Sarnersee

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Sarnersee
Lage Kanton Obwalden, Schweiz
Region Zentralschweiz
Ufergemeinden Sarnen, Sachseln, Giswil
Höhe 469 m ü. M.
Fläche 7,50 km²
Länge rund 6 km
Mittlere Breite rund 1,3 km
Uferlänge 15,512 km
Maximale Tiefe 52 m
Volumen 244 Mio. m³
Einzugsgebiet 269 km²
Hauptzuflüsse Dreiwässerkanal, Grosse Melchaa, Kleine Melchaa
Abfluss Sarneraa
Koordinaten 46° 51′ 45″ N, 8° 12′ 31″ E

Der Sarnersee ist ein Voralpensee im Kanton Obwalden in der Zentralschweiz. Er liegt im Sarneraatal zwischen Giswil im Südwesten und dem Kantonshauptort Sarnen im Nordosten. Das südöstliche Ufer gehört grösstenteils zur Gemeinde Sachseln. Mit einer Fläche von 7,50 km² ist der Sarnersee der grösste vollständig im Kanton Obwalden gelegene See.

Der See liegt auf 469 m ü. M., ist rund sechs Kilometer lang und durchschnittlich etwa 1,3 Kilometer breit. Seine maximale Tiefe beträgt 52 Meter, das Wasservolumen rund 244 Millionen Kubikmeter. Das Wasser verlässt den See bei Sarnen durch die Sarneraa und gelangt über den Wichelsee und den Alpnachersee in den Vierwaldstättersee.[1]

Der Sarnersee prägt die Landschaft, Siedlungsentwicklung und Wirtschaft des Sarneraatals. Er wird für Fischerei, Schifffahrt, Wassersport und Naherholung genutzt. Zugleich spielt er eine zentrale Rolle für den Hochwasserschutz im Kanton Obwalden.

Lage und Landschaft

Der Sarnersee erstreckt sich in südwestlich-nordöstlicher Richtung durch das breite Sarneraatal. Er ist von den Gemeinden Sarnen, Sachseln und Giswil umgeben. Der grösste Anteil der Seefläche liegt auf den Gemeindegebieten von Sarnen und Sachseln. Giswil besitzt am südwestlichen Seeende einen kleineren Uferabschnitt.

Am Nordostende des Sees liegt Sarnen. Der historische Dorfkern befindet sich etwas vom heutigen Seeufer entfernt, während die Ortsteile Wilen und Oberwilen unmittelbar am Nordwestufer liegen. Sachseln erstreckt sich entlang des südöstlichen Ufers. Am südlichen Seeende befinden sich das Hanenried und die Ufergebiete von Giswil.

Die Ufer sind überwiegend flach. Steilere Abschnitte finden sich besonders am Nordwestufer zwischen Wilen und Giswil sowie an einzelnen Stellen südlich von Sachseln. Rund um den See liegen landwirtschaftlich genutzte Flächen, Feuchtgebiete, Siedlungen, Campingplätze und kleinere Waldgebiete.

Im Nordwesten wird das Tal von den Höhenzügen des Glaubenberggebiets und des Jänzi begrenzt. Im Südosten steigen die Berghänge in Richtung Arnigrat, Flüeli-Ranft und Melchtal an. Vom See aus sind je nach Standort unter anderem der Pilatus, das Stanserhorn, der Giswilerstock und die Berge am Übergang zum Berner Oberland sichtbar.

Entstehung

Das Becken des Sarnersees wurde während der Eiszeiten durch Gletscher ausgeschürft. Nach dem Rückzug des Eises bildeten der heutige Sarnersee, der Alpnachersee und Teile des Vierwaldstättersees zunächst eine zusammenhängende Wasserfläche. Der Sarnersee bildete dabei den hintersten Abschnitt der damaligen Alpnacher Bucht.[2]

Die Grosse und die Kleine Schliere sowie weitere Gebirgsbäche transportierten über Jahrtausende grosse Mengen an Kies, Sand und Geröll in das Tal. Ihre Schwemmkegel schnürten den hinteren Teil der Bucht allmählich vom übrigen Vierwaldstättersee ab. Daraus entstand der eigenständige Sarnersee.

Der heutige Seespiegel liegt rund 35 Meter höher als jener des Vierwaldstättersees. Zwischen beiden Seen erstreckt sich das durch Ablagerungen geprägte Tal mit dem Wichelsee, der Sarneraa und dem Alpnachersee.[3]

Die Flüsse und Wildbäche verändern die Uferlandschaft weiterhin. Besonders an den Mündungen der Grossen Melchaa, der Kleinen Melchaa und des Dreiwässerkanals lagern sich Geschiebe und feine Sedimente ab. Hochwasserschutzbauten und Geschiebesammler sollen verhindern, dass grosse Mengen an Geröll unkontrolliert in den See und in die Siedlungsgebiete gelangen.

Hydrologie

Das gesamte Einzugsgebiet des Sarnersees umfasst rund 269 km². Es reicht vom Brüniggebiet und dem Lungerersee über Giswil und das Kleine Melchtal bis in die Bergregionen um Melchsee-Frutt. Der mittlere Seeausfluss beträgt ungefähr 10 m³ pro Sekunde.[4]

Der See wirkt als natürliches Ausgleichsbecken. Bei starken Niederschlägen oder rascher Schneeschmelze nimmt er grosse Wassermengen auf. Weil sein Einzugsgebiet im Verhältnis zur Seefläche gross ist, kann der Wasserstand bei länger anhaltendem Regen jedoch rasch steigen.

Zuflüsse

Zu den drei bedeutendsten Zuflüssen gehören der Dreiwässerkanal, die Grosse Melchaa und die Kleine Melchaa.

Der Dreiwässerkanal mündet bei Giswil in das südwestliche Ende des Sees. Er wurde im 19. Jahrhundert angelegt und führt Wasser aus mehreren Gewässern zusammen. Dazu gehören insbesondere die aus dem Lungerersee kommende Aa und der Giswiler Lauibach. Der Name erinnert an die historische Zusammenführung von drei Wasserläufen.

Die Grosse Melchaa entspringt im Gebiet von Melchsee-Frutt und fliesst durch das Melchtal. Ursprünglich führte ihr Lauf östlich an Sarnen vorbei und mündete nördlich des Ortes in die Sarneraa. Am 9. Juni 1880 wurde der Fluss südlich von Sarnen direkt in den Sarnersee umgeleitet. Dadurch erhöhte sich der Zufluss zum See schätzungsweise um rund 35 Prozent.[5]

Die Kleine Melchaa durchfliesst das Kleine Melchtal. Ihr Unterlauf war über lange Zeit in Richtung Giswil und Dreiwässerkanal geführt worden. Nach wiederholten Überschwemmungen wurde ein neues Gerinne angelegt. Seit 2015 fliesst die Kleine Melchaa wieder direkt durch das Flachmoor Hanenried in den Sarnersee.[6]

Weitere Zuflüsse sind der Steinibach, der Gerisbach, der Rütibach und mehrere kleinere Hangbäche. Bei Starkniederschlägen können diese Gewässer neben Wasser auch grosse Mengen an Schwemmholz und Geschiebe in den See transportieren.

Abfluss

Der natürliche Abfluss des Sarnersees ist die Sarneraa. Sie verlässt den See am Nordostufer in Sarnen und fliesst durch das Sarneraatal in Richtung Alpnach. Unterwegs durchquert sie den künstlich aufgestauten Wichelsee und mündet schliesslich in den Alpnachersee.

Das Wasser gelangt anschliessend über den Alpnachersee in den Vierwaldstättersee und von dort über Reuss, Aare und Rhein in die Nordsee. Der Sarnersee gehört damit zum Einzugsgebiet des Rheins.

Wasserstand und Wasserqualität

Der Wasserstand des Sarnersees wird an einer hydrologischen Messstation des Bundesamts für Umwelt in Sarnen kontinuierlich überwacht. Die Messdaten dienen der Hochwasserwarnung, der hydrologischen Forschung und der Steuerung künftiger Hochwasserschutzanlagen.[7]

Der Kanton Obwalden untersucht den Zustand seiner Seen und Fliessgewässer gemeinsam mit weiteren Zentralschweizer Kantonen. Dabei werden unter anderem Temperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffbelastung und biologische Qualitätsmerkmale erfasst. Die Kontrollen sollen Veränderungen frühzeitig erkennen und die Wirkung von Gewässerschutzmassnahmen beurteilen.[8]

Der Sarnersee gilt als vergleichsweise nährstoffarm. Die Sauerstoffverhältnisse in den tieferen Wasserschichten können jedoch jahreszeitlich schwanken. Zuflüsse aus Landwirtschaft, Siedlungen und Verkehrsflächen sowie klimatisch bedingte Veränderungen der Wassertemperatur beeinflussen das Ökosystem.

Siedlungen und Verkehrswege

Die grössten Orte am See sind Sarnen und Sachseln. Beide liegen an der Brünigbahn und an der Hauptstrasse 4. Die Autobahn A8 verläuft östlich beziehungsweise südöstlich des Sees und verbindet das Sarneraatal mit Luzern, dem Brünigpass und dem Berner Oberland.

Die Bahnstrecke der Zentralbahn führt von Sarnen über Sachseln nach Giswil weitgehend entlang des südöstlichen Seeufers. Von den Bahnhöfen Sarnen, Sachseln und Giswil sind verschiedene Uferabschnitte zu Fuss erreichbar.

Am Nordwestufer führt eine Kantonsstrasse über Wilen in Richtung Giswil. Sie erschliesst Wohngebiete, Landwirtschaftsbetriebe, Hotels, Badeplätze und Campinganlagen. Ein vollständig unmittelbar am Wasser verlaufender Rundweg besteht nicht, doch mehrere Wander- und Velorouten verbinden die Ortschaften rund um den See.

Geschichte

Die günstige Lage auf der Verbindung zwischen der Zentralschweiz, dem Brünigpass und dem Berner Oberland machte den Sarnersee bereits früh zu einem Verkehrsweg. Vor dem Bau moderner Strassen wurden Menschen, Vieh und Waren mit flachen Lastschiffen, den sogenannten Nauen, über den See transportiert.

An beiden Enden des Sees bestanden Umschlag- und Zollstellen. Der Wasserweg ersparte einen Teil der beschwerlichen Landroute durch das teilweise sumpfige Tal. Mit dem Ausbau der Brünigstrasse und später der Eisenbahn verlor der Gütertransport auf dem See an Bedeutung.[3]

Die Geschichte des Sees ist eng mit Eingriffen in die umliegenden Flüsse verbunden. Der Dreiwässerkanal entstand 1875. Fünf Jahre später wurde die Grosse Melchaa in den Sarnersee umgeleitet. Diese Arbeiten verbesserten den Schutz einzelner Siedlungsgebiete, vergrösserten jedoch den Zufluss zum See, ohne gleichzeitig die Abflusskapazität der Sarneraa entsprechend zu erhöhen.

In den Jahren 1881 und 1882 trat der See bereits nach der Melchaa-Umleitung über die Ufer. Weitere Hochwasser folgten. Im Jahr 1903 forderten Betroffene in einer Petition, den See und die Sarneraa um einen Meter abzusenken. Das Vorhaben wurde wegen der hohen Kosten und der baulichen Risiken nicht umgesetzt.[5]

Schifffahrt

Die traditionelle Schifffahrt auf dem Sarnersee diente vor allem dem Personen- und Warentransport. Nauen beförderten landwirtschaftliche Erzeugnisse, Baumaterialien, Möbel und andere Güter zwischen den Uferorten.

Im späten 19. Jahrhundert begann die motorisierte Personenschifffahrt. Im 20. Jahrhundert betrieben verschiedene private Unternehmer und Gewerbebetriebe Passagier- und Transportschiffe. Eine besondere Rolle spielte die Möbelfabrik Läubli, später Lignoform Möbelbau AG, in Wilen. Sie transportierte Möbel mit elektrisch angetriebenen Schiffen über den See zur Eisenbahn und nahm teilweise auch Fahrgäste mit.[3]

Heute wird der Sarnersee nicht von einer grossen öffentlichen Schifffahrtsgesellschaft bedient. Während der touristischen Saison werden jedoch Rund-, Gruppen- und Sonderfahrten angeboten. Schiffländen befinden oder befanden sich unter anderem in Sarnen, Wilen, Sachseln, Giswil und beim ehemaligen Zollhaus.

Wegen der überschaubaren Grösse des Sees und der guten Verkehrsverbindungen an Land besitzt die Schifffahrt vor allem touristische und freizeitbezogene Bedeutung.

Hochwasser

Der Sarnersee und die Sarneraa waren wiederholt von schweren Hochwassern betroffen. Die Gefahr entsteht insbesondere dann, wenn lang anhaltende Niederschläge und Schneeschmelze im grossen Einzugsgebiet gleichzeitig hohe Zuflüsse verursachen. Die natürliche Abflusskapazität der Sarneraa reicht bei aussergewöhnlichen Ereignissen nicht aus, um das Wasser schnell genug aus dem See abzuleiten.

Besonders schwere Ereignisse ereigneten sich 1999 und 2005. Beim Alpenhochwasser im August 2005 stieg der Seepegel auf 472,42 m ü. M. und lag damit fast zwei Meter über der Schadengrenze. Grosse Teile von Sarnen und weitere Gebiete im Sarneraatal wurden überflutet. Die Schäden im Kanton Obwalden beliefen sich auf mehr als 250 Millionen Franken.[9]

Das Ereignis führte zu einer umfassenden Neubewertung des Hochwasserschutzes. Untersucht wurden unter anderem eine Tieferlegung und Verbreiterung der Sarneraa sowie verschiedene Entlastungsstollen.

Hochwasserentlastungsstollen Ost

Im September 2014 stimmte die Obwaldner Bevölkerung dem Projekt Sarneraa mit Hochwasserentlastungsstollen Ost zu. Das Bauwerk führt vom Gebiet Seehof beziehungsweise Zwetschgenmätteli bei Sachseln bis unterhalb des Wichelsees in Alpnach.

Der als Druckstollen ausgeführte Tunnel ist rund 6,5 Kilometer lang und besitzt einen Durchmesser von ungefähr sechs Metern. Bei Hochwasser kann er bis zu 100 m³ Wasser pro Sekunde aus dem Sarnersee aufnehmen. Das Wasser wird unterirdisch an Sarnen vorbeigeführt und unterhalb des Wichelsees wieder in die Sarneraa geleitet.[10]

Am Einlaufbauwerk verhindert eine Anlage mit Schwimmbalken, Tauchwänden und Rechen, dass grössere Mengen Schwemmholz in den Stollen gelangen. Am Auslauf wird die Energie des Wassers in einem Tosbecken vermindert. Zwei Regulierschützen ermöglichen eine kontrollierte Steuerung der Abflussmenge.

Der Tunnelvortrieb begann mit einer Tunnelbohrmaschine. Wegen schwieriger geologischer Bedingungen, hoher Gesteinsfestigkeit, wasserführender Klüfte und mehrerer Störzonen verzögerten sich die Arbeiten. Der Durchschlag erfolgte im März 2023. Das Einlaufbauwerk wurde 2025 fertiggestellt. Die Inbetriebnahme des Stollens ist für 2026 vorgesehen.[11]

Zur Gesamtanlage gehört ein regulierbares Hilfswehr in der Sarneraa. Während normaler Wasserstände bleiben der Stollen geschlossen und das Wehr abgesenkt. Erst bei drohendem Hochwasser wird die Regulierung aktiviert. Das System soll den Höchststand eines Ereignisses wie 2005 um ungefähr einen Meter senken und die Hochwasserschäden am Sarnersee deutlich reduzieren.

Der reguläre Betrieb des vollständigen Systems aus Stollen, Hilfswehr und ausgebauter Sarneraa ist gemäss Projektplanung ab der Sommersaison 2027 vorgesehen. Bereits während des Jahres 2026 soll ein provisorischer Betrieb möglich sein.[12]

Natur und Schutzgebiete

Am Sarnersee befinden sich mehrere ökologisch wertvolle Uferzonen. Von besonderer Bedeutung ist das Hanenried am südlichen Seeende. Das Flachmoor umfasst Feuchtwiesen, Schilfbestände, Kleingewässer und Amphibienlebensräume. Es ist ein wichtiger Brut-, Rast- und Nahrungsplatz für Vögel und Insekten.

Beim Bau des neuen Unterlaufs der Kleinen Melchaa mussten besondere Schutzmassnahmen getroffen werden. Das Gerinne wurde so gestaltet und abgedichtet, dass der Wasserhaushalt des Moores möglichst wenig beeinträchtigt wird. Ergänzend wurden Ersatzlebensräume und neue Weiher geschaffen.[6]

Schilf- und Wasserpflanzenbestände bieten Fischen, Amphibien und Wasservögeln Schutz. Das Befahren dichter Pflanzenbestände ist nicht erlaubt. In Naturschutzzonen gelten zusätzliche Einschränkungen für Boote, Fischerei und das Betreten der Ufer.

Auch bei der Regulierung des Sarnersees müssen ökologische Anforderungen berücksichtigt werden. Insbesondere darf das Flachmoor Hanenried durch künstliche Pegelabsenkungen oder zu schnelle Veränderungen des Seestands nicht beeinträchtigt werden. Das Regulierkonzept sieht deshalb keine vorsorgliche Absenkung des Sees vor.[13]

Fischfauna

Der Sarnersee besitzt eine vielfältige Fischfauna. Im Rahmen des Forschungsprogramms «Projet Lac» wurde der See im September 2017 systematisch untersucht. Dabei wurden insgesamt 20 Fischarten gefangen; bei getrennter Betrachtung der nachgewiesenen Felchenformen ergab sich eine noch höhere Zahl.[14]

Zu den häufigen Arten gehören Felchen und Egli. Daneben kommen unter anderem Hecht, Rotauge, Rotfeder, Alet, Trüsche, Forelle und verschiedene Karpfenartige vor. Bei der Untersuchung wurden auch gebietsfremde Arten nachgewiesen.

Eine Besonderheit ist das Vorkommen der Nase, einer Fischart, die normalerweise Fliessgewässer bewohnt und in der Schweiz stark gefährdet ist. Ihre Präsenz zeigt die enge ökologische Verbindung zwischen dem See und seinen Zuflüssen beziehungsweise dem Abfluss.

Der Zustand der Fischbestände wird durch Wassertemperatur, Sauerstoffverhältnisse, Nährstoffgehalt, Uferstruktur, Laichplätze und die Durchgängigkeit der Zuflüsse beeinflusst. Revitalisierte Flussmündungen und naturnahe Flachwasserzonen können die Lebensbedingungen verbessern.

Fischerei

Die Fischerei besitzt am Sarnersee eine lange Tradition. Historisch war sie durch Landrechte und lokale Vorschriften geregelt. Im 19. Jahrhundert wurde die Patentfischerei eingeführt. Neben der Angelfischerei bestand zeitweise eine gewerbliche Berufsfischerei.

Heute gelten die kantonalen Fischereivorschriften. Vom öffentlich zugänglichen Ufer darf während der festgelegten Saison unter bestimmten Bedingungen gefischt werden. Für weitergehende Fangmethoden und das Fischen vom Boot ist in der Regel ein Patent erforderlich.

Seit 2026 ist die Fischerei von öffentlich zugänglichen Ufern vom 1. März bis 31. Oktober zwischen 04.00 und 24.00 Uhr erlaubt. Schonzeiten, Fangmindestmasse, Gerätevorschriften und Schutzgebiete müssen beachtet werden.[15]

Freizeit und Tourismus

Der Sarnersee ist ein beliebtes Ziel für Schwimmen, Rudern, Segeln, Stand-up-Paddling, Windsurfen und kleinere Motorboote. Öffentliche Badeplätze und Seezugänge befinden sich unter anderem in Sarnen, Sachseln und Giswil. Mehrere Campingplätze und Beherbergungsbetriebe liegen in Ufernähe.

Auf dem See gelten besondere Geschwindigkeitsbegrenzungen. In der inneren Uferzone bis 150 Meter vom Ufer entfernt sowie im nördlichen Seeteil beträgt die Höchstgeschwindigkeit 10 km/h. Ausserhalb dieser Bereiche sind höchstens 20 km/h erlaubt. Schilf, Binsen, Seerosenbestände und gesperrte Naturschutzflächen dürfen nicht befahren werden.[15]

Der Sarnersee-Uferweg führt von Giswil nach Sarnen. Er verläuft abschnittsweise direkt am Wasser und bietet Ausblicke auf den See und die umliegenden Voralpen. Die Route ist ungefähr zehn Kilometer lang und kann mit der Zentralbahn kombiniert werden.[16]

Weitere Wanderwege führen von Sachseln nach Flüeli-Ranft, über die umliegenden Höhenzüge oder in Richtung Brünigpass. Der See liegt ausserdem an mehreren regionalen Velorouten. Eine vollständige Umrundung ist auf Strassen und Wegen möglich, führt jedoch nicht durchgehend unmittelbar am Ufer entlang.

Bei den Einlaufanlagen des Hochwasserentlastungsstollens gelten besondere Sicherheitsbestimmungen. Rund um das Bauwerk können Schwimmen, Paddeln und andere Wassersportaktivitäten wegen der möglichen Sogwirkung verboten sein.

Seegfrörnen

In besonders kalten Wintern kann der Sarnersee vollständig zufrieren. Ein solches Ereignis wird in der Schweiz als Seegfrörni bezeichnet. Vollständige Vereisungen sind wegen der Grösse und Tiefe des Sees selten.

Dokumentierte Seegfrörnen ereigneten sich unter anderem 1947, 1953, 1956, 1963 und 1981. Das Betreten einer Eisfläche ist nur zulässig, wenn sie von den zuständigen Behörden ausdrücklich freigegeben wurde. Unterschiedliche Eisdicken, Zuflüsse und Strömungen am Seeausfluss können auch bei länger anhaltender Kälte gefährliche Stellen verursachen.

Sarnersee in der Kunst

Die Landschaft des Sarnersees zog im 18. und 19. Jahrhundert Reisende, Schriftsteller und Landschaftsmaler an. Der See lag an einer bekannten Reiseroute über den Brünigpass und wurde häufig als Teil der romantischen Schweizer Voralpenlandschaft dargestellt.

Der britische Maler William Turner schuf um 1841 das Aquarell beziehungsweise die Studie The Lake of Sarnen. Das Werk zeigt die Berg- und Seenlandschaft in Turners charakteristischer, atmosphärischer Darstellungsweise und befindet sich in der Sammlung der Tate in London.[17]

Auch in historischen Fotografien, Ansichtskarten und Tourismusplakaten erscheint der Sarnersee häufig. Besonders verbreitet sind Ansichten von Sachseln, Sarnen, dem Brüniggebiet und den umliegenden Bergen.

Bedeutung für den Kanton Obwalden

Der Sarnersee ist ein zentrales Landschaftselement des Kantons Obwalden. Er verbindet die Gemeinden Giswil, Sachseln und Sarnen und beeinflusst ihre Siedlungs-, Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung.

Für die Landwirtschaft stellt das flache Umland wertvolle Nutzflächen bereit. Tourismus und Freizeitwirtschaft profitieren von den Bade-, Wander-, Camping- und Wassersportangeboten. Der See besitzt gleichzeitig eine wichtige Funktion als Lebensraum, Wasserspeicher und Rückhaltebecken.

Die Hochwasserschutzprojekte zeigen, dass die verschiedenen Interessen eng miteinander verbunden sind. Ein schnellerer Abfluss schützt Siedlungen, kann jedoch Auswirkungen auf die Sarneraa, den Alpnachersee und den Vierwaldstättersee haben. Die Regulierung muss deshalb Hochwasserschutz, Gewässerökologie, Fischerei, Erholung und die Interessen der Unterlieger gemeinsam berücksichtigen.

Siehe auch

Literatur

  • Mario Gavazzi, Heinz Amstad: Sarner See fahrt. Schiffsagentur Schweiz, Zug 2017.
  • Pascal Vonlanthen u. a.: Standardisierte Befischung Sarnersee – Resultate der Erhebungen vom September 2017. Eawag, Kastanienbaum 2018.
  • Benedikt von Hebenstreit: Sarnersee – Geschichte der Schifffahrt. Schiffs-Agentur Schweiz, 2019.
  • Kanton Obwalden: Regulierung Sarnersee. Faktenblatt zum Hochwasserschutz Sarneraatal.

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Umwelt: Sarnersee – Gewässerdaten, abgerufen am 28. Juli 2026.
  2. Schweiz Tourismus: Sarnersee, abgerufen am 28. Juli 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Benedikt von Hebenstreit: Sarnersee – Geschichte der Schifffahrt. Schiffs-Agentur Schweiz, 2019, abgerufen am 28. Juli 2026.
  4. Kanton Obwalden: Regulierung Sarnersee, Faktenblatt, abgerufen am 28. Juli 2026.
  5. 5,0 5,1 Kanton Obwalden: Bericht über Massnahmen zur Verbesserung der Hochwassersicherheit im Sarneraatal, S. 8–9, abgerufen am 28. Juli 2026.
  6. 6,0 6,1 Kanton Obwalden: Wasserbauprojekt Kleine Melchaa, abgerufen am 28. Juli 2026.
  7. Bundesamt für Umwelt: Messstation Sarnersee–Sarnen, abgerufen am 28. Juli 2026.
  8. Kanton Obwalden: Wasserqualität der Bäche und Seen, abgerufen am 28. Juli 2026.
  9. Kanton Obwalden: Hochwasser 2005 und Regulierung des Sarnersees, abgerufen am 28. Juli 2026.
  10. Kanton Obwalden: Sarneraa mit Hochwasserentlastungsstollen Ost, abgerufen am 28. Juli 2026.
  11. Kanton Obwalden: Hochwasserentlastungsstollen soll 2026 den Betrieb aufnehmen, Medienmitteilung vom 23. Mai 2025, abgerufen am 28. Juli 2026.
  12. Kanton Obwalden: Häufige Fragen zum Hochwasserschutzprojekt, abgerufen am 28. Juli 2026.
  13. Kanton Obwalden: Regulierung des Sarnersees – Reglement und Zielerreichung, abgerufen am 28. Juli 2026.
  14. Pascal Vonlanthen u. a.: Standardisierte Befischung Sarnersee – Resultate der Erhebungen vom September 2017. Eawag, 2018, abgerufen am 28. Juli 2026.
  15. 15,0 15,1 Kanton Obwalden: Merkblatt über die Fischerei im Kanton Obwalden 2026, abgerufen am 28. Juli 2026.
  16. SchweizMobil: Sarnersee-Uferweg, abgerufen am 28. Juli 2026.
  17. Tate: Joseph Mallord William Turner, The Lake of Sarnen, um 1841, abgerufen am 28. Juli 2026.

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