Neuenburgersee

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Neuenburgersee
Französischer Name Lac de Neuchâtel
Lage Westschweiz, Drei-Seen-Land
Kantone Neuenburg, Waadt, Freiburg, Bern
Koordinaten 46° 54′ N, 6° 51′ O
Höhe etwa 429,3 m ü. M.[1]
Fläche etwa 217,9 km²[2]
Länge etwa 38,3 km
Maximale Breite etwa 8,2 km
Maximale Tiefe 153 m
Volumen etwa 13,9 km³
Einzugsgebiet 2'679 km²[1]
Wichtigste Zuflüsse Zihl/Thielle, Areuse, Broyekanal, Arnon, Menthue, Seyon
Abfluss Zihlkanal zum Bielersee
Aufenthaltszeit etwa 8 Jahre[3]

Der Neuenburgersee (französisch Lac de Neuchâtel) ist ein See am Jurasüdfuss in der Westschweiz. Mit einer Fläche von rund 218 km² ist er der grösste See, der vollständig innerhalb der Schweiz liegt. Grössere Schweizer Seen wie der Genfersee und der Bodensee erstrecken sich auch über Staatsgrenzen. Der Neuenburgersee gehört zu den Kantonen Neuenburg, Waadt, Freiburg und Bern.

Gemeinsam mit dem Bielersee und dem Murtensee bildet er das Gewässersystem der drei Jurarandseen und den landschaftlichen Mittelpunkt des Drei-Seen-Landes. Über den Broyekanal ist er mit dem Murtensee und über den Zihlkanal mit dem Bielersee verbunden. Die Wasserstände der drei Seen beeinflussen sich gegenseitig und werden im Rahmen der Juragewässerkorrektion gemeinsam bewirtschaftet.

Das Nordwestufer ist durch die Hänge des Juras, Weinberge und dicht besiedelte Ortschaften geprägt. Am flacheren Südostufer erstreckt sich mit der Grande Cariçaie die grösste Seeufer-Feuchtlandschaft der Schweiz. Zahlreiche prähistorische Fundstellen, darunter mehrere Pfahlbausiedlungen und der namengebende Fundort La Tène, machen den See zugleich zu einem der bedeutendsten archäologischen Räume des Landes.

Name

Die heutige deutsche Bezeichnung Neuenburgersee und der französische Name Lac de Neuchâtel beziehen sich auf die Stadt Neuenburg am Nordwestufer. Der Name setzte sich jedoch erst im 18. Jahrhundert allgemein durch, als die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt und der Grafen beziehungsweise Fürsten von Neuenburg zunahm.

In älteren Quellen trug der See unterschiedliche Namen. Bereits 998 ist die lateinische Form lacus everdunensis belegt, aus der die Bezeichnung Lac d’Yverdon hervorging. Dieser Name blieb bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchlich. Im Mittelalter finden sich ausserdem die Bezeichnungen Lac d’Estavayer und Lac de Cudrefin.[4]

Geografie

Lage und Gestalt

Der Neuenburgersee erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten parallel zur ersten Jurakette. Er ist etwa 38 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle etwas mehr als acht Kilometer breit. Seine langgestreckte Form folgt einer geologischen Senke zwischen dem Kalkjura im Nordwesten und den Molasselandschaften des Mittellandes im Südosten.

Das Seebecken weist eine maximale Tiefe von 153 Metern auf. Der tiefste Bereich liegt ungefähr in der Längsachse des Sees zwischen dem Neuenburger Ufer und dem freiburgisch-waadtländischen Südufer. Mit einem Wasservolumen von rund 13,9 km³ enthält der Neuenburgersee deutlich mehr Wasser als der Bieler- und der Murtensee zusammen. Die theoretische mittlere Aufenthaltszeit des Wassers beträgt etwa acht Jahre.[3]

Die Uferlandschaften unterscheiden sich stark. Das Nordwestufer steigt vielerorts rasch zum Jura an. Zwischen Neuenburg, Auvernier, Cortaillod, Bevaix und La Grande Béroche liegen alte Weinbaudörfer, Rebflächen, Siedlungen und Verkehrswege auf engem Raum. Das gegenüberliegende Südostufer ist flacher. Dort wechseln breite Schilfgürtel, Flachmoore, Auenwälder, Sandstrände und landwirtschaftlich genutzte Gebiete einander ab.

Am südwestlichen Ende liegt Yverdon-les-Bains in der Ebene der Zihl beziehungsweise Thielle. Das nordöstliche Ende geht in die flache Landschaft des Grossen Mooses und in die Kanäle zum Murten- und Bielersee über. Grössere natürliche Inseln besitzt der Neuenburgersee nicht. Im Bereich der Schutzgebiete Fanel und Chablais de Cudrefin wurden jedoch Inseln und Flachwasserzonen als Rückzugsräume für Wasservögel geschaffen oder ökologisch aufgewertet.

Kantone und Orte am See

Der grösste Teil des Nordwestufers gehört zum Kanton Neuenburg. Der Kanton Waadt besitzt ausgedehnte Uferabschnitte im Südwesten und am südlichen Seeufer, der Kanton Freiburg vor allem am Südostufer. Zum Kanton Bern gehört ein kleiner Abschnitt am nordöstlichen Ende im Gebiet von Gampelen und Fanel. Nach historischen Flächenangaben entfallen ungefähr 86 km² der Wasserfläche auf Neuenburg, 74 km² auf Waadt, 53 km² auf Freiburg und 2 km² auf Bern.[4]

Die grössten Städte am See sind Neuenburg und Yverdon-les-Bains. Weitere bedeutende Uferorte sind Estavayer-le-Lac, Grandson, Auvernier, Cortaillod, Bevaix, Saint-Aubin-Sauges, Vaumarcus, Yvonand, Cheyres, Portalban, Chevroux und Cudrefin. Viele dieser Orte besitzen historische Hafenanlagen, mittelalterliche Ortskerne oder eine lange Tradition im Weinbau und in der Fischerei.

Entstehung und Geologie

Das heutige Seebecken wurde während der Eiszeiten durch den Rhonegletscher und seine Seitenarme geformt und übertieft. Nach dem Rückzug des Gletschers staute eine Endmoräne bei Wangen an der Aare zunächst einen grossen See, der in der Forschung als Solothurnersee bezeichnet wird. Dieser erstreckte sich zeitweise über rund 100 Kilometer von der Gegend bei Wangen bis nach Payerne und La Sarraz.

Nachdem der natürliche Damm mehrere Jahrtausende später durchbrochen worden war, sank der Wasserstand. In den tieferen Becken blieben der Bielersee, der Neuenburgersee und der Murtensee zurück.[3] Sedimente, Moränen und Schwemmebenen bestimmten die weitere Entwicklung der Ufer. Die Zuflüsse lagerten besonders an den flachen Enden des Sees Sand, Kies und feines Material ab.

Der Untergrund am Nordwestufer wird von Kalkgesteinen des Juras geprägt. Karstquellen und Flüsse führen Wasser aus den Juratälern zum See. Am Südostufer dominieren Molasse, eiszeitliche Ablagerungen und junge See- und Flusssedimente. Findlinge und andere vom Rhonegletscher transportierte Gesteine erinnern an die glaziale Entstehungsgeschichte.

Hydrologie

Zuflüsse und Abfluss

Der hydrologisch wichtigste Zufluss erreicht den See bei Yverdon-les-Bains. Die aus dem Vallée de Joux kommende Orbe vereinigt sich in der Orbeebene mit dem Talent und wird im Unterlauf Zihl beziehungsweise französisch Thièle genannt. Ihr Einzugsgebiet reicht teilweise bis nach Frankreich.

Die Areuse mündet westlich von Neuenburg bei Boudry in den See und entwässert einen grossen Teil des Neuenburger Juras. Weitere Zuflüsse vom Jura sind der Arnon und der Seyon. Vom Mittelland her münden unter anderem die Menthue und mehrere kleinere Bäche in das Südostufer.

Der kanalisierte Unterlauf der Broye, der Broyekanal, verbindet den Murtensee mit dem Neuenburgersee. Der Abfluss erfolgt am nordöstlichen Ende durch den Zihlkanal in den Bielersee. Von dort gelangt das Wasser über die Aare und den Rhein in die Nordsee.

Die Fliessrichtung in den Verbindungskanälen ist nicht unveränderlich. Bei hohen Wasserständen im Bielersee kann sich der Abfluss im Zihlkanal verlangsamen, zum Stillstand kommen oder zeitweise umkehren. Auch im Broyekanal ist je nach Pegeldifferenz eine Strömung in beide Richtungen möglich.[5]

Wasserstand und Durchmischung

Der langjährige mittlere Wasserstand liegt bei ungefähr 429,3 m ü. M. Die Messstation Neuenburg, Nid-du-Crô, erfasst den Pegel seit 1855. Für die gesamte dort ausgewiesene Messperiode beträgt das Jahresmittel ebenfalls rund 429,29 m ü. M.[1]

Die längliche Form des Sees bündelt Westwinde und die kalte Bise entlang seiner Längsachse. Hinzu kommt der Joran, ein teilweise stürmischer Fallwind vom Jura. Diese Windverhältnisse fördern im Winterhalbjahr die Durchmischung des Wasserkörpers. Sie können jedoch innerhalb kurzer Zeit hohen Wellengang erzeugen und für kleine Boote, Seglerinnen, Paddler und Badende gefährlich werden.

Juragewässerkorrektion

Vor dem 19. Jahrhundert schwankten die Pegel der drei Jurarandseen erheblich. Hochwasser überfluteten wiederholt das Grosse Moos und andere tiefliegende Gebiete zwischen Yverdon, Murten, Biel und Solothurn. Landwirtschaftliche Flächen, Siedlungen und Verkehrswege wurden beschädigt, während versumpfte Böden die wirtschaftliche Entwicklung des Seelandes erschwerten.

Die Erste Juragewässerkorrektion wurde von 1868 bis 1891 ausgeführt. Zu den wichtigsten Massnahmen gehörten die Umleitung der Aare durch den Hagneckkanal in den Bielersee, der Bau des Nidau-Büren-Kanals sowie der Ausbau der Broye und der Zihl zu leistungsfähigen Verbindungskanälen. Der Pegel des Neuenburgersees sank um ungefähr 2,7 Meter; seine Oberfläche verkleinerte sich um rund 24 km².[3]

Die Absenkung legte breite Uferstreifen und Flachwasserbereiche frei. Ein Teil wurde landwirtschaftlich genutzt oder überbaut. Am Südostufer entwickelten sich auf Sand- und Schlickflächen ausgedehnte Röhrichte, Moore und Auenwälder, aus denen die heutige Grande Cariçaie hervorging. Gleichzeitig wurden zahlreiche zuvor vom Wasser geschützte archäologische Fundplätze zugänglich.

Die Entwässerung der Moorböden führte zu einer fortschreitenden Absenkung des Geländes. Zudem blieben die Abflusskapazitäten ungenügend, und bei Niedrigwasser sanken die Seen teilweise stärker als erwünscht. Das Regulierwehr Port am Ausfluss des Bielersees wurde 1936 bis 1939 als vorgezogene Massnahme gebaut. Die Zweite Juragewässerkorrektion von 1962 bis 1973 vergrösserte und vertiefte die Kanäle und verbesserte die gemeinsame Regulierung.

Der Neuenburgersee kann nicht unmittelbar durch ein eigenes Wehr gesteuert werden. Sein Pegel wird indirekt über den Bielersee und das Regulierwehr Port beeinflusst. Wegen seiner grossen Fläche reagiert er langsamer als der Bielersee, kann dafür aber erhebliche Wassermengen aufnehmen. Das System vermindert die Hochwassergefahr stark, kann sie bei aussergewöhnlichen Niederschlägen und grossräumigen Hochwasserlagen jedoch nicht vollständig verhindern.

Natur und Landschaftsschutz

Grande Cariçaie

Die Grande Cariçaie erstreckt sich über rund 40 Kilometer entlang des Südostufers zwischen Yverdon-les-Bains und dem nordöstlichen Seeende. Mit annähernd 3'000 Hektaren bildet sie die grösste Seeufer-Feuchtlandschaft der Schweiz. Das Schutzgebiet umfasst Flachwasserzonen, Schilfröhrichte, Grossseggenriede, Flachmoore, Feuchtwiesen, Auenwälder und bewaldete Uferhänge.

In der Grande Cariçaie sind heute neun Naturschutzgebiete und geschützte Zonen zusammengefasst. Das Gebiet beherbergt ungefähr 800 Pflanzen- und rund 10'000 Tierarten. Damit kommt auf vergleichsweise kleiner Fläche ein beträchtlicher Teil der schweizerischen Artenvielfalt vor.[6]

Die Uferlandschaft ist als Ramsar-Gebiet von internationaler Bedeutung anerkannt. Teile gehören zudem zu Moor-, Auengebiets- und Wasser- und Zugvogelreservaten von nationaler Bedeutung. Pflegeeingriffe wie das Mähen von Schilf- und Seggenflächen, die Offenhaltung von Flachmooren und die Steuerung der Besucherströme sollen verhindern, dass empfindliche Lebensräume verbuschen oder durch Freizeitnutzung beeinträchtigt werden.

Das Pro-Natura-Zentrum Champ-Pittet bei Cheseaux-Noréaz und das BirdLife-Naturzentrum La Sauge bei Cudrefin vermitteln Wissen über die Lebensräume des Sees. Beobachtungstürme, markierte Wege und Informationsstellen ermöglichen Naturbeobachtungen, ohne die besonders empfindlichen Kernzonen zu öffnen.

Tier- und Pflanzenwelt

Die Flachwasser- und Schilfzonen sind Laich- und Jungfischgebiete sowie Lebensraum für Amphibien, Reptilien und zahlreiche Wirbellose. Im See leben unter anderem Egli, Hecht, Seeforelle, Zander, verschiedene Karpfenfische und mehrere Formen der Felchen. Regional werden die wichtigsten Felchen als Palée und Bondelle bezeichnet.

Für Wasservögel ist der Neuenburgersee ein Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet von internationaler Bedeutung. Haubentaucher, verschiedene Entenarten, Rallen, Möwen, Reiher und Kormorane nutzen die Ufer und offenen Wasserflächen. In den Schutzgebieten Fanel und Chablais de Cudrefin konzentrieren sich während des Vogelzugs grosse Bestände. Auch der Biber hat Uferabschnitte und Zuflüsse wiederbesiedelt.

Die natürliche Vegetation reicht von Unterwasserpflanzen und Schwimmblattgesellschaften über Schilf und Seggen bis zu Weiden- und Erlenwäldern. Seltene Orchideen und andere Feuchtgebietspflanzen kommen in den regelmässig gepflegten Moorwiesen vor.

Wasserqualität und Umweltschutz

Im 20. Jahrhundert nahm die Belastung des Sees durch ungeklärte Siedlungsabwässer, Landwirtschaft und Industrie stark zu. Die Phosphorkonzentration stieg bis um 1980 auf Werte, die einem eutrophen Zustand entsprachen. Der Ausbau der Kanalisation und der Abwasserreinigungsanlagen, das Verbot phosphathaltiger Textilwaschmittel und Verbesserungen in der Landwirtschaft senkten die Nährstoffbelastung anschliessend deutlich.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts liegen die Phosphorkonzentrationen nach den Untersuchungen des Bundes in einem oligotrophen Bereich. Wegen der regelmässigen winterlichen Durchmischung blieb auch das Tiefenwasser vergleichsweise gut mit Sauerstoff versorgt. Die gesetzlichen Anforderungen an den Sauerstoffgehalt wurden im Untersuchungszeitraum erfüllt.[3]

Neue Herausforderungen sind Mikroverunreinigungen aus Siedlungen und Landwirtschaft, Pestizide, Nährstoffeinträge aus den Zuflüssen, Uferverbauungen, invasive Arten und die Erwärmung des Sees infolge des Klimawandels. In warmen Perioden können lokal Massenentwicklungen von Cyanobakterien auftreten. Sichtbare Schlieren oder ungewöhnlich gefärbte Wasseransammlungen sollten gemieden und behördliche Badehinweise beachtet werden.[7]

Der Schutz des Neuenburgersees ist eine interkantonale Aufgabe. Die beteiligten Kantone überwachen Wasserqualität, Fischbestände, Uferlebensräume und Badegewässer. Wegen der Vernetzung über Broye, Zihl und Aare müssen viele Massnahmen mit dem gesamten Drei-Seen-System abgestimmt werden.

Ur- und Frühgeschichte

Die Ufer des Neuenburgersees gehören zu den fundreichsten archäologischen Landschaften Europas. Schwankende Wasserstände und der feuchte Untergrund konservierten Holz, Pflanzenreste, Textilien und andere organische Materialien, die an trockenen Fundstellen meist nicht erhalten bleiben.

Spätpaläolithische Lagerplätze bei Hauterive-Champréveyres und Neuenburg-Monruz belegen die Anwesenheit von Jäger- und Sammlergruppen um 13'000 v. Chr. Dort wurden Feuerstellen, Werkplätze zur Bearbeitung von Feuerstein und Tierknochen gefunden. Mit der Erwärmung des Klimas veränderten sich Vegetation, Tierwelt und Lebensweise.

Ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. verbreiteten sich Ackerbau und Viehzucht. Seit etwa 4000 v. Chr. entstanden an geeigneten Buchten immer wieder Ufersiedlungen. Erhaltene Holzpfähle erlauben teilweise eine jahrgenaue dendrochronologische Datierung. Fundplätze bei Auvernier, Cortaillod, Bevaix, Saint-Aubin, Concise, Corcelettes und anderen Orten dokumentieren das Neolithikum und die Bronzezeit über mehrere Jahrtausende.[4]

Mehrere Fundstätten am Neuenburgersee gehören zum seriellen UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen. Dieses umfasst 111 ausgewählte Fundstellen in sechs Ländern, darunter 56 in der Schweiz.[8] Die Überreste liegen vielfach unter Wasser oder im feuchten Uferboden und sind für Besucherinnen und Besucher nicht unmittelbar sichtbar.

Am nordöstlichen Seeende liegt der Fundort La Tène. Im 19. und 20. Jahrhundert kamen dort mehrere Tausend keltische Waffen, Werkzeuge, Schmuckstücke und weitere Gegenstände zum Vorschein. Der Ort gab der Latènezeit, der jüng jüngeren Eisenzeit Europas, ihren international verwendeten Namen. Ein Teil der Funde wird im archäologischen Museum Laténium in Hauterive aufbewahrt und ausgestellt.

Auch aus römischer Zeit sind Siedlungen, Hafenanlagen und Schiffe bekannt. Yverdon, das antike Eburodunum, entwickelte sich von einem helvetischen Oppidum zu einem römischen Vicus und später zu einem befestigten Platz. Am Südufer wurden über Broye und Murtensee Baumaterialien nach Aventicum transportiert. Einbäume und gallorömische Lastschiffe aus Yverdon, Bevaix und Cudrefin sind wichtige Zeugnisse der europäischen Schiffsarchäologie.

Geschichte seit dem Mittelalter

Im Mittelalter war der See weniger eine Grenze als ein Verkehrsraum. Herrschaftsgebiete und Besitzungen reichten häufig über das Wasser hinweg. Am Nordwestufer dominierten die Grafen von Neuenburg, während am West- und Südufer unter anderem die Herren von Grandson, die Herren von Estavayer und das Haus Savoyen Einfluss ausübten.

Nach den Burgunderkriegen gelangten grosse Teile des südlichen und westlichen Ufergebiets unter die Herrschaft Berns und Freiburgs. Das Nordwestufer blieb Bestandteil der Grafschaft und später des Fürstentums Neuenburg. Die historisch komplizierten Herrschaftsverhältnisse erklären teilweise die bis heute bestehende Aufteilung des Sees unter vier Kantone.

Der See diente dem Transport von Wein, Salz, Getreide, Baumaterial, Textilien und anderen Waren. Yverdon war ein wichtiger Umschlagplatz zwischen dem Genferseeraum, dem Jura und dem schweizerischen Mittelland. Der im 17. Jahrhundert begonnene Entreroches-Kanal sollte eine durchgehende Wasserverbindung zwischen Rhein und Rhone ermöglichen. Das letzte Teilstück zum Genfersee wurde jedoch nie vollendet.

Die Absenkung des Sees im Zuge der Juragewässerkorrektion veränderte ab dem späten 19. Jahrhundert Häfen, Uferlinien, Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung grundlegend. Im 20. Jahrhundert wurden Neuenburg und Yverdon-les-Bains zu regionalen Wirtschafts- und Bildungszentren. Während der Schweizer Landesausstellung Expo.02 befanden sich 2002 in beiden Städten sogenannte Arteplages direkt am oder über dem Wasser.

Schifffahrt

Die Nutzung des Sees als Verkehrsweg ist seit dem Neolithikum belegt. Einbäume, Segelboote und flachbodige Lastschiffe transportierten während Jahrhunderten Menschen und Waren. Die Kanalisierung von Broye und Zihl schuf im 19. Jahrhundert durchgehend schiffbare Verbindungen zum Murten- und Bielersee.

1826 verkehrte mit der L’Union eines der ersten Dampfschiffe auf dem Neuenburgersee. Ab 1834 setzte der Unternehmer Philippe Suchard die L’Industriel ein. Mehrere frühe Gesellschaften betrieben Personen- und Güterverkehr, gerieten jedoch nach dem Bau der Eisenbahnlinien ab 1860 unter wirtschaftlichen Druck.[4]

1872 entstand aus der Zusammenlegung zweier Unternehmen die heutige Société de Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat (LNM).[9] Die Kursschiffe verbinden während der Saison Neuenburg, Yverdon-les-Bains, Estavayer-le-Lac, Grandson und zahlreiche kleinere Uferorte. Durch den Broye- und den Zihlkanal sind Fahrten über alle drei Seen bis nach Murten, Biel und zur St. Petersinsel möglich.

Für den Gütertransport spielt die Schifffahrt heute nur noch eine geringe Rolle. Wichtig sind dagegen Ausflugsverkehr, Gastronomie, Veranstaltungen und die Verbindung touristischer Ziele. Häfen und Anlegestellen dienen zudem der Berufs- und Sportfischerei sowie einer grossen Zahl privater Segel- und Motorboote.

Wirtschaftliche Nutzung

Trinkwasser und Wasserentnahme

Der Neuenburgersee ist ein bedeutendes Trinkwasserreservoir. Seewasser wird aufbereitet und in die Versorgung von Städten und Gemeinden eingespeist. Das Bundesamt für Umwelt bezifferte die über den See versorgte Bevölkerung in seinem Faktenblatt auf rund 100'000 Personen.[3] Hinzu kommen Wasserentnahmen für Industrie, Landwirtschaft und weitere Zwecke.

Die Trinkwassernutzung stellt hohe Anforderungen an den Schutz vor Mikroverunreinigungen, Unfällen und biologischen Belastungen. Wasserfassungen, Aufbereitungsanlagen und Leitungen müssen ausserdem an Veränderungen der Temperatur und an invasive Organismen angepasst werden.

Fischerei

Die Fischerei ist seit vorgeschichtlicher Zeit nachgewiesen. Im Mittelalter regelten lokale Fischerzünfte Fangmethoden und Nutzungsrechte. Seit dem 19. Jahrhundert koordinieren die Uferkantone die Bewirtschaftung. Heute gilt ein Konkordat der Kantone Neuenburg, Waadt und Freiburg für die Berufs- und Freizeitfischerei auf dem gesamten See.

Wirtschaftlich wichtig sind vor allem Egli sowie die Felchenformen Palée und Bondelle. Daneben werden Hechte, Seeforellen, Zander, Winger, Brachsmen und weitere Arten gefangen. Im Jahr 2023 wurden insgesamt 127 Tonnen Fisch registriert, darunter rund 53 Tonnen Egli und 30 Tonnen Felchen.[10] Die Erträge schwanken jedoch stark und hängen von Nachwuchs, Nahrungsangebot, Wassertemperatur, Fangdruck und ökologischen Veränderungen ab.

Weinbau und Landwirtschaft

Am sonnenexponierten Nordwestufer reicht der Weinbau stellenweise bis nahe an den See. Besonders verbreitet sind Pinot Noir und Chasselas. Der See mildert lokale Temperaturschwankungen und prägt die Kulturlandschaft zwischen Neuenburg, Boudry und La Grande Béroche.

Am flachen Südostufer und in den angrenzenden Ebenen dominiert die Landwirtschaft. Viele der intensiv genutzten Flächen wurden erst durch die Juragewässerkorrektion und nachfolgende Entwässerungsprojekte dauerhaft bewirtschaftbar. Landwirtschaftliche Nutzung, Bodensenkung, Hochwasserschutz und Naturschutz stehen dort in einem engen und teilweise konfliktbeladenen Verhältnis.

Tourismus und Freizeit

Der Neuenburgersee ist ein wichtiges Erholungsgebiet der Westschweiz. Sand- und Kiesstrände, Strandbäder, Campingplätze und Häfen befinden sich insbesondere bei Yvonand, Cheyres, Estavayer-le-Lac, Portalban, Cudrefin, Saint-Blaise und Yverdon-les-Bains. Zu den verbreiteten Aktivitäten gehören Baden, Segeln, Windsurfen, Paddeln, Rudern, Tauchen und Sportfischen.

Die guten Windverhältnisse machen den See zu einem beliebten Segelrevier. Bise, Westwind und Joran können die Bedingungen jedoch rasch verändern. Sturmwarnleuchten rund um den See zeigen Starkwind- und Sturmwarnungen an; ihre Signale sind für die Schifffahrt und andere Wassersportarten von besonderer Bedeutung.

Uferwege und regionale Velorouten erschliessen grosse Teile des Sees. Die nationale Mittelland-Route verläuft abschnittsweise am Südostufer. Besonders empfindliche Bereiche der Grande Cariçaie dürfen nur auf bezeichneten Wegen betreten werden; Hunde, Wassersport und Drohnen unterliegen in Schutzgebieten zusätzlichen Einschränkungen.

Kulturelle Ziele sind die Altstädte und Schlösser von Neuenburg, Grandson und Estavayer-le-Lac, das Laténium, das nachgebildete jungsteinzeitliche Dorf von Gletterens sowie die Thermal- und Museumsangebote von Yverdon-les-Bains. Kursschifffahrt, Bahn und Velowege ermöglichen Rundreisen durch das gesamte Drei-Seen-Land.[11]

Bedeutung

Der Neuenburgersee verbindet vier Kantone und mehrere historische Landschaften der französisch- und deutschsprachigen Schweiz. Er ist zugleich Trinkwasserspeicher, Hochwasserausgleichsbecken, Verkehrsweg, Fischereigewässer, Naturraum und Erholungsgebiet. Besonders deutlich zeigt sich an ihm, wie stark menschliche Eingriffe eine Landschaft verändern können: Die Juragewässerkorrektion schuf landwirtschaftlich nutzbare Flächen und verbesserte den Hochwasserschutz, ermöglichte aber zugleich indirekt die Entstehung der ökologisch wertvollen Grande Cariçaie.

International bekannt ist der See vor allem durch die Fundstelle La Tène und die prähistorischen Ufersiedlungen. Damit steht er nicht nur für die Natur- und Kulturgeschichte der Westschweiz, sondern auch für eine archäologische Epoche, deren Name weltweit verwendet wird.

Siehe auch

Literatur

  • Michel Antoniazza et al.: Le lac de Neuchâtel. Association de la Grande Cariçaie, Yverdon-les-Bains 2004.
  • Michel Egloff, Gilliane Kern: Neuenburgersee. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Matthias Nast: Überflutet – überlebt – überlistet. Die Geschichte der Juragewässerkorrektionen. Verein Schlossmuseum Nidau, Biel 2006.
  • Gregor Périat, Pascal Vonlanthen: Etude du peuplement pisciaire du Lac de Neuchâtel. Eawag, Kastanienbaum 2013.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bundesamt für Umwelt: Lac de Neuchâtel – Neuchâtel, Nid-du-Crô, abgerufen am 22. Juli 2026.
  2. Region Freiburg: Neuenburgersee, abgerufen am 22. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Bundesamt für Umwelt: Der Neuenburgersee – Zustand bezüglich Wasserqualität, Faktenblatt vom 1. Juli 2016, abgerufen am 22. Juli 2026.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Michel Egloff und Gilliane Kern: Neuenburgersee, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 9. November 2010, abgerufen am 22. Juli 2026.
  5. Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern: Jurarandseen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  6. Association de la Grande Cariçaie: Karte der Schutzgebiete, abgerufen am 22. Juli 2026.
  7. Staat Freiburg: Algen- und Cyanobakterienblüten in Seen, abgerufen am 22. Juli 2026.
  8. UNESCO World Heritage Centre: Prehistoric Pile Dwellings around the Alps, abgerufen am 22. Juli 2026.
  9. Société de Navigation sur les Lacs de Neuchâtel et Morat, abgerufen am 22. Juli 2026.
  10. Kanton Neuenburg: Fischereierträge des Neuenburgersees 2023, Medienmitteilung vom 1. Juli 2024, abgerufen am 22. Juli 2026.
  11. Schweiz Tourismus: Neuenburgersee, abgerufen am 22. Juli 2026.