Liestal

Aus Helvetia Wiki – Die Enzyklopädie der Schweiz
Version vom 26. Juli 2026, 22:26 Uhr von Nick Frei (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: «{{Infobox Gemeinde in der Schweiz |NAME = Liestal |WAPPEN = Liestal-coat of arms.svg |KARTE = Karte Gemeinde Liestal 2007.png |BILD = Liestal Altstadt.jpg |BILDBESCHREIBUNG = Altstadt von Liestal |KANTON = Basel-Landschaft |BEZIRK = Liestal |BFS = 2829 |PLZ = 4410 |BREITENGRAD = 47.484 |LÄNGENGRAD = 7.735 |HÖHE = 327 |FLÄCHE = 18.21 |EINWOHNER = 16152 |STAND_EINWOHNER = 31. Dezember 2025 |STADT_PRÄSIDENT = Daniel Spinnler |PARTEI = FDP |WEBSITE = www.li…»)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Liestal

Liestal

Gemeindedaten

Staat

Schweiz

Kanton

Basel-Landschaft

Bezirk

Liestal

BFS-Nummer

2829

Postleitzahl

4410

Koordinaten

47.484° N, 7.735° E

Höhe

327 m ü. M.

Fläche

18.21 km²

Einwohner

16152
(Stand: 31. Dezember 2025)

Website

www.liestal.ch

Liestal ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kantons Basel-Landschaft. Die Stadt liegt rund 15 Kilometer südöstlich von Basel im Tal der Ergolz und bildet das politische, administrative und kulturelle Zentrum des mittleren Baselbiets. Liestal ist zugleich Hauptort des gleichnamigen Bezirks Liestal.

Die Gemeinde zählt rund 16'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Mit einer Fläche von 18,21 Quadratkilometern besitzt Liestal ein vergleichsweise grosses Gemeindegebiet, von dem mehr als die Hälfte bewaldet ist. Die kompakte historische Altstadt, die kantonalen Verwaltungsgebäude, das Kantonsspital Baselland, Bildungsinstitutionen und der Bahnhof prägen die Funktion Liestals als regionales Zentrum.[1]

Seit der Trennung des früheren Kantons Basel im Jahr 1833 ist Liestal Hauptort des Kantons Basel-Landschaft. Der Sitz von Regierung und Kantonsparlament befindet sich in der Altstadt. Zu den bekanntesten kulturellen Traditionen zählt der Chienbäse, ein Feuerbrauch, der am Sonntagabend nach dem Aschermittwoch durch die Altstadt zieht.

Name

Der Ortsname ist erstmals 1189 in der Form Lihstal urkundlich belegt. Spätere Schreibweisen waren unter anderem Liechstal, Liechtstal und Liestal.[2]

Die genaue Herkunft des Namens ist nicht abschliessend geklärt. Der zweite Bestandteil -tal bezeichnet die Lage in einem Talraum. Der erste Namensteil wurde unterschiedlich gedeutet und unter anderem mit einem Personennamen, einer Geländebezeichnung oder dem althochdeutschen Wort für Licht beziehungsweise Helligkeit in Verbindung gebracht.

Im lokalen Dialekt wird der Ortsname ungefähr als Lieschdl ausgesprochen. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden als Liestaler beziehungsweise Liestalerinnen bezeichnet.

Geografie

Liestal liegt im nordwestlichen Teil der Schweiz im Übergangsgebiet zwischen dem Tafeljura und den Ausläufern des Faltenjuras. Das Stadtzentrum befindet sich auf rund 327 Metern über Meer.

Die Gemeinde liegt im Tal der Ergolz, die von Süden nach Norden durch das Stadtgebiet fliesst. Bei Liestal münden mehrere kleinere Bäche in den Fluss, darunter der Orisbach und der Röserenbach.

Die höchste Stelle des Gemeindegebiets liegt im bewaldeten Hügelgebiet auf rund 614 Metern über Meer. Der tiefste Punkt befindet sich an der Ergolz im Gebiet Niederschönthal auf etwa 287 Metern über Meer.[1]

Das Gemeindegebiet umfasst 1821 Hektaren. Davon entfallen rund 1077 Hektaren auf Wald. Neben dem dicht bebauten Talboden gehören ausgedehnte Wald-, Landwirtschafts- und Naherholungsgebiete zur Gemeinde.

Nachbargemeinden

Liestal grenzt an folgende Gemeinden:

Damit besitzt Liestal neben den Grenzen zu Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft auch eine kurze Kantonsgrenze zum Kanton Solothurn.

Stadtgebiet

Das Siedlungsgebiet erstreckt sich hauptsächlich entlang der Ergolz und der wichtigen Verkehrsachsen. Die mittelalterliche Altstadt liegt westlich des Flusses auf einer leicht erhöhten Terrasse.

Zu den Stadtteilen und Quartieren gehören unter anderem:

  • die Altstadt;
  • das Bahnhofsgebiet;
  • das Gebiet Gestadeck;
  • das Oristal;
  • das Sichterngebiet;
  • das Fraumattquartier;
  • das Gräubernquartier;
  • das Gebiet Heidenloch;
  • das Gebiet Munzach;
  • Niederschönthal;
  • das Röserental.

Ausserhalb des zusammenhängenden Siedlungsraums liegen einzelne Höfe, Gewerbebauten und öffentliche Anlagen.

Landschaft

Die Umgebung Liestals ist durch bewaldete Jurahöhen, offene Landwirtschaftsflächen und schmale Täler geprägt. Die Wälder dienen der Holzproduktion, dem Schutz der natürlichen Lebensräume und der Erholung.

Ein bekanntes Naherholungsgebiet ist die Sichtern südwestlich der Stadt. Dort befinden sich Landwirtschaftsflächen, Spazierwege, Grillstellen und Aussichtspunkte.

Das Oristal im Süden verbindet Liestal mit dem Gebiet von Lupsingen und Büren. Es besitzt einen ländlichen Charakter und ist von Wald, Landwirtschaft und einzelnen Siedlungen geprägt.

Das Röserental führt in Richtung Arisdorf und Hersberg. Durch das Tal verlaufen wichtige Verkehrs- und Versorgungsinfrastrukturen.

= Klima

Liestal besitzt ein gemässigtes mitteleuropäisches Klima. Die Lage im Ergolztal führt im Sommer teilweise zu hohen Temperaturen, während sich im Winter Kaltluft und Nebel sammeln können.

Nach Angaben der Stadt beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur rund 10,1 Grad Celsius. Die mittlere Temperatur liegt im Januar bei etwa 2,1 Grad und im Juli bei rund 20,8 Grad. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt durchschnittlich etwa 933 Millimeter.[1]

Gewässer

Ergolz

Die Ergolz ist das wichtigste Gewässer Liestals. Sie entspringt im oberen Baselbiet und mündet bei Augst in den Rhein.

Der Fluss spielte für die historische Entwicklung der Stadt eine wichtige Rolle. Sein Wasser wurde für Mühlen, Gewerbebetriebe und später für industrielle Anlagen genutzt.

Durch Hochwasser und die zunehmende Bebauung wurde die Ergolz in Liestal über lange Strecken begradigt und mit Ufermauern gesichert. Neuere Projekte verfolgen das Ziel, Hochwasserschutz, Gewässerökologie und öffentliche Freiräume besser miteinander zu verbinden.

Orisbach

Der Orisbach entwässert das Oristal und mündet im südlichen Stadtgebiet in die Ergolz.

Entlang des Bachs bestanden früher Mühlen, Gewerbeanlagen und landwirtschaftliche Betriebe. Heute begleiten Strassen, Wege und Siedlungsflächen einen Teil seines Laufs.

Röserenbach

Der Röserenbach führt aus dem Gebiet zwischen Arisdorf und Liestal zur Ergolz.

Das Röserental bildet einen wichtigen Natur- und Verkehrsraum. In seinem Umfeld befinden sich Waldflächen, Landwirtschaftsgebiete und technische Infrastrukturen.

Geschichte

Urgeschichte

Das Gebiet von Liestal war bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. Funde aus der Jungsteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit weisen auf eine lang anhaltende Nutzung des Ergolztals hin.

Die erhöhte Lage einzelner Terrassen bot Schutz vor Überschwemmungen. Wasser, fruchtbare Böden, Wald und natürliche Verkehrswege schufen günstige Voraussetzungen für Siedlungen.

Auf dem Burghalden wurden Spuren einer befestigten Anlage entdeckt. Die genaue Datierung und Funktion der Befestigung sind Gegenstand archäologischer Untersuchungen.

Römische Zeit

Während der römischen Herrschaft lag Liestal im Hinterland der bedeutenden Stadt Augusta Raurica.

Durch das Ergolztal verliefen Verkehrswege, die Augusta Raurica mit dem oberen Baselbiet, dem Hauensteinpass und dem schweizerischen Mittelland verbanden.

Im Gebiet Munzach befand sich ein grosser römischer Gutshof. Die Anlage umfasste Wohn- und Wirtschaftsgebäude und diente der landwirtschaftlichen Versorgung der Region.

Zu den archäologischen Funden gehören Gebäudereste, Keramik, Münzen, Werkzeuge und Teile von Heizungs- und Badeanlagen. Der Gutshof wurde über mehrere Jahrhunderte genutzt.

Nach dem Rückzug der römischen Verwaltung im 5. Jahrhundert veränderten sich die Siedlungsstrukturen. Teile der römischen Infrastruktur wurden weiterverwendet oder dienten als Baumaterial.

Frühmittelalter

Aus dem Frühmittelalter sind Gräber und Siedlungsspuren bekannt. Das Gebiet gehörte nacheinander zum Einflussbereich verschiedener germanischer und fränkischer Herrschaften.

Die Lage an der Verkehrsroute über den Hauenstein blieb von Bedeutung. Wahrscheinlich bestanden mehrere kleinere Siedlungen und Höfe, bevor sich der spätere städtische Kern entwickelte.

Mittelalterliche Stadtgründung

Liestal wird 1189 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort zum Einflussbereich der Grafen von Frohburg.

Um 1240 oder in den folgenden Jahrzehnten wurde die Siedlung planmässig zur befestigten Stadt ausgebaut. Die Stadtanlage besass Mauern, Türme und mehrere Tore.

Um 1280 erhielt Liestal das Stadt- und Marktrecht.[3]

Die Altstadt entwickelte sich entlang einer Hauptgasse, der heutigen Rathausstrasse. Die Stadtkirche, das Rathaus, Bürgerhäuser und Handwerksbetriebe bildeten das Zentrum.

Nach dem Niedergang der Frohburger gelangte Liestal an den Bischof von Basel. 1305 verkaufte dieser die Stadt und die zugehörigen Rechte an die Stadt Basel.

Unter der Herrschaft Basels

Von 1305 bis zum frühen 19. Jahrhundert stand Liestal unter der Herrschaft der Stadt Basel.

Die Stadt besass eine begrenzte kommunale Selbstverwaltung, blieb aber politisch und wirtschaftlich von Basel abhängig. Basler Vögte und Behörden übten wesentliche Herrschaftsrechte aus.

Liestal war Verwaltungs- und Marktort für das umliegende Gebiet. Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Gastgewerbe prägten die Wirtschaft.

Die Lage an der Route über den Oberen Hauenstein brachte Reisende, Händler und Truppen in die Stadt. Gasthäuser, Fuhrbetriebe und Handwerker profitierten vom Durchgangsverkehr.

Erdbeben von 1356

Das Basler Erdbeben von 1356 beschädigte auch Liestal und die umliegenden Burgen.

Über das genaue Ausmass der Schäden in Liestal bestehen nur begrenzte Quellen. Wahrscheinlich wurden Teile der Befestigungsanlagen und Gebäude beschädigt.

Der Wiederaufbau veränderte das Stadtbild und erforderte erhebliche wirtschaftliche Anstrengungen.

Liestaler Freiheitskampf von 1381

1381 erhoben sich Liestaler Bürger gegen die Herrschaft der Stadt Basel. Der Aufstand wurde niedergeschlagen.

Als Strafe liess Basel Teile der Stadtbefestigung zerstören und schränkte die städtischen Rechte ein. Das Ereignis blieb ein wichtiger Bestandteil der lokalen Erinnerung.

Die Auseinandersetzung wird häufig als Ausdruck des frühen Liestaler Freiheitswillens dargestellt, darf jedoch nicht unmittelbar mit modernen demokratischen Bewegungen gleichgesetzt werden.

Schwabenkrieg

Während des Schwabenkriegs von 1499 diente Liestal als Sammel- und Durchgangsort eidgenössischer Truppen.

Die Nähe zu Basel und die Verbindung über den Hauenstein verliehen der Stadt militärische Bedeutung.

Nach dem Beitritt Basels zur Eidgenossenschaft im Jahr 1501 gehörte auch Liestal zum Gebiet eines eidgenössischen Ortes.

Reformation

1529 führte Basel in seinen Untertanengebieten die Reformation ein. Die Liestaler Stadtkirche wurde evangelisch-reformiert.

Kirchliche Einrichtungen und Gottesdienste wurden nach den neuen konfessionellen Vorgaben umgestaltet. Bilder und Altäre verschwanden teilweise aus den Kirchenräumen.

Die kirchliche Organisation blieb eng mit der politischen Herrschaft Basels verbunden.

Bauernkrieg von 1653

Im Schweizer Bauernkrieg von 1653 beteiligten sich auch Bewohner des Baselbiets an Protesten gegen Abgaben, wirtschaftliche Belastungen und die städtische Obrigkeit.

Liestal war ein wichtiges Zentrum der basellandschaftlichen Bewegung. Zu den bekannten Anführern gehörten Hans Heinrich Ryhiner und weitere Vertreter der Landschaft.

Nach der Niederlage der Aufständischen wurden mehrere Beteiligte bestraft. Die Basler Obrigkeit stellte ihre Herrschaft wieder her.

An die Bauernführer erinnern Denkmäler und Strassennamen in Liestal.

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wuchs die Stadt über ihre mittelalterlichen Mauern hinaus. Vor dem Obertor und dem Untertor entstanden kleine Vorstädte.[2]

Ein Gewerbeviertel entwickelte sich an einem künstlich angelegten Wasserkanal. Das Wasser trieb Mühlen, Sägen und andere Anlagen an.

Die Posamenterei und Seidenbandweberei waren für die Region von grosser Bedeutung. Ein Teil der Produktion erfolgte als Heimarbeit in den umliegenden Dörfern.

Liestal blieb zugleich Markt-, Verwaltungs- und Verkehrsort.

Helvetische Republik

1798 brach die Herrschaft der Stadt Basel über die Landschaft zusammen. Die Ideen der Französischen Revolution und der Einmarsch französischer Truppen führten zur politischen Neuordnung.

In Liestal und anderen Orten des Baselbiets entstanden Freiheitsbäume und politische Versammlungen. Die Landbevölkerung verlangte Gleichberechtigung mit der Stadt Basel.

Während der Helvetischen Republik gehörte Liestal zum Kanton Basel. Die alten Untertanenverhältnisse wurden aufgehoben.

Die zentralistische Ordnung blieb jedoch politisch instabil. Nach dem Ende der Helvetischen Republik wurden viele kantonale Strukturen wiederhergestellt.

Restauration und politische Spannungen

Die Basler Verfassung von 1814 gewährte der Landschaft keine gleichberechtigte Vertretung. Die Stadt Basel behielt trotz ihrer kleineren Bevölkerung einen überproportionalen politischen Einfluss.

Diese Benachteiligung führte zu wachsendem Unmut in den Landgemeinden. Liestal entwickelte sich zu einem Zentrum der oppositionellen Bewegung.

Die französische Julirevolution von 1830 verstärkte die Forderungen nach Gleichberechtigung und demokratischer Mitwirkung.

Basler Kantonstrennung

Am 6. Januar 1831 wählten Vertreter der Landschaft im Gasthaus Engel in Liestal eine provisorische Regierung.

Basler Truppen besetzten Liestal am 15. Januar 1831. Im Verlauf der folgenden Auseinandersetzungen wurde die Stadt erneut militärisch angegriffen und zeitweise eingenommen.[4]

1832 wurde ein eigenständiger Kanton Basel-Landschaft gegründet. Die endgültige Trennung von Basel-Stadt erfolgte nach dem Gefecht an der Hülftenschanze vom 3. August 1833.

Liestal wurde zum Hauptort des neuen Kantons bestimmt. Die Wahl beruhte auf der zentralen Lage, der politischen Rolle während der Trennungsbewegung und der vorhandenen städtischen Infrastruktur.

Seit 1833 befinden sich Regierung, Parlament und zentrale Verwaltungsstellen des Kantons Basel-Landschaft in Liestal.

Aufbau des Kantons Basel-Landschaft

Der junge Kanton musste seine Behörden und Institutionen neu aufbauen. In Liestal entstanden Verwaltungsgebäude, Schulen, Gerichte und weitere kantonale Einrichtungen.

Die Stadt profitierte wirtschaftlich von ihrer Funktion als Kantonshauptort. Beamte, Politiker, Besucher und Dienstleistungsbetriebe prägten das städtische Leben.

Der Kanton Basel-Landschaft entwickelte ein vergleichsweise demokratisches politisches System mit weitreichenden Volksrechten.

Industrialisierung

Im 19. Jahrhundert veränderte die Industrialisierung die Wirtschaft Liestals.

Textilbetriebe, Maschinenbau, Metallverarbeitung, Papier- und Lebensmittelunternehmen siedelten sich an. Die Wasserkraft der Ergolz und ihrer Kanäle wurde zunächst weiterhin für den Betrieb von Maschinen genutzt.

Die traditionelle Heimarbeit verlor allmählich an Bedeutung. Fabrikarbeit und Lohnarbeit nahmen zu.

Die Einwohnerzahl stieg, und ausserhalb der Altstadt entstanden neue Wohn- und Gewerbegebiete.

Eisenbahnanschluss

1854 erhielt Liestal einen Bahnhof an der Strecke Basel–Liestal. 1858 wurde die Verbindung durch den Hauenstein nach Olten fertiggestellt.

Die Eisenbahn verkürzte die Reisezeiten nach Basel und ins Mittelland erheblich. Liestal entwickelte sich zu einem bedeutenden Verkehrsknoten.

1880 nahm die Waldenburgerbahn den Betrieb zwischen Liestal und Waldenburg auf. Die schmalspurige Bahn erschloss das vordere und hintere Frenkental.

Der Eisenbahnbau förderte Industrie, Handel und Bevölkerungswachstum. Das Gebiet um den Bahnhof entwickelte sich zu einem zweiten städtischen Schwerpunkt neben der Altstadt.

20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wuchs Liestal zu einem regionalen Verwaltungs-, Bildungs- und Gesundheitszentrum.

Neue Wohnquartiere entstanden an den Hängen und in den Seitentälern. Strassenbau und Motorisierung veränderten den Talboden.

Während des Ersten Weltkriegs und des Zweiten Weltkriegs war die Stadt von Mobilmachung, Versorgungsproblemen und wirtschaftlichen Einschränkungen betroffen, blieb aber von direkten Kriegshandlungen verschont.

Nach 1945 nahm die Bevölkerung stark zu. Der Ausbau der kantonalen Verwaltung, des Spitals, der Schulen und der Verkehrsinfrastruktur schuf zahlreiche Arbeitsplätze.

Stadtentwicklung seit 2000

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden mehrere zentrale Stadtgebiete erneuert.

Die Kantonsbibliothek erhielt 2005 einen neuen Standort in einem umgebauten ehemaligen Weinlager beim Bahnhof. Weitere Projekte betrafen das Gebiet Zentrumsentwicklung Liestal, den Bahnhof, öffentliche Plätze und Wohn- und Geschäftsbauten.

Zwischen 2018 und 2025 bauten die Schweizerischen Bundesbahnen den Bahnknoten Liestal aus. Die Strecke wurde im Bahnhofsbereich auf vier Gleise erweitert. Gleichzeitig entstanden ein neues Bahnhofsgebäude, neue Perrons, eine Passerelle, ein Wendegleis und neue öffentliche Räume.[5]

Der erneuerte Bahnhof wurde im März 2025 offiziell an die Stadt übergeben. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 ermöglicht die neue Infrastruktur einen Viertelstundentakt der S-Bahn zwischen Basel und Liestal.[6]

Bevölkerung

Liestal entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert von einer Kleinstadt zu einem regionalen Zentrum mit mehr als 16'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Jahr Einwohner
1774 1'813
1850 3'032
1900 5'403
1950 8'449
1980 12'158
2000 12'901
2020 über 14'500
2025 16'152

Das Wachstum beschleunigte sich nach dem Zweiten Weltkrieg und erneut im frühen 21. Jahrhundert. Neue Wohngebiete und die Verdichtung bestehender Quartiere führten zu einer steigenden Einwohnerzahl.

Ende 2025 lebten nach kantonaler Statistik 16'152 Personen in Liestal. Davon waren 11'019 Schweizer Staatsangehörige und 5'133 ausländische Staatsangehörige. Der Ausländeranteil betrug rund 31,8 Prozent.[7]

Sprache

Amtssprache ist Deutsch. Im Alltag wird überwiegend eine lokale Variante des Baseldeutschen beziehungsweise des nordwestschweizerischen Dialekts gesprochen.

Durch Zuwanderung sind zahlreiche weitere Sprachen verbreitet. Dazu gehören Italienisch, Albanisch, Türkisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Englisch und verschiedene südslawische Sprachen.

Religion

Die Bevölkerung war seit der Reformation traditionell evangelisch-reformiert.

Durch Zuwanderung und gesellschaftliche Veränderungen nahm der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung zu. Heute bestehen reformierte, römisch-katholische und christkatholische Kirchgemeinden sowie freikirchliche, orthodoxe, islamische und weitere Religionsgemeinschaften.

Ein wachsender Teil der Bevölkerung gehört keiner öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaft an.

Politik

Kommunale Organisation

Liestal besitzt als eine der grösseren Gemeinden des Kantons ein Gemeindeparlament.

Die kommunalen Organe sind:

  • der Einwohnerrat als Legislative;
  • der Stadtrat als Exekutive;
  • die Stimmberechtigten;
  • verschiedene Behörden und Kommissionen.

Einwohnerrat

Der Einwohnerrat ist das Parlament der Stadt. Er ersetzt die in kleineren Gemeinden übliche Gemeindeversammlung.

Der Einwohnerrat besteht aus 40 Mitgliedern. Sie werden nach dem Verhältniswahlverfahren gewählt.

Das Parlament beschliesst unter anderem Reglemente, Budget, Rechnung, grössere Kredite und strategische Planungen. Es übt die Oberaufsicht über den Stadtrat und die Stadtverwaltung aus.[8]

Die Sitzungen finden in der Regel im Landratssaal des Regierungsgebäudes statt und sind grundsätzlich öffentlich.

Stadtrat

Der Stadtrat bildet die Exekutive. Er besteht aus dem Stadtpräsidenten oder der Stadtpräsidentin und vier weiteren Mitgliedern.

Die Mitglieder werden von den Stimmberechtigten nach dem Majorzverfahren gewählt. Jedes Mitglied leitet ein Departement.

In der Amtsperiode 2024–2028 gehören dem Stadtrat an:

Mitglied Funktion Partei
Daniel Spinnler Stadtpräsident FDP
Marie-Theres Beeler Vizestadtpräsidentin Grüne
Lukas Felix Stadtrat SP
Pascale Meschberger Stadträtin SP
Thomas Eugster Stadtrat FDP

Thomas Eugster trat sein Amt am 1. Januar 2026 an und ersetzte den zurückgetretenen Daniel Muri.[9]

Bürgergemeinde

Neben der Einwohnergemeinde besteht die Bürgergemeinde Liestal.

Sie umfasst Personen mit Liestaler Bürgerrecht und besitzt eigenes Vermögen. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Verwaltung von Wald, Land und weiteren Vermögenswerten sowie kulturelle und gesellschaftliche Tätigkeiten.

Die Bürgergemeinde wird durch einen Bürgerrat geleitet. Sie besitzt eine eigene Bürgergemeindeversammlung.

Kantonale Institutionen

Als Kantonshauptort beherbergt Liestal die wichtigsten politischen Institutionen des Kantons Basel-Landschaft:

  • den Landrat;
  • den Regierungsrat;
  • die Landeskanzlei;
  • das Kantonsgericht;
  • die kantonalen Direktionen;
  • Teile der kantonalen Verwaltung;
  • das Staatsarchiv Basel-Landschaft.

Das Regierungsgebäude befindet sich in der Altstadt. Der Landrat tagt im Landratssaal.

Wappen

Das Wappen von Liestal zeigt auf rotem Grund einen weissen Baselstab mit sieben kugelförmigen Ausbuchtungen am Schaft.

Der Baselstab verweist auf die historische Zugehörigkeit zum Fürstbistum und zur Stadt Basel. Im Gegensatz zum schwarzen Baselstab von Basel-Stadt und zum roten Baselstab des Kantons Basel-Landschaft verwendet Liestal einen weissen Stab.

Die sieben Kugeln werden in älteren Darstellungen unterschiedlich interpretiert. Sie gehören seit Jahrhunderten zur lokalen Wappentradition.

Das Stadtwappen erscheint auf amtlichen Dokumenten, Gebäuden, Fahnen und Publikationen.

Wirtschaft

Liestal ist ein bedeutender Arbeitsort im Kanton Basel-Landschaft.

Die kantonale Verwaltung, das Gesundheitswesen, Schulen, Gerichte und weitere öffentliche Institutionen stellen zahlreiche Arbeitsplätze bereit.

Daneben bestehen Betriebe aus Handel, Dienstleistungen, Bau, Gewerbe, Maschinenbau, Informationstechnologie und Lebensmittelwirtschaft.

Die historische Altstadt besitzt zahlreiche kleinere Geschäfte, Restaurants und Dienstleistungsunternehmen. Grössere Gewerbe- und Einkaufsgebiete liegen ausserhalb des mittelalterlichen Zentrums.

Öffentlicher Sektor

Als Kantonshauptort weist Liestal einen hohen Anteil öffentlicher Arbeitsplätze auf.

Die Kantonsverwaltung, die Stadtverwaltung, Gerichte, Schulen, Polizei und soziale Einrichtungen beschäftigen mehrere tausend Personen.

Die Konzentration öffentlicher Institutionen stabilisiert den Arbeitsmarkt, führt aber auch zu einer starken Abhängigkeit von politischen Investitions- und Standortentscheidungen.

Gesundheitswesen

Das Kantonsspital Baselland betreibt in Liestal einen bedeutenden Spitalstandort.

Das Spital bietet medizinische Grund- und Spezialversorgung für die Bevölkerung des Kantons und angrenzender Gebiete. Dazu gehören Notfallmedizin, Chirurgie, Innere Medizin, Geburtshilfe und verschiedene Fachdisziplinen.

In der Umgebung befinden sich Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen, Apotheken und weitere Gesundheitsdienste.

Gewerbe und Detailhandel

Die Altstadt bildet ein traditionelles Einkaufszentrum. Wochen- und Warenmärkte knüpfen an das mittelalterliche Marktrecht an.

Der Strukturwandel im Detailhandel, Einkaufszentren ausserhalb der Altstadt und der Onlinehandel stellen die lokalen Geschäfte vor Herausforderungen.

Stadt, Gewerbeorganisationen und Grundeigentümer fördern Veranstaltungen, Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität, um das Zentrum zu stärken.

Landwirtschaft und Waldwirtschaft

Trotz der städtischen Funktion besitzt Liestal grössere Landwirtschaftsflächen.

Betriebe bewirtschaften Äcker, Wiesen, Obstgärten und Weiden. Die stadtnahen Landwirtschaftsgebiete sind zugleich Teil des Naherholungsraums.

Die Bürgergemeinde und weitere Eigentümer bewirtschaften ausgedehnte Wälder. Neben der Holzproduktion erfüllen diese Schutz-, Natur- und Erholungsfunktionen.

Verkehr

Eisenbahn

Der Bahnhof Liestal liegt an der wichtigen Hauensteinstrecke zwischen Basel und Olten.

Fernverkehrszüge verbinden Liestal direkt mit Basel, Olten, Bern, Luzern, Zürich und weiteren Städten. Regionalzüge und S-Bahn-Verbindungen erschliessen die Gemeinden des Ergolztals.

Seit Ende 2025 verkehren zwischen Basel und Liestal S-Bahn-Züge grundsätzlich im Viertelstundentakt.

Der Bahnhof wurde zwischen 2018 und 2025 umfassend umgebaut. Der Ausbau umfasste vier Gleise, neue Perrons, einen Neubau des Bahnhofsgebäudes, eine Fussgängerpasserelle und ein Wendegleis.[5]

Waldenburgerbahn

Die Waldenburgerbahn verbindet Liestal mit Bubendorf, Hölstein, Oberdorf und Waldenburg.

Die Bahn wurde 1880 mit einer Spurweite von 750 Millimetern eröffnet. Sie war damit eine der schmalspurigsten öffentlichen Eisenbahnen Europas.

Zwischen 2021 und 2022 wurde die gesamte Strecke erneuert und auf Meterspur umgebaut. Neue Fahrzeuge, Haltestellen und Sicherungsanlagen verbesserten Kapazität und Barrierefreiheit.

In Liestal beginnt die Bahn am Bahnhof und verläuft anschliessend durch das Ergolztal.

Busverkehr

Mehrere Buslinien verbinden Liestal mit den umliegenden Gemeinden und Quartieren.

Verbindungen bestehen unter anderem nach Frenkendorf, Füllinsdorf, Arisdorf, Hersberg, Seltisberg, Lupsingen, Büren, Lausen und Reigoldswil.

Der Bahnhofplatz ist der wichtigste Umsteigepunkt zwischen Bahn, Waldenburgerbahn und Bus.

Strassenverkehr

Liestal liegt an der Hauptverkehrsachse zwischen Basel und dem oberen Baselbiet.

Die kantonale Hochleistungsstrasse H2 verbindet Liestal mit Pratteln und der Autobahn A2. Südlich führt sie in Richtung Sissach und zum Hauenstein.

Die 2013 eröffnete Umfahrung Liestal entlastete Teile des Stadtzentrums und der Rheinstrasse vom Durchgangsverkehr.

Weitere Strassen führen nach Lausen, Bubendorf, Seltisberg, Lupsingen und Arisdorf.

Der hohe Pendlerverkehr verursacht insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten Belastungen und Staus.

= Fuss- und Veloverkehr

Die Altstadt ist teilweise verkehrsberuhigt. Fusswege verbinden Bahnhof, Altstadt, Verwaltungsgebäude, Schulen und Wohnquartiere.

Der Ausbau des Bahnhofs führte zu neuen Unterführungen, Passerellen und Veloabstellanlagen.

Regionale Velorouten führen entlang der Ergolz und in die Nachbargemeinden. Die Topografie und stark befahrene Strassen erschweren jedoch in einzelnen Gebieten sichere Veloverbindungen.

Bildung

Liestal ist ein bedeutender Bildungsstandort.

Die Stadt führt Kindergärten und Primarschulen. Die Sekundarstufe wird durch kantonale und kommunale Schulen ergänzt.

Zu den Bildungseinrichtungen gehören:

  • mehrere Primarschulhäuser;
  • das Schulzentrum Burg;
  • die Sekundarschule Liestal;
  • das Gymnasium Liestal;
  • Berufsfachschulen;
  • heilpädagogische und sonderpädagogische Einrichtungen;
  • Musikschulen;
  • Weiterbildungsinstitutionen.

Das Gymnasium Liestal bietet gymnasiale Bildung und weitere Ausbildungsgänge für Jugendliche aus grossen Teilen des Kantons.

Die Nähe zu Basel ermöglicht den Zugang zur Universität Basel, zu Fachhochschulen und weiteren höheren Bildungsinstitutionen.

Kultur

Liestal besitzt trotz seiner überschaubaren Grösse ein vielfältiges kulturelles Angebot.

Museen, Bibliotheken, Theater, Musikvereine, Galerien und historische Vereinigungen tragen zum kulturellen Leben bei.

Die Altstadt dient als Schauplatz für Märkte, Feste, Konzerte und politische Veranstaltungen.

Museum.BL

Das Museum.BL befindet sich im ehemaligen Zeughaus in der Altstadt.

Es ist das kultur- und naturhistorische Museum des Kantons Basel-Landschaft. Seine Ausstellungen behandeln Geschichte, Natur, Gesellschaft, Archäologie und Industrie.

Das Museum besitzt Sammlungen mit Objekten aus dem gesamten Kanton.

Kantonsbibliothek Baselland

Die Kantonsbibliothek Baselland befindet sich nahe dem Bahnhof.

Das Gebäude entstand durch den Umbau eines ehemaligen Weinlagers. Die Bibliothek wurde 2005 eröffnet und entwickelte sich zu einem wichtigen öffentlichen Kultur- und Bildungsort.

Sie stellt Bücher, Zeitungen, digitale Medien, Arbeitsplätze und Veranstaltungsräume bereit.

= Dichter- und Stadtmuseum

Das Dichter- und Stadtmuseum dokumentiert die Stadtgeschichte und das literarische Erbe Liestals.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Dichter Georg Herwegh, der einen Teil seines Lebens in Liestal verbrachte, sowie weiteren Persönlichkeiten der regionalen Literatur.

= Theater Palazzo

Das Theater Palazzo befindet sich in der Nähe des Bahnhofs.

Es bietet Theater, Kleinkunst, Film, Musik und weitere kulturelle Veranstaltungen. Das Gebäude gehört zu den kulturellen Treffpunkten der Region.

= Kulturscheune

Die Kulturscheune Liestal dient als Veranstaltungsort für Konzerte, Theater, Lesungen und gesellschaftliche Anlässe.

Sie befindet sich in einem historischen Gebäude und verbindet lokale Kulturarbeit mit dem baulichen Erbe der Stadt.

Chienbäse

Der Chienbäse ist der bekannteste Brauch Liestals.

Am Sonntagabend nach dem Aschermittwoch werden grosse brennende Besen aus Föhrenscheiten durch die Altstadt getragen. Zusätzlich ziehen Wagen mit grossen Feueraufbauten durch das Obertor und die engen Gassen.

Der Ausdruck Chien bezeichnet harzreiches Kiefernholz. Die Besen werden aus gespaltenen Holzscheiten gebunden und kurz vor dem Umzug entzündet.

Der Chienbäse zieht jährlich tausende Besucherinnen und Besucher an. Wegen der grossen Hitze, des Rauchs und der engen Altstadt sind umfangreiche Sicherheitsmassnahmen erforderlich.

Die heutige Form des Umzugs entwickelte sich hauptsächlich im 20. Jahrhundert. Aussagen, wonach der Brauch unmittelbar auf vorchristliche Feuerkulte zurückgehe, sind historisch nicht eindeutig belegt.

Der Chienbäse ist Teil der Liestaler Fasnacht und besitzt für die lokale Identität eine grosse Bedeutung.[10]

Fasnacht

Die Liestaler Fasnacht folgt dem Termin der Baselbieter Bauernfasnacht und findet eine Woche nach der Basler Fasnacht statt.

Zum Programm gehören der Chienbäse, Fasnachtsumzüge, Guggenmusik, Schnitzelbänke und Veranstaltungen in Restaurants und Lokalen.

Cliquen und Fasnachtsgruppen gestalten Laternen, Wagen, Kostüme und musikalische Beiträge.

Die Fasnacht verbindet regionale Traditionen mit zeitgenössischer Satire und gesellschaftlicher Kritik.

Sehenswürdigkeiten

= Altstadt

Die historische Altstadt besitzt einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Grundriss.

Die Rathausstrasse bildet die Hauptachse. Schmale Seitengassen, Bürgerhäuser, Geschäfte und öffentliche Gebäude prägen das Ortsbild.

Reste der Stadtbefestigung und historische Gebäude erinnern an die Entwicklung Liestals als Markt- und Verwaltungsstadt.

= Obertor

Das Obertor ist das bekannteste erhaltene Stadttor Liestals.

Es steht am südlichen Eingang der Altstadt und stammt in seiner heutigen Form aus verschiedenen Bauphasen.

Beim Chienbäse ziehen die brennenden Besen und Feuerwagen durch das Tor. Bilder dieses Durchgangs gehören zu den bekanntesten Darstellungen des Brauchs.

Das Obertor ist ein Wahrzeichen der Stadt und ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.

= Rathaus

Das Rathaus befindet sich an der Rathausstrasse.

Der Bau besitzt eine reich bemalte Fassade und dient der Stadtverwaltung sowie repräsentativen Aufgaben.

Teile des Gebäudes gehen auf frühere Jahrhunderte zurück. Umbauten und Restaurierungen passten es an die Anforderungen der Verwaltung an.

= Regierungsgebäude

Das Regierungsgebäude ist Sitz von Kantonsregierung und Landrat.

Es entstand nach der Gründung des Kantons Basel-Landschaft und wurde mehrfach erweitert und umgebaut.

Der Landratssaal ist das politische Zentrum des Kantons. Er wird auch für Sitzungen des Liestaler Einwohnerrats genutzt.

= Reformierte Stadtkirche

Die reformierte Stadtkirche steht am Rand der Altstadt.

Ihre Baugeschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Nach der Reformation wurde sie für den reformierten Gottesdienst umgestaltet.

Umbauten und Restaurierungen veränderten das Gebäude mehrfach. Der Kirchturm prägt die Silhouette der Altstadt.

= Römisch-katholische Kirche Bruder Klaus

Die römisch-katholische Kirche Bruder Klaus entstand im 20. Jahrhundert als Folge des Wachstums der katholischen Bevölkerung.

Sie ist dem Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe gewidmet.

= Burghalden

Die Burghalden liegt auf einer Anhöhe bei Liestal.

Archäologische Funde weisen auf eine frühgeschichtliche oder mittelalterliche Befestigung hin. Das Gebiet ist heute bewaldet und als Spazierziel zugänglich.

= Römischer Gutshof Munzach

Im Gebiet Munzach befinden sich die Überreste eines römischen Gutshofs.

Die Anlage gehörte zu den grösseren landwirtschaftlichen Betrieben im Umfeld von Augusta Raurica. Sichtbare Mauerreste und Informationstafeln vermitteln einen Eindruck der römischen Besiedlung.

= Aussichtsturm Schleifenberg

Der Aussichtsturm auf dem Schleifenberg, lokal auch Alti Stel genannt, steht auf einer bewaldeten Anhöhe oberhalb Liestals.

Von der Plattform reicht die Aussicht über Liestal, das Ergolztal, den Jura, den Schwarzwald und bei guter Sicht bis zu den Alpen.

Der Turm ist über Wanderwege erreichbar.

Natur und Erholung

Die grossen Waldflächen machen Liestal zu einem bedeutenden Naherholungsgebiet.

Wanderwege führen zur Sichtern, zum Schleifenberg, ins Oristal, ins Röserental und zu den Nachbargemeinden.

Die Ergolz und ihre Seitenbäche bilden wichtige Naturkorridore. Renaturierungs- und Hochwasserschutzprojekte sollen die ökologische Qualität verbessern.

Sportanlagen, Spielplätze, Vita-Parcours und Grillstellen ergänzen das Freizeitangebot.

Sport

In Liestal bestehen zahlreiche Sportvereine und Anlagen.

Zu den angebotenen Sportarten gehören Fussball, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen, Tennis, Volleyball, Basketball, Schiesssport und Radsport.

Das Stadion Gitterli und weitere Anlagen dienen Schulen, Vereinen und Veranstaltungen.

Das Schwimmbad Gitterli besitzt Innen- und Aussenbereiche und ist für die Region von Bedeutung.

Der Fussballclub FC Liestal gehört zu den bekannten Sportvereinen der Stadt.

Medien

Über Liestal berichten regionale Zeitungen, Radio- und Onlineangebote.

Die Basellandschaftliche Zeitung behandelt politische und gesellschaftliche Themen des Kantons und der Region.

Die Stadt veröffentlicht das amtliche Informationsblatt Liestal aktuell.

Weitere lokale Informationen erscheinen über Vereinsmedien, Quartierpublikationen und soziale Netzwerke.

Gesundheits- und Sozialwesen

Neben dem Kantonsspital bestehen Alters- und Pflegeeinrichtungen, Spitex-Angebote, Beratungsstellen und soziale Institutionen.

Liestal gehört gemeinsam mit mehreren umliegenden Gemeinden zu einer regional organisierten Alters- und Pflegeregion.[11]

Die Stadt erfüllt als regionales Zentrum auch Aufgaben für Menschen aus den Nachbargemeinden.

Ver- und Entsorgung

Die Stadt ist für Wasserversorgung, Abwasser, Abfallentsorgung und verschiedene kommunale Infrastrukturen zuständig.

Das Trinkwasser stammt aus lokalen und regionalen Vorkommen und wird über Reservoire und Leitungsnetze verteilt.

Abwasser wird in regionalen Anlagen gereinigt. Die Lage an der Ergolz erfordert eine enge Abstimmung von Siedlungsentwässerung und Gewässerschutz.

Fernwärme, Erdgas, Elektrizität und erneuerbare Energien spielen in der städtischen Energieplanung eine Rolle.

Persönlichkeiten

= In Liestal geboren

= Mit Liestal verbunden

  • Georg Herwegh (1817–1875), deutscher Dichter und Revolutionär, lebte und starb in Liestal;
  • Emma Herwegh (1817–1904), Schriftstellerin und Revolutionärin;
  • Carl Spitteler (1845–1924), verbrachte seine Kindheit und Jugend in Liestal;
  • August Suter (1887–1965), Bildhauer;
  • Otto Plattner (1886–1951), Maler und Grafiker;
  • Alex Capus (* 1961), Schriftsteller, in Liestal aufgewachsen.

Städtepartnerschaft

Liestal pflegt freundschaftliche Beziehungen zu verschiedenen Gemeinden und Städten.

Besonders bekannt ist die Verbindung mit Onex im Kanton Genf. Die Kontakte dienen dem kulturellen und sprachregionalen Austausch.

Daneben bestehen Beziehungen im Rahmen von Vereinen, Schulen und internationalen Projekten.

Kulinarik

Die Gastronomie umfasst traditionelle Gasthäuser, Restaurants, Cafés und internationale Küchen.

An Märkten und während der Fasnacht werden regionale Spezialitäten angeboten.

Zur Baselbieter Küche gehören unter anderem Mehlsuppe, Zwiebel- und Käsewähen, Wurstgerichte und saisonale Produkte aus der Landwirtschaft.

Die Liestaler Altstadt besitzt eine lange Tradition als Markt- und Gastgewerbeort.

Märkte

Das mittelalterliche Marktprivileg prägt Liestal bis heute.

Regelmässige Waren- und Wochenmärkte finden in der Altstadt statt. Angeboten werden Lebensmittel, Pflanzen, Textilien, Haushaltswaren und handwerkliche Erzeugnisse.

Zusätzliche Floh-, Frühlings- und Weihnachtsmärkte ergänzen das Angebot.[3]

Die Märkte dienen nicht nur dem Handel, sondern auch als gesellschaftliche Treffpunkte.

Stadtentwicklung und Raumplanung

Liestal wächst und verdichtet sich insbesondere im Bahnhofsgebiet und entlang der Verkehrsachsen.

Die Stadtplanung verfolgt das Ziel, zusätzliche Wohnungen und Arbeitsplätze zu schaffen, ohne die historischen Ortsbilder und Naherholungsräume unangemessen zu beeinträchtigen.

Zentrale Projekte betreffen:

  • die Entwicklung des Bahnhofareals;
  • die Aufwertung öffentlicher Plätze;
  • die Verkehrsberuhigung der Altstadt;
  • neue Wohnquartiere;
  • Schul- und Sportanlagen;
  • Hochwasserschutz und Gewässerräume;
  • sichere Fuss- und Veloverbindungen.

Die begrenzten Flächen im Talboden führen zu Konflikten zwischen Siedlung, Verkehr, Wirtschaft, Natur und Erholung.

Bedeutung

Liestal nimmt innerhalb des Kantons Basel-Landschaft eine besondere Stellung ein.

Die Stadt ist politischer Hauptort, Verwaltungszentrum, Verkehrsknoten und Standort wichtiger Bildungs-, Kultur- und Gesundheitseinrichtungen.

Ihre historische Entwicklung ist eng mit dem Verhältnis zwischen der Stadt Basel und der Landschaft verbunden. Die Kantonstrennung von 1833 machte Liestal zum Symbol der politischen Eigenständigkeit des Baselbiets.

Gleichzeitig ist Liestal funktional stark mit der Agglomeration Basel verflochten. Zahlreiche Einwohner pendeln nach Basel, während Beschäftigte, Schülerinnen, Schüler und Besucher aus der gesamten Region nach Liestal kommen.

Die Verbindung von historischer Kleinstadt, kantonalem Zentrum und wachsendem Agglomerationsort prägt die heutige Identität.

Chronologie

Jahr Ereignis
Römische Zeit Errichtung und Betrieb des Gutshofs Munzach
1189 Erste bekannte urkundliche Erwähnung als Lihstal
13. Jahrhundert Ausbau zur befestigten Stadt
um 1280 Erteilung des Stadt- und Marktrechts
1305 Übergang vom Bischof von Basel an die Stadt Basel
1356 Schäden durch das Basler Erdbeben
1381 Aufstand gegen die Basler Herrschaft
1529 Einführung der Reformation
1653 Beteiligung am Schweizer Bauernkrieg
1798 Ende der baselstädtischen Untertanenherrschaft
6. Januar 1831 Wahl einer provisorischen Regierung in Liestal
1832 Gründung des Kantons Basel-Landschaft
1833 Endgültige Kantonstrennung; Liestal wird Kantonshauptort
1854 Eröffnung der Eisenbahnstrecke Basel–Liestal
1858 Durchgehende Bahnverbindung über den Hauenstein nach Olten
1880 Eröffnung der Waldenburgerbahn
2005 Eröffnung der neuen Kantonsbibliothek
2013 Eröffnung der Umfahrung Liestal
2022 Wiedereröffnung der erneuerten Waldenburgerbahn
2025 Abschluss des Bahnhofneubaus und des Vierspurausbaus
Dezember 2025 Einführung des S-Bahn-Viertelstundentakts zwischen Basel und Liestal

Siehe auch

Literatur

  • Hans-Rudolf Heyer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Landschaft. Band II: Der Bezirk Liestal. Birkhäuser, Basel 1974.
  • Heimatkunde Liestal: Liestal – eine neue Heimatkunde. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal.
  • Dominik Wunderlin: Liestal. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Stadt Liestal: Geschichte der Stadt Liestal. Liestal.
  • Staatsarchiv Basel-Landschaft: Quellen zur Geschichte Liestals und der Basler Kantonstrennung. Liestal.
  • Archäologie Baselland: Der römische Gutshof von Liestal-Munzach. Liestal.
  • Georg Kreis, Beat von Wartburg (Hrsg.): Basel – Geschichte einer städtischen Gesellschaft. Basel.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Liestal in Zahlen. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.
  2. 2,0 2,1 Fehlende HLS-Artikelnummer
  3. 3,0 3,1 Marktwesen. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.
  4. Gründung Kanton Baselland. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.
  5. 5,0 5,1 Liestal: Bahnhofneubau fertiggestellt. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. 2025-03-27. Abgerufen am 2026-07-26.
  6. Das Wendegleis Liestal. Hrsg.: Schweizerische Bundesbahnen. Abgerufen am 2026-07-26.
  7. Bevölkerung nach Gemeinde. Hrsg.: Amt für Daten und Statistik Basel-Landschaft. 2026-06-10. Abgerufen am 2026-07-26.
  8. Einwohnerrat. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.
  9. Stadtrat Liestal – Departementszuteilung für die verbleibende Amtsperiode. Hrsg.: Stadt Liestal. 2025-11-05. Abgerufen am 2026-07-26.
  10. Chienbäse 2026 findet statt. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.
  11. Alters- und Pflegeregion Liestal. Hrsg.: Stadt Liestal. Abgerufen am 2026-07-26.

Wikimedia Commons Wikimedia Commons: Medien zu Liestal