Autobahn A21
| Offizielle Bezeichnung | Nationalstrasse N21 |
|---|---|
| Weitere Bezeichnung | Route du Grand-Saint-Bernard |
| Strassentyp | Autostrasse und Hauptstrasse |
| Beginn | Verzweigung Grosser St. Bernhard bei Martigny |
| Ende | Nordportal des Tunnels Grosser St. Bernhard |
| Gesamtlänge | rund 37 km |
| Kanton | Wallis |
| Europastrasse | E27 |
| Wichtige Orte | Martigny, Bovernier, Sembrancher, Orsières, Liddes, Bourg-Saint-Pierre |
| Wichtiger Tunnel | Tunnel Mont-Chemin |
| Betreiber | Bundesamt für Strassen |
| Teil des Nationalstrassennetzes seit | 1. Januar 2020 |
Die Autobahn A21, offiziell Nationalstrasse N21 und französisch meist Route du Grand-Saint-Bernard genannt, ist eine rund 37 Kilometer lange Schweizer Nationalstrasse im Kanton Wallis. Sie führt von der Autobahn A9 bei Martigny durch das Val d’Entremont bis zum Nordportal des Tunnels Grosser St. Bernhard bei Bourg-Saint-Pierre. Über den gebührenpflichtigen Tunnel setzt sich die internationale Verbindung in das italienische Aostatal fort.[1]
Die Bezeichnung «Autobahn A21» ist nur teilweise mit dem tatsächlichen Ausbaustandard vereinbar. Der Abschnitt zwischen Martigny und Martigny-Croix ist eine kreuzungsfrei geführte Nationalstrasse zweiter Klasse und entspricht einer Autostrasse. Der wesentlich längere Abschnitt von Martigny-Croix bis zum Tunnelportal ist dagegen eine Nationalstrasse dritter Klasse. Er besitzt überwiegend den Charakter einer zweispurigen alpinen Hauptstrasse, führt durch mehrere Ortschaften und weist zahlreiche niveaugleiche Anschlüsse auf.[2]
Die A21 bildet gemeinsam mit dem Tunnel Grosser St. Bernhard einen bedeutenden Nord-Süd-Verkehrsweg zwischen der Westschweiz und Norditalien. Sie ist Teil der Europastrasse 27, die von Belfort über Bern, Martigny und den Grossen St. Bernhard nach Aosta führt.[3]
Bezeichnung und Klassierung
Im schweizerischen Strassensystem bestehen für dieselbe Verbindung unterschiedliche Bezeichnungen. N21 ist die rechtliche und administrative Nummer innerhalb des Nationalstrassennetzes. A21 wird als verkehrsbezogene Bezeichnung verwendet, obwohl nicht die gesamte Strecke als Autobahn oder Autostrasse ausgebaut ist.
Das Bundesamt für Strassen unterscheidet bei den Nationalstrassen zwischen den administrativen Nummern mit dem Buchstaben N und den für Verkehrsteilnehmende verwendeten Bezeichnungen mit A oder H. Der Buchstabe A kann sowohl Autobahnen als auch Autostrassen kennzeichnen. Die Klassierung als Nationalstrasse sagt deshalb nicht automatisch aus, dass eine Strecke über mindestens vier Fahrstreifen, getrennte Richtungsfahrbahnen oder vollständige Kreuzungsfreiheit verfügt.[4]
Vor der Übernahme durch den Bund gehörte die Strecke zur Hauptstrasse 21. Die Nationalstrasse N21 übernahm im Wesentlichen deren Verlauf zwischen Martigny und dem Tunnelportal.
Die Strecke ist in zwei unterschiedlich klassierte Abschnitte gegliedert:
| Abschnitt | Klassierung | Ausbaustandard | Vignettenpflicht |
|---|---|---|---|
| Martigny–Martigny-Croix | Nationalstrasse zweiter Klasse | Autostrasse, weitgehend kreuzungsfrei | ja |
| Martigny-Croix–Portal des Tunnels Grosser St. Bernhard | Nationalstrasse dritter Klasse | zweispurige alpine Hauptstrasse | nein |
Die Autobahnvignette ist somit nur für den kurzen Autostrassenabschnitt zwischen Martigny und Martigny-Croix erforderlich. Für die Weiterfahrt auf der Nationalstrasse dritter Klasse bis zum Tunnelportal besteht keine Vignettenpflicht.[2]
Der Tunnel Grosser St. Bernhard gehört nicht zum vom ASTRA unterhaltenen A21-Abschnitt. Für seine Benutzung wird unabhängig von der Schweizer Autobahnvignette eine Durchfahrtsgebühr erhoben.
Verlauf
Martigny und Verzweigung Grosser St. Bernhard
Die A21 beginnt bei der Verzweigung Grosser St. Bernhard im Osten von Martigny. Sie ist dort mit der A9 verbunden, die durch das Rhonetal von Lausanne über Montreux und Sitten in Richtung Brig führt.
Die Nationalstrasse beginnt offiziell im Bereich des Anschlusses Martigny-Expo beziehungsweise der Verzweigung Grosser St. Bernhard. Von dort führt sie in südwestlicher Richtung zum Tunnel Mont-Chemin. Die Anschlussanlage verteilt den Verkehr auf die A9, die A21, das Stadtgebiet von Martigny und die Strassen in Richtung Col de la Forclaz und Frankreich.
Der Raum Martigny ist ein bedeutender Verkehrsknoten. Hier treffen die Verkehrsachsen durch das Rhonetal, zum Grossen St. Bernhard, ins Val de Bagnes sowie über den Col de la Forclaz nach Chamonix aufeinander.
Tunnel Mont-Chemin
Nach der Verzweigung führt die A21 durch den Tunnel Mont-Chemin. Der 1,8 Kilometer lange Strassentunnel wurde 1992 eröffnet und liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Martigny und Martigny-Combe.[5]
Der Tunnel leitet den Transitverkehr an einem grossen Teil des Stadtgebiets von Martigny vorbei. Er dient sowohl dem Verkehr nach Italien als auch einem Teil des Verkehrs in Richtung Frankreich und entlastet die innerstädtischen Strassen.
Der Mont-Chemin-Tunnel besitzt eine Röhre mit Gegenverkehr. Er ist mit Beleuchtung, Lüftung, Brandmeldeanlagen, Verkehrsüberwachung und weiteren Sicherheitseinrichtungen ausgerüstet. Seit der Übernahme der A21 durch den Bund wurden verschiedene technische Komponenten erneuert. Dazu gehörten Teile der Sicherheitsausrüstung, Ventilatoren, Brandmeldeanlagen, die Tunnelsteuerung und die Umstellung der Signalisation auf LED-Technik.
Eine umfassende bauliche und sicherheitstechnische Sanierung ist nach den Planungen des ASTRA ab 2028 vorgesehen. Während der Arbeiten soll der Tunnel tagsüber grundsätzlich befahrbar bleiben. Für bestimmte Arbeiten sind Nacht- und einzelne Vollsperrungen geplant.[5]
Martigny-Croix
Südlich des Mont-Chemin-Tunnels erreicht die A21 den Kreisel Transalpin bei Martigny-Croix. Hier endet der als Nationalstrasse zweiter Klasse und Autostrasse klassierte Abschnitt.
Ab Martigny-Croix verläuft die A21 als Nationalstrasse dritter Klasse. Die Richtungsfahrbahnen sind nicht getrennt, und die Strasse ist grundsätzlich auch für Fahrzeugarten zugänglich, die auf Autobahnen und Autostrassen nicht verkehren dürfen.
Die Strecke folgt nun dem Tal der Dranse und steigt zunehmend in Richtung Alpenhauptkamm an.
Bovernier
Die A21 führt durch das Gebiet der Gemeinde Bovernier. Das Tal wird hier enger und ist von steilen, teilweise felsigen Hängen geprägt. Strasse, Bahnlinie und Fluss liegen über längere Abschnitte dicht nebeneinander.
Mehrere Brücken, Stützmauern und Schutzbauten sichern die Verkehrsverbindung. Aufgrund der eingeschränkten räumlichen Verhältnisse sind grössere Ausbauten nur mit erheblichem baulichem Aufwand möglich.
Die A21 dient in Bovernier nicht nur dem internationalen Transitverkehr, sondern ist zugleich die wichtigste lokale Erschliessungsstrasse. Anschlüsse verbinden sie mit den Ortsteilen und den umliegenden Berggebieten.
Sembrancher
Bei Sembrancher erreicht die Strasse einen bedeutenden regionalen Verkehrsknoten. Hier zweigt die Verbindung in das Val de Bagnes mit den Orten Le Châble und Verbier ab.
Die A21 folgt weiterhin der Dranse d’Entremont in südlicher Richtung. Der Verkehr in diesem Abschnitt setzt sich aus lokalem Verkehr, Pendlerverkehr, touristischem Verkehr zu den Walliser Ferienorten und dem Transitverkehr nach Italien zusammen.
Zwischen Martigny und Sembrancher verkehren nach Angaben des ASTRA durchschnittlich rund 15'000 Fahrzeuge pro Tag. Damit ist dieser untere Abschnitt der am stärksten belastete Teil der A21.[6]
Orsières
Südlich von Sembrancher führt die A21 nach Orsières. Die Gemeinde bildet das regionale Zentrum des Val d’Entremont. Von hier zweigen Strassen unter anderem nach Champex-Lac und in das Val Ferret ab.
Der durchschnittliche tägliche Verkehr zwischen Sembrancher und Orsières liegt bei rund 7'500 Fahrzeugen. Die Verkehrsmenge ist damit deutlich geringer als im Raum Martigny, bleibt für eine alpine Talstrasse jedoch beträchtlich.[6]
Im Raum Orsières führt die A21 teilweise durch überbautes Gebiet. Kreisverkehrsplätze, Einmündungen und direkte Grundstückszufahrten verdeutlichen den Charakter als Nationalstrasse dritter Klasse.
Liddes
Nach Orsières steigt die Strasse stärker an und erreicht die Gemeinde Liddes. Die Strecke verläuft abschnittsweise auf Hangterrassen oberhalb der Dranse.
Das Gelände erfordert zahlreiche Stützmauern, Brücken und Schutzgalerien. Im Winter stellen Schneefall, Eisbildung und Lawinen eine besondere Herausforderung für den Betrieb dar. Die Strasse wird ganzjährig offengehalten, sofern Naturereignisse nicht zu vorübergehenden Sperrungen führen.
Liddes und seine Ortsteile werden direkt durch die A21 erschlossen. Dadurch besitzt die Strasse gleichzeitig die Funktion einer internationalen Transitachse und einer kommunalen Hauptverbindung.
Bourg-Saint-Pierre
Die letzte grössere Ortschaft entlang der A21 ist Bourg-Saint-Pierre. Das historische Dorf liegt an einer seit der Antike benutzten Route über den Grossen St. Bernhard.
Südlich der Ortschaft steigt die A21 in hochalpines Gelände an. Die Zahl der Siedlungen nimmt ab, während Schutzbauten gegen Lawinen, Steinschlag und andere Naturgefahren an Bedeutung gewinnen.
Zwischen Orsières und Bourg-Saint-Pierre verkehren durchschnittlich rund 2'500 Fahrzeuge pro Tag. Im Sommer kann die Belastung auf bis zu 4'000 Fahrzeuge täglich steigen.[6]
Galerie Les Toules
Kurz vor dem Tunnelportal verläuft die A21 durch die Galerie Les Toules. Die gedeckte Strasse liegt ungefähr zwischen 1'700 und 1'950 Metern über Meer und schützt den Verkehr vor Lawinen, Steinschlag und anderen Naturereignissen.[7]
Am 17. April 2025 beschädigte eine Lawine die Galerie auf einer Länge von rund 300 Metern. Mitgerissene Felsblöcke und Bäume trafen die Schutzkonstruktion. Die A21 musste für den Transitverkehr nach Italien gesperrt werden. Nach provisorischen Sicherungsarbeiten wurde die Strecke zunächst eingeschränkt wieder geöffnet; die vollständige Instandsetzung erfolgte bis zum folgenden Winter.[8]
Das Ereignis verdeutlichte die hohe Bedeutung der Schutzbauten und des laufenden Naturgefahrenmanagements auf dem obersten Abschnitt der A21.
Nordportal des Tunnels Grosser St. Bernhard
Die A21 endet auf einer Höhe von rund 1'918 Metern am Nordportal des Tunnels Grosser St. Bernhard. Der Höhenunterschied gegenüber Martigny auf 471 Metern beträgt rund 1'447 Meter.[6]
Der anschliessende Tunnel führt unter dem Alpenhauptkamm in das italienische Aostatal. Auf italienischer Seite setzt sich die Verbindung als Strada Statale 27 in Richtung Aosta fort.
Die Strasse vom Tunnelportal hinauf zum Pass Grosser St. Bernhard gehört nicht zur A21. Sie verblieb auch nach 2020 im Eigentum des Kantons Wallis und ist im Winter in der Regel geschlossen.[9]
Streckenübersicht
| Abschnitt | Anschluss oder Ort | Bedeutung |
|---|---|---|
| Martigny | Verzweigung Grosser St. Bernhard | Verbindung mit der Autobahn A9 |
| Martigny | Tunnel Mont-Chemin | 1,8 km lange Umfahrung des Stadtgebiets |
| Martigny-Croix | Kreisel Transalpin | Ende der Autostrasse und der Vignettenpflicht |
| Bovernier | lokale Anschlüsse | Erschliessung des unteren Val d’Entremont |
| Sembrancher | Abzweigung Val de Bagnes | Verbindung nach Le Châble und Verbier |
| Orsières | regionale Anschlüsse | Verbindung nach Champex-Lac und ins Val Ferret |
| Liddes | lokale Anschlüsse | Erschliessung mehrerer Bergdörfer |
| Bourg-Saint-Pierre | Ortsanschluss | letzte grössere Ortschaft vor dem Tunnel |
| Les Toules | Schutzgalerien | Schutz vor Lawinen und Steinschlag |
| Bourg-Saint-Pierre | Portal des Tunnels Grosser St. Bernhard | Übergang zur gebührenpflichtigen internationalen Tunnelverbindung |
Gemeinden entlang der A21
Nach Angaben des ASTRA grenzen acht Walliser Gemeinden an die Strecke:
Die Gemeinde Val de Bagnes liegt nicht auf dem eigentlichen Hauptverlauf bis zum Tunnelportal, ist aber im Raum Sembrancher unmittelbar mit der Verkehrsachse und ihren Anschlussstrassen verbunden.[9]
Bauliche Merkmale
Die A21 weist aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben und der stark wechselnden Topografie keinen einheitlichen Ausbaustandard auf.
Der unterste Abschnitt bei Martigny ist als leistungsfähige Autostrasse ausgeführt. Er besitzt kontrollierte Zufahrten, kreuzungsfreie Anschlüsse und den Tunnel Mont-Chemin.
Südlich von Martigny-Croix entspricht die Strecke einer alpinen Hauptstrasse. Typisch sind:
- je ein Fahrstreifen pro Richtung;
- Gegenverkehr ohne bauliche Mitteltrennung;
- niveaugleiche Einmündungen und Kreisverkehrsplätze;
- Abschnitte innerhalb oder unmittelbar neben Ortschaften;
- zahlreiche Brücken und Stützmauern;
- Tunnel und Schutzgalerien;
- teilweise enge Kurven;
- starke Steigungen;
- witterungsabhängige Geschwindigkeitsbeschränkungen.
Auf der gesamten Strecke befinden sich rund 240 Kunst- und Schutzbauten. Dazu gehören 63 Brücken, 100 Stützmauern und 43 Galerien. Viele dieser Bauwerke wurden während der 1960er- und 1970er-Jahre errichtet.[6]
Tunnel Mont-Chemin
Der Tunnel Mont-Chemin ist das wichtigste eigentliche Tunnelbauwerk innerhalb der A21. Er wurde 1992 in Betrieb genommen und ist 1,8 Kilometer lang.
Der Tunnel erfüllt mehrere Funktionen. Er führt den internationalen Transitverkehr am Zentrum von Martigny vorbei, verbindet die A9 mit dem Val d’Entremont und dient als Zufahrt zu den Verkehrsachsen in Richtung Italien und Frankreich.
Da der Tunnel nur eine Röhre besitzt, verkehren beide Fahrtrichtungen auf derselben Fahrbahn. Die Sicherheit hängt daher besonders von der Beleuchtung, der Verkehrssteuerung, der Branderkennung und der Rauchableitung ab.
Seit 2020 wurden verschiedene betriebs- und sicherheitstechnische Anlagen modernisiert. Die ab 2028 vorgesehene Gesamtsanierung umfasst sowohl bauliche Arbeiten als auch weitere Verbesserungen der Sicherheitseinrichtungen.[5]
Tunnel Grosser St. Bernhard
Der Tunnel Grosser St. Bernhard schliesst unmittelbar an die A21 an, bildet aber organisatorisch und rechtlich ein eigenständiges Verkehrsbauwerk.
Der Tunnel ist 5'798 Meter lang und besitzt eine Fahrbahn mit einem Fahrstreifen pro Richtung.[10]
Die Bauarbeiten begannen 1958 auf der italienischen und kurz darauf auf der schweizerischen Seite. Die Eröffnung erfolgte am 19. März 1964. Der Tunnel war die erste ganzjährig befahrbare Strassenverbindung durch den Alpenhauptkamm.[11]
Die Schweizer Nordhälfte steht unter der Konzession der Tunnel du Grand-Saint-Bernard SA, die italienische Südhälfte unter jener der SITRASB S.p.A. Der gemeinsame Betrieb erfolgt durch die SISEX SA.[12]
Für die Tunneldurchfahrt wird eine Maut erhoben. Die Schweizer Autobahnvignette hat für diese Gebühr keine Bedeutung.
Verkehrsbedeutung
Die A21 besitzt sowohl regionale als auch internationale Bedeutung. Sie erschliesst das Val d’Entremont, verbindet mehrere Walliser Gemeinden mit Martigny und bildet eine Zufahrt zu touristischen Gebieten wie Verbier, Champex-Lac und dem Val Ferret.
Gleichzeitig stellt sie über den Tunnel Grosser St. Bernhard eine direkte Strassenverbindung zwischen der Westschweiz und dem Aostatal her. Von Aosta bestehen Anschlüsse an das italienische Autobahnnetz in Richtung Turin und Mailand.
Das Verkehrsaufkommen nimmt mit zunehmender Höhe deutlich ab:
| Abschnitt | Durchschnittlicher Verkehr |
|---|---|
| Martigny–Sembrancher | rund 15'000 Fahrzeuge pro Tag |
| Sembrancher–Orsières | rund 7'500 Fahrzeuge pro Tag |
| Orsières–Bourg-Saint-Pierre | rund 2'500 Fahrzeuge pro Tag |
| Orsières–Bourg-Saint-Pierre im Sommer | bis zu rund 4'000 Fahrzeuge pro Tag |
Schwere Nutzfahrzeuge machen je nach Abschnitt und Zeitraum ungefähr drei bis sechs Prozent des Gesamtverkehrs aus.[6]
Der internationale Schwerverkehr ist geringer als auf den grossen Alpenachsen über den Gotthard, den San Bernardino oder den Simplon. Dennoch besitzt die Route für regionale Warenströme und als Ausweichverbindung eine wichtige Funktion.
Geschichte der Verkehrsachse
Historische Passroute
Die Verbindung über den Grossen St. Bernhard gehört zu den ältesten bekannten Alpenübergängen. Bereits in der Antike wurde sie für militärische, wirtschaftliche und politische Reisen genutzt.
Die Römer bauten den Übergang zu einer wichtigen Verbindung zwischen Norditalien und den Gebieten nördlich der Alpen aus. Im Mittelalter benutzten Händler, Pilger, Geistliche, Herrscher und Heere die Route.
Auf der Passhöhe entstand ein Hospiz, das Reisenden Schutz und Unterkunft bot. Die mit dem Hospiz verbundenen Bernhardinerhunde wurden später zu einem international bekannten Symbol der Region.
Im Mai 1800 überquerte Napoleon Bonaparte mit seiner Armee den Grossen St. Bernhard während des Zweiten Koalitionskriegs. Die militärische Überquerung wurde später in mehreren Kunstwerken dargestellt und trug zur Bekanntheit der Passroute bei.
Bau der modernen Tunnelverbindung
Die Passstrasse war wegen der Schneeverhältnisse nur während eines Teils des Jahres befahrbar. Für eine zuverlässige ganzjährige Verbindung zwischen dem Wallis und dem Aostatal wurde deshalb der Bau eines Strassentunnels beschlossen.
1958 begannen die Bauarbeiten auf beiden Seiten des Alpenhauptkamms. Neben dem eigentlichen Tunnel wurden Zufahrtsstrassen, Betriebsgebäude, Zollanlagen und weitere Infrastruktur errichtet.
Mit der Eröffnung des Tunnels am 19. März 1964 entstand die erste ganzjährig nutzbare Strassentunnelverbindung durch die Alpen. Die Zufahrt auf Schweizer Seite bildete die Grundlage der späteren A21.[11]
Ausbau im Raum Martigny
Die zunehmende Verkehrsbelastung machte im Raum Martigny eine leistungsfähigere Umfahrung erforderlich. Mit dem 1992 eröffneten Tunnel Mont-Chemin wurde der Transitverkehr von einem Teil des Stadtgebiets getrennt.
Der Tunnel und die anschliessenden Anschlussbauwerke verbesserten die Verbindung zwischen der A9 und der Strasse zum Grossen St. Bernhard. Gleichzeitig wurde das Zentrum von Martigny vom Durchgangsverkehr entlastet.
Aufnahme in das Nationalstrassennetz
Bis Ende 2019 befand sich die Strasse zwischen Martigny und dem Tunnelportal im Eigentum des Kantons Wallis. Ihre Aufnahme in das Nationalstrassennetz war Teil der Erweiterung des Schweizer Nationalstrassennetzes um rund 400 Kilometer ehemaliger Kantonsstrassen.
Die entsprechende Neuordnung stand im Zusammenhang mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds. Die Übernahme trat am 1. Januar 2020 in Kraft.[6]
Seither ist der Bund Eigentümer der Strecke. Das ASTRA ist für Planung, Finanzierung und übergeordneten Unterhalt verantwortlich. Die operative Betreuung erfolgt teilweise weiterhin durch die zuständigen Walliser Dienste auf Grundlage eines Leistungsauftrags.[9]
Mit der Übernahme der A21 gelangten alle vier grossen Schweizer Nord-Süd-Strassenachsen über den Gotthard, den San Bernardino, den Simplon und den Grossen St. Bernhard in die Verantwortung des Bundes.
Betrieb und Unterhalt
Die A21 wird durch die ASTRA-Filiale Thun betreut, die für die Nationalstrassen in den Kantonen Bern und Wallis zuständig ist.
Die Walliser Gebietseinheit III übernimmt im Auftrag des Bundes einen Teil der betrieblichen Aufgaben. Dazu zählen unter anderem:
- Winterdienst und Schneeräumung;
- Unterhalt der Tunnelanlagen;
- Grünpflege;
- Signalisation;
- Kontrolle der Strassenanlage;
- Sofortmassnahmen nach Unfällen und Naturereignissen.
Der Betrieb einer alpinen Strasse ist aufwendig. Frost, Streusalz, grosse Temperaturunterschiede und hohe Niederschlagsmengen beschleunigen die Alterung von Fahrbahnen, Brücken, Fugen und Betonbauteilen.
Sanierungsprogramm seit 2020
Nach der Übernahme durch den Bund begann das ASTRA mit einer systematischen Untersuchung der Strasse und ihrer Kunstbauten. Bereits in den ersten Jahren wurden jährlich mehrere Millionen Franken in Betrieb, Unterhalt und kleinere Verbesserungen investiert.[1]
Seit 2025 laufen mehrere grössere Projekte. Dazu gehören:
- Sanierung von rund 25 bis 30 einzelnen Kunstbauten;
- Erneuerung von Brücken und Stützmauern;
- Verbesserungen an Entwässerungsanlagen;
- Modernisierung technischer Ausrüstungen;
- Verstärkung des Schutzes vor Naturgefahren;
- Teilsanierung der Galerie Les Toules;
- Vorbereitung der Sanierung des Tunnels Mont-Chemin;
- Überprüfung und Verbesserung des Lärmschutzes.
Viele der betroffenen Brücken und Stützmauern stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Der Verkehr soll während der Arbeiten möglichst aufrechterhalten werden. Aufgrund der engen Platzverhältnisse sind jedoch häufig einspurige Verkehrsführungen, Nachtarbeiten oder zeitweilige Sperrungen erforderlich.[6]
Für das Sanierungsprogramm setzt das ASTRA erstmals bei einem Strasseninstandsetzungsprojekt den Standard «SNBS Infrastructure» versuchsweise ein. Bewertet werden unter anderem Kreislaufwirtschaft, Energieverbrauch, Kohlendioxidemissionen und Umweltmassnahmen.[6]
Naturgefahren
Die A21 ist auf ihrem alpinen Abschnitt verschiedenen Naturgefahren ausgesetzt. Dazu gehören:
- Lawinen;
- Stein- und Blockschlag;
- Felsstürze;
- Murgänge;
- Hochwasser;
- Hangrutschungen;
- starker Schneefall;
- Eisbildung.
Besonders gefährdet ist der Abschnitt oberhalb von Bourg-Saint-Pierre. Schutzgalerien, Steinschlagnetze, Dämme, Stützmauern und überwachte Hänge sollen die Risiken vermindern.
Nach Naturereignissen kontrollieren Fachleute die betroffenen Hänge und Schutzbauten. Bei unmittelbarer Gefahr kann die Strasse vollständig gesperrt werden. Da im oberen Tal nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten bestehen, unterbricht eine Sperrung häufig auch den Transitverkehr durch den Tunnel.
Winterbetrieb
Die A21 bis zum Tunnelportal wird grundsätzlich ganzjährig betrieben. Der Winterdienst umfasst Schneeräumung, Streuen, Lawinenüberwachung und die Kontrolle gefährdeter Hänge.
Starke Schneefälle oder erhöhte Lawinengefahr können dennoch vorübergehende Sperrungen verursachen. Für bestimmte Fahrzeuge können Schneeketten vorgeschrieben werden.
Die Strasse vom Tunnelportal zur Passhöhe ist dagegen eine saisonale Kantonsstrasse. Sie wird während des Winters nicht durchgehend offengehalten. Der ganzjährige Verkehr nach Italien wird durch den Tunnel Grosser St. Bernhard geführt.
Lärmschutz und Umwelt
Das ASTRA untersucht die Lärmbelastung entlang der gesamten Strecke zwischen Martigny und dem Tunnelportal. Besonders relevant sind dicht besiedelte Abschnitte und Ortsdurchfahrten.
Mögliche Massnahmen umfassen lärmarme Strassenbeläge, lokale Lärmschutzwände, Geschwindigkeitsanpassungen und bauliche Verbesserungen an besonders belasteten Gebäuden.[13]
Bei Sanierungsarbeiten müssen zudem Gewässerschutz, Landschaftsschutz und der Umgang mit belastetem Baumaterial berücksichtigt werden. Die Nähe zur Dranse erfordert besondere Massnahmen zur Behandlung von Strassenabwasser und zur Verhinderung von Verunreinigungen.
Sicherheit
Die Sicherheit auf der A21 wird durch den wechselnden Ausbaustandard, den Gegenverkehr, die starken Steigungen und die alpinen Wetterbedingungen beeinflusst.
Auf dem Abschnitt südlich von Martigny-Croix bestehen keine getrennten Richtungsfahrbahnen. Überholmanöver, langsame Schwerfahrzeuge und touristischer Verkehr können dort zu riskanten Situationen führen.
Zur Verbesserung der Sicherheit dienen unter anderem:
- Geschwindigkeitsbegrenzungen;
- Überholverbote auf kritischen Abschnitten;
- Schutzgalerien und Steinschlaganlagen;
- Winterdienst;
- Überwachung von Hängen und Lawinenzügen;
- Erneuerung von Fahrbahnen und Markierungen;
- Sanierung von Brücken und Stützmauern;
- Modernisierung der Tunneltechnik;
- Verkehrsinformationen bei Sperrungen.
Öffentlicher Verkehr
Das Val d’Entremont wird teilweise durch die Bahnstrecke Martigny–Orsières und verschiedene Postautolinien erschlossen. Strasse und Bahn verlaufen in mehreren Abschnitten nahe beieinander.
Der öffentliche Verkehr übernimmt insbesondere für Pendlerinnen und Pendler, Schülerinnen und Schüler sowie touristische Ziele eine wichtige Funktion. Für zahlreiche kleinere Ortschaften und Seitentäler bleibt die A21 beziehungsweise ihre Anschlussstrassen jedoch die zentrale Erschliessungsachse.
Internationale Busverbindungen durch den Tunnel Grosser St. Bernhard bestehen nur in begrenztem Umfang und teilweise saisonal.
Abgrenzung zu anderen Strassen
Die A21 ist nicht mit der historischen Hauptstrasse 21 in ihrer gesamten Ausdehnung gleichzusetzen. Die heutige Nationalstrasse umfasst ausschliesslich den Abschnitt zwischen der Verzweigung Grosser St. Bernhard bei Martigny und dem Tunnelportal.
Ebenfalls nicht Bestandteil der A21 sind:
- der Tunnel Grosser St. Bernhard;
- die italienische Zufahrtsstrasse;
- die Kantonsstrasse vom Tunnelportal zum Pass;
- die Strassenverbindung über den Col de la Forclaz;
- die Zufahrtsstrasse in das Val de Bagnes.
Bedeutung als Alpenübergang
Im Vergleich zur Autobahn A2 über den Gotthard und zur Autobahn A13 über den San Bernardino weist die A21 ein deutlich geringeres Verkehrsaufkommen auf. Sie besitzt dennoch eine wichtige Funktion für die internationale Verbindung der Westschweiz mit dem Aostatal und dem Piemont.
Die Route bietet eine Alternative zum Mont-Blanc-Tunnel und zum Simplonpass. Ihre Bedeutung kann bei Sperrungen oder Überlastungen anderer Alpenverbindungen vorübergehend zunehmen.
Für den Kanton Wallis ist die A21 zugleich eine zentrale regionale Entwicklungs- und Erschliessungsachse. Sie verbindet abgelegene Berggemeinden mit dem Rhonetal und sichert den Zugang zu Arbeitsplätzen, Schulen, Gesundheitsversorgung und touristischen Angeboten.
Siehe auch
- Autobahnen und Autostrassen in der Schweiz
- Autobahn A9
- Hauptstrasse 21
- Grosser-St.-Bernhard-Tunnel
- Grosser St. Bernhard
- Europastrasse 27
- Nationalstrasse
- Verkehr im Kanton Wallis
- Martigny
- Bourg-Saint-Pierre
Weblinks
- A21 Grosser St. Bernhard beim Bundesamt für Strassen
- Offizielle Projektwebsite zur A21
- Streckendaten und Sanierungsprojekte
- Offizielle Website des Tunnels Grosser St. Bernhard
- Informationen des ASTRA zum Nationalstrassennetz
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 A21 Grosser St. Bernhard, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 2,0 2,1 Route nationale N21 – Martigny–Portail du tunnel du Grand-Saint-Bernard, Bundesamt für Strassen, 16. März 2020, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ European Agreement on Main International Traffic Arteries, Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ A, H oder N für die Nationalstrassen?, Bundesamt für Strassen, 2. Februar 2022, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Assainissement du tunnel du Mont-Chemin, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 6,7 6,8 Présentation des travaux sur la route Grand-Saint-Bernard, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Protection contre les chutes de pierres aux Toules, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ A21 Grosser St. Bernhard: Nachtsperrungen für Instandsetzung der Galerie Les Toules, Bundesamt für Strassen, 5. August 2025, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 La route du Grand-Saint-Bernard, une route nationale, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Die Tunnelanlagen, Tunnel Grosser St. Bernhard, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ 11,0 11,1 Tunnel, Tunnel Grosser St. Bernhard, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ TGSB SA, Tunnel Grosser St. Bernhard, abgerufen am 27. Juli 2026.
- ↑ Protection contre le bruit sur la route du Grand-Saint-Bernard, Bundesamt für Strassen, abgerufen am 27. Juli 2026.
Wikimedia Commons: Medien zu A21