Toni-Areal

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Das Toni-Areal ist ein ehemaliges Industrieareal und heutiger Hochschul-, Kultur- und Wohnkomplex in Zürich-West im Industriequartier der Stadt Zürich. Das markante Gebäude an der Pfingstweidstrasse 96 wurde 1977 als Grossmolkerei eröffnet und diente während mehr als zwei Jahrzehnten der industriellen Verarbeitung von Milch. Seit einem umfassenden Umbau beherbergt das Toni-Areal vor allem die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), zwei Departemente der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), das Museum für Gestaltung Zürich sowie Wohnungen und verschiedene öffentliche Einrichtungen.[1]

Der Umbau der ehemaligen Molkerei zu einem Hochschulcampus wurde nach Plänen des Zürcher Architekturbüros EM2N realisiert. Das Projekt gehört zu den bedeutenden Beispielen für die Umnutzung industrieller Grossbauten in der Schweiz und ist eng mit dem Strukturwandel von Zürich-West verbunden.[2]

Lage

Das Toni-Areal befindet sich im Quartier Escher Wyss im Stadtkreis 5 von Zürich. Es liegt zwischen der Pfingstweidstrasse im Süden, der Förrlibuckstrasse im Norden und der Duttweilerstrasse im Westen.

Die offizielle Adresse der Zürcher Hochschule der Künste lautet Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich.[3]

Das Gebäude liegt in einem Gebiet, das bis ins späte 20. Jahrhundert stark durch Industrie, Lagerhäuser und Verkehrsanlagen geprägt war. Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich Zürich-West zu einem gemischt genutzten Stadtgebiet mit Wohnungen, Büros, Kultur-, Bildungs- und Freizeitangeboten.

Geschichte

Vor der Toni-Molkerei

Um 1900 war das Gebiet des heutigen Toni-Areals noch weitgehend ländlich geprägt. 1924 wurde auf dem Gelände der Sportplatz Förrlibuck eröffnet. Beim Eröffnungsspiel besiegte die Schweizer Fussballnationalmannschaft Ungarn mit 4:2 und sicherte sich damit die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris.[4]

Der Sportplatz verschwand im Zusammenhang mit dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. 1969 und 1970 entstanden die Herdernbrücke und das Hardturmviadukt. Der Milchverband Winterthur erwarb anschliessend von der Stadt Zürich das Grundstück zwischen dem Bahnviadukt und der Duttweilerstrasse.[4]

Toni-Molkerei

1972 begann der Bau einer neuen Grossmolkerei. Die Anlage war als hochgradig rationalisierter Industriebetrieb für die Annahme, Lagerung, Verarbeitung, Verpackung und Auslieferung grosser Mengen von Milch und Milchprodukten konzipiert.[4]

Im Mai 1977 wurde die Toni-Molkerei eröffnet. Sie galt damals als einer der grössten Milchverarbeitungsbetriebe Europas. Bis zu eine Million Liter Milch konnten pro Tag verarbeitet werden.[1]

Der Name Toni war durch die Produkte der Molkerei schweizweit bekannt. Besonders charakteristisch war das Toni-Joghurt im Glas. Ein grosses Joghurtglas auf dem Dach des Gebäudes entwickelte sich zeitweise zu einem weithin sichtbaren Erkennungszeichen der Anlage.

1979 besuchte der damalige britische Thronfolger Prinz Charles die Molkerei. Zu dieser Zeit beschäftigte der Betrieb rund 350 Personen.[4]

In den 1980er- und 1990er-Jahren entstanden in der schweizerischen Milchverarbeitung erhebliche Überkapazitäten. Gleichzeitig kam es zu Konzentrationen und Umstrukturierungen innerhalb der Branche.

Nach 22 Betriebsjahren wurde die Toni-Molkerei 1999 geschlossen.[1]

Zwischenzeitliche Nutzung

Nach der Stilllegung wurde zunächst eine Umwandlung des Gebäudes in einen Bürokomplex erwogen. Das ehemalige Industriegebäude wurde jedoch zeitweise auch für andere Zwecke genutzt.

Im Jahr 2008 fand beispielsweise im Toni-Areal eine Ausstellung über den ägyptischen Pharao Tutanchamun statt, die rund 17'000 Besucher anzog. Schwarze Deckenflächen in der heutigen Eingangshalle stammen noch aus dieser Ausstellung.[1]

Die für eine Molkerei ungewöhnlich grossen Hallen und die massive Tragstruktur boten gute Voraussetzungen für eine spätere Umnutzung.

Planung des Hochschulcampus

Die verschiedenen Einrichtungen der Zürcher Hochschule der Künste waren nach ihrer Gründung über zahlreiche Standorte in Zürich und Winterthur verteilt. Die ZHdK war 2007 durch die Fusion der Hochschule Musik und Theater Zürich mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich entstanden.[5]

Die Zusammenführung möglichst vieler Bereiche an einem Standort sollte die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen künstlerischen Disziplinen erleichtern.

2005 und 2006 wurde ein Studienauftrag für den Umbau des Toni-Areals durchgeführt. Das Projekt des Architekturbüros EM2N von Mathias Müller und Daniel Niggli gewann den Wettbewerb.[2]

Das Konzept sah vor, den riesigen Industriebau nicht vollständig abzubrechen, sondern dessen bestehende Struktur weitgehend zu nutzen, umzubauen und durch neue Gebäudeteile zu ergänzen.

Umbau

Die eigentliche Transformation des ehemaligen Molkereigebäudes begann Ende der 2000er-Jahre. Teile des Komplexes wurden abgebrochen, andere Bereiche vollständig entkernt und neu organisiert.

Nach Angaben von EM2N erstreckte sich die Planungsphase von 2005 bis 2011 und die Bauphase von 2008 bis 2014.[2]

Das Gebäude wurde dabei zu einer Art vertikaler Stadt umgestaltet. Unterschiedlichste Nutzungen wurden innerhalb eines einzigen grossen Baukörpers miteinander verbunden. Dazu gehören Unterrichtsräume, Ateliers, Werkstätten, Musikstudios, Filmstudios, Bühnen, Konzert- und Veranstaltungssäle, Bibliotheken, Büros, Ausstellungsräume, Gastronomie und Wohnungen.[2]

An der Realisierung des Umbaus waren rund 220 Unternehmen beteiligt. Während der intensivsten Bauphase arbeiteten durchschnittlich etwa 1'200 Personen gleichzeitig auf der Baustelle.[1]

Die Investitionskosten des Gesamtprojekts betrugen nach Angaben der Architekten rund 547 Millionen Franken. Die Geschossfläche beziehungsweise Projektgrösse wird von EM2N mit rund 125'000 m² angegeben.[2]

Architektur

Das Toni-Areal besitzt trotz des umfassenden Umbaus weiterhin den massiven Charakter eines industriellen Grossbaus. Die Architektur verbindet Teile der ursprünglichen Betonstruktur mit neuen Elementen.

Ein zentrales Gestaltungskonzept war die Vorstellung eines Gebäudes als Stadt. Grosse Erschliessungsflächen, Treppen, Rampen und innere Plätze übernehmen dabei Funktionen, die im öffentlichen Stadtraum von Strassen und Plätzen erfüllt werden.[2]

Besonders markant ist die grosse Erschliessungsrampe, die sich entlang des Gebäudes nach oben zieht und an die frühere industrielle Logistik des Molkereibetriebs erinnert. Über sie wurden ursprünglich Waren und Fahrzeuge innerhalb des Gebäudekomplexes bewegt.

Im Inneren verbindet eine grosse Kaskadentreppe mehrere Geschosse miteinander. Sie dient nicht nur der Erschliessung, sondern auch als Aufenthalts- und Begegnungsraum.

Die ursprüngliche Raumhöhe von 7,75 Metern blieb in der grossen Eingangshalle erhalten. An der Decke sind teilweise noch Spuren ehemaliger Installationen der Molkerei sichtbar.[1]

Die Gestaltung des Gebäudes verzichtet in vielen Bereichen bewusst auf eine vollständig verfeinerte Oberfläche. Sichtbeton, technische Installationen und gross dimensionierte Räume erinnern an die industrielle Herkunft des Komplexes.

Hochschulcampus

Am 12. September 2014 wurde der Hochschulcampus Toni-Areal offiziell eröffnet.[6]

Mit dem Umzug wurden zahlreiche zuvor über Zürich und Winterthur verteilte Standorte der Hochschulen zusammengeführt. Die ZHdK hatte vor dem Einzug Einrichtungen an 37 Standorten. Daneben bezogen zwei Departemente der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Räume im Toni-Areal.[1]

Heute sind im Gebäude hauptsächlich die Zürcher Hochschule der Künste sowie die ZHAW-Departemente Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie untergebracht.[6]

Rund 5'000 Menschen aus etwa 75 Ländern bewegen sich nach Angaben der ZHdK täglich im Toni-Areal. Das Gebäude verfügt über rund 1'400 Räume.[1]

Zürcher Hochschule der Künste

Das Toni-Areal ist der Hauptstandort der Zürcher Hochschule der Künste. Die Hochschule zählt zu den grössten Kunsthochschulen Europas.

Im Gebäude befinden sich Einrichtungen verschiedener künstlerischer Fachrichtungen, darunter:

  • Design
  • Film
  • Fotografie
  • Fine Arts
  • Musik
  • Tanz
  • Theater
  • Vermittlung
  • Kunstpädagogik
  • Kulturpublizistik

Durch die Zusammenführung der unterschiedlichen Disziplinen soll der Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Fachrichtungen gefördert werden.

Für die verschiedenen Nutzungen wurden zahlreiche spezialisierte Räume eingerichtet. Dazu zählen Konzert- und Kammermusiksäle, Tonstudios, Filmstudios, Kinos, Theater- und Tanzräume, Werkstätten und Ateliers.

Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Neben der ZHdK befinden sich zwei Departemente der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Toni-Areal.

Das Departement Soziale Arbeit und das Departement Angewandte Psychologie nutzen einen Teil des grossen Gebäudekomplexes für Unterricht, Forschung und Verwaltung.[6]

Dadurch ist das Toni-Areal nicht ausschliesslich ein Kunstcampus, sondern ein gemeinsamer Hochschulstandort unterschiedlicher Fachrichtungen.

Museum für Gestaltung Zürich

Das Museum für Gestaltung Zürich betreibt im Toni-Areal einen seiner Standorte. Seit 2014 befinden sich dort Ausstellungsflächen sowie die Sammlungen des Museums.[7]

Die vier Sammlungsbereiche Design, Grafik, Kunstgewerbe und Plakat wurden im Toni-Areal unter einem Dach zusammengeführt. Der Bestand umfasst mehr als 580'000 Objekte.[8]

Das Museum zeigt am Standort Toni-Areal wechselnde Ausstellungen mit einem besonderen Bezug zu Design, visueller Kommunikation und der Arbeit der Hochschule.[9]

Zum 150-jährigen Bestehen des Museums wurde 2025 im Toni-Areal zusätzlich die Dauerausstellung Swiss Design Collection eingerichtet. Dabei wurde auch ein Teil des zuvor nur im Rahmen von Führungen zugänglichen Schaudepots dauerhaft für das Publikum geöffnet.[10]

Wohnungen

Das Nutzungskonzept des Toni-Areals beschränkt sich nicht auf Hochschule und Kultur. Im Hochbau des Komplexes befinden sich rund 100 Wohnungen.[1]

Die Kombination von Hochschule, kulturellen Einrichtungen, Arbeitsplätzen und Wohnungen entspricht der allgemeinen Entwicklung von Zürich-West von einem ehemaligen Industriegebiet zu einem gemischt genutzten Stadtquartier.

Öffentliche und kulturelle Einrichtungen

Ein Teil des Toni-Areals ist öffentlich zugänglich. Neben dem Museum für Gestaltung befinden sich im Gebäude gastronomische Betriebe und verschiedene Veranstaltungsräume.

Zu den Einrichtungen gehören mehrere Konzert- und Veranstaltungssäle, ein Kino sowie der Musikklub Mehrspur. Hochschulveranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen, Filmvorführungen und Präsentationen machen das Gebäude auch ausserhalb des eigentlichen Hochschulbetriebs zu einem Kulturort.

Die grosszügigen inneren Erschliessungsflächen dienen teilweise ebenfalls als Ausstellungs- und Veranstaltungsorte.

Bedeutung für Zürich-West

Die Umwandlung des Toni-Areals gehört zu den markantesten Projekten des Strukturwandels von Zürich-West. Das Gebiet war während eines grossen Teils des 20. Jahrhunderts von Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Lagerhäusern und weiteren industriellen Nutzungen geprägt.

Mit dem Rückgang der Industrie entstanden auf den ehemaligen Produktionsarealen zunehmend Büros, Wohnungen, Kultur- und Bildungseinrichtungen. Neben dem Toni-Areal gehören beispielsweise der Schiffbau, das ehemalige Löwenbräu-Areal und das Maag-Areal mit dem Prime Tower zu den bekannten Umnutzungs- und Neubauprojekten des Stadtteils.

Beim Toni-Areal blieb im Gegensatz zu zahlreichen anderen ehemaligen Industrieanlagen ein sehr grosser Teil des ursprünglichen Bauvolumens erhalten. Die Transformation zeigt damit eine Möglichkeit, industrielle Grossbauten für völlig neue Nutzungen weiterzuverwenden.

Verkehr

Das Toni-Areal ist gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. Direkt vor dem Haupteingang befindet sich die Haltestelle Toni-Areal an der Pfingstweidstrasse.[11]

Im Fahrplanjahr 2026 wird die Haltestelle von der Tramlinie 51 bedient, welche vorübergehend die Funktion der Tramlinie 4 übernimmt. Die Haltestelle Fischerweg der Tramlinien 8 und 17 liegt ebenfalls nur wenige Gehminuten entfernt.[11]

Der Bahnhof Zürich Hardbrücke liegt östlich des Toni-Areals und ist zu Fuss sowie mit dem Tram erreichbar. Er bietet Verbindungen mit zahlreichen Linien der S-Bahn Zürich.

Für den motorisierten Individualverkehr verfügt der Gebäudekomplex über ein eigenes Parkhaus mit Zufahrt von der Förrlibuckstrasse.[11]

Barrierefreiheit

Das Toni-Areal verfügt über verschiedene Einrichtungen für einen barrierefreien Zugang. Dazu gehören rollstuhlgängige Zugänge, Aufzüge, automatische Türen und taktil-visuelle Leitlinien.[12]

Mehrere Veranstaltungsräume sind mit induktiven Höranlagen ausgestattet.

Kennzahlen

Zu den wichtigsten Kennzahlen des heutigen Toni-Areals gehören:

  • Bau der ursprünglichen Grossmolkerei ab 1972
  • Eröffnung der Toni-Molkerei 1977
  • Schliessung der Molkerei 1999
  • Studienauftrag für die Umnutzung 2005–2006
  • Umbau 2008–2014
  • Eröffnung als Hochschulcampus 2014
  • Projektgrösse rund 125'000 m²
  • Investitionskosten rund 547 Millionen Franken
  • rund 1'400 Räume
  • rund 5'000 Nutzerinnen und Nutzer pro Tag
  • rund 100 Wohnungen

[1][2]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Das Toni in Zahlen. In: Zürcher Hochschule der Künste. 2024-06-04. Abgerufen am 2026-08-25.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Toni-Areal. In: EM2N. Abgerufen am 2026-08-25.
  3. Standorte. In: Zürcher Hochschule der Künste. Abgerufen am 2026-08-25.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 «Tonivision» – Vom Fussballfeld zum Campus Toni. In: Zürcher Hochschule der Künste. 2024-08-29. Abgerufen am 2026-08-25.
  5. Geschichte. In: Zürcher Hochschule der Künste. Abgerufen am 2026-08-25.
  6. 6,0 6,1 6,2 Hochschulcampus Toni-Areal ist eröffnet. In: Zürcher Hochschule der Künste. 2014-09-12. Abgerufen am 2026-08-25.
  7. Geschichte. In: Museum für Gestaltung Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
  8. Schaudepot. In: Museum für Gestaltung Zürich. 2024-11-17. Abgerufen am 2026-08-25.
  9. Toni-Areal. In: Museum für Gestaltung Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
  10. Ausstellen. In: Museum für Gestaltung Zürich. Abgerufen am 2026-08-25.
  11. 11,0 11,1 11,2 Anreise. In: Zürcher Hochschule der Künste. Abgerufen am 2026-08-25.
  12. Barrierefreiheit. In: Zürcher Hochschule der Künste. Abgerufen am 2026-08-25.

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