Giswil

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Giswil

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Obwalden

Bezirk

keine Bezirkseinteilung

BFS-Nummer

1403

Postleitzahl

6074

Koordinaten

46.83333° N, 8.18472° E

Höhe

485 m ü. M.

Fläche

85.97 km²

Einwohner

3886
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.giswil.ch

Giswil ist eine politische Gemeinde im Kanton Obwalden in der Zentralschweiz. Sie liegt am südlichen Ende des Sarnersees, am Nordfuss des Brünigpasses und am Übergang vom Sarneraatal in die Obwaldner Voralpen. Das weitläufige Gemeindegebiet umfasst die Ortsteile Rudenz, Diechtersmatt, Grossteil und Kleinteil sowie zahlreiche Weiler, Einzelhöfe und Alpen.

Mit einer Fläche von rund 86 Quadratkilometern ist Giswil die zweitgrösste Gemeinde des Kantons Obwalden. Ende 2025 zählte sie 3886 Einwohnerinnen und Einwohner.[1] Die Siedlungsstruktur ist stark von Landwirtschaft, Streusiedlungen und den Verkehrswegen zum Brünigpass geprägt.

Zu den landschaftlichen Merkmalen gehören der Sarnersee, die breite Talebene, die Wildbäche Laui und Kleine Melchaa sowie die Berggebiete um den Giswilerstock, die Mörlialp und das Brienzer Rothorn. Giswil ist zugleich Wohn-, Gewerbe-, Landwirtschafts- und Tourismusgemeinde.

Geographie

Lage

Giswil liegt im südlichen Teil des Kantons Obwalden. Der Hauptsiedlungsraum befindet sich auf dem Talboden südlich des Sarnersees auf ungefähr 470 bis 500 Metern über Meer. Von dort erstreckt sich das Gemeindegebiet weit in die westlich und südwestlich gelegenen Voralpen.

Die Gemeindefläche beträgt 8597 Hektaren. Damit ist Giswil nach Kerns die flächenmässig zweitgrösste Gemeinde Obwaldens.[2]

Der tiefste Punkt liegt am Sarnersee auf rund 469 Metern über Meer. Der höchste Punkt befindet sich auf dem 2348 Meter hohen Brienzer Rothorn. Auf dessen Gipfelgebiet treffen die Kantone Obwalden, Bern und Luzern aufeinander.

Giswil grenzt innerhalb Obwaldens an Sarnen, Sachseln und Lungern. Weitere Grenzen bestehen zu Gemeinden der Kantone Bern und Luzern. Die Lage am Brünigpass und an den Übergängen ins Entlebuch und ins Berner Oberland verlieh dem Ort bereits früh eine verkehrsstrategische Bedeutung.

Ortsteile

Giswil besitzt keinen einzelnen, historisch gewachsenen Dorfkern. Die Gemeinde besteht vielmehr aus mehreren Siedlungsbereichen, die teilweise weit auseinanderliegen.

Die wichtigsten Ortsteile sind:

  • Rudenz mit der Pfarrkirche, der Burgruine Rudenz und älteren Wohnbauten
  • Diechtersmatt mit dem Bahnhof, der Gemeindeverwaltung und neueren Wohn- und Gewerbegebieten
  • Grossteil mit Schul- und Sportanlagen sowie zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben
  • Kleinteil am Fuss des Giswilerstocks mit der Kapelle St. Anton, historischen Holzbauten und der Schlegelsäge

Rudenz und Diechtersmatt sind inzwischen weitgehend zusammengewachsen und bilden das heutige funktionale Zentrum der Gemeinde. Grossteil und Kleinteil bewahrten stärker den Charakter ländlicher Streusiedlungen.

Daneben gehören zahlreiche Höfe, Weiler, Berggüter und Alpen zu Giswil. Die Siedlungen verteilen sich über den Talboden, die Schwemmkegel der Wildbäche und die sonnigen Hänge der umliegenden Berge.

Landschaft

Der Talboden südlich des Sarnersees entstand durch Ablagerungen der Sarner Aa, der Laui und weiterer Bäche. Teile der Ebene waren früher versumpft. Durch Entwässerungen und Meliorationen wurden im 19. und 20. Jahrhundert neue Landwirtschafts- und Siedlungsflächen gewonnen.

Westlich der Talebene steigt das Gelände zum Giswilerstock, zur Mörlialp und zum Brienzer Rothorn an. Das nordwestliche Berggebiet besteht teilweise aus Flysch. Diese Gesteinsfolgen aus Sandstein, Ton und Mergel können an steilen Hängen instabil sein.

Andere Teile des Gemeindegebiets bestehen aus widerstandsfähigeren Kalkgesteinen. Wälder schützen die Talebene vor Lawinen, Steinschlag und Erosion. Gleichzeitig bilden sie eine wichtige Grundlage der örtlichen Forstwirtschaft.

Die ausgedehnten Alpweiden werden während des Sommers für die Viehwirtschaft genutzt. Landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Moore, Wildbachräume und hochalpine Gebiete machen Giswil zu einer landschaftlich vielfältigen Gemeinde.

Gewässer

Sarnersee und Sarner Aa

Giswil besitzt am südlichen Ende des Sarnersees einen vergleichsweise kurzen Seeanstoss. In diesem Gebiet mündet der Dreiwässerkanal in den See.

Die Sarner Aa führt Wasser aus dem Lungerersee durch Giswil. Ein Teil des Wassers wird zuvor im Kraftwerk Unteraa zur Stromproduktion genutzt. Die Kraftwerksanlagen liegen teilweise unterirdisch.

Im Talboden vereinigen sich die Sarner Aa, die Laui und die Kleine Melchaa zum Dreiwässerkanal. Dieser künstlich geordnete Gewässerlauf dient sowohl der Entwässerung als auch dem Hochwasserschutz.

Laui

Die Laui ist einer der landschaftlich und historisch prägendsten Wildbäche Giswils. Ihr grosses Einzugsgebiet umfasst Teile der Berge westlich und südwestlich der Gemeinde.

Bei starken Niederschlägen kann der Bach grosse Mengen Wasser, Geröll, Schlamm und Holz in die Talebene transportieren. Wiederholt wurden Siedlungsgebiete, Landwirtschaftsflächen und Verkehrswege durch Überschwemmungen und Ablagerungen beschädigt.

Besonders folgenreich war das Hochwasser von 1629. Die damalige Pfarrkirche im Kleinteil wurde so schwer beschädigt, dass sie aufgegeben werden musste. Weitere grosse Hochwasser sind aus den Jahren 1583, 1739, 1741 und 1874 überliefert.[3]

Seit dem späten 19. Jahrhundert wurden umfangreiche Bachverbauungen, Dämme und Geschiebesammler errichtet. Das breite Lauibett dient heute auch dem Kiesabbau und wird stellenweise als Naherholungsraum genutzt. Die grossen Ablagerungsflächen und Schutzbauten erinnern jedoch weiterhin an die Naturgefahren.

Kleine Melchaa

Die Kleine Melchaa entspringt im Gebiet zwischen Giswil und dem Melchtal. Ihr ursprünglicher Lauf führte durch den Talboden. Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes wurde das Gewässersystem mehrfach verändert.

Heute mündet die Kleine Melchaa gemeinsam mit der Laui und der Sarner Aa über den Dreiwässerkanal in den Sarnersee. Hochwasserschutzprojekte sollen verhindern, dass Geschiebe und grosse Wassermengen in die Siedlungsgebiete gelangen.

Geschichte

Frühe Geschichte

Giswil wurde um 840 erstmals als «Kisewilare» schriftlich erwähnt. Der Name wird als «Gehöft des Giso oder Kiso» gedeutet.[4]

Das Gebiet gehörte zu den Meierhöfen der elsässischen Abtei Murbach beziehungsweise des von ihr abhängigen Klosters im Hof in Luzern. Giswil war für das Tal Obwalden ein wichtiger Sitz klösterlicher Verwaltungsbeamter.

Im Mittelalter kontrollierten verschiedene adlige Familien die lokalen Herrschaftsrechte. Dazu gehörten die Freiherren von Wolhusen sowie die Familien von Rudenz und von Hunwil. Die Burgen Rudenz, Rosenberg und Hunwil sicherten Verkehrswege und dienten als Sitze der lokalen Verwaltung.

Als die Abtei Murbach 1291 ihre Besitzungen in der heutigen Schweiz an die Habsburger verkaufte, gelangte auch Giswil in den habsburgischen Einflussbereich. Im Verlauf des 14. und frühen 15. Jahrhunderts gewannen die örtlichen Kirchgenossen und das Land Obwalden zunehmend politische Rechte.

Gemeindliche Selbständigkeit

Um 1400 verkauften die Herren von Hunwil ihre Verwaltungsrechte an die Kirchgenossen von Giswil. Dadurch erhielt die örtliche Gemeinschaft zeitweise eine aussergewöhnlich selbständige Stellung innerhalb Obwaldens.

Ein Schiedsspruch von Abgesandten aus Uri und Schwyz schränkte diese Sonderrechte 1432 ein. Giswil wurde danach stärker in die politischen und gerichtlichen Strukturen des Landes Obwalden eingebunden.[3]

Historisch bestanden im weitläufigen Gemeindegebiet verschiedene lokale Nutzungsgemeinschaften. Die Unterscheidung zwischen Grossteil und Kleinteil geht auf ältere Teilsamen und die räumliche Trennung durch die Laui zurück.

Überschwemmung von 1629

Bis zum frühen 17. Jahrhundert lag das kirchliche Zentrum im Kleinteil. Ein schweres Hochwasser der Laui zerstörte 1629 grosse Teile des alten Siedlungsbereichs und beschädigte die Pfarrkirche.

Nach der Katastrophe wurde beschlossen, die neue Kirche auf dem höher und sicherer gelegenen Hügel der ehemaligen Burg Hunwil zu errichten. Die heutige Pfarrkirche St. Laurentius wurde 1635 eingeweiht. Ein grosser Teil des Baumaterials stammte aus den Resten der Burg.[5]

Im Zusammenhang mit dem Hochwasser kam es zu einer schweren Hexenverfolgung. Naturkatastrophe, religiöse Deutungen und soziale Spannungen führten dazu, dass Menschen für das Unglück verantwortlich gemacht und verfolgt wurden.

An den früheren Kirchenstandort erinnert heute die 1935 errichtete Kapelle «Alte Kirche» im Wald nahe dem Lauibett.

18. und 19. Jahrhundert

Giswil blieb bis weit ins 19. Jahrhundert eine von Viehzucht, Alpwirtschaft, Forstwirtschaft und kleinem Gewerbe geprägte Gemeinde. Die versumpften Gebiete südlich des Sarnersees begrenzten die landwirtschaftlich nutzbare Fläche und begünstigten Krankheiten.

Bevölkerungswachstum und wiederholte Erntekrisen führten im 19. Jahrhundert zu Auswanderungswellen. Zahlreiche Giswilerinnen und Giswiler verliessen ihre Heimat in Richtung Nord- und Südamerika. Teilweise unterstützte die Gemeinde die Auswanderung finanziell.

Die Trockenlegung des Aarieds und anderer Feuchtgebiete schuf neue Landwirtschaftsflächen. Gleichzeitig verbesserten Strassenbauten die Verbindung zum Brünigpass, nach Sarnen und ins Berner Oberland.

Mit der Eröffnung der Brünigbahn 1888 beziehungsweise 1889 erhielt Giswil Anschluss an das schweizerische Eisenbahnnetz. Dadurch entstanden neue wirtschaftliche Möglichkeiten und die Auswanderung nahm ab.[3]

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wandelte sich Giswil von einer fast ausschliesslich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem vielfältigeren Wohn- und Wirtschaftsstandort. Gewerbe- und Industriebetriebe siedelten sich besonders im Talboden und in der Nähe der Verkehrsachsen an.

Während des Zweiten Weltkriegs spielte die Nachschubbasis Giswil eine Rolle bei der Versorgung der schweizerischen Reduitstellungen. Militärische Materiallager, Seilbahnen und Transportwege verbanden den Talboden mit höher gelegenen Anlagen.

Der Ausbau der Brünigstrasse und später der A8 verbesserte die Erreichbarkeit. Seit der Eröffnung des Umfahrungstunnels im Jahr 2004 wird das Siedlungsgebiet von einem grossen Teil des Durchgangsverkehrs entlastet.

Neue Wohngebiete entstanden insbesondere in Diechtersmatt und Rudenz. Giswil entwickelte sich zugleich zu einer Pendlergemeinde mit Beziehungen zu Sarnen, Sachseln, Luzern und dem Berner Oberland.

Bevölkerung

Ende 2025 lebten gemäss der kommunalen Einwohnerstatistik 3886 Personen in Giswil. Davon waren 1112 Giswiler Gemeindebürger, 2295 übrige Schweizer Bürger und 479 ausländische Staatsangehörige.[1]

Die Bevölkerungsentwicklung verlief nicht gleichmässig:

Jahr Einwohner
1950 2642
1960 2679
1970 2890
1980 2734
1990 3146
2000 3513
2010 3505
2020 3666
2025 3886

Zwischen 1950 und 1970 nahm die Bevölkerung langsam zu. In den 1970er-Jahren kam es vorübergehend zu einem Rückgang. Seit den 1980er-Jahren wuchs Giswil wieder, wobei die Entwicklung nach der Jahrtausendwende moderater verlief.

Die Bevölkerung ist traditionell mehrheitlich römisch-katholisch. Ende 2025 gab die Gemeinde einen Anteil von 59,1 Prozent römisch-katholischen, 6,6 Prozent evangelisch-reformierten sowie 34,3 Prozent anders- oder nichtkonfessionellen Einwohnerinnen und Einwohnern an.[1]

Umgangssprache ist überwiegend der Obwaldner Dialekt. In Behörden, Schule und schriftlicher Kommunikation wird Schweizer Hochdeutsch verwendet.

Politik und Verwaltung

Giswil ist eine Einwohnergemeinde des Kantons Obwalden. Da der Kanton keine Bezirke besitzt, bestehen zwischen Gemeinde und Kanton keine weiteren politischen Verwaltungsebenen.

Die Legislative bildet die Gemeindeversammlung. Die stimmberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner entscheiden dort über Budget, Rechnung, Reglemente, grössere Kredite und weitere kommunale Geschäfte.

Die Exekutive ist der Gemeinderat. Er führt die Gemeindeverwaltung und ist für Bereiche wie Finanzen, Bildung, Raumplanung, Bau, Infrastruktur, Soziales, Sicherheit und Kultur zuständig.

Die Gemeindeverwaltung befindet sich am Bahnhofplatz in Diechtersmatt. Giswil entsendet aufgrund seiner Bevölkerungszahl mehrere Mitglieder in den Kantonsrat des Kantons Obwalden.

Neben der Einwohnergemeinde besteht die Korporation Giswil. Sie verwaltet gemeinschaftliches Eigentum wie Wälder, Alpen, Allmenden, Gewässer und weitere Grundstücke. Korporationen besitzen in Obwalden eine lange historische Tradition.

Wirtschaft

Landwirtschaft und Forstwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft prägen Giswil stärker als viele andere Gemeinden der Zentralschweiz. Zahlreiche Betriebe bewirtschaften Wiesen, Weiden, Alpen und Waldflächen.

Die Vieh- und Milchwirtschaft bildet den wichtigsten landwirtschaftlichen Bereich. Ein Teil der Milch wird zu Käse und weiteren regionalen Produkten verarbeitet. Auf den höher gelegenen Alpen findet während des Sommers die traditionelle Sömmerung statt.

Der Wald liefert Holz und erfüllt zugleich wichtige Schutzfunktionen. An steilen Hängen schützt er Siedlungen, Verkehrswege und Landwirtschaftsflächen vor Lawinen, Steinschlag und Erosion.

Gewerbe und Industrie

In Giswil bestehen zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen. Bedeutende Bereiche sind:

  • Bau- und Baunebengewerbe
  • Holzverarbeitung
  • Maschinen- und Metallbau
  • Elektro- und Antriebstechnik
  • Kälte- und Gebäudetechnik
  • Transport und Logistik
  • Detailhandel und persönliche Dienstleistungen

Gewerbegebiete befinden sich insbesondere im Talboden und in der Nähe der A8 sowie des Bahnhofs. Die gute Verkehrslage ermöglicht Betrieben den Zugang zu den Wirtschaftsräumen Luzern, Obwalden und Berner Oberland.

Ein Teil der Erwerbstätigen pendelt in benachbarte Gemeinden. Gleichzeitig bietet Giswil Arbeitsplätze für Zupendler aus dem übrigen Kanton.

Wasserkraft und Kiesabbau

Das Gefälle zwischen dem Lungerersee und Giswil wird zur Stromproduktion genutzt. Das Kraftwerk Unteraa verwendet Wasser aus dem Lungerersee, bevor es über die Sarner Aa in Richtung Sarnersee weiterfliesst.

Im Ablagerungsgebiet der Laui wird Kies gewonnen. Der Abbau steht in engem Zusammenhang mit der Bewirtschaftung des Geschiebes, das der Wildbach aus seinem grossen Einzugsgebiet in die Talebene transportiert.

Verkehr

Eisenbahn

Giswil liegt an der Brünigbahn, die heute von der Zentralbahn betrieben wird. Der Bahnhof Giswil wird von Regional- und S-Bahn-Zügen bedient und bietet direkte Verbindungen in Richtung Sarnen und Luzern sowie über Lungern und den Brünigpass nach Meiringen und Interlaken.

Unmittelbar südlich des Bahnhofs beginnt der zahnradunterstützte Streckenabschnitt in Richtung Kaiserstuhl und Lungern. Dadurch besitzt Giswil eine wichtige betriebliche Lage am Übergang zwischen Adhäsions- und Zahnradstrecke.

Der Bahnhof verfügt über Veloabstell- und Park-and-Rail-Anlagen.[6]

Strassenverkehr

Die A8 verbindet Giswil mit Sarnen, Luzern, Lungern und dem Brünigpass. Der 2004 eröffnete Umfahrungstunnel Giswil leitet den Durchgangsverkehr an den zentralen Siedlungsgebieten vorbei.

Die Anschlüsse Giswil-Nord und Giswil-Süd erschliessen die Gemeinde. Südlich führt die Hauptstrasse weiter über Lungern und den Brünigpass nach Meiringen.

Eine weitere wichtige Verbindung ist die Panoramastrasse über die Mörlialp und den Glaubenbielenpass nach Sörenberg und ins Entlebuch. Sie ist wegen ihrer Höhenlage nicht während des ganzen Jahres uneingeschränkt befahrbar.

Postauto- und Ortsbusverbindungen ergänzen das Bahnangebot und erschliessen verschiedene Ortsteile und touristische Ziele.

Bildung

Die Gemeinde führt Kindergarten, Primarschule und Sekundarstufe. Die Schulgebäude und Sportanlagen befinden sich hauptsächlich im Grossteil und im zentralen Siedlungsgebiet.

An der Schule Giswil werden rund 400 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Neben dem regulären Unterricht bestehen Angebote der schulergänzenden Betreuung, Schulsozialarbeit und Musikschule.[7]

Weiterführende Schulen und Berufsfachschulen befinden sich insbesondere in Sarnen und Luzern. Giswil war ausserdem Standort landwirtschaftlicher Bildungsangebote von regionaler Bedeutung.

Kultur und Brauchtum

Das kulturelle Leben wird von Vereinen, Musikgesellschaften, Chören, Sportvereinen, kirchlichen Organisationen und der Heimatkundlichen Vereinigung Giswil getragen.

Die Heimatkundliche Vereinigung sammelt historische Dokumente, Gegenstände, Fotografien und mündliche Überlieferungen. Sie betreibt ein digitales Museum und setzt sich für den Erhalt historischer Bauwerke und technischer Anlagen ein.

Zu den traditionellen Anlässen gehören Fasnachtsveranstaltungen, kirchliche Feste, Älplerbräuche, Vereinsfeste und Konzerte. Die lokale Kultur ist eng mit Landwirtschaft, Alpwirtschaft und dem Obwaldner Dialekt verbunden.

Ein besonderer Teil der lokalen Überlieferung sind die «Bärgmandli». Die Sagengestalten werden in touristischen Angeboten und auf Themenwegen rund um den Giswilerstock aufgegriffen.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Laurentius

Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius steht auf dem Hügel der ehemaligen Burg Hunwil beziehungsweise Burg Zwingel. Sie wurde nach der Zerstörung der alten Kirche im Laui-Hochwasser von 1629 errichtet und 1635 eingeweiht.

Das erhöhte Gelände bot besseren Schutz vor Überschwemmungen. Baumaterial aus der aufgegebenen Burg wurde für den Kirchenbau wiederverwendet.

Neben der Kirche steht die Beinhauskapelle St. Michael. Sie entstand zwischen 1657 und 1661 und wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts restauriert.

Burgruine Rudenz

Die Burgruine Rudenz liegt zwischen der Brünigbahn und der Brünigstrasse. Die Anlage war Sitz der Herren von Rudenz, die im Mittelalter das Meieramt in Giswil innehatten.

Erhalten sind Teile des mittelalterlichen Wohnturms und der umgebenden Mauern. Die Ruine erinnert an die frühere Funktion Giswils als Verwaltungs- und Verkehrszentrum am Zugang zum Brünigpass.

Turmruine Rosenberg

Im Kleinteil befinden sich die Überreste des mittelalterlichen Meierturms Rosenberg. Die Anlage wird mit der Verwaltung der murbachisch-luzernischen Grundherrschaft in Verbindung gebracht und gilt als älteste der drei Giswiler Burgstellen.

In ihrer Umgebung stehen historische Wohnhäuser, Speicher und landwirtschaftliche Gebäude.

Alte Kirche

Die offene Kapelle «Alte Kirche» wurde 1935 nahe dem früheren Kirchenstandort errichtet. Sie erinnert an die durch das Hochwasser von 1629 zerstörte Pfarrkirche und den aufgegebenen Siedlungsbereich.

Der Standort liegt heute in einem Waldstück nahe dem breiten Lauibett.

Gedeckte Holzbrücke

Die gedeckte Holzbrücke über die Laui wurde 1939 erbaut. Sie ersetzte eine ältere, bei Hochwasser entfernbare Brücke.

Das Bauwerk besitzt ein Walmdach und Inschriften an beiden Seiten. Es ist als regional bedeutendes Kulturobjekt geschützt.[5]

Schlegelsäge

Die Schlegelsäge im Kleinteil ist eine historische, mit Wasserkraft betriebene Säge. Die ursprünglich 1877 errichtete Anlage wurde zwischen 2002 und 2004 unter Verwendung erhaltener Bauteile wieder aufgebaut.

Sie gilt als einzige betriebsfähige wassergetriebene Schlegelsäge dieser Art in der Schweiz. Bei Führungen wird die historische Verarbeitung von Baumstämmen zu Brettern demonstriert.[5]

Historische Holzbauten

Im Gemeindegebiet sind zahlreiche Bauernhäuser und Speicher aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Einzelne Gebäude sind noch älter.

Das Schrotenhaus in der Schrotenmatt wurde aus Holz errichtet, das im Winter 1466/67 gefällt wurde. Es zählt damit zu den ältesten bekannten Holzhäusern im Kanton Obwalden.

Der Historische Wanderweg Giswil verbindet zahlreiche Kirchen, Kapellen, Burgruinen, Bauernhäuser und technische Kulturdenkmäler.

Tourismus und Freizeit

Mörlialp

Die Mörlialp liegt oberhalb von Giswil auf ungefähr 1350 bis 1850 Metern über Meer. Sie ist ein kleines, familienorientiertes Wintersportgebiet mit Ski- und Snowboardpisten, Kinderangeboten und Winterwanderwegen.[8]

Im Sommer dient das Gebiet als Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren. Von den Höhenlagen reicht die Aussicht über den Sarnersee und die umliegenden Voralpen.

Giswilerstock

Der Giswilerstock ist ein markanter Berg südwestlich des Talbodens. Wanderwege führen um und auf das Bergmassiv.

Der Bärgmandlipfad verbindet die Landschaft mit lokalen Sagen. Die Route richtet sich besonders an Familien und vermittelt spielerisch Geschichten über die kleinen Berggeister.

Sarnersee

Am südlichen Ende des Sarnersees bestehen Bade-, Camping- und Freizeitangebote. Wander- und Velowege führen entlang der Uferzone und durch die Talebene.

Der See wird zum Baden, Rudern, Fischen und für weitere Wassersportarten genutzt. Empfindliche Uferbereiche und Naturräume stehen teilweise unter Schutz.

Wanderwege

Giswil liegt an regionalen Wander- und Pilgerrouten zwischen dem Sarneraatal, dem Brünigpass, dem Entlebuch und dem Berner Oberland.

Beliebte Ziele sind:

  • der Giswilerstock
  • die Mörlialp
  • der Glaubenbielenpass
  • das Brienzer Rothorn
  • die Chlus Dörsmatt
  • der Historische Wanderweg
  • die Wege entlang von Laui und Kleiner Melchaa

Die Chlus Dörsmatt ist eine teilweise rekonstruierte Triftklause. Sie erinnert an die frühere Holzflösserei in den Giswiler Bergbächen.

Wappen

Das Wappen von Giswil zeigt in Blau einen steigenden weissen Hund mit rotem Halsband. Das Motiv wird mit der historischen Grundherrschaft des Klosters Murbach und älteren Meierwappen in Verbindung gebracht.

In älteren Darstellungen und Überlieferungen wurde das Wappentier teilweise unterschiedlich gedeutet. Die heutige Form ist als offizielles Gemeindewappen festgelegt.

Persönlichkeiten

Siehe auch

Literatur

  • Urs Abächerli: Giswil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Walter Zünd, Albert Imfeld: Historischer Wanderweg Giswil. Giswil 2005.
  • Heimatkundliche Vereinigung Giswil: Giswiler Geschichtshefte. Giswil.
  • Edwin Huwyler: Die Bauernhäuser der Kantone Obwalden und Nidwalden. Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, Basel 1993.
  • Angelo Garovi: Obwaldner Geschichte. Staatsarchiv Obwalden, Sarnen 2000.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Zahlen, Fakten, Daten, Gemeinde Giswil, Stand 31. Dezember 2025, abgerufen am 3. August 2026.
  2. Gemeinden des Kantons Obwalden, Kanton Obwalden, abgerufen am 3. August 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Giswil, Heimatkundliche Vereinigung Giswil, abgerufen am 3. August 2026.
  4. Urs Abächerli: Giswil, in: Historisches Lexikon der Schweiz, abgerufen am 3. August 2026.
  5. 5,0 5,1 5,2 Sehenswürdigkeiten in Giswil, Gemeinde Giswil, abgerufen am 3. August 2026.
  6. Bahnhof Giswil, Schweizerische Bundesbahnen, abgerufen am 3. August 2026.
  7. Gemeinde Giswil, Kanton Obwalden, abgerufen am 3. August 2026.
  8. Familien-Skigebiet Mörlialp, Giswil-Mörlialp Tourismus, abgerufen am 3. August 2026.

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