Schweizer Finanzmuseum

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Schweizer Finanzmuseum
Englischer Name Swiss Finance Museum
Museumstyp Finanz-, Wirtschafts- und Geschichtsmuseum
Ort Zürich
Quartier Industriequartier
Eröffnung 28. Juni 2017
Vorgängermuseum Wertpapierwelt in Olten
Trägerschaft Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere
Gründerin der Stiftung SIX
Sammlung rund 10'000 historische Wertpapiere aus über 150 Ländern
Zeitlicher Schwerpunkt 16. bis 21. Jahrhundert
Adresse Pfingstweidstrasse 110
8005 Zürich
Standort Hauptsitz von SIX im Hard Turm Park
Website finanzmuseum.ch

Das Schweizer Finanzmuseum, englisch Swiss Finance Museum, ist ein Finanz-, Wirtschafts- und Geschichtsmuseum in Zürich. Es befindet sich im Hauptsitz des Finanzinfrastrukturunternehmens SIX im Hard Turm Park in Zürich-West. Das Museum vermittelt die Geschichte der Aktiengesellschaft, des Wertpapierhandels, der Börsen, des Zahlungsverkehrs und des Schweizer Finanzplatzes.

Das Museum wurde am 28. Juni 2017 eröffnet. Es bezeichnet sich als erstes und einziges Museum der Schweiz, das sich umfassend mit der Finanzwirtschaft und ihrer Infrastruktur beschäftigt. Die Ausstellung verbindet historische Originalobjekte mit Filmen, Hörspielen, Interviews, Touchscreens, Animationen und interaktiven Anwendungen.[1]

Trägerin ist die gemeinnützige Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere. Sie besitzt rund 10'000 Aktien, Obligationen und weitere Wertpapiere aus über 150 Ländern. Die Bestände reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück und gehören nach Angaben des Museums zu den bedeutendsten Sammlungen historischer Wertpapiere weltweit.[2]

Name und Ausrichtung

Der offizielle deutsche Name lautet Schweizer Finanzmuseum. Im internationalen Auftritt verwendet die Institution die englische Bezeichnung Swiss Finance Museum.

Das Museum ist kein klassisches Bankmuseum. Es behandelt nicht nur die Geschichte einzelner Banken oder Zahlungsmittel, sondern erklärt den Finanzmarkt als zusammenhängendes System. Dazu gehören Unternehmen, Anleger, Banken, Börsen, Versicherungen, Zahlungsdienstleister, Finanzdatenanbieter, Aufsichtsbehörden und technische Infrastrukturen.

Im Mittelpunkt stehen unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist eine Aktie?
  • Wie unterscheiden sich Aktien und Obligationen?
  • Wie funktioniert der Handel an einer Börse?
  • Wie beschaffen Unternehmen Kapital?
  • Wie entsteht ein Börsenkurs?
  • Welche Aufgaben erfüllen Banken und Finanzmarktinfrastrukturen?
  • Wie entwickelte sich der elektronische Zahlungsverkehr?
  • Wird Bargeld langfristig durch digitale Zahlungsmittel ersetzt?
  • Welche Bedeutung besitzt der Finanzplatz für Wirtschaft und Alltag?

Die Ausstellung soll sowohl Personen mit Fachkenntnissen als auch Besucherinnen und Besucher ohne finanzwirtschaftliche Vorbildung ansprechen. Historische Dokumente werden deshalb mit vereinfachten Erklärungen und interaktiven Stationen verbunden.[3]

Geschichte

Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere

SIX gründete am 31. Oktober 2001 die Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere. Zweck der gemeinnützigen Stiftung ist der Erwerb, die Erhaltung, die Erweiterung und die öffentliche Vermittlung einer wirtschaftshistorisch bedeutenden Sammlung internationaler Wertpapiere.[2]

Historische Aktien und Obligationen verloren nach ihrer Entwertung oder Rückzahlung ihren ursprünglichen finanziellen Wert. Als historische Quellen blieben sie jedoch bedeutsam. Sie dokumentieren die Entstehung von Unternehmen, Staaten, Verkehrssystemen, Industrieanlagen, Bergwerken und internationalen Handelsbeziehungen.

Die Stiftung erweiterte ihre Bestände durch Ankäufe und Übernahmen. Dabei wurde versucht, unterschiedliche Länder, Epochen, Branchen und Formen der Unternehmensfinanzierung abzudecken.

Wertpapierwelt in Olten

Von 2003 bis 2016 betrieb die Stiftung in Geschäftsräumen von SIX in Olten das Museum Wertpapierwelt. Es zeigte wechselnde Ausstellungen mit historischen Aktien, Anleihen und weiteren Finanzdokumenten.[2]

Die Wertpapierwelt konzentrierte sich stark auf die einzelnen Urkunden, ihre Gestaltung und die damit verbundenen Unternehmensgeschichten. Zu sehen waren unter anderem Wertpapiere von Eisenbahngesellschaften, Banken, Industriebetrieben, Bergwerken, Schifffahrtsgesellschaften und Staaten.

Das Museum machte historische Wertpapiere als wirtschafts-, kultur-, kunst- und technikgeschichtliche Quellen bekannt. Ein grosser Teil der Sammlung wurde in einem Zentraltresor in Olten unter konservatorisch geeigneten Bedingungen aufbewahrt.

Umzug nach Zürich

SIX begann in den 2010er-Jahren mit der Planung eines neuen Hauptsitzes im Hard Turm Park in Zürich-West. Im Zuge des Umzugs von Zürich-Selnau an den neuen Standort wurde beschlossen, auch das Museum nach Zürich zu verlegen und konzeptionell zu erweitern.[2]

Das neue Haus sollte nicht mehr ausschliesslich historische Wertpapiere zeigen. Es erhielt einen breiteren thematischen Schwerpunkt auf Börse, Kapitalmarkt, Zahlungsverkehr und Finanzmarktinfrastruktur.

Die Ausstellung wurde vollständig neu gestaltet. Sie sollte historische Objekte mit zeitgemässen digitalen Vermittlungsformen verbinden und die Bedeutung der Finanzwirtschaft für den Alltag erklären.

Eröffnung im Jahr 2017

Das Schweizer Finanzmuseum öffnete am 28. Juni 2017 an der Pfingstweidstrasse 110 seine Türen. Es befindet sich seither im weltweiten Hauptsitz von SIX.[1]

Zur Eröffnung präsentierte das Museum neben der Dauerausstellung die Sonderausstellung «Berühmt – Aus der Sammlung des Finanzmuseums». Sie erzählte anhand historischer Wertpapiere Geschichten über bekannte Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Maria Theresia und Johann Wolfgang von Goethe.

Das Museum stellte ausserdem erstmals einer breiten Öffentlichkeit eine vereinfachte Version eines Trainingsprogramms für Börsenhändler zur Verfügung. Ein Börsenspiel simulierte in verkürzter Form einen Handelstag an der Schweizer Börse.

Nominierung für den European Museum of the Year Award

2019 wurde das Schweizer Finanzmuseum für den European Museum of the Year Award nominiert. Der Preis wird vom Europäischen Museumsforum an Institutionen vergeben, die sich durch innovative Vermittlung, gesellschaftliche Relevanz und hohe museale Qualität auszeichnen.[4]

Das Museum erhielt den Hauptpreis nicht. Die Nominierung trug jedoch zur internationalen Wahrnehmung der jungen Institution bei.

Standort

Das Schweizer Finanzmuseum befindet sich im Hard Turm Park an der Pfingstweidstrasse 110. Das Gebiet gehört zum Zürcher Industriequartier und wird häufig unter der Bezeichnung Zürich-West zusammengefasst.

Das ehemalige Industrie- und Gewerbegebiet wandelte sich seit dem späten 20. Jahrhundert zu einem gemischten Stadtteil mit Wohnungen, Büros, Hochschulen, Kulturinstitutionen, Gastronomie und Veranstaltungsräumen.

In der näheren Umgebung befinden sich unter anderem:

Das Museum ist über die unmittelbar vor dem Gebäude gelegene Haltestelle Sportweg an das Tramnetz angeschlossen. Die Ausstellungsräume sind öffentlich zugänglich, obwohl sie sich innerhalb des Hauptsitzes eines aktiven Finanzinfrastrukturunternehmens befinden.[5]

Dauerausstellung

Die Dauerausstellung verfolgt die Entwicklung der modernen Finanzwirtschaft vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. Sie ist sowohl chronologisch als auch thematisch aufgebaut.

Historische Wertpapiere dienen als Ausgangspunkt für die Erklärung wirtschaftlicher Zusammenhänge. Ergänzt werden sie durch Filmaufnahmen, Interviews, Hörstationen und interaktive Medien.

Entstehung der Aktiengesellschaft

Ein Schwerpunkt liegt auf der Entstehung der Aktiengesellschaft. Durch die Aufteilung eines Unternehmens in handelbare Anteile konnten zahlreiche Anleger gemeinsam grosse und risikoreiche Vorhaben finanzieren.

Dieses Modell war besonders für Projekte wichtig, deren Kapitalbedarf die Möglichkeiten einzelner Kaufleute oder Familien überstieg. Dazu gehörten:

  • internationale Handelsgesellschaften;
  • Eisenbahnen und Schifffahrtslinien;
  • Kanäle, Häfen und Strassen;
  • Bergwerke und Stahlwerke;
  • Fabriken;
  • Kraftwerke und Staudämme;
  • Telekommunikationsnetze;
  • Flugzeug- und Automobilbau;
  • wissenschaftliche Forschungsprojekte.

Die Ausstellung erklärt, welche Eigentums- und Mitwirkungsrechte mit einer Aktie verbunden sein können. Sie zeigt zugleich, dass Aktionäre am wirtschaftlichen Risiko eines Unternehmens beteiligt sind.

Aktien

Eine Aktie verkörpert einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft. Abhängig vom Unternehmen und von der Art der Aktie können damit Stimmrechte, Bezugsrechte und ein Anspruch auf einen Teil des ausgeschütteten Gewinns verbunden sein.

Historische Aktienurkunden zeigen, wie Unternehmen um das Vertrauen von Anlegern warben. Aufwendig gestaltete Dokumente sollten Stabilität, Fortschritt und wirtschaftlichen Erfolg vermitteln.

Die Ausstellung behandelt auch das Verhältnis zwischen Nennwert und Börsenkurs. Der Marktpreis einer Aktie kann deutlich über oder unter ihrem früher festgelegten Nennwert liegen.

Obligationen

Obligationen sind Wertpapiere, mit denen sich Unternehmen, Staaten oder andere Organisationen Geld leihen. Der Herausgeber verpflichtet sich in der Regel zur Zahlung von Zinsen und zur späteren Rückzahlung des geliehenen Kapitals.

Die Ausstellung erklärt die Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital. Aktionäre sind Miteigentümer eines Unternehmens, während Käufer einer Obligation grundsätzlich Gläubiger sind.

Historische Staats- und Unternehmensanleihen dokumentieren:

  • den Bau von Eisenbahnen und anderen Infrastrukturen;
  • die Finanzierung von Kriegen;
  • staatliche Wirtschaftskrisen;
  • Währungsreformen;
  • Unternehmenszusammenbrüche;
  • politische Umbrüche;
  • internationale Kapitalströme.

Nicht alle Anleihen wurden vollständig zurückbezahlt. Solche Dokumente verdeutlichen, dass auch vermeintlich sichere Anlagen mit Risiken verbunden sein können.

Börse und Wertpapierhandel

Eine Börse ist ein organisierter Markt, an dem standardisierte Vermögenswerte nach festgelegten Regeln gehandelt werden. Das Museum zeigt die Entwicklung vom persönlichen Handel auf Marktplätzen und in Börsensälen bis zum elektronischen Wertpapierhandel.

Früher trafen sich Händler in festgelegten Börsenringen. Kauf- und Verkaufsaufträge wurden durch Zurufe und Handzeichen vermittelt. In Zürich endete diese Form des Handels 1996 mit der vollständigen Umstellung auf ein elektronisches System.[6]

Heute werden Aufträge über Computersysteme übermittelt und automatisch zusammengeführt. Dabei gelten Regeln zu Preis, Zeitpunkt, Menge und Ausführungsart.

Die Ausstellung erläutert, dass Börsenkurse nicht von einer einzelnen Institution festgesetzt werden. Sie entstehen aus Angebot und Nachfrage sowie den Erwartungen der Marktteilnehmer.

Börsenspiel

Das interaktive Börsenspiel gehört zu den bekanntesten Vermittlungsstationen des Museums. Besucherinnen und Besucher erleben dabei einen verkürzten Handelstag.

Während des Spiels treffen Nachrichten über Unternehmen, Wirtschaft und Politik ein. Die Teilnehmenden entscheiden, ob sie Wertpapiere kaufen, halten oder verkaufen. Diese Entscheidungen beeinflussen das Ergebnis ihres virtuellen Portfolios.

Das Spiel zeigt, dass Marktpreise von Informationen, Erwartungen und dem Verhalten vieler verschiedener Personen abhängen. Es verdeutlicht zugleich die Schwierigkeiten kurzfristiger Prognosen.

Börsengang

Ein weiterer Bereich erklärt den Börsengang eines Unternehmens, der häufig als Initial Public Offering oder IPO bezeichnet wird.

Bei einem Börsengang werden Aktien erstmals einem breiten Anlegerkreis angeboten. Das Unternehmen kann dadurch neues Eigenkapital beschaffen. Bestehende Eigentümer können gleichzeitig einen Teil ihrer Beteiligung verkaufen.

Ein Börsengang erfordert unter anderem:

  • eine geeignete Unternehmensstruktur;
  • geprüfte Finanzinformationen;
  • einen Emissionsprospekt;
  • die Festlegung einer Preisspanne;
  • die Zusammenarbeit mit Banken und weiteren Beratern;
  • die Zulassung durch die Börse;
  • die Einhaltung gesetzlicher Veröffentlichungspflichten.

Nach der Kotierung werden die Aktien auf dem Sekundärmarkt zwischen Anlegern gehandelt. Das Unternehmen erhält aus diesen späteren Käufen und Verkäufen grundsätzlich kein neues Kapital.

Aktienindizes

Aktienindizes fassen die Kursentwicklung mehrerer Unternehmen in einer einzigen Kennzahl zusammen. Sie dienen als Orientierung für Anleger und als Vergleichsmassstab für Fonds und Vermögensverwaltungen.

Das Museum behandelt unter anderem den Swiss Market Index. Der SMI bildet die Entwicklung der grössten und liquidesten Unternehmen des Schweizer Aktienmarkts ab.

Die frühere Sonderausstellung «30 Jahre SMI – Aktienindizes erklärt!» zeigte anhand historischer Wertpapiere, wie sich die Struktur der Schweizer Wirtschaft und die Zusammensetzung wichtiger Indizes veränderten.[4]

Schweizer Finanzplatz

Der Schweizer Finanzplatz entwickelte sich gemeinsam mit Industrie, Aussenhandel, Tourismus und internationaler Vermögensverwaltung.

Das Museum zeigt, dass ein Finanzplatz nicht nur aus Banken besteht. Zu seiner Infrastruktur gehören auch:

  • Börsen;
  • Clearingstellen;
  • Zentralverwahrer;
  • Zahlungssysteme;
  • Versicherungen;
  • Vermögensverwalter;
  • Finanzdatenanbieter;
  • Ratingagenturen;
  • Revisionsgesellschaften;
  • Aufsichtsbehörden;
  • Software- und Sicherheitsunternehmen.

Diese Institutionen ermöglichen es, Kapital zu beschaffen, Zahlungen auszuführen, Wertpapiere zu übertragen und Risiken zu verwalten.

Finanzmarktinfrastruktur

Viele Abläufe des Finanzmarkts sind für Privatpersonen kaum sichtbar. Nach einem Wertpapierkauf müssen Eigentumsübertragung, Zahlung, Verwahrung und Dokumentation koordiniert werden.

Das Museum erklärt die Aufgaben von SIX als Betreiberin zentraler Infrastrukturen des Schweizer Finanzplatzes. Dazu gehören insbesondere Börsendienstleistungen, Wertpapierabwicklung, Finanzinformationen und Teile des Zahlungsverkehrs.

Finanzmarktinfrastrukturen müssen hohe Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit, Geschwindigkeit und Genauigkeit erfüllen. Technische Ausfälle oder fehlerhafte Daten könnten zahlreiche Banken und Unternehmen gleichzeitig betreffen.

Zahlungsverkehr

Ein Teil der Dauerausstellung beschäftigt sich mit der Entwicklung des Bezahlens. Behandelt werden Bargeld, Konten, Schecks, Einzahlungsscheine, Kreditkarten, Bancomaten, E-Banking und mobile Bezahlsysteme.

Elektronische Zahlungen bestehen nicht nur aus einer Nachricht zwischen Käufer und Verkäufer. Im Hintergrund müssen Banken, Zahlungsdienstleister, Kartenunternehmen und Abrechnungssysteme miteinander kommunizieren.

Die Ausstellung behandelt auch die mögliche Zukunft des Bargelds. Digitale Zahlungen sind schnell und bequem, schaffen jedoch Abhängigkeiten von Stromversorgung, Geräten, Netzwerken und privaten oder staatlichen Infrastrukturen.

Sammlung

Umfang und zeitliche Einordnung

Die Sammlung der Stiftung umfasst rund 10'000 Wertpapiere aus über 150 Ländern. Vertreten sind alle wichtigen Epochen seit dem 16. Jahrhundert sowie zahlreiche Branchen.[2]

Zu den Beständen gehören unter anderem:

  • Aktien;
  • Obligationen;
  • Staatsanleihen;
  • Eisenbahnanleihen;
  • Bergwerksaktien;
  • Gründeranteile;
  • Interimsscheine;
  • Genuss- und Partizipationsscheine;
  • Hypothekaranleihen;
  • Options- und Wandelpapiere;
  • Zinscoupons.

Nur ein kleiner Teil kann dauerhaft ausgestellt werden. Weitere Objekte befinden sich im Depot und werden für Sonderausstellungen, Forschung, Publikationen und digitale Angebote verwendet.

Branchen

Die Sammlung dokumentiert nahezu alle wichtigen Wirtschaftszweige der Neuzeit. Dazu gehören:

  • Banken und Versicherungen;
  • Fernhandel;
  • Eisenbahnen und Strassenbahnen;
  • Schifffahrt;
  • Bergbau und Metallindustrie;
  • Energieversorgung;
  • Automobil- und Flugzeugbau;
  • Chemie und Pharmaindustrie;
  • Telekommunikation;
  • Lebensmittelproduktion;
  • Landwirtschaft;
  • Tourismus;
  • Film, Medien und Unterhaltung;
  • Sport und Freizeit;
  • Kunsthandel und Museen.

Anhand der Wertpapiere lassen sich wirtschaftliche Aufstiege, Fusionen, Umbenennungen, Krisen und Zusammenbrüche nachvollziehen.

Älteste Objekte

Zu den frühen Dokumenten gehören Wertpapiere und Anleihen aus der Zeit der europäischen Fernhandelsgesellschaften.

Im Museum wird unter anderem eine Anleihe der Niederländischen Ostindien-Kompanie von 1623 gezeigt. Die Gesellschaft gehörte zu den frühen international tätigen Aktiengesellschaften und war am Handel zwischen Europa und Asien beteiligt.[6]

Solche Dokumente verweisen auch auf die kolonialen und gewaltsamen Seiten der frühen Globalisierung. Handelsgesellschaften übten teilweise staatliche Funktionen aus, führten Kriege und kontrollierten Gebiete ausserhalb Europas.

Historische Persönlichkeiten

Die Stiftung besitzt Wertpapiere mit Originalunterschriften bekannter Persönlichkeiten. Genannt werden unter anderem:

  • Maria Theresia;
  • Thomas Alva Edison;
  • John D. Rockefeller.

Die Dokumente verbinden Finanzgeschichte mit politischen, technischen und unternehmerischen Biografien. Ihr heutiger Sammlerwert kann erheblich höher sein als der ursprüngliche Nennwert.

Wertpapiergestaltung

Physische Wertpapiere mussten vor Fälschungen geschützt werden und bei Anlegern Vertrauen schaffen. Viele Urkunden wurden deshalb aufwendig grafisch gestaltet.

Verwendet wurden unter anderem:

  • Ornamente;
  • Wappen;
  • allegorische Figuren;
  • Fabrik- und Landschaftsdarstellungen;
  • Lokomotiven, Schiffe und Flugzeuge;
  • Porträts;
  • Sicherheitsmuster;
  • Wasserzeichen;
  • besondere Druckverfahren;
  • schwer reproduzierbare Linienmuster.

Manche Wertpapiere besitzen einen bedeutenden kunst- und druckgeschichtlichen Wert. Andere sind bewusst sachlich gehalten und ähneln amtlichen Dokumenten.

Historische Aussagekraft

Wertpapiere enthalten Angaben über:

  • Firmennamen;
  • Unternehmenssitz;
  • Rechtsform;
  • Grundkapital;
  • Währung;
  • Nennwert;
  • Zinssatz;
  • Laufzeit;
  • Verwaltungsräte;
  • Zahlungsstellen;
  • Eigentumsübertragungen.

Stempel, Coupons, Lochungen und handschriftliche Vermerke dokumentieren, ob Zinsen bezahlt, Papiere übertragen oder Urkunden ungültig gemacht wurden.

Die Dokumente können auch problematische Aspekte der Wirtschaftsgeschichte sichtbar machen. Dazu gehören Kolonialismus, Zwangsarbeit, Sklaverei, Umweltzerstörung, Kriegsfinanzierung, Spekulation und politische Machtkonzentration.

Sonderausstellungen

Berühmt

Die erste Sonderausstellung des Zürcher Museums trug den Titel «Berühmt – Aus der Sammlung des Finanzmuseums».

Sie zeigte Wertpapiere, die mit bekannten Persönlichkeiten verbunden waren. Behandelt wurden unter anderem Charlie Chaplin, Maria Theresia und Johann Wolfgang von Goethe.[1]

Die Ausstellung verdeutlichte, dass historische Finanzdokumente nicht nur Unternehmensgeschichten erzählen, sondern auch mit Politik, Kunst, Wissenschaft und persönlicher Biografie verbunden sein können.

30 Jahre SMI

Die Ausstellung «30 Jahre SMI – Aktienindizes erklärt!» entstand anlässlich des dreissigjährigen Bestehens des Swiss Market Index.

Sie erläuterte, wie Indizes berechnet werden und weshalb sich ihre Zusammensetzung verändert. Historische Aktien aus der Schweiz und dem Ausland zeigten die Entwicklung verschiedener Wirtschaftsbranchen.

Sport und Geld

Die Sonderausstellung «Sport & Geld» untersuchte die wirtschaftliche Seite des Sports. Sie behandelte unter anderem Fussball, Tennis, Formel 1, Pferdesport und Wintersport.

Zu den Themen gehörten:

  • Sponsoring;
  • Preisgelder;
  • Medienrechte;
  • Vereinsfinanzierung;
  • Sportinfrastruktur;
  • Ausbildungskosten;
  • Vermarktung von Athleten;
  • wirtschaftliche Risiken einer Profikarriere.

Wesentliche Inhalte wurden später in eine digitale Ausstellung übernommen.[7]

Von Wert?

Die partizipative Ausstellung «Von Wert?» beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen materiellen und immateriellen Dingen einen Wert zuweisen.

Behandelt wurden unter anderem Geld, Daten, Erinnerungen, Kunst, Zeit und soziale Beziehungen. Die Ausstellung thematisierte zugleich den Übergang von physischen zu digitalen Vermögenswerten.[8]

Banken im Wandel

Die 2022 eröffnete Sonderausstellung «Banken im Wandel – Vom Schalter zur App» verfolgte die Entwicklung des Bankwesens von frühen Banken und Sparbüchern bis zu Onlinebanking, Smartphone-Anwendungen und Neobanken.

Thematisiert wurden unter anderem:

  • Bankfilialen und Schalterbetrieb;
  • Bankkonten und Sparbücher;
  • Bancomaten;
  • Karten und E-Banking;
  • digitale Banken;
  • automatisierte Anlageberatung;
  • Kryptowährungen;
  • digitale Vermögenswerte;
  • veränderte Kundenerwartungen.[9]

Kunst macht Geld

Die 2024 eröffnete Ausstellung «kunst.macht.geld» untersucht die Verbindungen zwischen Kunstmarkt und Finanzwirtschaft.

Kunstwerke besitzen einen kulturellen, persönlichen und finanziellen Wert. Sie werden gesammelt, versteigert, vererbt und teilweise als Anlageobjekte erworben.

Die Ausstellung behandelt die Rolle von:

  • Künstlerinnen und Künstlern;
  • Galerien;
  • Auktionshäusern;
  • Sammlern;
  • Investoren;
  • Museen;
  • Banken;
  • Versicherungen;
  • Kunstberatern.

Sie vergleicht die Preisbildung von Kunstwerken mit jener von börsenkotierten Vermögenswerten. Gleichzeitig werden die Besonderheiten des Kunstmarkts hervorgehoben, darunter geringe Transparenz, schwierige Vergleichbarkeit, Fälschungsrisiken und eine weitgehend dezentrale Preisbildung.

Weitere Themen sind Steuerhinterziehung, Geldwäscherei, Provenienzforschung, Digitalisierung und die Tokenisierung von Kunstwerken. Historische Wertpapiere von Unternehmen des Kunstmarkts und künstlerisch gestaltete Aktien ergänzen die Präsentation.[10]

Finanzbildung

Die Förderung finanzieller Allgemeinbildung gehört zu den zentralen Aufgaben des Museums. Kenntnisse über Geld, Konsum, Kredite, Sparen, Investieren und Risiken sollen Menschen dabei unterstützen, eigenständige wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.

Finanzthemen werden in der Schule nicht überall gleich umfassend behandelt. Das Museum versucht deshalb, abstrakte Begriffe mit historischen Objekten, Spielen und Alltagssituationen zu verbinden.

Zu den behandelten Grundlagen gehören:

  • Einnahmen und Ausgaben;
  • Budgetierung;
  • Sparen;
  • Zins und Zinseszins;
  • Schulden;
  • Versicherungen;
  • Anlage und Risiko;
  • Aktien und Obligationen;
  • Preisbildung;
  • nachhaltiger Konsum.

Das Museum beteiligt sich an Veranstaltungen wie der Swiss Money Week. Mit SIX und der Bildungsplattform Iconomix entwickelte es ausserdem einen Investment Strategy Contest für Gymnasien, Berufsmaturitätsschulen und Berufsfachschulen.[11]

Angebote für Schulen

Für Schulklassen bestehen stufengerechte Führungen und Workshops. Das Angebot richtet sich an Primarschulen, die Sekundarstufe I und Schulen der Sekundarstufe II.

Jüngere Kinder beschäftigen sich spielerisch mit der Entstehung und Bedeutung des Geldes. Ältere Schülerinnen und Schüler lernen Grundlagen von Börse, Kapitalmarkt, Unternehmensfinanzierung und Anlageentscheidungen kennen.

Die Programme orientieren sich teilweise am Lehrplan und können Themen aus Wirtschaft, Arbeit und Haushalt, Geschichte, Mathematik und politischer Bildung ergänzen.

Schulklassen und grössere Gruppen müssen ihren Besuch im Voraus anmelden.[5]

Audioguide und digitale Angebote

Das Schweizer Finanzmuseum bietet einen kostenlosen digitalen Audioguide in deutscher und englischer Sprache an. Er ist als mobile Anwendung und als browserbasierte Webanwendung verfügbar.

Neben Rundgängen durch die Dauer- und Sonderausstellung bestehen eine Kindertour und eine Rallye-Tour.[12]

Digitale Ausstellungen behandeln unter anderem:

  • die Geschichte des Börsenhandels;
  • Sport und Geld;
  • historische Wertpapiere;
  • die Wirtschaft der 1920er-Jahre;
  • die Entwicklung des Bankwesens.

Ergänzt werden die Angebote durch Podcasts, Blogbeiträge, Videos und Interviews mit Fachpersonen.

Führungen und Veranstaltungen

Das Museum bietet regelmässige öffentliche Führungen sowie privat buchbare Rundgänge an.

Private Führungen sind auf Deutsch, Englisch und Französisch möglich. Auf Anfrage bestehen thematische Formate, darunter Führungen zur Geschichte des Börsenhandels, zu Alfred Escher oder zu Sonderausstellungen.

Für Erwachsene wurde das Veranstaltungsformat «Crime & Wine» entwickelt. Dabei lösen die Teilnehmenden einen fiktiven Kriminalfall und lernen gleichzeitig Stationen der Wirtschafts- und Finanzgeschichte kennen.

Die Museumsräume können für Empfänge, Abendveranstaltungen und kleinere Firmenanlässe genutzt werden. Sie bieten Platz für ungefähr 100 Personen.[3]

Trägerschaft und Organisation

Das Schweizer Finanzmuseum wird von der Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere betrieben. Die Stiftung besitzt ihren rechtlichen Sitz in Olten.[13]

SIX gründete die Stiftung und stellt dem Museum Räume im eigenen Hauptsitz zur Verfügung. Zudem unterstützt das Unternehmen den Betrieb organisatorisch und finanziell.

Die Verbindung mit SIX ermöglicht den Zugang zu Fachwissen über:

  • Börsenhandel;
  • Wertpapierabwicklung;
  • Zahlungsverkehr;
  • Finanzdaten;
  • Digitalisierung;
  • Finanzmarktinfrastruktur.

SIX betrachtet das Museum als Beitrag zur Kultur- und Bildungslandschaft der Schweiz.[14]

Verhältnis zur SIX Group

SIX ist Eigentum verschiedener Schweizer Banken und betreibt zentrale Infrastrukturen für den schweizerischen und internationalen Finanzmarkt.

Zu den Tätigkeitsfeldern gehören Börsen, Wertpapierdienstleistungen, Finanzinformationen und Bankdienstleistungen. SIX betreibt unter anderem die SIX Swiss Exchange.

Das Museum ist rechtlich nicht einfach eine Abteilung der Börse, sondern wird durch die gemeinnützige Stiftung getragen. Die Nähe zum Finanzinfrastrukturunternehmen prägt jedoch Inhalt, Standort und Finanzierung.

Diese Verbindung bietet Vorteile, weil aktuelle technische Entwicklungen fachlich erklärt werden können. Gleichzeitig besteht die museale Aufgabe darin, nicht nur Innovationen und Erfolge, sondern auch Krisen, Interessenkonflikte, Risiken und gesellschaftliche Kritik am Finanzsystem einzuordnen.

Finanzgeschichte als Museumsthema

Finanzmärkte werden häufig als abstrakte Welt aus Zahlen, Kursen und Computerdaten wahrgenommen. Historische Wertpapiere machen sichtbar, dass hinter jeder Finanzierung konkrete Unternehmen, Projekte und gesellschaftliche Entscheidungen stehen.

Der Bau einer Eisenbahn, eines Kraftwerks oder einer Fabrik benötigte Kapital. Aktien und Obligationen ermöglichten es, dieses Kapital bei zahlreichen Anlegern zu beschaffen.

Die Dokumente zeigen gleichzeitig, dass Finanzwirtschaft nicht immer zu wirtschaftlichem Erfolg führte. Zahlreiche Gesellschaften scheiterten, wurden aufgelöst oder gingen in anderen Unternehmen auf.

Die Sammlung verdeutlicht deshalb sowohl die produktive Funktion der Kapitalmärkte als auch ihre Risiken:

  • Finanzierung technischer Innovationen;
  • Verteilung wirtschaftlicher Risiken;
  • Spekulationsblasen;
  • Unternehmenszusammenbrüche;
  • staatliche Zahlungsausfälle;
  • politische und koloniale Machtstrukturen;
  • ungleiche Verteilung von Vermögen.

Bedeutung für Zürich

Zürich ist der bedeutendste Finanzplatz der Schweiz und einer der wichtigsten Finanzstandorte Europas. Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltungen, Fintech-Unternehmen und Finanzmarktinfrastrukturen beschäftigen einen erheblichen Teil der regionalen Erwerbsbevölkerung.

Das Schweizer Finanzmuseum ergänzt die zahlreichen Kunst-, Technik-, Kultur- und Geschichtsmuseen der Stadt um ein wirtschaftshistorisches Spezialmuseum.

Sein Standort in Zürich-West verbindet die Geschichte der Finanzwirtschaft mit einem Stadtgebiet, das selbst einen tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel durchlief. Frühere Industrieflächen wurden zu Büro-, Wohn-, Bildungs- und Kulturstandorten umgebaut.

Bedeutung für die Schweiz

Banken, Versicherungen, Börsen und Vermögensverwaltung spielen eine bedeutende Rolle für die Schweizer Volkswirtschaft und für das internationale Bild des Landes.

Trotzdem wurden Börsen- und Finanzgeschichte vor der Eröffnung des Museums nur punktuell in öffentlichen Ausstellungen behandelt. Das Schweizer Finanzmuseum schliesst deshalb eine thematische Lücke.

Es erfüllt drei zentrale Funktionen:

  • Bewahrung historischer Finanzdokumente;
  • Vermittlung von Wirtschafts- und Finanzgeschichte;
  • Förderung finanzieller Allgemeinbildung.

Die Sammlung dokumentiert nicht nur den Schweizer Finanzplatz. Internationale Wertpapiere zeigen, wie stark die schweizerische Wirtschaft mit globalen Kapitalströmen, Unternehmen und politischen Entwicklungen verbunden war.

Kritik und Herausforderungen

Nähe zur Finanzbranche

Die Finanzierung und die institutionelle Nähe zu SIX können Fragen nach der Unabhängigkeit der Darstellung aufwerfen.

Ein von einem Finanzmarktunternehmen unterstütztes Museum muss wirtschaftliche Innovation und die Leistungen der Finanzinfrastruktur erklären, gleichzeitig aber auch Krisen, Marktversagen und gesellschaftliche Konflikte berücksichtigen.

Eine ausgewogene Darstellung umfasst daher Themen wie Spekulation, Finanzkrisen, Geldwäscherei, Kolonialismus, Steuerhinterziehung und wirtschaftliche Ungleichheit.

Komplexität der Themen

Finanzinstrumente und Marktinfrastrukturen sind teilweise sehr komplex. Eine starke Vereinfachung erleichtert den Zugang, kann jedoch wichtige Unterschiede und Risiken verdecken.

Das Museum begegnet dieser Herausforderung durch verschiedene Vermittlungsebenen. Kurze Erklärungen werden durch vertiefende Texte, historische Objekte, Führungen und digitale Angebote ergänzt.

Digitalisierung der Sammlung

Die Sammlung ist wesentlich grösser als die verfügbare Ausstellungsfläche. Nur ein kleiner Teil der rund 10'000 Objekte kann gleichzeitig gezeigt werden.

Digitale Kataloge und Ausstellungen könnten weitere Bestände zugänglich machen. Dabei müssen Urheberrecht, Bildqualität, wissenschaftliche Erschliessung und langfristige Datenhaltung berücksichtigt werden.

Veränderung des Finanzsystems

Neue Entwicklungen wie Blockchain, digitale Zentralbankwährungen, künstliche Intelligenz, Open Banking und tokenisierte Vermögenswerte verändern die Finanzwirtschaft rasch.

Ein Finanzmuseum muss seine Ausstellung deshalb häufiger aktualisieren als viele historische Museen. Gleichzeitig darf die langfristige Entwicklung nicht von kurzfristigen technologischen Trends überlagert werden.

Siehe auch

Literatur

  • Jakob Schmitz: Aufbruch auf Aktien. Vom Fernhandel zur Industrialisierung. Sammlung historischer Wertpapiere.
  • Schweizer Finanzmuseum: Banken im Wandel – Vom Schalter zur App. Begleitmaterial zur Sonderausstellung, Zürich 2022.
  • Schweizer Finanzmuseum: kunst.macht.geld. Begleitmaterial zur Sonderausstellung, Zürich 2024.
  • Stiftung Sammlung historischer Wertpapiere: Sammlungs- und Ausstellungskataloge, Olten und Zürich.

Einzelnachweise