Bielersee

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 22. Juli 2026, 20:48 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{| class="infobox" style="width:22em; float:right; clear:right; margin:0 0 1em 1em; border:1px solid #a2a9b1; border-collapse:collapse; background:#f8f9fa; font-size:90%; line-height:1.4;" ! colspan="2" style="padding:0.6em; background:#cfe8f3; text-align:center; font-size:125%;" | Bielersee |- ! style="text-align:left; padding:0.35em;" | Französischer Name | style="padding:0.35em;" | Lac de Bienne |- ! style="text-align:left; padding:0.35em;" | Lage | sty…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Bielersee
Französischer Name Lac de Bienne
Lage Seeland, Schweiz
Kantone Bern, Neuenburg
Koordinaten 47° 5′ N, 7° 10′ O
Höhe rund 429 m ü. M.
Fläche rund 39,3 km²
Länge rund 15 km
Maximale Breite rund 4,1 km
Maximale Tiefe 74 m
Mittlere Tiefe rund 28,5 m
Volumen rund 1,12 km³
Einzugsgebiet rund 8200 km²
Wassererneuerungszeit rund 54 Tage
Wichtigste Zuflüsse Aare, Zihl, Schüss, Twannbach
Abfluss Aare durch den Nidau-Büren-Kanal
Bedeutende Halbinsel St. Petersinsel
Grösste Stadt am See Biel/Bienne

Der Bielersee (französisch Lac de Bienne, italienisch Lago di Bienna, rätoromanisch Lai da Bienna) ist ein See im westlichen Schweizer Mittelland. Er liegt am Südfuss des Juras im Seeland und gehört zusammen mit dem Neuenburgersee und dem Murtensee zu den drei grossen Jurarandseen. Der grösste Teil des Sees liegt im Kanton Bern, während ein kleiner Abschnitt im Südwesten zum Kanton Neuenburg gehört.

Der Bielersee ist rund 15 km lang, bis zu 4,1 km breit und besitzt eine Fläche von ungefähr 39,3 km². Seine grösste Tiefe beträgt 74 m. Der See liegt an der deutsch-französischen Sprachgrenze und verbindet die zweisprachige Stadt Biel/Bienne mit den Weinbaudörfern am Jurasüdfuss, den ländlichen Gemeinden des südlichen Seeufers und der historischen St. Petersinsel.

Seit der Juragewässerkorrektion im 19. Jahrhundert wird der Bielersee von der Aare durchflossen. Dadurch wurde er zum wichtigsten regulierenden Becken des Drei-Seen-Landes und zu einem bedeutenden Bestandteil des Hochwasserschutzes im westlichen Mittelland. Der heutige See ist deshalb nicht nur ein Naturraum, sondern auch ein stark vom Menschen beeinflusstes hydrologisches System.

Name

Der Name des Sees leitet sich von der Stadt Biel beziehungsweise Biel/Bienne an seinem nordöstlichen Ende ab. Die deutsche Bezeichnung lautet Bielersee, die französische Lac de Bienne. Beide Namen werden in der zweisprachigen Region gleichberechtigt verwendet.

Historische Quellen verwendeten teilweise andere Bezeichnungen, die sich auf einzelne Uferorte oder Herrschaftsgebiete bezogen. Mit dem politischen und wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt Biel setzte sich die heutige Benennung allgemein durch.

Lage und Landschaft

Der Bielersee erstreckt sich von Biel/Bienne und Nidau im Nordosten bis zur Gegend von Erlach, La Neuveville und Le Landeron im Südwesten. Seine Längsachse verläuft ungefähr von Südwesten nach Nordosten.

Das nordwestliche Ufer steigt unmittelbar zu den Hängen des Juras an. Zwischen See und Fels bestehen teilweise nur schmale Siedlungs- und Verkehrsflächen. Sonnige Hanglagen, kalkhaltige Böden und die temperaturausgleichende Wirkung des Sees begünstigen dort den Weinbau. Die Landschaft wird durch Rebterrassen, Trockenmauern, kleine Winzerdörfer und bewaldete Jurahöhen geprägt.

Das südöstliche Ufer ist wesentlich flacher. Es gehört zur Ebene des Seelands und weist ausgedehnte Landwirtschaftsflächen, Feuchtgebiete, Schilfgürtel, Strandwiesen und kleinere Waldstücke auf. Dort liegen unter anderem Ipsach, Sutz-Lattrigen, Mörigen, Täuffelen-Gerolfingen, Lüscherz und Vinelz.

Am nordöstlichen Ende des Sees bilden Biel und Nidau einen dicht besiedelten städtischen Raum. Der südwestliche Seeteil besitzt mit der St. Petersinsel, dem Heidenweg und der Gegend um Erlach einen deutlich ländlicheren und naturnäheren Charakter.

Entstehung

Das Becken des Bielersees wurde während der Eiszeiten wesentlich durch Gletscher geformt. Eisströme aus den Alpen vertieften vorhandene Senken, transportierten Gestein und hinterliessen Moränen, Schotter und feinkörnige Sedimente.

Nach dem Rückzug der Gletscher bestand im westlichen Mittelland zeitweise ein wesentlich grösseres zusammenhängendes Gewässersystem. Durch Ablagerungen der Aare, der Zihl und anderer Flüsse wurden einzelne Seebecken voneinander getrennt. Aus diesem Prozess gingen unter anderem der Bielersee, der Neuenburgersee und der Murtensee hervor.

Die ursprünglichen Uferlinien unterschieden sich deutlich von den heutigen. Wasserstandsschwankungen, Ablagerungen, Verlandung und spätere wasserbauliche Eingriffe veränderten die Form des Sees fortlaufend. Besonders tiefgreifend war die Absenkung des Wasserspiegels während der ersten Juragewässerkorrektion.

Hydrologie

Zuflüsse

Der wichtigste Zufluss des Bielersees ist die Aare. Sie erreicht den See bei Hagneck durch den künstlich angelegten Hagneckkanal. Die Aare führt Wasser aus einem grossen Teil des Berner Oberlands und des Schweizer Mittellands zu und bestimmt den Wasserhaushalt des Sees wesentlich.

Ein weiterer bedeutender Zufluss ist die Zihl, französisch Thielle. Sie verbindet den Neuenburgersee mit dem Bielersee. Bei normalen Wasserständen fliesst das Wasser überwiegend vom Neuenburgersee in Richtung Bielersee. Während starker Hochwasserereignisse der Aare kann sich die Fliessrichtung zeitweise umkehren. Dann wird Wasser aus dem Bielersee in den Neuenburgersee zurückgedrückt.

Die Schüss, französisch Suze, entwässert das St. Immer-Tal und mündet bei Biel in den See. Kleinere Zuflüsse sind der Twannbach, der Ligerzbach und mehrere kurze Bäche vom Jurasüdhang.

Zufluss Herkunft Mündungsgebiet Bedeutung
Aare Berner Oberland und Mittelland Hagneckkanal bei Hagneck Mit Abstand grösster Zufluss
Zihl Neuenburgersee Südwestlicher Bielersee Verbindung mit dem Neuenburgersee; zeitweise Umkehr der Fliessrichtung möglich
Schüss St. Immer-Tal und Berner Jura Biel/Bienne Bedeutendster natürlicher Zufluss am nordöstlichen Seeende
Twannbach Jurasüdfuss Twann Kleiner, landschaftlich markanter Zufluss
Ligerzbach Jurasüdfuss Ligerz Lokaler Zufluss aus dem Rebgebiet

Abfluss

Der Bielersee wird bei Nidau durch den Nidau-Büren-Kanal entwässert. Das Wasser fliesst durch diesen Kanal nach Büren an der Aare und von dort weiter als Aare in Richtung Solothurn, Aarau und Rhein.

Der Abfluss wird am Regulierwehr Port gesteuert. Durch das Öffnen und Schliessen des Wehrs kann beeinflusst werden, wie viel Wasser aus dem Bielersee in die Aare gelangt. Dabei müssen die Wasserstände der drei Jurarandseen, die Zuflüsse der Aare und die Hochwassersituation weiter flussabwärts berücksichtigt werden.

Einzugsgebiet und Wassererneuerung

Durch die Einleitung der Aare besitzt der Bielersee ein im Verhältnis zu seiner Fläche sehr grosses Einzugsgebiet von rund 8200 km². Das Wasser wird deshalb vergleichsweise schnell erneuert. Die theoretische mittlere Wassererneuerungszeit beträgt ungefähr 54 Tage.[1]

Die Aare kann bei Hochwasser grosse Mengen Wasser, Schwebstoffe, Geschiebe und Nährstoffe in den See transportieren. Gleichzeitig dämpft der See Abflussspitzen und wirkt als Ausgleichsbecken.

Juragewässerkorrektion

Ausgangslage

Vor dem 19. Jahrhundert wurde das Seeland regelmässig von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Die Aare floss von Aarberg direkt in Richtung Büren, lagerte dabei grosse Mengen Geschiebe ab und behinderte den Abfluss der Zihl. Dadurch stiegen die Wasserstände von Bieler-, Neuenburger- und Murtensee.

Weite Teile des Grossen Mooses waren versumpft. Hochwasser zerstörte Ernten, beschädigte Siedlungen und begünstigte Krankheiten. Verschiedene Projekte zur Regulierung der Gewässer wurden entwickelt, konnten aber lange Zeit wegen technischer, politischer und finanzieller Schwierigkeiten nicht umgesetzt werden.

Erste Juragewässerkorrektion

Die erste Juragewässerkorrektion wurde zwischen 1868 und 1891 ausgeführt. Das Projekt beruhte wesentlich auf Planungen des Ingenieurs Richard La Nicca und wurde politisch vom Arzt und Nationalrat Johann Rudolf Schneider vorangetrieben.

Die wichtigsten Massnahmen waren:

  • die Umleitung der Aare von Aarberg durch den Hagneckkanal in den Bielersee;
  • der Bau des Nidau-Büren-Kanals als leistungsfähiger Abfluss;
  • der Ausbau des Zihlkanals zwischen Neuenburger- und Bielersee;
  • der Ausbau des Broyekanals zwischen Murten- und Neuenburgersee;
  • die Begradigung und Sicherung weiterer Gewässer.

1878 floss die Aare erstmals durch den Hagneckkanal in den Bielersee. Der See übernahm damit die Funktion eines Ausgleichs- und Absetzbeckens für die Aare.[2]

Der Wasserspiegel des Bielersees sank um mehr als zwei Meter. Dadurch wurden grosse Flächen des Seegrunds trocken gelegt. Die St. Petersinsel erhielt über den Heidenweg eine Landverbindung zum Ufer und wurde zur Halbinsel. Gleichzeitig kamen zahlreiche prähistorische Ufersiedlungen zum Vorschein.[3]

Zweite Juragewässerkorrektion

Trotz der ersten Korrektion blieben die Wasserstände und Abflussverhältnisse teilweise unbefriedigend. Zudem senkten sich die entwässerten Torfböden im Grossen Moos. Zwischen 1962 und 1973 wurden deshalb im Rahmen der zweiten Juragewässerkorrektion Kanäle verbreitert, vertieft und gesichert.

Das bereits 1939 in Betrieb genommene Regulierwehr Port wurde zum zentralen Instrument der gemeinsamen Seeregulierung. Bieler-, Neuenburger- und Murtensee bilden seither ein zusammenhängendes Rückhaltesystem mit einer Gesamtfläche von rund 280 km².

Heutige Regulierung

Der Bielersee ist der dynamischste der drei Jurarandseen. Er nimmt bei Hagneck die Aare auf, während sein Abfluss am Wehr Port direkt reguliert werden kann.[4]

Bei der Regulierung müssen unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden. Dazu gehören der Hochwasserschutz, die Schifffahrt, die Landwirtschaft, die Fischerei, die Uferökologie, die Wasserkraft und der Schutz der Gebiete entlang der Aare. Vollständig verhindern lassen sich Hochwasser auch mit dem regulierten System nicht.

St. Petersinsel und Heidenweg

Die St. Petersinsel liegt im südwestlichen Teil des Bielersees. Sie war bis zur ersten Juragewässerkorrektion eine echte Insel. Durch die Absenkung des Wasserspiegels wurde der flache Rücken zwischen der Insel und Erlach freigelegt. Diese Landverbindung wird Heidenweg genannt.

Die langgestreckte Halbinsel ist überwiegend bewaldet und weist Wiesen, Rebflächen, Feuchtgebiete und naturnahe Ufer auf. Grosse Teile stehen unter Schutz. Der Heidenweg ist für den privaten Motorverkehr gesperrt und kann zu Fuss oder mit dem Fahrrad begangen werden.

Auf der ehemaligen Insel wurde nach 1107 ein Cluniazenserpriorat gegründet. Das Kloster wurde 1484 aufgehoben. Teile der historischen Gebäude werden heute als Hotel- und Restaurationsbetrieb genutzt.[5]

Der Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau hielt sich 1765 während mehrerer Wochen auf der St. Petersinsel auf. Er beschrieb diesen Aufenthalt später in seinen Träumereien eines einsamen Spaziergängers. Die Insel wurde dadurch zu einem bedeutenden Ort der europäischen Literatur- und Geistesgeschichte.

Uferorte

Die Ufer des Bielersees gehören zu verschiedenen deutsch- und französischsprachigen Gemeinden. Die Sprachgrenze verläuft durch die Region, ohne eine scharfe kulturelle Trennung zu bilden.

Uferabschnitt Bedeutende Orte Charakter
Nordöstliches Seeende Biel/Bienne, Nidau Städtisches Zentrum, Hafenanlagen, Industrie, Dienstleistungen und Freizeitnutzung
Nordwestliches Ufer am Jura Tüscherz-Alfermée, Twann, Ligerz, La Neuveville Steile Rebberge, Winzerdörfer, Bahn- und Strassenverbindungen
Südwestliches Seeende Le Landeron, Erlach, Vinelz Historische Kleinstädte und Dörfer, Heidenweg und St. Petersinsel
Südöstliches Ufer Lüscherz, Täuffelen-Gerolfingen, Mörigen, Sutz-Lattrigen, Ipsach Flache Ufer, Landwirtschaft, Schilfgebiete, Strandbäder und Freizeitanlagen
Aaremündung Hagneck Hagneckkanal, Kraftwerk und ökologisch wertvolles Mündungsdelta

Siedlungsgeschichte und Archäologie

Die Ufer des Bielersees waren bereits während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit besiedelt. Zahlreiche Überreste von Häusern, Holzpfählen, Werkzeugen, Gefässen, Textilien und Nahrungsmitteln blieben in den feuchten Sedimenten erhalten.

Viele Fundstellen wurden nach der Absenkung des Seespiegels während der ersten Juragewässerkorrektion entdeckt. Damals kamen ausgedehnte Uferzonen zum Vorschein. Ein Teil der Gegenstände gelangte in private Sammlungen und später in Museen wie das Museum Schwab in Biel, das Laténium bei Neuenburg und das Schweizerische Nationalmuseum.

Fünf Fundstellen am Bielersee gehören seit 2011 zum UNESCO-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen»:

  • Biel-Vingelz–Hafen;
  • Lüscherz–Dorfstation;
  • Sutz-Lattrigen–Rütte;
  • Twann–Bahnhof;
  • Vinelz–Strandboden.

Die archäologischen Schichten liegen grösstenteils unter Wasser oder im Boden und sind an der Oberfläche kaum sichtbar. Sie liefern wichtige Informationen über Landwirtschaft, Fischfang, Handwerk, Ernährung und Handelsbeziehungen zwischen etwa 5000 und 500 v. Chr.[6][7]

Weinbau

Das nordwestliche Seeufer gehört zu den bekanntesten Weinbaugebieten des Kantons Bern. Die Rebberge erstrecken sich an den sonnigen Jurahängen zwischen Biel, Tüscherz-Alfermée, Twann, Ligerz und La Neuveville.

Der See speichert im Sommer Wärme und gibt sie im Herbst langsam wieder ab. Gleichzeitig schützen die Jurahöhen einen Teil der Rebflächen vor kalten Nord- und Westwinden. Die steilen Hänge ermöglichen eine intensive Sonneneinstrahlung, erschweren jedoch den Einsatz von Maschinen. Viele Arbeiten werden deshalb von Hand ausgeführt.

Zu den wichtigsten Rebsorten gehören Chasselas, im deutschsprachigen Raum häufig Gutedel genannt, und Pinot Noir beziehungsweise Blauburgunder. Daneben werden zahlreiche Spezialitäten angebaut. Die kleinen Rebflächen und unterschiedlichen Böden führen zu einer grossen Vielfalt lokaler Weine.

Trockenmauern, Rebhäuschen, schmale Wege und historische Winzerdörfer prägen das Landschaftsbild. Der Bielersee-Rebenweg verbindet mehrere Ortschaften und vermittelt Informationen über Weinbau, Natur und Geschichte.

Fischerei

Der Fischfang gehört seit vorgeschichtlicher Zeit zur Nutzung des Bielersees. Heute wird zwischen Berufs- und Angelfischerei unterschieden. Zu den vorkommenden Fischarten gehören Felchen, Egli, Hecht, Zander, Trüsche, Rotauge und verschiedene Karpfenfische.

Die Fischbestände werden durch Wasserqualität, Temperatur, Nahrungsangebot, invasive Arten und Veränderungen der Uferlebensräume beeinflusst. Der Kormoran führt insbesondere bei Berufsfischern zu Konflikten, da er Fische aus Netzen entnehmen und Fanggeräte beschädigen kann.

Felchen waren traditionell von grosser wirtschaftlicher Bedeutung. Ihre Bestände reagieren empfindlich auf Veränderungen des Nährstoffhaushalts und der Nahrungskette. Die Fischerei wird deshalb durch Fangvorschriften, Schonzeiten, Mindestmasse und wissenschaftliche Untersuchungen begleitet.

Wasserqualität

Der Bielersee war im 20. Jahrhundert stark mit Nährstoffen belastet. Phosphor aus Abwasser, Landwirtschaft und Reinigungsmitteln förderte das Wachstum von Algen. Beim Abbau der Algen wurde im Tiefenwasser viel Sauerstoff verbraucht.

Der Ausbau der Abwasserreinigung, das Phosphatverbot in Textilwaschmitteln und Verbesserungen in der Landwirtschaft führten zu einer deutlichen Verringerung der Phosphorbelastung. Seit der Jahrtausendwende haben die Zeiträume und Tiefenzonen mit ungenügender Sauerstoffversorgung markant abgenommen.[8]

Trotz dieser Verbesserungen kann der Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser weiterhin zeitweise unter die gesetzlichen Anforderungen fallen. Der See wird deshalb regelmässig untersucht. Gemessen werden unter anderem Temperatur, Sauerstoff, Phosphor, Stickstoff, Sichttiefe, Plankton und die Zusammensetzung der am Seegrund lebenden Organismen.

Pflanzen- und Tierwelt

Naturnahe Uferbereiche bieten Lebensraum für Schilf, Wasserpflanzen, Amphibien, Fische und zahlreiche Wasservögel. Besonders wertvoll sind Flachwasserzonen, das Hagneckdelta, der Heidenweg und die Uferlandschaften der St. Petersinsel.

Zu den regelmässig beobachteten Vögeln gehören Haubentaucher, Blässhuhn, Stockente, Reiherente, Kormoran, Graureiher und verschiedene Möwenarten. Im Winter rasten zusätzliche Wasservögel aus Nord- und Osteuropa auf dem See.

Uferverbauungen, Hafenanlagen, Wellenschlag und intensive Freizeitnutzung können Schilfgürtel und Flachwasserbereiche beeinträchtigen. Schutzmassnahmen umfassen Ruhezonen, Renaturierungen, Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schiffe und saisonale Einschränkungen.

Quaggamuschel und invasive Arten

Die aus dem Schwarzmeerraum stammende Quaggamuschel wurde 2019 offiziell im Bielersee nachgewiesen und breitete sich danach rasch aus. Sie besiedelt harte Oberflächen, Leitungen und den Seegrund und kann auch in grossen Tiefen leben.

Die Muschel filtert grosse Mengen Plankton aus dem Wasser und verändert dadurch die Nahrungskette. Sie verdrängt teilweise einheimische Arten und kann Trinkwasserleitungen, Kühlanlagen und andere technische Einrichtungen verstopfen.[9]

Seit dem 23. September 2024 gilt für immatrikulierte Schiffe auf Berner Gewässern eine Melde- und Reinigungspflicht. Sie soll verhindern, dass Quaggamuscheln und andere gebietsfremde Arten durch Boote in weitere Seen verschleppt werden.[10]

Schifffahrt

Die Kursschifffahrt auf dem Bielersee wird hauptsächlich von der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft betrieben. Die Schiffe verbinden Biel mit den Gemeinden am Nord- und Südufer sowie mit der St. Petersinsel.

Über den Zihlkanal und den Broyekanal sind Fahrten zum Neuenburgersee und zum Murtensee möglich. Durch den Nidau-Büren-Kanal und die Aare bestehen Schiffsverbindungen in Richtung Solothurn. Dadurch ist der Bielersee Teil eines weitläufigen touristischen Schifffahrtsnetzes.

Neben den Kursschiffen verkehren Segelboote, Motorboote, Ruderboote, Fischerboote und kleinere Wassersportgeräte. Häfen und Anlegestellen befinden sich unter anderem in Biel, Nidau, Ipsach, Sutz-Lattrigen, Täuffelen, Lüscherz, Erlach, La Neuveville, Ligerz und Twann.

Verkehr am See

Entlang des steilen nordwestlichen Ufers verlaufen wichtige Bahn- und Strassenverbindungen zwischen Biel und Neuenburg. Wegen des schmalen Raums zwischen See und Jurahang liegen Siedlungen, Bahnlinie, Strasse und Rebberge teilweise dicht nebeneinander.

Am südöstlichen Ufer verbindet die Biel–Täuffelen–Ins-Bahn die Gemeinden mit Biel und dem übrigen Seeland. Regionale Buslinien ergänzen den öffentlichen Verkehr.

Rad- und Wanderwege erschliessen grosse Teile des Seeufers. Eine vollständige Route rund um den See ist möglich, verläuft jedoch nicht überall unmittelbar am Wasser. Auf dem Heidenweg und in Naturschutzgebieten gelten besondere Regeln für den Fahrrad- und Fussverkehr.

Tourismus und Freizeit

Der Bielersee ist ein bedeutendes Naherholungsgebiet für Biel, das Seeland, den Berner Jura und die Westschweiz. Zu den beliebtesten Aktivitäten gehören Baden, Segeln, Windsurfen, Stand-up-Paddling, Rudern, Kanufahren, Angeln, Wandern und Radfahren.

Strandbäder und öffentliche Badeplätze befinden sich unter anderem in Biel, Nidau, Ipsach, Sutz-Lattrigen, Mörigen, Lüscherz, Erlach und La Neuveville. Die Wassertemperatur kann im Sommer angenehme Badewerte erreichen, wird aber stark von Wetter, Zuflüssen und Wind beeinflusst.

Bedeutende Ausflugsziele sind:

  • die St. Petersinsel und der Heidenweg;
  • die Altstädte von Biel, Nidau, Erlach und La Neuveville;
  • die Weinbaudörfer Twann und Ligerz;
  • der Bielersee-Rebenweg;
  • die Twannbachschlucht;
  • das Hagneckdelta;
  • die Schifffahrtsrouten im Drei-Seen-Land.

Der See liegt an der Schnittstelle verschiedener Sprach- und Kulturräume. Weinbau, Fischerei, historische Kleinstädte, Uferlandschaften und die Nähe zum Jura verleihen der Region ein eigenes touristisches Profil.

Wirtschaftliche Bedeutung

Neben Tourismus und Schifffahrt besitzt der Bielersee Bedeutung für Fischerei, Weinbau, Trinkwasserversorgung, Energieproduktion und Landwirtschaft.

In Hagneck wird das Wasser der Aare zur Stromerzeugung genutzt. Der See liefert zudem Rohwasser für die Trinkwasserversorgung. Entsprechende Anlagen müssen wegen der Ausbreitung der Quaggamuschel zunehmend geschützt und gereinigt werden.

Die Juragewässerkorrektion ermöglichte die landwirtschaftliche Nutzung grosser Flächen des Seelands. Der Bielersee ist damit indirekt für eines der wichtigsten Gemüseanbaugebiete der Schweiz von Bedeutung. Gleichzeitig hängt die Landwirtschaft von einer sorgfältigen Regulierung der Wasserstände und von funktionierenden Entwässerungssystemen ab.

Hochwasser und Klimawandel

Der Bielersee bleibt trotz seiner Regulierung hochwassergefährdet. Bei lang anhaltenden Niederschlägen, starker Schneeschmelze oder grossen Zuflüssen der Aare können die Wasserstände rasch steigen. Da die drei Jurarandseen über Kanäle miteinander verbunden sind, müssen Hochwasserereignisse überregional betrachtet werden.

Der Klimawandel kann die hydrologischen Verhältnisse weiter verändern. Intensivere Starkniederschläge erhöhen das Hochwasserrisiko, während längere Trockenperioden zu tiefen Wasserständen führen können. Höhere Wassertemperaturen verlängern die sommerliche Temperaturschichtung und können die Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers beeinträchtigen.

Auch Fischbestände, Plankton, Ufervegetation und invasive Arten reagieren auf steigende Temperaturen. Die zukünftige Regulierung muss deshalb Hochwasserschutz, Ökologie, Trinkwasserversorgung, Schifffahrt und Landwirtschaft gemeinsam berücksichtigen.

Bedeutung für die Region

Der Bielersee verbindet den deutschsprachigen und den französischsprachigen Teil der Schweiz. Biel/Bienne, La Neuveville, die deutschsprachigen Winzerdörfer und das zweisprachig geprägte Seeland bilden einen eng verflochtenen Lebens- und Wirtschaftsraum.

Die heutige Landschaft ist das Ergebnis natürlicher Prozesse und jahrhundertelanger menschlicher Eingriffe. Prähistorische Ufersiedlungen, mittelalterliche Städte, Weinbau, Juragewässerkorrektion, Bahn- und Strassenbau sowie moderne Freizeitnutzung haben den See unterschiedlich geprägt.

Seine überregionale Bedeutung beruht nicht nur auf der Landschaft und dem Tourismus. Als Teil des regulierten Drei-Seen-Systems schützt der Bielersee grosse Gebiete vor Hochwasser, speichert Wasser und beeinflusst den Abfluss der Aare bis weit in das Mittelland.

Siehe auch

Literatur

  • Matthias Nast: überflutet – überlebt – überlistet. Die Geschichte der Juragewässerkorrektionen. Verein Schlossmuseum Nidau, Nidau.
  • Hansjörg Küster: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Von der Eiszeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München.
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern: Pfahlbauten am Bielersee. Bern.
  • Historisches Lexikon der Schweiz: Bielersee. Bern.

Einzelnachweise