Bezirk Zofingen
| Kanton | Aargau |
|---|---|
| Hauptort | Zofingen |
| BFS-Bezirksnummer | 1910 |
| Gemeinden | 17 |
| Fläche | 142,01 km² |
| Einwohner | 79'135 |
| Stand | 31. Dezember 2025 |
| Bevölkerungsdichte | 557 Einwohner je km² |
| Region | Zofingerland |
Der Bezirk Zofingen ist einer der elf Bezirke des Kantons Aargau. Er liegt im äussersten Südwesten des Kantons und umfasst 17 Einwohnergemeinden. Bezirkshauptort und Sitz des Bezirksgerichts ist die historische Stadt Zofingen. Die bevölkerungsreichste Gemeinde ist Oftringen.
Der Bezirk erstreckt sich über das untere Wiggertal, Teile des Aaretals, das Uerkental und den aargauischen Abschnitt des oberen Suhrentals. Wegen seiner Lage zwischen den Kantonen Bern, Luzern und Solothurn wird das Gebiet gelegentlich als «Zofinger Zipfel» bezeichnet. Es bildet den Kern des regionalen Wirtschafts- und Lebensraums Zofingerland.
Ende 2025 lebten im Bezirk 79'135 Menschen. Seine Fläche beträgt 14'201 Hektaren beziehungsweise 142,01 Quadratkilometer.[1][2]
Der dicht besiedelte Raum Aarburg–Oftringen–Zofingen–Strengelbach bildet zusammen mit Rothrist das wirtschaftliche Zentrum des Bezirks. Die Gemeinden im Uerke- und Suhrental sowie im südwestlichen Hügelland sind dagegen stärker ländlich geprägt.
Geographie
Der Bezirk Zofingen grenzt innerhalb des Kantons Aargau im Norden und Nordosten an den Bezirk Aarau und im Osten an den Bezirk Kulm. Im Westen liegt der Kanton Solothurn, im Südwesten der Kanton Bern und im Süden der Kanton Luzern.
Die Landschaft gehört überwiegend zum Schweizer Mittelland. Sie wird durch breite, eiszeitlich geformte Täler, flache Schotterebenen und bewaldete Hügelzüge geprägt. Im Westen und Nordwesten gehen die Höhen allmählich in die südlichen Ausläufer des Juras über.
Die tiefsten Gebiete liegen an der Aare bei Murgenthal, Rothrist und Aarburg. Von dort steigt das Gelände zu den bewaldeten Höhen zwischen Wigger-, Uerke- und Suhrental sowie zur Kantonsgrenze gegen Luzern an. Der Wechsel zwischen dicht bebauten Talachsen und offenen Landwirtschaftsflächen ist ein charakteristisches Merkmal des Bezirks.
Wiggertal
Das untere Wiggertal bildet den bevölkerungsreichsten Teil des Bezirks. Es umfasst insbesondere die Gemeinden Brittnau, Zofingen, Strengelbach, Oftringen und Aarburg.
Die Wigger erreicht das Bezirksgebiet aus dem Kanton Luzern und fliesst in nördlicher Richtung zur Aare. Ihre Talebene ist weitgehend überbaut. Wohnquartiere, Industrie- und Gewerbezonen sowie Verkehrsflächen gehen stellenweise ohne deutlich erkennbare Grenzen ineinander über.
Zofingen entwickelte sich am östlichen Rand der Ebene. Oftringen liegt nördlich davon und reicht bis an die Aare sowie an die Stadt Aarburg. Strengelbach grenzt westlich an Zofingen, während Brittnau den südlichen Übergang zum luzernischen Wiggertal bildet.
Die Wigger wurde in der Vergangenheit auf langen Abschnitten korrigiert und eingedämmt. Renaturierungen und Hochwasserschutzprojekte sollen dem Fluss wieder mehr Raum geben und gleichzeitig die dicht besiedelten Gebiete schützen.
Aaretal
Die Aare berührt den Bezirk bei Murgenthal, Rothrist und Aarburg. Sie nimmt bei Aarburg die Wigger auf und fliesst danach in Richtung Olten.
Murgenthal liegt an der Mündung der Murg in die Aare. Die ausgedehnte Gemeinde umfasst neben dem Hauptort die Ortsteile Balzenwil, Glashütten, Riken und Walliswil. Grosse Waldflächen und Rodungsinseln prägen den südwestlichen Rand des Bezirks.
Rothrist erstreckt sich vom Wiggertal bis zur Aare. Die Gemeinde entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industrie-, Gewerbe- und Logistikstandort.
Aarburg liegt an einer Engstelle des Aaretals. Über der historischen Kleinstadt erhebt sich die Festung Aarburg, die den Flussübergang und die Verkehrswege zwischen dem Mittelland, Basel und der Zentralschweiz kontrollierte.
Uerkental
Die Uerke entspringt im Grenzgebiet zum Kanton Luzern und durchfliesst das Uerkental in Richtung Norden. Zum Bezirk Zofingen gehören die Gemeinden Bottenwil, Uerkheim, Wiliberg und Kölliken.
Das obere und mittlere Uerkental besitzt einen ländlichen Charakter. Einzelhöfe, Weiler, Landwirtschaftsflächen und Wälder wechseln sich mit den geschlossenen Dorfkernen ab.
Kölliken liegt am Ausgang des Tals zur breiten Ebene zwischen Zofingen und Aarau. Die Gemeinde entwickelte sich aufgrund ihrer Lage an Bahn, Kantonsstrasse und Autobahn zu einem Wohn- und Gewerbestandort.
Suhrental
Der südöstliche Teil des Bezirks umfasst Gemeinden im oberen Suhrental. Dazu gehören Reitnau, Staffelbach, Moosleerau und Kirchleerau.
Die Suhre fliesst vom Sempachersee durch den Kanton Luzern und erreicht bei Reitnau den Aargau. Das Tal wird durch offene Landwirtschaftsflächen, kleinere Dörfer und bewaldete Seitenhänge geprägt.
Der Ortsteil Attelwil gehört seit 2019 zur Gemeinde Reitnau. Weiter nördlich liegen Staffelbach sowie die beiden Gemeinden Moosleerau und Kirchleerau.
Wald und Landwirtschaft
Ausgedehnte Waldgebiete befinden sich bei Murgenthal, Brittnau, Vordemwald, Bottenwil, Uerkheim und auf den Höhen zwischen den Tälern. Besonders Murgenthal und Vordemwald besitzen einen hohen Waldanteil.
Die Landwirtschaft ist in den ländlichen Gemeinden weiterhin ein bedeutender Bestandteil der Kulturlandschaft. Verbreitet sind Milchwirtschaft, Viehzucht, Ackerbau und Futterproduktion. In den Talebenen wurden jedoch grosse Flächen für Siedlungen, Verkehrsanlagen und Gewerbegebiete beansprucht.
Gemeinden
Der Bezirk Zofingen besteht seit der Fusion von Attelwil und Reitnau im Jahr 2019 aus 17 Einwohnergemeinden. Die Zusammensetzung ist im kantonalen Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung festgelegt.[3]
| Gemeinde | Einwohner | Bemerkung |
|---|---|---|
| Aarburg | 9'035 | Historische Stadt an der Aare |
| Bottenwil | 864 | Ländliche Gemeinde im Uerkental |
| Brittnau | 4'354 | Gemeinde im südlichen Wiggertal |
| Kirchleerau | 953 | Gemeinde im Suhrental |
| Kölliken | 5'128 | Wohn- und Gewerbegemeinde am Ausgang des Uerkentals |
| Moosleerau | 946 | Gemeinde im oberen Suhrental |
| Murgenthal | 3'193 | Flächenmässig grösste Gemeinde des Bezirks |
| Oftringen | 15'198 | Bevölkerungsreichste Gemeinde des Bezirks |
| Reitnau | 1'662 | Gemeinde mit dem Ortsteil Attelwil |
| Rothrist | 9'997 | Industrie-, Gewerbe- und Logistikstandort |
| Safenwil | 4'608 | Gemeinde an der Grenze zum Kanton Solothurn |
| Staffelbach | 1'401 | Gemeinde im Suhrental mit dem Ortsteil Wittwil |
| Strengelbach | 5'072 | Wohngemeinde westlich von Zofingen |
| Uerkheim | 1'453 | Gemeinde im mittleren Uerkental |
| Vordemwald | 2'022 | Waldreiche Gemeinde westlich von Zofingen |
| Wiliberg | 175 | Einwohnerärmste Gemeinde des Bezirks |
| Zofingen | 13'074 | Bezirkshauptort |
| Gesamt | 79'135 | Stand: 31. Dezember 2025 |
Die Gemeinden unterscheiden sich stark hinsichtlich Fläche, Einwohnerzahl und Siedlungsstruktur. Oftringen und Zofingen besitzen zusammen mehr als ein Drittel der Bezirksbevölkerung. Wiliberg zählt dagegen weniger als 200 Einwohner und gehört zu den kleinsten Gemeinden des Kantons Aargau.[1]
Geschichte
Frühgeschichte und römische Zeit
Archäologische Funde belegen, dass verschiedene Gebiete des heutigen Bezirks bereits in der Jungsteinzeit, der Bronzezeit und der Eisenzeit besiedelt oder genutzt wurden. Die fruchtbaren Talebenen und die Verkehrswege entlang von Aare und Wigger boten günstige Voraussetzungen für Landwirtschaft und Handel.
Während der römischen Zeit lag die Region zwischen den bedeutenden Siedlungs- und Militärzentren Aventicum, Augusta Raurica, Vindonissa und dem Raum des heutigen Solothurn. Strassen verbanden das Mittelland mit dem Jura, dem Oberaargau und der Zentralschweiz.
Auf dem Gebiet von Zofingen wurden die Reste eines römischen Gutshofs mit Mosaikböden entdeckt. Weitere römische Siedlungsspuren, Münzen und Keramikfunde kamen in verschiedenen Gemeinden des Bezirks zum Vorschein.
Nach dem Rückzug der Römer liessen sich alemannische Bevölkerungsgruppen nieder. Ortsnamen mit Endungen wie «-ingen», «-wil» und «-ikon» verweisen auf die frühmittelalterliche Siedlungsentwicklung.
Herrschaft der Frohburger
Im Hochmittelalter gehörten grosse Teile des westlichen Bezirksgebiets zum Einflussbereich der Grafen von Frohburg. Ihr Herrschaftszentrum lag im Raum Olten und im unteren Hauensteingebiet.
Die Frohburger gründeten oder förderten die Städte Zofingen und Aarburg. Zofingen entstand um 1200 aus einer älteren Siedlung und einem Chorherrenstift. Die Stadt erhielt Markt-, Münz- und Gerichtsrechte und entwickelte sich zum wirtschaftlichen Zentrum der Region.[4]
Aarburg entstand an einer strategisch wichtigen Engstelle der Aare. Burg, Stadt und Flussübergang ermöglichten die Kontrolle des Verkehrs zwischen dem Mittelland und dem Raum Olten.
Im Jahr 1299 verkauften die Frohburger Zofingen, Aarburg und weitere Herrschaftsrechte an die Habsburger. Diese ordneten das westliche Gebiet im Amt Aarburg und im Stadtbann Zofingen.[5]
Habsburgische Zeit
Unter habsburgischer Herrschaft behielten Zofingen und Aarburg verschiedene städtische Rechte. Die Habsburger nutzten die Region zur Sicherung ihrer Verbindungen zwischen dem Aargau, dem Elsass und den Besitzungen in der heutigen Zentralschweiz.
Zofinger Truppen kämpften 1386 auf der Seite Herzog Leopolds III. von Habsburg in der Schlacht bei Sempach. Dabei fielen der ehemalige Schultheiss Niklaus Thut und mehrere Bürger der Stadt. Die spätere Überlieferung machte Thut zu einer zentralen Gestalt der Zofinger Stadtgeschichte.
Neben den Habsburgern besassen Klöster, Chorherrenstifte und lokale Adelsfamilien Güter und Gerichtsrechte. Besonders das Kloster St. Urban im benachbarten Kanton Luzern verfügte über umfangreiche Besitzungen in der südwestlichen Region.
Berner Herrschaft
Im Jahr 1415 eroberte Bern grosse Teile des habsburgischen Aargaus. Das Gebiet des heutigen Bezirks Zofingen gehörte danach bis 1798 zum bernischen Unteraargau, der heute meist als Berner Aargau bezeichnet wird.[6]
Die Stadt Zofingen bewahrte als bernische Munizipalstadt besondere Rechte und eine weitgehende innere Selbstverwaltung. Sie verfügte über einen eigenen Rat, eigene Gerichte und umfangreiche Besitzungen.
Das ehemalige habsburgische Amt Aarburg wurde zur bernischen Landvogtei. Die Aarburg diente ab 1416 als Sitz eines Landvogts. Zum Amt gehörten unter anderem Aarburg, Oftringen, Rothrist, Murgenthal, Brittnau, Strengelbach, Vordemwald und Mühlethal.[5]
Die Gemeinden im Uerke- und Suhrental waren teilweise anderen bernischen Ämtern und lokalen Gerichtsherrschaften zugeordnet. Trotz der unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen waren sie wirtschaftlich und kirchlich eng mit Zofingen, Aarau, Sursee oder den umliegenden Klöstern verbunden.
Bern führte 1528 die Reformation ein. Klösterliche Rechte und Kirchengüter wurden teilweise verstaatlicht, die katholische Messe abgeschafft und die Kirchgemeinden der reformierten bernischen Landeskirche unterstellt. Der Bezirk blieb bis zur Industrialisierung überwiegend reformiert.
Die bernische Zeit brachte eine Vereinheitlichung von Verwaltung, Recht und Kirchenwesen. Landwirtschaft, Heimarbeit und regionaler Handel bildeten die wichtigsten Erwerbsgrundlagen.
Helvetische Republik
Mit dem Einmarsch französischer Truppen brach die bernische Herrschaft 1798 zusammen. Die Helvetische Republik führte neue Kantone, Distrikte und Gemeinden ein.
Das Gebiet des späteren Bezirks Zofingen wurde zunächst geteilt. Der östlich der Wigger gelegene Teil des ehemaligen bernischen Unteraargaus kam zum helvetischen Kanton Aargau. Der grösste Teil des früheren Amts Aarburg blieb vorübergehend beim Kanton Bern.[5]
Die Aufteilung zerschnitt gewachsene wirtschaftliche, kirchliche und administrative Beziehungen. Bereits während der Helvetik wurden deshalb verschiedene Grenzkorrekturen und Neuordnungen diskutiert.
Gründung des Bezirks
Durch die Mediationsakte von 1803 entstand der heutige Kanton Aargau aus dem helvetischen Kanton Aargau, dem Kanton Baden und dem Fricktal. Das gesamte ehemalige Amt Aarburg wurde dem neuen Kanton Aargau zugeteilt.
Gleichzeitig entstand der Bezirk Zofingen. Er vereinigte die Stadt Zofingen, das ehemalige Amt Aarburg und Gemeinden aus den angrenzenden Tälern zu einem gemeinsamen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk.
Zofingen wurde zum Bezirkshauptort und Sitz des Bezirksgerichts bestimmt. Die neu gebildeten politischen Gemeinden erhielten eigene Behörden und Zuständigkeiten.
Die Bezirksgrenzen blieben seit 1803 weitgehend stabil. Veränderungen ergaben sich hauptsächlich durch Zusammenschlüsse innerhalb des Bezirks.
Industrialisierung
Im 18. Jahrhundert verbreitete sich in zahlreichen Dörfern die textile Heimarbeit. Familien stellten im Auftrag von Verlegern Baumwollgewebe, Strickwaren und andere Textilerzeugnisse her.
Im 19. Jahrhundert entstanden mechanische Spinnereien, Webereien, Färbereien und Strickwarenfabriken. Bedeutende Produktionsstandorte entwickelten sich unter anderem in Zofingen, Murgenthal, Rothrist, Aarburg und Oftringen.
Die Eisenbahn beschleunigte den wirtschaftlichen Wandel. 1856 wurde die Strecke von Olten über Aarburg und Zofingen nach Emmenbrücke eröffnet. Ein Jahr später folgte die Verbindung von Olten über Rothrist und Murgenthal nach Bern.
Die Bahn erleichterte den Transport von Rohstoffen und Fertigwaren. In Bahnhofsnähe entstanden neue Fabriken, Lagerhäuser und Arbeiterquartiere.
Neben der Textilindustrie gewannen Druckereien, Verlage, Maschinenbau, Metallverarbeitung, chemische und pharmazeutische Betriebe sowie die Lebensmittelindustrie an Bedeutung. Zofingen entwickelte sich zu einem regionalen Industrie-, Handels- und Bildungszentrum.
20. Jahrhundert
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Wirtschaftsstruktur. Zahlreiche traditionelle Textilunternehmen verschwanden oder verlagerten ihre Produktion. An ihre Stelle traten neue Industriezweige, Logistikunternehmen und Dienstleistungsbetriebe.
Die Eröffnung der Autobahnen A1 und A2 verstärkte die Bedeutung der Region als Verkehrsknoten. Besonders Oftringen und Rothrist entwickelten sich zu Standorten für Einkaufszentren, Logistik, Grosshandel und Gewerbe.
Das Siedlungsgebiet im unteren Wiggertal wuchs stark. Die Grenzen zwischen Zofingen, Oftringen, Strengelbach, Aarburg und Rothrist sind im Landschaftsbild teilweise kaum noch erkennbar.
Gleichzeitig blieben die Gemeinden des Uerke- und Suhrentals sowie die waldreichen Gebiete um Murgenthal, Vordemwald und Bottenwil ländlich geprägt.
Entwicklung seit 2000
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung in fast allen grösseren Gemeinden zu. Neue Wohnquartiere entstanden insbesondere in Oftringen, Rothrist, Zofingen, Aarburg, Kölliken und Safenwil.
Der Bezirk profitiert von seiner zentralen Lage zwischen den Wirtschaftsräumen Basel, Bern, Luzern, Aarau und Zürich. Gleichzeitig führen das Wachstum und die starke Verkehrsbelastung zu Herausforderungen bei Raumplanung, Infrastruktur und Landschaftsschutz.
Gemeinden und regionale Organisationen arbeiten bei Verkehrsplanung, Standortförderung, Abfallentsorgung, sozialer Versorgung und weiteren Aufgaben zusammen.
Veränderungen im Gemeindebestand
Seit der Bezirksgründung kam es zu mehreren Gemeindefusionen.
| Jahr | Veränderung |
|---|---|
| 1901 | Die Gemeinden Balzenwil und Riken schlossen sich zur Gemeinde Murgenthal zusammen. |
| 1901 | Wittwil wurde mit Staffelbach vereinigt. |
| 2002 | Mühlethal wurde in die Stadt Zofingen eingemeindet. |
| 2019 | Attelwil und Reitnau schlossen sich zur Gemeinde Reitnau zusammen. |
Murgenthal umfasst seit seiner Gründung neben dem Hauptort auch Balzenwil, Glashütten, Riken und Walliswil.[7]
Die Fusion von Mühlethal und Zofingen trat am 1. Januar 2002 in Kraft. Attelwil und Reitnau vereinigten sich am 1. Januar 2019.[8]
Bevölkerung
Der Bezirk Zofingen verzeichnet seit Jahrzehnten ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum. Besonders stark wuchsen die Gemeinden im unteren Wiggertal und entlang der Autobahnen.
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 2016 | 69'855 |
| 2017 | 70'695 |
| 2018 | 71'695 |
| 2019 | 72'680 |
| 2020 | 73'871 |
| 2021 | 75'114 |
| 2022 | 76'414 |
| 2023 | 78'003 |
| 2024 | 78'459 |
| 2025 | 79'135 |
Zwischen Ende 2016 und Ende 2025 nahm die Bevölkerung um mehr als 9'000 Personen zu. Allein im Jahr 2025 betrug das Wachstum 676 Personen.[2][1]
Die grössten Siedlungsschwerpunkte sind Oftringen, Zofingen, Rothrist, Aarburg, Kölliken und Strengelbach. Zusammen bilden die Gemeinden im unteren Wiggertal einen weitgehend zusammenhängenden Agglomerationsraum.
In den kleineren Gemeinden ist die Bevölkerungsdichte wesentlich geringer. Wiliberg, Bottenwil, Kirchleerau und Moosleerau bewahrten einen ausgeprägt dörflichen Charakter.
Die Alltagssprache ist überwiegend Schweizerdeutsch. Der örtliche Dialekt gehört zum westlichen Hochalemannischen und weist Einflüsse aus dem Berner Aargau, dem Oberaargau, dem Luzerner Hinterland und dem Solothurnischen auf.
Die Bevölkerung war historisch mehrheitlich reformiert. Durch die Industrialisierung und die Zuwanderung nahm der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung zu. Heute leben im Bezirk Angehörige verschiedener christlicher Kirchen, weiterer Religionen sowie viele konfessionslose Personen.
Politik und Verwaltung
Der Bezirk Zofingen ist keine eigenständige politische Körperschaft mit einer Bezirksversammlung oder einem Bezirksrat. Er dient der räumlichen Organisation der kantonalen Verwaltung, der Rechtspflege und des Wahlwesens.
Die 17 Einwohnergemeinden verfügen über eigene Gemeinderäte und Verwaltungen. In kleineren und mittleren Gemeinden bildet die Gemeindeversammlung die Legislative. Zofingen, Oftringen und Aarburg verfügen über einen Einwohnerrat als kommunales Parlament.
Der Bezirk bildet einen Wahlkreis für die Wahl des Grossen Rats des Kantons Aargau. Die Zahl der Sitze richtet sich nach der Bevölkerungszahl.
Bezirksgericht
Das Bezirksgericht Zofingen befindet sich im Bezirkshauptort. Es ist die erste kantonale Gerichtsinstanz für zahlreiche Zivil- und Strafverfahren aus den Gemeinden des Bezirks.
Die Aargauer Bezirksgerichte gliedern sich nach Aufgabenbereichen in Zivilgericht, Strafgericht, Arbeitsgericht, Jugendgericht und Familiengericht. Je nach Verfahren entscheidet eine Gerichtspräsidentin oder ein Gerichtspräsident allein oder gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Gerichts.[9]
Friedensrichterkreise und Schlichtungsbehörden behandeln bestimmte Streitigkeiten, bevor sie an das Bezirksgericht gelangen. Weitere kantonale Stellen sind für Strafverfolgung, Kindes- und Erwachsenenschutz, Betreibungswesen und Grundbuchführung zuständig.
Wirtschaft
Der Bezirk besitzt eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Industrie, Logistik, Handel, Gesundheitswesen, Bildung und öffentliche Dienstleistungen konzentrieren sich vor allem im unteren Wiggertal.
Zofingen ist ein bedeutender Arbeitsplatz-, Bildungs- und Dienstleistungsstandort. Die Stadt beherbergt Unternehmen aus der pharmazeutischen, chemischen, grafischen und metallverarbeitenden Industrie sowie zahlreiche kleinere Dienstleistungsbetriebe.
Oftringen entwickelte sich aufgrund seiner Nähe zur Autobahnverzweigung Wiggertal zu einem wichtigen Standort für Detailhandel, Grosshandel, Gewerbe und Logistik. Entlang der Hauptverkehrsachsen befinden sich Einkaufszentren, Lagerhäuser und Unternehmenssitze.
Rothrist besitzt ausgedehnte Industrie- und Gewerbezonen. Die Gemeinde profitiert von der Lage an Aare, Eisenbahn und Autobahn. Aarburg weist neben Gewerbe und Industrie auch eine zunehmende Bedeutung als Wohn- und Dienstleistungsstandort auf.
Safenwil ist unter anderem durch den Fahrzeughandel und automobilbezogene Dienstleistungen geprägt. Kölliken besitzt Gewerbegebiete am Rand der Agglomeration Aarau–Zofingen.
In den kleineren Gemeinden bilden Landwirtschaft, lokales Gewerbe, Bauunternehmen und Dienstleistungen wichtige Erwerbszweige. Viele Einwohnerinnen und Einwohner pendeln in die Zentren Zofingen, Olten, Aarau, Sursee, Luzern oder Zürich.
Verkehr
Die Lage an bedeutenden Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen macht den Bezirk zu einem der wichtigsten Verkehrsräume des westlichen Mittellands.
Autobahnen
Bei der Verzweigung Wiggertal trennen sich die Autobahnen A1 und A2. Die A1 führt in Richtung Bern und Zürich, während die A2 nach Luzern und weiter zum Gotthard verläuft.
Autobahnanschlüsse befinden sich unter anderem bei Oftringen, Rothrist, Zofingen und Kölliken. Die gute Erreichbarkeit förderte die Ansiedlung von Industrie-, Handels- und Logistikbetrieben.
Gleichzeitig führt der hohe Anteil des motorisierten Verkehrs zu Belastungen auf den Zufahrtsstrassen. Besonders die Räume Oftringen, Aarburg, Rothrist und Zofingen sind während der Hauptverkehrszeiten stark beansprucht.
= Eisenbahn
Der Bahnhof Zofingen ist der wichtigste Eisenbahnknoten des Bezirks. Er liegt an der Strecke Olten–Luzern und wird von Fern- und Regionalzügen bedient.
An derselben Strecke liegt der Bahnhof Aarburg-Oftringen. Die Bahnlinie erschliesst den dicht besiedelten nördlichen Teil des Wiggertals und verbindet die Region mit Olten, Luzern, Basel, Bern und Zürich.
Rothrist und Murgenthal liegen an der Strecke Olten–Bern. Regionale Züge stellen Verbindungen nach Olten, Langenthal und Bern her.
Die Bahnstrecke Zofingen–Suhr erschliesst Safenwil und Kölliken. Sie verbindet den Bezirk mit dem Raum Aarau und dem übrigen Netz der Aargauer S-Bahn.
Busverkehr
Regionale Buslinien verbinden die Bahnhöfe Zofingen, Aarburg-Oftringen, Rothrist und Kölliken mit den umliegenden Gemeinden.
Busverbindungen führen unter anderem nach Vordemwald, Strengelbach, Brittnau, Bottenwil, Uerkheim, Staffelbach, Reitnau, Kirchleerau und Moosleerau.
Der öffentliche Verkehr ist besonders für Gemeinden ohne eigenen Bahnhof sowie für den Schüler- und Pendlerverkehr von Bedeutung.
Langsamverkehr
Velorouten führen entlang der Aare, der Wigger, durch das Suhrental und über die regionalen Höhenzüge. Wanderwege verbinden die Siedlungen mit den Wald- und Naherholungsgebieten.
Die Gemeinden bauen ihre Fuss- und Velowegnetze schrittweise aus. Im dicht besiedelten Wiggertal sollen direkte Verbindungen den innerregionalen Verkehr entlasten.
Bildung
Die Gemeinden führen Kindergärten und Primarschulen. Die Sekundarstufe I wird an mehreren regionalen Schulstandorten angeboten.
Zofingen ist das wichtigste Bildungszentrum des Bezirks. Die Kantonsschule Zofingen bietet gymnasiale Bildung und weitere Mittelschulangebote. Hinzu kommen Berufs-, Weiterbildungs- und Sonderschuleinrichtungen.
Weitere Oberstufenschulen befinden sich unter anderem in Oftringen, Rothrist, Aarburg, Kölliken und den regionalen Schulverbänden der ländlichen Gemeinden.
Die Nähe zu Olten, Aarau, Sursee und Luzern erweitert das Angebot an Berufsfachschulen, Fachhochschulen und weiterführenden Bildungseinrichtungen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Altstadt Zofingen
Die Altstadt von Zofingen zählt zu den bedeutendsten historischen Stadtanlagen des Kantons Aargau. Sie besitzt einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Grundriss und ist als Ortsbild von nationaler Bedeutung geschützt.
Das Siedlungsgebiet bildet ein unregelmässiges Rechteck mit engen Gassen, Plätzen, Brunnen und Bürgerhäusern. Zu den wichtigsten Bauwerken gehören die Stadtkirche, das Rathaus, das ehemalige Lateinschulhaus, der Pulverturm und verschiedene Zunft- und Bürgerhäuser.[10]
Der Thutplatz erinnert an Niklaus Thut. Der dortige Brunnen trägt ein Standbild des Zofinger Stadthelden.
Oberhalb der Altstadt liegt der Heiternplatz mit seinem markanten Lindengeviert. Er entstand im 18. Jahrhundert als militärischer Muster- und Exerzierplatz und dient heute als Veranstaltungs- und Erholungsgebiet.
Aarburg und Festung
Die historische Altstadt von Aarburg liegt unterhalb eines steilen Felssporns an der Aare. Über ihr erhebt sich die Festung Aarburg, deren Ursprünge in das Mittelalter zurückreichen.
Bern baute die Anlage im 17. Jahrhundert zu einer mächtigen Festung aus. Sie kontrollierte den Flussübergang und die Verkehrswege durch die Aareenge.
Zum historischen Ortsbild gehören neben der Festung die Stadtkirche, das Rathaus, alte Bürgerhäuser und die Brückenanlage über die Aare.
Strohdachhaus Kölliken
Das Strohdachhaus in Kölliken erinnert an die traditionelle bäuerliche Bauweise des Aargauer Mittellands. Das Gebäude besitzt ein mit Stroh gedecktes Dach und wird als Museum genutzt.
Die Ausstellung vermittelt Einblicke in Landwirtschaft, Wohnen, Handwerk und Alltagsleben früherer Generationen. Das Haus gehört zu den bekanntesten ländlichen Kulturdenkmälern des Bezirks.
Burgruinen und historische Anlagen
Auf dem Gemeindegebiet von Oftringen befindet sich die Ruine Alt-Wartburg. Sie erinnert an die mittelalterlichen Herrschaftsverhältnisse im Raum zwischen Aarburg und Olten.
In verschiedenen Gemeinden sind historische Mühlen, Bauernhäuser, Speicher, Pfarrhäuser und Kirchen erhalten. Besonders in den Dörfern des Uerke- und Suhrentals prägen traditionelle Gebäude weiterhin das Ortsbild.
Museen und Kulturleben
Das Museum Zofingen besitzt Sammlungen zur Stadt- und Regionalgeschichte, zur Naturkunde und zur Archäologie. Weitere lokale Museen und Sammlungen dokumentieren die Geschichte einzelner Gemeinden.
Das kulturelle Leben wird von Musikgesellschaften, Chören, Theatergruppen, Bibliotheken und zahlreichen Vereinen getragen. Zofingen verfügt über ein regionales Kultur- und Veranstaltungsangebot.
Märkte, Stadtfeste, Fasnachtsveranstaltungen, Konzerte und Sportanlässe ziehen Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region an.
Natur und Erholung
Die Aarelandschaft bei Murgenthal, Rothrist und Aarburg ist ein wichtiges Naherholungsgebiet. Wege entlang des Flusses werden zum Wandern, Velofahren und Spazieren genutzt.
Die Wälder von Murgenthal, Vordemwald, Brittnau und Bottenwil besitzen eine grosse Bedeutung für Erholung, Forstwirtschaft und Naturschutz.
Der Heitern bei Zofingen bietet Aussicht über das Wiggertal und bei guter Sicht bis zu den Alpen. Weitere Aussichtspunkte befinden sich auf den Höhen zwischen Uerke- und Suhrental.
Kleinere Fliessgewässer, Hecken, Feuchtflächen und Waldränder bilden Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Renaturierungsprojekte an Wigger, Uerke und Suhre verbessern den ökologischen Zustand der Gewässer.
Regionale Identität
Der Bezirk bildet den historischen und wirtschaftlichen Kern des Zofingerlands. Die regionale Identität reicht jedoch über die Kantonsgrenzen hinaus und schliesst auch Teile des luzernischen Wiggertals und des angrenzenden Oberaargaus ein.
Zofingen übernimmt traditionelle Funktionen als Verwaltungs-, Bildungs- und Kulturzentrum. Oftringen und Rothrist besitzen aufgrund ihrer Einwohnerzahl, Arbeitsplätze und Verkehrslage eine ebenso wichtige wirtschaftliche Bedeutung.
Aarburg ist eng mit dem Raum Olten verbunden. Die Gemeinden im Suhrental orientieren sich teilweise nach Sursee und Aarau, während Murgenthal Beziehungen zum Oberaargau und zum Kanton Solothurn unterhält.
Diese unterschiedlichen Ausrichtungen machen den Bezirk zu einem Übergangsraum zwischen mehreren kantonalen und wirtschaftlichen Regionen.
Persönlichkeiten
- Niklaus Thut († 1386), Zofinger Schultheiss und historische Symbolfigur
- Johann Rudolf Sinner (1632–1708), Politiker und Schultheiss von Bern, zeitweise Landvogt von Aarburg
- Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827), Pädagoge, zeitweise auf Schloss Brunegg und in der Region tätig
- Alfred Künzli (1919–2008), Politiker und Bundesrichter, in Murgenthal geboren
- Hansjörg Schneider (* 1938), Schriftsteller und Dramatiker, in Zofingen geboren
- Pascale Bruderer (* 1977), Politikerin und ehemalige Ständerätin, in Baden geboren und in der Region politisch tätig
Literatur
- Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm und Zofingen. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Basel 1948.
- Christian Lüthi: Zofingen im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Kleinstadt sucht ihre Rolle. Zofingen 1999.
- Edith Hunziker: Zofingen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zofingen.
- Jürg Bolliger: Aarburg. Geschichte einer Kleinstadt. Aarburg 1970.
- Markus Widmer-Dean: Ortsgeschichte Murgenthal. Die Geschichte des Dorfes Murgenthal von den Anfängen bis heute. Murgenthal 2008.
- Dominik Sauerländer: Berner Aargau. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
- Andreas Steigmeier: Aarburg (Amt). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Weblinks
- Offizielle Website des Kantons Aargau
- Offizielle Website der Stadt Zofingen
- Regionalverband zofingenregio
- Bezirksgericht Zofingen
- Zofingen im Historischen Lexikon der Schweiz
- Amt Aarburg im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Statistik Aargau: Kantonale Bevölkerungsstatistik 2025, Aarau 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Statistik Aargau: Statistisches Jahrbuch 2025 – Bezirke, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Kanton Aargau: Dekret über die Bezirks- und Kreiseinteilung (DBK), Stand 1. Januar 2026.
- ↑ Stadt Zofingen: Geschichte: Zofingen von einst bis jetzt, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Andreas Steigmeier: Aarburg (Amt). In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 10. November 2016.
- ↑ Dominik Sauerländer: Berner Aargau. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 28. Juni 2002.
- ↑ Christian Lüthi: Murgenthal. In: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 2. September 2010.
- ↑ Kanton Aargau: Übersicht Gemeindezusammenschlüsse im Kanton Aargau, Stand Januar 2025.
- ↑ Kanton Aargau: Aufgaben der Bezirksgerichte, abgerufen am 3. August 2026.
- ↑ Stadt Zofingen: Rundgang durch die Altstadt und Umgebung, abgerufen am 3. August 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu Bezirk Zofingen