • Sitzgelegenheiten;
  • Billettautomaten;
  • elektronische Fahrgastinformationen;
  • Uhren;
  • Lautsprecheranlagen;
  • taktile Sicherheitsmarkierungen;
  • Veloabstellplätze;
  • P+Rail;
  • öffentliche Toiletten.

Die Bahnstrecke ist zwischen Oberglatt und Niederweningen überwiegend einspurig. Zugkreuzungen finden an entsprechend ausgebauten Bahnhöfen statt, unter anderem in Dielsdorf und Schöfflisdorf-Oberweningen.

Die einspurige Infrastruktur begrenzt die Zahl der möglichen Züge. Der Halbstundentakt verlangt deshalb eine genaue Abstimmung der Kreuzungen und eine hohe Fahrplanstabilität.

Eisenbahnverkehr

Im Fahrplanjahr 2026 ist Niederweningen der nordwestliche Endpunkt der S15.[2]

Linie Linienführung Angebot
S15 Niederweningen – Schöfflisdorf-Oberweningen – Dielsdorf – Niederhasli – Oberglatt – Zürich Oerlikon – Zürich HB – Zürich Stadelhofen – Uster – Wetzikon – Rüti ZH – Rapperswil grundsätzlich im Halbstundentakt

Die Linie verbindet das ländlich geprägte Wehntal direkt mit mehreren bedeutenden Zentren des Kantons Zürich.

In Oberglatt bestehen Anschlüsse in Richtung Bülach, Flughafen Zürich und Schaffhausen. Zürich Oerlikon bietet Umsteigemöglichkeiten zum Fernverkehr und zu zahlreichen S-Bahn-Linien.

Die S15 durchquert den unterirdischen Bahnhofsteil des Zürich Hauptbahnhofs und fährt durch den Hirschengrabentunnel nach Zürich Stadelhofen. Anschliessend folgt sie der Strecke über Dübendorf, Uster und Wetzikon nach Rapperswil.

Die Reisezeit von Niederweningen nach Zürich Hauptbahnhof beträgt ungefähr 35 bis 40 Minuten. Nach Rapperswil dauert die Fahrt rund anderthalb Stunden.

Fernverkehrs- und Güterzüge verkehren auf der Wehntalbahn nicht planmässig. Bau-, Unterhalts- und Dienstfahrzeuge nutzen die Strecke bei Bedarf.

Busverkehr

Der Busbahnhof befindet sich unmittelbar neben den Bahnperrons an der Wehntalerstrasse.

Linie 354

Die Postautolinie 354 verbindet Baden über Ehrendingen und Schneisingen mit Niederweningen. Ein weiterer Linienast führt über Siglistorf, Fisibach und Kaiserstuhl.

Die Linie stellt im Bahnhof Niederweningen Anschlüsse an die S15 her. Sie erschliesst Gebiete des östlichen Aargaus, die keinen eigenen Bahnanschluss besitzen.

Linie 355

Die Linie 355 führt von Niederweningen über Schneisingen, Lengnau und Endingen nach Döttingen.

Sie folgt damit in wesentlichen Teilen dem Korridor der nie gebauten Surbtalbahn. In Döttingen bestehen Bahnanschlüsse in Richtung Baden, Brugg, Koblenz und Waldshut.

Nachtbus N51

Die Nachtbuslinie N51 verkehrt in den Nächten auf Samstag und Sonntag sowie vor allgemeinen Feiertagen.

Sie verbindet den Bahnhof unter anderem mit Oberglatt, Dielsdorf, Steinmaur, Schöfflisdorf, Niederweningen Dorf und Schneisingen.[3]

Ausbau des Busbahnhofs

Der Kanton Zürich sanierte die Wehntalerstrasse im Bereich des Bahnhofs und baute gleichzeitig die Bushaltestellen aus.

Das Projekt umfasste:

  • neue und längere Bushaltekanten;
  • hindernisfreie Haltestellen;
  • eine bessere Anordnung der Umsteigewege;
  • Anpassungen der Strassenführung;
  • Erneuerung der Surbbrücke;
  • Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr;
  • neue Beleuchtungs- und Entwässerungsanlagen.

Mit dem Ausbau wurde der Bahnhof als Übergang zwischen der Zürcher S-Bahn und den Buslinien des Surbtals gestärkt.[10]

Ausstattung und Dienstleistungen

Der Bahnhof besitzt kein bedientes SBB-Reisezentrum. Billette können am Automaten, über SBB Mobile, die ZVV-App und weitere digitale Vertriebskanäle gekauft werden.

Nach Angaben der SBB bestehen am Bahnhof folgende Einrichtungen:[11]

Einrichtung Umfang
Überdachte Veloabstellplätze 24
Weitere Veloabstellplätze 8
Überdachte Plätze für Zweiräder 8
P+Rail-Parkplätze 82
Behindertenparkplätze 2
Reservierbare Parkplätze 3

Auf dem Bahnhofareal befinden sich ausserdem eine öffentlich zugängliche Toilette und ein Migrolino-Verkaufsgeschäft. Das Geschäft ist montags bis samstags von frühmorgens bis am späten Abend geöffnet.[11]

Ein Carsharing-Standort ergänzt das Mobilitätsangebot. Die P+Rail-Anlage wird sowohl von Pendlerinnen und Pendlern aus Niederweningen als auch von Reisenden aus dem Surbtal genutzt.

Güterverkehr und Bucher Industries

Der heutige Standort des Bahnhofs hängt eng mit der Entwicklung der Maschinenfabrik Bucher-Guyer zusammen.

Das Unternehmen ging aus einer 1807 gegründeten Schmiede hervor. Unter Johann Bucher-Manz entwickelte sich daraus im 19. Jahrhundert eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen.

Die Eröffnung der Wehntalbahn 1891 verbesserte die Transportmöglichkeiten des Unternehmens. Mit dem Wachstum der Fabrik wurde jedoch ein näher gelegener Bahnanschluss erforderlich.

Die Verlängerung von 1938 ermöglichte die Anlage direkter Güter- und Anschlussgleise beim Werksareal. Maschinen, Stahl, Bauteile und weitere Güter konnten dadurch ohne aufwendigen Strassentransport zwischen Fabrik und Bahnhof verladen werden.

Mit dem Strukturwandel im Güterverkehr verloren die örtlichen Anschlussgleise später an Bedeutung. Die Nähe des Bahnhofs zum Hauptsitz von Bucher Industries ist jedoch bis heute deutlich erkennbar.

Bucher Industries entwickelte sich zu einem international tätigen Industriekonzern mit Schwerpunkten in Landmaschinen, Kommunalfahrzeugen, Hydraulik, Glasbehältertechnik und weiteren Spezialmaschinen.[12]

Mammutfunde beim Bahnbau

Der Bau der Wehntalbahn führte zu einer der bedeutendsten eiszeitlichen Fundstellen der Schweiz.

1890 entnahmen Arbeiter Kies und anderes Material für den Bahndamm. Dabei stiessen sie auf Knochen, Zähne und Stosszähne von Mammuts sowie Überreste weiterer Tiere.

Die Funde lagen in Torf-, Lehm- und Kiesschichten, die sich während der Eiszeit im Wehntal gebildet hatten. Das Gebiet war zeitweise eine Tundra- und Sumpflandschaft.

Weitere Funde bei späteren Bauarbeiten bestätigten die aussergewöhnliche Bedeutung des Standorts. Besonders umfangreiche Ausgrabungen fanden nach der Entdeckung eines Mammutbullen im Jahr 2003 statt.

Das Mammutmuseum Niederweningen befindet sich zwischen den Stationen Niederweningen und Niederweningen Dorf. Es zeigt Originalfunde, Rekonstruktionen und Informationen zur Eiszeit, Geologie und Landschaftsentwicklung des Wehntals.

Bedeutung für Niederweningen und das Surbtal

Der Bahnhof erfüllt für Niederweningen mehrere Funktionen. Er ist Endpunkt der lokalen Bahnlinie, regionaler Busknoten und Ausgangspunkt zahlreicher Pendlerfahrten.

Für die Gemeinde bietet er:

  • direkte Verbindungen nach Zürich und Rapperswil;
  • Zugang zum regionalen Busnetz;
  • Erschliessung des Industriegebiets;
  • P+Rail- und Veloabstellmöglichkeiten;
  • eine Verbindung zum öffentlichen Verkehr für das angrenzende Surbtal.

Die direkte S-Bahn-Verbindung stärkt Niederweningen als Wohnort für Personen, die im Grossraum Zürich arbeiten. Gleichzeitig ermöglicht sie den Zugang zu Arbeitsplätzen, Schulen, Hochschulen und Freizeiteinrichtungen entlang der S15.

Für das Surbtal übernimmt der Bahnhof die Funktion eines Bahnzugangs. Da die geplante Surbtalbahn nie gebaut wurde, erfolgt die Erschliessung bis heute durch Busse, die auf die S-Bahn-Anschlüsse ausgerichtet sind.

Betriebliche Bedeutung

Als Streckenendpunkt dient Niederweningen dem Wenden und zeitweiligen Abstellen von S-Bahn-Zügen.

Die Fahrpläne müssen so gestaltet sein, dass die ankommenden Züge genügend Zeit für den Fahrgastwechsel, die Vorbereitung der Rückfahrt und den Führerstandswechsel erhalten.

Die zwei Perrongleise ermöglichen betriebliche Flexibilität. Bei Verspätungen, Bauarbeiten oder Fahrzeugwechseln kann ein Zug auf einem Gleis ankommen, während das andere Gleis für eine weitere Fahrt zur Verfügung steht.

Wegen der einspurigen Wehntalbahn können Verspätungen auf einen Gegenzug übertragen werden. Kreuzungsbahnhöfe und planmässige Begegnungspunkte sind deshalb für die Stabilität des Halbstundentakts von grosser Bedeutung.

Zukunft

Die langfristige Entwicklung des Bahnhofs hängt von der Nachfrage im Wehntal und im Surbtal sowie vom weiteren Ausbau der S-Bahn Zürich ab.

Mögliche künftige Verbesserungen betreffen:

  • zusätzliche Kapazitäten während der Hauptverkehrszeiten;
  • weitere hindernisfreie Anpassungen;
  • bessere Anschlüsse zwischen Bahn und Bus;
  • Ausbau der Veloabstellanlagen;
  • Verbesserungen der Fahrgastinformation;
  • höhere Stabilität der einspurigen Bahnstrecke.

Eine Verlängerung der Bahn durch das Surbtal wird gelegentlich als historische oder verkehrspolitische Idee erwähnt. In den aktuellen nationalen und kantonalen Ausbauprogrammen besteht jedoch kein verbindliches Projekt zur Realisierung einer solchen Strecke.

Die bestehende Erschliessung beruht deshalb weiterhin auf der Kombination aus S15 und den regionalen Buslinien 354 und 355.

Siehe auch

Literatur

  • Stephan Frei; R. Wanner: Die SBB im Wehntal und im Surbtal – Teil 1: Wehntal. In: Eisenbahn Amateur, Nr. 5/2010, S. 250–259.
  • R. Wanner: Vor 50 Jahren: Bahnverlängerung bei Niederweningen. In: Eisenbahn Amateur, Nr. 10/1988, S. 705–710.
  • Hans G. Wägli: Schienennetz Schweiz. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-74-9.
  • Hans G. Wägli: Bahnprofil Schweiz. AS Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-909111-85-8.
  • Hans-Peter Christener: Die Wehntalbahn. Verein für Ortsgeschichte, Niederweningen.
  • Mammutmuseum Niederweningen: Die Geschichte der Surbtalbahn – hart umkämpft und nie gebaut. Niederweningen.
  • Gemeinde Niederweningen: 100 Jahre Wehntalbahn 1891–1991. Niederweningen 1991.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 R. Wanner: Vor 50 Jahren: Bahnverlängerung bei Niederweningen. In: Eisenbahn Amateur, Nr. 10/1988, S. 705–710.
  2. 2,0 2,1 Linienfahrplan S15. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-03.
  3. 3,0 3,1 Haltestellen- und Linienfahrpläne Niederweningen. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-03.
  4. Regionalnetz-Pläne und Tarifzonen. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-03.
  5. Geschichte von Niederweningen. Hrsg.: Gemeinde Niederweningen. Abgerufen am 2026-08-03.
  6. 100 Jahre Surbtallinie. Hrsg.: PostAuto AG. 2021. Abgerufen am 2026-08-03.
  7. Niederweningen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Abgerufen am 2026-08-03.
  8. Stephan Frei; R. Wanner: Die SBB im Wehntal und im Surbtal – Teil 1: Wehntal. In: Eisenbahn Amateur, Nr. 5/2010, S. 250–259.
  9. Angaben zur Hindernisfreiheit der S15. Hrsg.: Zürcher Verkehrsverbund. Abgerufen am 2026-08-03.
  10. Wehntalerstrasse in Niederweningen wird saniert und Busbahnhof ausgebaut. Hrsg.: Kanton Zürich. 2018-08-29. Abgerufen am 2026-08-03.
  11. 11,0 11,1 Bahnhof Niederweningen. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-08-03.
  12. Museum und Geschichte. Hrsg.: Bucher Landtechnik AG. Abgerufen am 2026-08-03.